(S. 614/58)

   
18.12.47
     Man muß daran denken, daß es einen Zustand der Sprache geben kann (& wohl gegeben hat) in welchem der allgemeine Begriff der Sinnesempfindung nicht existierte || existiert || sie den allgemeinen Begriff der Sinnesempfindung nicht hat, in welchem man aber wohl || doch Wörter entsprechend unseren “sehen”, “hören”, “schmecken” hat. || aber doch Wörter entsprechend unseren “sehen”, “hören”, “schmecken”.

   
     Ein so verschwommenes Wort || Einen so verschwommenen Begriff wie unsern || den des “Fühlens” gibt es dann etwa nicht || braucht es auch nicht geben; & es liegt den Leuten nichts ferner || nichts Leuten ferner liegen, als zu sagen, sie fühlten die Position ihrer Glieder, u.dergl. || .

   
     Wenn sie nun Sprachspiele mit den Wörtern “sehen”, “hören”, etc. haben, – wie kommen sie auf die Idee || es nun die Verwendung von “sehen”, “hören”, etc. gibt, wie kommt man auf die Idee … der ‘Sinneswahrnehmung’?

   
     Ist er im Zimmer? – Siehst Du ihn? Hörst Du ihn? – Nimmst Du ihn wahr?

   
Sinneswahrnehmung ist was uns die Außenwelt kennen lehrt. – Aber heißt das nun, daß dies das das Merkmal ist, das diesen unsern Begriff deformiert? – Wie, wenn ich sagte: Sinneswahrnehmungen nennen wir Sehen,
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Hören, … Zwischen diesen Begriffen sind gewisse Zusammenhänge, Analogien, & diese rechtfertigen mehr oder weniger || sind || bestehen Analogien & Zusammenhänge, sie sind unsre Rechtfertigung für diese Zusammenstellung. || Zusammenfassung.

   
Man muß an einen Zustand der Sprache denken, in welchem es den allgemeinen Begriff der Sinnesempfindung nicht gibt, wohl aber Wörter analog unsern “sehen”, “hören”, “schmecken”, etc.
     Ein so vages Wort wie “fühlen”, wollen wir annehmen, gibt es nicht. Und nichts liegt den Leuten ferner, als zu sagen sie fühlten die Stellung ihrer Glieder.


   
     Das Wort || Den Begriff “wahrnehmen” könnte man nun auf diese Weise einführen: “Ist jemand in diesem Zimmer? Siehst Du ihn? Hörst Du ihn? Fühlst || Greifst Du ihn? – Allgemein: nimmst Du ihn wahr?

   
     Sinnesempfindung lehrt uns die Außenwelt kennen. Aber das heißt nicht, daß dieser Begriff für uns so definiert ist || durch dieses Merkmal definiert ist. – Wir nehmen eines schönen Tages “sehen”, “hören” … zusammen & geben ihnen einen gemeinsamen Namen. Dies läßt sich durch verschiedene Analogien
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& Zusammenhänge rechtfertigen.

   
     Man kann also fragen: Was für Zusammenhänge & Analogien bestehen zwischen Sehen & Hören? zwischen Sehen & Greifen? zwischen Sehen & Riechen? –

   
     Und fragt man das, so rücken die Sinne sozusagen gleich weiter auseinander. || als sie auf den ersten Blick || dem ersten Anschein nach zu liegen scheinen.
     Und doch sind Zusammenhänge da.

   
Detail
     Sinnesempfindungen || Gesichts- & Gehörsempfindungen können zu gleicher Zeit anfangen & enden, in andere solche Empfindungen übergehen. Der Übergang kann plötzlich & || oder allmählich sein. Ein Ton kann von dort kommen, wo man etwas sieht. Es gibt Mischklänge & Mischfarben. Es gibt Intensitäten des Gehörten & Gesehenen.

   
Detail
     Geht man von da || nun auf den Vergleich zwischen Gesicht & Tastgefühl über, so sehen wir sogleich die große Verschiedenheit zwischen den innern Beziehungen Sehen – Hören & Sehen – Fühlen. Es besteht z.B. in einer Weise die engste Verwandtschaft
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zwischen Gesicht & Tastgefühl, da ja beim Blinden das eine das andere geradezu ersetzt. Ich kann, ob hier ein Buch liegt, durch Tasten & durch Sehen erkennen. Aber wenn ich nun den einzelnen Gesichtseindruck, das Gesichtsbild mit einem Tasteindruck vergleichen soll, so verschiebt sich der vorige Vergleich zwischen den beiden Sinneswahrnehmungen völlig.

   
     Die Begriffe der Psychologie sind eben Alltagsbegriffe || Begriffe des Alltags. Nicht von der Wissenschaft zu ihren Zwecken neu gebildete Begriffe wie die der Physik & Chemie. Die Begriffe der Psychologie || Die psychologischen Begriffe verhalten sich etwa zu denen der strengen Wissenschaften wie die Begriffe der wissenschaftlichen Medizin zu denen von Pflegeschwestern. || Pflegerinnen. || zu denen von alten Weibern die sich mit der Krankenpflege abgeben.

   
     Man führt || wird nun freilich, um den Fall des Tastens dem des Sehens anzugleichen die kinästhetischen &
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Positionsempfindungen || Lageempfindungen der Glieder erwähnen, so daß, was der blind Tastende hätte ein Konglomerat || Gemisch von Tastempfindungen & jener || der andern wäre. Aber mit dem Begriff der kinästhetischen & Positionsempfindungen || Lageempfindungen hat es wieder andere Schwierigkeiten.

   
     Das wichtigste Mittel um dem Andern das Gesichtsbild, das ich habe, mitzuteilen, ist das Bild. Was entspricht dem für die andern Sinne? Man denkt es sich manchmal als die Wiedergabe der Gesichtsempfindung. Was entspricht ihm für die andern Sinne?
     Nun, wie ich Einem ein Bild zeige || ein Bild verwende, um zu zeigen, was ich sehe, so ahme ich den || einen Ton nach, um zu zeigen, was ich höre & ich könnte den Andern einen Gegenstand || z.B. eine scharfe Kante anfassen lassen um ihm mitzuteilen, was ich fühle. Was aber wäre ein Bild für den kinästhetischen Sinn?

   
Nützlich aber noch schlecht.
     Ich möchte nun einen Plan der Behandlung der psychologischen Begriffe entwerfen:
Psychologische Verben charakterisiert dadurch
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daß 3. Person des Präsens durch Beobachtung zu verifizieren, 1. Person des Präsens nicht.
     Satz in der 3. Person Präsens: Mitteilung, in der 1. Person Präsens Äußerung. [Stimmt nicht ganz.]
     Sinnesempfindungen: ihre inneren Relationen || Zusammenhänge & Analogien.
     Alle haben echte Dauer. Möglichkeit der Angabe des Anfangs & Endes. Möglichkeit der Gleichzeitigkeit des zeitlichen Zusammenfallens.
     Alle haben Grade & qualitative Mischungen. Grad: kaum merkbar – nicht auszuhalten.
     In diesem Sinne gibt es nicht Lage- & || oder Bewegungsempfindung.
     Ort der Empfindung am Leib: unterscheidet sehen & hören von Druck-, Temperatur-, Geschmacks- & Schmerzempfindung.
     (Wenn Empfindungen die Lage der Glieder & die Bewegungen charakterisieren, so sind || ist ihr Gut jedenfalls nicht das Gelenk.)
     Die Lage der Glieder & Bewegungen weiß man. Man kann sie z.B. angeben wenn man gefragt wird. So wie man auch den Ort einer Empfindung (Schmerz) am Leibe weiß.
     Reaktion des Berührens der schmerzhaften Stelle.
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     Kein lokales Merkmal in || an der Empfindung. Sowenig wie ein zeitliches in || am Erinnerungsbild. (Zeitliche Merkmale an der Photographie.)
     Schmerz von andern Sinnesempfindungen unterschieden durch charakteristischen Ausdruck. Dadurch verwandt der Freude, || (die keine Sinnesempfindung).
     “Sinnesempfindungen lehren uns die Außenwelt kennen.”
     
Vorstellung:
Gehörsvorstellung, Gesichtsvorstellung. Wie von der Empfindung verschieden? Nicht durch “Lebhaftigkeit”.
     Vorstellungen lehren uns nicht die Außenwelt kennen || belehren uns nicht über die Außenwelt, weder richtig, noch falsch. (Vorstellungen sind nicht Halluzinationen.)
     Während ich einen Gegenstand sehe, kann ich ihn nicht vorstellen.
     Verschiedenheit der Sprachspiele: “Schau die Figur an!” & “Stell Dir die Figur vor!”.
     Vorstellung dem Willen unterworfen.
     Vorstellung nicht Bild. Welchen Gegenstand ich mir vorstelle, ersehe ich nicht aus der Ähnlichkeit des Bildes || Vorstellungsbildes mit ihm.
     Auf die Frage “Was stellst Du Dir vor?” kann man mit einem Bild antworten.
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     Man möchte sagen, || : der vorgestellte Klang sei in einem andern Raum, als der gehörte. (Frage – Warum?)

   
     Ich lese ein Buch & stelle mir während des Lesens, also im eifrigsten || aufmerksamsten Schauen || während des eifrigsten || aufmerksamsten Schauens alles mögliche vor. || also während des aufmerksamen Schauens auf die Zeilen, alles mögliche vor. || … also mitten im aufmerksamen Sehen alles mögliche vor.

   
     Die Beschreibung dessen, was er sich vorstellt, || des Vorgestellten ist eine Beschreibung einer Sinneswahrnehmung || hat die Form der Beschreibung einer Sinneswahrnehmung. (Man könnte sagen: Ich sehe vor meinem äußeren Auge das & vor || & dabei vor meinem innern Auge das.) ‒ ‒ ‒

   
     (Das Vorstellungsbild der Dorothea schwebt dem Hermann allerdings vor wie ein Nachbild.)

   
     Wenn Du darüber nachdenkst, schau nicht auf Deine eigene Vorstellung, sondern lieber auf das Vorstellen des Andern. Auf die Sprachspiele muß man sehen, & darauf, wie
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man sie lernt.

   
     Vorstellen. “Siehst Du sie, wie sie zur Tür hereinkommt? & nun macht man's nach.

   
     Er hat es gesehen & hat es nicht gesehen.

   
     Er hat es sozusagen ganz blaß gesehen. Aber blaß war es nur zur Erklärung wie es kommt || dafür, daß man es sehen konnte & auch zugleich das || mit dem, was man wirklich sah. Das || Unser Bild war das einer durch's Fenster gesehenen Landschaft, in der man zugleich die Dinge im Zimmer wahrnimmt, die sich in der Fensterscheibe spiegeln || schwach spiegeln, ohne das Bild || den Eindruck der Landschaft zu stören. || ohne die Landschaft zu stören.

   
19.12.
     Ist Vorstellen geheimnisvoller, als Sehen?

   
     Es ist eigentlich sehr wenig Zusammenhang zwischen Vorstellen & Sehen. Mir scheint es ist die Überschätzung der || ihrer Ähnlichkeit, die unsre Aufgabe erschwert.

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     Ja, es || Es könnte Leute geben, die nie sagen, sie sähen etwas vor dem innern Auge, oder dergleichen || den Ausdruck gebrauchen “etwas vor dem innern Auge sehen”, oder einen ähnlichen; & diese könnten doch im Stande sein alles Mögliche ‘aus der Vorstellung oder Erinnerung zu zeichnen, zu modellieren, das charakteristische Benehmen Anderer nachzuahmen, etc. Es könnte auch sein, daß sie, || Sie mögen auch, ehe sie etwa ein Gesicht || etwas aus der Erinnerung zeichnen, die Augen schlössen || schließen, oder wie blind vor sich hin starren. Und doch würden || könnten sie leugnen, daß sie dann vor sich sehen, was sie später zeichnen. (Etwa zu || Zu sagen, diese Leute müßten motorische Vorstellungen haben, ist lächerlich.)

   
     ‘Sehen’ ist nämlich mit ‘Schauen’ unzertrennlich verbunden. [D.h., das ist eine Art der Begriffsbestimmung die eine Physiognomie ergibt.]
     Die Wörter, die beschreiben, was man sieht, lernt man nicht mit Bezug auf des ‘innere Sehen’ || sind Eigenschaften der Dinge, man lernt sie || ihre Bedeutung nicht in Verbindung || im Zusammenhang mit dem ‘innern Sehen’ || Begriff des ‘innern Sehens’.

   
     “Ich sehe & sehe doch wieder nicht” könnte der Ausdruck eines Volkes || einer Sprache für “Ich stelle mir vor” || das Vorstellen sein.

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     Wenn man fragt “Was ist der Unterschied zwischen Vorstellen & Sehen?so ist die Frage irreführend || läßt das die Frage irreführen, weil sie den Unterschied zu gering erscheinen läßt. || Die Frage läßt den Unterschied zu gering erscheinen.

   
“Was ist der Unterschied zwischen Vorstellen & Sehen?” – In der Frage liegt schon ein Fehler. Es scheint || ist als würde um den Unterschied zweier Vorgänge gefragt. Als fragte man nach dem Unterschied zwischen Sieden & Gefrieren. So wäre es z.B. wenn man fragte, was der Unterschied der Vorgänge || zwischen den Vorgängen im Nervensystem ist, wenn Einer || man einmal einen roten Kreis sieht, ein andermal sich einen vorstellt.

   
     Fragt man aber, || :Was ist der Unterschied zwischen einem Gesichtsbild & einem Vorstellungsbild?” – so könnte die Antwort lauten: Es ist hier kein Unterschied. Denn ich mag mir, einmal eben das vorstellen was ich ein andres Mal sehe. Oder auch so: Das gleiche Gemälde || Die gleiche Beschreibung kann darstellen was ich sehe & was ich mir vorstelle.’
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Zu sagen es sei ein Unterschied zwischen Gesichtsbild & Vorstellungsbild, heißt: man stelle sich etwas anders vor als es ausschaut.

   
     Ich hätte früher auch sagen können: Der Zusammenhang zwischen Vorstellen & Sehen ist eng; eine Ähnlichkeit aber gibt es nicht.

   
     (Denn) die Sprachspiele mit den beiden Begriffen sind grundverschieden, – hängen aber zusammen.

   
     Eine Ähnlichkeit ist insofern vorhanden, als, wer etwas sich vorstellt, sich manchmal ähnlich || so benimmt, als sähe er etwas vor sich. (Als zeichnete er etwas ab, was nur er allein sieht, z.B.)

   
     Er sucht sich etwa auf des || eines Andern Gesicht zu besinnen & sagt plötzlich “Ich hab's!” & nun kann er's (etwa) zeichnen.

   
     Unterschied: ‘Trachten, etwas zu sehen’ – ‘Trachten sich etwas vorzustellen’. Im ersten Fall sagt man etwa “Schau genau hin!”, im zweiten “Schließ die Augen!”
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     Das Problem womit ich hier im Grunde beschäftigt bin, ist eigentlich viel wunderbarer, als es vielleicht dem erscheint, der diese Zeilen liest.
     Denn es ist ein sehr allgemeines begriffliches Problem. (Ähnlich, glaube ich, einem großen Problem der Mathematik.)

   
     Wenn Einer die Augen schlösse & sagte “Ich sehe …”, wie wüßten wir ob er ein Nachbild meint oder eine Vorstellung. || , wie entschieden wir, ob er ein Nachbild meint oder eine Vorstellung. || , wie könnten wir entscheiden, ob er ein Nachbild meint oder eine Vorstellung. Denn das Wort “sehen” müßte uns nicht treffen. – Nun, es wäre die Art & Weise wie er von dem ‘Gesehenen’ redet, die das entschiede.

   
     So weißt Du also nicht ob Gesehenes (z.B. ein Nachbild) & eine Vorstellung im übrigen nicht ganz gleich ausschauen? (Oder soll es heißen: sind?) – Diese Frage könnte nur eine empirische sein & etwa heißen: “Kommt es vor, || (oder kommt es oft vor, || ) daß Einer eine Vorstellung längere Zeit ungestört vor der Seele erhaltenkann || , & sie so in allen
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Einzelheiten beschreiben kann, wie etwa ein Nachbild?”

   
     Nein, das Wort “sehen” kann uns natürlich nicht lehren, womit wir's zu tun haben. Es muß der Zusammenhang sein, in dem es steht.

   
     (Im Englischen heißt “I see” manchmal soviel wie die Interjektion “Aha!”.)

   
     “Kannst Du den Vogel noch sehen?” “Ich bilde mir ein, ich kann ihn noch sehen.” Das heißt nicht: Ich stell ihn mir vielleicht vor.

   
     “Sehen & Vorstellen sind verschiedene Phänomene.” – Die Wörter “sehen” & “vorstellen” werden ungleich || verschieden verwendet.” “Ich sehe” wird anders verwendet als “Ich stelle mir vor”, “Sieh!” wird anders verwendet als “Stell Dir vor!”, “Ich versuche, es zu sehen” anders als “Ich versuche mir's vorzustellen.” – “Aber die Phänomene sind eben: daß sie || die Menschen sehen & daß wir uns Dinge vorstellen.” Ein Phänomen ist etwas, das man beobachten kann. Wie
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beobachtet man nun, daß die Menschen sehen? “Menschen sehen.” – Im Gegensatz wozu? Dazu, etwa, daß sie alle blind sind?
     Ich kann z.B. beobachten, daß die Vögel fliegen, oder Eier legen. Ich kann z.B. Einem sagen: “Siehst Du, diese Geschöpfe fliegen. Schau, wie sie mit den Flügeln schlagen & sich in die Luft erheben.”
     Ich kann auch sagen: “Siehst Du, dieses Kind ist nicht blind; es sieht. Schau, wie es der Kerzenflamme folgt.”
     Aber kann ich mich sozusagen überzeugen || davon überzeugen, daß Menschen sehen?

   
     Kann ich mir den Fall vorstellen, daß ich sagte: “Ja, Du hast recht: Menschen sehen.” – Oder: “Ja, Du hast recht: die Menschen sehen, so wie ich auch.”

   
     Sehen & Verstehen || Vorstellen sind verschiedene Phänomene.” – Die Wörter “sehen” & “verstehen || vorstellen” haben verschiedene Bedeutung! Ihre Bedeutungen beziehen sich auf eine Menge wichtiger Arten & Weisen des Verhaltens || menschlichen Verhaltens, auf Phänomene des menschlichen Lebens.
     Die Augen schließen, um sich etwas vorzustellen, ist ein Phänomen;
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mit verkniffenen Augen angestrengt schauen || hinschauen, ist ein anderes Phänomen; einem Gegenstand || Ding in einer Bewegung mit den Augen folgen, ein drittes wieder eins. Denk, Einer sagte: “Der Mensch kann sehen, oder blind sein”!

   
     “Sehen”, “vorstellen”, “hoffen” sind eben nicht Phänomenwörter, könnte man sagen. (Das heißt aber natürlich nicht, daß der Psychologe nicht Phänomene beobachtet.)

   
     Wie soll ich also Sehen, Vorstellen, etc. nennen? “Fähigkeiten”? “Potenzen”? [Psychische Akte]

   
     Der Ausdruck, das Vorstellen unterstehe dem Willen, kann irreführen, weil er's erscheinen läßt, als wäre || er den Schein erweckt, als wäre … der Wille eine Art Motor & die Vorstellungen mit diesem in Zusammenhang, so daß er sie hervorrufen, bewegen, entfernen könnte.

   
     Soll ich sagen das Wort “sich etwas vorstellen” habe zwei Bedeutungen: die eine das Hervorrufen, Erzeugen, des Vorstellungsbildes, die andere das Sehen des Bildes?
     Die Worte “Stelle Dir ihn vor wie er zur Tür hereinkommt” mögen die Vorstellung in mir wachrufen || hervorrufen, aber
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dies Hervorrufen nennt man nicht “sich etwas vorstellen”.

   
     Aber wäre es nicht denkbar, daß bei einem Menschen das gewöhnliche Sehen dem Willen unterworfen wäre? – Würde ihn das Sehen dann über die Außenwelt belehren? Hätten || Haben denn die Dinge z.B. Farben, wenn wir sie sehen könnten, wie wir wollten. || Könnten wir sagen, ein Ding habe eine Farbe, wenn wir sagen, wir können es sehen, wie wir wollen? || Haben die Dinge Farben, wenn wir sie sehen können wie wir wollen?

   
     Weil die Vorstellung dem Willen untertan ist, lehrt || unterrichtet sie uns eben nicht über die Außenwelt || Welt.
     Insofern – aber nicht in anderer Beziehung || Weise – ist sie einer Tätigkeit wie dem Zeichnen verwandt.
     Und doch ist es nicht leicht, das Vorstellen eine Tätigkeit zu nennen.

   
     Wie ist es aber wenn ich Dir sage: “Stell Dir eine Melodie vor”. Ich muß sie mir ‘innerlich vorsingen’. Das wird man ebenso eine Tätigkeit nennen, wie Kopfrechnen.
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     Denke auch daran, daß man Einem befehlen kann: “Zeichne den N.N. nach dem Gedächtnis” || nach der Vorstellung” & daß, ob er dies tut oder nicht, nicht nach der Ähnlichkeit des Bildnisses entschieden wird. Und dem ist analog, daß ich mir den N.N. vorstelle, auch wenn ich mir ihn falsch vorstelle.

   
     Wenn ich sage die Vorstellung sei dem Willen unterworfen, so heißt das nicht, sie sei gleichsam eine willkürliche Bewegung im Gegensatz zu einer unwillkürlichen. Denn eine || dieselbe Bewegung des Armes etwa, die in Wirklichkeit || jetzt willkürlich ist könnte auch unwillkürlich sein. – Ich meine: Es hat Sinn einen Befehl zu geben: “Stell Dir das vor”, oder auch “Stell Dir das nicht vor”.

   
     Aber betrifft die Verbindung mit dem Willen nicht nur, sozusagen, die Maschinerie, durch die die Vorstellung (das Vorstellungsbild) erzeugt, geändert wird? – Es wird hier kein Bild erzeugt; es sei dann Einer fertige ein Bild, ein wirkliches Bild, an.
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     Man sagt “Ich hab ihn in diesem Augenblick vor mir gesehen” & meint dabei natürlich, man habe ihn nicht gesehen.

   
     Der Dolch den Macbeth vor sich sieht ist kein vorgestellter Dolch || ist keine Vorstellung. Eine Vorstellung kann man nicht für Wirklichkeit halten noch Gesehenes für Vorgestelltes; aber nicht, weil sie einander so unähnlich sind.

   
     Warum zählt man die Vorstellung nicht zu den Sinneseindrücken? Das heißt nicht: “Warum unterscheidet man zwischen wirklich Gesehenem & Vorgestelltem?” Sondern: Warum nennt man die Gesichtsvorstellung nicht auch einen Sinneseindruck, wenn auch einen andern?

   
     Ich möchte sagen: Weil sie uns nicht über die Außenwelt || Dinge unterrichten. – Und warum unterrichten sie uns nicht über die Dinge? Weil sie von uns abhängen.

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     Aber dagegen kann man sagen, daß Vorstellungen oft gegen unsern Willen sich uns aufdrängen & bleiben, sich nicht verscheuchen lassen.
     Doch aber kann der Wille gegen sie ankämpfen. [Das ist, als nennte ich eine Armbewegung willkürlich, zu der ein Anderer meinen Arm gegen meinen Willen zwingt.]

   
     Sag Dir wieder: Wenn || , wenn Einer darauf besteht, was er “Gesichtsvorstellung” nennt, sei ähnlich dem Gesichtseindruck, – || : daß er sich vielleicht irrt! Oder: Wie, wenn er sich darin irrte? Das heißt: Was weißt Du von der Ähnlichkeit seines Gesichtseindrucks & seiner Gesichtsvorstellung?! (Ich rede vom Andern, weil was von ihm gilt, auch von mir gilt.) Was weißt du also von dieser || der Ähnlichkeit? Sie äußert sich nur in den Ausdrücken, die er zu gebrauchen geneigt ist; nicht in dem, was er mit diesen Ausdrücken sagt.

   
20.12.
     “Es ist gar kein Zweifel: die Gesichtsvorstellung & der Gesichtsausdruck sind von derselben Art!” Das mußt Du aus Deiner eigenen Erfahrung wissen; & dann ist es also etwas, was für Dich stimmen mag & für Andere nicht. (Und das gilt natürlich
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auch für mich, wenn ich es sage.)

   
     Nichts ist schwerer, als den Begriffen vorurteilslos gegenübertreten || gegenüberstehen. (Und das ist die Hauptschwierigkeit der Philosophie.)

   
     Sich etwas vorstellen, ist zu vergleichen mit einer Tätigkeit. (Schwimmen.)
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∣      Wenn wir uns etwas vorstellen, beobachten wir nicht. Daß die Bilder kommen & vergehen geschieht uns nicht. Wir sind nicht überrascht von diesen Bildern & sagen “Sieh' da! …”.

   
     Wir verscheuchen nicht Gesichtseindrücke, aber Vorstellungen.

   
     Könnten wir sie || die Eindrücke verscheuchen & vor unsre Seele rufen, sie könnten uns nicht über die Wirklichkeit informieren. – So unterscheiden sich Eindrücke von Vorstellungen nur dadurch, daß wir diese bewegen können & jene nicht? Da scheint ja der Unterschied empirisch zu sein! || So ist also der Unterschied empirisch?! So ist es eben nicht.

   
     Aber ist es denn undenkbar, daß
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Gesichtseindrücke sich verscheuchen, oder zurückrufen ließen? Ja, ist es nicht wirklich möglich? Wenn ich meine Hand ansehe & dann bewege ich sie aus dem Gesichtsfeld, habe ich ihren Gesichtseindruck nicht willkürlich abgebrochen. – Aber, wird man mir sagen, so etwas nennt man doch nicht das Bild der Hand verscheuchen! Freilich nicht; aber wo ist der Unterschied? Man möchte sagen: der Wille bewegt die Vorstellungen viel direkter || unmittelbar.
     Denn wenn ich meinen Gesichtseindruck willkürlich ändere, so gehorchen || folgen die Dinge meinem Willen.

   
     Wie aber wenn die Gesichtseindrücke sich eben unmittelbar regieren ließen? Soll ich sagen: “Dann gäbe es keine Eindrücke, sondern nur Vorstellungen”? Und wie wäre das? Wie wüßte || erfühle ich z.B., daß der Andre eine bestimmte Vorstellung hätte? Er würde es mir sagen. – Aber wie würde er die dazu nötigen Worte lernen – sagen wir “rot” & “rund”? Denn ich könnte sie ihn doch nicht lehren, indem ich auf etwas Rotes & Rundes zeige. Ich könnte mir nur die Vorstellung hervorrufen, daß ich auf etwas
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derartiges zeige. Und ich könnte auch nicht prüfen ob er mich versteht. Ja, ich könnte ihn natürlich auch nicht sehen, sondern ihn mir nur vorstellen.

   
     Ist die || meine Annahme nicht überhaupt so wie die, es gäbe in der Welt nur Dichtung & nicht Wahrheit?

   
     Und ich selbst könnte natürlich auch keine Beschreibung meiner Vorstellungen lernen, noch sie auch selbst erfinden.
     Denn was hieße es z.B., daß ich mir (jetzt) ein rotes Kreuz auf weißem Grunde vorstelle? Wie sieht denn ein rotes Kreuz aus? So?? – Aber könnte nicht ein höheres Wesen durch Intuition wissen, was ich mir vorstelle, & dies in seiner Sprache beschreiben, wenn sie mir auch unverständlich wäre? – Angenommen dies höhere Wesen sagte “Ich weiß, was sich dieser (Mensch) jetzt vorstellt; es ist dies: …” – aber wie kann || konnte ich das “wissen” nennen? Es ist ja ganz anders, als das, was wir nennen “wissen, was sich der Andre vorstellt”? Wie vergleicht man denn unsern || denn den gewöhnlichen Fall mit jenem erdichteten?
Wenn ich mich in diesem Fall als Dritten
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denke, so wüßte ich gar nicht, was das höhere Wesen damit meint, wenn es sagt, || : es wisse, welche Vorstellung der Mensch hat, der nur Vorstellungen & keine Eindrücke hat.

   
     “Aber kann ich mir nicht doch so einen Fall vorstellen? Vor allem kannst Du über ihn reden. Aber das zeigt nicht daß Du ihn ganz durchgedacht hast. (5 Uhr auf der Sonne.)

   
     Man möchte davon reden, wie ein Gesichtseindruck & wie eine Vorstellung ausschauen. Und etwa fragen: “Könnte nicht etwas so ausschauen wie z.B. mein gegenwärtiger Gesichtseindruck, sich aber im übrigen benehmen wie eine Vorstellung?” Und hier ist offenbar ein Fehler.

   
     Aber denk dir dies: Wir lassen jemand durch ein Loch in eine Art Guckkasten schauen, & in diesem bewegen wir nun verschiedene Gegenstände, Figuren, & zwar durch Zufall, oder mit Absicht so, daß die Bewegung gerade die ist die unser Beobachter wollte, so daß er sich einbildet, was er sieht, gehorche seinem Willen. – Konnte der
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sich nun täuschen; glauben, seine Gesichtseindrücke seien Vorstellungen? Das klingt ganz absurd. Ich brauche ja den Guckkasten gar nicht, sondern muß nur, wie oben, meine Hand betrachten, oder mein Gesicht im Spiegel & sie bewegen. Könnte ich aber auch den Vorhang dort drüben willkürlich bewegen, oder zum Verschwinden bringen || Gehorchte aber auch der Vorhang dort drüben meinem Willen, so daß er sich bewegte, oder verschwände, so würde ich das doch nie || nicht als einen Vorgang in meiner Phantasie deuten.(﹖)

   
     Ich halte eben von Haus aus einen Eindruck nicht für eine Vorstellung. || Ich kann eben von Haus einen Eindruck nicht für eine Vorstellung halten. Aber was heißt das? Könnte ich mir denn den Fall denken, daß ein Anderer es täte || könnte? Wie kommt es, daß das nicht denkbar ist?

   
     Wenn Einer wirklich sagte “Ich weiß nicht, sehe ich jetzt einen Baum, oder stell ich mir nur einen vor”, so würde ich zunächst glauben, er meine: “oder bilde ich mir nur ein es stehe dort einer”. Meint er das nicht, so könnte ich ihn überhaupt nicht verstehen. – Wollte
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mir nun aber Einer || jemand diesen Fall erklären & sagte “Dieser Mensch || Er hat eben so außergewöhnlich lebhafte Vorstellungen, daß sie wie Sinneseindrücke ausschauen || daß er sie für Sinneseindrücke halten kann, verstünde ich's jetzt?

   
     “Wie kannst Du denn glauben, daß Du Dir das da drüben vorstellst (dabei zeige ich mit der Hand) oder glaubst Du daß Du auch mich Dir vorstellst?”

   
     Denk Dir aber nun dennoch einen Menschen, der sagte “Meine Vorstellungen sind heute so lebhaft, wie wirkliche Gesichtseindrücke” – müßte der lügen, oder Unsinn reden? Nein, gewiß nicht. Ich müßte freilich erst von ihm erfahren, wie sich denn dies zeigt.
     Sagte er mir aber “Ich weiß oft nicht, ob ich etwas sehe, oder es mir nur vorstelle”, so wäre ich geneigt zu sagen, daß hier ein ganz anderes Phänomen vorliegt als lebhafte || überlebhafte Vorstellung. || so würde ich das nicht einen Fall überlebhafter Vorstellung nennen. || so wäre das nicht die Folge über-lebhafter Vorstellung.

   
   
     Freilich, wenn ich sage “Ist dort nicht wirklich ein Fleck?” & also etwa genauer hinschaue, so gehorcht, was ich hier Vorstellung nenne, nicht meinem Willen. Und eine Einbildung gehorcht ja nicht meinem Willen.

   
21.12.
      ∣ Die “materielle Implikation” behauptet keinen Zusammenhang zweier Geschehnisse. Unser “Wenn … so …” tut dies aber. Das hängt, wie ich einmal sagte, damit zusammen, daß es im sprachlichen Zusammenhang mit “Wenn … so …” den Konjunktiv gibt, in der Ausdrucksform der “Principia Mathematica” || im Zusammenhang mit p⊃q aber nicht.

   
     Ist der Konjunktiv an die Zeit gebunden? – Gibt es in der Mathematik einen Konjunktiv? Nein. Stützt sich nicht der indirekte Beweis auf
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einen Konjunktiv? “Angenommen es wäre nicht so.” … Aber diesen Konjunktiv kann man wegschaffen. Denn man muß nicht sagen “Aus dem Gegenteil würde … folgen” sondern aus dem Gegenteil folgt … ; es läßt sich daraus ableiten.

   
     Man darf (hier) nicht vergessen, daß die materielle Implikation tatsächlich auch ihre Verwendung, ihre praktische Verwendung, hat; wenn sie auch nicht häufig ist. || vorkommt.

   
     Wer den “Satz” “Wenn p so q” verneint, verneint einen Zusammenhang. Er sagt: “Es muß nicht so sein”. Und das Wort “muß” deutet auf den Zusammenhang.

   
     Aus ~p ∙ ~q folgt nicht “Wenn p, so q”. Es ist nicht aus ~p ∙ ~q zu erschließen. Der Sinn von “Wenn p so q” ist von dem des Satzes p ⊃ q grundverschieden. Wenn auch ein Zusammenhang besteht. Dieser: p . q welches die Implikation wahr macht, bewahrheitet || tut dies auch für den Satz “Wenn – so … ”, oder spricht doch für seine Wahrheit. p.~q widerspricht der Implikation, & auch dem Wenn-so-Satz, oder ist doch seiner Wahrheit nicht günstig. ~p . q & ~p . ~q bewahrheiten
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die Implikation & entscheiden nichts über die Wahrheit von “Wenn … so …”.

