Im Falle meines Todes vor der Fertigstellung oder Veröffentlichung dieses Buches sollen meine Aufzeichnungen fragmentarisch veröffentlicht werden unter dem Titel:
“Philosophische Bemerkungen”
und mit der Widmung:
Francis Skinner zugeeignet”
Er ist, wenn diese Bemerkung nach meinem Tode gelesen wird, von meiner Absicht in Kenntnis zu setzen, an die Adresse: Trinity College Cambridge.





 
  
 



X.
Philosophische
Grammatik.





 
  
 
27.5.32.
Ich1 kann die Regel R
a + (1 + 1)
a + (ξ + 1)
a + ((ξ + 1) + 1)
=


(a + 1) + 1
(a + ξ) + 1
((a + ξ) + 1) + 1
(Ƒ)
auch so schreiben:
a + (1 + 1)
a + (ξ + 1)
a + ((ξ + 1) + 1)
=
(a + 1) + 1
       (a + ξ) + 1 ‒ ‒ ‒ S
(a + (ξ + 1)) + 1
(Ƒ)
oder auch so:
a + (b + 1) = (a + b) + 1, wenn ich R oder S als Erklärung oder Ersatz für diese Form nehme.
  Wenn ich nun sage, in

α
β
γ
       
       
       
a + (b + 1)
a + (b + (c + 1))
(a + b) + (c + 1)
=
=
=
(a + b) + 1
a + ((b + c) + 1) = (a + (b + c)) + 1 ‒ ‒ ‒ B
((a + b) + c) + 1
(Ƒ)
 seien die Übergänge durch die Regel R gerechtfertigt, – so kann man mir drauf antworten: „[w|W]enn Du das eine Rechtfertigung nennst, so hast Du die Übergänge gerechtfertigt. Du hättest uns aber ebensoviel gesagt, wenn Du uns nur auf die Regel R & ihre formale Beziehung zu ˇα (ˇoder zu α, β & γ) aufmerksam gemacht hättest.”
    Ich hätte also auch sagen können: Ich nehme die Regel R in der & der Weise als Paradigma meiner Übergänge.
    Wenn nun Skolem etwa nach seinem Beweis für das associative Gesetz übergeht zu:
a + 1
a + (b + 1)
(b + 1) + a
=
=
=
1 + a
(a + b) + 1) ‒ ‒ ‒ C
(b + (1 + a) = b + (a + 1) = (b + a) + 1
(Ƒ)

& sagt der erste & dritte Übergang in der dritten Zeile seien nach dem bewiesenen associativen Gesetz gerechtfertigt, – so
erfahren wir damit nicht mehr, als …
sagt er uns damit nicht mehr als
wenn er sagte, die Übergänge seien nach dem Paradigma a + (b + c) = (a + (b) + c) gemacht (ˇd.h. sie entsprechen dem Paradigma) &
es
außerdem
sei ein Schema α, β, γ ab mit Übergängen nach dem Paradigma α abgeleitet. – „Aber rechtfertigt B nun diese Übergänge oder nicht?” – Was meinst Du mit dem Wort „rechtfertigen”? – „Nun, der Übergang ist gerechtfertigt, wenn wirklich ein Satz, der für alle Zahlen gilt, bewiesen ist.” – Aber in welchem Falle wäre das geschehen? Was nennst Du einen Beweis davon, daß ein Satz für alle KardinalZahlen gültig ist? Wie weißt Du ob der Satz (wirklich) für alle Kardinalzahlen giltig ist, da Du es nicht ausprobieren kannst. Dein einziges Kriterium ist ja der Beweis. Du bestimmst also wohl
eine
die
Form & nennst sie die, des Beweises, daß ein Satz für alle Kardinalzahlen gilt. Dann haben wir eigentlich gar nichts davon, daß uns ˇzuerst die allgemeine Form dieser Beweise zuerst gezeigt wird; da ja dadurch nicht gezeigt wird, daß nun der besondere Beweis wirklich das leistet, was wir von ihm verlangen; ich meine: da hiedurch der besondere Beweis nicht als einer gerechtfertigt, erwiesen, ist, der einen Satz für alle Kardinalzahlen beweist. ˇ Der recursive Beweis muß vielmehr seine eigene Rechtfertigung sein. Wenn wir unsern Beweisvorgang wirklich als den Beweis einer solchen
Allgemeinheit rechtfertigen wollen tun wir vielmehr etwas anderes, : wir gehen Beispiele einer Reihe durch & diese Beispiele & das Gesetz was wir in ihnen erkennen befriedigt uns nun & wir sagen: ja, unser Beweis leistet wirklich was wir wollten. Aber wir müssen nun bedenken, daß wir mit der Angabe dieser Beispielreihe die Schreibweise B & C nur in eine andere (Schreibweise) übersetzt haben. (Denn die Beispielreihe ist nicht die Anwendung unvollständige Anwendung der allgemeinen Form, sondern ein anderer Ausdruck dieser Form [ des Gesetzes ] .) Und weil die Wortsprache wenn sie den Beweis erklärt, erklärt was er beweist, nur den Beweis nur in eine andere Ausdrucksform übersetzt, so können wir diese Erklärung auch ganz weglassen. Und wenn wir das tun so werden die mathematischen Verhältnisse viel klarer, nicht verwischt durch die
mehrdeutigen
i
[ vieles bedeutenden ] Ausdrücke der Wortsprache. Wenn ich z.B. B unmittelbar neben A setze, ohne [d|D]azwischenkunft des Wortes „alle” [ ohne Vermittlung durch d[as|en] Ausdruck der Wortsprache „für alle Zahlen ˇKardinalzahlen etc.” ] , so kann kein falscher Schein eines Beweises von A durch B entstehen. Wir sehen dann ganz nüchtern wie weit die Beziehungen von B zu A ˇ& zu a + b = b + a reichen & wo sie aufhören. [ Wir sehen dann die nüchternen, (nackten) Beziehungen zwischen A & B, & wie weit sie reichen. ] Man lernt so erst, unbeirrt von
der alles gleichmachenden
Form
Gewalt
der Wortsprache die St eigentliche Struktur dieser Beziehung kennen & was es mit ihr auf sich hat.
  Man sieht hier vor allem, daß wir
an
in
dem Baum der Strukturen B, C, etc. interessiert sind, ˇ& daß aber an ihm zwar allenthalben die Form
φ 1 = ψ 1
φ (n + 1) = F (φ n)
ψ (n + 1) = F (φ n)
zu sehen ist, gleichsam
eine bestimmte Astgabelung
ein bestimmtes Asttrippel
, daß aber
diese
dieses
Gebilde in verschiedenen Anordnungen & Verbindungen untereinander auftreten[,| &] daß sie nicht in dem Sinne Konstruktionselemente
sind
bilden
, wie die Paradigmen im Beweis, daß oder (a + b)² = a² + 2ab + b² . ist. von a + (b + (c + 1)) = (a + (b + c)) + 1 Der Zweck, & die Rechtfertigung, der „rekursiven Beweise” ist ja, den algebraischen Kalkül mit dem der Zahlen in Verbindung zu
setzen
bringen
. Und der Baum der rekursiven Beweise „rechtfertigt” den algebraischen Kalkül nur, wenn das heißen soll, daß er ihn mit dem Ar arithmetischen in Verbindung bringt. Nicht aber in dem Sinne in welchem die Liste der Paradigmen den ˇalgebraischen Kalkül, d.h. die Übergänge in ihm, rechtfertigt. Wenn man also die Paradigmen der Übergänge tabuliert so hat das dort Sinn wo das Interesse darin liegt zu zeigen daß die & die Transformationen alle bloß mit Hilfe jener – im übrigen willkürlich gewählten –
Übergangsformen zu Stande gebracht sind. Nicht aber dort, wo sich die Rechnung in einem andern Sinne rechtfertigen soll wo also das Anschauen der Rechnung – ganz abgesehen von dem Vergleich mit einer Tabelle vorher festgelegter Normen – uns lehren muß ob wir sie zulassen sollen oder nicht. Skolem hätte uns also keinen Beweis des assoziativen & kommutativen Gesetzes versprechen
sollen
brauchen
sondern einfach sagen können, er werde uns einen Zusammenhang der Paradigmen der Algebra mit den Rechnungsregeln der Arithmetik zeigen. Aber ist das nicht Wortklauberei? hat er denn nicht die Zahl der Paradigmen reduziert & uns z.B. statt jener beiden Gesetze eines, nämlich a + (b + 1) = (a + b) + 1 gegeben? Nein. Wenn wir z.B. (a + b)⁴ = [| etc.] (k ˇbeweisen so könnten wir dabei von dem vorher bewiesenen Satz (a + b)² = [| etc.] (l gebrauch machen. Aber in diesem Fall lassen sich die Übergänge in k die durch l gerechtfertigt wurden auch durch jene Regeln Rechtfertigen mit denen l bewiesen wurde. Und es Verhält sich dann l zu jenen ersten Regeln wie ein durch Definition eingeführtes Zeichen zu den primären Zeichen mit deren Hilfe es definiert wurde. Man kann die Definition immer auch elliminieren & auf die primären Zeichen übergehen. Wenn wir aber in C einen Übergang machen der durch B gerechtfertigt ist so können wir diesen Übergang
nun nicht auch mit a + (b + 1) = (a + b) + 1 allein machen. Wir haben eben mit dem was hier Beweis genannt wird nicht einen
Übergang
Schritt
in Stufen zerlegt, sondern etwas ganz andres getan.

 
  
 
Wenn gefragt würde: ist die
Verneinung
Negation
in der Mathematik etwa in
~(2 + 2 = 5)
2 + 2 ≠ 5
die gleiche wie die nicht-mathematischer Sätze? so müßte erst bestimmt werden was als Charakteristikum
dieser
der
Verneinung ˇals solcher aufzufassen ist. Die Bedeutung eines Zeichens liegt ja in den Regeln
die seinen Gebrauch vorschreiben
nach denen es verwendet wird
. Welche dieser Regeln machen das Zeichen „~” zur Verneinung? Denn es ist klar daß gewisse Regeln die sich auf „~” beziehen für beide Fälle die gleiche sind; z.B. ~~p = p. Man könnte ja auch fragen: ist die Verneinung eines Satzes „ich sehe einen roten Fleck” die gleiche wie die von „die Erde bewegt sich in einer Elipse um die Sonne”; & die Antwort müßte auch sein: Wie hast Du „Verneinung” definiert, durch welche Klasse von Regeln? daraus wird sich ergeben ob wir in beiden Fällen „die gleiche Verneinung” haben. Wenn die Logik allgemein von der Verneinung redet, oder einen Kalkül mit ihr treibt, so ist die Bedeutung des Verneinungszeichens nicht weiter festgelegt, als sein die Regeln seines Kalküls. Wir dürfen hier nicht vergessen daß ein Wort seine Bedeutung nicht als etwas ihm ein für allemal verliehenes mit sich herumträgt
sodaß wir sicher sind wenn wir nach dieser Flasche ◇◇◇ greifen auch die bestimmte Flüssigkeit
etwa Spiritus
vielleicht Schwefelsäure
zu erwischen. [ ‒ ‒ ‒ auch die bestimmte Flüssigkeit ˇ z.B. Spiritus in der Hand zu halten. ]


 
  
 
Irrtümliche Anwendung unserer physikalischen Ausdrucksweise auf Sinnesdaten. „Gegenstände” d.h. Dinge, Körper im Raum des Zimmers & „Gegenstände” im Gesichtsfeld, der Schatten eines Körpers an der Wand als Gegenstand! Wenn man gefragt wird: „existiert der Kasten noch, wenn ich ihn nicht anschaue”, so ist die korrekte Antwort: „ich glaube nicht, daß ihn jemand gerade dann wegtragen ˇwird oder zerstören.” wird”. Die Sprachform „ich nehme x wahr” bezieht sich ursprünglich auf einen Körper Phänomen (als Argument), das im physikalischen Raum (ich meine hier: im „Raum” de[s|r] alltäglichen Ausdrucksweise). Ich kann daher diese Form nicht unbedenklich auf das Anwenden, was man Sinnesdatum nennt ˇetwa auf ein Nachbild optisches Nachbild. (Vergleiche auch, was wir über die Identifizierung von Körpern & anderseits von Farbflecken im Gesichtsfeld gesagt haben.) Was es heißt: ich, stehe das Subject, stehe dem Tisch, als Object, gegenüber, kann ich leicht verstehen; in welchem Sinne aber stehe ich meinem optischen Nachbild des Tisches gegenüber?
     „[i|I]ch kann diesen Tisch Glasscheibe nicht sehen aber ich kann ihn sie fühlen”. Kann man sagen: „ich
kann das Nachbild nicht sehen, aber …”?
ˇVergleiche: Ich sehe einen den Tisch deutlich”;
[i|I]ch sehe das Nachbild deutlich”;
„Ich höre die Musik deutlich”;
ich höre das Ohrensausen deutlich”.
Vergleiche die Grammatik Ich sehe den Tisch ˇnicht deutlich heißt etwa: ich sehe ˇnicht alle Einzelheiten des Tisches; – was aber heißt es: „ich sehe nicht alle Einzelheiten des Nachbildes”, oder: „ich höre nicht alle Einzelheiten des Ohernklingens”?
Könnte man nicht sehr wohl statt „ein Nachbild sehen” sagen: „ein Nachbild haben”? Denn: ein Nachbild „sehen”? im Gegensatz wozu? –
„Wenn Du mich auf den Kopf schlägst, sehe ich Kreise”,. –[s|S]ind es genaue Kreise, hast Du sie gemessen?” (Oder: „sind es gewiß Kreise, oder täuscht Dich Dein Augenmaß?”) – Was heißt es nun, wenn man sagt: „wir können nie einen genauen Kreis sehen”? Soll das eine Erfahrungstatsache sein, oder die Konstatierung einer logischen Unmöglichkeit? – Wenn das letztere, so heißt es also, daß es keinen Sinn hat vo[n|m] einem [s|S]ehen eines genauen Kreises zu reden. Nun, das kommt drauf an, wie man das Wort gebrauchen will. „Genauer Kreis” im Gegensatz zu einem Gesichtsbild da[ß|s] wir eine sehr kreisähnliche Elipse nennen würden kann man doch gewiß sagen. D[er|as] Kreis Gesichtsbild ist dann ein genauer Kreis welches uns wirklich ˇwie wir sagen würden kreisförmig erscheint & nicht vielleicht nur sehr ◇◇◇
ˇähnlich einem Kreis. Ist anderseits von einem Gegenstand die Rede der gemessen werden kann der Messung die Rede, so gibt es wieder verschiedene Bedeutungen des Ausdrucks „genauer Kreis” je|nach|dem welches Erfahrungs Kriterium ˇwelches ich dafür
bestimme
gebe
, daß . daß
der
der gemessene
Gegenstand genau kreisförmig ist. [ ‒ ‒ ‒ je nach dem Erfahrungskriterium, das ich für die genaue Kreisförmigkeit des Gegenstandes bestimme. ] Wenn
wir
sagen
ich nun sage
: „keine Messung ist absolut genau, so erinnern wir hier an einen Zug in der Grammatik der Angabe von Messungsresultaten. Denn sonst könnte uns Einer sehr wohl antworten: „Wie weißt Du das, hast Du alle Messungen untersucht?” – „Es gibt Man kann nie einen genauen Kreis sehen” kann die Hypothese sein daß we genauere Messung eines kreisförmig aussehenden Gegenstandes immer zu dem Resultat führen wird, daß der Gegenstand von der Kreisform abweicht. – Wenn man sagt ˇDer Satz[m|M]an kann ein 100-Eck nicht von einem Kreis unterscheiden” hat nur Sinn, wenn man die beiden auf irgend eine Weise unterscheiden kann, & sagen will man könne, so unterschiedene, sie etwa mit freiem den Augen nicht visuell nicht unterscheiden. Wäre keine Methode der Unterscheidung vorgesehen, so hätte es also keinen Sinn zu sagen, daß diese zwar wie ein Kreis zwei Figuren (zwar) gleich aussehen
aber „
tatsächlich
in Wirklichkeit
” verschieden sind. Und jener Satz wäre dann etwa die Definition
100-Eck = Kreis.
Ist in irgend einem Sinne ein genauer Kreis im Gesichtsfeld undenkbar, dann muß der Satz „ich sehe nie einen genauen Kreis im Gesichtsfeld” von der Art des Satzes sein: „ich sehe nie ein hohes C im Gesichtsfeld”. [ … , dann muß der Satz „im Gesichtsfeld ist nie ein genauer Kreis” von der Art des Satzes sein: „im Gesichtsfeld ist nie ein hohes C”. ]

 
  
 
Verschwommenheit, [U|u]nklarheit, unscharf. „Die Linien dieser Zeichnung sind unscharf”, „meine Erinnerung an die Zeichnung ist unklar ˇverschwommen”, „die Gegenstände am Rande meines Gesichtsfeldes sehe ich verschwommen”. – Wenn man von der Verschwommenheit der Gegenstände Bilder am Rande des Gesichtsfeldes spricht so schwebt einem oft ein Bild dieses Gesichtsfeldes vor wie es etwa Mach entworfen hat. Die Verschwommenheit aber die die Kontu Ränder eines Bildes auf der Papierfläche haben können der Ränder eines Bildes … ist von gänzlich andrer Natur, als die die man von den Rändern des Gesichtsfeldes aussagt. So verschieden wie die Blässe der Erinnerung an eine Zeichnung von der Blässe einer Zeichnung selbst. Wenn seinerzeit im Film eine Erinnerung oder ein Traum dargestellt werden sollte, so gab man den Bildern einen
bläulichen Ton. Aber die ˇTraum- & Erinnerungsbilder haben natürlich keinen bläulichen Ton – sowenig wie unser Gesichtsbild verwaschene Ränder hat ; also sind die bläulichen
Projektionen auf der Leinwand
Bilder
[ bläulichen Bilder auf der Leinwand nicht ˇunmittelbar anschauliche Bilder der Träume, sondern Bilder in ˇnoch einem andern Sinn. [ D – Bemerken wir im gewöhnlichen Leben, wo wir doch unablässig schauen, die Verschwommenheit an den Rändern des Gesichtsfeldes? Ja, welcher Erfahrung entspricht sie eigentlich, denn im normalen Sehen kommt sie nicht vor! Nun, wenn wir den Kopf nicht drehen & wir beobachten etwas, was wir durch drehen der Augen gerade noch sehen können, dann sehen wir etwa einen Menschen, können aber sein Gesicht nicht erkennen, sondern sehen es in gewisser Weise verschwommen. Die Erfahrung hat nicht die geringste Ähnlichkeit mit dem Sehen einer Scheibe auf
welcher
der
Bilder gemalt sind die in der Mitte der Scheibe ˇmit scharfen Umrissen haben & etwa nach dem Rand zu mehr & mehr verschwimmend etwa in ein allgemeines Grau ˇ unmerklich übergehend. Wir denken an so eine Scheibe, wenn wir z.B. fragen: könnte man sich nicht
ein
das
Gesichtsfeld auch so denken mit gleich bleibender Klarheit der Umrisse etc. denken? Es gibt keine Erfahrung ˇdie im Gesichtsfeld die der entspräche, wenn man den Blick einem Bild entlanggleiten läßt das von scharfen Figuren zu immer verschwommeneren übergeht.

 
  
 
   Die visuelle Gerade berührt den visuellen Kreis nicht in einem Punkt sondern in einer visuellen Strecke. – Wenn ich einen
eine
die
die
Zeichnung eines Kreises & einer Tangente ansehe, so
wäre
ist
nicht das merkwürdig
daß
wenn
ich etwa niemals einen vollkommenen Kreis & eine vollkommene Gerade mit einander in Berührung sehe; interessant
wird
wäre
ist
es erst, wenn ich sie sehe, & dann die Tangente mit dem Kreis ein Stück zusammenläuft.

 
  
∕∕
 
30.
   Denken wir uns folgendes psychologisches Experiment: Wir zeigen dem Subject zwei Linien g1, g2 durch welche quer die Gerade a gezogen ist. [d|D]as Stück dieser Geraden welches zwischen g1 & g2 liegt werde ich
die Strecke
auch
a nennen. Wir ziehen nun in beliebiger [e|E]ntfernung von a & parallel dazu b & fragen ob er die Strecke b größer sieht als a oder ob er die beiden Längen nicht mehr unterscheidet. Er antwortet, b erscheine größer als a. Darauf nähern wir uns a, indem wir die Distanz von a zu b halbieren mit unsern Meßinstrumenten halbieren & ziehen c. „Siehst Du c größer als a?” . „Ja”. Wir halbieren die Distanz c–a & ziehen d. „Siehst Du d größer als a?” . „Ja”. Wir halbieren a–d. „Siehst Du e größer als a?. – „Nein”. Wir halbieren daher e–d. „Siehst Du f größer als e?” – „Ja”. Wir halbieren also e–f & ziehen g h. Wir könnten uns so auch von der linken Seite der Strecke a nähern, &
dann sagen daß einer gesehenen Länge a im [e|E]uklidischen Raum nicht eine Länge sondern ein Interval von Längen entspricht, und in ahnlicher Weise einer gesehenen Lage eines Strichs (etwa
des
eines
Zeigens eines Instruments) ein Interval von Lagen im Euklidischen Raum; aber dieses Interval hat nicht scharfe Grenzen. Das heißt: es ist nicht von Linien be Punkten begrenzt sondern von konvergierenden Intervalen die nicht gegen einen Punkt konvergieren. (Wie die Reihe der Dualbrüche die wir durch Werfen von Kopf & Adler erzeugen). Das Charakteristische zweier Intervale, die so nicht durch Punkte sondern durch unscharf begrenzt sind, ist, daß auf die Frage, ob sie einander übergreifen oder getrennt von einander liegen in gewissen Fällen die Antwort lautet: „unentschieden”. Und daß die Frage ob sie einander berühren, einen Endpunkt mit einander gemein haben, ˇimmer sinnlos ist, (da sie ja keine Endpunkte haben. Man könnte aber sagen: sie haben vorläufige Endpunkte. In dem Sinne in welchem die Entwicklung von π ein vorläufiges Ende hat. An dieser Eigenschaft des ‚unscharfen’ Intervals ist natürlich nichts geheimnisvolles sondern das etwas Paradoxe liegt klärt sich durch die doppelte Verwendung des Wortes Interval auf.
Es ist dies der gleiche Fall wie der der doppelten Verwendung des Wortes Schach, wenn es einmal die Gesamtheit der jetzt geltenden Schachregeln bedeutet, ein andermal: das Spiel welches N.N. in Persien erfunden hat & welches sich so & so entwickelt hat. In einem Fall ist es unsinnig von einer
Entwicklung
Änderung
der Schachregeln zu reden, im andern Fall nicht. Wir können „Länge einer gemessenen Strecke” entweder das nennen, was bei einer bestimmten Messung her die ich heute um 5 Uhr durchführe herauskommt – dann gibt es für diese Längenangabe kein „ ± etc.” –, oder etwas dem sich Messungen nähern etc.; in den zwei Fällen wird das Wort „Länge” mit mit ganz verschiedener Grammatik gebraucht. Und ebenso das Wort „Interval l ” wenn ich einmal etwas Fertiges, einmal etwas sich [e|E]ntwickelndes ein Interval nenne.

I: Die Intervalle liegen getrennt
II sie liegen getrennt & berühren sich vorläufig
III unentschieden
IV unentschieden
V unentschieden
VI sie übergreifen
VII sie übergreifen
Wir können uns aber nicht wundern, daß nun ein Interval so seltsame Eigenschaften haben soll; das wir eben etwas das Wort Interval jetzt in einem nicht gewöhnlichen Sinn gebrauchen. Und wir können nicht sagen wir haben neue Eigenschaften gewisser Intervalle entdeckt. So wenig wie wir neue Eigenschaften des Schachkönigs entdecken würden, wenn wir die Regeln des Spiels änderten aber die Bezeichnung „Schach” & „König” bei[g|b]ehielten. (Vergl. dagegen Brouwer über das Gesetz des ausgeschlossenen Dritten.)
       Jener Versuch ergibt also wesentlich, was wir ein „unscharfes” Interval genannt haben, dagegen
wären
sind
natürlich andere Experimente möglich [ denkbar ] die statt dessen ein scharfes Interval ergeben. Denken wir etwa, wir bewegten ein Lineal (langsam) von der Anfangsstellung b, & parallel zu dieser, gegen a hin, bis et in unserm Subjekt irgend eine bestimmte Reaktion einträte; dann könnten wir den Punkt an dem die Reaktion beginnt die Grenze unseres Streifens nennen. – So könnten wir natürlich auch ein Wägungsresultat „das Gewicht eines Körpers” nennen & es gäbe dann in diesem Sinn eine absolut genaue Wägung d.i. eine deren Resultat nicht die Form „G ± g” hat. Wir haben
damit unsere Ausdrucksweise geändert, & müssen nun sagen daß der Körper sein das Gewicht des Körpers schwankt & zwar nach einem uns unbekannten Gesetz. (Die Unterscheidung zwischen „absolut genauer” Wägung & „wesentlich ungenauer” Wägung ist ein grammatischer & bezieht sich auf zwei verschiedene Bedeutungen des
Ausdrucks
Wortes
„Wägung” oder
Ergebnis
Resultat
) der Wägung”.)

 
  
∕∕
 
  Die Unbestimmtheit des Wortes „Haufen”. Ich könnte definieren: ein Körper von gewisser Form & [k|K]onsistenz etc. sei ein Haufe wenn er ˇsein Volumen K m ³ beträgt, oder
darüber
mehr
, was darunter liegt will ich ein Häufchen nennen. Dann gibt es kein größtes Häufchen; das heißt: dann ist es sinnlos von
dem
einem
„größten Häufchen” zu reden. Umgekehrt könnte ich bestimmen: Haufe solle alles das sein, was größer als K m ³ ist & dann hätte der Ausdruck [|d]er kleinste Haufe” keine Bedeutung. Ist aber diese Unterscheidung nicht müßig? Gewiß, – wenn wir ˇunter dem Volumen ein mit Meßungsresulta[t|]ten im gewöhnlichen Sinne verstehen; denn dieses Resultat hat die Form „V ± v”. [ Gewiß, – wenn wir unter dem Resultat der Messung des Volumens einen Ausdruck von der Form „V ± v” verstehen. ] Sonst aber wäre diese könnte die Unterscheidung so brauchbar sein wie nicht müßiger als die zwischen einem Schock Äpfeln & 61 Äpfeln.

 
  
∕∕
 
Die Verschwommenheit, Unbestimmtheit unserer
Sinneseindrücke ist nicht etwas dem sich abhelfen läßt, eine Verschwommenheit, der auch völlige Schärfe entspricht (oder entgegensteht). Vielmehr ist diese allgemeine Unbestimmtheit, Ungreifbarkeit, dieses Schwimmen der Sinneseindrücke, das, was mit dem Worte „alles fließt” bezei bezeichnet worden ist. Wir sagen „man sieht nie einen genauen Kreis”, & wollen sagen, daß, auch wenn wir keine Abweichung von der Kreisform sehen, das nicht ˇuns keinenˇuns das keinen genauen Kreis gibt. (Es ist als wollten wir sagen: wir können dieses Werkzeug nie genau führen denn wir halten nur den Griff & das Werkzeug sitzt im Griff lose.) Was aber verstehen wir dann unter dem Begriff ‚genauer Kreis’? Wie sind wir zu diesem Begriff überhaupt gekommen? Nun, wir denken z.B. an eine genau gemessene Kreisscheibe aus einem sehr harten Stahl. Aha – also dorthin zielen wir mit dem Begriff ‚genauer Kreis’. Freilich, davon finden wir im Gesichtsbild nichts. Wir haben eben die Darstellungsform gewählt, die die Stahlscheibe als genauer nennt als die Holzscheibe & die Holzscheibe genauer als die Papierscheibe. Wir haben den Begriff „genau” durch eine Reihe bestimmt, & reden von den Sinneseindrücken als ˇBildern, ungenauen Bildern, der physikalischen Gegenstände.

 
  
 
Die Gallstonesche [F|Ph]otographie, das Bild einer Wahrscheinlichkeit. Das Gesetz der Wahrscheinlichkeit, das Naturgesetz, was man
sieht wenn man blinzelt.

 
  
 
  In den Theorien & Streitigkeiten der Philosophie finden wir die Worte deren Bedeutungen uns vom alltäglichen Leben her wohlbekannt sind in einem ultraphysischen Sinne angewandt.

 
  
 
2 + 3 + 4
      5
            9
     2 + 4 + 3
      6
            9
     4 + 3 + 2
      7
            9
(Ƒ) „Siehst Du, es kommt tatsächlich immer dasselbe heraus”, möchte man sagen. So aufgefaßt, haben
ist
war
die Rechnung ein Experiment. Wir haben die Regeln des Eins-&-Eins angewendet & denen sieht man es nicht unmittelbar an, daß sie in den drei Fällen zum gleichen Resultat führen. Man wundert sich gleichsam, daß die Ziffern, losgelöst von ihren Definitionen so richtig funktionieren. Oder vielmehr: daß die Ziffernregeln so richtig arbeiten, wenn sie nicht von den Definitionen kontrolliert werden. – Denken wir an den Schritt, der zu machen ist von der gelernten Regel des Eins-&-Eins zu der Anwendung der Regel in dem speziellen Fall. –

 
  
 
Könnten die Berechnungen eines Ingenieurs ergeben, daß
eine Dimension
die Stärke
eines eine Maschinenteils bei gleichmäßig wachsender Belastung in d[ie|er] Reihe der Primzahlen fortschreiten müsse? [ daß die Stärken eines Maschinenteils … müssen? ]



 
  
 
Ist nicht
1 : 3 = 0,3
  1
entscheidet durch ihre
Periodizität nichts, was früher offen gelassen war. Wenn vor der Entdeckung der Periodizität [e|E]iner vergebens nach einer 4 in der Entwicklung von 1 : 3 gesucht hätte, so hätte er doch die Frage „gibt es eine 4 in der Entwicklung von 1 : 3” nicht sinnvoll stellen können; d.h., abgesehen davon daß er tatsächlich zu keiner 4 gekommen war, können wir ihn davon überzeugen, daß er keine Methode besitzt seine Frage zu entscheiden. Oder auch wir könnten auch sagen: abgesehen von dem Resultat seiner Tätigkeit könnten wir ihn über die Grammatik seiner Frage & die Natur seines Suchens aufklären[.| (]wie einen heutigen Mathematiker der über das Goldba analoge Probleme.) „Aber als Folge der Entdeckung der Periodizität hört er nun doch gewiß auf ˇnach einer 4 zu suchen! Sie überzeugt ihn also, daß er nie eine finden wird.” – Nein. Die Entdeckung der Periodizität bringt ihn vom Suchen ab, wenn er sich nun neu einstellt. Man könnte ihn nun fragen: „Wie ist es nun, willst Du noch immer nach einer 4 suchen?” (Oder hat Dich, sozusagen, die Periodizität, auf andere Gedanken gebracht.)
    Und die Entdeckung der Periodizität ist in Wirklichkeit die Konstruktion eines neuen Zeichens & Kalküls. Denn es ist irreführend ausgedrückt wenn wir sagen sie bestehe darin daß es
uns aufgefallen sei, daß der erste Rest gleich dem Dividenden ist. Denn hätte man [e|E]inen, der die periodische Division nicht kannte gefragt ist in dieser Division der erste Rest gleich dem Dividenden, so hätte er natürlich „ja” gesagt; es wäre ihm also aufgefallen. Aber damit hätte ihm nicht die Periodizität auffallen brauchen: d.h.: er hätte damit nicht den K[ä|a]lkül mit den Zeichen aa : b = c gefunden.

     Ist nicht, was ich hier sage im G
immer dasselbe
das
, was Kant meinte damit meinte, daß 5 + 7 = 12 nicht analytisch sondern synthetisch a priori sei?


