| |
80
einem System des
Ausdrucks andere an die Seite stellen.
[– |(]So kann
der Bann, in dem uns eine Analogie hält, gebrochen werden,
wenn
man wir
ihr eine andere an die Seite stellten, die wir als
gleichberechtigt anerkennen.[ –|)]
Wir sind
geneigt, den Satz der Identität als Grundgesetz des Seins
fallen zu lassen, wenn uns ein System des Ausdrucks gezeigt wird,
das diesen Satz mit andern, die uns auf ähnliche
Weise
beunruhigten, systematisch aus unsrer Notation
ausschliesst. und–
Das Seltsame an der philosophischen Beunruhigung und ihrer Lösung möchte scheinen, dass sie wie die Qual des Asketen ist, der, eine schwere Kugel stemmend,
|
| | 1[00|23]
Eine Hauptquelle unseres Unverständnisses ist,
dass wir
|
| |
83
105
Die philosophisch wichtigsten Aspekte der Dinge sind durch ihre
Einfachheit und Alltäglichkeit verborgen.
(Man kann es nicht bemerken, weil man es immer offen vor Augen
hat.)
Die eigentlichen Grundlagen seiner Forschung fallen dem Menschen
gar nicht auf.
Es sei denn, dass ihm dies einmal
aufgefallen ist. –
Und das heisst, das Auffallendste (Stärkste)
fällt ihm nicht auf. |
| |
82
103
“Philosophie” könnte man auch das nennen, was
vor allen neuen Entdeckungen und Erfindungen möglich
ist.
(Wenn Einer die Lösung des ‘Problems des Lebens’ gefunden zu haben glaubt und sich sagen wollte, jetzt sei alles ganz leicht, so brauchte er sich zu seiner Widerlegung nur erinnern, dass es eine Zeit gegeben hat, wo die Lösung nicht gefunden war; aber auch zu der Zeit musste man leben können, und im Hinblick auf sie erscheint die gefundene Lösung als ein Zufall. Und so geht es in der Logik. Wenn es eine ‘Lösung’ – wie eines mathematischen Problems – der logischen, d.i. philosophischen Probleme gäbe, so müssten wir uns nur vorhalten, dass sie ja einmal nicht gelöst waren (und auch da musste man leben und denken können).) |
| |
90
134
Woher nimmt die Betrachtung ihre Wichtigkeit, da sie doch nur alles
Interessante, d.h. alles
Grosse und Wichtige, zu zerstören
scheint?
(Gleichsam alle Bauwerke; indem sie nur Steinbrocken und Schutt
übrig lässt.)
Aber es sind nur Luftgebäude, die wir zerstören, und wir legen den
Grund der Sprache frei, auf dem sie standen. |
| | 135
Die Ergebnisse der Philosophie sind die En[d|t]deckung
irgendeines schlichten Unsinns und Beulen, die sich der Verstand beim
Anrennen an
|
| | 1[12|36]
Dass ich bei meinen Erklärungen, die Sprache
betreffen[,|d], schon die volle Sprache (nicht etwa eine
vorbereitende, vorläufige) anwenden muss, zeigt
schon, dass ich nur
Aeusserliches über die
Sprache vorbringen kann.
Ja, aber wie können uns diese Ausführungen dann befriedigen? – Nun, Deine Fragen waren ja auch schon in dieser Sprache abgefasst; mussten in dieser Sprache ausgedrückt werden, wenn etwas zu fragen war! Und Deine Skrupel sind Missverständnisse. Deine Fragen beziehen sich auf Wörter, so muss ich von Wörtern reden. |
| | 137
(Hierher gehört auch: Wenn die
Philoso-
91
phie vom Gebrauch des Worts
“Philosophie” redet, so könnte man meinen, es
muss also eine Philosophie zweiter Ordnung
geben.
Aber es ist eben nicht so; sondern der Fall entspricht dem der
Rechtschreibelehre, die es auch mit dem Wort
“Rechtschreibelehre” zu tun hat,
aber dann nicht eine R.
zweiter Ordnung ist. |
| |
1[08|29]
Ich habe seinerzeit (in der Log.
Phil. Abh.) gesagt, der ‘Elementarsatz’
sei eine Verkettung von Namen.
Denn den Namen entsprächen Gegenstände und dem Satz entspreche ein
Komplex aus ihnen.
Dem Satz, “Die Flasche steht rechts vom Glas”,
wenn er wahr ist, entspricht der Komplex bestehend aus der Flasche, dem
Glase und der Relation Rechts-Links (oder wie man
sie bezeichnen will). –
Die [S|s]prachwidrige Verwendung des Wortes
“Gegenstand” und
“Komplex”!!
Ein Häuserkomplex ‘besteht’ doch aus
den Häusern, und nicht aus ihnen und ihren
86
gegenseitigen Lagen!
130
Z.B. Man kann, ˇunter gewissen Umständen für Andere verständlich, von Kombinationen von Farben mit Formen sprechen (etwa der Farben rot und blau mit den Formen Quadrat und Kreis) ebenso wie von Kombinationen verschiedener Formen oder Körper. Und dies ist die Wurzel meines schiefen Ausdrucks: die Tatsache sei ein Komplex von Gegenständen. Zu sagen, ein roter Kreis ‘bestehe aus’ Röte und Kreisförmigkeit, sei ein Komplex aus diesen Bestandteilen, ist ein Missbr[ä|a]uch dieser Wörter, und irreführend. (Verwandt damit: die Verwechs[e|l]ung von color und pigmentum.) Die Tatsache, dass dieser Kreis rot ist, ‘besteht’ aus gar nichts. (Frege ˇim Gespräch beanstandete ˇeinst meinen Ausdruck, indem er sagte: “der Teil ist doch kleiner als das Ganze.”) |
| | 109 31 130
Aber ich suche, suche krampfhaft, nach einem System, nach einer
Einheit aller Sätze. –
Und nun werde ich der Gefangene bestimmter Ausdrucksformen meiner
Sprache, bleibe im Netze der Sprache hängen. – –
Denn, [w|W]enn
wir ˇz.B. statt
ˇdes Satzes “[d|D]ie Flasche ist
blau” sagen: “Die Flasche hat die
Eigenschaft Blau”, statt “Die Flasche steht
rechts vom Glase”: “Die Flasche steht zum
Glase in der Beziehung Rechts”, u.s.f.,
– so kann es allerdings den Anschein gewinnen,
als sei jeder Satz eine Verbindung von Namen.
Denn alle Wörter mit, quasi, materieller Bedeutung
erscheinen hier ver-
Man weiss keinen Ausweg, denn die Sprache scheint uns keinen zu lassen. [99|122]
Wir ändern nun den Aspekt, indem wir |
| |
92
Wie hätten wir uns ein komplettes Regelverzeichnis für
die Verwendung eines Worts zu denken? –
Was versteht man unter einem kompletten Regelverzeichnis für die
Verwendung einer Figur im Schachspiel?
Könnten wir uns nicht Zweifelfälle konstruieren, in denen
das normale Regelverzeichnis nicht entscheidet?
Denke etwa an so eine Frage: wie ist es festzustellen, wer
zuletzt gezogen hat, wenn die Zuverlässigkeit des Gedächtnisses der
Spieler angezweifelt wird? |
To cite this element you can use the following URL:
BOXVIEW: http://wittgensteinsource.org/BTE/Ts-237_d