   
      Ich sagte der Satz “Wenn … so …” behaupte einen Zusammenhang. Aber man könnte ihn auch anders verwenden, & in gewisser Beziehung ähnlicher der materiellen Implikation.

   
     Ich || Man könnte z.B. sagen: “Wenn dies eintrifft, so wird das eintreffen. Habe ich recht, so zahlst Du mir einen Schilling, habe ich unrecht, so zahle ich Dir einen, bleibt es unentschieden, so zahlt keiner.” Und das || Das könnte man auch so ausdrücken: Der Fall, in welchem die Prämisse nicht eintrifft, interessiert uns nicht, wir reden nicht von ihm. Oder auch: es ist uns hier nicht natürlich die Wörter “Ja” & “Nein” so zu gebrauchen, wie in dem Falle (& solche Fälle gibt es || kann man sich ausdenken) in welchem uns die materielle Implikation interessiert. Mit “Nein” wollen wir hier sagen “p.~q”, mit “Ja nur p . q”.

   
     Es ist z.B. ganz gewöhnlich, auf die Wahrheit einer Vorhersage zu wetten. Wetten wir nun auf die Behauptung “Wenn p eintrifft, so wird q eintreffen”, so wird man einerseits || zwar auch sagen “Wenn Du recht hast
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gebe || zahle ich Dir … , wenn nicht … ”; aber beim Nicht-Eintreffen von p wird die Wette nicht gelten.

   
     Wenn nun aber Einer sagte: “Aber der Satz, die Voraussage, muß doch wahr, oder aber falsch sein!” ‒ ‒ ‒ Das sollte doch eine Tautologie sein. Ob es aber eine ist, kommt doch darauf an, wie das Gegenteil des Satzes zu verstehen ist. – Wenn jemand sagt “Wenn p eintrifft, so wird q eintreffen”, & ein Andrer sagt darauf “Das ist nicht wahr”, – soll er damit sagen || behaupten p wird || werde eintreffen, oder soll er es damit nicht behaupten?

   
     Es handelt sich doch hier um zwei verschiedene Arten der Verwendung der Verneinung eines Satzes. Und so, wie ~~p nicht p behauptet || ist, wenn die Verdopplung der Verneinung eine Verstärkung der Verneinung bedeutet, so ist auch “p ⌵ ~p”, wie wir die Verneinung gebrauchen, nicht unbedingt eine Tautologie. In dem obigen Falle sollte die Behauptung p ⌵ ~p || der Bedingungssatz sei wahr oder aber falsch eigentlich das unbedingte Eintreffen von p || des Ereignisses behaupten. jede || obigen Falle sollte die Behauptung jener Bedingungssatz sei wahr, oder falsch eigentlich der Behauptung gleichkommen, p werde eintreffen. Denn
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jene Behauptung ist ja, der Bedingungssatz werde nicht unentschieden bleiben.

   
     Der Satz “Die Vorstellung ist dem Willen unterworfen” ist kein Satz der Psychologie.

   
     Ich lerne den Begriff “sehen”, d.h. die Verwendung des Worts, in Verbindung mit “schauen”. Die Verwendung des einen Worts verbunden mit der des andern.

   
     Wenn man sagt “Der Erlebnisinhalt des Sehens & des Vorstellens sei || ist wesentlich derselbe”, so ist das wahr daran, daß ein gemaltes Bild wiedergeben kann, was man sieht & wiedergeben kann, was man sich vorstellt. Nur darf man sich nicht vom Mythus des inneren Bildes täuschen lassen.

   
     Das “Vorstellungsbild” tritt nicht dort ins Sprachspiel ein wo man es vermuten könnte || möchte.

   
     Ich lerne den Begriff “sehen” mit dem Beschreiben dessen, was ich sehe. Ich lerne beobachten & das Beobachtete beschreiben. Ich lerne den Begriff “vorstellen” in einer gänzlich andern Verbindung. Die Beschreibungen
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des Gesehenen & des Vorgestellten sind allerdings von derselben Art & eine Beschreibung könnte sowohl das eine, als auch das andere sein; aber sonst sind die Begriffe durchaus verschieden. Der Begriff des Vorstellens ist von der Art || wie der eines Tuns, nicht eines Rezipierens || ist eher wie der eines Tuns, als eines Rezipierens. || als eines Empfangens. Das Vorstellen könnte man einen schöpferischen Akt nennen. (Und nennt es ja auch so.)

   
     “Ja aber die Vorstellung selbst sowie der Gesichtseindruck ist doch das Bild || das innere Bild || das Bild vor dem geistigen || inneren Auge; & Du redest nur von den Verschiedenheiten der Erzeugung, Entstehung, Behandlung des Bildes.” Die Vorstellung ist nicht ein Bild, noch ist der Gesichtseindruck eines. Weder “Vorstellung” noch “Eindruck” ist ein Bildbegriff, obwohl in beiden Fällen ein Zusammenhang mit einem Bild besteht, & jedesmal ein anderer.

   
      ∣ Es kommt mir vor als könne ein religiöser Glaube nur wie || (etwas wie) das leidenschaftliche sich entscheiden zu einem Koordinatensystem || einem Bezugssystem sein. Also obgleich es Glaube ist, doch eine Art
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des Lebens, oder eine Art das Leben zu beurteilen. Ein leidenschaftliches Ergreifen dieser Auffassung. Und die Instruktion in einem religiösen Glauben müßte also die Darstellung, Beschreibung jenes Bezugssystems sein & zugleich ein In's-Gewissen-reden. Und diese beiden müßten am Schluß bewirken, daß der Instruierte selber, aus eigenem, jenes Bezugssystem leidenschaftlich erfaßt.
     Es wäre als ließe mich Einer || jemand auf der einen Seite meine hoffnungslose Lage sehen, auf der andern stellte er mir den Rettungsanker || den Rettungsstab || das Rettungswerkzeug dar bis ich mich, aus eigenem, oder doch jedenfalls nicht || (aber) gewiß nicht || gewiß aber nicht von dem Instrukteur an der Hand geführt, auf den Anker zustürzte & ihn ergriffe. ∣

   
     Aber könnte ich mir nicht ein Erlebnis || einen Erlebnisinhalt denken von der Art der visuellen Vorstellung, aber dem Willen nicht unterworfen, in dieser Beziehung also wie der Gesichtseindruck?” Hier ist das Irreführende das Reden vom Erlebnisinhalt. Wenn wir von einem fürs visuelle Vorstellen typischen Erlebnisinhalt
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reden, so muß dieser Inhalt etwas sein, was wir in mir & in Dir || im Einen & im Andern vergleichen können. || so muß der Inhalt in mir || im Einen mit dem Inhalt in Dir || im Andern verglichen werden können. Und, so seltsam es klingt, müßte man, glaube ich, sagen, der Erlebnisinhalt, || wenn man überhaupt diesen Begriff hier gebrauchen will – sei für visuelle Vorstellung & visuellen Eindruck der Gleiche. Und das klingt paradox, weil Jeder sagt || ausrufen möchte: Du willst mir doch nicht sagen, daß man je diese beiden, Vorstellung & Eindruck, miteinander verwechseln könnte!
     So wenig, könnte ich antworten, wie z.B. zeichnen & sehen. Aber was gezeichnet & was gesehen wird, mag doch dasselbe sein. Vorstellung & Eindruck “schauen” eben nicht verschieden ‘aus’.

   
     Man könnte aber eben auch sagen, daß “Erlebnisinhalt” für Vorstellung & Eindruck nicht die gleiche Bedeutung hat, sondern nur verwandte Bedeutungen. Wenn ich mir z.B. ein Bild || Gesicht ganz so || ganz genau so vorstelle, wie es ausschaut, wenn ich's später sehe, hätte mein Eindruck & meine Vorstellung den gleichen Erlebnisinhalt.
     Man kann nicht sagen, es sei nicht
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der gleiche, da Vorstellung & Eindruck nie gleich aussähen.
     Der Inhalt der beiden ist also dies – (indem ich etwa auf ein Bild zeige). Aber ich müßte es nicht beide Male “den Inhalt” nennen.

   
     Wenn ich aber nun doch den irreführenden Vergleich machte & anfinge: “Wir haben also im einen Fall Bilder die ich bewegen kann, im andern Bilder, die ich nicht bewegen kann”, – welche Rolle soll nun dies Hilfsmittel des Vergleichs || der Vergleichung spielen?

   
     Ich sagte, die Vorstellung sei schöpferisch; aber sie ist es doch nicht immer: wie wenn Dir z.B. plötzlich eine Erinnerung vor die Seele tritt. Ist es da nicht wirklich, als würde Dir, von außen, ein Bild gezeigt? – Aber es gibt auch hier wieder kein Schauen.

   
     Vorstellung & Intention. Auch in sofern ist vorstellen dem Schaffen eines Bildes zu vergleichen, als ich mir nicht den vorstelle dem mein Vorstellungsbild ähnlich ist, sondern den, den ich mir vorstellen will.

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     Nichts ist schwerer als den Begriffen vorurteilsfrei gegenüberstehen! – Denn das Vorurteil ist ein System, – also eine Form des Verständnisses, wenn auch nicht das richtige Verständnis. Vorurteilsfrei sein heißt aber: das Gewicht nirgends || nicht irgendwo abstellen, sondern es in der Schwebe zu halten.

   
      ∣ Einmal wird vielleicht aus dieser Zivilisation eine Kultur entspringen.
     Dann wird es eine wirkliche Geschichte der Erfindungen des 18., 19. & 20. Jahrhunderts geben, die voll von tiefem Interesse sein wird. ∣

   
     Kann man auf Nachbilder schauen? Man kann sie beobachten; sie können uns überraschen; wir können abwarten, ob sie sich so, oder so verändern werden.

   
22.12.
     Ich glaube, wenn man Vorstellen mit einer Körperbewegung vergleicht, wie das Atmen, das manchmal willkürlich, manchmal unwillkürlich geschieht, so darf man den Sinneseindruck gar nicht mit einer Bewegung vergleichen. Nicht so kann der Unterschied gefaßt werden, daß
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das eine geschieht, ob wir's wollen, oder nicht, während wir das andere regieren. Vielmehr ist der eine Begriff dem einer Handlung ähnlich, der andre nicht. Der Unterschied ist eher wie der zwischen dem Sehen, daß meine Hand sich bewegt – & Wissen (ohne sie zu sehen) daß ich sie bewege.

   
     Ich muß erst Logik lernen.

   
     “Wenn ich die Augen schließe, steht er vor mir.” – Man könnte sich denken, daß solche Ausdrücke nicht gelernt, sondern poetisch spontan gebildete sind. Daß sie uns also “treffend scheinen’. || Daß sie dem Einen ‘treffend scheinen’ & dann dem Andern auch.”

   
     “Ich sehe ihn deutlich vor mir!” – Nun, vielleicht steht er wirklich vor Dir. – “Nein, dazu ist mein Bild zu wenig lebhaft.” –

   
     Wenn ich sage, “die Vorstellung untersteht dem Willen” (oder dergleichen) so verführt das zu der Frage, ob nicht auch der Sinneseindruck dem Willen unterstehen könnte. Und da bin ich offenbar auf falscher Fährte. || auf falsche Fährte geraten.
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     Könnten wir uns nicht diese Erscheinung denken: Wir seien im Stande indem wir einen Lichtschirm anschauen auf ihm nach Willkür, ‘durch den bloßen Willen’, Bilder zu erzeugen, zu bewegen, verschwinden zu lassen, etc. Bilder die nicht bloß, der sie erzeugt, sondern auch der Andre sieht. – Wäre, was ich auf diesem Schirm sehe, so etwas wie eine Vorstellung? Oder vielleicht richtiger gefragt: Hieße “ich sehe … auf dem Schirm” etwas ähnliches wie: “ich stelle mir … vor”? – oder soll ich sagen, der Satz “Auf dem Schirm zeigt sich jetzt … ” entspreche “Ich stelle mir … vor”? Nein; so ist es nicht. Die Schwierigkeit ist hier, daß ich keinen klaren Begriff davon habe ‘die Bilder durch den Willen zu erzeugen’ etc. Denn eigentlich ist ja der Fall nicht ganz phantastisch: Ich kann mir ja wirklich auf einer fleckigen Wand alles Mögliche vorstellen; & wenn der Andre, wenn er auf die Wand schaut immer wüßte was ich mir vorstelle, so wäre der Fall nun ähnlich dem früher || oben beschriebenen.
     “Durch den bloßen Willen bewegen” was heißt es? Etwa daß die Bilder meinem Willen immer genau folgen, während meine
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zeichnende Hand, mein Bleistift, das nicht tut? Immerhin wäre es ja dann doch möglich zu sagen: “Für gewöhnlich stelle ich mir ganz genau vor, was ich will; heute ist es anders ausgefallen”. Gibt es denn “ein Mißlingen der Vorstellung”?

   
     Wenn nicht, so will man das etwa so erklären, daß die Vorstellung || das Vorstellungsbild masselos ist & dem Willen keinen Trägheits- oder andern Widerstand entgegensetzt.

   
      Nein, || ; “ich sehe auf dem Schirm … ” kann nicht meinem Vorstellen entsprechen. Auch nicht “ich projiziere auf den Schirm … ” – denn dann könnte es gelingen & mißlingen. Eher noch das: “Für mich ist, was auf diesem Schirm ist, jetzt ein Bild von …” || “Für mich stellt, was auf diesem Schirm ist, jetzt das dar.”.

   
     Es gibt freilich ein Sprachspiel mit dem Befehl “Stell Dir … vor!” – aber ist es denn wirklich ohne weiteres gleichzusetzen dem: “Dreh Deinen Kopf nach rechts!”? Oder auch so: Hat es denn ohne weiteres Sinn, zu sagen, Gesichtsbilder, innere Bilder, folgten meinem Willen? (Wohlgemerkt: nicht
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“meinem Wunsch”.)

   
     Denn das wovon man normalerweise sagt es folge, oder folge nicht, dem Willen sind nicht “innere Bilder”. Es ist also nicht klar daß man den Begriff dieses Folgens ohne weiteres auf die andere Kategorie anwenden kann.

   
     (Daß man nämlich die “Willkürlichkeit” der Vorstellung nicht mit der der Bewegung von Körpern vergleichen kann, ist klar, denn, ob die Bewegung stattgefunden hat, das zu beurteilen sind auch Andere befähigt; während es bei der Bewegung meiner Vorstellungen immer nur darauf ankäme, was ich zu sehen behaupte, was immer irgendein Anderer sieht. Es würden also die sich bewegenden wirklichen Gegenstände aus der Betrachtung herausfallen, da es auf sie gar nicht ankäme.)

   
     Sagte man also: “Vorstellungen sind innere Bilder, ähnlich, oder ganz so, wie meine Gesichtsempfindungen || Gesichtseindrücke, nur meinem Willen untertan” – so hätte das bis auf weiteres noch keinen Sinn. || so wäre das bis auf weiteres noch ohne Sinn.

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     Denn wenn Einer zu berichten gelernt hat, was er dort sieht, oder was ihm dort zu sein scheint, so ist es doch noch nicht klar, was der Befehl bedeute, er solle jetzt das dort sehen, oder es solle ihm jetzt das dort zu sein scheinen.

   
     Es ist freilich eine gewisse Verwandtschaft zwischen dem Vorstellen & einer Handlung, die sich eben in der Möglichkeit des Befehls ausdrückt; aber der Grad dieser Verwandtschaft muß erst untersucht werden.

   
     “Bewege Dein inneres Bild” könnte heißen: bewege den Gegenstand.

   
     “Bewege was Du siehst”
Es könnte auch heißen: Nimm etwas ein, was Deine Gesichtseindrücke beeinflußt.

   
     Welches merkwürdige Phänomen, daß ein Kind wirklich die menschliche Sprache lernen kann! Daß ein Kind ohne irgend etwas zu wissen anfangen kann &, auf sicherem Wege, diese ungeheuer komplizierte Technik erlernt.
     Dieser Gedanke kam mir als ich daran dachte || mir, in einem bestimmten Fall, zum Bewußtsein kam wie ein Kind mit
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nichts anfängt, & eines Tages die Negation gebraucht, wie wir!

   
23.12.
     Mit dem Satz “Vorstellungen sind willkürlich, Empfindungen nicht” unterscheidet man nicht Empfindungen von Vorstellungen, sondern die Sprachspiele mit dem Begriff ‘Empfindung’ von denen mit dem Begriff ‘Vorstellung’. || , sondern die Sprachspiele, die mit diesen Begriffen operieren. || , sondern die Sprachspiele, in denen diese Begriffe auftreten. || , sondern die Sprachspiele, in denen wir's mit diesen Begriffen zu tun haben.

   
     Es gibt, was man Phänomene || Erscheinungen des Sehens & ◇◇◇ was man Erscheinungen des Vorstellens nennen kann; & den Begriff des Sehens & den Begriff der Vorstellung. Man kann von ‘Unterschieden’ innerhalb beider || dieser Paare reden.

   
     “Die Vorstellung ist willkürlich” heißt nicht; || : sie kommt, wenn man sie ruft; die andere nicht.
     Denn es heißt auch nicht, || : das Phänomen des Vorstellens ist mit dem Phänomen des Wollens anders verbunden, als …

   
     Betrachte den Unterschied zwischen
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dem Begriff ‘Bewegung’ & dem Begriff ‘Handlung’. –

   
     Wenn man sagt || sagte “Die Vorstellung hat es mit dem Wollen || Willen zu tun”, so meint man dieselbe Art des Zusammenhangs, die man mit dem Satz “Die Vorstellung hat es nicht mit der Betrachtung zu tun” meint. || meint “Die Vorstellung hat es nicht mit der Betrachtung zu tun”.

   
     Ich sagte, es gebe Phänomene des Sehens, – was meinte ich damit? Nun etwa alles das was sich auf Gemälden || Bildern darstellen läßt & mit “sehen” beschrieben würde. Das genaue Beobachten; das Anschauen einer Landschaft; ein Mensch vom Licht geblendet; der freudig überraschte Blick; das Wegwenden um nicht sehen zu müssen. Alle die Arten des Benehmens, die den Sehenden || sehenden Menschen vom Blinden unterscheiden. (Es hat doch einen Grund warum mir gerade diese Situationen || Dinge hier einfallen) || gerade diese Bilder des menschlichen Lebens hier einfallen. || Bilder aus dem menschlichen Leben hier einfallen.

   
     Phänomene des Sehens, – das ist was der Psychologe beobachtet.


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     Einer sagt: “Ich sehe ein Haus mit grünen Fensterläden. Und Du sagst: “Er sieht es nicht, er stellt es sich nur vor. Er schaut ja gar nicht; siehst Du, wie er vor sich hin starrt?” Man könnte sehr beiläufig auch sprechen: || sich sehr beiläufig auch so ausdrücken: “So sieht es nicht aus, wenn jemand etwas sieht; sondern wenn er sich etwas vorstellt.” Hier vergleichen wir Erscheinungen des Sehens mit Erinnerungen des Vorstellens.
     So auch, wenn wir zwei Leute eines fremden Stammes beobachteten, die während einer bestimmten Tätigkeit ein Wort gebrauchen, welches wir für ein Äquivalent unseres “sehen” erkannt haben. Und wie wir nun ihren Gebrauch dieses || jenes Worts bei dieser Gelegenheit beobachten || verfolgen, finden || schließen wir, es müsse hier “vor dem innern Auge sehen” bedeuten. Ebenso könnte man auch zur Überzeugung || zu dem Schluß kommen das Wort müsse hier verstehen bedeuten.) || zu den Meinung kommen das Wort müsse hier verstehen bedeuten.)

   
     Anders ist es, wenn man die Begriffe unterscheidet. || die Begriffe von einander scheidet.

   
     Was heißt es z.B., daß ‘sehen’ mit ‘beobachten’ zusammenhängt? – Wenn wir “sehen” gebrauchen lernen, so lernen
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wir es zugleich, & in Verbindung, mit “schauen”, “beobachten”, etc. || gebrauchen, mit “beobachten” etc.

   
     Wie wir den Schachkönig in Verbindung mit den Bauern gebrauchen lernen, & das Wort “König” zusammen mit dem Wort “Schachmatt”. [oder “Ziehen”]

   
     Ein Sprachspiel umfaßt ja doch den Gebrauch mehrerer Wörter.

   
     Nichts kann falscher sein, als zu sagen, Sehen & Vorstellen seien verschiedene Tätigkeiten, das ist, als sagte man, Schachspielen & Verlieren seien verschiedene Tätigkeiten. || im Schach ziehen & verlieren seien verschiedene Tätigkeiten.

   
     Die Worte “Vorstellen ist willkürlich, sehen nicht”, oder ähnliche, können einen irreleiten.
     Wenn wir lernen, wie wir es als Kinder tun || als Kinder lernen, die Worte “sehen”, “schauen”, “vorstellen” gebrauchen, so spielen dabei Willenshandlungen & Befehle eine Rolle. || hinein. Nur ist diese || Aber ganz anders || in andrer Weise für jedes der drei Wörter. Das Sprachspiel mit dem Befehl “Schau!” & mit dem Befehl “Stell Dir vor …!” – wie soll ich sie nur vergleichen?
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– Wenn wir jemand abrichten wollen, daß er auf den Befehl “Schau … !” reagiert & wenn wir ihn dazu abrichten wollen, daß er den Befehl “Stell dir … vor!” versteht, so müssen wir ihn doch offenbar ganz anderes lehren. Reaktionen, die zu diesem Sprachspiel gehören, gehören zu jenem nicht. Ja, ein enger Zusammenhang der Sprachspiele ist natürlich da; aber eine Ähnlichkeit? – Stücke des einen sind Stücken des andern zu vergleichen ähnlich, aber die ähnlichen Stücke sind nicht homolog.

   
     Ich könnte mir etwas ähnliches bei wirklichen Spielen || für wirkliche Spiele denken. Es könnte etwa in zwei grundverschiedenen || wesensverschiedenen Spielen – Spielen die in gewissem || wichtigem Sinne einander viel unähnlicher wären, als Dame & Schach – ein und dasselbe Brett mit genau denselben Zügen vorkommen, nur, wenn ich so sagen darf, in einer andern Position || Stellung. Im einen Spiel könnte es z.B. die Aufgabe sein, den Andern mattzusetzen; im andern wäre der ganze Verlauf des Mattsetzens zum voraus gegeben, & die beiden Spieler hätten mit Bezug auf ihn eine Aufgabe (ganz) anderer Art. Es wären den Spielern z.B. zwei Wege des Mattsetzens gegeben, & sie müßten die beiden in psychologischer
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Hinsicht vergleichen. So gibt es ein Spiel: ein Kreuzworträtsel auflösen; & ein (ganz) anderes: die mir gegebenen || mehrere mir gegebene Auflösungen eines Kreuzworträtsels in irgendeinem Sinne auf ihre Güte zu prüfen.

   
     Wenn man versucht, Vorstellen & Sehen miteinander zu vergleichen – wobei uns aber nicht klar ist, daß es sich da nicht um die Vergleichung zweier Erscheinungen handelt – so kommt uns sehr stark zu Bewußtsein, es sei eben das Vorstellen || das Vorstellen sei etwas Spezifisches, was sich nicht durch etwas anderes, (Bilder, Willkürlichkeit & Unwillkürlichkeit, etc.) erklären lasse. || begreiflich machen lasse.

   
     Das Sehen untersteht dem Willen in anderer Weise, als das Vorstellen.
     Oder: ‘sehen’ & ‘vorstellen’ haben zum ‘wollen’ verschiedene Beziehungen. || Beziehung.

   
     Nun scheint es aber doch als wäre Vorstellungen matte Spiegelungen der Sinneseindrücke. Wann scheint es so, & wem? Es gibt natürlich ein klar & unklar in den Vorstellungen. Und wenn ich sage “Mein Vorstellungsbild
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von ihm ist viel vager || unbestimmter als mein Gesichtseindruck, wenn ich ihn sehe, so ist das wahr, denn ich kann ihn aus der Vorstellung auch nicht annähernd so genau beschreiben, als wenn ich ihn vor uns habe. || als nach der Natur. Es könnte || kann aber doch sein || geschehen daß eines Menschen Gesicht sich so trübt, daß er den || einen Andern viel unschärfer sieht, als er sich ihn vorstellen kann.

   
     I.A. Richards spricht davon, daß beim Verstehen eines Satzes die Bewegungsempfindungen, angefangener || keimender Bewegungen, ja vielleicht die Vorstellungen solcher Empfindungen eine Rolle spielen.

   
     Kann ich mir z.B. die Empfindungen in meinen Füßen beim Gehen vorstellen?

   
     Ich finde, ich kann mir einen stechenden Schmerz im || in einem Zahn vorstellen; dazu ist nötig daß ich meine Zähne leicht zusammenschlage. – Warum nenne ich nun, was ich habe eine ‘Vorstellung’ eines stechenden Schmerzes’; in wiefern ist sie einer Gesichtsvorstellung zu vergleichen? Hat sie wirklich dieselbe Beziehung zu einer Schmerzempfindung wie eine Gesichtsvorstellung
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zu einem Gesichtseindruck?

   
     Wenn ich mir, & ein Andrer sich, einen Schmerz vorstellen kann, oder wir doch sagen, daß wir's können, – wie kann man herausfinden, ob wir uns ihn richtig vorstellen || oder genau, vorstellen? || ob wir ihn uns richtig vorstellen, & wie genau? || oder wir doch sagen, daß wir's können, – läßt sich herausfinden, ob wir ihn uns richtig oder genau vorstellen?

   
     Wenn ich das Gesicht meines Freundes nach der Vorstellung sehr genau zeichnen kann, wird man sagen, ich habe ihn mir genau vorgestellt. Ich mag aber eine Menge über seine Züge wissen, ohne sie mir vorstellen zu können. Wenn ich mir nun einen Schmerz vorstelle & ich kann ihn sehr genau beschreiben, – gibt es ein Kriterium dafür, daß ich nicht nur das & das von ihm weiß, sondern es auch in der Vorstellung empfinde?

   
     Und wie ist es dann mit der Vorstellung einer Bewegungsempfindung?

   
     Oder denken wir an die Erinnerung an einen Geruch. Wie oft
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geschieht es, daß wir ausrufen, wir hätten uns gerade an den Geruch dieses & dieses Raumes, Kleidungsstückes etc. erinnert. – Gibt es hier ein Kriterium dafür, daß unsre Erinnerung richtig war? – Nun man könnte sich denken, daß einem dann eine Probe einer Substanz gezeigt || gegeben würde von der wir wüßten sie habe jenen Geruch bewahrt, & man könnte uns fragen: War es dieser Geruch, den Du Dir vorgestellt hast. Denn sich auf jene Weise an den Geruch erinnern, heißt nicht zu wissen, er sei so oder so gewesen, stechend, oder süßlich, etc. etc. Vielmehr kommt es uns vor als hätten wir irgendwie eine Nase voll || (whit) von diesem Geruch bekommen. || eine Andeutung dieses Geruchs gerochen.

   
24.12.
     Könnte es nicht Leute geben, die die Züge eines Menschen aus dem Gedächtnis höchst genau beschreiben könnten, ja, die auch sagen, jetzt wüßten sie plötzlich wie er ausschaut, – die aber die Frage, ob sie den Menschen in diesem || jenem Augenblick in irgend einem Sinne ‘vor sich sähen’ (oder dergleichen) unbedingt verneinten? Leute also denen der Ausdruck “ich sehe ihn vor mir” durchaus nicht passend
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vorkäme?
     Dies scheint mir eine sehr wichtige Frage. Oder auch: die wichtige Frage ist, ob diese Frage Sinn hat. – Denn, was für einen Grund habe ich, zu glauben, daß das nicht unser Aller Fall ist? Oder, wie kann ich die Frage entscheiden, daß der Andre (ich lasse || nehme mich einstweilen aus) sich den andern || jemand wirklich ‘visuell vorstellt’, oder nur im Stande ist ihn visuell zu beschreiben (zu zeichnen, etc.)? plus dem Faktum, daß er, wenn ich so sagen darf, eine ‘Erleuchtung’ kennt, oder einen Zustand der Erleuchtung, ähnlich dem ‘jetzt weiß ich's’?. (Echte Dauer.)

   
Die visuelle Vorstellung ist eben nicht nur durch das Zeichnen-Können & dergl. charakterisiert, sondern auch durch feinere Abschattungen des Benehmens.

   
     Was sehen wir als Kriterium dafür an, daß Einer sich ein Gesicht, oder eine Haltung z.B. lebhaft vorstellt? Doch, daß er sie beschreiben, nachahmen, zeichnen kann. Er gibt freilich auch Äußerungen von sich, wie den Ausruf “Jetzt sehe ich ihn deutlich” u. dergl. aber diese sind doch nur zusammen mit jenen Fähigkeiten maßgebend.

   
     D.h., es könnte sein, daß die Unterscheidung, die || der Unterschied, den, ich oben || früher machte, zwischen eigentlichem Vorstellen & einer
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Erleuchtung mit der Fähigkeit zu beschreiben, – daß dieser Unterschied gar nicht existiert. Oder, daß es hier zwar Unterschiede gibt, aber von anderer Art als jene Unterscheidung es erwarten ließe. Und zwar denke || zwar meine ich nicht nur den Unterschied: daß gewissen Leuten der Ausdruck “vor dem innern Auge sehen” höchst passend, Andern nicht passend erscheint, sondern auch sehr wichtige Unterschiede in der Art & Weise, wie sie das ‘Vorgestellte’ beschreiben, zeichnen, etc. Ich meine Unterschiede, aus denen man etwa geneigt wäre, (meiner Meinung nach irreführend || irre) den || einen Schluß zu ziehen: “in ihnen muß eben etwas anderes vorgehen”.

   
     Anderseits eben kann die Unterscheidung zwischen den verschiedenen ‘innern Vorgängen’ eben die Wichtigkeit der Unterschiede der || zwischen den äußeren betonen. || hervorheben.

   
     Zu dem Sprachspiel mit “vorstellen” gehört jedenfalls die Beschreibung der Vorstellung. (Das heißt nicht, daß nicht in Grenzfällen eine Äußerung vorkommen kann: “Ich kann mir's
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genau vorstellen, aber absolut nicht beschreiben. Ein Spiel läßt Grenzfälle zu – eine Regel Ausnahmen – aber Ausnahmen & Regel könnten nicht ihre Rolle vertauschen, ohne das Spiel zu vernichten || zerstören. Der ‘Übergang von der Quantität zur Qualität’?)

   
     “Wenn Ausnahme & Regel ihre Rolle vertauschen, so ist es eben nicht mehr dasselbe!” – Aber was heißt das? Etwa, daß sich dann mit einem Schlage unsre Stellungnahme || Einstellung zu dem Spiel ändert? Ist es, als kippte, nach einem allmählichen Beschweren der einen & Erleichtern der andern Schale, der Waagebalken, nicht allmählich, um?

   
     Wie könnte nun die Beschreibung der Vorstellung einer Bewegungsempfindung ausschauen?

   
     Ich möchte nun mit der früher unterbrochenen Klassifizierung der psychologischen Begriffe fortfahren.




   
     Nützlich. Gemütsbewegungen. Ihnen gemeinsam
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echte Dauer, im Verlauf. (Zorn flammt auf, läßt nach, verschwindet.) ebenso Freude, Depression, Furcht.
     Unterschied von den Empfindungen: sie sind nicht lokalisiert (auch nicht diffus!)
     Gemeinsam: sie haben ein charakteristisches Benehmen (Gesichtseindruck) & daraus folgt schon – auch charakteristische Empfindungen. So geht die Trauer oft mit dem Weinen einher & mit dem Weinen verschiedene charakteristische Empfindungen. (A lump rising in the throat. Die tränenschwere Stimme.) Aber die Empfindungen sind nicht die Gemütsbewegung (in dem Sinne wie die Ziffer 2 nicht die Zahl 2.)
     Unter den Gemütsbewegungen konnte || kann man gerichtete von ungerichteten unterscheiden. Furcht vor etwas, Freude über etwas, etc.
     Dies etwas ist das Objekt, nicht die Ursache, der Gemütsbewegung.
     Das Sprachspiel “ich fürchte mich” enthält schon das Objekt.
     Angst könnte man ungerichtete Furcht nennen, insofern ihre Äußerungen eng verwandt mit denen der Furcht sind.
     Der Inhalt einer Gemütsbewegung – darunter stellt man sich so etwas vor, wie
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ein Bild, oder etwas wovon ein Bild gemacht werden kann. (Die Finsternis der Depression, die sich auf einen herniedersenkt, die Flammen des Zornes.)
     Man könnte auch das menschliche Gesicht ein solches Bild nennen & den Verlauf der Leidenschaft durch seine Veränderungen darstellen. (Zum Unterschied von den Empfindungen:) Sie unterrichten uns nicht über die Außenwelt. (Grammatische Bemerkung.)
     Liebe & Haß könnte man Gemütsdispositionen nennen; auch Furcht in einem bestimmten Sinne.
     Es ist eines, akute Furchtempfindungen, & ein anderes, jemand ‘chronisch’ fürchten. Aber Furcht ist keine Empfindung.
     ‘Schreckliche Furcht’: sind es die Empfindungen, die so schrecklich sind?
     Könnte man die Furcht medizinisch behandeln, wie den Schmerz? Indem man alle Furchtempfindungen lindert?
     Typische Ursachen des Schmerzes einerseits, der Depression, Trauer, Freude anderseits. Ursache dieses zugleich ihr Objekt.
     Das Benehmen des Schmerzes & das Benehmen der Traurigkeit. – Man kann diese nur mit ihren äußeren Anlässen beschreiben. (Wenn die Mutter das Kind alleinläßt mag es vor Trauer weinen; wenn es
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hinfällt, vor Schmerz.)
     Benehmen & Art des Anlasses gehören zusammen. || Benehmen & Anlaß gehören zusammen.