 
    
Der Satz, daß eine Klasse einer ihrer Subklassen nicht ähnlich ist, ist für endliche Klassen nicht wahr, sondern eine Tautologie. Die ˇgrammatischen Regeln über die Allgemeinheit der generellen Implication in dem Satz daß „k ist eine Subklasse von K” ist enthalten das was der Satz, K sei eine unendlich Klasse, sagt. [ Die grammatischen Regeln über die Allgemeinheit
jener
der
generellen Implication im Satz „k ist eine Subklasse von K” … ] .


\
  
 
Unzulänglichkeit der Frege- & Russellschen Allgemeinheitsbezeichnung.
   Es hat Sinn zu sagen „schreib eine beliebige Kardinalzahl hin”, ist aber Unsinn zu sagen: „schreib alle Kardi-
nalzahlen hin”. „In dem Viereck befindet sich ein Kreis” ˇ ((∃x) ∙ φx) hat Sinn, aber nicht ˇ also ~ (∃x) ~φx: „in dem Viereck befinden sich alle Kreise”.
Und was sollte der Satz (∃x) ~φx bedeuten: „es gibt einen Kreis der nicht im Viereck ist”? „Auf einem andersfarbige[m|n] Hintergrund befindet sich ein roter Kreis” hat Sinn, aber nicht „es gibt keine ˇvon rot verschiedene Farbe eines Hintergrundes auf der sich kein roter Kreis befindet”.
    „In diesem Viereck ist ein ˇschwarzer Kreis”: Wenn dieser Satz die Form „(∃x) ∙ x ist ein schwarzer Kreis ˇim Viereck” hat,
welcher Art
was
ist so ein Ding x
das
welches
die Eigenschaft hat ein schwarzer Kreis zu sein (& also auch die haben kann kein schwarzer Kreis zu sein)? Ist es etwa ein Ort im Quadrat? dann aber gibt es keinen Satz „(x) ∙ x ist ein schwarzer …” Anderseits könnte jener Satz bedeuten „es gibt einen Fleck de im Quadrat, der ein schwarzer Kreis ist”. Wie verifiziert man diesen Satz? Nun, man geht die verschiedenen Flecken im Quadrat durch & untersucht sie darauf hin ob sie ganz schwarz & kreisförmig sind. Welcher
Art
Satz
ist aber der Satz: „Es gibt ist keinen Fleck i[m|n] dem Quadrat”? Denn, wenn das ‚x’ in ‚(∃x)’ im vorigen Fall ‚Fleck im Quadrat’ hieß, dann kann es zwar einen Satz „(∃x) ∙ φx” geben, aber keinen ~(∃x) oder ~(∃x). Oder, ich könnte wieder fragen: Was ist das für ein Ding, das die Eigenschaft haben ka hat (oder nicht hat) ein Fleck im Quadrat zu sein?
    Und wenn man sagen kann „ein
Fleck ist in dem Quadrat”, hat es
damit
dann
auch schon Sinn zu sagen „alle Flecken sind in dem Quadrat”? Welche alle?

 
  
 
1.6.
Was heißt es: „die Punkte die das Experiment liefert, liegen durchschnittlich auf einer Geraden”? oder: „wenn ich mit einem guten Würfel würfle so werfe ich durchschnittlich alle 6 Würfe eine 1”? Ist dieser Satz mit jeder Erfahrung die ich etwa mache vereinbar? Wenn er das ist so sagt er nichts. Habe ich (vorher) angegeben mit welcher Erfahrung er nicht mehr vereinbar ist, welches die Grenze ist bis zu der die Ausnahmen von der Regel gehen dürfen, ohne die Regel umzustoßen? Nein. Hätte ich aber nicht eine solche Grenze aufstellen können? Gewiß. – Denken wir uns die Grenze wäre [die :| ] Wenn unter 6 aufeinander folgenden Würfen 4 gleiche auftreten ist der Würfel schlecht. Nun fr[ä|a]gt man aber: „Wenn das aber nur selten genug geschieht, ist er dann nicht doch gut?” – Darauf lautet die Antwort: Wenn ich das Auftreten von 4 gleiche Würfen unter 6 aufeinanderfolgenden für eine bestimmte Zahl von Würfen erlaube, so ziehe ich damit eine andere Grenze als die erste war. Wenn ich aber sage „jede Anzahl gleicher aufeinanderfolgender Würfe ist erlaubt, wenn sie nur selten genug auftritt, dann habe ich damit die Güte
des Würfels im strengen Sinne ˇals unabhängig von den Wurfresultaten erklärt. Es sei denn daß ich unter der Güte des Würfels nicht eine Eigenschaft des Würfels sondern eine Eigenschaft einer bestimmten Partie im Würfelspiel verstehe. Denn dann kann ich allerdings sagen: Ich nenne den Würfel in einer Partie gut wenn unter den N wu Würfen der Partie nicht mehr als log N gleiche aufeinanderfolgende vorkommen. H Hiermit wäre aber eben kein Test zur Überprüfung von Würfeln gegeben, sondern ein Criterium zur Beurteilung einer Partie des Spiels.

 
  
 
Man sagt, wenn der Würfel ˇganz gleichmäßig & sich selbst überlassen ist m dann muß die Verteilung der Würfresultate Ziffern 1, 2, 3, 4, 5, 6 in unter den Wurfresultaten gleichförmig sein, weil kein Grund vorhanden ist, weshalb die eine Ziffer öfter vorkommen sollte als die andere. Aber wie ist es mit den Werten der Funktion (x ‒ 3)² r (1 ‒ 3)², (2 ‒ 3)², (3 ‒ 3)², (4 ‒ 3)², (5 ‒ 3)², (6 ‒ 3)²; ist ein Grund vorhanden für die Argumente von 1 bis 6; ist ein Grund vorhanden, warum einer dieser Werte öfter unter den Wurfresultaten vorkommen sollte als ein anderer. Könnte ich nicht ebensogut das als das a priori Wahrscheinliche Erklären?
Stellen wir nun aber die Wurfresultate statt durch die Ziffern 1 bis 6 durch die Werte der Funktion (x ‒ 3)² für die Argumente 1 bis 6 dar also durch die Ziffern 0, 1, 4, 9. Ist
ein Grund vorhanden, warum eine dieser Ziffern öfter in den ˇneuen Wurfresultaten fungieren soll als eine andere? Dies lehrt uns, daß das Gesetz a priori der Wahrscheinlichkeit eine Form von Gesetzen ist, wie die der Minimumsgesetze der Mechanik etc.. Hätte man durch Versuche herausgefunden, daß die Verteilung der Würfe ˇ1 – 6 eines gleichmäßigen mit einem regelm Würfels so ausfällt, daß die Verteilung der Werte (x ‒ 3)² eine gleichmäßige wird, so hätte man nun diese Ver Gleichmäßigkeit
als
fürc
die Gleichmäßigkeit a priori erklärt.
    So machen wir es auch in der ˇkinethischen Gastheorie, : wir stellen die Verteilung der Molekülbewegungen in der Form ˇirgend einer gleichförmigen Verteilung dar was aber gleichförmig verteilt ist – so wie an andrer Stelle was zu einem Minimum wird – wählen wir so daß unsere Theorie mit der Erfahrung übereinstimmt.

 
  
 
„Die Moleküle bewegen sich blos nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit”, das soll heißen: die Physik tritt ab, & laß überläßt die Moleküle sich selbst bewegen sich jetzt quasi bloß nach Gesetzen der Logik. Diese Meinung ist der verwandt der, daß das Trägheitsgesetz ein Satz a priori ist, & auch hier redet man davon, was ein Körpert tut, wenn er sich selbst
überlassen ist. Was ist das Criterium dafür, daß er sich selbst überlassen ist? Ist es am Ende das, daß er sich gleichförmig in einer Geraden bewegt? Oder ist es ein anderes. Wenn das letztere dann ist es eine Sache der Erfahrung ob das Trägheitsgesetz stimmt; im ersten Fall aber war es gar kein Gesetz, sondern eine Definition. Und analoges gilt von
einem
dem
Satz S: „wenn die
Teilchen
Körper
sich selbst überlassen sind, dann ist die Verteilung ihrer Bewegungen die & die”. Welches ist das Criterium dafür daß sie sich selbst überlassen sind? etc..

 
  
 
[
Wenn die Messung ergiebt, daß der Würfel genau & homogen ist
Wenn man sagt: der Würfel ist gleichmäßig
, & ich nehme an, daß die Vert Ziffern auf seinen Flächen die Wurfresultate nicht beeinflußen, so folgt & & daß die werfende Hand ˇbewegt sich – gleichmäßig – bewegt regellos folgt daraus die ˇdurchschnittlich gleichmäßige Verteilung der Würfe 1 bis 6? Woraus sollte man
die
das
schließen? Über die Bewegung beim Werfen hat man keine Annahme gemacht & die ˇ Premisse der [ Annahme der ] Genauigkeit des Würfels ist doch von ganz anderer
Art
Multiplizität
, als eine durchschnittlich gleichförmige Verteilung von
Resultaten
Ziffern
. (Die Premisse ist gleichsam einfärbig, die Konklusion gesprenkelt.) Warum hat man gesagt, der Esel werde zwischen den beiden gleichen Heubündeln verhungern, & nicht, er
werde
von beiden durchschnittlich gleich oft fressen?
durchschnittlich sooft von dem einen wie von dem andern fressen?
]→


 
  
 
Behaviourism. „Mir scheint, ich bin traurig, ich lasse den Kopf so hängen”.
Warum hat man kein Mitleid, wenn eine Tür ungeölt ist & beim auf- & zumachen
schreit
quietscht
? Haben wir mit dem Andern der sich benimmt wie wir, wenn wir Schmerzen haben, Mitleid, auf philosophische Erwägungen hin, die zu dem Ergebnis geführt haben, daß er leidet wie wir? Ebensogut könnten uns die Physiker damit Furcht einflößen daß sie uns versichern, der Fußboden sei gar nicht kompakt, wie er scheine, sondern bestehe aus losen Partikeln die [R|r]egellos herumschwirren. „Aber wir hätten doch mit dem Andern nicht mitleid, wenn wir wüßten daß er nur eine Puppe ist oder seine Schmerzen blo [ß|s] heuchelt.” Freilich– , aber wir haben auch ganz bestimmte Kriterien dafür daß einer etwas eine Puppe ist oder daß [e|E]iner seine Schmerzen heuchelt & diese Kriterien stehen eben im Gegensatz zu denen die wir Kriterien dafür nennen, daß etwa keine Puppe (sondern etwa ein Mensch) ist & seine Schmerzen nicht heuchelt (sondern wirklich welch Schmerzen hat).

 
  
 
Die Untersuchung der Regeln
des Gebrauchs unserer Sprache, die Erkenntnis dieser Regeln & übersichtliche Darstellung läuft auf das hinaus, d.h., leistet dasselbe, was man oft durch die Konstruktion einer phänomenologischen Sprache
erzielen
leisten
will.
  Jedesmal wenn wir erkennen, daß die & die Darstellungsweise auch durch eine andre ersetzt werden kann, machen wir einen Schritt zu diesem Ziel.

 
  
∕∕
 
Wie kommt es daß die Philosophie ein so komplizierter
Bau
Aufbau
ist. Sie sollte doch
ganz
gänzlich
einfach sein wenn sie jenes Letzte von aller Erfahrung Unabhängige ist, wofür Du sie ausgibst. – Die Philosophie löst Knoten
in unserem Denken auf; …
auf die wir in unser Denken gemacht haben;
daher muß ihr Resultat einfach sein, ihre Tätigkeit aber
so kompliziert wie
derselben
Knoten, die sie auflöst.

 
    
Hat es Sinn zu sagen, zwei Menschen hätten den|selben Körper? Welches wären die Erfahrungen, die wir mit diesem Satz beschrieben? Daß ich darauf käme daß das was ich meine Hand nenne & bewege an dem Korper eines Andern sitzt ist natürlich denkbar, denn ich sehe während ich jetzt schreibe die Verbindung meiner Hand mit meinem übrigen Körper nicht & ich könnte wohl
daraufkommen daß sich die frühere Verbindung gelöst hat & also auch daß meine Hand jetzt an dem Arm eines Andern sitzt. Angenommen ich & mein Freund sitzen nebeneinander ohne uns einander anzuschauen, ich schreibe ohne meinen rechten Arm zu sehen. Plötzlich sehe ich mich um & werde gewahr daß meine Hand an seinem Arm sitzt. Ich mache ihn darauf aufmerksam, & er sagt: „ich habe gerade mit dieser Hand geschrieben, allerdings nicht auf sie geschaut & habe nicht gewußt daß sie jetzt ausschaut wie Deine & Du ein Gefühl in ihr hast”.

  
 
  Die Geometrie ist nicht die Wissenschaft (Naturwissenschaft) von den geometrischen Ebenen, ˇgeometrischen Geraden & ˇgeometrischen Punkten, im Gegensatz etwa zu einer andern Wissenschaft die von den groben physischen Geraden, Strichen, Flächen etc. handelt & deren Eigenschaften angibt. Der Zusammenhang der Geometrie mit Sätzen ˇdes praktischen Lebens, die von Strichen, Farbgrenzen, Kanten& , Ecken ˇ etc handeln ist nicht der, daß in ihr ähnliche Sätze über ähnliche, wenn auch ideale Dinge (Kanten, Ecken etc) sie aus allgemeinen besteht spricht sie über ähnliche Dinge wie diese spricht, wie diese Sätze, wenn auch über ideale Kanten, Ecken, etc.., sondern derc, zwischen diesen Sätzen & ihrer Grammatik. Die angewandte Geometrie
ist die Grammatik der Aussagen über die ˇräumlichen Gegenstände, daß. Die sogenannte geometrische Geraden verhalt sich zu einer Farbgrenze nicht wie etwas Feines zu etwas Grobem, sondern wie Möglichkeit zur Wirklichkeit. (Denke an die Auffassung der Möglichkeit als Schatten der Wirklichkeit.)


 
  
 
Der Name den ich eine[s|m] Körpers ˇgebe, einer Fläche, eine[s|m] Ortes, einer Farbe, hat jedesmal andere Grammatik. Der Name „a” in „a ist gelb” hat h eine andere Grammatik wenn a der Name eines Körpers & wenn es der Name der OberfläFläche eines einer Fläche eines Körpers ist, ob nun ein Satz „dieser Körper ist gelb” sagt daß die Oberfläche des Körpers gelb ist, oder daß er durch & durch gelb ist. „Ich zeige auf a”
hat
hat eine
verschiedene Grammatik,
je nachdem
wenn
a ein Körper, eine Fläche, eine Farbe ist etc.. Und so hat auch das hinweisende Fürwort „dieser” (diese, dieses) andere Bedeutung (d.h. Grammatik) wenn es ˇsich auf Hauptwörter verschiedener Grammatik bezieht.

 
  
∕∕
 
Zu sagen, die Punkte, die dieses Experiment liefert, liegen durchschnittlich auf dieser Linie, z.B. einer Geraden, sagt etwas Ahnliches wie: „aus dieser Entfernung gesehen, scheinen sie in einer Geraden zu liegen”.

⌊⌊ Ausdruck eines Gesichts unter diesen Umständen. ⌋⌋ Ich kann von einer
Strecke
Linie
sagen, der allgemeine Eindruck ist der einer Geraden; aber nicht von der Linie a 〰; obwohl es möglich wäre, die es sie als Stück einer längeren Linie zu sehen in der sich die Abweichungen ˇdes Stückes a von der Geraden verlieren würden. Ich kann nicht ˇvon jenem a sagen: „jenes Stück „die Linie schaut gerade aus, denn sie kann das Stück einer Linie sein die mir als Ganzes den Eindruck der Geraden macht.” (Berge auf der Erde & auf dem Mond. Erde eine Kugel.)

\
  
 
Von Sinnesdaten in dem Sinne dieses Wortes, in dem es undenkbar ist, daß der Andere sie hat, kann man eben aus diesem Grunde auch nicht sagen, daß der Andere sie nicht hat. Und eben darum ist es auch sinnlos zu sagen, daß ich, im Gegensatz zum Andern, sie habe. – Wenn man sagt „seine Zahnschmerzen kann ich nicht fühlen”, meint man damit, daß man die Zahnschmerzen des Andern bis jetzt nie gefühlt hat? Wie unterscheiden sich seine Zahnschmerzen von den [M|m]einen? Wenn das Wort „Zahnschmerzen” in den Sätzen „ich habe Z.” & „er hat Z.” die gleiche Bedeutung hat, was heißt es dann zu sagen, daß er nicht dieselben Zahnschmerzen haben kann, wie ich? Wie können sich den verschiedene Z. von einander unterscheiden? Durch Stärke, durch den Charakter des
Schmerzes (stechend, bohrend, etc) & durch die Lokalisation im
Kiefer
Kopf
. Wenn nun aber diese Charakteristica bei beiden dieselben sind? – Wenn man aber einwendet, ihr der [u|U]nterschied der Schmerzen sei eben der, daß in einem Falle ich sie habe, im andern Fall er! – dann ist also die besitzende Person eine Charakteristik der Zahnschmerzen selbst. Aber was wie ist es dann mit dem Satz „ich habe [z| Z].” oder „er hat Z.” ausgesagt? – Wenn das Wort „Z” in beiden Fällen die gleiche Bedeutung hat, dann muß man die Z der beiden mit einander vergleichen können & wenn sie in Stärke etc. etc. mit einander übereinstimmen, so sind sie die gleichen; wie zwei Anzüge die gleiche Farbe besitzen, wenn sie in [b|B]ezug auf Helligkeit, Sättigung etc. miteinander übereinstimmen.
   Wenn man fragt „ist es denkbar daß ein Mensch die Z. des andern fühlt?” so schweben einem dabei die Z. des [a|A]ndern gleichsam als ein Körper ein Volumen vor im Mund des [a|A]ndern & die Frage scheint zu fragen ob wir an diesem Schmerzvolumen teil haben können. Etwa dadurch daß sich unser beider Wangen durchdrängen. Aber auch das scheint dann nicht zu genügen & wir müßten ganz mit ihm zusammenfallen [ & wir müßten uns ganz mit ihm decken. ]

 
  
∕∕
 
Das Experiment des Würfelns dauert eine
gewisse Zeit, & unsere Erwartungen, für über die Zukünftigen Ergebnisse des Würfelns können sich nur auf Tendenzen gründen, die wir in den Ergebnissen des Experiments wahrnehmen. D.h., das Experiment kann nur die Erwartung begründen, daß es so weitergehen wird, wie (es) das Experiment gezeigt hat. Aber wir können nicht erwarten, daß das Experiment, wenn fortgesetzt, nun Ergebnisse liefern k wird, die mehr als die des wirklich ausgeführten Experiments mit einer vorgefaßten Meinung über seinen Verlauf übereinstimmen. Wenn ich also z.B. Kopf & Adler werfe & in den Ergebnissen des Experiments keine Tendenz der Kopf- & Adlerzahlen finde, sich weiter einander zu nähern, so gibt das Experiment mir keinen Grund zur Annahme, daß seine [f|F]ortsetzung eine solche Annäherung zeigen wird. Ja die Erwartung dieser Annäherung muß sich selbst auf einen bestimmten Zeitpunkt beziehen, denn man kann nicht sagen, „ich man erwarte daß ein Ereignis einmal – in der unendlichen Zukunft – eintreten werde. [ Ja, die Erwartung dieser Annäherung

 
  
 
3.
Ein Gedanke über die Darstellbarkeit der unmittelbaren Realität durch die Sprache:

    „Der Strom des Lebens, oder der Strom der Welt, fließt dahin, & unsere Sätze werden,
sozusagen, nur in Augenblicken verifiziert. Unsere Sätze werden nur von der Gegenwart verifiziert. – Sie müssen also so gemacht sein, daß sie von ihr verifiziert werden können. Sie müssen das Zeug haben, um von ihr verifiziert werden zu können. Dann haben sie also in irgend einer Weise die Kommensurabilität mit der Gegenwart [ Dann sind sie also in irgend einer Weise mit der Gegenwart kommensurabel ] & diese dies können sie nicht haben sein trotz ihrer raum-zeitlichen Natur, sondern diese muß sich zur Kommensurabilität verhalten, wie die Körperlichkeit eines Maßstabes zu seiner Ausgedehntheit,
mittels
mit
der er mißt. Im Fall des Maßstabes kann man auch nicht sagen: ‚Ja, der Maßstab mißt die Länge trotz seiner Körperlichkeit; freilich, ein Maßstab, der nur Länge hätte, wäre das Ideal, wäre, der reine Maßstab’. Nein, wenn ein Körper Länge hat, so kann es keinen Körper ohne Länge ohne einen Körper geben – & wenn ich auch verstehe, daß in einem bestimmten Sinn nur die Länge des Maßstabs mißt, so bleibt doch kein Beistrich was ich in die Tasche stecke der Maßstab[;|,] der Körper, & nicht die Länge.”

 
  
 
Die Anschauungen neuerer Physiker stimmen mit den meinen Ich stimme mit den überein, wenn sie sagen, daß die Zeichen in ihren Gleichungen keine „Bedeutungen” mehr haben, & daß die Physik zu keinen solchen Bedeutungen gelangen könne, sondern bei den Zeichen stehen
bleiben müsse: Ssie sehen nämlich nicht, daß diese Zeichen insofern Bedeutung haben – & nur insofern – als ihnen, auf welchen Umwegen immer, das beobachtete Phänomen entspricht, oder nicht entspricht.

 
  
 
  Darstellung einer Linie als Gerade mit Abweichungen. Die Gleichung der Linie enthält einen Parameter, dessen d ◇◇◇ Verlauf die Abweichungen von der Geraden ausdrückt. Es ist nicht wesentlich, daß diese Abweichungen „gering” seien. Sie können so groß sein, daß die Linie einer Geraden nicht ähnlich sieht. Die „Gerade mit Abweichungen” ist nur eine Form der Beschreibung. Sie erleichtert es mir, einen [B|b]estimmten Teil der Beschreibung auszuschalten, zu vernachlässigen, wenn ich will. (Die Form „Regel mit Ausnahmen”.)

 
  
 
Alle „begründete Erwartung” ist Erwartung, daß eine bis jetzt beobachtete Regel
weiter
weiterhin
gelten wird.

[kein neuer Absatz] (Die Regel aber muß beobachtet worden sein & kann nicht selbst wieder blo [ß|s] erwartet werden.)

 
  
 
Die Logik der Wahrscheinlichkeit hat es mit dem Zustand der Erwartung nur soweit zu tun, wie die Logik überhaupt mit dem Denken.





 
  
 
Von der Lichtquelle Q wird ein Lichtstrahl ausgesandt, der die Scheibe AB trifft, dort einen Lichtpunkt erzeugt & dann die die Scheibe AB AC trifft. & auf ihr einen Lichtpunkt erzeugt. Wir haben nun keinen Grund zur Annahme, daß der Lichtpunkt auf AB ˇwerde rechts von der Mitte M liegen, noch zur entgegengesetzten; aber auch keinen Grund anzunehmen, der Lichtpunkt auf AC werde auf der & nicht auf jener Seite von der Mitte m liegen. [ Wir haben nun keinen Grund, anzunehmen, daß der Lichtpunkt auf AB eher auf der einen Seite der Mitte M als auf der andern liegen wird; aber auch keinen Grund, anzunehmen, daß der Lichtpunkt auf AC werde auf der einen & nicht auf der andern Seite von ˇder Mitte m liegen. ] Das gibt also wiedersprechende Wahrscheinlichkeiten. Wenn ich nun eine Annahme über den Grad der Wahrscheinlichkeit mache, daß der eine Lichtpunkt in AM im Stück AM liegt, wie wird diese Annahme verifiziert? Wir
meinen
denken
doch
durch einen Häufigkeitsversuch. Angenommen nun dieser bestätigt die Auffassung, daß die Wahrscheinlichkeiten für das Stück A[m|M] & BM gleich sind ˇ(also für Am & Cm verschieden), so ist sie damit als die richtige erkannt & erweist sich also als eine physikalische Hypothese. Die [G|g]eometrische Konstruktion zeigt nur, daß die [g|G]leichheit der Strecken AM & BM kein Grund zu Annahme
gleicher Wahrscheinlichkeit war.

 
  
∕∕
 
Was heißt es: den Goldbachschen Satz glauben? Worin besteht dieser Glaube? In einem Gefühl der Sicherheit, wenn wir den Satz aussprechen, oder hören? Das interessiert uns nicht. Ich weiß ja auch nicht wie weit dieses Gefühl durch den Satz selbst hervorgerufen sein mag. Wie greift der Glaube in diesen Satz ein? Sehen wir nach, welche Konsequenzen er hat, wozu er uns bringt. „Er bringt mich zum Suchen nach einem Beweis dieses Satzes”. – Gut, jetzt sehen wir noch nach, worin Dein Suchen eigentlich besteht; dann werden wir wissen wie es sich mit Deinem Glauben an den Satz verhält. [ … worin Dein was es mit dem Glauben an den Satz auf sich hat. ]

 
  
 
„Der Kretische Lügner”. Statt zu sagen „ich lüge”, könnte er auch hinschreiben „dieser Satz ist falsch”. Die Antwort darauf wäre: „Wohl, aber welchen Satz meinst Du?” – „Nun diesen Satz.” – „ich verstehe, aber von welchem Satz ist in ihm die Rede?” – „Von diesem.” – „Gut, & ˇauf welchen Satz spielt dieser an?” u.s.w. Er könnte uns so nicht erklären, was er meint
ehe
bis
er zu einem kompletten Satz übergeht. – Man kann auch sagen: Der [F|f]undamentale Fehler liegt darin, daß man
glaubt
denkt
ein Wort, z.B. „dieser Satz”, könne auf seinen
Gegenstand gleichsam anspielen (aus der Entfernung hindeuten) ohne ihn vertreten zu müssen.

 
  
 
(Ein Satz der von allen Sätzen oder allen Funktionen handelt. Was
meint man damit?
stellt man sich darunter vor?
Es wäre wohl ein Satz der Logik. Denken wir nun nur daran, wie wir de[n|r] Satz ~2n p = p bew[ei|ie]sen wird.)

 
  
 
Wenn ich annehme, die Messung ergebe, daß der Würfel genau & homogen ist, & die Ziffern auf seinen Flächen die Wurfresultate nicht beeinflussen, & die Hand die ihn wirft, bewegt sich ohne bestimmte Regel; folgt daraus
eine
die
durchschnittlich gleichförmige Verteilung der Würfe 1 bis 6 unter den Wurfergebnissen? – Woraus sollte sie hervorgehen? Daß der Würfel genau & homogen ist kann doch keine durchschnittlich gleichförmige Verteilung von Resultaten begründen (Die Voraussetzung ist sozusagen homogen, die Folgerung ˇwäre gesprenkelt.) Und über die Bewegung beim Werfen haben wir ja keine Annahme gemacht. Mit der Gleichheit der beiden Heubündel hat man zwar begründet, daß der Esel zwischen in ihrer Mitte verhungern werde, aber nicht, daß er ungefähr gleich oft von jedem fressen. werde.) – Mit unseren Annahmen ist es auch vollkommen vereinbar daß mit dem Würfel 100 Einser nach einander geworfen
werden, wenn Reibung, Handbewegung, Luftwiderstand so zusammentreffen. Die Erfahrung, daß das nie geschieht, ist eine, die diese diese Faktoren betrifft [ ist eine diese Faktoren betreffende ] . Und die Vermutung der gleichmäßigen Verteilung der Wurfergebnisse ist eine Vermutung über das Arbeiten dieser Faktoren [ Einflüsse ] .
    Wenn wir man sag[e|t]n ein gleicharmiger Hebel auf den symmetrische Kräfte wirken
müsse
werde
in Ruhe bleiben, so heißt das weil keine Ursache vorhanden ist weshalb er ˇsich eher auf die eine als auf die andre Seite neigen sollte, so heißt das nur, daß, wenn wir ˇgleiche Hebelarme & symetrische Kräfte konstatiert haben & nun der Hebel sich nach der einen Seite neigt, wir dies aus den uns bekannten – oder von uns angenommenen – Voraussetzungen nicht erklären können. (Die Form die wir „Erklärung” nennen muß auch assymmetrisch sein); wie die Operation die aus „a & b” „2a & 3 b” macht.) Wohl aber können wir die ˇandauernde Ruhe des Hebels aus unsern Voraussetzungen erklären. – Aber etwa auch eine [S|s]chwingende Bewegung, die durchschnittlich gleich oft von der
Mittellage
Mitte
nach rechts & von der
Mittellage
Mitte
nach links gerichtet ist? Die Schwingende Bewegung nicht, denn in der ist ja wieder Assymmetrie. Nur die Symmetrie in dieser Assymmetrie. Hätte sich der Hebel gleichförmig
nach
von
rechts gedreht, so könnte man analog sagen: Mit der Symmetrie der Bedin-
gungen kann ich die Gleichförmigkeit der Bewegung aber nicht ihre Richtung erklären.
    
Eine
Die
Ungleichförmigkeit der Verteilung der Wurfresultate ist mit der Symmetrie des Würfels nicht zu erklären. Und nur insofern erklärt diese Symmetrie die Gleichförmigkeit der Verteilung. – Denn man kann natürlich sagen: Wenn die Ziffern auf den Würfelflächen keine Wirkung haben, dann kann ihre Verschiedenheit nicht nicht eine Ungleichförmigkeit der Verteilung erklären; & gleiche Umstände können selbstverständlich nicht Verschiedenheiten erklären;
soweit
insofern
also könnte man auf eine Gleichförmigkeit schließen. Aber woher dann überhaupt verschiedene Wurfresultate?
Was diese …
Gewiß, was diese
erklärt muß ˇnun auch ihre ˇdurchschnittliche Gleichförmigkeit erklären. Die Regelmäßigkeit des Würfels stört nur eben diese Gleichformigkeit nicht.

 
  
 
  Angenommen Einer der täglich im Spiel würfelt würde ˇetwa eine Woche lang nichts als Einser werfen, & zwar mit Würfeln die nach allen anderen Arten [ Methoden ] der
Prüfung
Untersuchung
sich als gut erweisen & wenn ein [a|A]ndrer sie wirft auch die gewöhnlichen Resultate
liefern
geben.
Hat er nun Grund zu denken, daß hier ein Naturgesetz besteht anzunehmen dem gemäß er immer Einser
werfen muß
wirft
; hat er Grund: zu glauben, daß das nun so
weitergehen wird, oder ˇvielmehr Grund anzunehmen, daß diese Regelmäßigkeit nicht lange mehr andauern
wird
kann
? Hat er also Grund das Spiel aufzugeben, da es sich gezeigt hat, daß er nur Einser werfen kann, oder weiterzuspielen, da es jetzt nur um so wahrscheinlicher ist, daß er beim nächsten Wurf eine höhere Zahl werfen wird? – Z In Wirklichkeit wird er sich weigern die Regelmäßigkeit als ein Naturgesetz anzuerkennen; zum mindesten wird sie lang andauern müssen, ehe er diese Auffassung in Betracht zieht. Aber warum? – Ich glaube, weil so viel frühere Erfahrung ˇseines Lebens gegen
ein solches
das
Gesetz spricht, die alle – sozusagen – erst überwunden werden muß, ehe wir eine ganz neue Betrachtungsweise annehmen.

 
  
 
     Wenn wir aus der relativen Häufigkeit eines Ereignisses auf seine relative Häufigkeit in der Zukunft Schlüsse ziehen, so können wir das natürlich nur nach der bisher tatsächlich beobachteten Häufigkeit tun. Und nicht nach einer, die wir aus der beobachteten durch irgend einen Prozess der Wahrscheinlichkeitsrechnung erhalten haben. Denn die berechnete Wahrscheinlichkeit stimmt mit jeder beliebigen tatsächlich beobachteten Häufigkeit überein, da sie die Zeit offen lässt.

 
  
 
    Wenn sich der Spieler, oder die Versicherungsgesellschaft, nach der Wahrscheinlichkeit richten, so richten sie sich nicht nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung, denn nach dieser allein kann man sich nicht richten, da, was immer geschieht, mit ihr in Uebereinstimmung zu bringen ist; sondern die Versicherungsgesellschaft richtet sich nach einer tatsächlich beobachteten Häufigkeit. Und zwar ist das notürlich eine absolute Häufigkeit.

 
  
 
    Was zum Wesen der Welt gehört, kann die Sprache nicht ausdrücken.
    Daher kann sie nicht sagen, dass alles fliesst. Nur was wir uns auch anders vorstellen könnten, kann die Sprache sagen.


 
  
 
Daß alles fließt, muß
im
in dem
Wesen der Anwendung der Sprache auf die Wi[i|r]klichkeit liegen.
[ Daß alles fließt, muß im Wesen der Berührung der Sprache mit der Wirklichkeit liegen. ] Oder ˇbesser: daß alles
fließt, muß im Wesen der Sprache liegen.
  Und, erinnern wir uns, : im gewöhnlichen Leben fällt uns das nicht auf – (sowenig wie die verschwommenen Ränder unseres Gesichtsfelds („weil wir so daran gewöhnt sind” wird mancher sagen). Wie, bei welcher Gelegenheit, glauben wir denn darauf aufmerksam zu werden? Ist es nicht, wenn wir Sätze gegen die Grammatik der Zeit bilden wollen?

 
  
 
4.
„Nur die Erfahrung des gegenwärtigen Augenblicks hat Realität”. – Soll das heißen, daß ich heute [F|f]rüh nicht aufgestanden bin? Oder, daß ein Ereignis, dessen ich mich in diesem Augenblick nicht
entsinne
erinnere
, nicht stattgefunden hat? – Und gegenwärtige Erfahrung’ – im Gegensatz wozu? Hier ist offenbar das Wort ‚gegenwärtig’ überflüssig Soll hier ‚gegenwartige Erfahrung’ im Gegensatz stehen zu zukunftiger & vergangener Erfahrung? Oder ist es ein Beiwort wie das Wort „rational” in „rationale Zahl” so daß man die beiden Wörter auch durch eines ersetzen könnte & das [b|B]eiwort auf eine grammatische Eigentümlichkeit hinweist. Und was wird in diesem Falle vom Subjekt ausgesagt wenn ihm Realität zugesprochen wird? Betonen wir hier nicht wieder eine grammatische Eigentümlichkeit

, etwa als wenn man sagte: „…
nur die Kardinalzahlen sind wirkliche Zahlen” (Kronecker
soll gesagt haben, nur die Kardinalzahlen seien von Gott erschaffen, alles anderen seien Menschenwerk.) – Heißt es ‚gegenwärtige Erfahrung’ im Gegensatz zu zukünftiger & vergangener, dann ist meint man mit diesen Erfahrungen etwa physikalische Vorgänge; & wenn ich das Bild von der Laterna magica gebrauche & dem Filmstreifen gebrauche & die Zeitlichen Beziehungen in räumliche übersetze so ist die gegenwärtige Erfahrung im physikalischen Sinn das Bild auf dem Filmstreifens das sich vor dem Objectiv der Laterne befindet (ich kann nicht sagen: „das sich jetzt vor dem Objectiv der Laterne befindet”.) Auf der einen Seite dieses Bildes
liegen
sind
die vergangenen auf der andern die zukünftigen Bilder (die beiden Seiten sind durch Eigentümlichkeiten des Apparates charakterisiert). Das Bild auf de[m|r] Streifen Leinwand gehört der Zeit des Filmstreifens nicht an[. M|; m]an kann von ihm nicht in dem eben beschriebenen Sinne sagen, es sei gegenwärtig. (Im Gegensatz wozu? – Wenn man [d|D]as Wort [|]gegenwärtig’, ˇwenn man es hier benützt, so bezeichnet man nicht einen Teil eines Raumes im Gegensatz zu andern Teilen, sondern charakterisiert einen Raum.) Der Satz, nur die gegenwärtige Erfahrung habe Realität, wäre nun hier der Satz, daß nur das Bild vor dem Objektiv dem Bild auf der Leinwand entspricht. Und das wäre könnte allerdings ein Erfahrungssatz sein& Aber hier läßt uns das Gleichnis ˇläßt uns hier in Stich, wenn wir nicht festsetzen,
ˇdie Projektionsmethode nicht so festlegensetzen, daß das der Projektion „entsprechende” Bild des Filmstreifens das Bild von dem Objektiv heißen soll. die Entsprechung zwischen Film & Leinwand nicht (die Projektionsart) nicht so festsetzenlegen , daß sich dadurch das Bild auf dem Film welches dem Bild auf der Leinwand entspricht als das Bild vor dem Objektiv der Laterne ergibt.

 
  
 
Wer den Satz, nur die gegenwärtige Erfahrung sei real, bestreiten will (was ebenso falsch ist, wie ihn zu behaupten) wird etwa fragen, ob denn ein Satz wie „Julius Cäsar ging über die Alpen” nur den gegenwärtigen Geisteszustand desjenigen beschreibt, der sich mit dieser Sache beschäftigt. Und die Antwort ist natürlich: Nein! er beschreibt ein Ereignis, da[ß|s], wie wir glauben, vor ca 2000 Jahren stattgefunden hat. (Wenn nämlich das Wort „beschreibt” so aufgefaßt wird, wie in dem Satz „der Satz ‚ich schreibe’ beschreibt, was ich gegenwärtig tue”.) Der Name Julius Cäsar bezeichnet eine Person. – Aber was sagt denn das alles? Ich scheine mich ja um die eigentliche philosophische Antwort drücken zu wollen! –
Aber
Nun
, Sätze die von Personen handeln, d.h. Personennamen enthalten, können ˇebenc auf sehr verschiedene Weise verifiziert werden. – ⌊⌊ˇ Fragen wir uns nur, warum wir den Satz glauben. ⌋⌋ – Daß es ˇ z.B. denkbar ist, die Leiche Cäsars noch zu finden, hängt unmittelbar mit dem Sinn des Satzes über Julius Cäsar zusammen. Aber auch, daß es
denkbar
möglich
ist, eine Schrift zu finden, aus der hervorgeht, daß so ein Mann nie gelebt hat & seine Existenz zu bestimmten Zwecken erdichtet worden
ist.
sei.
Solche
Diese
Möglichkeiten gibt es ˇaber nicht für einen Satz: „ich sehe einen roten Fleck über einen grünen dahinziehen” ˇnicht; und das ist es, was wir damit meinen, wenn wir sagen,
dieser Satz habe in … Sinn, als …
daß dieser Satz in unmittelbarerer Art Sinn hat, als
der
jener
über Julius Cäsar. [ … Und das meinen wir, wenn wir sagen, dieser Satz habe … ]


 
  
 
5.
1) „Ich habe Schmerzen”
  „N hat Schmerzen”
dagegen 2): „Ich habe graue Haare”
             „N hat graue Haare”
Die verschiedenen ˇphilosophischen Schwierigkeiten & Confusionen in Verbindung mit dem ersten Beispiel lassen sich zum größten Teil auf die Verwechslung der Grammatik der Fälle 1 & 2 zurückführen.
    Es hat Sinn zu sagen: „ich sehe seine Haare, aber nicht die meinen”
oder
ˇanalog
„ich sehe meine
Hände
Kinder
täglich, aber nicht die seinen” & dieser Satz ist analog dem: „ich sehe meine Kinder Wohnung täglich, aber nicht die seinen seine.” – Dagegen ist Unsinn: „ich fühle meine Schmerzen aber nicht die seinen”
   Die Ausdrucksweise unserer Sprache wie sie in den einzelnen Fällen 1 & 2 ist natürlich nicht ‚falsch’ aber ˇsie ist irreführend.
„Eine herrenlose Wohnung”, „herrenlose Zahn-Schmerzen”. Es gibt Menschen die Untersuchungen darüber anstellen „ob es ungesehene Gesichtsbilder gibt” & sie glauben, daß das eine Art wissenschaftlicher Untersuchung (über diese Phänomene) ist.
  „Wie ein Satz verifiziert wird, das sagt er”: & nun sieh Dir darauf hin die Sätze an: „Ich habe Schmerzen”, „N hat Schmerzen”. Wenn nun aber ich der N bin?! – Dann haben dennoch die beiden Sätze verschiedenen Sinn.
   „Die Sache ist doch ganz einfach: ich spüre freilich seine Zahnschmerzen nicht, aber er spürt sie eben (& so sind alle Verhältnisse ˇdoch symmetrisch).” Aber dieser Satz ist eben Unsinn. – Um nun die Assymmetrie in der Erfahrung mit Bezug auf mich & den Andern klar deutlich zum Ausdruck zu bringen, könnte
ich
man
nun eine assymetrische Ausdrucksweise vorschlagen:
[a|A]lte Ausdrucksweise:
L.W. hat Schmerzen
L.W. hat Schmerzen in seiner linken
Hand.
N. hat Schmerzen

N. heuchelt Schmerzen in
seiner Hand

Ich bedauere N., weil er
Sch. hat
[n|N]eue Ausdrucksweise:
Es sind Schmerzen vorhanden
Es sind Schmerzen in der
linken Hand des L.W.
N. benimmt sich wie L.W. wenn
Sch. vorhanden sind
N heuchelt
das
ein
Benehmen
des L.W. wenn Sch. in seiner
Hand sind.
Ich bedauere N, weil er
sich benimmt, wie etc.


 
  
 
Da wir für jeden ˇsinnvollen Ausdruck der alten Ausdrucks-
weise einen der neuen setzen & für verschiedene alte, verschiedene neue, so muß, was Eindeutigkeit & Verständlichkeit anbelangt, die neue Ausdrucksweise der alten gleichwertig sein. – Aber könnte man denn nicht eine solche assymetrische Ausdrucksweise au ebensogut für Sätze der Art „ich habe graue Haare„, „N hat graue Haare” konstruieren? Nein[; m|. M]an muß nämlich verstehen daß der N Name „L.W.” in den Sätzen der rechten Seite sinnvoll muß durch andere Namen ersetzt werden können. Und ist das nicht der Fall dann braucht weder „L.W.” noch ein anderer Name in diesen Sätzen vorzukommen. Ersetzt man nämlich L.W. durch
den
einen andern
Namen eines andern Menschen, so heißt das wird etwa gesagt daß ich in der Hand eines anderen Körpers als des meinigen Schmerzen empfinde. Es wäre z.B. denkbar, daß ich mit einem Andern Körper wechsle, etwa aufwache, meinen ˇalten Körper mir gegenüber auf einem Sessel sitzen sehe & mich im Spiegel sehend fände daß ich d[en|as] Ko Gesicht & den Körper meines Freundes angenommen habe. Ich betrachte nun den Personennamen als Name des Körpers. Und in diese es hat nun Sinn zu sagen: „ich habe im Körper des N (oder im Körper N) Zahnschmerzen (in der assymmetrischen Ausdrucksweise: i[m|n] Körper des einem Zahn des N sind Schmerzen”); aber ˇes hat keinen Sinn zu sagen „ich habe
auf dem Kopf des N. graue Haare”, außer, das soll dasselbe heißen, wie : „N hat graue Haare”.
    Aber ist (denn) die vorgeschlagene assymmetrische Ausdrucksweise richtig? Warum sage ich „N benimmt sich wie L.W wenn er …”? Wodurch ist denn L.W. charakterisiert? Doch durch die Formen etc seines Körpers & durch dessen kontinuierliche Existenz im Raum. Sind aber diese Dinge für die Erfahrung der Schmerzen wesentlich? Könnte ich mir nicht folgende Erfahrung denken: ich wache mit Schmerzen in der linken Hand auf & finde, daß sie ihre Gestalt geändert hat & jetzt so aussieht wie die Hand meines Freundes, während er meine Hand erhalten hat. Und worin besteht die Kontinuität meiner Existenz im Raum? Wenn mir jemand verläßlicher erzählte, er sei während ich geschlafen habe bei mir gesessen, plötzlich sei mein Körper verschwunden & sei plötzlich wieder erschienen – ist es unmöglich das zu glauben? – Und worin besteht etwa die Kontinuität meines Gedächtnisses? In welcher Zeit ist es kontinuierlich? O Oder besteht die Kontinuität darin, daß im Gedächtnis keine Lücke ist. Wie im Gesichtsfeld keine ist. (Denn
überlege nur, wie wir den blinden Fleck merken!) Und was hätte diese Kontinuität mit der zu tun die für den Gebrauch des N Personennamens L.W. wesentlich ist [ von Bedeutung ist ] ? Die Erfahrung der Zahnschmerzen läßt sich in ganz anderer Umgebung als der von uns gewohnten denken. (Denken wir doch nur, daran daß man tatsächlich Schmerzen in der Hand d.h. im Ort der Hand haben kann obwohl es
diese
sie
im physikalischen Sinne gar nicht mehr gibt, weil sie einem amputiert worden ist.)
In diesem Sinne könnte man Zahnschmerzen ohne Zahn, Kopfschmerzen ohne Kopf etc. haben. Wir machen eben hier einfach eine Unterscheidung wie die zwischen Gesichtsraum & physikalischen Raum oder Gedächtniszeit & physikalischer Zeit. – Danach nun ist es unrichtig die Ausdrucksweise einzuführen „N benimmt sich wie L.W. wenn …” Man könnte vielleicht sagen „N benimmt sich wie der Mensch in dessen Hand [s|S]chmerzen sind”. Warum sollte man aber überhaupt die Erfahrung der Schmerzen zur Beschreibung des bewußten Benehmens heranziehen? – Wir wollen doch einfach zwei verschiedene Erfahrungsgebiete tre trennen; wie wenn
wir Tasterfahrung & Gesichtserfahrung an einem Körper trennen. Und verschiedener kann nichts sein, als die Schmerzerfahrung & die Erfahrung einen menschlichen Körper sich winden sehen, Laute ausstoßen zu hören etc.. Und zwar besteht hier kein Unterschied zwischen meinem Körper & dem des Andern, denn es gibt auch die Erfahrung die Bewegungen des eigenen Körpers zu sehen & die von ihm ausgestoßenen Laute zu hören.
 
  
 
  Denken wir uns unser Körper würde aus unserem Gesichtsfeld entfernt, etwa indem man ihn gänzlich durchsichtig machte; er behielte aber die Fähigkeit bei in einem geeigneten Spiegel in der uns gewohnten Weise zu erscheinen so daß wir etwa die sichtbaren Äußerungen unserer Zahnschmerzen wesentlich wie die eines fremden Körpers wahrnähmen. Dies ergäbe auch eine ganz andere Koordination zwischen sehendem Auge & Gesichtsraum als die uns selbstverständlich erscheinende alltägliche. (Denke an das Zeichnen eines Vierecks mit seinen Diagonalen im Spiegel.) Wenn wir uns aber so die Moglichkeit denken können, daß wir unsern ˇsichtbaren Körper nur als Bild in einem Spiegel kennten
so ist einem auch denkbar daß dieser Spiegel wegfiele & wir ihn nicht anders sähen als irgend einen andern menschlichen Körper. – Wodurch wurd wäre er dann aber als mein Körper charakterisiert? Nun nur dadurch daß ich ˇ z.B. die Berührung dieses Körpers fühlen würde nicht aber die eines andern, etc.. So ist es auch nicht mehr wesentlich daß der Mund unterhalb des sehenden Auges meine Worte spricht. (Und das ist von großer Wichtigkeit). Auch wenn ich meinen Körper sehe wie ich ihn jetzt sehe d.h. von seine[m|n] Augen aus ist es denkbar daß ich mit Andern den Körper tausche. Die Erfahrung bestünde einfach in einer darin in dem, was man als eine Ssprunghafte Änderung meines Körpers & seiner Umgebung nennen beschreiben würde.


E

A
D





C

B
Ich würde einmal die Körper A B C D von E aus & E von seinen A den Augen dieses Körpers sehen & plötzlich etwa C D E A von B aus & B aus dessen Augen, etc. Noch einfacher aber wird die Sache wenn ich alle Körper meinen, sowie die fremden, überhaupt nicht aus Augen sehe & sie mir also, was ihre visuelle Erscheinung betrifft alle auf gleicher Stufe stehen. Dann ist es klar, was es heißt, daß ich im
Zahn des Andern Schmerzen haben kann; – wenn ich dann überhaupt noch bei der Bezeichnung bleiben will, die einen Körper „meinen” nennt & also einen andern den „eines Andern”. Denn es ist nun vielleicht praktischer die Körper
nur
einfach
mit Eigennamen zu bezeichnen. – Es gibt also jetzt eine Erfahrung, die der Schmerzen in einem Zahn eines der existierenden menschlichen Körper; das ist nicht die die wir ich in
der
unserer
gewöhnlichen Ausdrucksweise mit den Worten „A hat Zahnschmerzen” beschriebe, sondern mit den Worten „ich habe in einem Zahn des A [s|S]chmerzen”. Und es gibt die andere Erfahrung einen Körper, sei es meiner oder eine anderer sich winden zu sehen. Denn, vergessen wir nicht: Die Zahnschmerzen haben zwar einen Ort in einem Raum, sofern man z.B. sagen kann, sie wandern oder seien an zwei Orten zugleich, etc.: Ab aber ihr Raum ist nicht der visuelle oder physikalische. – Und nun haben wir zwar eine neue Ausdrucksweise, sie ist aber nicht mehr assymetrisch. Sie bevorzugt nicht einen Körper, einen Menschen auf zum Nachteilc der andern, ist also nicht solipsistisch. – So ist
alle Erfahrung
alles
ohne Ansehen der Person verteilt. Aber wir teilen anders wir teilen anders. Es werden die Dinge in unsrer Betrachtungsweise
anders zusammengefaßt. Wie wenn man einmal die Zeit zum Raum rechnet & einmal nicht, oder wie wenn man einen Wald als Holzblock mit Löchern ansähe. Oder die Bahn des Mondes um die Sonne einmal als Kreis Kreisbahn um die Erde die sich verschiebt, ein andermal als Wellenlinie die um die Sonne läuft. (Wäre die Erde etwa nicht sichtbar, so wäre könnte es eine merkwürdige neue Betrachtungsweise sein die Be Wellenbewegung um die Sonne als Kreisbahn um einen kreisenden Körper [ um ein kreisendes Centrum ] zu aufzufassen.) Man könnte auf diese Weise gewisse Vorurteile zerstören die auf die besondere uns geläufige Betrachtungsart aufgebaut wären. – Sehr klar wird der Charakter der anderen Betrachtungsweise wenn man an die analoge
Veränderung
Verschiebung
der Grenzen durch die Einführung des Bgriffs der Gedächtniszeit denkt. Es ist ganz ähnlich der veränderten Betrachtung der Mondbewegung Eine Grenze die früher mit anderen in der Zeichnung zusammen lief wird plötzlich stark ausgezogen & hervorgehoben. – –


 
  
 
Die mathematische Frage muß so exact
sein wie der mathematische Satz. Wie irreführend die Ausdrucksweise der Wortsprache den Sinn der mathematischen Sätze darstellt, sieht man wenn man sich die Multiplizität eines mathematischen Beweises vor Augen
führt
stellt
& bedenkt daß der Beweis zum Sinn des bewiesenen Satzes gehört d.h. den Sinn bestimmt. Also nicht etwas ist, was uns gezeigt wird damit wir was bewirkt daß wir einen bestimmten Satz glauben, sondern etwas was uns zeigt, was wir glauben, wenn hier von Glauben eine Rede sein kann. Begriffswörter in der Mathematik: Primzahl, Kardinalzahl etc.. Es scheint darum unmittelbar Sinn zu haben wenn gefragt wird: „Wieviel Primzahlen gibt es?” „Es glaubt der Mensch wenn er nur Worte hört …”) In Wirklichkeit ist diese Wortzusammenstellung ˇeinstweilen Unsinn; bis für sie eine besondere Syntax gegeben wurde. Sieh den Beweis dafür an,, „daß es unendlich viele Primzahlen gibt” & dann die Frage, die er zu beantworten scheint. Das Resultat eines intrikaten Beweises kann nur in sofern einen einfachen Wortausdruck haben, als das System von Ausdrücken dem dieser Ausdruck angehört in seiner Multiplizität einem System solcher Beweise entspricht. – Die
Confusionen in diesen Dingen ist sind ganz darauf zurückzuführen, daß man die Mathematik als eine Art Naturwissenschaft behandelt. Und das wieder hängt damit zusammen, daß sich die Mathematik von der Naturwissenschaft abgelöst hat. Denn solange sie in unmittelbarer Verbindung mit der Physik betrieben wird [es|is]t es klar, daß sie keine Naturwissenschaft ist. (Etwa, wie man einen Besen nicht für ein Einrichtungsstück des Zimmers halten kann, solange man ihn dazu benützt die Einrichtungsgegenstände zu säubern.)

 
  
 
In der Mathematik gibt es kein „noch nicht” & kein „bis auf weiteres” (außer in dem trivialen Sinne in welchem mann ˇsagen kann man habe noch nicht 1000-stellige Zahlen mit einander multipliziert). hat).


 
  
 
Der Punkt √2 ist wesentlich der Endpunkt der Konstruktion. Und der Ausdruck „der Endpunkt der Konstruktion ist hier keine Beschreibung im Russellschen Sinne. Es ist nicht von einer bestimmten Länge die Rede, die auch so gewonnen werden kann. Und wie
der mathematische Satz die Endfläche eines Beweiskörpers so ist wie hier das Resultat der Konstruktion der Endpunkt der Konstruktion & sonst nichts. Wie auch das 5-Eck das Ende der 5-Ecks-Konstruktion.

 
  
 
Daher kann ich auch von einer Klasse von Punkten die dem Punkt √2 analog sind nur reden wenn ich von einer Klasse analoger Konstruktionen
spreche
rede
.

 
  
 
Wenn mir eine endliche Reihe von Ziffern gegeben ist so kann ich offenbar jede der folgenden Fragen fra stellen: 1) Findet sich in ihnen eine Periode? 2) Welche? 3) Ist es die Periode (z.B.) 1414 … Da hier jede dieser Fragen zu stellen ist, glaubt man, es müssen auch dort wo eine von ihnen in einem neuen Sinn gestellt wird sich die andern eo ipso stellen lassen. So sagt man, die periodische Division 1 : 3 = 0˙ habe die Frage beantwortet ob in der Entwicklung des Quotienten 1 : 3 lauter 3 stehen werden. Und die Division scheint nun alle die Fragen beantwortet zu haben: „Gibt es hier eine Periode?” „Welche?”, „Ist es z.B. die Periode 1414 …?’
„Geht der Dezimalbruch ohne Periode in's Unendliche fort?” Folgt nun daraus daß einen die periodische Division verstanden hat indem er, wie wir sagen würden, einsieht daß
1 : 3 = 0,3
  1
nun immer so weiter gehn muß, – folgt daraus, daß er nach einer Periode suchen kann wenn noch keine zu sehen ist? Kann er also, nach dem er
1 : 3 = 0,3
  1
periodisch verstan aufgefasst hat damit auch die Periode von 1 : 7 finden? finden? d.h. kann er sie suchen? Offenbar nicht. D.h., die Frage „Ist 1 : 7 periodisch”, hat für Ihn ihn keinen Sinn, wohl aber nicht die Frage „Wird 1 : 7 nach den ersten 2, 3, 4 Stellen periodisch”.
„Kommt die Entwicklung von 1 : 7 jemals zu einem Ende” ist für ihn [S|s]innlos, ebenso ˇsinnlos wie die Frage „liefert 1 : 7 einen endlosen nicht periodischen Dezimalbruch oder einen periodischen”; dagegen hat die Frage Sinn „wird 1 : 7 nach den ersten 4 Stellen periodisch”? & natürlich auch die Frage „ist die Periode 0˙1 14 …”.
  Wenn er aber nun die Periode von 1 : 7 gefunden hätte, hätte er dann nicht doch alle jene Fragen damit beantwortet? Nein, nur die,
nach deren Antwort er hat suchen können. Oder auch: die andern f Fragen hatten nur den Sinn den die gefundene Antwort ihnen gibt. Erklären wir dies auf andere Weise: Angenommen wir hatten jemandem multiplizieren gelehrt, aber nicht dividieren. Er hätte nun gefunden daß 14 × 15 = 210 ist & ich sagte ihm, dieses Resultat können wir auch so ausdrücken: „210 : 15 = 14”. Hätte damit nun die Fragestellung auf die das Dividieren antwortet einen Sinn erhalten? Nein, die ist eine ganz andere deren Grammatik uns erst die Methode des Dividierens gibt. Ich hätte auch einen Menschen nicht multiplizieren gelehrt dem ich die Definition 1 × 1 = 1 gegeben hätte.

 
  
 
Die mathematischen Sätze als Mittel um die Beweise zu katalogisieren. (Ursell)

 
  
 
Eine Hypothese als unumstößliche Regel der Darstellung angenommen, wird zum Koordinatensystem.

 
  
 
“Schnitt” ist nach der üblichen Erklärung wirklich das, was sich mit
allen
den
Rationalzahlen vergleichen läßt. Denn wenn man den Schnitt z.B. an der √2 am Beispiel der √2 erklärt, so zeigt man nur
daß man in diesem Falle eine Definition von ‘größer’ & ‘kleiner’ geben kann die der der für die Rationalzahlen ähnlich [ analog ] ist. Nämlich √2 ≷ n ≝ 2 ≷ n²(Ƒ) .

 
  
 
  Unbewußte Zahnschmerzen.
Was heißt der Satz: „ich bin mir meiner Zahnschmerzen bewußt”.
Ich bin mir meiner Armut bewußt istich bin arm. Dagegen:
ich bin mir meiner Zahnschmerzen bewußt = ich habe Zahnschmerzen. Es sei denn ich führe eine neue Alternative in meiner Ausdrucksweise ein; dann aber muß ich erst ihre Anwendung zeigen sonst habe ich ihr noch keinen Sinn gegeben.


 
  
 
[zu „Schmerzen”]
Muß sich denn nicht eine Welt beschreiben lassen, worin der solipsistische Fehler uns weniger nahe liegt. Wo die Tatsachen solche sind, daß wir weniger leicht zu einer einseitigen Grammatik verführt werden?


 
  
 
In meinen Betrachtungen der Mathematik [ über die Mathematik ] spielen winzige Veränderungen der symbolischen Ausdrucksweise eine Rolle. Was so gesagt [ dargestellt ] klar & durchsichtig ist, kann, ein wenig anders gesetzt, undurchsichtig oder
irreführend sein.


 
  
 
‚Jemandem für etwas dankbar sein’ analog ‚jemanden erwarten’, etc..


 
  
 
Zeichnung eines 4Dimensionalen Würfels (als Erklärung meiner Auffassung der perspektivischen Zeichnung als 3-dimensionaler). [Gehört vielleicht zur Betrachtung des math. Beweises als Ornament]


 
  
 
Das Gesichtsbild wenn man feinen Regen niedergehn sieht: man sieht eine Bewegung, aber nicht etwas Bestimmtes sich bewegen.

 
  
 
Schädlichkeit der Ausdrucksform „Sinn”, „Bedeutung”, die immer wieder die Idee von Schatten (Geistern) hinter den Wörtern & Sätzen geben.

 
  
 
„Ich denke mir viel mehr, als ich sage” – wie kann man das vergleichen?

 
  
 
Was heißt „Gegenstände zählen”?

 
  
 
Wir mischen uns nicht in das, was der Mathematiker tut, erst wenn er behauptet Metamathematik zu treiben, dann kontrollieren wir ihn.





 
  
 
  Wenn wir uns einige male rasch im Kreis herumdrehen & dann stehen bleiben, so scheint sich das Zimmer um uns zu drehen & doch sehen wir nicht, daß Gegenstände um uns dabei unserm Blick entschwinden & andere in unser Gesichtsfeld treten, wie es doch bei einer Drehung des Zimmers der Fall sein müßte. Ganz ähnlich dem ist es aber, wein ein Musikstück so gespielt wird, daß es uns scheint, es würde schneller & schneller gespielt & dabei müssen wir uns sagen daß sich das Tempo im Ganzen nicht merkbar verändert.

 
  
 
Man kann zu dem ersten Fall sagen: es gibt eben nicht nur visuelle Bewegung.

 
  
 
Schwanken des Begriffs ‚Wortart’. Ist “3” die gleiche Wortart wie ‘4’?















 
  
 
Umarbeitung.
Zweite Umarbeitung im großen Format

 
  
 
  Wie kann man von vom ‘vVerstehen’ & ‘nicht vVerstehen’ eines Satzes reden, – ist
er
es
nicht erst ein Satz, wenn man ihn versteht?


 
  
 
D.h.: [k|K]ann denn nicht, eine Zusammenstellung von Sesseln, z.B., ein Satz sein, wenn man sie als solchen versteht & andernfalls hat sie doch nicht das Geringste mit einem Satz zu tun & man kann nicht davon reden, ‘sie zu verstehen’.

 
  
 
Man kann sagen: eine chinesische Aufschrift sagt mir so wenig wie ein Tapetenmuster oder etwa die Stellung von Sesseln in
meinem
einem
Zimmer. – Und anderseits könnte auch das Tapetenmuster & die Gruppe von Stellung der Sesseln mir ˇnach gehöriger Übereinkunft etwas mitteilen.

 
  
 
Das zeigt an daß ich die Bedeutungen des Wortes ‘verstehen’ & des Wortes ‘Satz’ hier zu wenig spezialisiert habe.

 
  
 
Es hat, wie wir das Wort ‘verstehen’ gebrauchen, keinen Sinn zu fragen “verstehst Du diese Baumgruppe” es sei denn daß jemand im Begriffe sei eine Sprache zu lernen
2
deren Ausdrucke etwa Gruppierungen von Bäumen wären.


 
  
 
“Das Verstehen fängt erst mit dem Satz an.”
  Dadurch hat man die Bedeutung des Wortes “verstehen” auf ein bestimmtes Gebiet festgelegt.


 
  
 
  Es gibt keine Metalogik. Auch das Wort “verstehen”, der Ausdruck “einen Satz verstehen”, sind nicht metalogisch.

 
  
 
  Es ist doch seltsam, daß die Wissenschaft & die Mathematik die Sätze gebraucht
:
,
aber vom Verstehen dieser Sätze nicht spricht.


 
  
 
Man sieht im Verstehen das Eigentliche, im Zeichen das Nebensächliche. – Übrigens, wozu dann das Zeichen überhaupt? – Nur um sich Anderen verständlich zu machen? Aber wie ist das möglich? – Man sieht da Es wird da das Zeichen als eine Medizin an angesehen, die im Andern die gleichen Zustände hervorrufen soll,
die ich habe.
wie ich sie habe.


 
  
 
Auf die Frage: “was meinst Du?” (etwa mit dieser Handbewegung) ist die Antwort: “ich meine p” (
ich meine,
etwa:
Du sollst hinausgehen) & nicht “ich meine, was ich mit dem Satz ‘p’ meine”.





 
  
 
3
Wenn Frege gegen die formale Auffassung der Arithmetik spricht, so sagt er gleichsam: diese kleinlichen Erklärungen, die
Zeichen
Symbole
betreffend, sind müßig, wenn wir die Zeichen verstehn. Und das Verstehn wäre quasi das Sehen eines Bildes, aus
welchem
demc
alle Regeln folgen, (wodurch sie verständlich werden. Frege
scheint
schien
aber nicht zu sehen, daß dieses Bild
selbst
wieder
ein Zeichen ist, oder ein Kalkül, der uns den geschriebenen Kalkül erklärt.
   Und, was wir ˇ im Allgemeinen [V|v] erstehen einer Sprache’ nennen, ist
im Allgemeinen
überhaupt
von der Art des Verständnisses,
welches
das
wir für einen Kalkül kriegen, wenn wir z.B.
den Grund seiner Entstehung oder seine praktische …
seinen Ursprung, seine Genesis, oder seine praktische
Anwendung kennen lernen. Und auch da lernen wir einen übersichtlichern Symbolismus statt des fremdern kennen. (Wie wenn Denken wir es hätte [e|E]iner das Schachspiel zuerst als Schreibspiel kennen lernte gelernt hätte & ihm später erst ˇwäre ihm die ‘Deutung’ dieses Spiels als eines Brettspiels gezeigt würde worden.) Verstehen heißt hier etwas [ä|Ä]hnliches wie Übersehen.