   
      ∣ Eine blaugrüne Flamme: der starke einzigartige Eindruck, aber nicht der Eindruck der reinen, primären Farbe. Auch einprägsam. Primäre Farbe: die Wasserscheide im Farbenkreis. ∣

   
     Du mußt bedenken, wie man zum Begriff der Trauer kommt. (Seelenloser Stamm.) Und anderseits zum Begriff des Schmerzes.

   
     Vielleicht wird man sagen: Wie kann man den Begriff ‘Schmerz durch die Schmerzanlässe charakterisieren? Schmerz ist doch was er ist! – was immer ihn veranlaßt! Frage jedoch: Wie identifiziert man Schmerz?

   
     Aber der Anlaß bestimmt den Gebrauch || Nutzen des Schmerzsignals.

   
     Die Verwendung des Schmerzbegriffs ist || Der Schmerzbegriff ist … eben auf bestimmte Weise in unserm Leben eingebettet. Ist charakterisiert durch ganz bestimmte Zusammenhänge.
     Wie es einen Zug mit dem Schachkönig
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nur in einem bestimmten Zusammenhang gibt. Er läßt sich aus diesem Zusammenhang nicht lösen. – Denn dem Begriff entspricht eine Technik. (Der Mund || Das Auge lächelt nur in einem Gesicht.)

   
     Nur inmitten gewisser normaler Lebensäußerungen gibt es eine Schmerzäußerung; nur inmitten von, noch viel weitgehender, bestimmter Lebensäußerungen den Ausdruck der Trauer, oder der Zuneigung. U.s.f.

   
     Gemütsdispositionen || Gemütseinstellungen (Liebe z.B.) kann man prüfen, Gemütsbewegungen nicht.

   
     Die Gemütsbewegungen haben || besitzen ihre charakteristischen Gedanken. || haben ihr Gefolge charakteristischer Gedanken. (Vom Schmerz kann man dies aber auch sagen.) Was man ‘Schmerzgedanken’ nennen könnte, wird sich also || z.B. mit der Abhilfe, oder der Ursache des Schmerzes beschäftigen. Von solchen Gedanken sagt man aber nicht sie seien ‘schmerzlich’. Vergleiche aber ‘traurige Gedanken’, ‘fröhliche Gedanken’, ‘Furchtgedanken’. Die Furchtgedanken gehören zum Bild
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der Furcht, wie das Furchtbenehmen. Was einer in seiner Furcht spricht, gehört ja zum Furchtbenehmen.

   
     Ich will sagen, daß typische Gedanken mit der Furcht, dem Zorn, etc. anders verbunden sind, als (typische Gedanken) mit dem Körperschmerz. Hier aber wären die Trauer, oder der Gram, oder die Sorge, oder die Sehnsucht, die Hoffnung bessere Beispiele als Furcht & Zorn. Furcht & Zorn ist auch tierisch, nicht (aber) Gram.

   
     Ich möchte aber sagen: Gemütsbewegungen können die Gedanken färben, der Schmerz nicht. Und darum rede man von traurigen Gedanken nicht aber in diesem Sinne || in der || analoger Weise von schmerzlichen. Es ist als könnte man sagen: Furcht oder gar Hoffnung könne geradezu ‘aus Gedanken bestehen’, aber doch nicht Schmerz. Nun Schmerz hat vor allem die Merkmale der Empfindung & Furcht nicht. Furcht hängt mit Befürchtungen zusammen & Befürchtungen sind Gedanken.

   
     Die Hoffnung kann man eine Gemütsbewegung nennen. D.h., sie mit Furcht, Zorn, Freude zusammenstellen. Sie
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ist verwandt mit dem Glauben, der keine Gemütsbewegung ist. Es gibt keinen typischen Ausdruck || Körperausdruck des Glaubens. ƪ
      Der Glaube hat nicht echte Dauer. Es ist aber die Frage, ob man nicht von der Hoffnung dasselbe sagen muß. Vergleiche die Bedeutung von “ununterbrochener Schmerz” – mit: “ununterbrochener Zorn”, “– Jubel”, “ununterbrochene || Trauer”, “– Freude”, “– Furcht”; & anderseits “ununterbrochener Glaube”, “– Hoffnung”.
     Die Hoffnung mag im Gesicht aufzucken, aber es gibt keinen dauernden Gesichtsausdruck der Hoffnung.

   
     Heißt “hoffen” nicht: mehr oder weniger bestimmt glauben, || erwarten, es werde eintreffen, was man wünscht? Aber man fürchtet sich, sehnt sich von Früh bis abends, erwartet von Früh bis Abends, hofft ebenso, aber glaubt nicht von Früh bis abends. Weil die Furcht, die Sehnsucht, die Erwartung, die Hoffnung mit ihnen einhergehende Äußerungen haben, nicht aber der Glaube. [Lauter grammatische Bemerkungen]

   
     Aber auch Furcht, Hoffnung, Sehnsucht, Erwartung sind schwer mit einander zu vergleichen. Die Sehnsucht ist eine
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Beschäftigung in Gedanken mit einem bestimmten Objekt. Die Furcht vor einem Ereignis (apprehension) scheint von ähnlicher Art zu sein, nicht aber die Furcht vor dem Hund, der mich anbellt. Es könnten hier zwei verschiedene Worte gebraucht werden. Ebenso kann “erwarten” bedeuten: glauben das & das werde geschehen || , aber auch: die Zeit mit erwartenden Gedanken & Tätigkeiten hinbringen, also harren.

   
     Ist es aber nicht ein wichtiger Unterschied zwischen Furcht, Hoffnung, Gram & Zorn, daß “ich fürchte” & “ich hoffe” zwar Äußerungen von Furcht & Hoffnung sind, nicht aber “ich bin zornig” & “ich gräme mich” Äußerungen von Zorn & Gram?

   
     Vergleiche: den Zornanlaß & das Zornbenehmen mit dem Gramanlaß & dem Grambenehmen & mit dem Furchtanlaß & dem Furchtbenehmen. Und tu das Gleiche, wenn es möglich ist, für Freude, Trauer, Sehnsucht, Hoffnung, Erwartung, Verzweiflung, Mißtrauen, Vertrauen, u.a.
(Welche von ihnen wird man “Leidenschaften
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nennen können || wollen?)

   
     Der Glaube ist keine Beschäftigung mit dem Objekt || Gegenstand des Glaubens. Die Furcht beschäftigt || die Sehnsucht die Hoffnung aber beschäftigen sich mit ihrem Objekt.

   
     Wie beschäftigen sich Furcht, Sehnsucht, Hoffnung, Gram mit ihrem Objekt?
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     Beschäftigen sich Sehnsucht & Zorn im gleichen Sinne mit ihrem Objekt || ihren Objekten? [Die Vieldeutigkeit des Ausdrucks” sich mit etwas beschäftigen”]

   
      ∣ Wir sagen in einer wissenschaftlichen Untersuchung alles Mögliche; machen viele Aussagen, deren Rolle in der Untersuchung wir nicht verstehen. Denn wir sagen ja nicht etwa alles mit einem bewußten Zweck, sondern unser Mund geht eben. Wir gehen durch herkömmliche Gedankenbewegungen, machen, automatisch, Übergänge || Gedankenübergänge gemäß den Techniken || Formen, die wir gelernt haben. Und nun müssen wir erst unsere Sätze || was wir gesagt haben sichten. || Und nun muß ich erst, was ich gesagt habe, sichten. Ich habe eine ganze Menge unnütze, ja unzweckmäßige || zweckwidrige Bewegungen gemacht, muß nun meine || Wir haben eine ganze Menge unnütze, ja zweckwidrige Bewegungen gemacht, müssen nun unsre Gedankenbewegungen philosophisch klären. ∣
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25.12.
     Wenn ich Furcht naiv beschreiben sollte, würde ich sagen: sich vor etwas fürchten, heißt: daran denken mit einem sonderbaren Gefühl im Magen & vielleicht in den Gliedern. – Oder ich würde das ganze Furchtbenehmen eines Menschen beschreiben: Wie er von dem Gefürchteten redet, was er denkt, was er fühlt, wie er handelt.

   
     Denk wieder an das seelenlose Volk: Was ist es in ihrem Benehmen, das uns den Begriff ‘Furcht’ bei || in einem Bericht über sie anwenden läßt. Denk an die Zeichen der Furcht vor einem Objekt, das Zurückweichen, Fliehen, etc.; & an die Zeichen der Furcht vor dem Kommenden || vor dem, was bevorsteht Haben sie den Begriff der Furcht so müssen sie sagen können “ich fürchte mich” & “er fürchtet sich”. Es ist für uns hier gleichgültig, ob sie beide Male das gleiche Wort gebrauchen. (Wir tun es ja übrigens auch nicht, da die Endungen verschieden sind.)

   
     Wenn ich nun sage, ich fürchte
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mich, – tu || sag ich's, weil ich, wenn auch nicht an mein Benehmen, so doch an die organischen Gefühle denke, an die Furchtgedanken, an meine Unfähigkeit mich mit andern Dingen zu befassen, etc.?
     Ist “Ich fürchte mich!” ein Bericht? Ebensowenig, wir das ängstliche Zurückweichen, oder das Wimmern der Furcht.

   
     Aber wie, wenn einer sagt || erzählt: “Ich fürchte mich vor Hunden”? Es ist dann ein Bericht keine Furchtäußerung. Und doch hängt es mit der Furchtäußerung zusammen. Ich könnte Einem sagen “Ich fürchte mich vor Hunden”; dann kommt uns ein Hund entgegen & ich sage “Siehst Du, ich fürchte mich!” Das ist eben die komplizierte Verwendung des Worts “fürchten”.

   
     Wenn ich aber nun sage || erzähle: “Ich habe mich den ganzen Tag vor seinem Kommen gefürchtet” – da könnte ich doch ins einzelne gehen (& sagen): Ich habe gleich beim Erwachen gedacht: … Dann überlegte ich mir … Ich sah immer wieder zum Fenster
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hinaus, etc. etc. Das könnte man einen Bericht über die Furcht nennen. Wenn ich aber damals zu jemand sprach “Ich fürchte mich … – ist das gleichsam ein Schrei || Stöhnen der Furcht, oder eine Betrachtung über meinen Zustand? – Es könnte das eine & || aber auch das andere sein: Es mag einfach ein Schrei || Stöhnen der Furcht sein; es mag aber auch sein, daß ich dem Andern berichten will, wie ich den Tag verbracht habe. Wenn ich ihm nun sagte: “Ich habe den ganzen Tag in Furcht verbracht (nun folgen vielleicht Einzelheiten) & auch jetzt bin ich voll Angst” – was sollen wir nun über dieses Gemisch von Bericht & Äußerung sagen? – Nun, was sollen wir sagen, || als, daß wir hier die Verwendung des Wortes “Furcht” exemplifiziert sehen. || “Furcht” vor uns sehen.

   
     Wohl; aber daß der Begriff der Furcht der Begriff eines Seelenzustandes ist, liegt doch darin, daß wir von uns selbst (nicht auf Grund einer Beobachtung) dasselbe sagen, wie vom Andern (den wir beobachten). Das ist es, was diesen Begriff zum Begriff des Seelenzustandes macht.

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     Aber Du siehst eben, daß es unter den Begriffen der Seelenzustände große Unterschiede gibt.

   
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Denk Dir den Fall, wenn ich, bei einer bestimmten Gelegenheit, nur einen furchtvollen Gedanken habe; eine furchtvolle Minute. (A pang of fear.) – Ich sage vielleicht: “Gott! wenn er nur nicht …!” – Worin lag es, daß der Gedanke furchtvoll war? In einem Gefühl, das ihn begleitete? Und was ist so ein Gefühl? Ist es körperlich, wie ein Schmerz? Und wenn nicht, – warum nennt man's dann “Gefühl”? Wo ist die Ähnlichkeit? – Und wenn man mir dann sagt: “Du hast Dich gefürchtet, er könnte …” & ich sage “Ja, ich habe für einen Moment große Angst gehabt” – wenn ich da ein Gefühl meinte, – wie bezog es sich auf das, was ich befürchtete?
     Wenn es Leute gäbe, die, in den Fällen, wo wir Befürchtungen mit Angstgefühlen aussprechen, einen stechenden Schmerz in der linken Seite empfänden, – würde dies Stechen bei ihnen den Platz unsres Furchtgefühls einnehmen? – Wenn wir also diese
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Leute beobachteten, &, sooft sie eine Befürchtung aussprächen, d.h. etwas sagten was bei uns jedenfalls eine Befürchtung wäre, & sie zuckten dabei zusammen & hielten sich die linke Seite, – würden wir sagen: Diese Leute empfinden ihre Furcht als stechenden Schmerz? Offenbar nicht. –

   
     Nein: Schmerzbenehmen ist nicht Furchtbenehmen, & Furchtbenehmen ist nicht das, des Menschen, der sich mit irgend einem körperlichen Leiden beschäftigt. Es könnte wohl ein Wort dafür geben, daß ich typische Furchtempfindungen, oder auch Furchtreaktionen (Zittern, Schwäche) habe.

   
     Das Furchtsignal ist eine bestimmte Reaktion in bestimmten Lagen.
     Aber ist nicht die Furcht wie ein geistiger Krampf?! Nun, warum soll ich sie nicht einen geistigen Krampf nennen ‒ ‒ ‒ aber, wie verwendet man nun dies Wort? Was ist denn ein geistiger Krampf? wie weiß ich, daß Einer einen hat? Wie nimmt man ihn wahr – d.h.: was heißt in diesem Falle “ihn wahrnehmen”? – Und wenn ich selbst sage “Ich habe ihn”, was meine
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ich damit? & das heißt ja wieder: Wie verwende ich das Wort? –

   
     Wie wird der Ausdruck “ein geistiges || seelisches Leiden” verwendet? – Ist ein ‘geistiges Leiden’ in Wirklichkeit ein körperliches Leiden? Unsinn! – Aber natürlich ist es nicht ein Unwohlgefühl, das woanders lokalisiert ist, als im Körper.

   
     Wenn ich sage “Ich bin traurig” betrachte ich mich & mache eine Bemerkung über mich? Nein, die Verwendung ist ganz anders.
     Aber was meine ich, wenn ich's sage? Nun, nichts, worauf ich denken könnte, weder außen noch in mir.
     Der graue Schatten der Trauer ist, (möchte ich sagen,) eine Personifikation.
     Ich meine nicht dies – weder in mir noch außer mir.

   
     Es ist mir nicht leicht von einem Träger des Worts abzusehen & den Blick auf die Verwendung zu richten!

   
     Denn man will sagen: “Wir haben also ein Leiden. Nun, ist es nicht da, so ist es eben woanders.”
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     Warum verwendet man aber das Wort “Leiden” für die Furcht & auch für den Schmerz? Nun, es sind ja Verbindungen genug. –

   
     Denke, man sagte: Fröhlichkeit wäre ein Gefühl, & Traurigkeit bestünde darin daß man nicht fröhlich ist. – Ist denn die Abwesenheit eines Gefühls ein Gefühl?

   
     Ich fühle mich traurig”, sagt man. Was meint man damit, || : worauf spielt man an? – Nun, ich möchte sagen: auf gar nichts.

   
     Vor allem kann es doch selbstverständlich einen Bericht über meine Furchtgedanken & Furchthandlungen, || sagen wir, während des heutigen Tages || , & mit Bezug auf ein bestimmtes Ereignis – geben.

   
     Wenn ich sage “Ich habe immer mit Furcht daran gedacht” – hat die Furcht meine Gedanken begleitet? – Wie stellt man sich die Trennung des Begleiteten & der Begleitung vor?
     Man könnte fragen: Wie durchdringt
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die Furcht den Gedanken? Denn sie scheint nicht nur mit ihm entlang zu gehen. || mit ihm einherzugehen.

   
     Wenn ich sage “Ich denke mit Beklemmung daran” so könnte es allerdings so scheinen, als ob der Gedanke, etwa die Worte, mit einem besondern Gefühl in der Brust einhergingen & darauf angespielt würde. Aber die (weitere) Verwendung dieses Satzes ist eben anders.
     Man sagt auch: “Es beklemmt mir den Atem, daran zu denken” & meint nicht nur, daß erfahrungsgemäß die & die Empfindung & Reaktion diesen Gedanken begleiten. Wer z.B. Einem auf jene Äußerung antwortete,Es tut mir leid, daß Du immer dieses unangenehme Gefühl in der Brust hast, wenn Du von … redest” – der hätte die Klage mißverstanden.

   
     Auf die Äußerung “Ich kann nicht ohne Furcht daran denken … ” antwortet man etwa: “Es ist kein Grund zur Furcht, denn …”. [Das ist jedenfalls ein Mittel, Furcht zu beseitigen, im Gegensatz zu Schmerzen.]

   
     Ist Ekel eine Empfindung? – Hat
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er einen Ort? – Und er hat einen Gegenstand, wie die Furcht. Gibt es dem Ekel charakteristische Empfindungen? Gewiß!

   
     (Man kann diese Probleme nur mit irgendwelcher Hoffnung auf Erfolg behandeln, indem man ein weites Feld behandelt.)

   
∫ / ? ∫
     Wenn Einer sagt “Mir ekelt unaussprechlich bei dem Gedanken …”, so wünscht er nicht, daß man ihm eine Medizin, z.B. Magentropfen, gebe.

   
     Worin bestehen denn Furchtgedanken? Sind es solche, die den meisten Menschen Furcht einflößen würden? || , die bei den meisten Menschen Furcht hervorrufen würden? Ich nehme an, ich teile Einem mit, ich hätte mit Bezug auf eine bestimmte Sache heute viele Furchtgedanken gehabt. Was hat er von dieser Mitteilung, wie kann er sie verwenden. Es hätte auch sein können, daß ich meine Furchtgedanken alle geändert hätte || habe. Unter diesen Furchtäußerungen fingen auch einige mit “Ich fürchte mich …” an.

   
     Wenn ich einem mitteile: “Ich habe den ganzen Tag gefürchtet …”, so kann er
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sich ausmalen, wie, etwa, ich den Tag verbracht habe.

   
     Ja, Du mußt Dich immer fragen: Was wird dem Andern durch diese Aussage || Mitteilung mitgeteilt || übermittelt ‒ ‒ ‒ & das heißt: welche Verwendung kann er nun davon machen? || : Was wird durch diese Äußerung || Konstatierung dem Andern mitgeteilt? || :Was wird durch diese || die Mitteilung dem Andern gegeben? || : Was wird durch diese Sätze || Konstatierung dem Andern mitgeteilt? & das heißt: Welche Verwendung kann er nun davon machen?

   
“Ich fürchte mich” kann natürlich unter Umständen (einfach) soviel heißen wie der Schrei “Nicht! – Nicht!” – aber es kann auch sein, daß Einer mich vor meinem Gang zum Zahnarzt fragt “Fürchtest Du Dich?” & ich antworte “Ja, ich fürchte mich.” Und dies ist gewiß kein Angstschrei; man wird es einen Bericht über meine Stimmung nennen.

   
     Wenn Einer sich vor einer Operation fürchtet, so kann er wünschen, daß man ihm Morphium gibt, das || eine Morphiuminjektion gibt, die ihm die Furcht wegnimmt || nimmt. Hier behandelt er also Furcht wie einen Schmerz.

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     Ich sagte früher: die Gemütsbewegungen, im Gegensatz zu den Empfindungen, lehrten uns nichts über die Außenwelt. Aber wie belehrt mich der Magenschmerz über die Außenwelt, es sei denn über meinen Magen & über das was ich gegessen habe. Aber so kann mich ja auch meine Furcht über den Zustand meines Nervensystems belehren & tut dies auch oft. Man kann oft sagen: Ich bin jetzt so schreckhaft, mein Körper braucht Schlaf, oder Vitamine, etc.
     Nein, hier ist mir noch viel unklar!

   
     Ich konstatiere, ich habe Furcht: besinne ich mich dazu meiner Gedanken in der letzten halben Stunde, oder laß ich mir rasch einen Gedanken an den Zahnarzt durch den Kopf gehen, um zu sehen, wie er mich affiziert? || ; oder konnte mir ein Zweifel kommen, ob es wirklich Furcht vor dem Zahnarzt ist & nicht ein anderes organisches Unwohlgefühl?

   
     Oder ist das Konstatieren, ich habe Furcht, wie ein äußerst gemildertes Stöhnen der Furcht? Nein; denn mit dem Stöhnen will ich dem Andern nicht unbedingt etwas mitteilen. Die Konstatierung ist, sozusagen, ein Teil eines
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Gesprächs.

   
     Wenn ich Einem erzähle “Als er auf mich zukam, wich ich vor Furcht zurück”, so || da teile ich ihm nicht nur das mit, was dieser || der Satz ohne die Wörter “vor Furcht” mitgeteilt || besagt hätte. || ausgesagt hätte.

   
     Kann man sagen: “Ich fürchte mich vor der Operation nur, während ich gerade an sie denke”? Kann mir nicht vor etwas grauen, auch während ich nicht, sozusagen, ausdrücklich darüber nachdenke. Kann ich Einem nicht sagen “Mir graut vor diesem Zusammentreffen”, obwohl ich das Ereignis nur || sozusagen nur aus dem Augenwinkel sehe. (“at the back of my mind.”)

   
     Was ich nicht weiß ist, ob man so einen Zustand der Seele ein Konglomerat von Zuständen nennen kann. Prima facie ist es wahrscheinlich, daß es || uns solche Konglomerate interessieren, daß wir von ihnen reden. || Von vornherein sollte man glauben, daß uns solche Konglomerate interessieren, daß wir von ihnen reden.

   
     Mir scheint, ich bin noch weit von dem Verständnis dieser Dinge, nämlich von dem
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Punkt, wo ich weiß, worüber ich sprechen muß, & worüber ich nicht zu sprechen brauche. Ich verwickle mich immer noch in Einzelheiten, ohne zu wissen, ob ich über diese Dinge überhaupt reden sollte; & es kommt nur vor daß ich vielleicht ein großes Gebiet begehe, nur um es dann || einmal aus der Betrachtung auszuschließen. Auch in diesem Falle aber wären diese Betrachtungen nicht wertlos; wenn sie sich nämlich nicht etwa nur im Kreise herumbewegen.

   
1.1.1948
     Vergessen wir doch einmal ganz, daß uns der Seelenzustand des Fürchtenden interessiert. Gewiß ist, daß uns auch sein Benehmen unter gewissen Umständen, als Anzeichen für weiteres Benehmen || zukünftiges Verhalten interessieren kann. Warum sollten wir also nicht dafür ein Wort haben. Es kann dies ein Verbum, oder Adjektiv sein, der Ausdruck kann analog dem sein “Er fürchtet …” oder “Er hat Furcht vor …”, oder “Er ist furchtsam vor …”.
     Man könnte nun fragen, ob dies Wort sich wirklich einfach auf das Benehmen, einfach auf die Veränderungen des Körpers, bezöge. Und das können || wollen wir verneinen. Es liegt uns ja nichts daran, den
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Gebrauch dieses Worts so || derart zu vereinfachen. – Es bezieht sich auf das Benehmen unter gewissen äußern Umständen. Wenn wir diese & jenes beobachten, sagen wir Einer sei …
     Wenn das Wort in der ersten Person gebraucht wird, ist die Analogie mit dem Gebrauch in der dritten Person dieselbe, wie die von || zwischen “ich heiße” & “er heißt”. || “ich schiele” & “er schielt”.

   
     Der Behauptungssatz mit dem Verbum in der ersten Person “Ich … ” ist natürlich nicht gleichbedeutend unserm “Ich fürchte …” Ob die dritte Person mit der dritten Person “Er fürchtet …” gleichbedeutend ist, ist ein Problem. Vor allem könnte man nun fragen ob man jene dritte Person auch dann anwendet wenn einer ‘Furcht heuchelt’ oder auf dem Theater darstellt. Nun auf dem Theater fehlen ja die ‘Umstände’ unter denen die Behauptung gemacht werden soll. Wenn Einer aber unter ‘furchtbaren’ Umständen ‘Furcht heuchelt’ so werden wir unser Wort anwenden. Wir könnten uns aber auch eine noch kompliziertere Anwendung
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denken. Und zwar wäre dies eine solche, daß das spätere Benehmen auch noch einen Schluß darauf zuließe, ob die Behauptung “Er … ” richtig war. Wer z.B. in einer bestimmten Lage zuerst Furchtbenehmen zeigt gleich darauf aber lacht von dem könnte man dann leugnen er habe ein echtes Furchtbenehmen gezeigt.
     Man könnte also zwischen echtem & unechtem Furchtbenehmen unterscheiden.

   
     Ich will nun sagen, daß Menschen, welche einen solchen Begriff gebrauchen, seinen Gebrauch nicht müßten erklären || beschreiben können. Und sollten sie es versuchen, so könnten sie eine ganz unzulängliche Erklärung || Beschreibung geben. (Wie die meisten, wenn sie versuchen wollten die Verwendung des Geldes || Papiergeldes richtig zu beschreiben.)
     Es ist z.B. möglich, daß sie diese Aussage von einem Menschen machen, ohne doch recht sagen zu können, welches Benehmen in ihm sie dazu veranlaßt. Sie könnten sagen “Ich sehe es; aber
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ich weiß nicht genau, was ich sehe.” Wie wir sagen: “Es hat sich etwas an ihm verändert, aber ich weiß nicht genau, was”. Und die künftige Erfahrung mag ihnen Recht geben.

   
     Es könnte nun sein, daß Leute ein Verbum hätten, dessen dritte Person sich genau mit unserm “Er fürchtet sich …” deckt. Dessen erste Person sich aber nicht mit unserm “Ich fürchte mich” deckt. || ; dessen erste Person aber nicht mit unserm “Ich fürchte mich”. Denn jene || die Behauptung in der ersten Person würde sich auf Selbstbeobachtung stützen. Sie wäre nicht die Äußerung der Furcht, & es gäbe ein “Ich glaube, ich …”, “Es kommt mir vor, ich …”. Diese erste Person hätte nun, glaube ich || so scheint es mir, keine oder eine sehr geringe || seltene Verwendung. Würde mein Benehmen in einer bestimmten Situation gefilmt, so könnte ich, wenn nur der Film vorgeführt würde || wird sagen: “Mein Benehmen macht den Eindruck …”.

   
     Das “Ich glaube, er fühlt, was ich unter solchen Umständen fühle” gibt es hier noch nicht: Die Interpretation, daß
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ich in mir etwas sehe, was ich in ihm vermute.
     Denn in Wahrheit ist das eine rohe Interpretation. Ich vermute – im allgemeinen – || zumeist die Furcht nicht in ihm, – ich sehe sie. Es ist mir nicht, als schlösse ich aus einem Äußeren auf die wahrscheinliche Existenz eines Innern, sondern als sei das menschliche Gesicht quasi durchscheinend, & ich sähe nicht an an ihm nicht reflektiertes, sondern durchscheinendes || eigenes Licht. || & ich sähe es, sozusagen, nicht im auffallenden || reflektierten, sondern im durchscheinenden || eigenen Licht.

   
     “Mir graut davor.” – Das ist nicht ein Konterfei || eine Wiedergabe || Abbildung von etwas was ich sehe. Ja, so wie ich schaue, sehe ich nichts, oder nicht eigentlich, was ich meinte. Es ist dann, es || , als wäre dies ein so feiner Schleier, daß von ihm wissen, aber ihn nicht eigentlich sehen könnte. Als wäre das Grauen ein ganz feines dumpfes Geräusch neben den Tagesgeräuschen, das ich nur merken & nicht eigentlich hören könnte.

   
     Denk Dir, ein Kind, das lange nicht
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recht sprechen lernen konnte, gebrauche plötzlich den Ausdruck, den es von den Erwachsenen gehört hatte, “Mir graut vor …”. Und sein Gesicht & die Umstände & was folgt lassen uns sagen: Es hat das wirklich gemeint. (Man könnte ja immer sagen: “Eines schönen Tages gebraucht nun das Kind das Wort.”) Ich habe den Fall des Kindes herangezogen, weil hier, was in ihm vorgeht, uns noch fremder erscheint als im Erwachsenen. Was weiß ich, so möchte ich sagen – von einem Hintergrund der Worte “Mir graut …”? Läßt das Kind mich plötzlich in sich hineinschauen?

   
     Die Worte “Mir graut” werden wohl zuerst Träger eines bestimmten Tonfalls sein & einer bestimmten Miene.

   
     Wenn man nun sagt: “Mir graut sooft ich daran denke” – so ist das || klingt es als sagte man so etwas wie “Ich fühle … , sooft ich daran denke”. Aber es ist eben doch nicht so aufzufassen, als hätte man dann immer die & die Empfindungen.
     Und doch ist es wahr, daß ich im Zustand der Furcht bestimmte, &
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charakteristische Empfindungen, im Magen || in Brust & Magen z.B., haben kann! Und doch wieder sind diese nicht die Furcht! Aber das heißt nun nicht, daß die Furcht etwas außer || neben ihnen, im selben Raum wie sie ist. (Wenn Bunyan berichtet seine religiöse Angst sei mit einem furchtbaren Gefühl in der Magengegend einhergegangen, so kann man nicht sagen, er hätte nicht so wehleidig sein sollen.)

   
     Diese Sache erinnert auch an das Hören eines Geräusches aus einer bestimmten Richtung. Es ist beinahe als fühlte man die Beschwerde in der Magengegend aus der Richtung der Furcht. D.h. eigentlich daß “Mir ist schlecht vor Furcht” nicht eine Ursache der Furcht angibt.

   
     “Du machst Dir's leicht” könnte man sagen – “Du erklärst einfach, alles, was Du nicht analysieren kannst, als eine spezifische Erscheinung.” Nun, das ist wahr, insofern ich nicht mehr tun kann, als das gemeinsame der psychologischen
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Sprachspiele anzudeuten. || als auf das Gemeinsame der || von psychologischen Sprachspielen hinzuweisen || als auf Gemeinsames von psychologischen Sprachspielen hinzuweisen; es zum mindesten anzudeuten.


   
     Daß es ein Furchtkonglomerat (z.B.) gibt, heißt nicht, daß Furcht ein Konglomerat ist.

   
     Zustände: “er hat jetzt Schmerzen” “er hat jetzt wieder Anfälle”, “Hörst Du: der Vogel singt”, “Der Vogel singt jetzt wieder,” “Er pflegt jetzt wieder zu singen”. Vielleicht das Harren aber nicht das Erwachen.

   
     Gibt es psychologische Konglomerate; & ist das Erwarten eines? Irgend etwas spricht in mir gegen das Letztere. Es ist wohl wahr: wenn ich jemand den ganzen Tag erwarte, auf ihn harre so tue ich eine Reihe charakteristischer Handlungen. Wenn ich z.B. jemand vor der Haustür höre, schau ich aus dem Fenster. Aber, fragte mich jemand “Warum schaust Du hinaus” so würde ich ihm antworten “Ich will sehen, ob es nicht so & so ist”. Die Intention der verschiedenen Handlungen ist immer dieselbe & ist das richtige. – Es ist nun nicht
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so, als hätte ich manchmal das reine Gefühl der Erwartung; manchmal wieder handelte ich auch erwartend.


   
     Der Unterschied zwischen meinem Philosophieren & dem Andren ist eigentlich, || : daß, was ich als (eine || die) Vorbereitung zur Klärung betrachte || hinschreibe, sie als philosophische Erklärung ansehen.

   
     Ich fange an: “Ich bin geneigt, zu sagen: …” – Und das heißt: die rechte Formulierung ist noch nicht gefunden. Denn ist sie gefunden, so nehmen wir den Ausdruck als selbstverständlich hin, & weder Zuneigung || Neigung noch Abneigung ist mehr vorhanden.

   
     Jemand erwarten, kann natürlich einfach heißen: glauben, er werde kommen. – In diesem Sinne würde ich auch Einen erwarten während ich nicht an ihn denke. – Es kann aber auch heißen: im Hinblick auf sein Kommen, d.h. mit dieser Intention, handeln, reden, denken. So
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daß man Einem der sagt “Ich habe ihn sehnsüchtig den ganzen Tag erwartet” widersprechen kann: “Du hast ja gar nicht an ihn gedacht”. Welches kein Widersprechen wäre, hätte er gesagt, || : “Ich habe sein Kommen erwartet” – oder “Ich wußte, daß er kommen wird”.

   
     Sage ich “Ich erwarte sehnsüchtig sein Kommen”, so heißt das: ich beschäftige mich mit seinem Kommen (in Gedanken – & man kann auch sagen: in Gedanken & Handlungen.) Den Zustand des sehnsüchtigen Erwartens kann man also ein Konglomerat nennen. Aber es ist nicht, sozusagen, ein Konglomerat von Handlungen einer bestimmten Art sondern es geht um die Intention der Handlungen, also um ein Motiv, nicht eine Ursache.

   
     Wer nun sagt “Ich erwarte sehnsüchtig sein Kommen”, teilt der mir mit, er denke immer an so & so, handle in diesen Gedanken etc.? Stattet er mir einen Bericht ab
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über diese seine Gedanken & Handlungen? – Sagte er z.B. “Du findest mich in sehnsüchtiger Erwartung des N.N. || so & so”, dann wäre es so. Er könnte nun amplifizieren & was er tat & dachte beschreiben.” Ich erwarte ihn sehnsüchtig” aber kann einfach heißen: “Ach, wenn er doch || nur schon käme!”