 
  
 
Wenn ich jemandem einen Befehl gebe, so ist es mir ganz genug, ihm Zeichen zu geben. Und ich würde ˇeinen Befehl hörend nie sagen: das sind ja nur Worte, & ich muß hinter die Worte dringen. Und wenn ich jemand etwas gefragt hätte & er gibt mir eine Antwort (also ein Zeichen), bin ich zufrieden – das war es gerade, was
4
ich erwartete – & wende nicht ein: “das ist ja eine bloße Antwort”. (Es ist klar, daß nichts andres erwartet werden konnte, & daß die Antwort den Gebrauch einer Sprache, eines bestimmten Sprachspiels, voraussetzte; wie alles was wir sagen können.


 
  
 
Wenn man aber sagt: “wie soll ich wissen, was er meint, ich sehe ja nur seine Zeichen?”, – so sage ich: “wie soll er wissen, was er meint; er hat ja auch nur seine Zeichen”.
    


 
  
 
Die Sprache muß für sich selbst sprechen


 
  
 
Gesprochenes kann man nur durch die Sprache erklären, darum kann man die Sprache
selbst
als solche
in diesem Sinne nicht erklären.
    Die ganze Sprache kann man nicht interpretieren. Eine Interpretation ist immer nur eine im Gegensatz zu einer anderen. Und jede hängt sich an das erklärte Zeichen &
erweitert
vergrößert
die Sprache.


 
  
 
Man kann auch sagen: Die Meinung fällt aus der Sprache heraus; denn wenn
gefragt wird,
man fragt,
was ein Satz meint, (so) wird dies wieder durch einen Satz gesagt. // ; denn die Frage, was ein Satz meint, wird durch einen Satz beantwortet. //
// denn was ein Satz meint, wird wieder durch einen Satz gesagt //
 
  
 
5



“Was hast Du mit diesen Worten gemeint?”
Hast Du gemeint, was Du gesagt hast
Hast Du diese Worte gemeint
?” (oder nur gesagt).



 
  
 
  Die zweite Frage steht zur ersten nicht in dem Verhältnis, wie die Frage “bist Du verliebt?” zu der “wen liebst Du?”.
  Auf die erste Frage kommt ein Satz (ein weiteres Zeichen) zur Antwort; das was man eine Erklärung des Sinnes nennt. [ … zur Antwort, eine Erklärung des Sinnes der ursprünglichen Worte. ]


 
  
 
Die erste dieser Fragen ist nicht eine genauere Bestimmung zur zweiten. (Es ist also nicht der Fall “bist Du verliebt, & wen liebst Du”.)
  Auf die erste Frage kommt ein Satz (ein weiteres Zeichen) zur Antwort der den ersten ersetzt; eine Erklärung ˇdes Sinnes des ursprünglichen Zeichens. Die zweite Frage fragt nicht nach einer Erklärung.

 
  
 
Der zweiten Frage ähnlich ist die: “hast Du das im Ernst oder im Spaß gemeint?”

 
  
 
Dem Worte “meinen” analog wird das Wort “verstehen” gebraucht.





 
  
 
6
  Das Wort “verstehen”, wie das Wort “meinen”, wird
in
mit
verschiedenen Bedeutungen verwendet. // in mehrfacher Bedeutung verwendet. // In einer Art der Anwendung bedeutet es eine psychische Reaktion beim Hören, Lesen, Aussprechen etc. des Satzes. Das Verstehen ist
dann
hier
das Phänomen, welches sich einstellt, wenn ich den Satz einer mir geläufigen Sprache höre oder lese &
das
welches
ausbleibt,
sich nicht einstellt,
wenn ich etwa einen chinesischen Satz höre.


 
  
 
Das Lernen der Sprache steht zu dem Verstehen in diesem Sinne im Verhältnis der Ursache zur Wirkung.

 
  
 
Und wenn man das Verstehen des geschriebenen Satzes die seelische Reaktion nennt, die der Satz, wie er an uns vorbeiläuft,
hervorruft
erzeugt
, dann ist dieses Verstehen (wieder) die Wirkung des Satzzeichens auf
den, der es liest.
uns.

   
Dieses
Das
Verständnis // Verstehen // geschieht nur so wie das Hören des Satzes & begleitet
das Hören.
es.

    Ich kann in diesem Sinn von einem ‘erleben’ des Satzes reden.
    Der Satz, wenn ich ihn verstehe, bekommt für mich Tiefe
   “Ich sage das nicht nur, ich meine auch etwas damit”. – Wenn man überlegt, was dabei in uns vorgeht, wenn wir Worte meinen (& nicht bloß sagen), so ist es uns, als wäre dann etwas mit diesen Worten
7
gekuppelt, während sie sonst leer liefen. – Als ob sie,
etwa
gleichsam
, in uns eingriffen.


 
  
 
¥ ⋎ p. 21

 
  
 
  Ich verstehe einen Befehl als Befehl, d.h. ich sehe in ihm nicht nur diese Struktur von Lauten oder Strichen, sondern sie hat – sozusagen – einen Einfluß auf mich. Ich reagiere auf einen Befehl (auch ohne ihn zu befolgen) anders, als auf eine Mitteilung oder Frage. (Ich lese ihn auch mit anderem Tonfall, mit anderer Geste.)

 
  
 
Dem Das Verstehen, in diesem Sinne, eines Satzes ist das mit dem Verstehen eines Bildes ähnlich. zu vergleichen. Und hier gibt es wieder verschiedene Fälle. Denken wir uns eine ◇◇◇ Zeichnung die eine Gruppe
von Gegenst. im Raum
räumlicher Gegenstände
darstellen soll; aber wir
seien
sind
unfähig einen ˇbestimmten Teil des Bildes raumlich als räumliche Darstellung zu sehen sondern sehen nur Flecke & Striche
in
auf
der Bildfläche. Wir können dann sagen, wir verstehen diesen Teil des Bildes nicht. – Ich sage aber auch, ich verstehe das Bild nicht, wenn ich zwar alles räumlich sehe, die räumlichen Gestalten aber solche sind nicht als mir wohlbekannte Gegenstande (Bäume, Tiere, Häuser etc.) wiedererkenne.
   Angenommen etwa das Bild stellte eine Gruppe von Menschen dar & die Menschen darauf wären etwa einen Zoll lang. Gäbe es nun ˇwirkliche Menschen ˇvon dieser Länge so könnten
8
wir sie in dem Bild erkennen, das Bild als lebensgroße [d|D]arstellung empfinden; & es würde uns nun einen ganz anderen Eindruck machen, obwohl doch die Illusion der dreidimensionalen Gegenstände ganz die gleiche wäre,
als im Falle
wie
wenn das Bild Menschen der gewöhnlichen Größe darstellen sollte. Und der Eindruck
, den das Bild macht,
des Bildes,
die Art wie ich es auffasse, existiert ˇnun unabhängig davon daß ich Menschen der gewöhnlichen Größe oder Zwerge von einem Zoll Länge gesehen habe, wenn auch dies die Ursache
des
dieses
Eindrucks sein mag. (Ebenso, wie ich zwar ˇ vielleicht die Zeichnung eines Würfels ˇvielleicht nur darum
räumlich
als Würfel
sehe, weil ich ˇso oft ˇ einen wirkliche n Würfel gesehen habe; aber die Beschreibung des räumlichen Gesichtsbildes ˇenthält nichts von dem, enthält, was einen ‘wirklichen’ Würfel von einem
gemalten
gezeichneten
unterscheidet.)


 
  
 
Den verschiedenen Erlebnissen, wenn ich ein Bild einmal so, einmal so, sehe, ist es zu vergleichen, wenn ich einen Satz einmal mit Verständnis, & einmal ohne Verständnis lese. (Erinnere Dich daran, wie es ist, wenn man einen Satz mit falscher Betonung liest, ihn daher nicht versteht, & nun auf einmal darauf kommt, wie er zu lesen ist.)
   (Lesen einer schleuderhaften Schrift.)


 
  
 
Wenn man eine Uhr abliest, so sieht
9
man einen Komplex von Strichen, Flecken, etc.; aber man sieht ihn auf bestimmte Weise, wenn man ihn als Zifferblatt & Zeiger auffaßt. (Wie man den Orion Mond als Mann Gesicht, aber auch anders sehen kann.)

 
  
 
Denke auch an den Unterschied des Verständnisses, wenn man in einem Satz ein Wort einmal als dem einen Wort, einmal als dem andern Wort zugehörig empfindet.

 
  
 
Als den ‘gelesenen Satz’ können wir nun das Schriftzeichen, aber auch das besondere Erlebnis, das Zeichen so gesehen, so aufgefaßt – bezeichnen. (Hier ist eine Quelle von Verwechslungen.)

 
  
 
Erinnern wir uns nun an eine Mehrdeutigkeit des Wortes verstehn. Wenn ich in einem Buch lese: “nachdem er das gesagt hatte, verließ er sie, wie am vorigen Tage” – fragt man mich ob ich diesen Satz verstehe so ist es nicht leicht darauf zu antworten. Es ist ein deutscher Satz & insofern verstehe ich ihn: Ich wüßte, wie man diesen Satz etwa gebrauchen könnte. Ich könnte selbst einen Zusammenhang für ihn erfinden. Und doch verstehe ich ihn nicht in dem Sinne, in dem wie ich ihn verstünde, wenn ich eine Erzählung gelesen hätte, in welcher er so steht. (Vergleiche: [V|v]erschiedene Sprachspiele.)


 
  
 
10
Verstehen wir Lewis Carroll's Gedicht “Jabberwocky”[?|,] oder Gedichte von Christian Morgenstern?


 
  
 
Es sei mir ein Satz in einer mir nicht geläufigen Chiffre gegeben & zugleich auch der Schlüssel zu ihrer [e|E]ntzifferung. Dann ist uns (natürlich) in gewissem Sinne [a|A]lles zum Verständnis des Satzes gegeben. Und doch würde ich auf die Frage ob ich den Satz verstehe etwa antworten: “ich muß ihn erst entziffern”; & wenn ich ihn als deutschen Satz entziffert vor mir hätte, würde ich sagen: “jetzt verstehe ich ihn”.
   Wenn man nun die Frage stellt: “in welchem Augenblick der Übertragung (aus der Chiffre ins Deutsche) beginnt das Verstehen // der Zustand des Verstehens // des Satzes”, so erhält man einen Einblick in das Wesen dessen, was wir “verstehen” nennen.


 
  
 
Ich sage einen Satz “ich sehe dort einen schwarzen Kreis”; ich kann nach Übereinkunft die Wörter dieses Satzes durch andre Zeichen ersetzen & der ein Satz in den neuen Zeichen wird dann den selben Sinn erhalten. Schreiben wir also statt der 6 Wörter des Satzes die ersten 6 Buchstaben des Alphabets. Dann heißt der Satz: “a b c d e f”. Aber nun zeigt [s|e]s sich, daß ich – wie man sagen möchte – den Sinn des oberen Satzes nicht ohne weiteres in dem Ausdruck “a b c d e f” denken kann. Ich könnte
11
es auch so sagen: ich bin nicht gewöhnt statt ‘ich’ ‘a’ zu sagen & statt ‘sehe’ ‘b’, statt ‘dort’ ‘c’, etc.. Aber damit meine ich nicht, daß, ◇◇◇ wenn ich daran gewöhnt wäre, ich mit dem Zeichen ‘a’ sofort das Wort ‘ich’ assoziieren würde; sondern, daß ich nicht gew ich bin nicht gewöhnt ‘a’ an Stelle von ‘ich’ zu gebrauchen.






 
  
 
“Einen Satz verstehen”,
kann heißen
im Sinne von
kann soviel heißen wie:
“wissen, was der Satz besagt”, & das heißt, : , die Frage “was besagt
er
dieser Satz
” beantworten können.
    Den Sinn eines Satzes verstehen soll dann heiß[en|t]t: die Frage ‘was ist sein Sinn’ beantworten können.


 
  
 
   Verstehen (in dieser Bedeutung) ist das Korrelat einer Erklärung des Sinnes.

 
  
 
  Es ist eine sehr
◇◇◇
häufige
häufig erscheinende Auffassung: daß Einer Man meint oft, daß Einer … sein Verständnis nur unvollkommen zeigen kann. Daß er gleichsam nur immer aus der Ferne darauf deuten, auch sich ihm nähern, kann es aber nie mit der Hand berühren kann. Und das Letzte immer ungesagt bleiben muß. ƪ
   Man fragt: Ist denn das Verständnis nicht etwas anderes als der Ausdruck des Verständnisses? – Ist es nicht so, daß
12
der Ausdruck des Verständnisses eben ein unvollkommener Ausdruck // eine unvollkommene Äußerung des V. // ist? –
   Das heißt doch wohl, ein Ausdruck, der etwas ausläßt, – was aber wesentlich unausdrückbar
sein müßte
ist
[; d|. d]enn sonst könnte ich ja eben einen bessern finden.


 
  
 
Uns interessie[r|t]en die ˇdie Tatsache daß gewisse psychischen Vorgänge einen Satz erfahrungsgemaß begleiten nicht; wohl aber das Verstehen, die Auffassung
, die in einer
, so weit sie in einer
Erklärung des Sinnes (der Bedeutung) niedergelegt
sind
ist
.


 
  
 
Es ist schwierig die Grammatik des Wortes “meinen” klar zu sehen. Aber der Weg dazu führt über die Frage “welches ist das Kriterium dafür, daß wir etwas so meinen”,, & welcher Art ist der Ausdruck den dieses “so” vertritt. Die Antwort auf die Frage “wie ist das gemeint” stellt die Verbindung zwischen zwei sprachlichen Ausdrücken her. Also fragt auch die Frage nach dieser Verbindung ⌊⌊ Als hätte man zwei Bilder die dieselbe Person darstellen, diese selbst aber könnte ich nicht zeigen. ⌋⌋
     Der Gebrauch der Hauptwörter “Sinn”, “Bedeutung”, “Auffassung” & anderer Wörter verleitet uns zu glauben, daß dieser Sinn,. etc, dem Zeichen so gegenübersteht, wie das Wort – der Name – dem Ding, das sein Träger ist. So daß man sagen könnte: “[d|D]as Zeichen hat eine ganz bestimmte Bedeutung, ist in einer ganz bestimmten Weise gemeint,
13
die ich nur in Ermanglung eines direkten Weges wieder durch ein Zeichen ausdrücken muß”. Die Meinung, die Intention, wäre gleichsam seine Seele die ich am liebsten selbst zeigen möchte, auf die ich aber leider nur indirekt durch ihren Körper hinweisen kann. –

         Wenn ich ˇum den Sinn eines Pfeiles zu erklären sage: “ich meine diesen Pfeil so, dass man ihm durch eine Bewegung in der Richtung vom Schwanz zur Spitze folgt”, so gebe ich eine Definition (ich setze ein Zeichen für ein andres), während es scheint, als hätte ich sozusagen die Aussage // Angabe //
, die der Pfeil macht
des Pfeils
ergänzt. Ich habe den Pfeil durch ein neues Zeichen ersetzt, das wir statt des Pfeiles gebrauchen können. – Gebrauchen können –. Während es scheint, als wäre der Pfeil selbst wesentlich unvollständig // unvollkommen // , ergänzungsbedürftig, und als hätte ich ihm nun die nötige Ergänzung gegeben. Wie man eine Beschreibung eines Gegenstandes als unvollkommen erkennt und vervollständigt // vervollständigen kann // . Als hätte der Pfeil die Beschreibung angefangen und wir sie durch den Satz vollendet. – Auch so: Wenn ich,, wie oben, sage “ich meine diesen Pfeil so, dass …”, so ﹖ – macht es den Eindruck–﹖, als hätte ich jetzt erst das Eigentliche beschrieben, die Meinung; als wäre der Pfeil gleichsam nur das Musikinstrument, die Meinung aber die Musik, oder besser: der Pfeil das Zeichen – das heisst in diesem Falle – die Ursache des inneren, seelischen, Vorgangs und die Worte der Erklärung erst die Beschreibung dieses Vorgangs. Hier spukt die Auffassung des Satzes als
eines
des
Zeichens des Gedankens; und des Gedankens als eines Vorgangs in der Seele, oder im Kopf. ))





 
  
 
  
Der Vorgang den wir …
Was wir
‘verstehen’ nennen, ist manchmal ein Vorgang des
Nachziehens
Übersetzens
des Zeichens in ein anderes Bild.
     Das Verstehen einer Beschreibung kann
14
man mit dem Zeichnen eines Bildes nach dieser Beschreibung vergleichen.


 
  
 
Wir reden von dem Verständnis eines Satzes als der Bedingung dafür, daß wir ihn anwenden können. Wir sagen “wir können einen Befehl nicht verstehen befolgen wenn wir ihn nicht verstehen”, oder “ˇich muß ihn verstehen, ehe ich wir ihn verstehen befolge”.

 
  
 
Damit hängt es zusammen, daß wir sagen: “Ich verstehe dieses Bild genau[:|,] ich könnte es plastisch darstellen”. “Ich verstehe diese Beschreibung genau, ich könnte ein Bild nach ihr zeichnen. ¥

 
  
 
Wir reden von dem Verständnis eines Satzes als der Bedingung dafür, daß wir ihn anwenden können. Wir sagen: “ich kann einen Befehl nicht befolgen, wenn ich ihn nicht verstehe”, oder “ich muß ihn verstehen, ehe ich ihn [befolge|verstehe]”.
 
  
 


↺ Man könnte es in gewissen Fällen (offiziell) als das Kriterium des Verständnisses ˇeines Befehls festsetzen, daß der welcher ihn
erhält
bekommt
seinen Sinn muß zeichnerisch
wiedergeben
darstellen
können.


 
  
 
   “Muß ich wirklich einen Satz verstehen, um nach ihm handeln zu können?” – “Gewiß, ! , sonst wüßtest Du ja nicht, was Du zu tun hast.” – “Aber was nützt mich dieses Wissen? vom Wissen zum Tun ist ja wieder ein Sprung.”

 
  
 
15
Wenn “einen Satz verstehen” heißt, in bestimmter Weise nach ihm handeln, dann kann das Verständnis nicht die logische Bedingung dafür sein, daß wir nach ihm handeln.


 
  
 
Aber der Satz “ich muß den Befehl verstehen, ehe ich nach ihm handeln kann” hat natürlich einen guten Sinn
Aber jedenfalls keinen
; nur keinen
metalogischen. Denn auch das Verstehen ist kein metalogischer Begriff.


 
  
 
Der Begriff, welchen man vom Verstehen hat, ist etwa, daß man
dadurch
damit
vom Zeichen näher an die dargestellte Realität kommt, von den Worten des Befehls näher an die Befolgung. Und in einem psychologischen Sinn kann das richtig sein.


 
  
 
“Ich muß doch einen Befehl verstehen, um nach ihm handeln zu können” – hier ist das ‘muß’ verdächtig. Wenn das ein logisches Muss ist, so so ist der Satz eine Grammatische Anmerkung.
    Auch wäre das könnte man da fragen: “Wie lange vor dem Befolgen mußt Du den Befehl verstehen?”


 
  
 
¥ Wenn mit dem Verstehen ein psychischer Vorgang gemeint ist & gesagt
wird
werden soll
, daß dieser
Prozess
Vorgang
erfahrungsgemäß ˇimmer eintritt ehe ein Mensch einen Befehl befolgt, so interessiert uns diese Aussage nicht. (Eine Erklärung “den Befehl befolgen” wolle man es nur nennen, wenn jener psychische Vorgang eingetreten sei, wäre
16
müßig.)


 
  
 
Soll “verstehen” heißen: erklären können, – warum sollte das notwendig sein, um den Befehl zu befolgen. (Es handelt sich hier natürlich nicht um logische Notwendigkeit.)

 
  
 
Wenn das Verstehen eine Vorbereitung des
Befolgens
Folgens
war, so hat es
der Wahrnehmung des Zeichens
dem Zeichen
des Befehls etwas hinzugefügt; aber etwas, was jedenfalls nicht die Ausführung (des Befehls) war.


 
  
 
Es scheint uns “Ich kann den Befehl nicht ausführen, weil ich nicht verstehe, was Du meinst. Ja, jetzt verstehe ich Dich.” – Was ging da vor, als ich plötzlich den Andern verstand?
   Da
gibt
gab
es viele Möglichkeiten. Der Befehl konnte z.B. in einer mir bekannten Sprache, aber mit falscher Betonung gegeben worden sein & es fiel mir plötzlich die richtige Betonung der Worte ein. Einem Dritten würde ich dann sagen: “jetzt verstehe ich ihn, er meint …” & nun würde ich den Befehl in richtiger Betonung wiederholen. Und mit dem Erfassen des wohlbekannten Satzes hätte ich nun den Befehl verstanden; ich meine: ich müßte nun nicht erst
erst
noch
einen abstrakten Sinn erfassen. // Und mit dem Erfassen des richtig bettonten Satzes hätte ich nun den Befehl verstanden. Ich meine: ich müßte nun nicht
erst
noch
einen abstrakten Sinn erfassen, sondern es genügt mir
17
das Erleben des wohlbekannten Wortlautes [| // ] – Oder aber der Befehl wäre mir in verstandlichem Deutsch gegeben worden, schiene mir aber ungereimt, da ich irgend etwas in ihm mißverstanden habe; dann fiel mir eine Erklärung ein “ach, er meint …” & nun kann ich den Befehl ausführen.
      (Der Zerstreute, der auf den Befehl “rechtsum” sich nach links gedreht hätte und nun, an die Stirne greifend, sagte “ach so, ‘rechtsum’!” & rechtsum machte.)


 
  
 
   Es konnten mir auch vor dem Verstehen mehrere mögliche Deutungen, das heißt, mehrere Erklärungen, vorschweben, für deren eine ich mich dann entscheide.

 
  
 
  (Denke auch an den Fall: Es macht mir jemand Zeichen & ich sage: “er meint, ich soll etwas tun; aber was er wünscht, weiß ich nicht”.)






 
  
 
   Es scheint uns, als ob wir dem Befehl durch das Verstehen etwas hinzufügen (ˇetwa dem Befehl “
x
1

2

3

” z.B.)
(etwa dem: “
x
1

2

3

”)
etwas durch das Verstehen etwas hinzufügen, was die Lücke zwischen Befehl & Ausführung füllt. So daß wir Einem der
sagt
sagte
“aber Du verstehst ihn ja, er ist also nicht unvollständig”, antworten können:
18
“Ja, aber ich verstehe ihn, ˇaber nur, weil ich noch etwas hinzufüge; die Deutung nämlich”.
       Aber was veranlaßt Dich gerade zu dieser Deutung? Ist es der Befehl,, dann war er ja schon eindeutig, da er diese Deutung befahl. Oder hast Du die Deutung willkürlich hinzugefügt,, dann hast Du ja auch den Befehl nicht verstanden, sondern erst das, was Du aus ihm gemacht hast.


 
  
 
Eine Interpretation ist doch etwas, was in Zeichen gegeben wird. Es ist diese Interpretation im Gegensatz zu einer anderen (die anders lautet. Wenn man also sagte: “jeder Satz bedarf noch einer Interpretation,” – so hieße das: kein Satz kann ohne einen Zusatz verstanden werden.

 
  
 
Es geschieht wohl daß ich ˇein Zeichen deute, ihm eine Deutung hinzufüge, aber durchaus nicht immer, wenn ich Zeichen verstehe.
   Wenn man mich fragt “wieviel Uhr ist es”, so geht in mir keine Arbeit des Deutens vor
; sondern
. Sondern
ich reagiere ˇ einfach auf das, was ich sehe & höre. (Wie ich, wenn Einer das Messer auf mich zückt, ich nicht sage: “ich deute das als eine Drohung.”)

 
  
 
   Wir sehen in der Philosophie
dort
immer
Probleme, wo keine sind. Und die Philosophie soll zeigen daß dort keine sind. kein Problem ist.




 
  
 
19
  ‘Ein Wort verstehen’ im Sinne von: Wissen, wie es gebraucht wird.




 
  
 
Wissen wie ein Wort gebraucht wird’ heißt das Gleiche wie ‘es anwenden können.

 
  
 
Man gebraucht das Wort “können” so, daß die Ausführung als das Kriterium der Fähigkeit ist; aber auch so, daß sich das Kriter nicht die Ausführung das Kriterium ist.
    “Kannst Du diese Kugel heben?” – [i|I]ch sage “ja”. Dann versuche ich, sie zu heben & es gelingt mir nicht. – Da werde ich in einem Fall sagen: „ich hatte mich geirrt; ich konnte es nicht”; aber es gibt auch den Fall: “jetzt kann ich sie nicht heben, weil ich müde bin; als ich sagte, ich k[ö|a]nn sie heben’, da konnte ich es (auch)”. Ebenso: “ich dachte ich könnte Schach spielen, aber ich habe es schon vergessen” aber auch “als ich sagte ich könne es, da konnte ich's, jetzt aber habe ich ist mir durch den Schrecken alles vergessen entfallen[; e|. E]tc..

   Gefragt, ‘wie weißt Du, daß Du es damals konntest”, würde
ich
man
etwa antworten: “ich konnte so ein leichtes Gewicht immer heben”, “ich hatte es gerade zuvor gehoben”, “ich habe vor we ku wenigen Jahren Schach gespielt & mein Gedächtnis ist gut”, “ich hatte mir gerade die Regeln rekapituliert”, u.s.w..
    
Was ich als Beweis des Könnens betachte
Was uns als Anzeichen des Könnens gilt
zeigt uns, in welcher Weise wir das Wort “können” // dieses Wort // gebrauchen.
20

  In keinem dieser Fälle ist die Fähigkeit ein bewußter Zustand, wie etwa Muskelschmerzen.


 
  
 
  Vergleiche folgende Sätze mit einander,
von denen
deren
jeder in anderem Sinne einen Zustand beschreibt:
„ich habe den ganzen Tag Zahnschmerzen gehabt”
„ich habe mich den ganzen Tag nach ihm gesehnt”
„ich habe ihn den ganzen Tag erwartet”
„ich wußte schon
seit gestern
den ganzen Tag
, daß er kommen werde”
„ich
kann
konnte
seit gestern Schach spielen”.
¥
In welchen dieser Sätze
könnte man
würden wir
das Wort “ununterbrochen” mit Sinn einsetzen?

↺ Kann man sagen: “ich ◇◇◇ wußte seit gestern ununterbrochen, daß er kommen werde”?

 
  
 
Wenn man das Wissen einen Zustand nennt, dann in dem Sinn, in welchem man vom Zustand eines physikalischen Körpers oder eines physikalischen Modells redet (also im physiologischen Sinn, oder ˇauch im Sinn einer Psychologie, die von unbewußten Zuständen eines Seelenmodells redet). Und das würde freilich auch jeder zugeben; aber nun muß man noch
verstehen
sehen
nun muß man sich noch darüber klar sein, daß man sich damit ˇaus dem grammatischen Bereich der seelischen bewußten Zustände (Zahnschmerzen etc.) in ein anderes grammatisches Gebiet begeben hat. Ich kann sehr wohl von unbewußten Zahnschmerzen reden, wenn der Satz “ich habe unbewußte Zahnschmerzen”,
vielleicht
nun
etwa
, bedeuten soll, was wir gewöhnlich durch den Satz “ich habe einen schlechten Zahn, der mir keine Schmerzen
verursacht
bereitet
” ausdrücken. so ausdrücken: “ … Der ‘bewußte Zustand’ (im früheren Sinn) steht nun nich zum ‘unbewußten ˇZustand’ nun nicht in dem grammatischen Verhältnis, wie ‘ein Sessel, den ich sehe’ zu einem ‘Sessel den ich nicht
21
sehe, weil er im Nebenzimmer steht”. // Ich kann wohl von “unbewußten Zahnschmerzen” reden, wenn der Satz “ich habe unbewußte Z.” etwa bedeuten soll: “ich habe einen schlechten Zahn, der mir keine Schmerzen verursacht”. Man muß nun sehen, daß der Ausdruck “bewußter Zustand” (im früheren Sinne) zum Ausdruck “unbewußter Zustand” nicht in dem ˇgrammatischen Verhältnis steht wie “ein Sessel, den ich sehe” zu “ein Sessel, den ich nicht sehe, weil er versteckt ist”.

 
  
  
  
 
¥ ⋎ S. 35 A


 
  
 
Auf die Frage “verstehst Du das Wort rot, weißt Du, welche Farbe rot heißt?”
kann
würde
◇◇◇ man antworten: “Ja; wenn hier etwas Rotes wäre, so würde ich es erkennen”.

 
  
 
  
Es sei
Ist etwa

a
b
c
d
e
f
g
h

mein Wörterbuch, &. [i|I]ch übersetze mit ihm den Satz “b d c a” in den Satz “f h g e”; nun habe ich gezeigt, daß ich den Gebrauch des Wörterbuchs verstehe & kann sagen, daß ich auf gleiche Weise den Satz “c d a b” übersetzen kann, wenn ich will.



 
  
 
¥ ⋎ S. 35 A



 
  
 
[Zu p. 7]
       Das Verstehen eines Satzes der Sprache ist dem Verstehen eines Musikstücks viel
22
verwandter, als man glauben möchte. – Warum möchte sollen d müssen diese Takte gerade so gespielt werden? Warum bringe ich den
Rhythmus
Wechsel der Stärke & des Zeitmaßes
gerade auf dieses ganz bestimmte Ideal? Man möchte sagen: “weil ich weiß, was das alles heißt”, – aber was heißt es denn? – – Ich wüßte es nicht zu sagen, außer wieder durch eine Übersetzung in einen Ausdruck
vom
mit dem
gleichen Rhythmus. // … außer wieder durch indem ich die Musik in einen ˇandern Ausdruck vom gleichen Rhythmus ˇjenes Ideals übersetze. //


 
  
 
A “Ich kann das Wort gelb ‘Kugel’ anwenden”, – ist das auf einer andern Stufe als: “ich kann den König weiß, wie man den König im Schachspiel verwenden” verwendet.”? // “ich kann mit dem König im Schachspiel ziehen” // ?
// “Ich weiß, wie ein Bauer ziehen darf”.
“Ich weiß, wie das Wort ‘Kugel’ gebraucht werden darf”.





 
  
 
¥ ⋎ p. 23 D ¥ p. 24 A




 
  
 
B Ein
Paradox
schwieriges Problem
scheint der Gegensatz, das Verhältnis zu sein, zwischen dem Operieren mit der Sprache im Laufe ihrer Anwendung & dem momentanen Erfassen des
Sinnes
Satzes
.
    Aber wann erfassen wir, oder verstehen, wir den Satz?!
Wenn
Nachdem
wir ihn ausgesprochen haben? Oder während wir ihn aussprechen? – Und ist das Verstehen ein artikulierter Vorgang, wie das
23
bilden
sprechen oder schreiben
des Satzes[?|,] oder ein unartikulierter? Und wenn ein artikulierter: ,
entspricht seine Articulation der des Satzes oder ist sie von ihr unabhängig?
ist er projektiv mit dem andern verbunden? oder ist seine Artikulation von der des Satzes unabhängig? –


 
  
 
¥ [Absatz]

 
  
 
⌊⌊A⌋⌋ “Er sagt das, & meint es”. Vergleiche das mit dem Satz: “er sagt das & schreibt es nieder”, – & anderseits mit: “er
schreibt
sagt
das & unterschreibt es”.


 
  
 
↺ Wie lange braucht es
:
,
einen Satz verstehn? ⌊⌊ B ⌋⌋ Und ˇwenn man ihn eine Stunde lang versteht, beginnt man das immer wieder von
neuem?
frischem?


 
  
 
C Ist das Verstehen eines Satzes nicht dem Verstehen eines Schachzuges als Zug des bestimmten Spieles analog
des
dieses
Spiels ähnlich vergleichbar
? // Ist das Verstehen eines Satzes nicht
vergleichbar
analog
dem …? // Wer das Spiel gar nicht kennt & sieht jemand
ziehen, der wird …
einen Zug machen, der wird
die Handlung nicht verstehn, d.h. nicht als Zug eines Spiels. (Oder ˇauch, nicht als Zug dieses Spiels.) Und es ist etwas a Anderes den dem Zug mit Verständnis des Spiels sehen folgen , als ihn ohne dieses Verständnis zu sehen.

 
  
 
[zu p. 22]
⌊⌊ D ⌋⌋ Wie, wenn man fragte: wann kannst Du Schach spielen? Immer? oder ˇjetzt während Du
es sagst?
sagst, daß Du es kannst?
oder während jedes ˇeines SchachZuges? – Und wie seltsam, daß Schachspielen-Können so kurze Zeit braucht & eine Schachpartie so viel länger!

  (Augustinus: “Wann messe ich einen Zeitraum.”)





 
  
 
24
[zu p. 22]

     ⌊⌊ A ⌋⌋ Wenn “das Wort ‘gelb’ verstehen” heißt, es anwenden können, so ist die gleiche Frage: wann kannst Du es anwenden? Redest Du von einer Disposition? Ist es eine Vermutung?




 
  
 
[Ordnung der Sätze: 22A, 23D, 24A, 22B, 23B, 23A, 23C]



 
  
 
Das Verständnis der Sprache – quasi des Spiels – scheint wie ein Hintergrun[g|d], auf dem der einzelne Satz erst Bedeutung gewinnt. (siehe § 25)

 
  
 
Man könnte sagen: Mich interessiert nur der Inhalt
eines
des
Satzes; & der Inhalt des Satzes ist in ihm.

nicht ◇◇◇
   Seinen Inhalt hat der Satz als Glied eines Kalküls.
     
Einen Satz verstehen bedeutet: einen Kalkül verstehen
Ist also “einen Satz verstehen” ˇnicht von gleicher Art, wie “einen Kalkül verstehen”
? also wie: “multiplizieren können”?


 
  
 
Was ist es aber dann, was uns immer das Gefühl gibt, daß das Verstehen des Satzes das Erfassen von etwas außerhalb ihm Liegenden ist; aber nicht von der Welt außerhalb der Zeichen, wie sie eben ist, sondern von der Welt, wie sie das Zeichen sie – gleichsam – wünscht.
¥

    Das Übersetzen in die Vorstellung & das Eingreifen des Satzes in uns bilden jenes Außerhalb.


 
  
 
Man möchte etwa sagen: “Ich sage ja nicht nur ‘Zeichne einen Kreis’, sondern ich wünsche
25
doch daß der Andre etwas tut.” (Freilich!)


 
  
  
  
 
Wenn “die Bedeutung eines Wortes verstehen” heißt, die Möglichkeiten seiner grammatischen Anwendung kennen , so kann ist die Frage entstehen denkbar: “Wie kann
ich
man
dann gleich wissen, was ich mit ‘Kugel’ meine, ich kann doch nicht die ganze Art der Anwendung des Worts auf einmal im Kopf haben?”
   In einem Sinne kann man sagen, ich wisse die Regeln des Schachspiels (‘habe sie im Kopf’)
wenn
während
ich spiele. Aber ist dieses “im Kopf haben” nicht nur eine Hypothese? Gewiß, dieses Wissen ist nur das hypothetische Reservoir, woraus das wirklich gesehene Wasser fließt.






 
  
 
¥ ⋎ S. 27/A, ¥ S. 31/A




 
  
 
Wenn Du von Rot gesprochen hast, hast Du das gemeint, wovon man sagen kann, es sei hell, aber nicht, es sei grün, auch wenn Du an diese Regel nicht gedacht hast noch von ihr Gebrauch gemacht hast? – Hast Du das ~ verwendet, wofür ~~~p = p ist? auch wenn Du diese Regel nicht verwendet hast? Ist es etwa eine Hypothese,
26
daß es das ~ war? Kann es zweifelhaft sein, ob es dasselbe war & durch die Erfahrung bestätigt werden?


 
  
 
Das Schachspiel ist gewiß durch seine Regeln (sein Regelverzeichnis) charakterisiert. Wenn ich Schach nun durch seine Regeln definiere (
vom Damespiel
von Dame
unterscheide), so gehören diese Regeln zur Grammatik des Wortes “Schach” Muß nun dem, der das Wort “Schach” sinnvoll gebraucht (etwa im Satz wenn er sagt: “ich möchte jetzt Schach spielen”) eine Definition des Wortes vorschweben? Gewiß nicht. – Gefragt, was er unter “Schach” versteht, wird er erst eine geben.
   Wenn ich nun fragte: “Wie Du das Wort ausgesprochen hast, was hast Du damit gemeint?” – Wenn er mir darauf antwortet: “Ich habe das Spiel gemeint, das wir so oft gespielt haben etc. etc.”, so weiß ich, daß ihm diese Erklärung in keiner Weise beim Gebrauch des Wortes vorgeschwebt hatte, & daß seine Antwort meine Frage nicht in dem Sinn beantwortet, daß sie mir sagt, was “in ihm vorgegangen ist” als er das Wort aussprach.


 
  
 
Denn die Frage ist eben, ob unter der “Bedeutung, in der man ein Wort gebraucht” ein Vorgang verstanden werden soll, den wir beim Sprechen oder Hören des Wortes erleben.

 
  
 
Statt “ich habe das Spiel gemeint, welches …” hätte er auch sagen können: “ich setze (jetzt) statt des Wortes ‘Schach’ – das ich fruhe vorhin gebraucht
27
habe – den Ausdruck ”.


 
  
 
¥ ⋎ 27/B


 
  
 
Die Quelle der Verwirrung ist vielleicht der Begriff vom Gedanken, der den Satz begleitet (Oder seinem Ausdruck vorangeht.) Dem Wortausdruck kann natürlich der Gedanke in anderer Form vorangehen, aber für uns kommt der
Unterschied
Artunterschied
dieser beiden Ausdrücke, oder Gedanken, nicht in Frage.

[kein neuer Absatz]
(“Er hat diese Worte gesagt, sich aber dabei gar nichts geda[g|ch]t.” – “Doch, ich habe mir etwas dabei gedacht.” – “Und zwar was denn?” – Nun, was ich gesagt habe.”)


 
  
 
Auf die Aussage “dieser Satz hat Sinn” kann man nicht wesentlich fragen “welchen?”. So wie man ˇja auch auf den Satz “diese Worte
sind ein
bilden einen
Satz” nicht fragen kann “welcher?”.


 
  
 
“Ich meine aber doch mit diesen Worten etwas”.
Gewiß: im Gegensatz zu dem Falle, wo ich nichts meine, wo ich etwa die Silben ihres komischen Klangs wegen aneinanderreihe. (Der Satz “ich meine etwas …”, nicht metalogisch.)


 
  
 
⌊⌊ A ⌋⌋
      Es handelt sich beim Verstehen, Meinen, nicht um einen Akt
eines
des
momentanen, sozusagen nicht-diskursiven Erfassens der Grammatik. Als könnte man sie gleichsam auf einmal hinc her unterschlucken.


 
  
 
⌊⌊ B ⌋⌋ Das ( also ) , was der macht, der ein Zeichen,
das
welches
man ihm
ihm ein Anderer
gegeben hat
, ˇin einem Sinne deutet, ˇauffasst, ist ein Schritt in einem eines Kalküls (quasi einer Rechnung).
28
Er tut ungefähr was er sagt, wenn er seiner Deutung Ausdruck gibt. – Und wenn ich sage “was er macht, ist der Schritt eines Kalküls”, so meine ich, daß ich diesen Kalkül schon kenne; in dem Sinne, in dem ich die deutsche Sprache kenne, oder das Einmaleins. Welches ich ja auch nicht so in mir habe, als wären die ganze deutsche Grammatik &
alle
die
ge Einmaleinssätze zusammengeschoben auf [E|e]twas, was ich nun als Ganzes besitze.





 
  
 
   Es können (nun) die grammatischen Regeln als die Auseinanderlegung dessen erscheinen, was Es kann uns vorkommen erscheinen, als wären die gr. Regeln ˇin irgend einem Sinne die die Auseinanderlegung dessen, was … wir
beim
im
Gebrauch des Wortes auf einmal erleben.


 
  
 
Fortsetzung von S. 14 Großes Format


 
  
? ∫
 
Kann ich das, was die grammatischen Regeln von einem Worte sagen, auch anders beschreiben, nämlich durch die Beschreibung des Vorgangs, der beim Verstehen stattfindet?
    Wenn also die Grammatik – z.B. – die Geometrie der Verneinung ist, kann ich sie durch die Beschreibung dessen ersetzen, was bei der Anwendung sozusagen hinter dem Wort “nicht” steht?
    Wir sagen: “Wer die Negation versteht, der weiß, daß die doppelte Negation eine Bejahung ergibt”.

 
  
?
 
  Das klingt so wie: “Kohle & Sauerstoff gibt
Kohlensäure
Sauerstoff
”. Aber in Wirklichkeit gibt die doppelte
29
Negation nichts, sondern ist etwas.
    Es täuscht uns da etwas eine physikalische Tatsache vor. Als sä[g|h]en wir ein Ergebniss des logischen Processes. Während das Ergebnis nur das des
physischen
physikalischen
Processes ist.

 
  
∕∕
 
  Man möchte sagen: “die Verneinung hat die Eigenschaft verdoppelt eine Bejahung zu ergeben.” Während die Regel die Verneinung nicht näher beschreibt sondern konstituiert.
   Die Negation hat keine andere die Eigenschaft, als, etwa, die, in gewissen
den & den
einen
Satz wahrheitsgemäß zu verneinen. // , … der Wahrheit gemäß zu verneinen. //
    So hat ein Kreis – etwa ein auf
einer Fläche
Papier
gemalter – die Eigenschaft,, da oder dort zu stehn, diese Farbe zu haben, von einer Geraden (Farbgrenze) geschnitten zu werden, etc.; aber nicht Eigenschaften, die ihm die Geometrie zuzuschreiben scheint. (Nämlich, jene Eigenschaften haben zu können.) Und die Eins hat nicht die Eigenschaft zu sich selbst addiert zwei zu ergeben.

 
  
∕∕
 
    Die Geometrie spricht sowenig von Würfeln, wie die Logik von der Verneinung.
    Sie definiert die Würfelform aber beschreibt sie nicht. Sagt die Beschreibung eines Würfels, daß er rot & hart ist, dann ist ‘Beschreibung der Würfelform’ ein Satz wie: “diese Kiste ist würfelförmig”.
    Aber wenn ich nun beschreibe, wie man eine würfelförmige Kiste macht, ist hierin nicht auch eine Beschreibung der Würfelform enthalten? Nur inˇ Eine Beschreibung nur sofern, als von diesem Ding gesagt wird, es sei würfelförmig,
30
& im Übrigen aber ˇist dies eine Definition ˇAnalyse, des Begriffs Würfel. Nicht die Würfelform hat die Eigenschaft lauter gleiche Seiten zu besitzen; aber ein Holzklotz hat diese Eigenschaft. Noch hat “die Eins die Eigenschaft, zu sich selbst addiert zwei zu ergeben”.

 
  
 
“Dieses Papier ist nicht schwarz, & ‘nicht zwei solche Verneinungen geben eine Bej[ä|a]hung”.
   “Dieses Buch ist rot & die Rose ist rot, & die beiden Wörter ‘rot’ haben die gleiche Bedeutung.”
   
“Und zwei solche Verneinungen geben eine Bejahung” das ˇDer Zusatz erinnert an: “ˇund zwei solche Pferde können den Wagen fortbewegen”. Aber in
ihm
jenem Zusatz
wird nichts über die Verneinung ausgesagt; sondern er ist eine Regel über die Ersetzung eines Zeichens durch ein anderes.

 
  
∕∕
∕∕
 
“Daß zwei Verneinungen eine Bejahung ergeben, muß doch schon im Wesen in der Verneinung, die ich jetzt gebrauche, liegen.”
Hier bin ich
Bin ich hier nicht
im Begriffe eine Mythologie ˇdes Symbolismus zu erfinden?
      Es hat den Anschein, als könnte man aus der Bedeutung der Negation schließen, daß “~~p” p bedeutet. Als würden aus der Natur der Negation die Regeln über das Negationszeichen folgen. So daß, in gewissem Sinne, die Negation zuerst vorhanden ist, & dann die Regeln der Grammatik.
    Es ist also, als hätte das Wesen der Negation einen zweifachen Ausdruck in der Sprache: dasjenige was denjenigen
welchen
dessen Bedeutung
ich erfasse,
wenn ich den Ausdruck der Negation, etwa das Wort “nicht”◇◇◇,
wenn ich das Wort “nicht”
in einem
31
Satz verstehe, & die Folgen
des erfaßten
dieses
Wesens
dieser Bedeutung in der Grammatik.

 
  
 
A [zu S. 25]
         Man ist versucht etwa folgenden Einwand zu machen: Man Ich möchte ˇetwa auch sagen: Wenn mir jemand sagt: “sieh' dort ist eine Kugel”, oder “dort ist eine Halbkugel”, so kann die Ansicht ˇdie ich erhalte zu beidem passen; & wenn ich nun sage “ja, ich sehe sie”, so unterscheide ich doch zwischen den beiden Hypothesen. – Wie ich
in der Schachpartie
im Schachspiel
zwischen einem Bauer & dem König unterscheide, auch wenn der gegenwärtige Zug einer ist, den beide machen könnten, & wenn selbst eine Königsfigur als Bauer fungierte. ƪ
     Das Wort “Kugel” ist mir bekannt & steht in mir für etwas
:
;
d.h. es bringt mich in eine gewisse
Haltung
Stellung
zu sich (wie ein Magnet eine Nadel in seine Richtung bringt).
       Man ist in der Philosophie immer in Gefahr, eine Mythologie des Symbolismus zu geben, oder der Psychologie; statt einfach zu sagen, was man weiß.


 
  
∕∕
 
ˇ [Zu S. 32] B
    Es
scheint so,
ˇuns
als wäre in einem Satzˇ, der, z.B., das Wort “Kugel” enthält, schon der Schatten anderer Sätze mit diesem Wort Verwendungen des dieses Worts enthalten. Nämlich eben die Möglichkeit, jene andern Sätze zu bilden. Wem scheint es so? und unter welchen Umständen?

 
  
∕∕
 
Was heißt es nun, wenn ich sage, wenn daß im Satze “die Rose ist rot” das “ist” eine andere Bedeutung hat, als in “2 mal 2 ist 4”? Wenn man antwortet, es heiße, daß verschiedene Regeln von diesen beiden Wörtern gelten, so ist
32
zunächst zu sagen, daß wir hier nur ein Wort haben. – Und wenn ich nur auf die grammatischen Regeln achte, so erlauben diese eben die Verwendung des Wortes “ist” in beiden Zusammenhängen. – Die Regel aber, welche zeigt, daß das Wort “ist” in den zwei Sätzen verschiedene Bedeutung hat, ist die, welche erlaubt im zweiten Satz das Wort “ist” durch den Aus “ist gleich” zu ersetzen,
& die
aber
diese Ersetzung im ersten Satz verbietet.

 
  
/
 
   “Ist nun diese Regel nur die Folge des Ersten: daß das Wort ‘ist’ in den
beiden
zwei
Sätzen verschiedene Bedeutungˇgen hat[;|?] Oder ist
es so, daß
es so, daß
diese diese Regel eben
ein
der
der
Ausdruck dafür
ist
ist
, daß das Wort ‘ist’ ˇin den beiden Sätzen Zusammenhängen Verschiedenes bedeutet?”

 
  
 
¥ ⋎ S. 31B


 
  
/
 
Es liegt hier der Vergleich nahe, daß das Wort “ist” in verschiedenen Fällen
verschiedene
einen andern
Bedeutungskörper hinter sich hat; daß es ˇetwa beidemale die gleiche eine quadratförmige Flächec ist, (etwa jedesmal ein Quadrat) , das aber das ein[m|em]al ˇdie Endfläche einer Pyramide. ist.
     Denken wir uns ˇnun diesen Fall: Wir hätten Glaswürfel, die vollkommen durchsichtig
sein sollen
wärenˇwären
, deren eine Seitenfläche aber ˇsei rot gefärbt. wäre. Wenn wir diese Würfel im Raume
zusammenstellen
gruppieren
, so werden nur ganz bestimmte Anordnungen roter Quadrate im Raum entstehen können, bedingt durch die
Form
Würfelform
der Glaskörper. Ich könnte nun die Regel, nach der die roten Quadrate angeordnet sein können auch ohne Erwähnung
33
der Würfel
angeben
ausdrücken
, aber in ihr wäre dennoch das Wesen der Würfelform
enthalten
präjudiziert
. Freilich nicht, daß gläserne Würfel hinter den ˇroten Quadraten
stehen
sind
, wohl aber die Geometrie des Würfels.
       Wenn wir nun aber einen solchen Würfel sehen, sind damit wirklich schon die Gesetze der möglichen Zusammenstellung gegeben?; Aalso die Geometrie des Würfels? Kann ich die Geometrie des Würfels von einem Würfel ablesen?

 
  
 
       Der Würfel ist dann
ein Ausdruck
eine Notation
der Regel. Und hätten wir eine solche Regel gefunden, so könnten wir sie wirklich nicht besser notieren, als
mittels der
durch die
Zeichnung eines Würfels. (Und daß es hier auch eine Zeichnung ˇstatt des Würfels tut, ist sehr bedeutsam.)
       Wie kann aber der Würfel (oder die Zeichnung) als Notation einer geometrischen Regel dienen? Nur sofern er als Satz ˇoder Teil eines Satzes einem System von Sätzen angehört.

 
  
 
      ¥ ⋎ S. 93 ¥ ⋎ S. 52D ¥ oder großes Format S. 26A

 
  
 
Das Zeichen der Negation, z.B.
p
W
F


F
W
, z.B.,
ist gleichwertig jedem andern Negationszeichen; es ist ebenso ein Komplex von Strichen, wie
der Ausdruck “nicht p”
das Wort nicht
, & zum N Zeichen für die Negation wird es nur durch die Art, wie es ‘wirkt’, – ich meine: wie es im Spiel gebraucht wird.
(Analoges, gilt die S für die W-F-Schemata der Tautologie & Contradiktion.)

 
  
 
Ich möchte sagen: Nur dynamisch
ist etwas ein
wirkt das
Zeichen, nicht statisch.

 
  
 
Es scheint hier ˇleicht, als ob das Zeichen die ganze Grammatik zusammenfaßte; daß sie in ihm
34
enthalten wäre, ˇwie die Perlˇenschnur in einer Schachtel & wir sie nur herausziehen müßten. (Aber
ein solches
dieses
Bild ist es eben,
welches
wasdas
uns irreführt.) | Als wäre das Verständnis ein momentanes Erfassen von etwas, wovon später mir die Konsequenzen gezogen werden, & zwar so, daß diese Konsequenzen bereits in einem, ideellen Sinn existieren, ehe sie gezogen werden. | c ⌊⌊ Wird geschrieben⌋⌋ Als ob der Würfel schon die Geometrie des Würfels enthielte & ich sie nur noch auszubreiten hätte. Aber welcher Würfel? Der Gesichtswürfel, oder ein Eisenwürfel? Oder gibt es einen idealen geometrischen Würfel?
Es schwebt uns offenbar
Offenbar schwebt uns
der Vorgang vor, wenn wir aus einer Zeichnung, ˇeiner Vorstellung (oder einem Modell) Sätze der Geometrie ableiten. // Wir denken hier offenbar an den Vorgang, wenn … // Aber welche Rolle spielt dabei das Modell? Doch wohl die des Zeichens; [. D|d]es Zeichens, das in einem bestimmten Spiel verwendet wird. – Und es ist interessant & merkwürdig, wie dieses Zeichen verwendet wird, wie wirˇ, etwa, die Zeichnung des Würfels wieder & wieder benützenc, mit in immer andern Zutaten. immer anderen ◇◇◇ Verbindungen. – Einmal sind die Diagonalen gezogen, einmal mehrere Würfel aneinandergereiht, etc. etc.. Und es ist dieses Zeichen (mit der Identität eines Zeichens), welches wir für jenen Würfel nehmen, in dem die geometrischen Gesetze bereits liegen. (Sie liegen in ihm so wenig, wie im Schachkönig die Dispositionen in gewisser Weise
gebraucht
benützt
zu werden.)

 
  
 
Man ist in der Philosophie immer in der
Versuchung
Gefahr
,
35
eine Mythologie des Symbolismus zu geben, oder der Psychologie ˇaufzustellen; statt einfach zu sagen, was man weiß.

 
  
 
A [Zu S. 21]
           Es ist (so), wie wenn wir ich mir im Werkzeugkasten der Sprache Werkzeuge zum künftigen Gebrauch herrichtete.
Der
Dieser
Werkzeugkasten ist die Grammatik mit ihren Regeln. Denke an den Gebrauch des Bildes einer Kugel (der Vorstellung oder eines Bildes auf dem Papier). Ein solches Bild wird nicht immer gebraucht werden, wenn von einer Kugel die Rede ist (wenn das Wort ‘Kugel’ sinnvoll gebraucht wird), aber es wird in gewissen Fällen gebraucht & dann sozusagen aus dem Werkzeugkasten gezogen // hervorgezogen // . werden.






¥ ⋎ S. 52 in der Reihenfolge: A C D B E






 
  
 
   Der Begriff der Bedeutung, wie ich ihn ˇin meine philosophischen
Erörterungen
Gedanken
übernommen
überkommen
habe, stammt aus einer primitiven Philosophie der Sprache her.

 
  
 
   Was wir “Bedeutung” nennen, scheint mit der primitiven Gebärdensprache (Zeigesprache) zusammenzuhängen.
“Bedeutung” kommt von “deuten”.

 
  
 
Augustinus, wenn er vom Lernen der Sprache redet, redet nur davon, wie wir den Dingen Namen beilegen, oder die Namen der Dinge verstehen. Hier scheint [d|D]as Benennen das ˇscheint hier das
36
Fundament & Um & Auf der Sprache zu sein.

   Diese Betrachtungsweise ist wohl die, welcher Es ist die Auffassung, der die Erklärungsform “das ist …” im Fundament der Sprache zu liegen scheint. Von einem Unterschied der Wortarten redet Augustinus nicht & meint mit “Namen” offenbar Wörter wie “Baum”, “Tisch”, “Brot” , & gewiß die Eigennamen
der
von
Personen; dann aber wohl auch “essen”, “geben”, “hier”, “dort”, kurz alle Wörter.
Gewiß aber denkt er zunächst an Hauptwörter, & an die übrigen als etwas, was sich finden wird. (Und Plato sagt, daß der Satz aus Haupt- & Zeitwörtern besteht.)
    Sie beschreiben eben das Spiel einfacher als es ist.
    Aber das Spiel,
welches
das
Augustinus beschreibt, kommt wohl auch in der Wirklichkeit vor wird wohl auch in der Wirklichkeit gespielt. ein Teil der ist allerdings ein Teil der Sprache. Denken wir, ich wollte aus Bausteinen, die mir ein Andrer zureichen soll,
einen Bau
ein Haus
aufführen; so könnten wir zuerst ein Übereinkommen dadurch treffen,
indem
daß
ich, auf einen Baustein zeigend, sage: “das ist eine Säule”, auf einen andern zeigend: “das heißt ein ‘Würfel’”, – “das heißt ‘Platte’”, u.s.w.. Und nun bestünde die Anwendung riefe ich die Wörter “Säule”, “Platte” etc. aus in der Ordnung, wie ich die Steine brauche.

 
  
 
    Augustinus beschreibt einen Kalkül unserer Sprache, nur ist nicht alles,
37
was wir Sprache nennen, dieser Kalkül.
 (Und das muß man in sehr vielen Fällen sagen, wo die Frage ist ˇuns entgegentritt ˇvor uns steht: “ist diese Darstellung brauchbar, oder unbrauchbar”. Die Antwort
ist
istlautet
: “ja, brauchbar, – aber nur dafür; nicht für das ganze Gebiet, das Du darzustellen vorgabst”.) ¥
⋎ S. 179 A

 
  
 
   Es ist so, wie wenn jemand erklärte: “Ein Spiel spielen besteht darin, daß man Dinge, gewissen Regeln gemäß, auf einer Fläche verschiebt …”; und wir ihm sagten: Du denkst da gewiß an die Brettspiele & auf die ist Deine Beschreibung anwendbar; aber das sind nicht alle Spiele. Du kannst also Deine Erklärung dadurch richtigstellen, daß Du sie ausdrücklich auf diese Spiele einschränkst. ⌊⌊Besser in der Maschinschrift⌋⌋
⋎ S. 179 B


 
  
 
¥
⋎ S. 179 B
ˇIch wollte sagen: Wie Augustinus das Lernen der Sprache beschreibt, das kann uns zeigen, woher diese Auffassung eigentlich kommt.
     Man könnte den Fall ˇunserer Sprache mit dem einer Schrift vergleichen, in der Buchstaben zum Bezeichnen von Lauten benützt würden, aber auch zur Bezeichnung
der Betonung
des Accentes
& ˇetwa als Interpunktionszeichen. Fassen wir S[e|ie]h[e|t]n man dann diese Schrift als Sprache zur Beschreibung des Lautbildes auf an, , so kann man sich denken, daß ei Einer sie so
mißverstünde
versteht
, als entspräche einfach jedem Buchstaben ein Laut, & als hätten die Buchstaben nicht auch ganz andere Funktionen.


 
  
 
38


↻ Hierher gehört auch: Man kann für Andere leicht verständlich, von Kombinationen von Farben mit
Figuren
Formen
sprechen (etwa der Farben rot & blau mit den
Figuren
Formen
Quadrat & Kreis), ganz ebenso wie von Kombinationen verschiedener
Figuren
Formen
oder Körper. Und hier
ist
haben wir
die Wurzel des
schlechten
irreleitenden
Ausdrucks, : die Tatsache sei ein Komplex von Gegenständen. Es wird
hier
also
, daß ein Mensch kl krank ist verglichen mit der Zusammenstellung zweier Dinge, wovon das eine der Mensch, das andere die Krankheit wäre. Hüten wir uns davor zu vergessen, daß das ein Vergleich ist.


 
  
  
  
 
Wer
Jeder, der
einen Satz einer ihm geläufigen Sprache liest, nimmt empfindet die Wörter der verschiedenen Wortarten in ˇganz verschiedener Weise. auf., obwohl sich ihr Bild & Klang der Art nach
39
nicht unterscheidet.
(Das Gleichnis vom Bedeutungskörper.) Wir vergessen ganz, daß ˇdie Laut- oder Schriftbilder “nicht” & “Tisch” & “grün”
gleichartige Dinge sind
als Laut- oder Schriftbilder sich nicht ihrem Wesen nach von einander unterscheiden
& sehen dies // & sehen die Einförmigkeit der Wörter // nur klar in einer uns fremden Sprache. (Das Gleichnis vom Bedeutungskörper der hinter dem Wort steht, drängt sich uns hier auf) (Vergleiche auch William James über die Gefühle die Worten wie “nicht”, “aber”, etc. entsprechen.)

 
  
 
¥
⋎ [S. 26 großes Format B als neuer Absatz]
Vergleich der Linien auf einer Landkarte mit verschiedener Funktion auf einer Landkarte ˇ(Grenzen, Straßen, Meridiane, Schichtenlinien) mit den verschiedenen Wortarten im Satz. Der Unbelehrte sieht eine Menge von Linien & kennt nicht die Verschiedenheit
ihrer
der
Bedeutungen.
    Denken wir uns ˇauf der Karte auch einen Strich, der ein Zeichen durchstreicht, um zu zeigen, daß es ungiltig ist.

 
  
 
Der Unterschied der Wortarten ist dem Unterschied der Spielfiguren im Schach zu vergleichen,
aber
oder
auch dem noch größeren einer Spielfigur & des Schachbrettes.




 
  
 
Man
kann erklären
könnte sagen
: Dc d er Ort eines Wortes in der Grammatik ist seine Bedeutung.
⌊⌊ Absatz ⌋⌋ Man würde [I|i]n der alten Ausdrucksweise ◇◇◇ sag[t|en ] man: Das Wesentliche ˇam Wort ist die seine Bedeutung des Wortes, nicht das Wort. Wir können also das
40
Man sagt: Das Wesentliche am Wort ist seine Bedeutung. Man kann das Wort durch ein anderes ersetzen, das die gleiche Bedeutung hat. Damit ist
gleichsam
sozusagen
ein Platz für das Wort fixiertc, & man kann ein Wort für ein anderes setzen, wenn man es an den gleichen Platz setzt.

 
  
 
Wenn ich mich entschlösse (auch in meinen Gedanken) statt “rot” ein neues Wort zu sagen, wie würde es sich zeigen daß dieses an dem Platz des Wortes “rot” steht? – Sind es etwa immer Vorstellungen die den Platz der Wörter halten?
     Wenn man übereinkäme im Deutschen statt “nicht” “non” zu sagen & dafür “nicht” statt des Wortes “rot” ˇ “nicht” ; so bliebe das Wort “nicht” in der Sprache, & doch könnte man sagen, daß “non” ˇjetzt so gebraucht wird, wie früher “nicht”, & daß jetzt “nicht” anders gebraucht wird. als früher.

 
  
 
  Wäre
es
das
es
nicht ähnlich, wenn ich mich entschlösse, die Formen der Schachfiguren zu ändern, oder,
die
eine
Figur eines Pferdchens als König zu verwenden? Wie würde es sich nun zeigen, daß das Pferdchen Schachkönig ist? Kann ich hier nicht sehr gut von einem Wechsel der Bedeutung reden?


 
  
 
Fortsetzung S. 15 Großes Format
Ist es, anderseits, eine unwesentliche Änderung wenn ich so in einem Gedicht // in einem Satz der Lyrik // ein Wort durch ein anderes ersetze? – Welche Art von Unterschied macht es, wenn ich, etwa, in einem Lehrbuch der Physik das Wort Geschwindigkeit
41
ˇsystematisch durch ein beliebiges andere oder den Buchstaben v durch einen hebräischen ersetzte?
Und
&
welchen Unterschied, anderseits, wenn ich etwa ein Wort eines lyrischen Stücks durch das Zeichen “A” ersetzte & erkläre A solle die Bedeutung jenes Wortes haben. Das wäre, als wollte ich die Stirn runzeln & erklären, daß es das gleiche bedeuten solle, wie ein freundliches Lächeln.


 
  
 
[Dazu gehört: Die Bedeutung des Worts, der Sinn des Satzes liegt in ihm, im Kalkül ⌊⌊dem er angehört. Dieser ist sozusagen⌋⌋ ⌊⌊autonom.
Die Sprache,
Der Satz
muß für sich selber sprechen. Uns interessiert der Inhalt des Satzes u.s.w..
⌋⌋
   Die Bedeutung eines Namens ist nicht sein Träger. – Der Ausdruck “der Träger des Namens ‘N’” hat die gleiche Bedeutung wie der Name ‘N’. Der Ausdruck kann statt des Namens eingesetzt werden. “Der Träger des Namens ‘N’ ist krank” heißt: N ist krank.
Man sagt
Aber wir sagen
nicht, die Bedeutung des Wortes N sei krank. Der Träger des Namens ‘N’ hört etwa auf zu existieren, wenn er ˇvernichtet wird, ˇ ◇◇◇ stirbt; wenn aber der Name ˇverliert seine Bedeutung verliert, so etwa dadurch, daß wir seinem Träger einen anderen Namen gegeben haben. wenn wir ihn abschaffen & durch einen andern ersetzen.
    Aber heißt es nicht dasselbe zu sagen “zwei Namen haben einen Träger” & “zwei Namen haben dieselbe Bedeutung”?
Gewiß
Wohl
, denn statt der Gleichung:
       der Träger des Namens A = der Träger des Namens B kann man ja schreiben: A = B


 
  
 
Wir weisen zur Erklärung der Bedeutung des Namens auf seinen Träger. Man kann dadurch den Gebrauch des Wortes
42
lehren, wenn dieser Gebrauch, sozusagen, schon bis auf eine letzte Bestimmung bekannt ist.
    Erinnere Dich daran, daß durch dieselbe hinweisende Geste auf den gleichen Körper die Bedeutung von Wörtern verschiedener Art erklärt werden kann. Z.B.: “das (worauf ich zeige) heißt ‘Holz’”, “das heißt ‘braun’”, “das heißt ‘Stab’”, “das heißt ‘Federstiel’”.
     Der erklärende Hinweis entscheidet da nur noch eine Frage von der Art: “Welcher dieser Leute ist Herr N”, “Welche Farbe heißt ‘lila violett’”, “welcher Ton ist das hohe C” .