   
     Nun, hier haben wir eine Wortreaktion, zu der Blick & Stimme gehören. Und Blick & Stimme könnten unter den geeigneten Umständen das Gleiche ausdrücken.
     Wenn einer das Bild eines Menschen liebend an seine Brust drückt – was empfindet || fühlt der? ‒ ‒ ‒ Das ist ein Liebesausdruck. Ob er echt ist, zeigt sich, wie es sich eben zeigt.
     Wenn Du ihn fragst, was er dabei empfunden hat, wird er vielleicht sagen “Liebe”. Aber diese Antwort ist doch selbst verwandt, wenn auch nicht identisch, mit einer Liebesäußerung.
     Und hier kommen wir allerdings zu einem wichtigen Punkt:
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Nämlich dazu, daß der Äußerung, die der ursprünglichen, primitiven Reaktion entspringt || entspricht || zunächst verwandt ist, auch ein Bericht || Berichten, eine Mitteilung, ein Konstatieren, entspricht. Ich sage dem Doktor “Ich habe Schmerzen” & das ist kein Schrei oder Stöhnen. [Das heißt etwa: es kann ein Teil eines ruhigen Gesprächs sein.]

   
     Was aber macht diese Worte zur Mitteilung, zum Bericht, & unterscheidet sie von der Schmerzäußerung?
     Der Schmerz ‘erpreßt’ sie nicht. Sie ist || sind etwa die Antwort auf eine Frage, sie ist || sind nicht, vor allem Träger einer Intonation. – Was aber verknüpft sie dann trotzdem mit einer Schmerzäußerung?

   
     Wenn ich sage, ich verwende die Worte “Ich habe Schmerzen”, “Ich sehne mich nach ihm”, etc., als || zur Mitteilung nicht als Naturlaut || nicht als Naturlaut, sondern zur Mitteilung, zum Bericht so charakterisiert dies meine Intention. Ich will z.B. daß der Andre darauf in bestimmter Weise reagiere.
     Hier bin ich aber noch die Erklärung des Begriffs der Intention schuldig & die Intention ist nicht etwa nur
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eine Art Empfindung auf die ich alles reduzieren will, der ich, sozusagen, alles in die Schuhe schiebe. (Denn die Intention ist keine Empfindung.)

   
     Wenn wir Furcht, Trauer, Freude, Zorn, etc. Seelenzustände nennen, so heißt das, daß, der Furchtvolle, Trauervolle, etc., die Mitteilung machen können || kann: “Ich befinde mich || bin im Zustand der Furcht”, etc., daß diese Mitteilung – sowie || ganz wie die primitive Äußerung – nicht auf einer Beobachtung beruht.

   
     Es gibt doch nun Furchtgedanken, Trauergedanken, Schmerzgedanken, Hoffnungsgedanken etc., oder auch Sätze, die der Ausdruck dieser Gedanken sind. Ich könnte auch sagen Furchtreden, Trauerreden etc. Damit meine ich aber nicht die Sätze “Ich fürchte mich …” etc., sondern Sätze aus denen man, sozusagen, meine Furcht etc. erraten kann.
     Oder auch: Im Reden dessen der sich in einem dieser Zustände befindet wird sich sein Zustand äußern; einerseits dadurch, daß er ihn mitteilt,
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anderseits aber auch durch seine anderweitigen Reden (z.B. durch sein Verweilen bei gewissen Gesprächsthemen.) Diese Anzeichen seines Seelenzustands sind analog denen in seinem übrigen Benehmen.

   
     Gemütsbewegung & Stimmung. Gemütsbewegung = Wallung des Gemüts. Furcht, Sehnsucht, Trauer, u.a. können aufwallen. Zorn ist eine Wallung. || u.a., sind Stimmungen, welche aufwallen können; Zorn ist eine Wallung.

   
     Absicht, Intention, ist weder Gemütsbewegung, Stimmung, noch Empfindung oder Vorstellung. Sie ist kein Bewußtseinszustand. Sie hat nicht echte Dauer. Die Absicht kann man eine seelische Disposition nennen. Dieser Ausdruck ist nur insofern irreführend, als man eine solche Disposition in sich nicht durch Erfahrung in sich wahrnimmt. Die Neigung zur Eifersucht dagegen ist eine Disposition im eigentlichen Sinne. Erfahrung lehrt mich, daß ich sie habe.

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     “Ich beabsichtige” ist nicht die Äußerung eines Erlebnisses.
     Es gibt keinen Schrei der Absicht, sowenig wie des Wissens oder Glaubens.

   
     Wohl aber könnte man den Entschluß, mit welchem oft eine Absicht beginnt, ein Erlebnis nennen.

   
     Der Entschluß ist ein Gedanke. || Ist der Entschluß ein Gedanke? Er kann das Ende eines Gedankenganges sein. (﹖)

   
     Die Intention kann einen plötzlichen Anfang nehmen, sich plötzlich ändern.
     Ich kann mich plötzlich daran erinnern, daß ich das & das tun sollte. Man zuckt zusammen & erklärt dann: “Es ist mir gerade eingefallen, daß ich …”

   
     Einer sagt mir etwas, ich schaue ihn erstaunt an; er erklärt … Mein fragender Blick war gleichbedeutend der Frage: “Wieso?” oder “Was meinst Du?” oder “Warum?” oder “Das willst Du tun, wo Du doch immer …?” Der plötzliche Gedanke.
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     Absichtlich – unabsichtlich. Willkürlich – unwillkürlich.
     Was ist der Unterschied zwischen einer Handbewegung ohne besondere Absicht, & der gleichen Handbewegung als Wink || Zeichen gemeint.

   
2.1.48.
     Denken wir uns daß Einer eine Arbeit verrichtet, in der ein Vergleichen, Versuchen, Wählen vorkommt || es ein Vergleichen, Versuchen, Wählen gibt. Er stellt etwa einen Gebrauchsgegenstand aus gegebenen || gewissen Materialstücken mit gegebenen Werkzeugen her. Immer wieder entsteht gleichsam die Frage || das Problem “Soll ich dies Stück dazu nehmen?” – Es || Das Stück wird vielleicht verworfen, ein anderes versucht. Stücke werden versuchsweise zusammengestellt, auseinandergenommen; es wird nach einem geeigneten Stück || passenden gesucht, etc. etc. Ich denke mir nun diesen ganzen Hergang gefilmt. Der Arbeitende gibt etwa Laute von sich wie “Hm –”, oder “Ha!”. Es sind sozusagen || Sozusagen Laute des Zögerns, des plötzlichen Findens, des Entschlusses, der Zufriedenheit, der Unzufriedenheit; aber er redet dabei kein Wort || kein Wort wird geredet. Die || Jene Laute mögen auch || im Film
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aufgenommen werden. Der Film wird mir vorgeführt; & ich erfinde nun ein Selbstgespräch des Arbeitenden, welches zu seiner Arbeitsweise, dem Rhythmus seiner Arbeit, seinem Mienenspiel, seinen Gebärden & Naturlauten paßt, welches all dem entspricht. Ich lasse ihn also manchmal sagen “Nein das Stück ist zu lang. Vielleicht paßt ein andres besser.” – oder “Was soll ich jetzt tun? – – Ich hab's!” – oder “Das ist ganz gut.” etc.
     Wenn der Arbeitende reden kann, – wäre es eine Verfälschung des wirklichen Vorgangs wenn er ihn genau beschriebe & dabei || etwa sagte: “Dann dachte ich: Nein, das geht nicht; ich muß es anders versuchen” u.s.w. – obwohl er während der Arbeit nicht gesprochenhatte || , & sich auch diese Worte nicht vorgestellt hatte?
     Ich will sagen: Kann er nicht seine wortlosen Gedanken später in Worten wiedergeben? So zwar, daß wir, die den Arbeitsvorgang sähen, mit dieser Wiedergabe einverstanden sein könnten? – Umsomehr, wenn wir dem Mann nicht nur
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einmal, sondern öfters bei der Arbeit zugesehen hätten?

   
     Wir könnten natürlich sein ‘Denken’ von der Arbeit || Tätigkeit nicht trennen. (Sowenig wie den Gedanken vom Satz den Einer spricht). Das Denken ist eben keine Begleitung der Arbeit; sowenig, wie der denkenden Rede.

   
     Es ist unrichtig, zu sagen, || wie ich einmal schrieb, || das Denken sei eine Art des Redens || Sprechens. Kann man sagen, es sei ein Operieren mit Zeichen? Ich glaube kaum. Es ist auch schwer zu sagen, was man noch “Zeichen” nennen kann, & was nicht. – Das Überlegen, möchte ich sagen, bedarf einer Art der Zeichen.
     Denk Dir, Einer pausiert in der Arbeit, blickt, wie nachdenkend, vor sich hin, in einer Situation, in der wir an uns selbst eine Frage richten würden || richten || uns selbst eine Frage stellen, Möglichkeiten erwägen würden, – würden wir von ihm unbedingt sagen, er überlege? Ist dazu nicht auch nötig, daß er eine Sprache beherrscht, also nötigenfalls die Überlegung auch aussprechen könnte?
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     Nun, wenn wir Wesen bei der Arbeit sähen, deren Arbeitsrhythmus, deren Mienenspiel, etc. dem unsern ähnlich wäre, nur daß diese Leute nicht sprächen, dann würden wir vielleicht sagen, sie dächten, überlegten, machten Entscheidungen. Das heißt: es wäre eben in so einem Falle viel dem der uns bekannten || gewöhnlichen Menschen ähnlich. Und es ist nicht klar wieviel ähnlich sein muß, daß || damit wir den Begriff “Denken”, der in unserm Leben zuhause ist, auch bei ihnen anzuwenden ein Recht hätten. || haben. || Und wie soll man entscheiden, wie genau die Analogie sein muß, damit wir ein Recht haben für diese Leute den Begriff ‘Denken’ zu verwenden, der in unserm Leben seine Heimat hat?

   
     Und wozu sollen wir auch diese Entscheidung fällen?
     Wir werden einen wichtigen Unterschied machen zwischen Wesen, die eine Arbeit, selbst eine komplizierte, ‘mechanisch’ zu verrichten lernen können, & solchen, die bei der Arbeit
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probieren, vergleichen. – Was aber “probieren” & “vergleichen” zu nennen ist kann ich nur wieder an Beispielen erklären, & diese Beispiele werden unserm Leben, oder einem das dem unsern ähnlich ist, entnommen sein.

   
     Nähme nun das Probieren gar die Form der Herstellung einer Art von Modell an || an des Herstellens einer Art von Modell (oder gar einer Zeichnung), so würden wir, ohne zu zweifeln, sagen, diese Wesen dächten. Freilich könnte man hier auch von einem Operieren mit Zeichen reden.

   
     “Aber könnte nicht das Operieren mit Zeichen auch mechanisch sein?” – Freilich; d.h., auch es muß in einer bestimmten Umgebung sein, damit wir sagen können || man sagen kann es sei nicht mechanisch.

   
     Es ist also, als wären unsere Begriffe, als wäre die Verwendung unserer Worte, bedingt durch ein Framework || Gerüst von Tatsachen || Fakten || von Tatsächlichem. Aber wie kann das sein?! Wie könnten wir denn das Gerüst beschreiben, wenn wir nicht die Möglichkeit eines Andern || von etwas Anderem zuließen? – Du machst ja, möchte man
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sagen, Unsinn aus jeder Logik! || Dadurch würde ja – möchte man sagen – Unsinn aus jeder Logik!
(Aber nein!)

   
     Gilt denn meine Bemerkung für alle unsre Begriffe? Auch für die Begriffe ‘rot’, ‘süß’, ‘Tisch’, ‘Kohle’?
     Vielleicht doch.

   
     Ich möchte sagen: “Wir lernen die Bedeutung, den Gebrauch, der Wörter in || unter gewissen Umständen. Es lernt z.B. jeder die Farbwörter in einer Welt, in welcher …” Aber wie würde also eine andere Welt aussehen? Nun, wir können eine Beschreibung geben. – Aber der ganzen Welt?? Wir könnten uns die Beschreibung durch einen Film hergestellt || gemacht denken. Aber ist hier nicht wieder eine Schwierigkeit? In der Anwendung etwa?

   
     Muß ich aber die Umstände beschreiben können? || die Gesamtheit der Umstände beschreiben? Ist es nicht genug, daß ich einmal sage: “Diese Begriffe funktionieren hier nicht mehr”?
     (Sowie man auf ein Wesen, das || welches das Nilpferd & das Krokodil geschaffen hat, die Moralbegriffe nicht anwenden kann. Hiob.)

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     Das Problem, das || was uns hier beunruhigt, ist das gleiche, wie das in der Betrachtung: “Du kannst Menschen zählen lehren, wenn die Dinge in ihrer Umgebung nicht im fortwährenden schnellen Entstehen & Vergehen begriffen sind.” || : “Menschen könnten nicht zählen lernen, wenn alle Gegenstände um sie in schnellem Entstehen & Vergehen begriffen wären.”

   
     Wenn Du von einer ‘Welt’ redest, ‘in der alle Dinge rasch wie flimmernde Lichter entstünden || entstehen & vergehen’, so bist Du in der Gefahr Unsinn zu reden. (Etwas ähnlich der Annahme einer Welt, die aus Schmutz besteht, bei || besteht. Bei Moore.) || Etwas ähnlich dem Fehler Moores, wenn er von einer Welt redet || hypothetisch eine Welt annimmt, die aus Schmutz besteht. || Etwas ähnlich der unsinnigen Annahme Moores: einer Welt die aus Schmutz besteht.

   
     Man kann sich aber, glaube ich, in solchen Fällen immer bescheiden & unsre Annahme aus dem Unsinn in den || einen Sinn zurückführen. || in das Reich des Sinnes zurückführen.

   
     Es ist natürlich möglich, zu sagen: “Lehre einen an Fingern, Stäbchen, Bohnen, rechnen;
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nicht an den Haaren eines Fells, den Tropfen eines Regengusses, den Funken einer Schmiede || eines Schmiedefeuers Aber warum? Man kann verschiedenes sagen. Eines ist: Er wird an diesen Dingen nie die Begriffe der Anzahlen || den Begriff der Anzahlen nie erlernen || verstehen lernen. D.h., nicht erlernen, die Zahlwörter zu verwenden. || D.h., die Technik des Verwendens der Zahlwörter nicht erlernen. || D.h., das Verwenden der Zahlwörter nicht erlernen.

   
     Du kannst doch auch sagen: “Hast Du keine Stäbchen, Steinchen, etc. zur Hand, so kannst Du Einen nicht rechnen lehren”. Ganz so wie: “Hast Du keine Schreibfläche noch Schreibmaterial zur Hand so kannst Du ihn die Differentialrechnung nicht lehren” (oder: so kannst Du die Division 76570 : 319 nicht ausführen”).

   
     “In einem Land, in dem der Himmel beinahe ununterbrochen bewölkt ist, werden sie nicht auf die Idee kommen Astronomie zu studieren || betreiben.” || astronomische Studien zu betreiben.”

   
     Man sagt vom Tisch & Stuhl nicht, daß sie denken, auch von der Pflanze nicht, auch vom Fisch nicht, kaum vom Hund, aber vom Menschen. Und auch nicht
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von allen Menschen.
     Wenn ich aber sage “Der || Ein Tisch denkt nicht” so ist das nicht ähnlich einer Aussage, wie “Ein Tisch wächst nicht”. Denn ich wüßte gar nicht ‘wie das wäre wenn’ ein Tisch dächte. Und hier gibt es offenbar einen graduellen Übergang zu dem Fall des Menschen.

   
     “Denken ist eine geistige Tätigkeit” || : Denken ist keine körperliche Tätigkeit. Ist Denken eine Tätigkeit? Nun, man kann sagen || Einem befehlen “Denk darüber nach!”. Wenn aber nun Einer in Befolgung dieses Befehls zu sich selbst, oder auch zum Andern spricht, verrichtet er da zwei Tätigkeiten? Denken & Sprechen? Also ist Denken doch wieder nicht recht einer Tätigkeit zu vergleichen. Denn man kann auch nicht sagen, Denken sei: in der Vorstellung zu sich sprechen; dies kann man tun auch, ohne zu denken. Ich kann mir z.B. ein Gedicht in der Vorstellung aufsagen ohne seinen Sinn im mindesten zu verstehen.

   
     Wann sage ich von einem Menschen “Er denkt”? Nun, wenn er denkend spricht, denkend arbeitet, über etwas nachdenkt?
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     Wann sage ich “Ich denke”? (Diese Worte heißen für gewöhnlich so viel wie “Ich glaube.”) Ich sage etwa: “Laß mich in Ruh! ich denke darüber nach.” Ich könnte auch sagen || Auch: “Stör mich nicht! ich kann diese Arbeit nicht mechanisch machen; ich muß dabei denken.” Und das heißt etwa: vergleichen, probieren, wählen, auch zu mir selber sprechen.

   
     Das Denken ist gleichsam ein Zug || Charakterzug einer Tätigkeit.

   
     Es fehlen mir in diesem Gebiet noch besondere, & auch sehr allgemeine Einsichten. Ich muß mich mit speziellen epistemologischen, aber auch mit (allgemein) logischen Problemen befassen.

   
     Man darf nie vergessen, daß “denken” ein Altweiberausdruck ist, wie auch alle anderen psychologischen Termini || Bezeichnungen.
     Es ist von diesem Wort nicht zu erwarten, daß es eine einheitliche Verwendung habe; es ist vielmehr zu erwarten, daß es sie nicht habe.
     (In manchen Teilen Österreichs gebrauchen die Bauern das Wort “klug”
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im Sinn von “sparsam” & sagen dann “Die Butter ist klug”, & das heißt: es ist nicht viel Butter da, sie ist spärlich.)

   
     “Ich ärgere mich darüber,” – Man wäre geneigt zu sagen, der Ärger sei Stimmung der Seele & zwar in dem Sinne, wie man bei einem Instrument von einer Stimmung reden könnte. So, wie das Gesicht des Geärgerten zusammengezogen, seine Stirn gerunzelt ist, so ist es auch seine Seele. Sie gibt nur raue, heisere Laute von sich. Man sagt auch: “Ich bin dadurch verstimmt”. Die Sache, die mich ärgert, wirkt wie ein Gift in mir. Was geschehen ist, hat mir meine Lust vergällt, hat mich mit Bitterkeit erfüllt. Und doch sind das alles nur Metaphern. – Ist nun “Ich ärgere mich über ihn” ein Ausdruck des Ärgers oder ein Bericht über einen Vorgang in meiner Seele? Man kann die Worte offenbar geärgert & auch nicht geärgert sagen. Man kann sie knirschend sagen, & dann sind sie doch gewiß ein Ausdruck des Ärgers. Sage ich aber etwa “Leider ärgere ich mich darüber” so ist es, als spräche man zum Arzt von einer Krankheit, man berichtet ihm
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darüber.

   
     “Ich ärgere mich darüber” kann manchmal wie ein Fluchen sein; manchmal aber auch, wie der Satz “Ich möchte am liebsten fluchen”.

   
     Wenn einer über ein Problem nachdenkt & ich zeige ihm plötzlich eine gewisse Zeichnung, so wird er vielleicht ausrufen “Ach so ist es!”, oder “Jetzt weiß ich's”. Und gefragt, was dabei in ihm vorgegangen ist, wird er in diesem Falle wohl einfach sagen “Ich habe die Zeichnung gesehen”. Ich beschreibe diesen Fall, um einen Vorgang in der Vorstellung durch einen des Sehens zu ersetzen. Wird er nun sagen: “In dem Augenblick, als ich die Zeichnung sah, stand mir die ganze Lösung vor Augen”? Er könnte auch, wenn ich ihm mit der Zeichnung zu Hilfe komme, sagen: “Ja, jetzt ist es leicht!”

   
     “Mir stand die Benützung des Wortes vor der Seele” – wird man das auch dann sagen wenn einem mit dem Wort ein charakteristisches Bild des Gegenstands
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gezeigt wird?
|| wenn einem mit dem Wort ein für seine Bedeutung charakteristisches Bild gezeigt wird? Wenn mir mit dem Wort “weiche” etwa das Bild Eines gezeigt wird, der gegen einer Andern eine verbannende Gebärde macht? || der einen Andern mit verbannender Gebärde von sich weist? || der
3.1.
mit verbannender Gebärde jemand || einen Andern || Einen von sich weist?
[Das Bedeutungserlebnis scheint hier vom Gesehenen übertönt zu werden.]


   
     Kann ich Einem beschreiben wie Menschen für gewöhnlich leben? – Nun, ich kann ihn unter Menschen leben lassen. – Aber vielleicht ist dazu nötig, daß er selbst ein Mensch sei, & unter ihnen aufwächst?

   
     Wenn er ein Mensch ist & in dieser Umgebung, sage ich er denkt, wenn er so & so spricht. Vom Grammophon sage ich's nicht, obwohl es vielleicht weit gescheiter redet.

   
Beim Philosophieren muß man in's alte Chaos hinabsteigen, & sich dort wohlfühlen.

   
     Von einem Wesen, das ausschaut wie ein Mensch, sich aber so & so &
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so benähme, wüßte ich nicht ob ich sagen sollte, es denkt, oder es denke nicht.

   
     Wir sagen: Gras ist grün, Kreide weiß, Kohle schwarz, Blut rot etc. – Wie wäre es in einer Welt, in der dies unmöglich wäre, in der also die übrigen Eigenschaften eines Dinges mit seiner Farbe nicht zusammenhingen? || aus seiner Farbe nicht erschlossen werden könnten? Dies ist, ob richtig, oder falsch gestellt, eine ungeheuer wichtige Frage, & nur ein Exempel unzähliger ähnlicher Fragen.

   
Denk Dir, ich käme in ein Land, wo die Farben der Dinge, wie ich sagen würde, unaufhörlich wechselten, etwa durch eine Eigenheit der Atmosphäre. Die Einwohner sehen nie ruhige Farben. Ihr Gras sieht bald grün, bald rot, etc. aus; u.s.f. Könnten diese Leuten ihren Kindern die Farbwörter beibringen? – Vor allem einmal könnte es sein || könnten wir finden, daß ihrer Sprache die Farbwörter fehlen. Und wenn wir dies fänden, so würden wir's vielleicht dadurch || damit erklären, daß sie für
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dies Sprachspiel || diese || gewisse Sprachspiele wenig, oder keine Verwendung hätten.

   
     Daß Menschen, denen es, aus irgendwelchen Gründen, unmöglich ist ein Schachbrett & Figuren herzustellen, – daß sie das Schachspiel nicht kennen, würde uns nicht wundern.

   
     Wie könnten denn Leute, in einem Land in, welchem || dem alles nur eine Farbe hätte, den Gebrauch der Farbworte lernen?
     Kann ich aber nun sagen: “Nur weil in unsrer Umgebung Dinge verschiedener Farbe existieren & weil … können wir Farbnamen gebrauchen”?? Es wird hier zwischen logischer & physischer Möglichkeit kein || der Unterschied nicht gesehen. – Nicht das interessiert uns, || : unter welchen Umständen das Sprachspiel mit den Farbnamen physisch nicht möglich – also eigentlich, nicht wahrscheinlich ist.
ƪ

   
     Ohne Schachfiguren kann man nicht Schach spielen – das ist die Unmöglichkeit, die uns interessiert.

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     Wo es keine Pferde, oder sonst lastbare Tiere gibt, dort können die Menschen nicht reiten. (Logisch.) – Aber auch: Wo Pferde, & derartige Tiere, sich nur schwer züchten lassen, & wo das Reiten aus den & den & den Gründen schwer möglich, oder nicht praktisch || nützlich ist, dort ist es prima facie unwahrscheinlich, daß Menschen die Kunst des Reitens erfinden werden.

   
     Man lernt das Wort Denken, d.i. seinen Gebrauch, unter gewissen Umständen, die man aber nicht beschreiben lernt.

   
     Man lernt es etwa nur vom Menschen sagen, es von ihm behaupten, oder leugnen. Die Frage “Denkt ein Fisch?” erhebt sich gar nicht. || tritt gar nicht im sein Leben ein. || existiert unter seinen Sprachanwendungen nicht, wird nie gestellt. (Was kann natürlicher sein als so ein Zustand; als so eine Sprachverwendung!)

   
     “An diesen Fall hat niemand gedacht” kann man sagen. Ich kann zwar nicht die Umstände || Bedingungen aufzählen unter denen das Wort “denken” zu gebrauchen ist, – aber, wenn ein Umstand
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den Gebrauch zweifelhaft macht, so kann ich's sagen, & auch, wie die Lage von der gewöhnlichen abweicht.

   
     Und hier müßte man etwas über mein Sprachspiel № 2 sagen. – Unter welchen Umständen würde man die Laute des Bauenden, etc., wirklich eine Sprache nennen? Unter allen? Gewiß nicht! – War es nun falsch, ein Sprachrudiment zu isolieren & es Sprache zu nennen? Soll man etwa sagen, daß dies Rudiment nur in der Umgebung des Ganzen, was wir unsre Sprache zu nennen gewohnt sind, ein Sprachspiel ist??

   
     Nun vor allem ist die Umgebung nicht die geistige Begleitung des Sprechens (das ‘Meinen’ & ‘Verstehen’) das man sich als der Sprache wesentlich vorzustellen geneigt ist.

   
     Man hat natürlich ein Recht, das Sprachspiel № 2 als eine degenerierte Sprache zu erklären, aber das sind ja auch die Sprachspiele mit denen die Kinder zu sprechen anfangen.

   
     Gefährlich wäre es mir nur, wenn
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einer sagte: “Du setzt eben stillschweigend schon voraus, daß diese Menschen denken; daß sie in dieser Beziehung den uns bekannten Menschen gleichen; daß sie jenes Sprachspiel nicht rein mechanisch betreiben. Denn stelltest Du Dir vor, sie täten's, so würdest Du's selbst nicht ein Sprechen nennen.”
     Was soll ich nun dem antworten? Es ist natürlich wahr, daß das Leben jener Menschen dem unsern in vieler Beziehung gleichen muß, & daß ich über diese Ähnlichkeiten nichts gesagt habe. || & daß ich diese Ähnlichkeiten nicht weiter erwähnt habe. Das wichtige aber ist eben daß ich mir ihre Sprache, wie auch ihr Denken rudimentär vorstellen kann; daß es ein ‘primitives Denken’ gibt, das || welches durch ein primitives Verhalten zu beschreiben ist.

   
     Ich sage von jemandem, || : er vergleicht zwei Gegenstände. Ich weiß, wie das ausschaut, wie man das macht. Ich kann es Einem vorführen. Aber was ich so vorführe, würde ich dennoch nicht unter allen Umständen “vergleichen” nennen. || ein ‘Vergleichen’ nennen.
     Ich kann mir nun etwa Fälle vorstellen,
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in welchen ich nicht geneigt sein würde zu sagen, daß verglichen wird; aber die Umstände unter welchen dies ein Vergleichen ist, beschreiben: das könnte ich nicht. – Aber ich kann einen Menschen den Gebrauch des Wortes lehren! denn dazu ist ein Beschreiben jener Umstände nicht nötig.

   
     Ebenso kann ich Einem zeigen, was “Schach spielen” heißt, ich kann ihn also den Gebrauch dieses Ausdrucks lehren. Aber ich würde auch die Züge einer Schachpartie auf dem Schachbrett kein Spiel nennen wollen, wenn nicht Menschen die Steine bewegten, & es gibt noch mancherlei Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit ich's ein Spiel nennen würde, || ; & wären sie nicht erfühlt, so könnte ich dies || das erkennen & sagen was fehlt. || sein müssen; & die mir auffielen, wenn sie nicht erfüllt wären.

   
     Ich lehre ihn eben das Wort unter bestimmten Umständen. || Den Gebrauch des Worts lernt er eben unter bestimmten Umständen.
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     Manchmal ist es wirklich, als ob ein Denken neben dem Reden, Lesen z.B., einherliefe. Nicht aber, daß man's dann von den Sätzen || von dem Lesen isolieren könnte || ablösen könnte. Vielmehr ist, was die Worte begleitet, wie eine Reihe kleiner Nebenbewegungen. Es ist als werde man eine Straße entlanggeführt, würfe aber Blicke rechts & links in alle Nebengäßchen.

   
     Das stumme Beten: oft nur eine Reihe von Andeutungen von Gedanken. Gleichsam nur Winke.
     Denk Dir ich zeigte jemand eine Liste von den Gängen, Besorgungen, die er für mich zu machen hat. Wir kennen uns gut & er braucht nur Andeutungen um zu wissen was er für mich zu tun hat. Die Liste enthält nun lauter solche Andeutungen. Er liest sie durch & sagt nach jeder solchen Andeutung immer “Ich versteh”. Und er versteht; er könnte jeden dieser Punkte erklären, wenn er gefragt würde.
     Ich könnte ihn dann auch fragen, wenn er zu Ende
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gelesen hat:
“Hast Du alles verstanden?” Ich könnte auch || Oder sagen: “Geh die Liste genau durch & sieh ob Du alles verstehst? || .” Oder ich frage ihn bei einem bestimmten Punkt “Weißt Du, was Du hier zu machen hast?” – Was aber hat || hatte er zu tun || mußte er tun, um sich davon zu überzeugen, daß er die || diese Andeutungen verstanden hat? Ist es hier als müßte er bei jedem Punkt eine Kopfrechnung machen? Beinahe scheint es so. Wäre das nötig so könnte er später von der Rechnung laut Rechenschaft geben & man sähe || man würde sehen ob er richtig gerechnet hat. – Aber das ist hier im allgemeinen nicht nötig. Wir schreiben also nicht vor, was der Andre beim verständnisvollen Durchgehen der Liste zu tun hat, & ob er wirklich verstanden hat, ersehen wir nur aus dem, was er später tut, oder aus der Erklärung die wir ihn uns etwa geben lassen.

   
     Wir könnten nun sagen, || : Wer sich so prüft, ob er verstanden habe, geht immer ein Stück Weges der Straße nach, die er später gehen soll. Und das könnte ja so sein. Obwohl kein Grund ist anzunehmen,
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daß es so sein muß || ist. Denn wenn er doch nur ein Stück des Weges geht; warum soll er dann nicht ohne zu gehen wissen || erkennen können, daß er weiß, welchen Weg er zu gehen hat? Damit ist aber nicht gesagt, daß nicht wirklich die Wege ein Stück begangen werden. Aber es kommt auch vor, daß, was uns später wie ein Keim des Gedankens oder der Tat erscheint || wir später als den Keim des Gedankens oder der Tat ansehen, dies, seiner Natur nach, nicht ist.

   
     Es könnte z.B. sein, daß auf der Liste ein Name angedeutet ist. Auf die Frage “Weißt Du wen ich meine?” sage ich “Ja”, wobei mir das Bild eines Andern vorschwebt. || das Bild eines Menschen vorschwebt, der nicht gemeint war; & doch hatte ich richtig verstanden; & es kommt mir etwa beim Nachdenken über diesen Fall so vor, als hätte jenes Vorstellungsbild doch irgendeine, wenn auch nicht die direkte Beziehung zu dem wirklich gemeinten. – Ähnlich ist es ja, wenn man auf eine Frage den richtigen Namen zur Antwort geben kann, sich aber verspricht & einen falschen sagt.

   
     Wer nun die Liste gewissenhaft
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durchgeht, von dem wird man sagen er habe beim Lesen gedacht. – Und was mußte er nun tun um dabei zu denken? Und wie konnte er's lernen, oder wissen, was wir von ihm verlangen, & wie können wir wissen, ob er's tut? Und wie weiß ich, was der Andre in so einem Fall von mir verlangt? || , & daß ich jetzt seinen Befehl auf die gleiche Weise befolge, wie damals, als ich dies lernte?

   
     Und frage ich denn Einen der die Liste durchgehen soll: “Was hast Du Dir bei diesem Punkt innerlich gesagt?” – oder. “Was || , “was hat Dir vorgeschwebt?” –

   
     Und wenn nun Einer sagte: Das heißt eben nur, daß “Denken” das heißt, was einen bestimmten Enderfolg hat, einen bestimmten Zweck erfüllt. Wie Jeder es macht, & ob heute so, wie das vorige Mal, ist gleichgültig. – So könnte ich antworten: Wenn es aber zweckmäßig sein sollte gar nichts zu tun, dann wäre also hier das Denken: gar nichts tun. || So könnte ich antworten: Und wenn es zum richtigen Enderfolg führt gar nichts zu tun, so bestünde also hier das Denken darin daß Einer
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nichts tut. || : Und wenn also nichts zu tun den richtigen, wie es ja wohl sein mag, so besteht das Denken darin, daß man nichts tut.


   
     Man sagt: Überzeug Dich, daß Du jeden Punkt verstehst!”
     Wenn man mich || ich nun fragte: “Wie soll ich mich überzeugen?” Welchen Rat würde man mir geben? Man würde mir sagen: “Frag Dich, ob …”

   
      Ist es hier nicht wie beim Kunstrechnen? – Er hat richtig gerechnet, wenn das Richtige herauskam. Was in ihm vorging kann er vielleicht selbst nicht sagen. Und hörten wir's so erschiene es vielleicht wie ein seltsames Zerrbild einer Rechnung.

   
     Wir sagen dann von dem, er habe in einem Keim gedacht, dessen Keim sich zum Richtigen auswächst.