 
  
 
  [Zu S. 59]
Wenn ich sage “die Farbe dieses Gegenstands heißt ‘violett’”, so muß ich die Farbe mit
dem Hinweis
den Worten
“die Farbe dieses Gegenstands” schon bezeichnet haben, sie schon zur Taufe gehalten haben, damit
die
eine
Namengebung geschehen kann. Denn ich könnte auch sagen: “der Name dieser Farbe ist von Dir zu bestimmen”; & der den Namen gibt müßte nun schon wissen, wem er ihn geben soll (an welchen Platz der Sprache er ihn stellt).

        Ich könnte so erklären: die Farbe dieses Flecks heißt “rot”, die Form “Elipse”. Und hier stehen die Wörter “Farbe” & “Form” stehen hier für die Anwendungsarten der gegebenen Namen & bezeichnen in Wirklichkeit Wortarten wie “Hauptwort” & “Eigenschaftswort”. Man könnte sehr wohl in der gebräuchlichen Grammatik die Bezeichnungen “Farbwort”, “Formwort”, “Stoffwort” einfüh
43
ren. (Aber mit demselben Recht auch “Baumwort”, “Buchwort”?)


 
  
 
Denken wir aber an das Zeigen & Benennen von Gegenständen, wenn man Kindern die Anfänge der Sprache lehrt. Hier kann man nicht sagen, diese Erklärung (wenn man das eine Erklärung nennen will) gebe noch eine letzte Bestimmung über den Gebrauch des Wortes (des Wortes “Papa” etwa); & das Kind kann auch noch nicht fragen “wie heißt das”. (Diese ‘Erklärung’ ist nicht die Antwort auf die Frage “wie heißt dieser Gegenstand”.)

 
  
 
Der Name, den ich einem Körper gebe, ˇoder aber einer Gestalt, einem Ort, einer Farbe, hat
in jedem Fall
jedesmal
eine andere Grammatik. “A” in “A ist gelb” hat eine andere Grammatik, wenn es einmal der Name eines Körpers, ein andermal der Name
der
einer
F Oberfläche eines Körpers ist. (Es hat z.B. Sinn zu sagen der Körper sei durch & durch gelb, aber nicht, die Fläche sei es.) Und man zeigt in anderm Sinne auf einen Körper, auf seine Länge, & auf seine Farbe. Es ist etwa eine Definition möglich: auf eine Farbe zeigen heißt: , auf den Körper zeigen der sie hat. (Wie, wer der, welcher Geld heiratet, es nicht in demselben Sinne heiratet, wie er die Frau heiratet, die es besitzt.)


 
  
 
Man könnte sagen: Die Bedeutung eines Wortes ist das, was die Erklärung der Bedeutung erklärt.
    Und soweit ˇdie Bedeutung in der Erklärung niedergelegt ist, tritt der Begriff der Bedeu-
44
tung in den Kalkül ein, den wir mit den Zeichen betreiben.
¥

   Verstehen wir unter “Bedeutung” aber ein charakteristisches Gefühl, das
durch's
beim
beimc
Hören eines Wortes wachgerufen wird, dann ist die Bedeutung in der Erklärung
des
eines
Wortes nicht niedergelegt, aber durch sie
vielleicht
etwa
bewirkt, wie die Krankheit durch die Verkühlung. Speise.


 
  
 
(Dazu: “Das, was 1cm³ Wasser wiegt, hat man ‘1 Gramm’ genannt.” – “Ja, was wiegt er denn?”)

 
  
 
¥
⋎ S. 45 A
In dem ersten Sinn
könnte
kann
man die Erklärung der Bedeutung die Ausschließung von Mißverständnissen nennen ˇwollen.
Sie sagt
Die Erklärung sagt
ˇetwa, das Wort hat diese Bedeutung, nicht jene. Aber das gilt nur von Gewissem, was wir die Erklärung der Bedeutung eines Wortes nennen, wenn wir etwa erklären: “diese Farbe heißt ‘orange’” (nicht jene), “dieser Mann heißt ‘N.N.’” (nicht der [a|A]ndere).      ‘Erklärung der Bedeutung’ aber, nennen wir vielerlei.
      // Die Erklärung eines Zeichens muß jede Meinungsverschiedenheit in Bezug auf seine Bedeutung beseitigen können.       Mißverständnisse nenne ich das, was durch eine Erklärung zu beseitigen ist, . Die Erklärung der Bedeutung eines Wortes schließt Mißverständnisse aus.       Die Aufklärung kann nur verstanden werden, wenn sie in einer Sprache gegeben wird, die unabhängig von dem
45
Mißverständnis besteht. Die Aufklärung sagt etwa: das Wort hat diese Bedeutung, nicht jene. Aber das gilt … //    
Aber wir nennen sehr verschiedenes ‘Erklärung der Bedeutung.
‘Erklärung der Bedeutung’ aber, nennen wir vielerlei.
Zur Erklärung des Wortes “Blatt” zeigen wir wohl auf verschiedene Blätter; zur Erklärung des Wortes “violett”c auf einen violetten Gegenstand; zur Erklärung des Wortes “wehe!” machen wir
etwa
vielleicht
eine Geste & sprechen in bestimmtem Tonfall;
zur Erklärung des Zeichens “⊃” schreiben wir “p⊃q = p ⌵ ~q ” u.s.f.. ¥
[neue Zeile ⋎ S. 46 A], ¥
B ] ¥
⋎ S. 48 B nach S 46 A]
    Man sagt dem Kind: “nein, kein Stück Zucker mehr!” & nimmt es ihm weg. So lernt es die Bedeutung des Wortes “kein”. Hätte man ihm mit denselben Worten ein Stück Zucker gereicht, so hätte es gelernt, das Wort anders zu verstehn. (Es hat damit gelernt das Wort zu gebrauchen, aber auch ein bestimmtes Gefühl mit ihm zu verbinden, es in gewisser bestimmter Weise zu erleben.)



 
  
 
¥
[Neuer Absatz ⋎ S. 48 A



[Zu S. 44] A Die Erklärung der Bedeutung ist ein Teil des Kalküls mit den Worten. Und man kann sagen, sie sei das was uns in der Philosophie
wenn von der Bedeutung eines Wortes die Rede ist, angeht.
an der Bedeutung eines Wortes interessiert.
Denn diese Erklärung ist ein weiteres Stück Sprache.
      Man könnte auch so sagen. Fragen wir nicht, was Bedeutung sei, sondern sehen wir uns an, was man die “Erklärung der Bedeutung” nennt.



 
  
 
46
[Zu S. 45] A
         Man sagt: “der Name ‘Mont Blanc’ ˇauf der Karte bedeutet diesen Berg”, “das Wort ‘violett’, diese Farbe”, “das Wort ‘Tisch’ ‘Blatt’ so einen Gegenstand”, aber ˇes gibt nichts Analoges für das Wort “nicht”.
   Aber auch vom Wort “hallo” oder “ach” sagt man es hat eine Bedeutung zum Unterschied etwa von einer in unserer Sprache nicht gebrauchten Bildung (
etwa
wie
“ech”).
   Von manchem Wort werden wir sagen, es sei gleichbedeutend einer Geste; & wenn wir von der Bedeutung des Wortes “hehe!” reden wollten, so im [S|s]elben Sinne wie von der des Lachens [⋎


 
  
 
[Zu S. 45] B
          Was man Erklärung der Bedeutung eines Wortes nennt, eine Definition z.B., lehrt uns den Gebrauch des Wortes. Und die meisten Worte wurden uns nicht
in diesem Sinne erklärt,
durch Definition erklärt,
sondern wir lernten ihren Gebrauch auf andere Weise. // , sondern ihr Gebrauch uns auf andere Weise gelehrt. //



 
  
 
Man möchte nun sagen: Gewiß, die Bedeutung eines Wortes ist seine Wirkung. Denn die Sätze, die wir sagen, haben einen bestimmten Zweck, sie sollen gewisse Wirkungen
hervorbringen
herbeiführen
. Also sind sie offenbar Teil eines Mechanismus (vielleicht eines psychologischen) ˇzur Herbeiführung dieser Wirkung & die W[o|ö]rter sind auch solche Teile // Bestandteile // (Hebel, Zahnräder u. dergl.). Und das einfachste Beispiel wäre die Wirkung
47
einer Gruppe von Löchern in dem Tonstreifen eines Pianola. Wie aber, wenn das Pianola nicht richtig funktioniert, weil sein Mechanismus in Unordnung geraten ist? Wenn also diese Gruppe von Löchern statt einer musikalischen Phrase ein Klopfen & Zischen hervorruft. Vielleicht sagt man, der Sinn der Zeichen sei die Wirkung ˇjener Löcher
in einem
auf ein
Pianola in gutem Zustand (der Sinn eines Befehls sei seine Wirkung auf einen willigen Menschen). Aber was soll hier als Kriterium der Willigkeit dienen?


 
  
 
Nicht der Wirkung entspricht der Sinn, sondern dem Zweck (der Zweck wird festgesetzt, die Wirkung ist Sache der Erfahrung.)
   Die Bedeutung eines Wortes wird festgesetzt. Die Wirkung wird die Erfahrung lehren.
   Soll ich also sagen, der Zweck eines Wortes ist seine Bedeutung? – Was ist
nun
also
der Zweck des Wortes “Gras”? (Sage nicht, es sei einfach der, in uns im Hörenden eine Vorstellung von Gras hervorzurufen.) – Nach dem Zweck der Löcher auf der Pianolarolle gefragt, werde ich wohl ihre Wirkungsweise im Pianola beschreiben. Aber ich könnte nicht den Zweck dieser Löcher als Teil des Zwecks des Pianolas darstellen, ˇetwa des Zwecks
vielleicht,
etwa,
einen Menschen aufzuheitern. Man könnte sagen, es sei die Funktion des Schachspiels uns Vergnügen zu machen; aber kann man die Funktion des Rössels damit beschreiben, daß man den Teil des ˇganzen Vergnügens zeigt, der auf das
48
Rössel entfällt // zeigt, den uns das Rössel macht? //



 
  
 
¥
⋎ Absatz, dann S. 51 A



ˇ[Zu S. 45] A Wie lernt ein Kind den Gebrauch etwa des Wortes “vielleicht”? – Es spricht etwa einen Satz nach,
wie es ihn ähnlich
den es
von einem Erwachsenen gehört hat: “sie wird vielleicht kommen”; im gleichen Tonfall wie der Erwachsene. (Dies ist gleichsam ein Spiel.) Dann fragt man sich manchmal: versteht es das Wort “vielleicht” schon, oder spricht es es nur nach? – Was ist das Anzeichen dafür, daß es das Wort wirklich versteht? – Daß es
es
das Wort
in verschiedenen Fällen richtig – (das heißt doch[;|,] den [r|R]egeln gemäß) – gebraucht, &
danach auch
auch danach
handelt.



 
  
 
[Zu S. 45 nach dem Satz S 46 A] A B Geld, & was man dafür kauft. In gewissen Fällen einen Gegenstand (einen Apfel), aber auch die Erlaubnis auf einem Platz im Theater zu sitzen, oder einen Titel, oder schnelle Fortbewegung, oder das Leben, etc..


 
  
 
Man möchte mit dem Gedächtnis & der Assoziation den Mechanismus des Bedeutens erklären.
       Aber wir fühlen, daß es uns nicht auf
eine
die
Erklärung eines Mechanismus ankommen kann. Denn diese Erklärung ist wieder eine Beschreibung von Phänomenen durch die Sprache. Sie sagt etwa: wenn das Wort “rot” gehört wird, springt
49
die Vorstellung rot hervor[.| (]eine Tafel durch den Druck eines Knopfes). Nun, wenn das eintritt, – was weiter? – Wir wollen eben die Erklärung eines Kalküls hören. Und die Erklarung des Mechanismus stellt sich außerhalb des Kalküls. Sie ist selbst eine Beschreibung in der Sprache, & eine, die in den Kalkül, der uns erklärt werden soll, nicht eingreift. Während wir eine Erklärung brauchen, die ein Teil
des
dieses
Kalküls ist.


 
  
 
(Die psychologischen – trivialen – Erörterungen über Assoziation, Wiedererkennen, etc. lassen immer das
für uns
eigentlich
Merkwürdige aus & man merkt ihnen an, daß sie herumreden, ohne den springenden Punkt zu berühren.)


 
  
 
“Wie soll er wissen, welche Farbe er zu wählen hat, wenn er das Wort ‘rot’ hört?” – “Sehr einfach: er soll die Farbe nehmen, deren Bild ihm beim Hören des Wortes einfällt”. – Aber wie soll er wissen, was das heißt & welche das ist “die ihm beim dem Wort ‘rot’ einfällt”?
   (Es gibt freilich auch ein Spiel: die Farbe wählen die Dir bei diesem Wort einfällt.) Und: “‘rot’ bedeutet: die Farbe die mir beim Hören des Wortes ‘rot’ einfällt” wäre eine Definition.)
     Wenn ich sage, dasSymbol ist das, was diesen bestimmten Effekt hervorruft”, – so fragt es sich eben, wie ich von “diesem Effekt” reden kann. Und wie ich weiß, daß
es
er
der ist, den ich gemeint habe, wenn er eintritt.
50

  Es ist
drum
darum
keine Erklärung, die die Wurzel
unseres Problems
unserer Schwierigkeit
trifft
, zu sagen: sehr einfach, wir vergleichen ihn mit unserem Erinnerungsbild; – denn wie ist uns die Vergleichsmethode gegeben nach der wir vergleichen sollen? D.h., wie wissen wir was das Wort “vergleichen” bedeutet?
    Was ist denn das Kriterium dessen // dafür // , daß ich die Farbe rot richtig wiedererkannt habe?
    Und es ist ga[g|r] nicht notwendig die Wirkungsweise eines Worts durch Assoziation & Gedächtnis zu erklären, weil man statt dieser Fähigkeiten immer einen Zettel mit einer Tabelle bei sich tragen kann.


 
  
 
    Ich könnte auch so fragen: Warum verlangst Du ˇkausale Erklärungen? Wenn diese gegeben sein werden, wirst Du ja doch wieder vor einem Ende stehen. Sie können Dich nicht weiter führen, als Du jetzt bist.

 
  
 
   Ich wünsche mir, einen Apfel zu bekommen; kann ich sagen, daß erst die Erfüllung des Wunsches mir zeigt, was ich gewünscht habe? daß sie mich erst die Bedeutung des Wortes “Apfel” lehrt? – Diese Bedeutung wird durch eine Worterklärung gegeben // Das Verständnis dieses Wortes wird durch eine Worterklärung gegeben // , welche nicht die Erfüllung des Wunsches ist.


 
  
 
¥
⋎ Absatz, dann S. 59 A



  Es ist eine Funktion des Wortes “rot” uns
51
die ˇbestimmte Farbe in Erinnerung zu rufen
, ja
&
es könnte auch z.B.
es könnte z.B.
gefunden werden, daß sich dazu das Wort “rot” besser eignet als ein anderes, daß seine Bedeutung etwa nicht so leicht vergessen oder verwechselt wird. Aber wir hätten uns, wie schon gesagt, statt des Mechanismus der Assoziation einer Tabelle (oder dergleichen) bedienen können; & nun müßte unser Kalkül eben mit dem assoziierten, oder gesehenen, Farbmuster weiterschreiten. Die psychologische
Wirksamkeit
Eignung
Zweckmäßigkeit
eines Zeichens beschäftigt
mich
uns
nicht. (Dagegen
heißt es im
, z.B.,
Kratylos: “Bei weitem & ohne Frage ist es vorzüglicher, Sokrates, durch ein Ähnliches darzustellen, was jemand darstellen will, als durch das erste beste.”)



 
  
 
ˇ[Zu S. 48] A Die Verwendung eines Planes, einer Landkarte besteht darin, daß wir uns in irgendeiner Weise nach ihr richten; daß wir ihr Bild in unsere Handlungen übertragen. Es ist klar, daß da kausale Zusammenhänge stattfindenhaben; aber würde man sagen, sie sind es, die den Plan zum Plan machen?


 
  
 
    Die Untersuchung, ob die Bedeutung eines Zeichens seine Wirkung ist, sein Zweck, etc. ist eine grammatische Untersuchung.




52
⌊⌊
[Zu S. 35]
⌋⌋ [Zu S. 35] A
      Anderseits sagt man: “ich verstehe diese Geste”, wie “ich verstehe dieses Thema”, “es sagt mir etwas”, & das heißt hier: ich erlebe es, es greift in mich ein. Ich folge ihm mit bestimmtem Erlebnis
       ¥
B Wenn ich sage, bei irgend einer Gelegenheit, sage: “ich verstehe diese Geste”, meine ich da, daß ich sie in Worten oder andere Zeichen übersetzen kann? Gewiß nicht immer. Ich charakterisiere ˇauch ein Erlebnis. (Die Geste macht einen Eindruck auf mich)


 
  
 
[Zu S.◇◇◇]


 
  
 
C Es ist sonderbar: das Verstehen einer Geste werden // möchten // wir
als
durch
ihre Übersetzung in Worte erklären & das Verstehen von Worten,
als
durch
eine Übersetzung in Gesten.
// : das Verstehen einer Geste möchten wir …          Und wirklich werden wir Worte durch eine Geste & eine Geste durch Worte erklären. //


  Das [Zu S. 33]
      D (Gefragt, was ich mit dem Wort “und” im Satz “gib mir das Brot und die Butter” meine, würde ich mit einer ˇzusammenfassenden Gebärde antworten; & diese Gebärde würde, was ich meine, illustrieren. Ähnlich, wie das ein grünes Täfelchen ˇdie Bedeutung von “grün” illustriert & die W-F-Notation die Bedeutung von “nicht”, “und”, etc..) (Die Geste des Wortes “vielleicht”; des Wortes “bitte” & ˇ“danke”.)

 
  
 
E
     Das “nicht” macht eine abwehrende Geste.
Ja, es ist …
Es ist eine abwehrende Geste.
Und man könnte ˇwohl sagen: das Verstehen der Verneinung ist
53
das Verstehen einer abwehrenden (verneinenden) Geste. (Wie lernt man das Kopfschütteln der Verneinung verstehen.)




 
  
 
     Es ist möglich daß Einer die Bedeutung eines Wortes, etwa des Wortes “blau”, vergißt. Was hat er da vergessen? Wie äußert sich das?
      Da gibt es verschiedene Fälle. ˇ Z.B. [E|e]r zeigt etwa auf ve Täfelchen verschiedener Farben & sagt: “ich weiß nicht mehr, welche von diesen man ‘blau’ nennt”. Oder aber, er weiß überhaupt nicht mehr, was das Wort bedeutet, & nur, daß es ein Wort der deutschen Sprache ist.
     Wenn wir ihn nun fragen “weißt Du, was das Wort ‘blau’ bedeutet” , & er sagt “ja”, – da konnte er verschiedene Kriterien anwenden, um sich “zu überzeugen”, daß er die Bedeutung wisse. (Denken wir an die entsprechenden Kriterien dafür, daß er das Alphabet hersagen kann.) Vielleicht ruft er sich ein blaues Vorstellungsbild vor die Seele, vielleicht sah er nach einem blauen Gegenstand im Zimmer, vielleicht fiel ihm das englische “blue” ein, oder er dachte an einen ˇSchlag der einen blauen Fleck, den er sich geholt hatte. erzeugt hatte,. etc..
      Wenn gefragt würde: wie kann er sich denn zur Probe seines Verständnisses ein blaues Vorstellungsbild
vor die Seele rufen
hervorrufen
? Denn, wie kann ihm das Wort “blau” zeigen, zeigen welche Farbe aus dem Farbenkasten
54
seine Vorstellung er zu wählen hat, – so ist zu sagen, daß es sich da eben zeigt, daß das Bild vom Wählen, etwa, eines blauen Gegenstandes
nach einem
mittels einesc blauen Mustertäfelchens
hier unpassend // ungeeignet // ist. versagt. Und der Vorgang eher mit dem zu vergleichen ist, wenn beim [d|D]rücken eines Knopfes,
der die Aufschrift “blau” trägt,
auf dem das Wort blau geschrieben steht,
automatisch ein blaues Täfelchen hervorspringt; oder, wenn der Mechanismus versagt, nicht vorspringt.
     Man könnte nun sagen: Der, welcher die Bedeutung des Wortes “blau” vergessen hat & aufgefordert wurde, einen blauen Gegenstand aus anderen auszuwählen, fühlt beim Ansehn dieser Gegenstände, daß die Verbindung zwischen dem Wort “blau” & jenen Farben nicht mehr besteht (daß sie unterbrochen ist). Und die Verbindung wird wieder
angeknüpft
hergestellt
, wenn wir ihm die Erklärung des Wortes wiederholen. Aber wir konnten die Verbindung auf mannigfache Weise wieder herstellen: Wir konnten, auf einen blauen Gegenstand zeigend, & sagen “das ist blau”, oder ihm sagen “erinnere Dich an Deinen blauen Fleck”, oder wir erinnerten ihn an das Wort “blue” // oder wir flüsterten ihm sagten das Wort “blue” zu ein // , etc.. Und wenn ich sagte, wir konnten die Verbindung auf diese verschiedenen Arten herstellen, so liegt der Gedanke nahe, daß ich ein bestimmtes Phänomen, welches ich die Verbindung zwischen Wort & Farbe, oder das
55
Verständnis des Wortes nenne, auf alle diese verschiedenen Arten hervorgerufen habe, wie ich etwa sage, daß ich die Enden zweier Drähte durch Dinge
[ von verschiedener Form & aus versch. Material ]
verschiedener Formen & Materialien
verschiedene Gegenstände leitend mit einander verbinden kann. Aber von so einem Phänomen ˇder Verbindung, dem Entstehen eines blauen Vorstellungsbildes etwa, muß keine Rede sein, & das Verständnis wird sich dann dadurch zeigen, wird darin bestehen, daß er die blaue Kugel aus den andern tatsächlich auswählt; oder sagt, er könne es nun tun, wolle es aber nicht; ˇoder etc., etc.,. etc.. Wir können dann immer ein Spiel festsetzen, welches eine Möglichkeit so eines Vorgangs darstellt, & müssen nicht vergessen, daß in Wirklichkeit unzählige verschiedene & ihre Kreuzungen mit den Worten “die Bedeutung vergessen”, “sich der Bedeutung erinnern”, “die Bedeutung kennen” beschrieben werden.



¥


 
  
 
   Welche Wirkung hatte ˇnun die hinweisende Erklärung? Wird sie beim Gebrauch des Worts immer wieder herangezogen, oder
wirkte
wirkt
sie wie eine Impfung, die uns bis auf weiteres geändert hat?


 
  
 
    Die Art des Erlernens der Sprache // [d|D]ie Weise, wie wir die Sprache erlernten, // ist in ihrem Gebrauch nicht enthalten. (Wie die Ursache eben c nicht in ihrer Wirkung.)

 
  
 
    Die Erklärung als Teil des Kalküls kann
56
nicht in die Ferne wirken. Sie wirkt nur, sofern sie angewandt wird.


 
  
 
[Bis hierher M.S. großes Format S. 39]

  Ist es nicht so, daß eine ˇErklärung, eine Tabelle, zuerst so gebraucht
wird
werden
, daß man sie “nachschlägt”, daß man sie dann gleichsam im Kopf nachschlägt, sie sich vors innere Auge ruft (oder dergleichen), & daß man endlich ohne diese Tabelle arbeitet, – also so, als wäre sie nie dagewesen. – In diesem letzteren Falle spielt man nun ˇaber ein anderes Spiel. Denn es
ist nicht so,
ist nun nicht so,
daß jene Tabelle ja doch im Hintergrund steht (& man immer auf sie zurückgreifen kann); sie ist aus unserm Spiel ausgeschieden, & wenn ich auf sie “zurückgreife”, so tue ich, was der Erblindete tut, der auf den Tastsinn zurückgreift. Eine Erklärung fertigt eine Tabelle an, & sie wird zur Geschichte, wenn ich die Tabelle nicht mehr benütze.


 
  
 
  Ich muß unterscheiden zwischen den Fällen: wenn ich ˇmich, einmal, nach der Tabelle richte, &, ein andermal in Übereinstimmung mit der Tabelle, (Regel, handle, ohne
sie
die Tabelle
zu benützen. – Die Regel, deren Erlernung uns veranlasste, jetzt so & so zu handeln, ist als Ursache unserer Handlungsweise, als ihre Vorgeschichte ohne Interesse für uns. – Sofern sie aber eine allgemeine Beschreibung unsrer Handlungsweise ist, ist sie eine Hypothese. Es ist die Hypothese, daß diese beiden Leute, die am Schach-
57
brett sitzen, so & so handeln (ziehen) werden. ([w|W]obei auch ein Verstoß gegen die Spielregeln unter die Hypothese fällt, denn sie sagt dann etwas
über das Verhalten der Spieler
darüber aus, wie sich die Beiden benehmen werden
, wenn sie auf den Verstoß aufmerksam werden.) Die Spieler könnten aber die Regeln auch so benützen, daß sie in jedem besonderen Fall nachschla ü gen, was zu tun ist; hier träte die Regel in die Spielhandlung selbst ein &
verhielte
verhält
sich zu ihr nicht, wie eine Hypothese zu ihrer Bestätigung. – Hier gibt es aber eine Schwierigkeit: Denn der Spieler, der ohne [b|B]enützung eines Regelverzeichnisses spielt, ja, der nie eins gesehen hat, könnte dennoch, wenn es verlangt würde, ein Regelverzeichnis Regeln seines Spiels angeben; & zwar nicht, indem er durch wiederholte Beobachtung festsetzte feststellte, wie er in dieserm & jener
Spielsituation
Situation
gehandelt hat, sondern, indem er, vor einem Zug stehend, sagte: “in diesem Fall zieht man so”. – Aber, wenn das so ist, so zeigt es doch nur, daß er unter gewissen Umständen eine Regel aussprechen wird, nicht, daß er von ihr beim [s|S]pielen expliziten Gebrauch macht.
   Daß er ein Regelverzeichnis anlegen wird, wenn man es verlangt, ist eine Hypothese; & wenn man eine Disposition, ein Vermögen dazu in ihm annimmt, so ist es eine psychische Disposition analog einer physiologischen. Wenn gesagt wird, diese Disposition charakterisiere t den Vorgang des Spiels, so charakterisiert sie ihn als einen
psychologischen
psychischen
oder
58
physiologischen, was er tatsächlich ist. (I[m|n] unserem Studium des Symbolismus gibt es keinen Vordergrund & Hintergrund, nicht ˇwesentlich ein greifbares Zeichen & ein es begleitendes ungreifbares Vermögen oder Verständnis.)


 
  
v
 
   Das, was uns in
am Zeichen
an der Sprache
interessiert, die Bedeutung, die für maßgebend ist, ist das, was in der Grammatik des Zeichens niedergelegt ist.

 
  
v
 
    Wir fragen: Wie gebrauchst Du das Wort, was machst Du damit
?
,
Das
das
wird uns z lehren, wie Du es verstehst.

 
  
v
 
   Die Grammatik, das sind die Geschäftsbücher der Sprache, aus denen alles zu ersehen sein muß, was nicht begleitende
Empfindungen
Gefühle
betrifft,sondern
unsere
die
tatsächlichen ˇsprachlichen Transaktionen. // , sondern // , sondern
die
unsere
tatsächlichen Transaktionen
in
mitc
der Sprache. //

 
  
 
  Man könnte in gewissem Sinne sagen, daß es uns es nicht auf Nuancen ankommt. ˇ [Neuer Absatz] (Ich könnte mir einen Philosophen denken, der glaubte, einen Satz, ˇüber das Wesen des Erkennensˇ, etwa ◇◇◇, in roter Farbe drucken lassen zu müssen, da
er sonst nicht wirklich
er erst so ganz
das sage ausdrücke, was er sagen ausdrücken solle.)



 
  
 
     Die Deutung von Schrift- & Lautzeichen
59
durch hinweisende Erklärungen ist nicht Anwendung der Sprache,
sondern Teil der …
sondern ein Teil der
Sprachlehre. Die Deutung vollzieht sich noch im Allgemeinen, als Vorbereitung auf jede Anwendung.


 
  
 
¥ Man kann die hinw. Erkl. auffassen als eine Regel der Übersetzung aus einer Gebärdensprache in die Wortsprache ¥ ˇ ⋎ S. 42 A [Dann Absatz]

 
  
 
  Zur Grammatik gehört nicht, daß dieser Erfahrungssatz wahr, jener falsch ist
Zu
; zu
ihr gehören alle Bedingungen (die Methode) des Vergleichs des Satzes mit der Wirklichkeit. Das heißt, alle Bedingungen des Verständnisses (des Sinnes).


 
  
 
[Zu S. 50] A Soweit sich die Bedeutung der Wörter in der eingetroffenen Erwartung, ˇin der Erfüllung des Wunsches, in der Befolgung des Befehls, etc.,
zeigt,
erweist,
zeigt kommt sie in der Beschreibung der jeder Tatsachen zum Vorschein. (D.h.,
in einem
im
Ausdruck der Erwartung, des Befehls.)
zeigt sie sich immer schon in einer sprachlichen Darstellung der Erwartung etc.. (Sie wird also ganz in der Sprachlehre bestimmt. (In dem, was sich hat voraussehen lassen; worüber man schon vor dem Eintreffen der Tatsache reden konnte.)


 
  
 
  Ist nicht der Grund, weshalb wir glauben, mit der hinweisenden Erklärung das Gebiet der Sprache, der Zeichen, zu verlassen, daß wir dieses Heraustreten aus den Schriftzeichen mit einer Anwendung der Sprache, etwa mit der Beschreibung eines gesehenen Gegenstandes verwechseln?





 
  
 
60


    Besteht nun unsere Sprache wesentlich aus primären Zeichen (hinweisenden Gesten) & sekundären Zeichen (Worten)?
Man möchte fragen, ob ˇes in unserer Sprache nicht diese primären Zeichen geben müsse, während sie auch ohne die
sekundären
anderen
auskommen könnte.
  (Der falsche Ton in dieser Frage liegt (schon) darin, daß sie eine Erklärung der
wirklichen
bestehendenˇwirklich bestehenden
Sprache, ˇwie sie existiert , erwartet, statt der
bloßen
einfachen
Beschreibung.)
ˇ Absatz
    Es klingt ˇnatürlich wie eine lächerliche Selbstverständlichkeit, wenn ich sage, daß der, welcher
glaubt
sagt
, die Gebärden Gesten seien die primären Zeichen, die allen andern zu Grunde liegen, außer Stande wäre, den gewöhnlichsten Satz durch Gebärden zu ersetzen.