   
4.1.8
     Man sagt auch: “Denk! Hast Du wirklich alles verstanden?”

   
     “Geh in das Geschäft … Weißt Du welches ich meine?” – Wenn ich nun antworte “Ich weiß”, so scheint mir's, als habe ich mich
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geprüft, & gefunden, daß ich es wisse. Man wird sich das etwa so denken, daß mir dabei das Bild des Geschäfts vorgeschwebt habe, oder ich mir im Innern etwas darüber gesagt habe; etwa: es ist dasjenige in der & der Straße. Das wäre, als hätte ich mich gefragt “Weiß ich auch, wie das Geschäft ausschaut?” oder “Weiß ich, in welcher Straße es ist?” & auf diese Fragen geantwortet. Statt mir's vorzustellen hätte ich's dann zeichnen können & die Straße konnte ich laut sagen || nennen. Man wird hier freilich noch bemerken, daß das bloße Zeichnen eines Geschäfts, oder das Nennen einer Straße kein Beweis des Wissens wäre; es käme doch drauf an ob die Zeichnung & Beschreibung die richtigen wären. – Aber nicht einmal ein solches Zeichnen & Beschreiben, oder was ihm analog wäre, geht zumeist vor sich. – Ich sage vielleicht, es habe mir das Geschäft in höchst verschwommener Weise vorgeschwebt, || es habe mir irgendeine Andeutung des Gesichtsbildes || eines Bildes des Geschäfts vorgeschwebt, || in der leisesten Andeutung vorgeschwebt, || Ich sage vielleicht: die leiseste Andeutung eines Bildes der Lokalität habe mir vorgeschwebt. aber es wäre z.B. ganz unmöglich
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ein Bild anzufertigen || zu zeichnen oder zu malen, das ich das Bild dieser Vorstellung nennen könnte. Ja, wenn ich fassen möchte, worin die Andeutung bestand, die mir zeigte, ich wisse, welches Geschäft gemeint sei, so kann ich's nicht tun. Ich weiß zwar wirklich, welches gemeint ist; ich kann, werde, auch nötigenfalls eine Beschreibung davon geben, – aber wie jene Vorstellung dies verbürgen konnte, verstehe ich nicht.

   
     Wäre es nun möglich, daß – wie von Manchem behauptet wurde || wird – ich in Wirklichkeit gar kein Bild vor mir sehe; daß dies nun eine Art Einbildung ist, hervorgerufen vielleicht durch unsre || die gebräuchliche Ausdrucksweise? – Aber was ist hier der Unterschied zwischen Einbildung & Wirklichkeit? Vielleicht sagt man: “Wenn wir uns wirklich prüfen, ob wir ein visuelles Vorstellungsbild haben, so müssen wir gestehen, daß keins da ist” – nun, Mancher mag das sagen, & Mancher nicht. – Wichtig scheint nur, daß wir geneigt sind, zu sagen, wir haben uns überzeugt, wir wüßten, || wie das & das aussieht, etc., || –, & daß wir die Art & Weise dieses Überzeugens nicht angeben können.

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     Soll ich nun sagen: “Wir pausieren || halten inne – & es geschieht hier || da irgend etwas, was uns überzeugt”? Nein. Es geschieht nichts, || geschieht nicht etwas, was uns überzeugt; aber wir sind dann überzeugt, & geneigt zu sagen, etwas habe uns überzeugt.

   
     Ich frage ein Kind “Wieviel ist … + …?” Es will antworten; ich || . Ich sage: “Denk nach!” – Nun sagt es eine Rechnung vor sich hin, & dann laut das Resultat. Ich werde hier sagen, || : es hat nachgedacht.
     Natürlich hätte es auch eine ganz falsche Rechnung, oder etwas Rechnungsähnliches, vor sich hinplappern können, & wir hätten dann nicht gesagt, es habe gedacht.

   
     Man sagt in so einem Fall manchmal, es || , der Mensch habe ‘laut gedacht’.

   
     Wenn Einer sagt “Man kann auch wortlos denken”, so ist das irreleitend. Es handelt sich hier nicht darum das man im Stande ist etwas bestimmtes zu tun, ohne dabei etwas || das & das andere zu tun; wie man z.B. sagen kann || z.B.: “Man kann auch lesen, ohne die Lippen zu bewegen”.

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     Wenn es z.B. nur ganz wenige Menschen gäbe, die die Antwort auf eine Rechenaufgabe finden könnten ohne zu sprechen, oder zu schreiben, könnte man diese nicht zum Zeugnis dafür anführen, daß man auch ohne Zeichen rechnen könne. Weil es nämlich nicht klar wäre, daß diese Leute überhaupt ‘rechnen’. Ebenso kann auch das Zeugnis des Ballard (bei James) einen nicht davon überzeugen, daß man denken könne ohne Sprache.
     Ja, warum soll man, wo keine Sprache gebraucht wird, von ‘denken’ reden? Tut man's, so zeigt das eben etwas über den Begriff das Denkens.

   
     Man könnte z.B. zwei (oder mehr als zwei) verschiedene Wörter besitzen: eines für's ‘laute Denken’, eines für's denkende Sprechen in der Vorstellung, eines für's Innehalten, wobei irgend etwas uns vorschwebt (oder auch nichts), woraufhin wir aber die Antwort mit Sicherheit geben können.
     Wir könnten zwei Wörter haben: eines für den Gedanken, der im Satz ausgedrückt ist; eines für den Gedankenblitz, den ich etwa erst später ‘in Worte kleiden’ kann.

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     Wenn man an's denkende Arbeiten ohne alles Sprechen denkt, so || auch das denkende Arbeiten noch in unsre Betrachtung einbezieht, so erkennt man, daß unser Begriff ‘denken’ eben eine Menge in sich begreift. || ein weitverzweigter Begriff ist. Daß ihm sozusagen ein weitverzweigtes Verkehrsnetz entspricht. || Wenn man auch das denkende Arbeiten, ohne alles Reden, in unsre Betrachtung einbezieht, so sieht man, daß unser Begriff ‘denken’ ein weitverzweigter ist. Wie ein weitverzweigtes Verkehrsnetz, das viele entlegene Orte mit einander verbindet.

   
     In allen diesen Fällen reden wir von einem ‘Denken’.
     In allen diesen weit entlegenen Fällen reden wir von einem ‘Denken’.

   
     In allen diesen Fällen sagen wir, der Geist sei nicht untätig, es gehe etwas in ihm vor; & unterscheiden sie dadurch von einem Zustand der Dumpfheit, des mechanischen Tuns.

   
      ∣ Genie ist das Talent, worin der Charakter sich ausspricht. Darum, möchte ich sagen, hatte Kraus Talent, ein außerordentliches Talent, aber nicht Genie. Es gibt freilich Genieblitze, bei denen man dann, trotz des großen Talenteinsatzes,
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das Talent nicht merkt. Beispiel: “Denn tun können auch die Ochsen & die Esel … …”. Es ist merkwürdig, daß das z.B. so viel größer ist, als irgendetwas, was Kraus je geschrieben hat. Es ist hier eben nicht ein Verstandesskelett, sondern ein ganzer Mensch.
     Das ist auch der Grund, warum die Größe dessen, was Einer schreibt, von allem Übrigen abhängt, was er schreibt & tut. ∣

   
     Wenn ich mich vorsichtig an Einen heranschleiche, um ihn umzubringen, wird man nicht leugnen wollen, ich denke an ihn. Wenn aber die Katze sich an einen Vogel heranschleicht, wird man zwar sagen, sie merke auf den Vogel auf, aber nicht, sie denke. || sie habe ihre Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet, aber nicht, sie denke.

   
     ‘Denken’, ein weitverzweigter Begriff. Könnte man dasselbe nicht auch vom ‘glauben’, ‘tun’, ‘sich freuen’ sagen?
     Und wo gehört die Bemerkung eigentlich hin, dieser Begriff sei weitverzweigt? – Nun, man wird sie dem sagen, der darangeht, sich die Verzweigungen dieses Begriffs zu überlegen.

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     Es ist doch sehr merkwürdig, daß man keinerlei Schwierigkeit hat in einer Figur wie
ein Gesicht zu sehen, obwohl doch die Unähnlichkeit des einen Winkels mit einer Nase, des andern mit einer Stirn, etc. unglaublich groß ist, oder eine Ähnlichkeit kaum noch vorhanden. Man hat – wie gesagt – keinerlei Schwierigkeit hier || in diesen Strichen ein menschliches Gesicht zu sehen; man möchte sagen || möchte geradezu sagen, || : “so ein Gesicht gibt es”. Oder auch: “es ist dies zwar die Karikatur eines menschlichen Gesichts, aber eben eines bestimmten wirklich || in der Wirklichkeit möglichen (Gesichts). – Ganz so, wie man keine Schwierigkeit hat im Grau & Weiß der Photographie das menschliche Gesicht zu sehen. – Und was heißt das? Nun, wir betrachten z.B. einen Film & folgen allen Vorgängen mit Anteilnahme; als hätten wir wirkliche Menschen vor uns.

   
Gott bewahre mich vorm Wahnsinn!

   
‘Denken’, ein weitverzweigter Begriff, der viele Lebensäußerungen in sich begreift || verbindet. Die Denkphänomene
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liegen weit auseinander.

   
     Und willst Du nicht sagen, Du sähest doch ein Gesicht in allen diesen Wortverwendungen, einen echten Begriff? || einen einheitlichen, echten Begriff? – Aber was will das sagen? Kann nicht Gewohnheit all das zusammenschweißen?

   
      ∣ Im Traum, & auch lange nach dem Erwachen, können uns Traumworte die höchste Bedeutung zu haben scheinen. Ist nicht die gleiche Illusion auch im Wachen möglich? Es kommt mir so vor, als unterläge ich ihr jetzt manchmal. Bei Verrückten scheint es oft so. ∣

   
     Wer mir etwa irgend einen Vorfall erzählt, oder eine gewöhnliche Frage an mich richtet (wie viel Uhr es ist, z.B.), den werde ich nicht fragen, ob er gedacht habe. Oder so: Es wäre nicht ohne weiteres klar, unter welchen Umständen man gesagt hätte, er hätte dies ohne zu denken getan – obwohl sich solche Umstände ausdenken lassen. (Hier ist eine Verwandtschaft mit dem Problem || der Frage, || : was eine “willkürliche” Handlung
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(zu nennen) sei.)

   
     Man kann sagen: Wenn der normale Mensch so etwas erzählt, fragt, etc., so sagen wir, er vollführe einen Denkakt. – “Aber ist das nicht eben, weil hinter seinen Worten die Lebensflammen stehen || glühen? (Gleichsam wie hinter der Wand eines Ofens.)” || … weil hinter seinen Worten das warme Leben glüht?
     Aber kommt es mir so vor, wenn ich selbst so berichte, oder frage, || ich meine: während ich's tue; nicht, wenn ich später darüber philosophiere. Und was weiß ich vom Andern? Frage ich ihm, ob er wirklich bei jenen Worten gleichsam vom Leben durchglüht war? Ja kann ich's denn überhaupt von den Leuten sagen, die tagtäglich zu mir reden? oder nehm ich's als gewiß an?

   
     Aber unterscheidet sich nicht jeder Mensch, den Du etwa auf der Straße siehst, ganz & gar von einer Maschine. Was er tut, ganz & gar von etwas Maschinellem || Maschinenhaften? Ganz gewiß. Ich würde nie einen Menschen für eine Puppe halten. Würde etwa die Bewegungen des Mechanismus sofort als solche erkennen. What of it? Was weiter?
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     Ich kann auch die typische Beweglichkeit des menschlichen Gesichts nicht mit geometrischen oder kinetischen Begriffen beschreiben. (Obwohl der es vielleicht könnte, der einen Zeichenfilm herstellen kann.)

   
     Wenn gefragt würde, ob ein bestimmter Mensch, etwa einer der geistesgestört ist, oder war, jetzt wieder denkt, so könnte man antworten: “Ja; man sieht es, wenn er arbeitet”, oder auch “Ja, er spricht wieder normal”.

   
     Der denkende Gesichtsausdruck, der Gesichtsausdruck des Idioten. Das Stirnrunzeln des Nachdenkens, der Aufmerksamkeit.

   
     Das Denken – möchte man sagen – ist das, welches mich zum normalen menschlichen Reden & Tun || Arbeiten befähigt. Und dabei stellt man sich gleichsam ein gasförmiges || ätherisches Sprechen oder Räsonieren vor, was diese Tätigkeiten begleitet.
ƪ

   
     Die Fähigkeit des Denkens sei eine geistige
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Beweglichkeit. Und das ist sie ja. Ist denn die Fähigkeit die Sprache zu gebrauchen keine || nicht geistige Beweglichkeit?

   
     Was ich hier schreibe, mag ‘soft’ || nur schwächlich || schwächliches Zeug sein; nun, dann bin ich nicht im Stande, das große, Wichtige, herauszubringen. Aber es liegen in diesen schwächlichen Bemerkungen große Ausblicke verborgen.

   
5.1.
     Nun denke Dir einen Menschen, oder einen von Köhlers Affen, der eine Banane herunterholen || von der Decke holen will, sie nicht erreichen kann, auf Mittel & Wege sinnt, & endlich zwei Stöcke auseinandersetzt, etc. Denk man fragte “Was muß dazu in ihm vorgehen?” – Die Frage scheint irgendeinen Sinn zu haben. Und es könnte vielleicht Einer antworten, der Affe, wenn er nicht durch (bloßen) Zufall, oder aus einem Instinkt heraus handelte, müsse den ganzen Vorgang vor dem geistigen Aug gesehen haben. Aber das wäre nicht genug, & auch || anderseits wieder zuviel. Ich will, der Affe solle sich etwas überlegen.
     Zuerst springt & läuft er vergebens nach der Banane, dann gibt er's auf & ist etwa niedergeschlagen
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– aber diese Phase kann wegbleiben. Wie kann er nun innerlich dazu kommen überhaupt einen Stock zu ergreifen? Es könnte ihm ja ein Bild gezeigt werden, das einen Affen darstellt, der mit einem Stock etwas herunterholt || so etwas, & er könnte daraufhin so handeln; oder so ein Bild könnte ihm einfach vorschweben. Aber, das wäre doch wieder Zufall. Er hätte dies Bild nicht durch Nachdenken gewonnen. Und hilft es uns, wenn wir sagen, er müsse || brauche nur seinen Arm & den Stock irgendwie als eines || eine Einheit gesehen haben? – Aber nehmen wir doch einmal einen günstigen Zufall an! Die Frage ist dann: Wie kann er aus dem Zufall lernen. Vielleicht hatte er also den Stock zufällig in der Hand & berührte mit ihm zufällig die Banane. – Und was muß nun weiter in ihm vorgehen? Er sagt sich, gleichsam, “So geht's!” & tut es nun mit den Zeichen der Absichtlichkeit. || Absicht. || mit den Zeichen des vollen Bewußtseins Wie kann er nun drauf kommen zwei Stöcke aneinander zu setzen? Denk es käme ihm wieder ein Zufall zu Hilfe. So zwar, daß er irgendwie || irgendeinmal zwei Stücke aneinander
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setzt & mit ihnen nun als längeren Stab spielt; & daß er nun einmal, sozusagen den Vergleich zieht zwischen diesem Spiel & der Situation beim Herunterlangen der Banane, & nun entsprechend zu Werke geht. –
Hat er etwa spielend eine Kombination gemacht & verwendet sie nun als Methode das & jenes zu tun, so werden wir sagen, er denkt. || er denke. – Beim Überlegen könnte || würde er Mittel & Wege an seinem geistigen Auge vorbeiziehen lassen. Aber dazu muß er schon welche im Vorrat haben. Das Denken gibt ihm die Möglichkeit zur Vervollkommnung seiner Methoden. Oder vielmehr: Er ‘denkt’, wenn er in bestimmter Art & Weise seine Methoden vervollkommnet.

   
     Man könnte auch sagen: er denkt, wenn er in bestimmter Weise lernt!

   
     Und auch dies könnte man sagen: Wer bei der Arbeit denkt, der wird Hilfstätigkeiten in sie einschalten. Das Wort “denken” nun bezeichnet nicht diese Hilfstätigkeiten, wie Denken ja auch nicht Reden ist. Obwohl
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der Begriff ‘denken’ nach Art einer imaginären Hilfstätigkeit gebildet ist. (Sowie man sagen könnte, der Begriff des Differentialquotienten sei nach Art eines imaginären Quotienten gebildet.)

   
     Diese Hilfstätigkeiten sind nicht das Denken; aber man stellt sich das Denken vor als das || dasjenige, was unter der Oberfläche dieser Hilfsmittel laufen || fließen || strömen muß || als den Strom der unter der Oberfläche dieser Hilfsmittel fließen muß, wenn sie nicht doch nur mechanisches Tun || mechanische Handlungen sein sollen.

   
     Denken ist die imaginäre Hilfstätigkeit; der unsichtbare Strom der alle diese Arten des Handelns trägt & verbindet. – Die Grammatik von “denken” aber läuft der von “sprechen” parallel. || aber gleicht sich der von “sprechen” an.

   
     Man könnte also zwei Schimpansen mit Bezug auf ihre Arbeitsweise || Arbeitsweisen unterscheiden & von einem sagen, er denkt, vom andern, er denke nicht.

   
     Aber hier hätten wir freilich nicht
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die volle Verwendung von “denken”. Das Wort bezöge sich auf ein Benehmen. Die Bedeutung der geistigen || seelischen Tätigkeit erhält es erst durch den besondern Gebrauch || die besondere Verwendung in der ersten Person.

   
     Es ist, glaube ich, wichtig zu bemerken, daß das Wort eine erste Person der Gegenwart (in der Bedeutung auf die es uns ankommt) nicht hat. Oder soll ich sagen: daß seine Verwendung in der Gegenwart nicht mit der z.B. des Verbums “Schmerz fühlen” parallel läuft?

   
      “Ich dachte …” kann man sagen, wenn man den betreffenden Ausdruck des Gedankens wirklich gebraucht hat; aber auch wenn diese Worte gleichsam die Entwicklung aus einem Denkkeim sind.

   
     Nun gibt es aber doch denkendes Reden & gedankenloses, ja gänzlich gedankenloses. – Hier muß man wieder fragen: Was
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ist der Nutzen des ‘Denkens’ beim Reden, warum interessiert uns, || : ob Einer dabei denkt? || , oder nicht?

   
     Nicht nach der Begleitung des Wortes ist zu suchen, sondern nach dem Gebrauch.

   
     Und es ist ungemein schwierig, dies einzusehen. Warum?

   
     Es gibt eben Denkgewöhnungen.

   
     Wie lernt ein Kind den Ausdruck “gedankenlos sprechen”?

   
     Nun, es gibt verschiedene Fälle. Es kann einer einen Satzaussprechen, den er wohl versteht, || , den er wohl versteht, aussprechen, aber als Sprachübung, & er gibt nur auf die Aussprache acht.
     Ja er kann ihr sagen & an etwas ganz anderes denken.

   
     Wenn er nun den Satz einmal beim Sprechen denkt, ein andermal ihn als bloße Sprachübung spricht || sagt, – begleiten das Sprechen da verschiedene || andere Vorgänge? Der Satz hat etwa ein halbes Dutzend
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Wörter. Wenn verschiedene Vorgänge ihn begleiten, – sind sie z.B. für ein jedes Wort verschieden? Oder geht || zieht ein verschiedener Grundton durch den ganzen Satz? Und müssen diese || jene Vorgänge unbedingt während des Aussprechens statthaben, oder können sie dem Satz folgen, oder vorangehen? Eine allgemeingültige klare Antwort scheint es nicht zu geben.

   
     Aber auf die Aussprache achtgeben ist doch gewiß ein bestimmter Seelenzustand oder Vorgang! – Was weiß ich von seiner Bestimmtheit? Ich kann etwa sagen: “Ich werde jetzt acht geben” & jede Störung fernhalten || halte jede Störung fern. Dann sag ich “Ich hab's genau gehört; es klang so: …”

   
     Der Zusammenhang, im welchem ich auf die Aussprache achte, oder aber den Sinn der Worte meine, auf diesen scheint es hauptsächlich anzukommen.

   
     Ich kann einen Satz als Sprachübung aussprechen & dabei auf seinen Sinn gar nicht achten, ich kann ihn zitieren & es kommt mir dabei nun auf den exakten Wortlaut an, oder ich lese
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ihn in einer Novelle, oder ich sage ihn Einem als Behauptung im Gespräch. Hat er jedesmal eine andere Denkbegleitung?

   
     Wenn der Satz “Sie hatte die schwarzen Augen der Blidders” eine Novelle anfängt, ist seine Denkbegleitung eine andere als sie wäre, wenn man von ‘ihr’ schon etwas wüßte?

   
     Denk Dir, jemand hätte in normaler Weise irgendein Gespräch mit uns geführt, & dann versichert er uns, er habe ganz mechanisch, oder ganz ohne zu denken, gesprochen? (Es wäre sehr ähnlich, wie wenn er uns nach einem gewöhnlichen Spaziergang versicherte er habe alle seine Bewegungen unwillkürlich gemacht.)
     Unter diesen Umständen reden wir eben nicht von mechanischem, oder ganz gedankenlosem Reden.

   
     Nur unter ganz bestimmten || speziellen Umständen tritt die Frage auf || hat die Frage einen Sinn, ob denkend geredet wurde, oder nicht.

   
     Die Verwendung so eines Wortes wie “denkend” ist eben viel erratischer, als
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es zuerst den Anschein hat. || als man geneigt wäre, zu glauben.

     Man kann das auch so sagen: der Ausdruck dient einem viel spezielleren Zweck, als seine Form es vermuten läßt. || als man's seiner Form ansieht. Denn diese ist eine einfache, regelmäßige Bildung: Wenn das Denken oft, oder zumeist, mit dem Reden zusammengeht, so ist natürlich die Möglichkeit vorhanden, daß es einmal nicht mit ihm läuft || geht. || , daß es einmal nicht die Begleitung bildet.

   
      Ich lerne eine fremde Sprache & lese die Satzbeispiele in einem Übungsbuch. “Meine Tante hat einen schönen Garten.” Er hat ein Übungsbuch Aroma. Ich lese ihn & frage mich “Wie heißt ‘schön’ auf …?” dann denke ich an den Fall. – Nun, wenn ich jemandem mitteile, meine Tante habe … , so denke ich an diese Dinge nicht. Der Zusammenhang, in dem der Satz stand war ein andrer. || ein ganz anderer. – Aber konnte ich nicht jenen Satz im Übungsbuch lesen & bei ihm trotzdem an den
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Garten meiner Tante denken? Gewiß. Und soll ich nun sagen die Denkbegleitung ist jedesmal eine andere, jenachdem ich den Satz einmal als reine Übung sehe, einmal als Übung mit dem Gedanken an jenen Garten, einmal wenn ich ihn jemandem einfach als Mitteilung sage? – Und ist es unmöglich, daß mir Einer mitten im Gespräch diese Mitteilung macht & dabei in ihm ganz das gleiche stattfindet, wie wenn er den Satz als Sprachübung behandelt? Kommt es mir denn darauf an, was in ihm geschieht? Erfahre ich's denn?

   
     Und wie kann ich denn überhaupt mit irgendwelcher Sicherheit darüber schreiben? Denn, während ich dies tue, lerne ich ja keine Sprache & mache niemand jene Mitteilung. Wie kann ich dann also wissen was in so einem Falle in jemand vorgeht? Erinnere ich mich denn jetzt an das was in diesen Fällen in mir vorging? Nichts dergleichen. Ich glaube nur, mich jetzt in diese Lagen hineindenken zu können. Aber da mag ich doch ganz & gar irregehen.
     Und dies ist ja die Methode, die
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man im solchen Fällen immer anwendet! Was man dabei an sich erfährt ist charakteristisch nur für die Situation des Philosophierens.

   
     Was weiß ich von den inneren Vorgängen Eines, der mit Aufmerksamkeit einen Satz liest? Und kann er mir sie beschreiben, nachdem er's getan hat & ist was er etwa beschreibt eben der charakteristische Vorgang der Aufmerksamkeit?

   
     Welche Wirkung will ich denn erzielen, wenn ich jemand sage,Lies aufmerksam!”? Etwa daß ihm das & jenes auffällt, er davon berichten kann. – Wieder könnte man, glaube ich, sagen, daß wer einen Satz mit großer Aufmerksamkeit liest, dann von Vorgängen in seinem Geist, Vorstellungen etwa, im allgemeinen wird berichten können. Aber das heißt nun nicht daß diese Vorgänge die Aufmerksamkeit ausmachten.

   
     Was tue ich mit einer Mitteilung, er habe beim Lesen des Satzes an etwas ganz anderes gedacht? Welche Schlüsse, die mich interessieren, kann ich aus dieser ||
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so einer
Mitteilung ziehen? Nun, etwa, daß ihn jene Sache beschäftigt; daß ich nicht zu erwarten habe, er wisse wovon das Gelesene gehandelt hat; daß ihm das Gelesene keinen Eindruck irgendwelcher Art gemacht hat; u. dergl.

   
     Darum hat || hätte es ja auch keinen Sinn wenn jemand, der mit mir ein angeregtes Gespräch hatte mir danach versicherte, er habe ganz ohne zu denken gesprochen || geredet. Und zwar nicht, weil es aller Erfahrung widerspricht, daß Einer der so reden kann, es ohne die Begleitvorgänge des Denkens tue. Sondern, weil es sich hier zeigt, daß uns die Begleitvorgänge überhaupt nicht interessieren & nicht das Denken ausmachen. Wir kümmern uns den Teufel um seine Begleitvorgänge wenn er ein Gespräch mit uns hätte. || führt. || wenn er mit uns ein Gespräch in normaler Weise führt.

   
     “Es zuckte mir durch den Sinn: …” Nun, diesen Ausdruck lernt der Mensch gebrauchen. Fast nie frägt man Einen “Wie zuckte es Dir durch den Sinn? Hast Du etwas || gewisse Worte gesagt, hast Du etwas in der Vorstellung vor Dir
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gesehen; kannst Du überhaupt sagen, was in Dir vorging?”

   
     Wenn man erkennen will wie Verschiedenes “Gedanke” heißt, braucht man ja nur einen rein mathematischen Gedanken || einen Gedanken der reinen Mathematik mit einem nicht-mathematischen vergleichen. Denk nur was alles “Satz” heißt!

   
     Auf die Versicherung des Denkenden, es sei gewiß beim || im Denken etwas während des Sprechens vorgegangen, ist natürlich nichts zu geben. || Auf die Versicherung dessen, der denkend gesprochen hat || des Denkenden, es habe gewiß das Denken in einem Vorgang während des Sprechens bestanden, ist natürlich nichts zu geben. || … es habe gewiß das Denken als Vorgang während des Sprechens stattgefunden, ist natürlich nichts zu geben. || … es habe gewiß der Vorgang des Denkens während des Sprechens stattgefunden, ist natürlich nichts zu geben.

   
6.1.
     Wie lernt ein Mensch den Gebrauch von “Ich dachte …”, dort wo es nicht heißt “Ich glaubte …”. Wie lernt er einen Wortausdruck gebrauchen
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mit Bezug auf einen plötzlichen Einfall?
     Nun es gibt Zeichen der plötzlichen Erkenntnis & diesem folgt ein Gedankenausdruck; & wir sagen dem Kind bei so einen Anlaß etwa “Wie Du zusammengezuckt bist hast Du plötzlich gedacht …”
     Das heißt: die Reaktion muß eben zuerst spontan kommen & dann können wir den Andern den gebräuchlichen Ausdruck lehren. Es ist hier natürlich nicht anders als wie im Falle, wenn der Mensch den Ausdruck “Ich habe geträumt” lernt.

   
     Ich sage hier freilich auch etwas irrelevantes. Denn das || Das Kind muß nicht zuerst einen primitiven Ausdruck gebrauchen, den wir dann durch den gebräuchlichen ersetzen. Warum soll es nicht sogleich den Ausdruck der Erwachsenen gebrauchen, den öfters gehört hat. Wie es “errät”, daß dies der richtige Ausdruck ist, oder wie es drauf kommt ihn zu gebrauchen ist ja ganz gleichgültig. Hauptsache ist: es gebraucht ihn – nach welchen Präliminarien immer – so wie die Erwachsenen
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ihn gebrauchen: d.h., bei denselben Anlässen, in der gleichen Umgebung. Er sagt || errät auch: der Andre habe gedacht …

   
     Wie wichtig ist das Erleben der Bedeutung im sprachlichen Verkehr?
     Was wichtig ist, ist, daß wir beim Aussprechen eines Worts etwas intendieren. Ich sage z.B. “Bank!” & will damit jemand erinnern, er solle auf die Bank gehen, & ich meine dabei das Wort in der einen, & nicht in der andern Bedeutung. – Aber die Intention ist eben kein Erlebnis.

   
     Aber wie kann sie kein Erlebnis sein, wenn sie sich doch auf einen Zeitpunkt bezieht. – Da ist es ja fast, als sage man nur man habe intendiert, während eben zu jener Zeit nicht wirklich etwas eben zu jener Zeit nicht wirklich etwas geschehen wäre! Als wäre diese Vergangenheit nur, sozusagen, eine Konstruktion. Und sie ist es (aber || dennoch) nicht.

   
     Was unterscheidet sie aber vom Erlebnis? – Nun, sie hat keinen Erlebnisinhalt. Denn die Inhalte (Vorstellungen z.B.), die mit ihr oft Hand in Hand gehen, sind
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nicht die Intention selbst. || … , die sie oft wie Illustrationen begleiten, sind nicht die Intention selbst. || , die sie oft, gleichsam, illustrieren, sind nicht die Intention selbst.
– Und doch ist sie auch nicht eine Disposition, wie das Wissen. Denn die Intention war vorhanden als ich es sagte; sie ist jetzt nicht mehr vorhanden; aber ich habe sie nicht vergessen.

   
     Soll ich die Intention einen Bewußtseinszustand nennen? Kann sie die Dauer eines Sinneseindrucks haben? || eines Eindrucks haben? Also zugleich mit ihm anfangen & enden?

   
     “Wissen” wie ich es gebrauche, heißt nicht “sich einer Sache bewußt sein”. Das Wissen ist von der Richtung der Aufmerksamkeit unabhängig. Wende ich aber meine Aufmerksamkeit ganz von einer Sache ab, so bin ich mir ihrer || etwas ab, so bin ich mir seiner nicht mehr bewußt.

   
     Könnte ich nun “Absicht” zweierlei nennen: etwas, was andauern kann auch wenn ich mir seiner nicht bewußt bin, & etwas anderes, was ein Bewußtseinszustand ist? – Wenn ich einen Weg mache um in diese Stadt zu kommen, so habe ich die Absicht insofern ununterbrochen,
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als ich sie nicht geändert habe. Aber meine Gedanken müssen nicht bei ihr sein, & insofern kann ich sie vergessen. Was hier nicht heißt, daß ich um mein Ziel gefragt, sagen werde, es sei mir entfallen. || Was hier nicht heißt, es || sie sei mir entfallen.
     Was soll ich aber von meiner Absicht sagen, als ich ihm befahl “Geh zur Bank!”? – Was nenne ich “an meine Absicht denken”, wenn ich auf dem Weg nach … bin, um das & das zu tun? – Wann sagt man “Die Absicht stand mir klar vor Augen”?

   
     Nimm an, ich trachtete, jemand zu überreden, dort & dort hin zu gehen, das & das zu tun –, kann ich leicht sagen mir sei während dieser ganzen Unterredung dringend darum zu tun er möge … ; habe ich nicht die intensive || intensivste Absicht ihn dahin zu bringen? – Diese Absicht könnte man einen Zustand meiner Seele nennen. Man kann sie mit einem Feuer vergleichen, was in mir brennt. Es ist auch schwer diesen Zustand eine Disposition zu nennen; aber man kann ihn auch mit dem des Schmerzes, z.B. nicht vergleichen.

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     Ich bin nicht geneigt zu sagen “Ich habe beim Sprechen die Absicht gefühlt”, “die Erfahrung der Absicht gehabt”, oder dergleichen. – Ich würde sagen: “Ich habe die feste Absicht gehabt”, “Ich habe mich nicht von ihr abbringen lassen”, “Ich habe an ihr festgehalten”. Das Bild ist, man ergreift etwas, & hält daran fest.

   
     Ist eine Absicht eine Disposition? Bin ich mir meiner Absicht bewußt, während ich ihn zu überreden trachte? Doch gewiß! Man sagt: “die Absicht stand von meiner Seele”. Also gleichsam wie das Ziel auf das ich zulief. “Ich habe diese Absicht nie aus den Augen verloren”.

   
     Was ist nun der Unterschied zwischen diesen beiden Fällen: Im einen sage ich “Geh zur Bank!” & meine dabei … – im andern, der also doch auch möglich sein muß sage ich dasselbe, meine aber dabei nichts, erkläre den Satz aber, wenn ich nach der Bedeutung gefragt werde, so wie im ersten Fall.
     Kann ich mit Sinn sagen, ich habe das & das gemeint, damals
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als ich es sagte, so muß es ja auch den andern Fall geben, in welchem ich's damals nicht gemeint habe, & nur den Satz || meine Worte nachträglich durch eine Erklärung ergänze.

   
     Ich könnte mir nur zwei Fälle vorstellen. Den, ich habe beim Sprechen nichts gemeint; & den, ich habe etwas anderes gemeint. Im zweiten Fall ging eine Änderung meiner Absicht vor sich. Aber wie schaut der erste Fall aus?? Soll ich sozusagen im Halbschlaf geredet haben? Oder bloß unaufmerksam? – Es gibt ja wirklich den Fall, in dem man sagt “Ich habe kaum daran gedacht, als ich's ihm sagte; ich war zu sehr mit … beschäftigt”.

   
     Denn es könnte doch allerdings sein, daß ich Einem jenen Befehl gewohnheitsmäßig & daher ganz mechanisch gäbe, daß etwa der Reflex dieses Befehls bei mir durch das Schlagen einer Uhr ausgelöst würde; & in diesem Fall könnte man ja wirklich sagen ich habe mit meinen Worten so wenig gemeint, wie eine
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Maschine die sagt “stand clear of the gates”. || Sprechmaschine.

   
     Denn wenn die Worte so einer Maschine auch in einer bestimmten Weise gemeint sind, & dementsprechend erklärt werden könnten, so hat doch die Maschine sie nicht so gemeint.

   
     Es ist wahr, || : ich konnte mich mehr, oder weniger intensiv mit dem beschäftigen, was ich sagte. Und hier handelt sich's offenbar nicht um bestimmte Erlebnisse während des Aussprechens der Worte. D.h., man könnte nicht sagen “Beim Aussprechen des Wortes ‘Bank’ mußte das & das vorsichgehen, wenn es wirklich so gemeint war”.

   
     Daß man nun doch das Wort isoliert, fern von jeder Intention, ‘einmal mit einer, einmal mit einer andern Bedeutung aussprechen’ kann, das ist ein Phänomen das nicht auf das Wesen der Bedeutung reflektiert; so daß man sagen könnte “Siehst Du, auch das || dies kann man mit einer Bedeutung machen”. – Sowenig wie man sagen
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könnte: “Schau, was man mit einen Apfel alles machen kann: man kann ihn essen, sehen, zu haben wünschen, sich vorzustellen versuchen.” Sowenig, wie es für den Begriff ‘Nadel’ & ‘Seele’ charakteristisch ist, daß man fragen kann || wir fragen können, wieviele Seelen auf einer Nadelspitze Platz haben. – Es handelt sich hier, sozusagen, um einen Auswuchs des Begriffs.

   
     (Ich treibe, so seltsam das klingen mag, in allen diesen Betrachtungen Logik. Wenn ich's auch ungeschickt mache & die logische Bedeutung dessen, was ich sage, noch schwer zu sehen ist.)

   
     Statt “Auswuchs des Begriffs” hätte ich auch sagen können “Anbau an den Begriff.” – In dem Sinne, im welchem es auch nicht zu einem Personennamen || dem Wesen des Personennamens gehört, daß er die Eigenschaften seines Trägers zu haben scheint. – “Schubert heiß ich, Schubert bin ich.”

   
     Ich redete von einem ‘Auswuchs’, oder ‘Anbau’ an einem Begriff. Das heißt natürlich, daß ein neues Sprachspiel
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an das alte angebaut wurde (geradeso wie wenn man von den Farben der Vokale redet.)

   
     Denk Dir eine Aufschrift, die schon ganz unleserlich wäre mit Ausnahme des Wortes “Bank”, das man noch lesen kann. Ich schaue die Aufschrift an, lese das Wort & halte es für den Namen des Sitzgeräts. Wenn jemand mit mir später über die Aufschrift spricht, sage ich “Ich habe es als selbstverständlich hingenommen, daß es … bedeutet”. Wann habe ich's so hingenommen? Als ich die Aufschrift zu lesen trachtete. Aber das bestand natürlich nicht darin, daß das Lesen des Worts von einem bestimmten Erlebnis begleitet war. – Nun, dieses unwillkürliche Auffassen des Worts ähnelt dem ‘Erleben des Wortes in der Bedeutung …’ Sowie das gewollte, oder ungewollte Sehen eines Dreiecks, z.B., in dem & dem Aspekt dem Halten des Dreiecks für das & das ähnelt.

   
     Aber wenn nun der Befehl “Geh zur Bank!” in einem Theaterstück vorkäme, & ich ihn in einer Rolle ausspräche,
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könnte ich ihn nicht doch meinen, auch abgesehen davon, daß er im Stück einen bestimmten Sinn hat? Nun, was wäre der Gegensatz zu ‘ihn meinen’? Wäre es nicht: ihn bloß sagen, aber ohne den entsprechenden, oder ohne jeden, Gedanken? Was anderes sollte es heißen wenn ich jemandem in so einem Falle versicherte ich habe dies in meiner Rolle gesprochen, es aber nicht irgendwie gemeint? Aber was würde, daß ich die Worte ‘bloß gesprochen’ habe den Andern mitteilen? Entweder, || : ich hätte dabei an etwas anderes gedacht, oder mich in irgend einem abnormalen geistigen Zustand befunden (Vergleich mit dem Begriff ‘willkürlich’.)

   
     Ich könnte mir hier auch den Fall vorstellen, daß für den Schauspieler die Worte “geh zur Bank” die Bedeutung hatten “geh zu dieser Kulisse” & er an eine Bank gar nicht dachte.
     Aber hier gibt es nun allerlei Übergänge & Schwankungen.

   
     Wie kann man den Geisteszustand dessen der einer Befehl halb automatisch gibt, von dem unterscheiden in welchem er den Befehl mit Nachdruck, wohlüberlegt
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|| eindringlich
, gegeben wird? || nachdrücklich, eindringlich gegeben wird?
“Es geht in dessen || dieses Menschen Geist etwas anderes vor.” Denk an den Zweck der Unterscheidung. – Was sind die Zeichen des Nachdrucks?

   
     Kann man sagen Einer habe eine Intention mehr oder weniger nachdrücklich?

   
     Nach langer Überlegung gibt man einen Befehl. Niemand wird sagen, er sei halb automatisch gegeben worden. Der Ton in dem man ihn gibt, wird wahrscheinlich ein anderer sein.

   
     Ich möchte sagen: Wenn ein Mensch mit seinen normalen Fakultäten unter den & den Umständen so ein Gespräch hat, dann hat er gedacht.

   
     Wenn ein sonst normaler Mensch unter den & den normalen Umständen ein normales Gespräch führt, & ich gefragt würde wie sich in so einem Falle der Denkende vom nicht Denkenden unterschiede, – ich wüßte nicht zu antworten. Und ich könnte gewiß nicht sagen, daß der Unterschied in etwas liegt was während des Sprechens vorsichging, oder nicht vorsichging.
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     Die Grenzlinie zwischen ‘denken’ & ‘nicht denken’, die hier gezogen würde, liefe zwischen zwei Zuständen, die sich durch nichts einem Spiel der Vorstellungen auch nur ähnlichem unterschieden. Denn das Spiel der Vorstellungen bleibt ja doch das, was man sich als das Charakteristikum des Denkens denkt.

   
     “Er hat seine Antworten auswendig gewußt & sich nichts bei ihnen gedacht.”
     Denk Dir, ich sage “Ich habe meine Antworten auswendig gewußt & mir nichts bei ihnen gedacht” wie unterschiede sich, was in mir damals vorging von dem beim denkenden Antworten. Allerlei Unterschiede fallen mir ein: Ich höre gar nicht genau hin auf das was der Andre sagt; Gedanken kommen in meinen Sinn, die sonst unmöglich wären; ich schaue auch den Andern ganz anders an; mit einem Wort benehme mich so, daß der || ein Andrer erraten könnte, ich wisse meine Reden auswendig, beim
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auswendig Reden werde ich auch gewisse Fehler machen, die ich sonst nicht machen würde, oder eine Unsicherheit dort fühlen wo ich sie sonst nicht fühlen würde, und umgekehrt; u.s.f.

   
     Ist “Ich habe den Satz auswendig hergesagt” die Äußerung eines Erlebnisses? Man wird (im allgemeinen) sagen, Einer müsse wissen, ob er den Satz auswendig hergesagt, oder ihn ad hoc gebildet habe.

   
     “Ich habe diese Worte gesagt, aber mir gar nichts bei ihnen gedacht”, das ist eine interessante Äußerung, weil die Folgen interessant sind. Du kannst Dir aber immer denken, daß wer dies sagte sich bei der Introspektion geirrt hat; aber es würde uns gar nichts machen || aber das würde nichts machen.

   
     Was aber soll ich nun sagen: Ist dem, der gedankenlos geredet hat, ein Erlebnis abgegangen? Waren es z.B. Vorstellungen? – Aber wenn ihm die abgegangen wären, hätte das für uns dasselbe Interesse wie dies, daß er ohne zu denken gesprochen hat? Sind es die Vorstellungen, die
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uns in diesem Falle interessieren? Haben wir in seiner Äußerung nicht eine Art Signal von ganz anderer Bedeutung?

   
     Soll ich sagen: “Wenn Du nicht automatisch gesprochen hast (was immer das heißen mag) & wenn Du Deine Absicht nicht erst später erhalten, oder geändert hast so hattest Du sie, als Du sprachst”?

   
     “Er hat an nichts anderes gedacht, als ihn davon abzubringen”. Man könnte das auch von der Person eines Theaterstücks sagen. Es drückt sich also im Benehmen & im Reden aus.

   
     “Ich hatte die ganze Zeit den dringenden Wunsch, er möchte sich umstimmen lassen.”

   
     “Ich habe mit dem Satz nichts gemeint, ich hab ihn nur vor mich hin gesagt.” Wie merkwürdig, daß ich damit auf kein Erlebnis während des Sprechens anspiele & daß ich trotzdem keinen bezweifelbaren Satz || nichts bezweifelbares ausspreche.

   
7.1.
     Es ist sehr merkwürdig, daß die Vorgänge beim Denken uns so gut wie
75
nie interessierten. (Aber natürlich sollte ich nicht sagen, es sei merkwürdig.)

   
     Nun, das || Ähnliches könnte man in andern Fällen auch sagen. Wenn mir jemand mitteilt Einer habe geschmunzelt, so interessiere ich mich für die genauen Veränderungen der Gesichtszüge auch nicht. Und so könnte man meinen sei es, wenn ich nicht wissen will genau welche Vorstellungen, etc., Einer hat wenn er, z.B., den & den Satz nur wegen seines seltsamen Klangs wiederholt ihn aber nicht eigentlich gemeint hat.

   
     Aber ich bezweifle, daß man da auf der rechten Spur ist.

   
     Die Frage “Was hast Du gemeint”, & ähnliche können in zweifacher Weise verwendet werden. Im einen Fall wird einfach eine Sinn- oder Bedeutungserklärung verlangt, damit man mit dem Sprachspiel fortfahren kann. Im andern Fall interessiert uns etwas, was zur Zeit, als der Satz gesprochen wurde, vorsichging || geschah.
     Im ersten Falle würde uns ein psychologischer Bericht, wie dieser “Zuerst sagte ich's nur zu mir selbst,
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dann wendete ich mich an Dich & wollte Dich erinnern etc.” nicht interessieren.

   
     Hast Du das gemeint? Ja, es war der Anfang dieser Bewegung.

   
     Ich stelle noch nicht die richtige Frage.

   
     Denken wir uns diesen Fall: Ich soll um 12 Uhr jemand daran erinnern, er solle auf die Bank gehen, Geld holen. Ich schaue || Mein Blick fällt um 12 Uhr auf die Uhr & ich sage “Bank!”, || (zu ihm gewendet, oder auch nicht); vielleicht mache ich eine Gebärde, die man manchmal macht, wenn man sich plötzlich einer Sache, die zu tun ist, besinnt || entsinnt. – Gefragt, “Meinst Du die … Bank?” werde ich's bejahen. – Gefragt “Hast Du beim Sprechen die … Bank gemeint”, auch. – Wie, wenn ich das letztere verneinte?! Was würde das dem Andern mitteilen? Etwa, daß ich beim Sprechen den Satz anders gemeint, ihn aber dann doch für deren Zweck verwenden wollte. Nun, das kann vorkommen. Es könnte auch sein, daß ich, als mein Blick auf die Uhr fiel, in seltsamer automatischer Weise das Wort “Bank” ausspreche, so daß ich dann berichte “Ich hörte mich plötzlich das Wort sagen, ohne mit ihm
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irgend eine Bedeutung zu verbinden. Erst später || Erst nach einigen Sekunden erinnerte ich mich daran, daß Du zur Bank solltest.” – Die Antwort, ich hätte zuerst das Wort anders gemeint, bezog sich doch offenbar auf die Zeit des Sprechens; & ich hätte mich auch so ausdrücken können: “Ich habe zuerst || beim Reden an diese Bank gedacht, nicht an …”. – Die Frage ist nun: ist dieses ‘Denken an … ’ ein Erlebnis? Es geht häufig, vielleicht immer, mit einem Erlebnis zusammen, möchte ich sagen. Zu sagen man habe damals an diese Sache gedacht, auf die man nun zeigen, die man beschreiben kann, etc., ist förmlich als sagte man: Dieses Wort, dieser Satz, war der Anfang von diesem Gedankenzug, von dieser Bewegung. Nicht aber so, als ob ich dies durch nachträgliche Erfahrung wüßte; sondern die Äußerung “Ich habe bei diesen Worten an … gedacht” knüpft eben selber an jenen Zeitpunkt an. Und wenn ich sie in der Gegenwart statt in der Vergangenheit machte, hieße sie etwas anderes.

   
     Warum aber will ich sagen, jenes Denken sei kein Erlebnis? – Man kann an die ‘Dauer’ denken. Wenn ich statt des einen Wortes einen ganzen Satz gesprochen hätte, könnte ich nicht den || von einem Zeitpunkt im
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Aussprechen || Sprechen des Satzes sagen, er sei der Anfang des Gedankens || Denkens gewesen, noch auch der Augenblick in dem es stattgefunden hat. Oder, wenn man den Anfang & Ende des Satzes, den Anfang & Ende des Gedankens nennt, dann ist es nicht klar ob man von dem Erlebnis des Denkens sagen soll, es sei während dieser Zeit einförmig, oder es sei ein Vorgang, wie das Sprechen des Satzes selbst.

   
     Ja, wenn man von einer Erfahrung des Denkens spricht, so ist die Erfahrung des Redens so gut wie jede andre. Aber der Begriff ‘denken’ ist kein Erfahrungsbegriff. Denn man vergleicht Gedanken nicht, wie man Erfahrungen vergleicht.

   
     Man kann Einen im Denken stören, – aber im Beabsichtigen? – Allerdings || Wohl aber im Planen. Auch im Festhalten einer Absicht, nämlich im Denken oder Handeln.

   
     ‘Sag “a b c d e” & mein: Das Wetter ist heute schön.’ Soll ich also sagen, daß das Erlebnis des Aussprechens eines Satzes einer uns geläufigen Sprache ein ganz anderes ist als das des Aussprechens eines Satzes uns nicht in bestimmten Bedeutungen geläufiger Zeichen?
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Wenn ich also jene Sprache lernte in welcher “a b c d e” den Sinn … hat, würde ich nach & nach das uns bekannte Erlebnis beim Aussprechen eines Satzes kriegen. Oder soll ich sagen, wie ich geneigt bin zu sagen, die Hauptverschiedenheit der beiden Fälle liegt darin, daß ich mich im einen nicht bewegen kann. Es ist als wäre eines meiner Gelenke in Schienen & ich wäre noch nicht an sie gewöhnt & hätte daher noch nicht ihre möglichen Bewegungen inne, stieße also sozusagen in einem fort an. (Gefühl des Weichen.)

   
     Denk Dir, ich wäre mit einem Menschen beisammen, der diese Sprache spricht, & mir wäre gesagt worden, “a b c d e” heiße das & das, & ich solle es || dies sagen, weil es höflich sei. Ich würde es also etwa mit einem freundlichen Lächeln & einem Blick zum Fenster hinaus sagen. Wäre das nicht schon || allein genug, um mir diese Zeichen weniger fremd fühlen zu lassen? || zu machen? || allein genug um mir diese Reihe von Buchstaben als Zeichen näherzubringen.

   
     Denk Dir ein Verbum mit der Bedeutung “denkend reden”. Für diese Menschen sei dies ein einheitlicher Begriff || eine Begriffseinheit. Sie
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haben (etwa) auch ein Wort für das bloße Hervorbringen der Laute einer Sprache, aber es wird nur sehr selten dort verwendet, wo wir “sprechen” sagen.
     So ein Verbum wäre nicht ein rein psychologisches, d.h., entspräche nicht ganz unsern psychologischen.
     Betrachte die erste Person der Gegenwart.

   
8.1.
     Wir möchten oft sagen, wir können uns den & den Fall vorstellen; wir sind aber doch nicht darauf vorbereitet, ihn völlig zu beschreiben. Wir glauben, wir könnten es, bleiben aber stecken.
     Wir haben eine allgemeine Beschreibung des Falls nach Analogie anderer uns bekannter; aber es ist als wäre der Weg in den wir eingebogen sind, plötzlich || unerwartet zu einem || zu einem unerwarteten Ende gekommen. Aus diesem Vorgang könnte man viel lernen.

   
     Wie sollen wir uns (nun) die Anwendung des Zeitworts für “denkend reden” vorstellen? Man könnte es natürlich für einen Papagei & ein Grammophon anwenden. Wenn ich aber z.B. einen Satz in einem Übungsbuch lese um ihn in's … zu
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übersetzen; kaum habe ich ihn gelesen, so fällt mir ein, wie dumm er ist; ich mache vielleicht eine Bemerkung über seinen Inhalt. – Hab ich ihn gedacht? Oder erst nach dem Lesen? Das könnte man schwer sagen, wenn nicht das Lesen unter sehr seltsamen Bedingungen vor sich gegangen ist || wäre. Ich lese “Die Gärtnerin meiner Tante hat schöne Rosen.” Ja; ich kümmere mich um den Inhalt nicht, – aber habe ich nicht doch denkend, d.h., verstehend, gelesen? Was ich sagen will, ist: Ist irgend ein radikaler Unterschied zwischen diesem Lesen, oder Sprechen des Satzes & dem Lesen dieses Satzes in einer Geschichte, etwa?

   
     Man könnte von ‘Anteilnahme’ reden. Und worin liegt die || meine Anteilnahme an einem Satz den ich spreche? An dem, wird man sagen, was dabei in mir vorgeht. Ich möchte sagen: An den Verbindungen, Zusammenhängen, die ich mache. Es ist nämlich die Frage: Was immer beim Anteilnehmen in mir vorsichgeht, – wodurch ist es ein Anteilnehmen an dem Inhalt dieses Satzes? Warum ist es z.B. nicht eine pathologische Aufregung in mir, die das Sprechen
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begleitet?

   
     Kann ich wirklich sagen es sei beim ‘gedankenlosen’ Lesen des Übungsbuchsatzes in mir etwas ganz anderes, oder einfach, etwas anderes geschehen, wie || als beim verständnisvollen Lesen des Satzes in anderem Zusammenhang? Ja; || , – Unterschiede sind da. Ich werde z.B. auf den gleichen Satz in gewissem Zusammenhang sagen “Ja, so war es?”, oder ich werde überrascht, enttäuscht, gespannt, befriedigt sein, etc.

   
     Wenn ich nun, z.B., jenen Satz mit Staunen las, – ist das Staunen ein Denken, ein Empfinden??
     Es ist klar, || : wir unterscheiden einen stumpfen Gesichtsausdruck beim Lesen & einen in dem sich der Sinn des Gelesenen spiegelt, also z.B. Staunen, Freude, Spannung.

   
     Es gibt Ausrufe des Staunens, Mienen, Gebärden. Aber ‘staunen’ ist ein seelischer Vorgang, denn “ich staune” bezieht sich nicht aufs Benehmen des Staunens.
     (Übrigens: der Ausdruck des
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Staunens ist nicht eine gleichbleibende Miene, oder dergl., sondern eine Bewegung, wie der Ausdruck der Überraschung. Unterscheidung zwischen Staunen & Depression || Traurigkeit z.B.)

   
     Wäre es richtig zu sagen, || : das Staunen über diesen Inhalt sei ein andrer Vorgang als das Staunen über einen andern?

   
     Ich lese den Dialog eines Dramas mit Anteilnahme. Ich lese eine Antwort des unglücklichen Helden & nicke mit dem Kopf, als wollte ich sagen, || um zu sagen “Also dahin ist es gekommen!” – Ich könnte auch nachher berichten, ich habe das beim Lesen dieser Rede gefühlt. (Und nun wird vielleicht jemand sagen ich habe die das Nicken meines Kopfes gefühlt.) Man sagt auch: die Antwort hat mir das Herz zusammengezogen. Ich berichte also über Erlebnisse, während des Lesens, oder Sprechens. Aber wohlgemerkt, diese Erlebnisse sind gerichtet, sie beziehen sich auf etwas. Und darum, will ich sagen, sind
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sie nicht Erfahrungen.

   
      ∣ Schiller schreibt in einem Brief (ich glaube an Goethe) von einer ‘poetischen Stimmung’. Ich glaube, ich weiß was er meint, ich glaube sie selbst zu kennen. Es ist die Stimmung in welcher man für die Natur empfänglich ist & in welcher die Gedanken so lebhaft erscheinen, wie die Natur. Merkwürdig ist aber, daß Schiller nicht besseres hervorgebracht hat (oder so scheint es mir) & ich bin daher auch gar nicht sicher überzeugt, daß, was ich in solcher Stimmung hervorbringe wirklich etwas wert ist. Es ist wohl möglich, daß meine Gedanken ihren Glanz dann nur von einem Licht, das hinter ihnen steht, empfangen. Daß sie nicht selbst leuchten. ∣

   
     Wo andre weitergehn, dort bleib ich stehn.

   
     “Hast Du den Satz denkend gelesen?” “Ja, ich habe ihn denkend gelesen; jedes Wort war mir wichtig.”

   
     “Ich habe sehr angestrengt dabei gedacht.” Ein Signal.
     Ist dabei nichts vorgegangen? O ja,
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allerlei! Aber darauf bezog sich das Signal nicht.
     Und doch bezog sich das Signal auf die Zeit des Redens.

   
     James könnte vielleicht sagen: Ich lese jedes Wort mit dem ihm entsprechenden Gefühl. “Aber” mit dem Abergefühl”, u.s.w. Und selbst wenn das wahr ist, was bedeutet es eigentlich? was ist die Grammatik des “Abergefühls’ || Begriffs “Abergefühl’? Es wird ja nicht ein Gefühl dadurch, daß ich es “Gefühl” nenne.

   
     Wie seltsam, daß etwas beim Sprechen vorgegangen ist, & ich doch nicht sagen kann was! – Am besten: ich sage, ich habe mich geirrt || sage, es war eine Illusion, & es ist nichts vorgegangen; & nun untersuche ich den Zweck || Nutzen der Äußerung.
     Und es wird sich auch fragen, welches der Nutzen des Bezugs auf den vergangenen Zeitpunkt ist.

   
     “Ich werde mich sehr freuen, Dich zu sehen.” Ich habe es gemeint; was ist (also) vorgegangen? Der Wunsch ist in mir rege, er möge kommen. Und wie geschah das? Habe ich mir sein Kommen deutlich vorgestellt & dabei ein Gefühl der Freude
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gehabt? Unsinn!

   
     War der Wunsch in Dir rege, als Du sprachst? Gewiß. Aber so muß doch etwas vorgegangen sein! Es fragt sich: Wie identifiziert man, was vorgegangen ist? & die Zeit & Art des Vorganges.

   
      ∣ [Zum Vorwort.] Nicht ohne || Mit Widerstreben übergebe ich das Buch der Öffentlichkeit. Die Hände, in die es geraten wird, sind zumeist nicht diejenigen, in denen ich es mir gerne vorstelle. Möge es – das wünsche ich ihm – bald gänzlich von den philosophischen Journalisten vergessen werden, & so vielleicht einer edleren || bessern Art von Lesern aufbewahrt bleiben. ∣



   
     Ja; “Ich habe bei diesen Worten gedacht … ” bezieht sich allerdings auf die Zeit des Redens; aber wenn ich nun den ‘Vorgang’ charakterisieren || beschreiben soll, der damals stattfand, so kann ich ihn nicht als ein Geschehen in diesem Zeitraum beschreiben, z.B. nicht sagen, die & die Phase des Vorgangs wäre zu der Zeit geschehen, die andere zu jener. || Phase des Vorgangs habe in diesem Zeitabschnitt stattgefunden. Also nicht, wie ich z.B. das Sprechen selbst beschreiben kann.
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Das ist der Grund, warum man das Denken nicht wohl einen ‘Vorgang’ nennen kann.

   
Von den Sätzen, die ich hier niederschreibe macht immer nur jeder zwanzigste, dreißigste || so & so vielte einen Fortschritt; die andern sind wie das Klappern der Schere des Haarschneiders, der sie unbedingt in Bewegung erhalten muß, um dann || mit ihr im rechten Moment einen Schnitt zu machen. || machen zu können.

   
     Mit ‘denkend reden’ müßte ich eigentlich meinen: reden & verstehen, was man sagt, & nicht erst nachträglich verstehen.

   
     Das Schreiben ist gewiß eine willkürliche Bewegung, & doch ganz automatisch. Und von einem Fühlen der Schreibbewegungen ist natürlich nicht die Rede. D.h. man fühlt etwas, aber könnte das Gefühl unmöglich zergliedern. Die Hand schreibt; sie schreibt nicht, weil man will, sondern man will, was sie schreibt.
     Man sieht ihr nicht erstaunt oder mit Interesse beim Schreiben zu; denkt nicht “Was wird sie nun schreiben”. Aber nicht, weil man eben wünschte, sie solle das
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schreiben. Denn, daß sie schreibt, was ich wünsche, könnte mich ja erst recht in Erstaunen versetzen.

   
     Denk dir jemand hätte das Gefühl, er ließe die Muskeln seiner Hand & des Arms gänzlich schlaff, aber die Hand schriebe dennoch, also unwillkürlich || also nicht durch seinen Willen bewegt. Er sagt uns: Ich tue nichts, die Hand tut es ohne meinen Willen; das heißt natürlich nicht: gegen meinen Wunsch; vielmehr kann ich wünschen, daß sie sich ohne meinen Willen bewegt.

   
     Wie prüfen wir, ob jemand versteht, was es heißt, die Muskeln des Armes entspannen, schlaff lassen? Doch dadurch, daß wir prüfen, ob er sie entspannt, wenn er sagt er tue es || sie entspannt sind, wenn er sagt er habe sie entspannt etwa auf unsern Befehl). Was würden wir nun zu dem sagen, der uns sagt || mitteilt, er spanne seine Muskeln nicht an, während sein Arm ein Gewicht hebt & es mit allen den gewöhnlichen Anzeichen der willkürlichen || gewollten Bewegung tut. Wir würden hier von Lüge, oder von einer merkwürdigen Illusion reden. (Ich weiß nicht, ob es Verrückte gibt, die ihre normalen Bewegungen für
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unwillkürlich || ungewollt erklären.) Wenn es aber jemand tut, so erwarte ich mir von ihm daß er der Bewegung seines Arms in ganz andrer als der normalen Weise mit seiner Aufmerksamkeit folgt; so nämlich, wie der Bewegung eines Andern. || , wie der Bewegung des Zeigens eines Instruments. || ; so nämlich, wie einer Bewegung, die der Gegenstand eines Experiments ist.

   
     Wenn unser Arm unter gewissen Bedingungen sich bewegt, obgleich wir seine Bewegung nicht verursachen, da wir nämlich geflissentlich den Arm schlaff hängenlassen; & wenn eine Untersuchung in so einem Falle zeigen würde, daß alle Muskeln so gespannt sind, wie bei einer gewollten Bewegung – sollten wir sagen, || : der Arm habe sich ohne unseren Willen bewegt, weil wir fühlen, es sei || ist so?

   
9.1.
     Das Kind lernt gehen, kriechen, spielen. Es lernt nicht willkürlich & unwillkürlich spielen. Aber was macht das Spiel zu einer willkürlichen Bewegung? || was macht die Bewegungen des Spiels zu willkürlichen Bewegungen? Nun, wie
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wäre es denn, wenn sie unwillkürlich wären? – Ich könnte auch fragen: Was macht denn diese Bewegungen zu einem Spielen? – Daß sie Reaktionen auf gewisse Bewegungen, Laute, etc. des Erwachsenen sind, daß sie einander so folgen, mit diesen Mienen & Lauten (dem Lachen z.B.) zusammengehn.

   
     Kurz, macht es die Bewegungen so, so sagen wir sie seien willkürlich. Bewegungen in solchen Syndromen sind willkürlich. || heißen “willkürlich”.

   
     Zu den Erscheinungen, die eine Bewegung zur willkürlichen macht, gehört auch die besondere Einstellung dessen, der sich bewegt, zu ihr; nämlich die Abwesenheit des Staunens, etc.

   
     In den Haupterscheinungen || Hauptcharakteren im Bereich der willkürlichen Bewegungen gehört auch das der Anstrengung, des Trachtens, eine Bewegung auszuführen, oder nicht auszuführen. Endlich auch die des absichtlich passiven Verhaltens.

   
     Ich sprach von denkendem Reden. Aber
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lies eine Geschichte mit Verständnis, & sieh wieviel verschiedene Arten von Reden darin vorkommen. Berichte, Hilferufe, Drohungen, Lachen & Stöhnen, wissenschaftliche Betrachtungen. Und soll ich etwa nur die letzteren denkend reden können? –

   
     Als ich sagte “Bank!” dachte ich, meinte ich: Er soll auf die Bank gehen. Ich sprach hier von einer ‘Intention’ & dachte daran, daß ich auf die Frage “Was hast Du gemeint” die & die Erklärung abgeben würde, die sich auf die Zeit jener Äußerung bezöge & doch keine Übersetzung dessen was damals geschah, in Worte wäre.

   
     Ich gebe Einem mit den Augen oder einer Miene ein Zeichen. Ich kann, was es bedeutet hat, später erklären. Wenn ich sage “Ich hatte dabei diese Intention” so ist das, als bezeichnete ich den Ausdruck als Anfang einer Bewegung. Ich erkläre ihn nicht mit Hilfe von hergebrachten Regeln, noch durch eine Definition, die den zukünftigen Gebrauch des Zeichens regeln soll. Ich sage weder “Dies Zeichen bedeutet bei uns das”, noch “es soll in Hinkunft das bedeuten”. Ich gebe also keine Definition.
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     “Bank!” – “Ja?” – “Du mußt auf die Bank gehen.” – Ist es nun eine Illusion wenn mir, beim Nachdenken über so einen Fall, vorkommt, als schwebten mir bei, & nach dem Ausruf ganz zarte Schemen von Bildern oder dergleichen vor? Aber wenn sie nun mir vorschweben & einem Andern nicht – wo ist ihre Wichtigkeit? Wenn eine da ist, so liegt sie nicht auf dem Gebiet, das mich hier beschäftigt.

   
     Bei Gericht könnte man um die || nach der Bedeutung jenes Ausrufs gefragt werden. Wohl kaum nach den innern Vorgängen, die die Gefolgschaft der Worte bilden. || kaum nach den Vorgängen, die die innere Gefolgschaft der Worte bildeten.

   
     Aber ist die ‘Intention’ von der ich sprach, wenn ich “Bank!” sagte, nicht dasselbe wie, daß ich das damit meinte? “Intention” nannte ich's weil es mir wie der Keim, die Anlage, zu etwas schien || vorkam || , die Anlage, des || alles Weiteren erschien.

   
     Denk nun aber an den Unterschied, den es macht, wenn ich jenen Ausruf
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in seiner bestimmten Situation nicht selbst || spontan || in eigener Person || aus eigenem mache, sondern ihn in einer Geschichte, oder in einem Schauspiel lese. Ich nehme an, || : mit Verständnis lese. Bin ich aber da noch geneigt, von einer Intention (ich meine von meiner Intention) bei diesem Wort zu reden?

   
     Kann ich aber sagen, es geht beim Lesen etwas anderes in mir vor sich, als beim spontanen Ausruf? Nein. Ich weiß nichts von so einer Verschiedenheit der Vorgänge; obwohl die Art & Weise wie ich mich ausdrücke auf so etwas schließen ließe.
     Aber wenn Einer in's Zimmer käme, gerade wenn ich den Ausruf lese & er fragte mich, ob ich das & das wolle, würde ich ihm sagen, ich hätte es nicht so gemeint & bloß eine Geschichte || etwas gelesen.

   
     Und man könnte glauben, auch das müsse einen Unterschied machen, ob ich den Ausruf in einer Geschichte lese oder in einem Theaterstück mit verteilten Rollen. Hier, wenn ich mich in meine Rolle ‘einlebe’ könnte man sich denken, ich erlebte das Gleiche, wie in der wirklichen Situation.
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     Aber auch bei dieser Überlegung machen wir, glaube ich, einen Fehler.

   
     Man könnte etwa sagen, der Ausruf habe in den drei genannten Fällen den gleichen Sinn, aber verschiedene Intention. Und ich werde diese auch in jedem der Fälle anders erklären, wenn eine Erklärung verlangt wird. Oder auch so: die Erklärung des Ausrufs wäre, in den verschiedenen Situationen, bis zu einem gewissen Punkt || in einer in einer gewissen Hinsicht immer die gleiche, in andrer || einer andern aber jedesmal eine andre || anders.

   
     Ich könnte aber auch sagen: die Intention war jedesmal, || : von einem Geldinstitut, & nicht von einer Sitzbank, zu reden. Und diese Intention war kein Erlebnis während des Sprechens. Ja, was immer ich erlebt hätte, nichts hätte ich als so eine Intention anerkannt. Man kann auch nicht sagen, sie fand während des Sprechens statt, weil kein Zeitpunkt ihr als Anfang, oder Ende, des Ganzen, oder eines Abschnitts, zukommt || zugehört.
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     Ich sagte früher, die Intention habe keinen Inhalt. Nun ihren Inhalt kann man das nennen, was ihr Wortausdruck erklärt. Aber eben davon kann man weder sagen, es sei ein amorpher || gleichförmiger Zustand, der von diesem Zeitpunkt (bis) zu diesem || jenem andauert; also etwa || z.B. vom Anfang des ersten, bis zum Ende des letzten Wortes; noch kann man Phasen in ihm unterscheiden & diese dem Ablaufen des Wortausdrucks zuordnen. Wäre dagegen der Satz von einem Spiel der Vorstellungen begleitet, so könnte man eben dies tun.

   
     “Beschreibung” der Intention ist nur ihr Wortausdruck, & den sollte man eben darum nicht “ihre Beschreibung” nennen.

   
     Konnte man nun, was ich hier “Intention” nannte, auch “Absicht” nennen? Denn von der Absicht sagte ich, sie sei eine Disposition, während die Intention ein ‘Keim’ ist. – “Er hat die Absicht ausgedrückt, mich zu besuchen” – ist dabei die Absicht gleichsam akut geworden?
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     Man kann aber doch sagen: “Ich hatte in diesem Moment die Absicht …”.
     Stehe ich z.B. auf & sage “Nein, ich halte es hier nicht länger aus”, so habe ich die Absicht aus dem Zimmer zu gehen.