 
  
 
  Man möchte zwischen Regeln der Grammatik unterscheiden, die “eine Verbindung von Sprache & Wirklichkeit” herstellen, & solchen, die es nicht tun. Von ˇEine Regel der ersten Art ˇist: “diese Farbe heißt ‘rot’”, –
eine Regel
von
der zweiten ˇArt: “~~p = p”.
Über
Aber über
diesen Unterschied besteht ein Irrtum
;
:
die Sprache ist nicht etwas, was dem eine Struktur gegeben,, & das dann der Wirklichkeit aufgepaßt wird. // … ein Irrtum: der Unterschied scheint prinzipieller Natur zu sein, & die Sprache etwas, dem eine Struktur … //

 
  
 
Man könnte fragen wollen: Ist es denn aber ein Zufall, daß ich zur Erklärung
61
von Zeichen, also zur Vervollständigung des Zeichensystems, aus den Schrift- & Lautzeichen heraustreten muß? Trete ich damit nicht eben in das Gebiet, worin sich dann das zu Beschreibende abspielt? – Aber ist es nicht seltsam, daß ich dann überhaupt mit de[m|n] Schriftzeichen etwas anfangen kann? – Man sagt etwa, daß die Schriftzeichen bloß die Vertreter jener Dinge sind, aufc diec
die hinweisende Erklarung
man c in den
zeigtc. der Dinge sind. Aber wie seltsam, daß
diese
so eine
Vertretung möglich ist. // Aber wie ˇdenn ist diese Vertretung möglich? // (Ich kann nicht sagen: statt Milch trinke ich Wasser & esse statt Brot Holz, indem ich Wasser die Milch, & Holz das Brot vertreten lasse.)

    (Es hat natürlich einen guten Sinn, zu sagen, das
definierte Zeichen
Definiendum
verträte das definierende; & auch in d[er|ie] hinweisenden Erklärung könne mache ein Wort zum Vertreter des Hinweises auf einen Gegenstand.) Übrigens aber: nicht die Farbe rot wird vom Wort “rot” vertreten, sondern etwa ein rotes Täfelchen.)
¥
⋎ S. 180 A

 
  
 
    Man
sagt
möchte sagen
: ein rotes Täfelchen, (oder dergleichen,) ist das primäre Zeichen für die Farbe Rot,
das
ein
Wort ˇ“rot” oder ein sekundäres Zeichen
:
,
denn es erklärt die Bedeutung des Wortes “rot”, wenn ich auf ein rotes Täfelchen weise, etc., aber nicht, wenn ich sage “rot” bedeute dasselbe wie “rouge”. ¥
⌊⌊
⋎ S 184
⌋⌋ Aber ist das unter allen Umständen so? Muß immer ein roter Gegenstand oder ein rotes
62
⌊⌊
Zu S. 73
⌋⌋ Vorstellungsbild gegenwärtig sein, wenn ich das Wort “rot” verstehen soll? Denke an den Befehl: “stelle Dir einen roten Kreis auf weißem Grund vor”! Und was ist welches sind die primären Zeichen für Bindewörter, Präpositionen, Interjektionen, etc.?

 
  
 
¥
⋎ S. 63 A

  
Welches
Was
ist das Kriterium
des
unseres
Verständnisses: das Aufzeigen
eines
des
roten Täfelchens Gegenstands, wenn gefragt wurde, welcher von diesen Gegenständen ist rot, – oder das Wiederholen der hinweisenden Erklären: “diese Farbe heißt ‘rot’”?
     // Welches ist (aber) das
Zeichen
Kriterium
des
unseres
ˇ Des Andern, oder des eigenen? Verständnisses ˇbeim Andern: [E|e]inen roten Gegenstand aus anderen
auswählen
auszuwählen
, wenn es verlangt wird, oder, die hinweisende Erklärung des Wortes “rot” geben? //
    Beides betrachten wir als Zeichen des Verständnisses. Hören wir jemand das Wort “rot” gebrauchen & bezweifeln, daß er es versteht, so können wir ihn zur Prüfung fragen: “welche Farbe nennst Du ‘rot’”. Anderseits, wenn wir jemandem die hinweisende Erklärung ˇdes Wortes gegeben hätten & nun sehen wollten, ob er sie richtig verstanden hat, würden wir nicht ˇvon ihm verlangen, daß er ˇsolle sie wiederhol[t|e]n, sondern wir gäben ihm etwa die Aufgabe, aus einer Reihe von Dingen die roten herauszusuchen. In jedem Fall ist das, was Was wir Wie wir das Wort Verständnis nennen, gebrauchen,, ist
durch das
dadurch
bestimmt, was wir als Probe des Verständnisses ansehen. (Denke auch an den
63
Fall
wenn
in dem
wir sagen: “ja, wenn das Wort das bedeutet, ist der Satz wahr.”) // … das bedeuten soll, so stimmt es, was er sagt.”)
⌊⌊ Wie aber wenn er das Wort nach dem einen Test versteht & nach dem andern nicht? ⌋⌋



 
  
 
ˇ[Zu S. 62] A
  Wenn [e|E]iner sagte: “es gilt mit Recht als (ein) Zeichen des Verständnisses Verstehens des Wortes “rot”, einen roten Gegenstand ˇauf Befehl aus andersgefärbten herausgreifen (zu) können; dagegen ist das richtige Übersetzen des Wortes “rot” in's Französische kein Beweis des Verstehens”, –
so antworte ich: Das zeigt, was Du …
so würde ich antworten: Das zeigt nur, was Du
mit “verstehen” meinst. Was heißt:[e|E]s gilt mit Recht”? sollte soll doch wohl nicht heißen:, daß wenn ein Mensch einen roten Gegenstand auf Befehl etc. etc., dann hat er, erfahrungsgemäß, das Wort verstanden. (War das gemeint, so kann man ˇweiter fragen: welche andere Erfahrung gilt als der spezifische Test des Verständnisses.)

 
  
 
   Wie ist es nun mit dem, was man “primäre Zeichen” nennen möchte
:
,
sind sie
ˇSind die Zeichen, die man ‘primäre’ nennen möchte unmißverständlich // unmißdeutbar // ?
    Kann man etwa ˇsagen sie müßten eigentlich nicht mehr verstanden werden? – Wenn das heißen soll, sie mü[ss|ß]ten nicht weiter gedeutet werden, so gilt das auch vom Wort; heißt es aber, sie könnten nicht weiter gedeutet werden, dann ist es falsch. (Denke an die Erklärung der Gesten durch Worte u. u..)

 
  
 
¥
⋎ S. 185
64
⌊⌊ Hier [Hierher gehört eine Bemerkung, daß die hinw. Def. ein Zeichen für ein anderes setzt] ⌋⌋

 
  
 
    ˇWie ist es [W|w]enn ich eine Bezeichnungsweise festsetze; wenn ich, z.B. für den eigenen Gebrauch, Farb[en|]nen Namen geben will, : Ich werde will: Ich werde das etwa mittels einer Tabelle tun; und nun werde ich doch nicht den Namen zur falschen Farbe schreiben (zu der Farbe, der ich ihn nicht geben will). Aber warum nicht? Warum soll nicht “rot” gegenüber dem grünen Täfelchen stehen & “grün” gegenüber dem roten, etc.? Wenn die hinweisende Definition nur ein Zeichen statt eines andern setzt so sollte das doch keinen Unterschied machen. – Da gibt es jedenfalls zwei verschiedene Fälle: Es kann die Tabelle, mit grün gegenüber “rot” etc., so gebraucht werden, daß der, der sie ‘nachschlägtc’, vom Wort “rot” schräg auf das rote Täfelchen übergeht & vom Wort “grün” auf das grüne u.s.f.. Wir würden dann sagen, die Tabelle sei nur anders angeordnet als die gewöhnliche // gewohnte // (nach einem andern räumlichen Schema), aber sie verbinde die Zeichen, wie die gewohnte. – Es könnte aber auch sein, daß der welcher
die Tabelle
sie
benützt, von der einen Seite horizontal zu andern blickt & nun in irgend welchen Sätzen das Wort “rot” durch ein grünes Täfelchen ersetzt; aber nicht etwa auf den Befehl “gib mir das rote Buch” ein grünes bringt, sondern ganz richtigc ein rotes (d.h. das, welches auch wir “rot” nennen). Dieser hat nun die Tabelle anders benützt, als der [e|E]rste, aber doch so, daß
65
das Wort “rot” für ihn die gleiche Farbe bedeutet, wie für uns.
     Es ist nun der zweite Fall, der uns interessiert, & die Frage ist: Kann ein grünes Täfelchen als Muster für rot dienen? –
     Ich kann mir eine Abmachung denken, nach welcher Einer, dem ich eine grüne Tafel zeige & sage male mir diese Farbe, mir ein Rot malen soll; zeige ich ˇihm mit diesen Worten auf blau, so hat er gelb zu malen; (etwa immer die komplementäre Farbe[.|)]. Und daher ist es auch möglich daß Einer meinen Befehl, auch ohne eine solche Abmachung, so deutet. Ich kann Die Abmachung hätte er könnte auch gelautet haben: “wenn ich sage, male diese Farbe, dann male immer eine etwas dunklere”; & wieder können wir uns denken, daß der Befehl auch ohne diese Verabredung so gedeutet würde. – Aber kann man sagen: es kopiere Einer das Rot des Täfelchens, indem er einen bestimmten Ton von grün (oder ein anderes Rot als malt?
Und
&
zwar ˇetwa so, wie er eine geometrische Figur, nach verschiedenen Projektionsmethoden, verschieden & genau kopieren kann? – Kann ich hier Farben mit Gestalten vergleichen & sagen kann ein grünes Täfelchen einerseits als Name einer bestimmten Schattierung von [r|R]ot verwendet werden, anderseits als ihr Muster? wie ein Kreis als Name einer bestimmten Elipsengestalt dienen kann, aber auch als ihr Muster.
 
  
 
66



   Es ist klar: das Muster wird nicht verwendet wie das Wort[.| (]der Name). Und die [H|h]inweisende Erklärung, die Tabelle, sofern sie uns Muster uns von Worten zu Mustern führt anders, als die Verbaldefinition Tabelle die einen Namen durch einen andern ersetzt.


 
  
 
   Das Wort “kopieren” hat aber in verschiedenen Fällen verschiedene Bedeutung & dem entsprechend
wechselt
ist das
, was ich “Muster” nenne. Was heißt es “eine Figur genau kopieren”?: sie nach dem Augenmaß ˇgenau kopieren? oder mit Meßinstrumenten? und mit welchen? Welches wollen wir die gleiche Farbe wie die des Musters nennen? [d|D]enke an verschiedene Vergleichsmethoden. Inwiefern läßt sich die Regel dunkler zu kopieren mit der vergleichen eine Figur in vergrößertem ˇoder verkleinertem Maßstab zu kopieren?


 
  
 
   Denken wir uns einen Menschen, der vorgäbe, er könne Schattierungen von Rot in grün kopieren, & der nun, das rote Muster
ins Auge fassend
ansehend
, mit allen äußeren Zeichen des genauen Kopierens einen grünen Ton mischte. Der wäre für uns auf gleicher Stufe, wie Einer, der ˇ(genau hinhorchend) Farben nach Violintönen mischte. Wir würden in dem Fall sagen: “ich weiß nicht, wie er es macht”; aber nicht in
67
dem Sinne, als // aber nicht, als // verstünden wir nicht die verborgenen Vorgänge in seinem Gehirn oder in seinen Muskeln, sondern, wir verstehen nicht, was es heißt “dieser Farbton sei die Kopie dieses Violintons”. Es sei denn, daß damit nur gemeint
ist
wird
, ein daß ein Mensch assoziiert erfahrungsgemäß einen bestimmten Farbton mit einem bestimmten Klang assoziiert (ihn vor sich sieht, malt, etc.). Der Unterschied zwischen dem der Bedeutungen von Assoziieren & Kopieren
zeigt sich
besteht
darin, daß es ˇkeinen Sinn hat für die assoziierte Gestalt (oder Farbe) keinen Sinn von einer Projektionsmethode oder (Regel des Übertragens Kopierens ) der Assoziation zu reden.
Wir sagen
Es hat Sinn zu sagen
: “Du hast nicht richtig kopiert”, – aber nicht “Du hast nicht richtig assoziiert”.


 
  
 


¥
⋎ S. 185

   Bringt
unsere
die
Tabelle das Wort mit einem Muster in Zusammenhang, so ist es nun nicht gleichgültig mit welchem Täfelchen beim
Aufsuchen
Nachschlagenc
das Wort verbunden wird. (denke daran, daß eine Farbe der andern nicht in dem ˇgleichen Sinne als Muster dien[e|t]n kann wie sich selbst). – “Aber dann gibt es also willkürliche Zeichen & solche, die nicht willkürlich sind!” – Denken wir nur an die Verständigung durch Landkarten, Zeichnungen, & anderseits durch Sätze. Die Sätze sind so wenig willkürlich, wie die Zeichnungen; nur die Worte sind willkürlich. Und anderseits ist die Proje[c|k]tionsmethode der Landkarte willkürlich[. Und| ; ; und ] wie sollte ˇman bestimmen, was
68
willkürlich ist.


 
  
 
  Ich kann
allerdings
wohl
die Festsetzung von Wortbedeutungen vergleichen der Festsetzung einer Projektionsart // Projektionsmethode // , ˇwie der zur Abbildung räumlicher Gebilde (“der Satz ist ein Bild”); dies ist ein guter Vergleich
:
,
aber er enthebt uns nicht
davon, das Funktionieren der Bezeichnung durch Worte zu untersuchen,
der Untersuchung des Funktionierens der Worte,
welches seine eigenen Regeln hat. Wir können freilich sagen – d.h. es entspricht dem Sprachgebrauch – daß wir uns durch Zeichen verständigen, ob wir nun Wörter oder Muster verwenden; aber das Muster ist kein Wort, & das Spiel, sich nach Worten zu richten ˇist ein anderes, als das
:
,
sich nach Mustern richten. (Wörter sind
dem was wir “Sprache” nennen
einer Sprache als solcher
nicht wesentlich, & Muster auch nicht.)
     Die Wortsprache ist nur eine unter vielen möglichen Arten der Sprache & es gibt Übergänge von
einer zur
ihr in die
andern. (Denke an zwei Darstellungsarten Arten de[s|n] Satzes “ich sehe einen roten Kreis” ˇzu schreiben: es könnte z.B. dadurch geschehen, daß ich einen Kreis schreibe & ihm die entsprechende Farbe (rot) gebe; aber auch so, daß ich einen Kreis & daneben einen roten Fleck schreibe.) Betrachte die Landkarte daraufhin, was in ihr der B Ausdrucksform
einer
derc
Wortsprache entspricht.)


 
  
 
  “Ich will nicht verlangen, daß in der erklären-
69
den Tabelle das rote Muster horizontal gegenüber dem Wort “rot” stehen soll, aber irgend ein Gesetz des Lesens der Tabelle muß es doch geben, denn sonst verliert sie ja ihren Sinn”. Aber Ist es aber gesetzlos wenn die Tabelle so aufgefaßt wird, wie die Pfeile des Schemas
andeuten? – “Aber muß dann nicht eben das Schema der Pfeile vorher gegeben werden?” – Muß denn vor der gewöhnlichen Gebrauchsweise das Schema
gegeben werden?
      “Wird aber dann nicht wenigstens eine zeitliche Regelmäßigkeit im Gebrauch der Tabelle gefordert? würde es angehen, wenn wir eine Tabelle einmal nach diesem, einmal nach jenem Schema zu gebrauchen hätten?
Und wie
Wie
soll man denn wissen
, wie man die Tabelle zu gebrauchen ist?” – Ja, weiß man es denn
sonst
heute
? Die Zeichenerklärungen haben doch irgendwo ein Ende.
    Ich würde
natürlich
freilich
ein Mißverständnis hervorrufen, wenn ich, ohne eine besondere Abmachung, jemandem
einen
den
Weg wiese, indem ich mit dem Finger nicht in der Richtung zeigte, in der er gehen soll, sondern in der entgegengesetzten. Aber auch diese Art des Zeigens könnte richtig ver-
70
standen werden.
Es liegt in der menschlichen Natur, das Zeigen mit dem Finger so zu verstehen. (Wie es in ihr liegt Brettspiele zu spielen & Zeichensprachen zu
benützen
erfinden
, die aus
Schriftzeichen
geschriebenen Zeichen
auf einer Fläche bestehnen.)


 
  
 
Die Tabelle garantiert die Gleichheit der Übergänge, die
in
mit
ihr gemacht werden, nicht. Sie zwingt mich ja nicht, sie immer gleich zu gebrauchen. Sie ist da, wie ein Feld, durch das Wege führen; aber ich kann ja auch querfeldein gehen. – Ich mache den Übergang in der Tabelle bei jeder Anwendung von Neuem. Er ist nicht, quasi, ein für allemal in der Tabelle gemacht (sie verleitet mich nur ihn zu machen.).
   (Von welcher Art sind diese Sätze? – Wohl von derselben, wie die Bemerkung, daß die Zeichenerklärungen doch einmal ein Ende haben. Und das ist etwas ähnlich, wie wenn man sagt: “was nützt Dir die Annahme eines Schöpfers am Anfang der Welt, sie schiebt doch das Problem des Anfangs der Welt nur hinaus”. Diese Bemerkung hebt einen Aspekt meiner Erklärung hervor, den ich vielleicht nicht bemerkt hatte. Man könnte auch sagen: “Sieh' Deine Erklärung doch so ◇◇◇ an! – bist Du jetzt noch immer von ihr befriedigt?”


 
  
 
71


   Kann man etwas Rotes nach dem Wort “rot” suchen? braucht man ein Erinnerungsbild dazu?

 
  
∕∕ \
 
    Kann man sagen, daß das Wort “rot”, um ein brauchbares Zeichen zu sein, ein Supplement – etwa im Gedächtnis – braucht?
    Wenn ich eine Erfahrung mit den Worten beschreibe “vor mir liegt ein rotes Buch”, ist die Rechtfertigung
der Wahl
(des Gebrauchs)
dieser Worte, außer der ˇbeschriebenen Erfahrung, die in den Worten beschrieben wird, noch eine die Erinnerung, daß ich ˇmich erinnere das Wort “rot” immer für diese Farbe verwendet ˇzu haben? (
Der Befehl:
“Stelle
Muß das die Rechtfertigg. sein?


 
  
∕∕ \
 
¥S. 74 A ¥ S. 186

   Wenn es beim Gebrauch des Wortes “rot” auf das Bild ankommt, das mein Gedächtnis beim Klang dieses Wortes automatisch reproduziert, so bin ich dieser Reproduktion geradeso ausgeliefert, als wäre ich entschlossen, die Bedeutung durch Nachschlagen in einer Tabelle zu bestimmen, wobei ich mich
dem, was ich in ihr fände,
dieser,
quasi, auf Gnade & Ungnade ergeben würde.


 
  
∕∕ \
 
  Wenn mir das Farbmuster, nach dem ich mich richten will, dunkler vorkommt als es meiner Erinnerung nach gestern war, so muß ich nicht dem Gedächtnis recht geben & tue es auch nicht immer. Und ich könnte in sehr wohl von einem Nach-
72
dunkeln meines [g|G]edächtnisses reden.


 
  
 
  Wenn ich jemandem sage: “male die Farbe Deiner Zimmertür nach dem Gedächtnis”, so bestimmt das, was er zu tun hat, nicht eindeutiger als der Befehl: “male das Grün, welches Du auf dieser Tafel siehst”. Auch den ersten dieser
Sätze
Befehle
könnte man sich so aufgefaßt denken, daß wie, normalerweise,ˇ, etwa, den Satz “male einen Farbton, etwas lichter als den, welchen Du Dich erinnerst dort gesehen zu haben”; und anderseits wird der, wel dem man den Befehl gibt, den Farbton nach einem Muster zu malen für gewöhnlich nicht über die Projektionsmethode im Zweifel sein.


 
  
 
  Wenn mir befohlen worden wäre, : “suche mir eine rote Blume auf dieser Wiese & bringe sie mir”, & ich fände nun eine, – vergleiche ich sie da mit meinem Erinnerungsbild von der roten Farbe? – Und muß ich auch ein weiteres Bild zu rate ziehen um zu sehen ob das erste noch stimmt? – Und
warum
wozu
soll ich dann unbedingt das erste brauchen? – Ich sehe die Farbe der Blume & erkenne sie. (Es wäre natürlich der Fall denkbar, daß [e|E]iner das Muster einer Farbe haluziniert & es wie ein Wirkliches mit dem gesuchten Gegenstand vergleicht.)

73

  Auch wenn ich sage “nein, diese Farbe ist noch nicht die richtige, sie ist heller als die, die ich dort gesehen habe”, so sehe ˇist nicht gesagt daß ich diese nicht vor mir ˇsehe & der Vorgang ˇder ist nicht der des Vergleichens zweier gleichzeitig gesehener Farbtöne. Und es ist auch nicht so, als klingelte es irgendwo in meinem Geiste, wenn der richtige Farbton gefunden wäre & als hätte ˇtrüge ich nun ständig ein Bild dieses Klingelns mit mir herum[.|,] ˇum beurteilen zu können, wenn es klingelt.


 
  
 
  Es ist ein anderes Spiel, mit einem Muster auf die Suche gehn, es an die Gegenstände anlegen & (soc) die Farbengleichheit prüfen, & anderseits: ˇohne ein solches Muster nach Wörtern einer Wortsprache handeln. Denken wir an das laute Lesen nach der Schrift (oder das Schreiben, nach dem Gehör). Wir könnten uns
freilich
natürlich
eine Art Tabelle denken, nach welcher wir die uns dabei führen könnte. Aber es führt uns keine; kein Akt des Gedächtnisses, nichts, vermittelt zwischen dem geschriebenen Zeichen & dem Laut.


 
  
  
  
 
[Zu S. 71] A
Betrachten wir den Befehl:
Ich kann sagen:
“Tu jetzt, was Du, Deiner Erinnerung nach, gestern um diese Zeit getan hast”. Wie weiß er, was die Worte dieses Befehls von ihm verlangen, – wenn wir annehmen, es sei immer ein Erinnerungsbild das den Worten ihre Bedeutung gibt? ⌊⌊ Diese Worte können ihm nur den Ort sagen wo er nach einem Bild suchen soll; aber um diese Worte zu verstehen braucht er ja wieder ein Bild u.s.f.. ⌋⌋ – Wenn er sich daran erinnert, kann er seiner Erinnerung folgen; erinnert er sich aber nicht, so ha[b|t]en der Befehl keinen Sinn für ihn. Der Befehl ist also ähnlich dem: “tu, was auf diesem Zettel geschrieben steht”. Wenn der Zettel leer ist, so ist dies kein Befehl. (Denken wir uns, daß auf dem Zettel eine sinnlose Wortverbindung steht.) Etwa “iß n Äpfel & n² + 2n + 2 = 0.”)



 
  
 
  Und, wenn man sich in die Erinnerung ruft, “daß die Tabelle uns nicht zwingt”, sie auf eine bestimmte Weise, , noch, sie immer auf die gleiche Weise zu benützen, – so wird es
Jedem
(ganz)
klar, daß unser Gebrauch des Wortes “Regel” & “Spiel” ein schwankender ist (nach den Rändern zu verschwimmender) ist.




 
  
 
75


¥
¥ ⋎ S. 77 A, ¥ B


¥



   A Es
ist falsch
ist unwahr
wäre unrecht
zu
ˇ
Es ist nicht richtig zu
Man sollte nicht
sagen: die Übereinstimmung (und Nichtübereinstimmung) zwischen Satz & Welt // Außenwelt //
ist
sei
willkürlich durch eine Zuordnung
der beiden erzeugt.
geschaffen.
Denn, wie ist die Zuordnung auszudrücken? Sie
soll darin bestehen
besteht darin
, daß der Satz “p” sagt, es sei gerade das der Fall. Aber wie ist dieses ‘gerade das’ (im besondern Fall) in uns gegeben (ˇd.h. ausgedrückt)? Wenn durch ˇandern einen Satz, so gewinnen wir nichts dabei; wenn aber durch
ein Factum
eine Tatsache
der Außenwelt, dann muß dieses schon in bestimmter Weise artikuliert aufgefaßt
werden
sein
dann gehört dieses als Erklärung der Sprache mit zur Sprache. D.h., : es gibt keine hinweisende Definition eines Satzes, oder richtiger: die die hinweisenden Erklärungen müssen werden vor der Anwendung des Satzes gegeben werden & sind verschieden von der Anwendung. // von der Anwendung ad hoc. // // von der Anwendung im besondern Fall. // )


 
  
 
B
   Die Verbindung zwischen “Sprache & Wirklichkeit” ist durch die Worterklärungen gemacht, – welche zur Sprachlehre gehören[. So| ; so] daß die Sprache in sich geschlossen, autonom, bleibt.



 
  
 
    Wenn ich das Klangbild eines chinesischen Satzes auswendig lernte kennte & wüßte, daß dieser Satz, etwa in einem
76
Bilderbuch, als Titel unter einem jenem ˇbestimmten Bild steht, so würde mich das könnte ich dadurch noch nicht befähigen einen chinesischen Satz zu bilden. Ich könnte sagen: es befähigt mich nicht einen Sachverhalt auf chinesisch zu portraitieren.


 
  
 
  Wenn man jemanden fragte “wie weißt Du, daß diese Beschreibung // dieser Wortausdruck // wiedergibt, was Du siehst”, so könnte er vielleicht geneigt sein so wäre er vielleicht …, zu antworten “ich meine das mit diesen Worten”.
Und damit könnte er glauben sich in die Psychologie gerettet zu haben. Aber “ich meine das” ist der Ausdruck einer Zeichengebung.
Aber was ist dieses “das”, wenn es nicht selbst wieder artikuliert also schon Sprache ist?
ˇUnd [A|a]lso
war
ist
“ich meine das” gar keine Antwort. Die Antwort ist eine Erklärung der Bedeutungen der Worte.

 
  
 
  Wenn ich eine Beschreibung nach festgesetzten Regeln bilde, die Wirklichkeit nach ihnen in die Beschreibung übertrage, dann übersetze ich sie wie aus einer Sprache in eine andere. Und wenn ich die
Beschreibung
Übertragung
durch Berufung auf die Grammatik rechtfertige, so tue ich nichts, als eine [b|B]eziehung zwischen Wirklichkeit & Beschreibung (eine projektive Beziehung) festzustellen
:
;
von der Intention aber, meiner Beschreibung, als einem psychischen Vorgang, ist
hiebei
dabeic
keine Rede. (D.h., ich kann eben nur die Ähnlichkeit des Portraits [P|p]rüfen, nichts weiter. ]


 
  
 
77


[Zu S. 75
nach S. 75 B
zwischen S. 75 A & S. 75 B
] A
Könnte ich
Man könnte
sagen: mich interessiert nur der Inhalt des Satzes
,
;
& der Inhalt des Satzes ist in ihm. –
       [Keine neue Zeile.] Seinen Inhalt hat der Satz als Glied eines Kalküls.
       Die Sprache muß für sich selber sprechen.




 
  
/
 
ˇ[Zu S. 75 nach S. 77 A]
B Denken wir an eine Gebärdensprache, mit der wir uns Menschen verständlich machen, die keine Wortsprache mit uns gemeins haben[:|.] Fühlen wir hier auch das Bedürfnis aus der Sprache heraus zu treten, um ihre Zeichen mit der Wirklichkeit zu verbindenknüpfen? // Fühlen wir
da
nun
auch das Bedürfnis, zur Erklärung der Zeichen jener Sprache aus ihr herauszutreten? //



 
  
 
  “Die Verbindung von Wort & Sache durch das Lehren der Sprache hergestellt”. Was ist das für eine Verbindung, welcher Art? Eine mechanische, elektrische, psychische Verbindung kann funktionieren oder nicht funktionieren. Mechanismus & Kalkül.
       Die Zuordnung von Gegenstand & Namen ist keine andere als die durch d eine Tabelle, hinweisende Geste & gleichzeitiges Aussprechen des Namens, u. dergl, erzeugte. Sie ist ein Teil des Symbolismus. Einem Gegenstand einen Namen geben ist wesentlich von gleicher Art wie ihm ein Namenstäfelchen umhängen.

78

   Es ist der Ausdruck einer unrichtigen Auffassung, wenn man sagt: die Verbindung wischen Name & Gegenstand sei eine P psychologische.



 
  
 
   Denken wir uns, daß jemand eine Figur im Maßstab 1 : 10 kopiert; ist dann in dem Vorgang des Kopierensc schon das Verständnis der allgemeinen Regel dieses Abbildens enthalten? – Mein Stift wurde von mir quasi ganz voraussetzungslos gehalten & nur von der Länge der Vorlage geführt (beeinflußt). – Ich würde sagen: wäre die Vorlage länger gewesen, so wäre ich mit dem Stift noch weiter gefahren & wenn kürzer, weniger weit. Aber ist, gleichsam, der Geist, der sich hierin ausspricht, schon im Nachziehen des Strichs enthalten?
      Ich kann mir vornehmen: “i I ch gehe solange, bis ich
den N.
ihn
finde” ( ich will etwa jemand auf einer Straße treffen –; & nun gehe ich die Straße entlang & treffe ihn an einem bestimmten Punkt, & bleibe stehn. War in dem Vorgang des Gehens, oder einem andern gleichzeitigen das Handeln nach der allgemeinen Regel, die ich mir vorgesetzt hatte, enthalten? Oder war der Vorgang nur in Übereinstimmung mit dieser Regel, aber also auch ˇin Übereinstimmung mit andern Regeln?
      Ich gebe jemandem den Befehl von A eine Linie parallel zu a zu ziehen. Er versucht (beabsichtigt) es zu
79
tun, aber mit dem Erfolg, daß die Linie parallel zu b wird. War der Vorgang des Kopierens derselbe, als hätte er beabsichtigt eine Linie parallel zu b zu ziehen, & seine Absicht ausgeführt?

 
  
 
     Und wenn es mir gelungen ist, eine Vorlage nach der vorgesetzten Regel zu kopieren // wiederzugeben // , ist es dann möglich den Vorgang des
Nachbildens
Kopierens
, wie er stattgefunden hatte, auch durch eine andere allgemeine Regel zu beschreiben? Oder kann ich diese Beschreibung ablehnen mit den Worten: “nein, ich habe mich von dieser Regel leiten lassen – & nicht von der andern, die in diesem Falle allerdings das gleiche Resultat ergeben hätte”?

 
  
 
  Man möchte sagen: Wenn ich absichtlich eine Form nachzeichne, so hat der Vorgang des Kopierens mit der Vorlage diese Form gemein. Sie ist eine Fassette des Vorgangs des Kopierens; eine Fassette, die an dem p kopierten Gegenstand anliegt & sich dort mit ihm deckt.
   Wenn auch mein Bleistift die Vorlage nicht trifft, die Absicht trifft sie immer.


 
  
 
  Wenn ich
auf dem Klavier
ein Stück
nach Noten spielen will, so
wird
muß
die Erfahrung
zeigen
lehren
, was welche Tonfolge // welche Töne // ich t[ä|a]tsächlich spielen werde; & die Beschreibung des Gespielten muß nichts mit der Beschreibung des Notenbildes gemein haben. Wenn ich dagegen meine Absicht beschreiben will, so muß
es heißen:
ich sagen,
daß ich dieses Notenbild
80
in Tönen wiedergeben wollte. – Und nur das kann der Ausdruck dafür sein, daß die Absicht an die Vorlage heranreicht & eine allgemeine Regel enthält.

 
  
 
Der Ausdruck der Absicht beschreibt die Vorlage ˇder Abbildung; die Beschreibung des Abbildes nicht.



 
  
 
   Es kann nie essentiell für unsere Betrachtungen sein, daß ein symbolisches Phänomen in der Seele sich abspielt & nicht auf dem Papier, für
jeden
Andere
den Andern
sichtbar. Immer wieder ist man in Versuchung, einen symbolischen Vorgang durch einen besondern psychischen Vorgang erklären zu wollen; als ob die Psyche “in dieser Sache viel mehr tun könnte”, als die Zeichen. Es mißleitet uns da
die Idee eines Mechanismus
ein falscher Vergleich mit einem Mechanismus
, der mit
besonderen
andern
Mitteln arbeitet, & daher besondere Bewegungen erklären kann. Wie wenn wir sagen: diese Bewegung kann nicht durch eine Anordnung von Hebeln erklärt werden.


 
  
 
   Die Beschreibung des Psychischen muß sich ja wieder als Symbol verwenden lassen.
     ⌊⌊ Absatz ⌋⌋ Hierher gehört, daß es eine wichtige Einsicht ist in das Wesen der Zeichenerklärung, daß sich das Zeichen durch seine Erklä-
81
rung ersetzen läßt. Das bringt den Begriff dieser Erklärung in Gegensatz zu dem der Kausalerklärung.