   
     Eine Disposition, das Wissen z.B. kann man Dir nicht ‘ansehen’; aber wohl in einem Sinne, die Absicht. Und wenn man sagt “Ich hatte für einen Augenblick die Absicht …”, so ist dies gerade so ein Fall. – Aber man kann doch auch sagen: “Ich hab's Dir angesehen, daß Du gewußt hast || wußtest wovon die Rede war’.
     Man sagt doch, Einer wälze eine Absicht im Geiste hin & her. Und das ist doch etwas was man einem ansehen kann! – Ist hier der Unterschied nicht der zwischen ‘die Absicht haben’ & ‘an die Absicht denken’? || Der Unterschied zwischen ‘die Absicht haben’ & ‘an die Absicht denken’.
ƪ

   
     Wenn ich mir sage “Ich will diesem Gespräch ein Ende machen”, so ist das doch der Ausdruck einer Absicht & zwar im Moment ihres Entstehens; es ist eigentlich der Ausdruck des Entschlusses. Und dem Entschluß als einem Bejahen der Absicht entspricht auch ein hin & her Schwanken zwischen Entscheidungen, ein
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Ringen mit dem Entschluß.

   
     Wenn ich bei mir denke “Ich halt es nicht mehr aus; ich will gehen!” so denke ich doch eine Absicht. Es ist aber das Denken des Ausbruchs einer Absicht. Während man von dem, der sagt || erzählt “Ich beabsichtige im nächsten Jahr … ” auch sagen kann er denke eine Absicht, aber in ganz anderem Sinne.

   
     Wer würde glauben, daß ich hier, wenn auch sehr unbeholfen, Logik treibe.

   
10.1.
     Wissen, || : eine Disposition. Hier ist noch etwas sehr unklar. Ich denke hier an Wissen, als ein Können; z.B. ‘auswendig wissen’ (ich kann das ABC hersagen).
     Anders aber ist Wissen als ein Grad des Glaubens. – Wenn ich sage “Ich weiß bestimmt, daß heute Vollmond ist” so ist das natürlich nicht der Ausdruck eines Bewußtseinszustands; ich weiß es, auch wenn ich nicht dran denke.

   
     Teilt uns “Es regnet” & “Ich weiß, daß es regnet” das gleiche mit? Man könnte sie so unterscheiden: Eine Art Barometer || Wetterglas könnte uns das Wetter draußen anzeigen, wenn
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wir in einem fensterlosen Raum wären; es könnte das mittels eines Zeigers & Zifferblatts tun, aber auch mittels einer Sprechmaschine, die, wenn man auf einen Knopf drückt das Wetter ansagt; z.B. “Es regnet”; aber doch nicht “Ich weiß, daß es regnet”.
     Aber das ist die Schwierigkeit: Wenn der Apparat || die Maschine spräche “Ich weiß daß es regnet, – was sollte es anderes heißen als “Es regnet”? Und wenn ein Mensch sagt “Es regnet” so sagt er uns dasselbe wie mit den Worten “Ich weiß, daß …”. Ich meine: Weder für die Maschine, noch für den Menschen ist ein Unterschied zwischen den beiden Aussagen.


   
     “Wissen” wird gebraucht im gleichen Sprachspiel, wie “Glauben”. Man fragt “Glaubst Du das nur, oder bist Du sicher?” & diese Frage, kann man an die Maschine nicht stellen. Auch dann nicht, meine ich, wenn sie so eingerichtet wäre, daß sie uns größere, oder geringere Wahrscheinlichkeiten eines Geschehens mitteilen könnte.

   
     Denn aus den Worten “Ich bin sicher, daß …”, “Ich bin nicht ganz sicher”, “Ich halte es für möglich”, u.s.f., ziehen
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wir Schlüsse auf den Zustand (oder die Folgen des Zustands) dessen der's sagt; auch wenn wir keine Schlüsse auf die Gegenstände ziehen von denen || den Gegenstand ziehen von dem er redet. Denn wir können Einen auf sein Wissen & Glauben prüfen, nicht um Information || Belehrung von ihm zu erhalten. (Und freilich können wir auch die Aussagen eines Apparats nur dazu benützen ihn zu prüfen.)

   
     Worüber rede ich nun, wenn ich sage “Es regnet”? Über mich? über's Wetter? über beides? – Und warum nicht über mich? Denn das Vorkommen oder Nicht-Vorkommen eines Worts im Satz (des Wortes “ich”, z.B.) entscheidet das nicht. Ein Wort deutet nur das Spiel an, in welchem wir den Satz verwenden können.

   
     Es könnte eine Sprache geben, in welcher || der auf eine geschichtliche Frage (z.B.) die Antwort anders lautete, wenn sie zur Information des Fragenden, & anders, wenn sie bei der Geschichtsprüfung gegeben wird.

   
     Man sagt nicht “Ich weiß daß es regnet” einfach als Mitteilung, es regne; sondern,
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etwa wenn diese Aussage angezweifelt wurde; oder auf die Frage ob ich auch sicher sei. Aber ich könnte dann auch sagen “Es regnet bestimmt”. || “Es ist ganz gewiß, || : es regnet.”

   
     Ich könnte auf die Frage “Regnet es?” die Antwort “Ja” erhalten, ohne zu erfahren, wer dies glaubt, weil ich den Sprecher nicht sehe.

   
     Ich kann mit einer Meldung eine Reihe von Sprachspielen spielen; eine ist z.B.: nach ihr handeln; eine andere, || : durch sie den Meldenden prüfen.
     Aber ist nicht das erste sozusagen das ursprünglichere Sprachspiel; das wozu eine Meldung ursprünglich || eigentlich dient? || eigentlich dienen soll? || da ist?

   
     Man könnte sagen: Die Intention der Prüfungsantwort & der gleichlautenden informativen Antwort sei verschieden.

   
     Ich könnte mir ein Gedicht denken, in dem es heißt: “Es regnet & ich glaube, daß es regnet!” – Sozusagen: Gott hat
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gegeben, daß es regnet, & mir, daß ich es auch glaube. – Ich glaube, wenn dies Unsinn ist, daß ähnlicher Unsinn oft geschrieben worden ist.
     “Wie herrlich! es regnet, & es ist mir gegeben, es zu glauben!”
     Schwerer ist vorzustellen: “Schrecklich! Es regnet, & ich glaube es nicht!” || , & der Glaube daran ist mir versagt!” “Ich weiß es, aber ich glaube es nicht!” – Wichtig aber ist, daß ich mir alles das als Sprache des Gedichts, nicht des Alltags vorstelle.

   
     Man muß sich sagen, daß es die erste Person “ich glaube” sehr wohl auch ohne die || eine dritte geben könnte.
     Warum sollte nicht in der Sprache ein Verbum gebildet worden sein || werden das nur eine erste Person der Gegenwart hat? Es ist gleichgültig was dazu geführt hat, welche Vorstellungen.

   
     Ein Satz, z.B. “Es regnet”, kann sehr wohl einmal als Behauptung, einmal als Annahme ausgesprochen werden (auch wenn ihm kein “Angenommen” vorausgeht) – was macht ihn zum einen, was zum andern? – Einerseits
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möchte ich antworten: Das Spiel, in dem er gebraucht wird. Anderseits: die Intention, mit welcher er ausgesprochen wurde || wird. Wie reimen sich diese beiden zusammen?

   
      ∣ Sowie ich auf entlegeneren Gebieten fortwährend Fragen antreffe, die ich nicht beantworten kann, wird es klar || verständlich, warum ich mich in weniger entlegenen auch nicht auskenne. Denn wie weiß ich, daß, was hier die Antwort aufhält nicht eben das ist, was mich dort || dort mich hindert, den Nebel zu zerstreuen? ∣

   
     “Ich hatte den Satz als Annahme intendiert” – Wie erkläre ich das? – Ich hatte dies Spiel intendiert. Ich kann auch, daß ich diese Bewegung als Anfang einer Schachpartie intendierte, nur dadurch erklären, daß ich, was das Schachspiel ist, || das Schachspiel erkläre.

   
     Was aber heißt das: “Es regnet & ich glaube es nicht” hat Sinn, wenn ich es als Annahme meine, keinen Sinn wenn ich es als Behauptung, oder Meldung meine? || .
     Man stellt sich das so vor, daß, wenn der Satz auf die erste Art intendiert wird, etwas von ihm ausgeht, etwas
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aufleuchtet, wogegen alles finster bleibt, wenn man ihn auf die zweite Art intendiert. Und etwas ist ja wahr daran: Denn sagt mir einer diese Worte & ich verstehe sie als Annahme, so leuchtet etwa Verständnis in meinem Gesicht auf; denke ich aber den Satz als Meldung, so werde ich bewildered || am || an dem Sinn irre & das Verständnis bleibt aus.
ƪ

   
     “Es regnet & ich glaube es nicht” ist eine Annahme, aber keine Meldung.

   
     Warum ist die Meldung “Ich glaube es regnet” so ähnlich der: “Es regnet”; dagegen die Annahme, ich glaube es regnet, ganz unähnlich der Annahme, es regne? Nun, die Meldung “Ich glaube …” ist eine Äußerung des Glaubens, aber die Annahme ist keine Äußerung. Wie das || ein Stöhnen die Meldung “Ich habe Schmerzen” ersetzen kann, aber nicht die Annahme.

   
     Die Meldung “Ich glaube, es regnet” ist eine Meldung über das Wetter. Die Annahme, eine über mich.

   
     Man möchte auch sagen: Die Annahme,
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ich glaube das, ist die Annahme einer Disposition in mir || Annahme, ich sei so disponiert. Während ich von der Meldung “Ich glaube …” nicht sagen möchte, sie melde || sei die Meldung || berichte von meiner Disposition. Vielmehr ist sie die || eine Äußerung der || dieser Disposition.

   
     Aus meiner || der hypothetischen Annahme, “ich glaube, daß es regne, kann ich hypothetische Schlüsse auf mein Benehmen schließen || ziehen. Aber ziehe ich auch Schlüsse daraus, daß ich glaube, es regnet?

   
     Der Meldung “ich glaube” haftet eine gewisse Unbestimmtheit an. Aber denke, es würde gelehrt, || : Du kannst nur wissen, daß Du etwas glaubst; jede Behauptung muß lauten “Ich glaube …”. Dann also wäre die Meldung “Es regnet” identisch mit der “Ich glaube …” Es entspräche ihr aber || Diese aber hätte eine dritte Person, der nichts in der einfachern Meldung “Es regnet” entspricht.

   
     Alles das hängt auch zusammen damit, || : daß man sagen kann, “Ich glaube, er glaubt …”, “Ich glaube,
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ich glaubte …” “Er glaubt, ich glaube …”, Ich glaube, ich glaube …”.

   
     In dem Fall jenes || eines obligatorischen “Ich glaube” zu || als Anfang jeder Behauptung wäre || hieße zwar “Ich glaube, pist der Fall” dasselbe wie “~~p” || “p ist der Fall || “Ich glaube, es sei so” dasselbe wie “Es ist so”, aber “Angenommen, ich glaube, es sei so” nicht dasselbe wie “Angenommen, es sei so.”

   
     “Ich weiß die Antwort zu dieser Frage, heißt ungefähr soviel wie “Ich kann sie sagen”; dies könnte man wohl eine Disposition nennen. Aber wie denn mein Wissen, daß es draußen regnet? Wenn ich mein || dieses Wissen einen Zustand meines Geistes nennen will, so würde ich ihn mir so vorstellen: mein Geist trage einen Abdruck des Faktums.

   
     Man möchte fragen: Wie kann ich denn wissen, daß etwas Anderes so & so ist? Wie kann ich's denn in mir haben. Die Idee: etwas von innen her kennen. Den Willen z.B.)

   
     Warum ich nicht sagen will, das Wissen ist eine Disposition? – Weil “Ich weiß, daß …” jedenfalls nicht sagt, ich bin || sei so & so disponiert. Wissen heißt etwas ähnliches wie
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Besitzen. Oder das ist doch das Bild, was da gebraucht wird. “Ich bin im Besitz aller Fakten.”

   
11.1.
     “Ich rede nicht nur daher. Ich weiß es.” Dies spielt im Berichterstatten eine Rolle, d.h. dort, wo die Evidenz von komplizierter Natur ist. Man sagt nicht “Ich weiß, daß auf dem Tisch vor mir Bücher liegen”, oder gar “… daß ich zwei Hände habe”. Niemand sagt es, außer wenn er philosophiert. (Und ausgenommen in den ganz seltenen Fällen || die ganz seltenen Fälle, in denen wirklich ein Zweifel darüber bestehen kann.)
     Die einen || Manche Philosophen sagen, diese Sätze näherten sich nur sehr der eigentlichen, wirklichen Gewißheit, die andern, & das Wort “ich weiß” sei hier noch immer nicht im strengen Sinne anwendbar; die andern, diese Sätze seien so || völlig gewiß & man könne sie also wissen. Ich bin versucht zu sagen: sie seien zu gewiß für's wissen. – “Ich weiß, daß 2 × 2 = 4 ist” würde nur ein Kind sagen, das es so eben gelernt hat. “Ich weiß, daß ich zwei Hände habe” sagt ein Philosoph nur, wenn er exemplifizieren will, was “wissen” heißt. Als hieße “wissen” etwa soviel wie “nicht bezweifeln” oder “nicht bezweifeln können”. || “nicht im Stande sein, zu bezweifeln.”

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     Ich sage “Er ist jetzt im Nebenzimmer, ich höre ihn.” – “Bist Du sicher?” – “Ich weiß es, weil er immer um diese Zeit in sein Zimmer geht”. Oder bei Gericht: “Ich wußte, daß er zu Hause war, weil …” Ist das etwa ein Mißbrauch des Wortes “wissen”?

   
     Ich habe mich von etwas überzeugt, nun weiß ich es. “Ich weiß, daß die Erdkugel in den letzten 10 Minuten existiert hat” sagt man nicht; wohl aber “Man weiß, daß die Erde viele tausende von Jahren existiert hat”. Und das nicht, weil es unnötig ist, so etwas zu versichern.

   
     “Ich weiß, daß dieser Weg dorthin führt.
     “Ich weiß, wohin dieser Weg führt.”
Im zweiten Falle sage ich, ich besitze etwas; im ersten, versichere ich eine Tatsache. In diesem könnte das Wort “wissen” auch wegbleiben. In jenem könnte man fortsetzen “aber ich sag's nicht”.

   
     Auf die Aussage “Ich weiß, daß es so ist” folgt die Frage “Wie weißt Du das?”, die Frage nach der Evidenz.

   
      ∣ Rosinen mögen das Beste an einem Kuchen sein; aber ein Sack Rosinen ist nicht besser als
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ein Kuchen; & wer im Stande ist uns einen Sackvoll Rosinen zu geben kann damit noch keinen Kuchen backen, geschweige daß er etwas besseres kann. Ich denke an Kraus & seine Aphorismen, aber auch an mich selbst & meine philosophischen Bemerkungen.
     Ein Kuchen das ist nicht gleichsam: verdünnte Rosinen. ∣

   
     Wissen ist ein geistiger Besitz. Wer sagt “Ich weiß, daß es so ist “‘erlebt aber dabei || bei diesen Worten das Wissen’ nicht, denn er wird uns etwa sagen, er habe es gewußt auch ehe er's sagte. || er habe es schon lange gewußt. Er wußte es, seitdem er sich davon überzeugt hatte.

   
     Jemand könnte das Sprachspiel des Meldens wohl beherrschen, aber den Begriff des ‘Wissens’ nicht gebrauchen. (Ein Kind, z.B.)

   
     Das Moore'sche Paradox erscheint uns auf den ersten Blick einfach als Widerspruch; dann aber sagen wir || ist es klar, es könne keiner sein, da der eine Satz, sagen wir, vom Wetter handelt, & der andere von mir. So erscheint es nun als wäre das Paradox nur eine psychologische Unwahrscheinlichkeit
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|| psychologische Unstimmigkeit
. So etwa, wie wenn Einer sagte “Der Apfel schmeckt sehr gut, aber ich mag ihn nicht.” Aber so ist es in jenem Fall auch nicht. – Es ist als könne ihn die Logik nichts angehen, oder als müsse es || es müsse (zu unserem Schreck) eine Logik der Behauptung außer der Logik der Sätze geben. Es müsse eine Erweiterung der Logik geben mit Regeln die zwar die Annahme p . ~q gestattet aber unter gewissen Umständen nicht die Behauptung. Und wo sollte das hinführen! Man stellt sich nämlich eine Logik nach Art der Aristotelischen vor nur noch komplizierter. Und doch ist schwer vorzustellen, wie so eine Logik begrenzt sein, wie sie die klaren, einfachen Konturen der Aristotelischen haben kann.
     Es scheint also, daß die Gesetze der Aristotelischen Logik nur eine kleine Zahl logischer Gesetze, einer gewissen Gruppe sind.. || die Gesetze der Aristotelischen Logik seien nur eine kleine Zahl logischer Gesetze, eine kleine leicht zu übersehende Gruppe von ihnen.

   
      ∣ Farben regen zum Philosophieren an. Vielleicht erklärt das die Leidenschaft Goethes für die Farbenlehre.
     Die Farben scheinen uns ein Rätsel aufzugeben, ein Rätsel, das uns anregt, – nicht aufregt. ∣
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     Der Mooresche Widerspruch ist insofern kein Widerspruch, als er nicht die gleiche Rolle in unsrer Sprache spielt wie p . ~p. Denn eine widerspruchsvolle Behauptung, oder ein Befehl haben ja eine || ihre bestimmte Wirkung. Wir sagen hier nicht: “Das ist ja kein Befehl”, sondern etwa: “Was willst Du also?! daß ich … , oder …?” Widersprüche werden ja wirklich manchmal aus Nachlässigkeit || Fahrlässigkeit, manchmal aber absichtlich geschmiedet. – Von dem Satz “Es regnet & ich glaube es nicht” sage ich nur, er sei keine Behauptung || Meldung; ich wüßte in einem Sprachspiel nichts damit anzufangen, wüßte einfach nicht, was gemeint sei.

   
     Wie ist so ein Paradox zu behandeln? D.h. wie müssen wir seine Umgebung gestalten || umgestalten || bestellen, damit es uns nicht mehr paradox vorkommt?
     Wir müssen die Umgebung anders, als wir's gewohnt sind, ansehen lernen.

   
     “Es brennt dort, aber ich glaub's nicht” – “Ich glaube Dir, & werde trachten Dich zu überzeugen, daß es brennt, –
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wie Du gesagt hast. Schau's doch an!” – “Ja, es ist wahr, jetzt seh ich's, daß es brennt.”
     Man würde in dem Fall sagen, die erste Mitteilung müßte automatisch geschehen sein. D.h., er würde, ehe wir ihn von ihrer Richtigkeit überzeugt haben, handeln wie einer, der sie nicht glaubt.

   
     Nun ist freilich das “und” oder “aber” in jenem || im Satze sonderbar.

   
     “Es drängt mich zu sagen ‘es brennt’, aber ich glaub's nicht.”
     Es könnte (also) Menschen geben, die uns ‘automatische’ Mitteilungen machen, aber auch solche mit der Intention der Mitteilung. Und solche Menschen könnten also auch nicht nur den Moore'schen Widerspruch aussprechen, sondern auch p . ~p.

   
     Wie aber würde sich eigentlich eine automatische von einer normalen Mitteilung unterscheiden?

   
     In dem Sprachspiel der Meldung gibt es den Fall, daß die Meldung angezweifelt wird, daß man annimmt, der Meldende glaube || vermute nur, was er meldet, habe sich
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nicht überzeugt. Hier sagt er dann etwa: “Ich weiß es”. D.h.: Es ist nicht bloß Vermutung. – Soll ich da sagen, er teile mir die Sicherheit seines Geistes mit? || die Sicherheit mit, die er bei seiner Meldung fühlt? Das möchte ich nicht sagen. Er spielt einfach das Meldungssprachspiel, & das “Ich weiß es” ist die Form einer Meldung.

   
     Heißt “Ich weiß es”: Ich bin davon durchdrungen? Manchmal ja.
     “Dies ist für mich ein Axiom” Ich sage etwas über die Art & Weise meines Denkens, über die Einrichtung meines Geistes. || meiner Seele.

   
     “Ich zweifle nicht daran.”
     “Es steht für mich fest.”

   
     Kann man nur wissen, was wahr ist? Nun, man sagt ja auch “Ich glaube es zu wissen” & hier kann dem Glauben keine Unsicherheit anhaften. Man könnte nicht sagen: “Ich bin nicht sicher: weiß ich's, oder weiß ich's nicht.”

   
     Mancher wird sagen, daß mein Reden über den Begriff des Wissens irrelevant sei, da zwar dieser Begriff, wie die Philosophen
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ihn auffassen, allerdings nicht mit dem der alltäglichen Rede übereinstimmt, aber eben ein wichtiger, interessanter Begriff sei, der durch eine Art Sublimierung aus dem landläufigen & nicht sehr interessanten gebildet sei || ist. Aber jener philosophische Begriff ist durch allerlei Mißverständnisse entstanden & befestigt Mißverständnisse. Er ist durchaus nicht interessant, außer als Exempel, um daran Mißverständnisse aufzuzeigen. || zu demonstrieren. || Aber der philosophische Begriff ist allerdings aus dem landläufigen noch durch allerlei Mißverständnisse gewonnen worden & er befestigt diese Mißverständnisse. Er ist durchaus nicht interessant; außer darum, weil || wenn wir nicht an ihm gewisse Gefahren demonstrieren können. || es sei denn zur || als Warnung.

   
     Es könnte also Menschen geben, die Sätze sagen, die wir übersetzen müßten: “Es regnet & || aber ich weiß nicht, ob es regnet”, oder auch “Es regnet. Regnet es wirklich?” Und die Antwort wäre dann: “Ja, Dein Unterbewußtes hat ganz || gewiß recht.” Man wird dann auch sagen können: “Es regnet; & weil ich's sage, wird's wohl wahr sein.”
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     Du darfst wieder nicht vergessen, daß “Ein Widerspruch hat keinen Sinn “nicht heißt: der Sinn des Widerspruchs ist ein Unsinn. – Für den || Den Widerspruch schließen wir aus der Sprache aus; wir haben für ihn keine klare Verwendung & wollen ihn nicht verwenden. Und wenn “Es regnet, aber ich glaube es nicht” sinnlos ist, so wieder, weil eine Verlängerung gewisser Linien zur Sinnlosigkeit führt. || zu dieser Technik führt. Aber unter ganz andern als den normalen Umständen könnte jener Satz einen klaren Sinn erhalten.

   
     Wenn es ein ‘automatisches’ Reden gäbe, so könnten wir z.B. nicht mit der || einer solchen Äußerung streiten, den, der sie ausspricht, nicht eines Irrtums überweisen wollen. Wir würden also nicht die gleichen Sprachspiele mit dem automatischen, wie mit dem normalen Reden spielen.

   
     Wenn ich ein Reden “automatisch” nenne, so stellt man sich dabei etwas Inflexionsloses, Maschinelles vor. Aber
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das ist für uns gar nicht wesentlich. Man braucht nur anzunehmen, daß zwei Personen durch den einen Mund reden. Und wir haben dann, was gesagt wurde auch als die Äußerung zweier Menschen zu behandeln. Es könnten also beide Sätze mit der Intention der Mitteilung gemacht || gesprochen werden. Und es würde sich nur fragen wie ich auf diese Mitteilungen reagieren sollte.

   
     Kann “Ich glaube, daß es so ist” oder “Ich glaube nicht, daß es so ist” einmal gar nicht als Behauptung eines äußeren Faktums, sondern lediglich als Beschreibung meines eigenen Seelenzustandes gebraucht werden? Nun, ich glaube das geschieht manchmal; wie man etwa sagt || so ungefähr wie man manchmal sagt “Ich lasse die Hoffnung noch immer nicht fahren …” & damit nur eine Stimmung ausdrücken || beschreiben, & nichts über die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens eines || des Ereignisses sagen will.

   
     “Ich wollte Dir nichts mitteilen || melden, es ist das nur so herausgerutscht.” Was herausgerutscht ist, konnte wertlos sein, oder auch höchst wertvoll.

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     “Es regnet, aber ich glaube es nicht” könnte sehr wohl heißen || dasselbe heißen wie: “Es regnet, aber ich weigre mich es anzuerkennen”.

   
     “Ich wollte Dir keine || nicht eine Mitteilung machen; es ist nur so herausgerutscht.” – Wovon benachrichtigt Einen das? Heißt es nicht soviel, wie “Nimm das nicht als Mitteilung auf!”; reagier darauf nicht als auf eine Mitteilung!”?

   
     “Sagte ich ‘Ulme’? Ich habe die ganze Zeit ‘Esche’ gemeint.” Das heißt: ich wußte, daß dieser || der Baum eine Esche war, versprach mich aber irgendwie & sagte “Ulme”. Und hier könnte das Problem auftauchen: Was geht in dem vor der “Ulme” sagt & “Esche” damit meint? – “Nun, er denkt eben dabei an eine Esche.” || dabei, es sei eine Esche.” Und wie tut man das? Meine Aussage bezieht sich auf eine Potenz, auf ein Wissen.

   
     “Ich weiß, daß es so ist” kann so viel heißen, wie: “Ich habe mich davon überzeugt”, auch “Ich habe keinen Zweifel daran”, auch “Es steht für mich fest”, auch “Es ist keine Vermutung, sondern Sicherheit”. || , auch “Es ist so”.
     Was heißt: “Ich habe mich davon
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überzeugt & seitdem weiß ich's”? Es ist hier als finge der Zustand des Wissens mit dem Überzeugen an. “Ich habe mich davon überzeugt, daß er ehrlich ist, & seitdem weiß ich's” – ist damals eine Veränderung in meiner Seele hervorgerufen worden, die dann angehalten hat? Ist das “seitdem weiß ich's” nicht irreführend? Heißt es im letzten Beispiel nicht einfach: ich habe seitdem nie das Gegenteil angenommen, ich habe seitdem nie wieder daran gezweifelt, es sind mir keine Zweifel aufgestiegen?

   
12.1.
     Wohin gehört der Satz, daß grün & rot, hell & dunkel, groß & klein einander ausschließen? Man möchte vielleicht sagen: Wenn die Wörter “grün” & “rot” das bedeuten, diese Farben, so können sie einander nur ausschließen. Du kannst || Man kann die Bedeutungen nicht verstehen, ohne zu sehen, daß sie unvereinbar sind. Und darin ist etwas Wahres & etwas Falsches. – Was man Einem vorführen möchte um ihm die Idee der Unvereinbarkeit zu erklären wäre etwa dies: Man hat einen Streifen rotes Papier; man läßt ihn etwa von links nach rechts langsam grün werden & das Rot weicht vor dem Grün zurück, dann läßt man das Rot Raum gewinnen & das Grün muß weichen. So, sagt man ihm, kann etwas nicht grün & rot zugleich
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sein; sowie, wo der eine Körper ist, der andre nicht sein kann.

   
     Aber die Demonstration könnte auch anders ausschauen: Wenn das Grün die rote Fläche insurgiert, || in die rote Fläche eindringt, sieht man Schwarz, & erklärt: Siehst Du das Rot ist nicht gewichen, es ist da & das Grün ist da, & sie streiten mit einander & dann sieht man sie nicht gut. Sowie man ja auch Leute nicht gut hört, wenn sie zusammen schreien. Aber, wenn man ganz genau hinhört, so geht's; & wenn Du ganz genau auf das Schwarze siehst, kannst Du das Rot drin sehen, wie es mit dem Grün streitet.

   
     Einerseits kann man sagen, daß Schwarz & Weiß in Grau koexistieren können; & anderseits wird man sagen: “Aber wo Grau ist, ist natürlich weder Weiß, noch Schwarz. Was grau ist, ist natürlich nicht wirklich weiß.”

   
     Ich will doch sagen: Es liegt an den Begriffen; nicht an ‘Gegenständen’ (den Farben) welche unsern Farbwörtern entsprechen. Das heißt: Man könnte sehr wohl unsern Farbbegriffen ähnliche durch hinweisende Erklärungen ganz wie die von “rot”, “weiß” etc. etc. erklären || definieren, & dann doch
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zulassen, daß rot & weiß zugleich an einem Ort bestehen || einen Ort einnehmen können.
     Aber wie ist es mit “hellrot” & “dunkelrot”? Wird man auch sagen wollen, daß diese irgendwo zugleich sind? oder Lila & Violett? – Nun, denk Dir den Fall Hellblau & Dunkelblau & zwar ganz bestimmte Töne umgäben uns ständig & wir können nicht (wie es tatsächlich der Fall ist) leicht beliebige Farbtöne erzeugen. Es wäre aber unter Umständen möglich eine || die hellblaue Substanz mit einer || der dunkelblauen zu mischen & dann erhielten wir einen seltenen Farbton, den wir nun auffassen als eine Mischung von Hellblau & Dunkelblau.

   
     “Aber wären dann unsre Farbbegriffe die gleichen wie sie heute sind?” Sie wären diesen sehr ähnlich. Ungefähr wie die Zahlbegriffe der Völker, die nur bis 5 zählen können, den unsern.

   
     Man kann sagen: Wem ein Wort durch Hinweisen auf einen färbigen Fleck erklärt wird, der weiß nur insofern, was gemeint ist, als er weiß, wie das Wort anzuwenden ist. Das heißt: Es gibt hier kein Erfassen des ||
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Erfassen, Auffassen des
Gegenstandes, außer durch ein Erfassen der || einer Technik.
     Anderseits könnte man doch sagen, ein Erfassen, Ergreifen des Gegenstandes vor jedem Erfassen einer Technik sei möglich; denn wir können Einem einfach den Befehl geben “Kopiere dies!” & er kann nun z.B. die Farbe kopieren, oder die Form || Gestalt & Größe, oder nur die Gestalt, oder die Farbe aber nicht den genauen Ton, etc. Und hier tut das Kopieren, was bei einem Körper etwa ein in die Hand Nehmen tut. – Es ist uns da, als könnten wir, was gemeint ist, die Farbe etwa, mit einer eigenen feinen geistigen Zange anfassen, ohne irgend etwas anderes mit zu ergreifen. || nehmen.

   
     Der Geist || Verstand, sage ich, ergreift den einen Gegenstand; & dann reden wir von ihm & seinen Eigenschaften, seiner Natur, gemäß.

   
     Wie aber weiß ich, daß Dein Geist den gleichen Gegenstand ergreift, wie meiner? Doch eben z.B. dadurch, wie Du auf meinen Befehl, “Kopiere die Farbe” z.B. reagierst. Aber hier, wirst Du sagen, können wir nur das Essentielle
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dieser Reaktion erkennen, indem wir ihn öfters Farben kopieren heißen. Das heißt wohl, ich werde nach einigen dieser Reaktionen andere vorhersehen können; & dies erkläre ich, indem ich sage: ich weiß nun, ‘was’ er eigentlich kopiert. Also die Farbe, oder die Form z.B. – aber es gibt hier mehr solche was, als wir für gewöhnlich anzunehmen geneigt sind; d.h. man kann auch Begriffe bilden, die uns ganz ungewohnt sind.
     Es kann auch sein, daß ich allerdings nach einigen Reaktionen des Kopierens andere richtig voraussehen & nun mit ihnen rechnen kann – also sage, wir hätten uns || einander nun verstanden – daß ich aber in einer etwas andern Situation eine Überraschung erlebe. – Und was soll ich nun sagen: Ich hätte ihn die ganze Zeit mißverstanden? oder, ich habe ihn zum Teil mißverstanden? Wenn Du ans Ergreifen eines Gegenstandes denkst, wirst Du vielleicht das erstere sagen, gemäß dem Bild, er habe eben nicht den Gegenstand ergriffen, den ich glaubte. Denken wir aber an Techniken || Methoden des Gebrauchs von Worten so werden wir sagen, es seien hier ungleiche, aber ähnliche, Methoden.

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     Hier ist es nun freilich wichtig, daß eine Technik für uns eine Physiognomie hat. Daß wir z.B. von einer einheitlichen & einer uneinheitlichen Verwendung sprechen können. – Und was bedeutet nun “einheitlich” & “uneinheitlich”? Was teilen wir Einem durch diese Ausdrücke mit?

   
     Wir sagen von Einem, der viel weiß, er habe seinen Geist bereichert, & hier denken wir daran, daß er kann, was ein Andrer nicht kann. Er hat sich Fähigkeiten angeeignet. – Wer aber sagt “Ich weiß, daß dieses Holz feucht ist” der will ‘über das Holz reden & nicht über sich’ also nicht, wie der, der sagt “Ich weiß, wie die römischen Kaiser geheißen & wann sie gelebt haben.”. Statt dem ersten Satz könnte man sagen “Das Holz ist feucht; verlaß Dich drauf!” Man möchte also sagen, daß “Ich weiß” in einem Falle heißt “Ich kann …”, im andern Fall aber “Es ist so, ich habe mich davon überzeugt”. Im ersten Falle nun liegt es nahe vom Wissen als einem Zustand des Geistes zu reden, in dem Sinne, in welchem man ‘den Geist durch Lernen bildet.’ || zu reden; der Geist ‘wird durch Lernen bereichert, gebildet’. Niemand
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aber wird ausrufen, wenn ich ihm sage “Ich weiß, daß er heute kommt”: “Welches Wissen!” “Wissen || Etwas wissen” im Sinne von: sich davon überzeugt haben, keinen Zweifel haben, alle Zweifel definitiv erledigt haben, ist nicht mit dem gleichen Rechte ein Zustand meines Geistes zu nennen.