 
  
 
  Man kann sagen daß es sich nicht durch äußere Beobachtung entscheiden läßt, ob ich lese oder nur Laute hervorbringe, während ein Text an meinen Augen vorbeiläuft.
Aber was uns am Lesen interessiert, …
Aber das Lesen
ist kann nicht wesentlich eine innere Angelegenheit sein. Das Ableiten der Übersetzung von der Vorlage kann auch ein sichtbarer Vorgang sein. Man muß z.B. den Vorgang dafür nehmen können der sich auf dem Papier abspielt, wenn die Glieder der Reihe 1, 4, 9, 16 100, 121, 144, 169 durch die Rechnungen
10 × 10
  00
100
,
11 × 11
  11
121
,
12 × 12
  24
144
,
13 × 13
  39
169
,


aus den Gliedern der Reihe 10, 11, 12, 13 abgeleitet erscheinen. ¥
⋎ S. 82 B [neue Zeile, nicht Absatz]

 
  
 
  Das Gefühl, welches man bei jeder solchen – gleichsam behaviouristischen – Darstellung hat, daß sie roh (unbeholfen) ist, leitet irre; wir sind versucht, nach einer “besseren” Darstellung zu suchen[. D|; d]ie gibt es aber gar nicht. Eine ist so gut wie die andere & jedesmal stellt das System dar, worin ein Zeichen verwendet wird (“Darstellung dynamisch, nicht statisch”.)
¥
⋎ S. 82 A [Neue Zeile, nicht neuer Absatz.]




 
  
 
82
ˇ[Zu S. 81] B (Der Unterschied zwischen ‘innen’ & ‘außen’ interessiert uns nicht.)


 
  
 
[Zu S. 81] A (Auch der psychische Prozess kann nichts in wesentlich anderem Sinne ‘offen lassen’, als eine leere Klammer im Symbolismus eine Argumentstelle offen läßt.)


 
  
∫ v
 
  Man kann nicht fragen: Welcher Art sind die geistigen Vorgänge, daß sie wahr & falsch sein können, was die außergeistigen nicht können. Wenn, wenn es die ‘geistigen’ können, so müssen's auch die anderen können; & umgekehrt. – Denn, können es die seelischen Vorgänge, so muß es auch ihre Beschreibung können. Denn in ihrer Beschreibung muß es sich zeigen, wie es möglich ist.


 
  
v
 
  Wenn man sagt, der Gedanke sei eine seelische Tätigkeit, oder eine Tätigkeit des Geistes, so denkt man an den Geist als an ein trübes, gasförmiges Wesen, in dem manches geschehen kann, das außerhalb dieser Sphäre nicht geschehen kann. Und von dem man manches erwarten kann, das sonst nicht möglich ist.
   (Der Vorgang des Denkens im menschlichen Geist, & der Vorgang der Verdauung.)

 
  
 
83



    Jedes Abbilden (Handeln nach – nicht bloß in Übereinstimmung mit – gewissen Regeln), Ableiten einer Handlung aus einem Befehl, Rechtfertigen einer Handlung mit einem Befehl, ist von der Art des schriftlichen Ableitens eines Resultats aus einer Angabe, des Hinweises auf eine Tabelle // auf die Gegenüberstellung von Zeichen in einer Tabelle // .

   (Der Begriff des Abbildens ist kein metalogischer Begriff.)



 
  
 
¥
⋎ S. 84 A

   Wenn die Aufgabe ist die Quadrate, Kuben, etc., der natürlichen Zahlen zu bilden, so kann man sagen: “ich schreibe in der Tabelle hierher die Zahl 16,
x

1,


2,


3,


4
16



an diesen Ort die Zahl 16,
weil dort x² steht Wie aber, wenn ich sagte: “ich schreibe hierhin ein “ + ”, weil dort x² steht”? Man würde fragen: “Schreibst Du überall ein “ + ” wo ein steht?” – – d.h., man würde nach einer allgemeinen Regel fragen; ; forschen; ; und das “weil” in meinem Satze gäbe sonst keinen Sinn. das “weil” in meinem Satze gäbe // gibt // sonst keinen Sinn.


“Ich
habe
geschrieben
schreibe ‘16’
weil dort ‘x²’ steht”. –
Oder man könnte fragen: “

“Woher weißt Du denn, daß Du es deswegen geschrieben
84
hast?”
   Hier hat man das “weil” als Einleitung einer Angabe der Ursache aufgefaßt, statt des Grundes.


 
  
 
ˇ[Zu S. 83]
A “Ich schreibe hierher die
Ziffer
Zahl
‘16’,
x

1


2


3


4
16
64
weil dort ‘x²’ steht & hier ‘64’ weil dort ‘x³’ steht”. So sieht jede Rechtfertigung aus. In gewissem Sinne bringt uns das nicht weiter. Aber es kann uns ja nicht weiter, d.h., zu dem Metalogischen bringen.
    (Die Schwierigkeit ist hier
:
,
das nicht zu rechtfertigen versuchen, was keine Rechtfertigung
zuläßt
hat
.)



 
  
 
Wenn ich der Regel folgend unter ‘4’ ‘16’ schreibe, so könnte es scheinen, als wäre hier eine Kausalität im Spiel, die nicht hypothetisch, sondern unmittelbar wahrgenommen ˇ(erlebt) wäre. (Verwechslung
der Begriffe
vonc
‘Grund’ & ‘Ursache’)


 
  
 
Welche Art von Nexus mei
meine ich in dem Satz: ““ich geh' hinaus, weil er es befielt” … ”?
ist in dem Satz: “ich geh' hinaus, weil er es befielt”, gemeint?
      Und wie vergleicht sich dieser Satz mit dem: “ich geh' hinaus, obwohl er es ˇmir befohlen hat”. (
Oder:
Oder:
“ Iich geh' hinaus, aber nicht, weil er es befohlen hat”, “ich geh' hinaus, weil er mir befohlen hat, es nicht zu tun”.) //
85
// Welchen Nexus meine ich in dem Satz: “ich geh' hinaus, weil er es befielt”? Und wie verhält sich dieser Satz zu: … //



 
  
 
  “Das soll er sein” (dieses Bild stellt ihn vor), darin
liegt
ist
das ganze Problem der Darstellung.
     Was ist das Kriterium dafür, wie ist es zu verifizieren, daß dieses Bild das Porträt
dieses
jenes
Gegenstandes ist( , – d.h., ihn darstellen soll? Die Ähnlichkeit macht das Bild nicht zum Portrait. (es könnte dem Einen täuschend ähnlich sein & dabei das Portrait eines Andern sein, dem es weniger ähnlich sieht.)
   Wie kann ich wissen daß er das Bild als Porträt des N meint? – Nun, ˇetwa indem er's sagt, oder drunter schreibt.
     Welchen Zusammenhang hat sein P das Portrait des N mit ihm. Etwa den, daß der Name darunter steht mit dem er angeredet wird.


 
  
/
 
   Wenn ich mich an meinen Freund erinnere, ihn “vor mir sehe”, was ist hier der Zusammenhang des Erinnerungsbildes mit seinem Gegenstand? Die Ähnlichkeit?
    Nun die Vorstellung als Bild kann ihm nur ähnlich sein.

 
  
 
   Die Vorstellung von ihm ist ein ungemaltes Portrait.

86
Ich mußte auch in der Vorstellung seinen Namen unter das Bild schreiben, damit es zur Vorstellung von ihm wurde.


 
  
 
    Ich habe den Vorsatz eine bestimmte Handlung auszuführen, ich hege einen Plan aus. Der Plan ˇin meiner Seele soll darin bestehen, daß ich mich das & das tun sehe. Aber wie weiß ich, daß ich es bin den ich sehe? Nun ich bin es ja nicht, sondern etwa ein Bild. Aber warum nenne ich es mein Bild?
   “Wie weiß ich, da[s|ß] ich es bin”, : die Frage hat Sinn, wenn es z.B. heißt: “wie weiß ich, daß ich es bin, den ich dort im Spiegel sehe”. Und die Antwort gibt Merkmale, nach denen ich zu erkennen bin.
   Daß aber mein Vorstellungsbild mich vertritt ist meine eigene Bestimmung. Und ich könnte ebensogut fragen: “woher weiß ich, daß das Wort ‘ich’ mich vertritt?”, denn meine Gestalt im Bild war nur ein anderes Wort “ich”.


 
  
v
 
   “Ich kann mir vorstellen daß du zur Türe hinausgehen wirst”. – die ˇWir unterliegen einer seltsamen Täuschung, der wir unterliegen, daß im Satz, ˇim Gedanken, die Gegenstände das tun, was der Satz von ihnen aussagt[!|.] Es ist, als ob im Befehl ein Schatten der Ausführung läge. Aber ein Schatten eben dieser Ausführung. Du gehst im Befehl dort & dort hin. – Sonst wäre es aber eben ein ◇◇◇ andrer Befehl.
87

   Gewiß diese Identität ist die, die der Diversität zweier verschiedener Befehle entspricht // entgegengesetzt ist // .


 
  
v
 
   “Ich dachte Napoleon sei im Jahre 1805 gekrönt worden.” – Was hat Dein Gedanke mit Napoleon zu tun?
Welcher Zusammenhang
Welche Verbindung
besteht zwischen Deinem Gedanken & Napoleon? – Es kann, z.B., die sein, daß das Wort “Napoleon” in dem Ausdruck meines Gedankens vorkommt, plus dem Zusammenhang, den dieses Wort mit seinem Träger hatte; also etwa, daß er sich so unterschrieb, so angeredet wurde etc., etc..
   “Aber mit dem Wort ‘Napoleon’ bezeichnest Du doch,
wenn
während
Du es aussprichst, eben diesen Menschen”. – “Wie geht denn, Deiner Meinung nach, dieser Akt des Bezeichnens vor sich? Momentan? oder braucht er Zeit?” – “Ja aber, wenn man Dich fragt: ‘hast Du jetzt eben den Mann gemeint, der die Schlacht bei Austerlitz gewonnen hat’, wirst Du doch sagen: ‘ja’. Also hast Du diesen Mann gemeint, als Du den Satz, worin sein Name vorkommt, aussprachst?” – Wohl, aber nur etwa in dem Sinn, in welchem ich damals auch wußte, daß 6 × 6 = 36 ist.
    Die Antwort “ich habe den Sieger von Austerlitz gemeint” ist ein neuer Schritt in unserm Kalkül. Täuschend ist an
ihm
dieser Antwort
die vergangene Form, die eine Beschreibung dessen zu geben scheint, was “in mir” während des Aussprechens vor-
88
gegangen warging. [Absatz]
   (“Aber ich habe ihn gemeint”. Sonderbarer Vorgang, dieses Meinen! Kann man ˇ(in Europa) jemanden meinen,
der
auch wenn er
in Amerika ist? Oder gar Und gar auch, wenn er ˇgar nicht mehr existstiert?)



 
  
v
 
   Man ist (irregeführt durch unsere Grammatik) versucht, zu fragen: “wie denkt man einen Satz, wie erwartet man daß das & das ein[f|t]reffen wird? (wie macht man das?)”
     “Wie arbeitet der Gedanke, wie bedient er sich seines Ausdrucks?” – [d|D]iese Frage scheint analog der: “wie arbeitet der Musterwebstuhl, wie bedient er sich der Karten”.

     Aber man könnte antworten: “Weißt Du es denn wirklich nicht? Du siehst es doch, wenn Du denkst.” Es ist ja nichts verborgen.
¥



¥
⋎ S. 89 A [nach S. 88 A]


 
  
v
 
   Aber auf die Antwort “Du weißt ja, wie es der Satz es macht, es ist ja nichts verborgen” möchte man sagen: “ja, aber es fließt alles so rasch vorüber & ich möchte es gleichsam breiter auseinandergelegt sehen”. (“Alles fließt.”)


 
  
v
 
⌊⌊ A ⌋⌋ Unser Gefühl ist dann, daß in dem Satz “ich glaube, daß p der Fall ist” etwas
89
das Westentliche, der eigentliche …
Wesentliches, der eigentliche
Vorgang des Glaubens, ˇnicht dargestellt, nur angedeutet sei, daß sich diese Andeutung durch eine Beschreibung des Mechanismus ˇdes Glaubens müsse ersetzen lassen. Eine Beschreibung,
in der
worin
die Wortfolge “p”ˇ vorkäme, wie die Karten in der Beschreibung des Musterwebstuhls. vorkäme Und daß nun diese Beschreibung erst der volle Ausdruck des
Gedankens
Glaubens
wäre.
    Vergleichen wir das Glauben mit dem Aussprechen des Satzes; es gehen auch da
äußerst
sehr
komplizierte Vorgänge in unserm Kehlkopf, in den Sprechmuskeln, Nerven, etc., vor sich. Diese begleiten den ausgesprochenen Satz
; und
. Und
er bleibt das Einzige was uns interessiert, nicht als Bestandteil eines Mechanismus, sondern eines Kalküls.



 
  
 
[Zu S. 88] A “Wie macht der Gedanke das, daß er darstellt?” – Die Antwort könnte sein: “Weißt Du es denn wirklich nicht? Du siehst es doch, wenn Du denkst.”. Es ist ja nichts verborgen.
   Wie macht der Satz das? – Weißt Du es denn nicht? Es ist ja nichts versteckt.



 
  
 
   Es ist uns, als ginge es uns mit dem Gedanken so, wie mit einer Landschaft, die wir gesehen haben & beschreiben sollen, aber wir erinnern uns ihrer nicht genau genug, um sie
mit
in
allen ihren Zusammenhängen beschreiben zu können. So, meinen wir, können wir das Denken nachträglich nicht beschreiben, weil uns die vielen feineren Vorgänge dann
90
verloren gegangen sind. Diese feinen Verhäkelungen möchten wir sozusagen unter der Lupe sehen. (ˇDenke an den Satz: “Alles fließt”.)
¥



[nach S. 90 A ¥ ⋎ S. 91 A ¥ 188]


 
  
 
“Aber könnte eine Maschine denken?” – Könnte sie [s|S]chmerzen haben? Hier kommt es drauf an, was man
unter dem Ausdruck
darunter
versteht “Schmerzen haben”. // … , was man darunter versteht: “etwas habe Schmerzen”. // Ich kann den Andern als eine Maschine ansehen die Schmerzen hat, d.h.: den andern Körper. Und ebenso, natürlich, meinen Körper. Dagegen setzt das Phänomen der Schmerzen, wie welches ich es beschreibe, wenn ich etwa sage, “ich habe Zahnschmerzen”, einen ˇphysikalischen Körper nicht voraus. (Ich kann z Zahnschmerzen haben ohne Zähne.) Und hier hat nun die Maschine gar keinen Platz. – Es ist klar, die Maschine kann nur einen physikalischen Körper ersetzen. Und in dem Sinne, in welchem man von einem solchen sagen kann, er habe [s|S]chmerzen, kann man es auch von einer Maschine sagen. Oder wieder: die Körper, von denen wir sagen, sie hätten Schmerzen, können wir mit Maschinen vergleichen, & auch Maschinen nennen.


 
  
 
A Wir fragen: “Was ist ein Gedanke; welcher Art muß etwas sein, um die Funktion des Gedankens verrichten zu können?” Und diese Frage ist analog der: was ist, oder, wie funktioniert eine Nähmaschine? – Aber die Antwort, die der unsern analog wäre, würde würde
91
sein laute[t|n]: schau “Schau den Strich an, den sie nähen soll; alles, was der Maschine wesentlich ist, ist in an ihm zu sehen; alles andre kann so, oder anders sein.
    Was ist denn die Funktion, Bestimmung, des Gedankens? – Wenn sie seine Wirkung ist, dann interessiert sie uns nicht.
    Wir sind nicht im Bereiche der Kausalerklärungen & jede solche Erklärung klingt ˇfür uns trivial.



 
  
 
[Zu S. 90] A Wenn man an den Gedanken, als etwas spezifisch Menschliches, Organisches, denkt, möchte man fragen: “Könnte es eine Gedankenprothese geben?” – Nun, die Rechenmaschine kann man als Ersatz d[er|ie] zehn Finger beim Rechnen ersetzen; aber von einem anorganischen Ersatz für die Rechnung kann man ˇnatürlich nicht reden.


 
  
 
   Es ist hier, merkwürdigerweise, eine der ˇfür unsere Betrachtungen gefährlichsten Ideen, daß wir mit dem Kopf, oder im Kopf, denken.
    Die Idee von einem Vorgang im Kopf, in dem gänzlich abgeschlossenen Raum, gibt dem Denken etwas Okultes.
   “Das Denken geht im Kopf vor sich” heißt eigentlich nichts anderes, als, : der Kopf
steht in Zusammenhang mit dem Denken.
hat etwas mit dem Denken zu tun.
– Man sagt freilich auch “ich denke mit der Feder” & diese Ortsangabe ist mindestens
ebensogut.
so gut wie die erste.

   Zu sagen: Denken sei eine Tätigkeit
unseres
des
Geistes,
92
wie Schreiben eine Tätigkeit der Hand, ist eine Travestie der Wahrheit.
   (
Die Liebe im Herzen.
Das Herz als Ort der Liebe.
Kopf & Herz als
Örtlichkeiten
Lokalitäten
der Seele.)


 
  
 
¥ ⋎ S. 188 A, ¥ 189 B, ¥ 190 C

    Denken nennen wir den Gebrauch von, das Operieren mit Symbolen.
    Man kann etwa sagen, das Denken rechne auf Grund von Daten & ende in einer Handlung. ‘Denken’ ist aber ein wechselnder Begriff. (Die Berechnung der Wandstärke eines Kessels & die seine Verfertigung der Berechnung entsprechend ist gewiß ein Beispiel des Denkens & seiner
Funktion.
Anwendung.
)


 
  
 
    ˇWenn wir vom Gedanken & seinem Ausdruck reden so ist [D|d]er Gedanke ist nicht eine Art von Stimmung, die durch
den Satz
seinen Ausdruck
, wie durch
einen Trank
eine Droge
hervorgerufen wird. Und die Verständigung, die Vermittelung des Gedankens durch die Sprache, ist nicht der Vorgang, daß ich durch ein Gift im Andern die gleichen Schmerzen hervorrufe, wie ich sie habe.
    (Was für einen Vorgang
könnte
kann
man “Gedankenübertragung” & “Gedankenlesen” nennen?)


 
  
 
   Ein französischer Politiker unserer Tage hat einmal gesagt, die französische Sprache sei dadurch ausgezeichnet, daß in
ihren Sätzen
ihr
die Wörter in der Reihenfolge stünden, wie man denkt.
       Die Idee, daß eine Sprache eine Wortfolge
93
haben kann, die der Reihenfolge des Denkens entspricht, im Gegensatz zu anderen Sprachen, rührt von der Auffassung her, daß das Denken vom Ausdruck der Gedanken getrennt vor sich geht; & ein wesentlich anderer Vorgang ist. (Nach dieser Auffassung könnte ich vielleicht sagen:
“D[as|ie] grammatischen Möglichkeiten des Negationszeichens offenbaren sich freilich erst nach & nach im Gebrauch des Zeichens, aber ich denke die Negation auf einmal. Das Zeichen ‘nicht’ ist ja nur ein Hinweis auf den Gedanken ‘nicht’; es stößt mich nur, daß ich das Rechte denke (ist nur ein Signal). )
Zu S. 33 ƪ
[Neue Zeile, nicht Absatz.]

 
  
 
 (Niemand würde fragen, ob
das schriftliche Multiplizieren
die Multiplikation
zweier Zahlen im Dezimalsystem gleichläuft mit dem Gedanken ˇder Multiplikation.)

 
  
 
¥ ⋎ S. 94

  Das Denken ist diskursiv. – ‘Intuitives Denken’, das wäre so, wie ‘eine Schachpartie, auf die Form eines dauernden, gleichbleibenden Zustandes gebracht’.
   (Es stört uns nun, daß der Gedanke eines Satzes in keinem Moment ganz vorhanden ist. Hier sehen wir, daß wir den Gedanken mit einem Ding vergleichen, das wir erzeugen, & das wir nie als Ganzes besitzen; sondern kaum entsteht ein Teil, so verschwindet ein andrer. Das hat, gewissermaßen, etwas Unbefriedigendes, weil wir, durch ein naheliegendes Gleichnis verführt, uns etwas Anderes erwarten.)



 
  
 
94
[Zu S. 93]
       “Ich habe etwas bestimmtes damit gemeint, als ich sagte …”. – “Hast Du bei jedem Wort etwas anderes gemeint, oder während des ganzen Satzes dasselbe?”
     Übrigens seltsam: wenn man bei jedem deutschen Wort etwas meint, daß dann eine Zusammenstellung solcher Wörter Unsinn sein kann! –
     “Dachtest Du denn, als Du den Satz sagtest, daran, daß …” – “Ich dachte nur, was ich sagte.”



 
  
∕∕ /
 
   (Lernt das Kind auch nur sprechen, oder auch denken? Lernt es den Sinn des Multiplizierens vor, –, oder nach dem Multiplizieren?)


 
  
 
   Ist es, quasi, eine Verunreinigung des Sinnes, daß wir ihn ein einer bestimmten Sprache, mit ihren Zufälligkeiten, ausdrücken, & nicht gleichsam körperlos & rein?
    Spiele ich eigentlich doch nicht das Schachspiel selbst, da die Figuren auch anders sein könnten?!
   (Ist ein B mathematischer Beweis in der allgemeinen Theorie der [i|I]rrationalzahlen we
darum
dadurch
weniger allgemein ˇoder streng,
weil
daß
wir ihn mit Bezug auf die Dezimalnotation dieser Zahlen führen?) Gilt etwa auch die Gleichung 25 × 25 = 625 Beeinträchtigt es vielleicht auch die Strenge & Reinheit des Satzes 25 × 25 = 625, daß er in einem be-
95
stimmten Zahlensystem hingeschrieben ist?)


 
  
v
 
   Der Gedanke
kann nur
muß
etwas ganz hausbackenesˇ, gewöhnliches, sein. (Man pflegt sich ihn als etwas Aetherisches, Unerforschtes, zu denken; als handle es sich um Etwas, dessen Außenseite bloß wir kennen, dessen
Inneres
Wesen
aber noch
unbekannt ist, etwa wie …
unerforscht ist, etwa wienicht bekannt ist, etwa …
unser Gehirn.)
                     (Man möchte sagen: “Der Gedanke,
welch ein seltsames
dieses seltsame
Wesen”) ¥
⋎ S. 190.

       Wir können wieder nur die Grammatik des Wortes “denken” explizit machen. (Und ebenso de[s|r] Wortes “erwarten”, “glauben”, etc..)




 
  
v
 
     Wozu denkt der Mensch? Wozu ist es nütze? Warum berechnet er ˇdie Wandstärke eines Dampfkessels & überläßt sie nicht de[m|n] Zufall, oder d[er|ie] Laune? ◇◇◇ , sie bestimmen? Es ist doch bloß Erfahrungstatsache, daß Kessel, die berechnet wurden, nicht so oft explodieren. Aber, wie er alles eher täte, als die Hand ins Feuer stecken, das ihn früher gebrannt hat, so wird er alles eher tun, als den Kessel nicht berechnen. Da uns nun Ursachen nicht interessieren, so können wir sagen: die Menschen denken tatsächlich; sie gehen z.B. auf diese Weise vor, wenn sie einen Dampfkessel bauen. – Kann nun ein so erzeugter Kessel nicht explodieren? Doch, gewiß!

 
  
 
     Wir überlegen uns Handlungen, ehe wir sie
96
ausführen. Wir machen uns Bilder von ihnen; aber wozu? Wir Es gibt doch kein “Gedankenexperiment”!
     Wir erwarten etwas, & handeln der Erwartung gemäß; muß die Erwartung eintreffen? Nein. Warum aber handeln wir nach der Erwartung? Weil wir dazu getrieben werden, wie dazu, einem Automobil auszuweichen, uns niederzusetzen, wenn wir müde sind, aufzuspringen, wenn wir uns auf einen Dorn gesetzt haben.

 
  
v
 
     Was es mit dem Glauben an die Gleichförmigkeit des Geschehens auf sich hat, wird vielleicht am klarsten, wenn wir Furcht f vor dem erwarteten Ereignis empfinden. Nichts könnte mich bewegen, meine Hand
in die Flamme
ins Feuer
zu stecken, obwohl ich mich doch nur in der Vergangenheit verbrannt habe.
     Der Glaube, daß mich das Feuer brennen wird, ist von der Natur der Furcht, daß es mich brennen wird.
     Hier sehe ich auch was “es ist sicher” bedeutet.


 
  
v
 
    Wenn man mich in's Feuer zöge, so würde ich mich wehren & ˇwürde nicht gutwillig gehn; & ebenso würde ich schreien “es wird mich brennen!” & nicht: “es wird vielleicht ganz angenehm sein!”


 
  
v
 
     “Aber Du glaubst doch auch, daß es
97
mehr Dampfkesselexplosionen geben würde, wenn man die Kessel nicht berechnete!” – Ja, ich glaube es; – aber was will das sagen? Folgt daraus, daß tatsächlich weniger sein werden? – Und was ist denn die Grundlage dieses Glaubens?


 
  
 
    Ich nehme an, daß dieses Haus, ˇin dem ich schreibe nicht i[n|m] einer Laufe der nächsten halben Stunde ˇnicht einstürzen wird. – Wann nehme ich das an; die ganze Zeit? Und was für eine Tätigkeit ist dieses Annehmen?
  Es kann damit eine psychologische Disposition gemeint sein; aber auch das Denken, [a|A]usdrücken,
bestimmter Gedanken.
eines bestimmten Gedankens.
Im zweiten Falle wird der Satz, den ich etwa werde ich etwa einen ausspreche n ˇich etwa einen Satz aus, der wieder ein Glied einer Überlegung (Kalkulation) ist. Nun sagt man: Du mußt aber doch einen Grund haben, das anzunehmen, sonst ist die Annahme ungestützt & wertlos. – (Erinnere Dich daran, daß wir zwar auf der Erde stehen, die Erde aber nicht wieder auf etwas; & Kinder glauben, sie müsse fallen, wenn sie nicht gestützt ist.) Nun, ich habe auch Gründe zu meiner Annahme. Sie lauten etwa: daß das Haus schon jahrelang gestanden hat, aber nicht solange, daß es schon baufällig sein könnte; etc., etc.. – Was als Grund einer Annahme gilt, kann von vornherein angegeben werden, & bestimmt einen Kalkül; ein System von Übergängen. Wird nun aber nach einem Grund dieses Kalküls gefragt, so sehen wir, daß er nicht vorhanden ist.
     Ist der Kalkül also willkürlich
98
von uns angenommen? So wenig, wie die Furcht vor dem Feuer, oder einem wütenden Menschen, der sich uns nähert.
      “Gewiß sind doch die Regeln der Grammatik, nach denen wir vorgehen & operieren, nicht willkürlich!” – Gut, also, warum denkt denn ein Mensch, wie er denkt, warum geht er denn durch diese Denkhandlungen? (Gefragt ist hier natürlich nach Gründen, nicht nach Ursachen.) Nun, da lassen sich Gründe in dem Kalkül angeben,
& ganz zum Schluß
& zum Schluß
ist man dann versucht zu sagen: “es ist eben sehr wahrscheinlich, daß sich die Dinge jetzt so verhalten, wie sie sich immer verhalten haben”, – oder dergleichen. Eine Redewendung, die den Anfang der Begründung verhüllt. (Der Schöpfer ˇals Erklärung am Beginn der Welt.)
     Das was so schwer einzusehen ist,
kann so ausgedrückt werden:
lautet etwa:
daß, solange wir im Bereich der Wahr-Falsch-Spiele bleiben, eine Änderung der Grammatik uns nur von einem solchen Spiel zu einem andern führen kann, aber nicht von etwas Wahrem zu etwas Falschem. Und wenn wir anderseits aus dem Bereich die[r|s]er Spiele heraustreten, so nennen wir es nicht mehr ‘Sprache’ & ‘Grammatik’, & zu einem Widerspruch mit der Wirklichkeit kommen wir wieder nicht.



 
  
 
   Was ist ein Satz? – Wovon unterscheide ich denn
99
einen Satz? Oder, wovon will ich ihn denn unterscheiden? Von Satzteilen in seinem grammatischen System (wie eine Gleichung von ihren Teilen), oder von Allem, was wir nicht ‘Satz’ nennen, also diesem Sessel, meiner Uhr, etc., etc.?


 
  
 
  Wenn ich frage: “wie ist der ˇallgemeine Begriff des Satzes begrenzt”, – so muß
dagegen
zuerst
gefragt werden: “ja, haben wir denn einen allgemeinen Begriff vom Satz?”
    “Aber ich habe doch einen bestimmten Begriff von dem was ich ‘Satz’ nenne.” – Nun, wie würdest Du ich ihn denn einem Andern, oder Dir mir selbst, erklären? Denn in dieser Erklärung wird sich ja zeigen, was Dein mein Begriff ist (ein das Wort ‘Satz’ begleitendes Gefühl geht mich ja nichts an). Ich würde den Begriff durch Beispiele erklären. – Also geht mein Begriff, soweit die Beispiele gehn. – Aber es sind doch eben nur Beispiele
& ihr Gebiet soll ja eben …
& der Begriff, der nur sie allein umschließt, soll ja eben
ausdehnungsfähig sein. – Gut, dann mußt Du mir sagen, was das Wort “ausdehnungsfähig” hier bedeutet. Die Grammatik dieses Wortes muß bestimmte Grenzen haben.


 
  
 
   “Aber ich kenne doch einen Satz, wenn ich ihn sehe, also muß ich auch die Grenzen des Begriffes scharf ziehen können.” Ist aber wirklich kein Zweifel möglich? – Denken wir uns eine Sprache in der alle Sätze Befehle sind in bestimmter Richtung
100
zu gehn. (Sie würde etwa von einer Art primitiver Menschen ◇◇◇ ausschließlich im Kriege gebraucht. Denken wir daran, wie beschränkt einmal der Gebrauch der geschriebenen Sprache war.) Nun, Befehle “geh' hierhin!”, “geh dorthin!” würden wir noch Sätze nennen; wie aber wenn die Sprache nun nur aus dem Zeigen mit dem Finger in irgend einer Richtung bestünde? Wäre dieses Zeichen noch ein Satz? – Und wie
wäre
ist
es mit einer Sprache d[ie|er]en Zeichen ˇnur das Verlangen nach gew bestimmten Gegenständen ausdrückte (ähnlich der ersten Sprache der Kinder) & die bloß aus Zeichen für diese Gegenstande besteht (gleichsam aus Hauptwörtern)? Oder denken wir an ein System aus zwei Zeichen bestehend, deren eines Annahme, das andre Ablehnung dargebotener Gegenstände ausdrückt. Ist dies eine Sprache, besteht sie aus Sätzen?
     Und anderseits: fällt alles was den Satzklang der deutschen Sprache hat unter
unsern
den
Satzbegriff? “Ich bin müde”, “2 × 2 ist 4”, “die Zeit vergeht”, “es gibt nur eine 0”?


 
  
 
  Das Wort “Satz” bezeichnet noch keinen scharf begrenzten Begriff. Wollen wir unserm Gebrauch dieses Wortes einen Begriff mit scharfen Grenzen an die Seite stellen, so steht es uns frei ihn zu definieren, ˇähnlich wie es uns freisteht d[en|as] primitiven Längenmaß Schrittmaß einen Schritt von 75 cm Länge dem Längenmaße “ein Schritt” außer seiner primi-
101
tiven
die [b|B]edeutung des primitiven Längenmaßes “ein Schritt” auf [7|e]ine Längeneinheit das Maß von 75 cm
zu präzisieren.
einzuengen.



 
  
 
    “Was geschieht, wenn ein neuer Satz in die Sprache aufgenommen wird: was ist das Kriterium dafür, daß es er das neue Gebilde // das Neue // ein Satz ist?” Denken wir uns