   
     Aber es gibt hier auch Grenzfälle, die verwirrend sind. Wissen im ersten Sinn ist ein gelernt & nicht vergessen haben. Es hängt so mit dem Gedächtnis zusammen. – Nun kann ich also sagen: “Ich weiß wieviel 97 × 78 ist” oder “Ich weiß, daß 97 × 78 432 ist.” Im ersten Falle, so wollte ich sagen, teile ich jemand mit, ich könne etwas, habe einen gewissen Besitz; im zweiten versichere ich dem Andern einfach 97 × 78 sei 432. Heißt denn “97 × 78 ist ganz bestimmt 432” nicht, ich wisse, es sei so? Man kann auch so sagen: Der erste Satz ist sicher kein arithmetischer, noch kann ihn ein solcher irgendwie ersetzen; den zweiten aber könnte ein arithmetischer Satz aussprechen || statt des zweiten aber könnte man einen arithmetischen Satz verwenden.

   
     Es könnte freilich der Satz “Ich weiß, daß
d sin x
dx
= √x ist” auch so gedeutet werden: Ich kenne
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den Beweis dieses Satzes” – ein Wissen der besitzenden Art.

   
     Der Unterschied ist der: Im Satze “Ich weiß, wie es ist || sich verhält” kann das “Ich weiß” nicht wegbleiben. Den Satz “Ich weiß, daß es sich so verhält” kann man ersetzen durch “Es verhält sich so”.

   
     “Es wird regnen”. – “Du glaubst, es wird regnen?” – “Ich weiß, es wird regnen.” Sagt der dritte Satz mehr als der erste? Er ist die Wiederholung des ersten & die || eine Abwehr des zweiten.

   
     Aber gibt es nicht ein Phänomen des Wissens, sozusagen ganz abgesehen vom Sinn der Worte “Ich weiß”? Ist es nicht merkwürdig, daß ein Mensch etwas wissen kann, die Tatsache gleichsam in sich selbst haben kann? Aber das ist eben ein falsches Bild. Denn sagt man, wissen ist es nur, wenn es sich wirklich verhält, wie er sagt. Aber das ist nicht genug. Es darf sich nicht nur zufällig so verhalten. Er muß ja || nämlich wissen, daß er weiß: das || weiß. Das Wissen ist ja sein eigener Seelenzustand; er kann darüber, außer durch eine besondere Verblendung, nicht im Zweifel, oder Unrecht sein. Wenn also das Wissen, daß es so ist, nur ein Wissen ist, wenn es wirklich so ist; & wenn das Wissen in ihm ist,
100
so, daß er darüber, daß es ein Wissen ist, unfehlbar ist; dann ist er also auch darüber unfehlbar, daß es ist, wie es das Wissen weiß; & also muß die Tatsache, die er weiß, so wie das Wissen, in ihm sein.
     Also: Wenn ich sage || , ohne zu lügen, sage “Ich weiß, daß es so ist”, so kann ich nur durch eine besondere Verblendung im Unrecht sein.

   
     Man ist der Versuchung zu sagen: “Ich habe jahraus jahrein ein F gesehen, ohne zu wissen, daß ich's in einer bestimmten Weise sehe. Erst seitdem ich's jetzt auf eine andere Weise gesehen habe, weiß ich jetzt, daß ich's immer auf bestimmte || besondere Weise sehe.” Ich bin mir jetzt erst meiner Bekleidung || meines Kleides bewußt.

   
     Oder soll ich so sagen: Es gibt ein ‘die Figur so oder so auffassen’ (Dauerzustand, Disposition), & ein ‘die Figur so & so ansehen’, & dann auch ein ‘die Figur so sehen’.
     Wer z.B. sagen würde “Für mich hat dieses F jetzt ein dummes Gesicht, sieht es auf diese Weise. – Sieht er aber auch ein Gesicht als Gesicht? Nein. Man könnte das so erklären: Wenn ich einen Buchstaben, sagen wir eines Tages als Gesicht sehe, so könnte sich
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das darin äußern, daß ich den Buchstaben anglotze indem ich sein Gesicht nachmache. Das würde ich aber doch beim Anblick eines wirklichen Gesichts nicht machen.

   
     Auf einen Buchstaben gesichthaft reagieren – könnte man sagen – heißt nicht auf ihn wie auf ein Gesicht reagieren.

   
     Heißt ‘das Bild nicht so sehen’, || : es anders sehen?

   
     Denk Dir diesen Fall: Ein Vexierbild wird mir gezeigt; ich sehe darin Bäume, Leute etc. Ich untersuche es, & plötzlich sehe ich eine Gestalt in den Kronen der Bäume. Wenn ich es danach ansehe, sehe ich jene Striche nicht mehr als Zweige, sondern als Teile der Gestalt. || sondern zur Gestalt gehörig. Nun stelle ich das Bild in meinem Zimmer auf & sehe es tagtäglich, & da vergesse ich zumeist ganz die zweite Interpretation & es ist nun zumeist || einfach ein Wald. Ich sehe es also, wie jedes andere Bild eines Waldes. (Du siehst die Schwierigkeit.) – Ich sage nun von jenem Bild einmal, || : “Ich hab es schon lange nicht
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mehr, als Vexierbild gesehen, (ja) beinahe vergessen, daß es eins ist.” Da kann man natürlich fragen “Wie hast Du's denn gesehn?” & ich werde sagen “Nun, als Bäume & …” & das ist auch ganz richtig; aber hab ich also nicht nur die Linien des Bildes gesehen & gewußt was es darstellt, sondern sie || das Bild gesehen & gewußt was es darstellt, sondern es auch immer gemäß || immer diesem Wissen gemäß einer bestimmten Deutung gesehen || wahrgenommen? Lieber möchte ich sagen: Für mich waren's jetzt einfach immer Bäume, ich habe nie in anderm Sinne auf das Bild reagiert. || Sinne an das Bild gedacht.

   
     Ich spreche das Bild nicht immer, wenn ich es sehe, als das & das an; aber gibt es nicht einen Zustand, in welchen der eine Aspekt jedenfalls ausgeschlossen ist, obwohl der andere nicht lebendig ist. Kann man sagen: Wenn ich überhaupt an das Bild als eine Darstellung von etwas denke, so auf diese Weise. Oder: ich bin mir schwach bewußt, daß dort das Bild von Bäumen hängt. Oder sind es die Formen, die räumlichen Formen die ich sehe & die mich dann zu einer Interpretation konditionieren? Das klingt mir nicht ganz wahrscheinlich.

   
     Ich möchte sagen: “Soweit ich mich überhaupt mit dem Bild beschäftigt habe, so als Bild von Bäumen.” Aber das setzt voraus
102
daß ich es so nur dauernd sehen könnte, ∣ wenn ich mich doch etwas mit dem Bild ‘beschäftigte’.

   
13.1.
     Wenn sich ein philosophisches Problem nicht gibt, so muß man sich immer sagen, daß man es falsch angefaßt hat. || so muß man sich stets wiederholen, daß das daher komme, daß man es falsch angefaßt hat. Daß man noch einen tiefen, || grundlegenden, nicht nur einen oberflächlichen Fehler mache. (Dies ist beinahe auch ein Trost.)

   
     Denk an den Fall der rotierenden Trommel. Du betrachtest sie, sozusagen, gedankenlos. Hast Du nicht den Eindruck sie bewege sich in dieser, nicht in der andern, Richtung? Hast Du nicht diesen Eindruck ebenso dauernd, wie den von ihrer Farbe & Form? Und ist es nun mit den Bäumen in jenem Bild nicht gerade so? Ebenso wie es nichts macht, daß sich die Trommel tatsächlich nicht in der Richtung bewegt wie Du es siehst, ebenso macht es auch nichts, daß das Bild in Wirklichkeit flach ist.

   
     Lernt das Kind, das den Buchstaben
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F kennen lernt, ihn, oder diese Form, als ein F auffassen? – Es lernt diese Form so & so gebrauchen. Der Ausdruck “Etwas als ein F auffassen” hat nur Sinn, wenn man die Form nicht für ein F hält. Ein F sehen, heißt nicht, etwas was man sieht als ein F auffassen. (Wie man zwar einen andern Komponisten, aber nicht Beethoven für einen Beethoven halten kann.) – Das heißt: Erst muß es ein F geben, ehe man etwas als ein F auffassen kann.

   
     Wenn ich einen Gegenstand anschaue, einen Würfel, einen Baum, einen menschlichen Kopf, & man fragt mich, was ich sehe, so kann ich zur Antwort eine Zeichnung anfertigen, oder aber ein Modell oder ich kann durch Worte & Gesten eine Beschreibung geben. Ist es ein Gegenstand, der sich für zweierlei halten läßt, etwa das Drahtgestell eines Würfels, so kann ich wieder auf die Frage “Was siehst Du?” mit einer Nachbildung, oder Beschreibung antworten & ich kann dies tun ob ich mir nun der Doppeldeutigkeit des Objekts bewußt bin, oder nicht. || & ich kann dies tun, wenn ich mir der Doppeldeutigkeit des Angeschauten bewußt bin, wie wenn ich's nicht bin. Sagt man, ich könne es einmal als das, einmal als jenes sehen, so ist
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das ‘es’ immer der Gegenstand vor meinen Augen (ob räumlich, oder flach); & das das & jenes bezieht sich auf die Zeichnung, das Modell, die Beschreibung die ich anfertige; sie sind es auf die ich dabei zeige, nicht etwas in mir, oder || und der Gegenstand, den ich angeschaut habe. || der Gegenstand, der mir den || diesen Eindruck lieferte.
     Wie vergleicht sich dieser Fall nun mit dem des F, das man auf zwei Arten sehen kann? – Gefragt, was ich sehe, wird die deutlichste Antwort eine genaue Kopie sein. Diese Darstellung || Antwort entspricht der im zuerst besprochenen Fall. Während die zwei ‘Arten des F zu sehen’ eine ganz andere Art der Darstellung erfordern. Vor allem ist hier eine andere Beziehung zwischen ‘dafür halten’ & ‘als das sehen’.

   
     Im ersten Fall könnte ich zur Antwort eine genaue Kopie des Angeschauten anfertigen || machen & auf sie zeigend, sagen “Das ist, was ich dort sehe”. Um aber zu sagen ‘wie’ ich die Figur sehe, darf ich das nicht tun. Im Gegenteil, ich muß auf andere Formen zeigen.

   
     Nehmen wir nun an, ich habe das
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F eines Menschen gesehen, welches er so schreibt: , & habe es immer für ein Spiegel F gehalten; d.h. ich habe einen gewissen Zusammenhang zwischen seinem Buchstaben & dem regelrecht geschriebenen vermutet || angenommen. Nun machst Du mich aufmerksam, daß dieser Zusammenhang nicht besteht, sondern ein anderer der der verschobenen Striche). Dies verstehe ich, & sage nun: “Dann sieht es freilich auch anders aus.” “Dann sieht es freilich auch anders aus.” Gefragt “Wie anders?”, sage ich etwa: “Früher sah es ungeschickt aus, jetzt aber kühn & energisch.”

   
     Denke Dir, es hätte Einer Gesichter immer nur mit einem Ausdruck, sagen wir lächelnd, gesehen. Und nun sieht er zum ersten Mal ein Gesicht seinen Ausdruck verändern. Könnte man da nicht sagen, jetzt erst sehe er || bemerke er einen Ausdruck des Gesichts? Erst der Wechsel machte den Ausdruck bedeutsam, früher gehörte er eben zur Anatomie des Gesichts. – Ist es so auch mit dem Aspekt der Buchstaben? Ausdruck, könnte man sagen, gibt es nur, wo es Mienenspiel gibt || gibt es nur im Mienenspiel.

   
     Es ist doch auch etwas anderes, ob
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z.B. ein Buchstabe so geschrieben ist wie er eben geschrieben sein soll || geschrieben gehört, oder ob ich von dieser Schreibweise weiß, sie sei eine sehr unkonventionelle || abnormale, & dann kommt es darauf an: in welcher Weise abnormal. Aber diesen Eindruck kann doch nur erhalten, wem nicht nur diese Form gezeigt wird, sondern wer auch das & jenes über sie weiß.

   
     Man kann also sagen, es werde der einen Buchstaben anders sehen, der ihn immer so gelernt hat, als wer in ihm eine bestimmte Abweichung von der Regel erkennt. || als der, welcher in ihm eine bestimmte Abweichung von der Regel sieht. Der Mund lächelt eben nicht der immer lächelt. Ich sagte, er wird ihn anders sehen – d.h., || : er wird ihm anders vorkommen. Er wird anders auf ihn reagieren.

   
     Wie mir ein Buchstabe vorkommt hängt also davon ab, ob er streng nach der Norm gebildet || geschrieben ist, oder ob, & wie er von ihr abweicht. Dann ist auch das begreiflich, daß es einen Unterschied macht, ob wir nur eine, oder zwei Erklärungen der || einer Buchstabenform kennen.

104


   
     Wie konnte ich denn sehen, daß diese Stellung || Gebärde zaghaft war, ehe ich wußte, daß sie eine Stellung, & nicht die Anatomie dieses Wesens war.

   
     Die gleiche Form gehört jedesmal in ein anderes Bereich. Sie assoziiert sich mit Anderem.

   
     Erst jetzt weiß man, sozusagen, daß man Prosa schreibt.

   
     Das Sehen des Buchstabens als Spiegel F entspricht einem GedankenDas kann ja auch ein Spiegel F sein”. Jeder solche Gedanken “Es kann ja auch so aufgefaßt werden” bringt, sozusagen, einen Aspekt zum Aufleuchten. Zum Aufleuchten & Nachleuchten. Ich will sagen: ohne diesen Gedanken ist ein Aspekt nicht da. || gibt es den Aspekt nicht. D.h. || Das hieße: die entstehende Auffassung, also das Wechseln der Auffassung erzeugt das Aufleuchten des Aspekts; d.h.: das Aufleuchten, was wir “Aspekt” nennen. Darum habe ich früher einmal geschrieben, der Aspekt sei der Nachklang eines Gedankens.

   
     Wo ich hier Fehler mache, dort sind
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es logische Fehler || Fehler in der Logik.

   
      Das Bild der zwei gegen einander rotierenden Räder. Hier hat, was wir Aspekte nennen, nichts mit gewissen Gedanken zu tun. Wir erkennen freilich, daß die verschiedenen Beschreibungen, die wir abwechselnd von unserm Gesichtseindruck geben wollen || müssen in einer Beziehung dasselbe Gesichtsbild beschreiben.

   
     Ist der Aspekt willkürlich, wie ich immer gesagt habe, oder läßt er sich nur oft hervorbringen; durch wechselnde Blickrichtung, z.B.?

   
     Sag Dir, das Dreieck sei umgefallen, & Du siehst es als umgefallenes.

   
     Du kannst neue Aspekte entdecken, oder erfinden, indem Du eine neue Auffassung suchst || der Figur suchst, an eine Dir neue Gruppierung der Striche denkst; & nun wirst Du manchmal diese Gruppierung sehen.
     Du suchst nach einer neuen || findest eine neue Interpretation, & als Folge davon siehst Du die Figur in dieser Interpretation.

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     Die Frage ist nun: Wenn man eine Figur einer Interpretation gemäß sehen kann, sieht man sie immer einer Interpretation gemäß? Und ist da ein scharfer Unterschied zwischen dem Sehen das mit keiner Interpretation verbunden ist & jenem andern?

   
     Ich will sagen: Das Sehen einer Figur in dieser Interpretation ist ein Denken an die Interpretation. Denn soll ich sagen es sei möglich dies als ein Spiegel F zu sehen & dabei nicht an die besondere Beziehung zu denken die das Wort Spiegel-F bedeutet? Ich sehe doch eine Deutung & eine Deutung ist ein Gedanke.

   
     Es muß sich alles darum handeln wie man den Gesichtseindruck, ich meine: das, wovon man sagt, man sehe es, wenn man ein bestimmtes Objekt anschaut – wie man die darzustellen hat.
     Wenn ich die rotierende Trommel anschaue, so ist es leicht ein Modell zu machen was zeigt wie ich ihre Bewegung sehe. – Ähnlich auch beim Bild der beiden Räder, obwohl hier der Fall des nicht näher beschreibbaren Zitterns der Speichen ein Problem bildet. – Wie soll ich darstellen was ich im Vexierbild
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sehe, vor & nach der Lösung? Wenn es z.B. Bäume darstellt, so wäre, was ich sehe durch ein räumliches Modell darzustellen. Daß es aber Bäume sind wird sich darin äußern, wie meine Gedanken dieses Bild || diese Bilder umspielen. Sehe ich aber die Auflösung des Bildes, so wäre, was ich sehe, nur durch das Bild eines Menschen darzustellen, wovon man sagt, man sehe so etwas an dieser Stelle des Bildes || Vexierbildes. Man könnte aber, was man hier sieht, auch dadurch darstellen, daß man das Vexierbild genau kopiert aber die Striche in besonderer Reihenfolge zeichnet, so zwar, daß dadurch z.B. die menschliche Gestalt in den Baumkronen als Einheit zusammengefaßt würde. / Oder man || Man könnte das Vexierbild vor & nach der Lösung beiläufig kopieren, & dann würde hier der Fehler beim Kopieren des ersten Aspekts verschieden sein von dem Kopieren des zweiten. Ich könnte also sagen: “Vor der Lösung sah ich ungefähr das (& zeichne einen Wald), || ‒ ‒ ‒ nach der Lösung ungefähr das (& zeichne einen Menschen in den Baumkronen).

   
     Denk Dir auch ein Vexierbild solcher
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Art, daß sein erster Anblick kein Bild zeigt, sondern bloß ein Gewirr von Strichen, & man nach der Auflösung eine Gestalt in diesem Gewirr wahrnimmt. Was wäre die Darstellung des ersten Aspekts?
     Und was ist nun die Darstellung dessen, was man sieht, wenn man sieht, daß dieses Dreieck umgefallen ist?

   
     Der Beweis, daß meine Fehler logische sind, || logischer Art sind, ist, das || ein Vorführen der psychologischen Erscheinungen, wenn ich über die Philosophie der Begriffe nachdenke. || ist, daß ich mir immer die Erscheinungen || die Erscheinungen immer || die Erscheinungen vorführe wenn ich über die Philosophie der Begriffe nachdenke.

   
14.1.
     Es geht doch darum, was alles zum Zustand des Sehens zu rechnen ist.

   
     Und es muß da, glaube ich, schon ein Unterschied zwischen dem Sehen von Farben & Formen & dem räumlichen Sehen gemacht werden. Aber nicht, als wäre das letztere eigentlich kein Sehen, sondern ein Deuten, oder dergleichen; aber die Darstellung, oder was wir eben die “Darstellung des Gesehenen” nennen, unterscheidet sich. – Du mußt überlegen, daß was Einer sieht, in der wichtigsten Klasse
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von Fällen, in einer Meldung über das betrachtete Objekt zum Ausdruck kommt. Und zu dieser Meldung gehört natürlich auch die räumliche Anordnung. – Wie ist es nun, wenn Einer zu melden hat, was er auf einer Fläche sieht & wenn die Zeichnung auf ihr den Charakter des Vexierbildes hat? Erstens, was das Räumliche anbelangt so kann er, was er auf der Fläche sieht auch räumlich beschreiben; ja das ist vielleicht die einzige Art der Beschreibung, die er geben kann.

   
     Eine wichtige Mitteilung || Meldung wird z.B. sein: “Es hat sich in dieser ganzen Zeit nichts verändert.” Sie beruht eben auf andauernder Beobachtung.

   

∣ Der Mensch kann alles Schlechte in sich als Verblendung ansehen. ∣

   
     Wenn ich die Lösung des Vexierbilds sehe || entdecke mache ich über das Bild selbst eine Entdeckung. Die Entdeckung z.B., daß durch diese Camouflage ein Schiff verborgen wurde. Ich will Einem etwa geheim mitteilen, wie ein gewisser Mensch ausschaut & verberge meine Mitteilung, nämlich sein Porträt in einem
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Vexierbild.

   
     Ich will || möchte sagen, daß jemand, der ein Dreieck, sagen wir, umgefallen, oder in der & der Richtung zeigend, & dergl., sieht, sich mit dem Bild auf diese Weise beschäftigt, || . Aber welchen Beweis habe ich davon. Denn ich brauche einen Beweis.
     Angenommen jemand versicherte mir, er sähe das Dreieck in dieser Weise, geradeso, wie er es rot, oder rechtwinklig sieht, – was kann ich dem antworten? Oder warum versteh ich ihn nicht?

   
     Angenommen es wollte Einer erklären: Wenn man das Dreieck so sieht, so sagt man sich eben dabei, es zeige in der Richtung. Aber er möge also diese Worte, “Es zeigt …” beim Anschauen der Figur aussprechen, – was nützt das? Warum soll der Klang dieser Worte mehr in sich haben, als die Figur selbst. Das ist wahr, daß ich die Figur so sehe, wenn ich mir dies dabei sage.

   
     Ich sage: Ich sehe die Figur in allen solchen Fällen in einem bestimmten Zusammenhang. Und kann ich also nicht sagen, daß ich eben dadurch an diesen Zusammenhang denke? Ein
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‘Zusammenhang’ ist doch ein Gegenstand des Denkens (was immer das heißen mag).

   
     Es ist ja ganz sicher, daß, wenn ich an die Figur als das oder das denke, ich sie dann (oft wenigstens) so sehe. (Aber diesen Begriff selbst habe ich noch nicht erklärt.)
     Ja, es ist als hätte der Gedanke eine Glocke angeschlagen, die nun weiter schwinge.
     (Ich mache noch immer einen schweren logischen Fehler!)

   
     Wenn ich ein Dreieck anschaue & es als Berg sehe, – denk ich da nicht eben an einen Berg? Ich könnte doch drauf schauen & dabei über einen Berg nachdenken wobei ich das Dreieck als eine Illustration verwende. Ich könnte natürlich auch über einen Berg reden & das Dreieck so verwenden. Und kann nun nicht das Reden & auch das Nachdenken wegfallen & das Dreieck für mich dennoch das Bild eines Berges bleiben?

   
     Wenn ich die Figur eine Gedankenhilfe nennte, so könnte ich sagen ich sehe sie als diese Gedankenhilfe.
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     Man könnte sagen: es knüpfen || hängen sich Gedanken an die Figur in diesem Aspekt.

   
     Es scheint mir ich kann nicht über das Dreieck als das & das denken & es zugleich als etwas anderes sehen, || : z.B. es als dreieckiges Loch sehen & als dreieckigen Berg darüber denken. Oder sagen wir: es als Illustration in einem Gespräch über einen Berg dieser Form verwenden & es dabei als Loch sehen. (Aber ist das ein Erfahrungssatz?)

   
     Es ist mir als müßte ich eine Anstrengung machen, um einen Aspekt festzuhalten. Als wäre deshalb der Aspekt der Zustand eines Tuns. Als müßte ich also die Glocke immer wieder anschlagen, wenn sie weiterklingen soll. Und wenn ich das sage, so scheint es mir merkwürdigerweise nicht als ein Satz der Erfahrung über mich selbst sondern als ein Satz über den Begriff.

   
     Wenn ich ein dreieckiges Loch in einem Papier anschaue, so muß ich doch nicht über ein solches nachdenken. Wenn ich aber ein Dreieck willkürlich als ein Loch sehe, so mach ich es
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zu einem Loch, & das möchte ich “denken” nennen.
     Ich will also sagen: Ich muß es dazu machen, damit es für mich das sei.

   
     Kann ich jetzt in seinem Gesicht das seines Vaters sehen & doch dabei nicht notwendigerweise an seinen Vater denken? In seinem Gesicht das seines Vaters sehen, war doch offenbar eine Art Vorstellen des Gesichts seines Vaters. Und da muß man sich erinnern, daß man die Vorstellung des so & so nicht als die des so & so erkennt.

   
     Wenn ich mir nun N.N. in seinem Garten vorstelle, soll ich da sagen, ich denke an ihn? Nun man sagt es jedenfalls.

   
     Wenn ich also eine Vorstellung des so & so festhalten kann, warum dann nicht ebenso einen Aspekt?

   
     Wenn ich nun aber die Figur erst als Spiegel-F, dann wieder als gewöhnliches F sehe, so stelle ich sie mir doch im zweiten Fall nicht als sich selber vor. Man könnte sagen ich stelle mir das Paradigma F einmal so, einmal anders darin ||
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in der Figur
liegend vor.

   
     Und so wie ich das Gesicht der Vaters im Gesicht des Sohnes sehen kann, auch wenn der Vater nicht da ist, aber ich ihn eben kenne, so sehe ich in das Paradigma umgekehrt liegen.

   
     Wie kann ich das nun auf das Hasen-Enten Bild anwenden? Ich sage, daß zum Sehen der Aspekte meine Bekanntschaft mit der Hasen- & Entenform nötig ist || Bedingung ist. Erkenne ich nun die Doppeldeutigkeit nicht & halte || nehme es einfach für ein Entenbild, so braucht doch hier von einem Aspekt nicht die Rede sein, sondern erst wenn ich nun dieses Bild auch als Bild des Hasen erkenne. Denn da sehe ich in ihm (nicht im Hasenbild) plötzlich den Hasen.

   
     Nimm aber an ich hätte das Porträt, die Photographie etwa, eines Menschen & sähe plötzlich das Gesicht seines Vaters im Bild. Nun, ich sagte, ich hätte mir da auf bestimmte Art & Weise seinen Vater vorgestellt; sozusagen mit einer Vorstellungshilfe. Wenn ich mich aber nun daran gewöhnte das Bild als eins des Vaters zu betrachten, & es nun ständig als solches auffaßte, hätte
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daran die Vorstellung noch Teil?

   
     Wenn ich ein Bild, welches als das des N.N. gemeint ist, als das des N.N. erkenne, – ist dies Akt der Vorstellung?

   
     “Aus seinem Gesicht schaut mich das des Vaters an.”
     “Ich habe einen Moment in seinem Gesicht das Gesicht des Vaters gesehen.” Das heißt mehr, als Ähnlichkeiten erkennen.

   
     Ich bin aber noch nicht sicher wie viel ich durch diesen Vergleich vom Sehen des Aspekts mit dem Vorstellen erreicht habe; obwohl er mir wichtig erscheint.

   
     Was für eine seltsame Frage ist es aber ob ich nicht an N.N. gedacht haben müsse, als ich sein Gesicht in dem seines Sohnes sah! || . Ich wollte natürlich nicht fragen ob ich nicht gleichzeitig mit jenem Vorstellen an ihn gedacht haben müsse, sondern ob das Vorstellen kein Denken war. Wie entscheidet man das aber?
     Ich sage z.B. “Ich habe gerade daran gedacht, ob es wohl auch in … angekommen ist”. Dieser Gedanke drückt sich in einem Satz aus. Jener andere etwa in
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einem Anruf: “Ach, der N.N.!”.

   
      ∣ Wenn es wahr ist, wie ich glaube, daß Mahlers Musik nichts wert ist, dann ist die Frage, was er, meines Erachtens, mit seinem Talent hätte tun sollen. Denn ganz offenbar gehörten doch eine Reihe sehr seltener Talente dazu, diese schlechte Musik zu machen. Hätte er z.B. seine Symphonien schreiben & verbrennen sollen? oder hätte er sich Gewalt antun, & sie nicht schreiben sollen? Hätte er sie schreiben, & einsehen sollen, daß sie sie nichts wert seien? Aber wie hätte er das einsehen können? Ich sehe es, weil ich seine Musik mit der der großen Komponisten vergleichen kann. Aber er konnte das nicht; denn wem das eingefallen ist, der mag wohl gegen dessen Wert || den Wert des Produkts mißtrauisch sein, weil er ja wohl sieht, daß er nicht, sozusagen, die Natur der andern großen Komponisten habe, – aber die Wertlosigkeit wird er deswegen nicht einsehen, denn er kann sich immer sagen, daß er zwar anders ist, als die übrigen (die er aber bewundert) aber in einer anderen Art wertvoll. Man könnte vielleicht sagen: Wenn Keiner, den Du bewunderst, so ist wie Du, dann glaubst Du wohl nur darum an Deinen Wert, weil Du's bist. – Sogar wer gegen die Eitelkeit kämpft, aber darin nicht ganz
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erfolgreich ist, wird sich immer über den Wert seines Produktes täuschen.
     Am Gefährlichsten aber scheint es zu sein, wenn man seine Arbeit irgendwo in die Stellung bringt, wo sie, zuerst von einem selbst & dann, von Andern mit den alten großen Werken verglichen wird. An so einen Vergleich sollte man gar nicht denken. Denn wenn die Umstände heute wirklich so anders sind, als die frühern, daß man sein Werk der Art nach nicht mit den früheren Werken vergleichen kann, dann kann man auch den Wert nicht mit dem eines andern vergleichen. Ich selbst mache immer wieder den Fehler, von dem hier die Rede ist. Unbestechlichkeit ist alles! ∣

   
     Konglomerat: Nationalgefühl, z.B.

   
15.1.
     Man kann in einem aufgehängten Mantel & Hut ihren Besitzer erkennen, sozusagen sehen. Man kann, auf sie deutend sagen “Schaut das nicht ganz aus wie …?” || wie der N.N.?”

   
     Wenn Einer sagt “Ich sehe die Figur jetzt als …”, so ist natürlich auf die Aussage, er ‘sehe’, nichts zu geben. Könnte er nun nicht ebensogut sagen “Ich denke es mir jetzt als ein …”?
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Er kann doch auch sagen “Für mich ist es jetzt ein …”. Nun, das, was am Ausdruck “denken” nicht paßt, ist, daß es auf etwas wie einen Vorgang eine Überlegung hinzuweisen scheint, nicht auf einen Zustand.
     Ja; das Wort “sehen” drängt sich uns auf. Aber nicht weniger (eben) (auch) der Ausdruck: es sei nun für mich das, den wir ja auch gebrauchen, wenn wir von einem Bild sagen: “Das ist eine Landschaft”, etc.

   
     Und “Das ist eine Landschaft”, “Das ist ein Berg” heißt natürlich nicht: Das ist das. – Aber hier muß man unterscheiden: Der Satz kann dem gesagt werden, || an den gerichtet sein, der das Bild noch nicht sieht, oder aber an den, der es sieht, aber noch nicht als Landschaft erkennt. Das “das” kann heißen “das, was dort hängt”, oder “das was Du jetzt siehst”.

   
     Was erfährt er, wenn ich ihm mitteile “Ich sehe es jetzt als …”? Wohl, || : ich sei in einem bestimmten Zustand. In einem Zustand, aus dem manches folgt || der manche ähnlichen Folgen hat, wie der: ich betrachte jetzt die & die Form. || Zustand, der manche ähnlichen Konsequenzen hat, wie das Sehen
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bestimmter Formen & Farben.


   
     Erinnere Dich daran, daß Du ja auch das Wandern des Blicks durch ein Bild (oder Modell) nicht wiedergeben kannst! Und würde man den Eindruck den es || das erzeugt nicht sehr natürlich zum Gesichtseindruck rechnen?

   
     Ich möchte doch sagen: Ich sehe soviele verschiedene Bilder dieser Figur. Ich sehe sie einmal so zusammengesetzt, einmal so.

   
     Rätselhaft, wie ich immer dasselbe, & immer wieder etwas anderes sehe.

   
     Die verschiedenen Beschreibungen die ich von meinen Aspekten gebe, sind tatsächlich verschiedene mögliche Beschreibungen der Figur auf dem Papier. In einem Sinne passen sie alle; sagen dem, dem sie gegeben werden alle dasselbe. Die Meldung, welcher Gegenstand vor meinen Augen sei, || das ist, die des wichtigsten, ursprünglichen Sprachspiels mit dem Ausdruck “Ich sehe” – macht zwischen diesen Ausdrücken keinen Unterschied. Nicht etwas, was ich beobachte, hat sich geändert, wenn der Aspekt sich
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ändert! Etwas ‘in mir’ hat sich geändert: Ähnlichkeit mit dem Vorstellen.

   
     Und beachte das “als” in “Ich sehe es jetzt als …”! Es ist ja hier doch ein Unterschied im Wortausdruck.

   
     Denke nicht an das was ‘sich nicht übermitteln läßt’; sondern an das, was sich mitteilen läßt!

   
     Es wird, oder kann, sich auch der Aspekt in welchem ich eine Figur sehe in der Art & Weise ausdrücken, wie ich sie kopiere, also doch, in einem Sinne, in der Kopie. Ich werde auch ein Gesicht, je nachdem ich's auffasse anders in der Zeichnung wiedergeben, obwohl die Photographie jedesmal das gleiche zeigt. Also hier wieder ein Grund vom “sehen” zu reden.

   
     “Das Wesentliche ist das, nicht das.”

   
     Daß ich eine andere Kopie (als || ein anderes Resultat) mache, das stimmt mit dem Begriff des Zustands || Sehzustands zusammen. Daß ich die gleiche Kopie erzeuge, sie aber anders erzeuge – die Striche in andrer Reihenfolge
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ziehe – weist auf den Begriff des Denkens.

   
     Mit welchem Recht gebraucht er da das Wort “sehen”? Oder hat er keine Berechtigung & ist es nur eine Sprachdummheit? Oder ist || liegt die einzige Berechtigung darin, daß ich & andere geneigt sind, zu sagen: || auch geneigt bin, zu sagen: einmal “ich sehe es als das”, einmal “ich sehe es als jenes”? Es könnte so sein. Aber ich bin durchaus abgeneigt, das anzunehmen; ich fühle, ich muß sagen “ich sehe etwas”. Was soll das aber heißen? – Ich habe doch das Wort sehen” gelernt. Was paßt ist doch nicht das Wort, sein || der Klang oder das geschriebene Bild. Der Gebrauch des Worts “sehen” ist es, was mir die Idee aufnötigt, ich sehe dies.
     Was ich über den Gebrauch des Wortes gelernt habe, muß mich zwingen, es hier zu gebrauchen.

   
     “Das ist doch: etwas sehen –” möchte ich sagen. Und es ist ja wirklich so: die Situation ist ganz die, in welcher dieses Wort auch sonst gebraucht wird; – nur ist die Technik hier etwas verschieden.

   
      ∣ Tiere kommen auf den Zuruf ihres Namens. Ganz wie Menschen. ∣
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     Der Gebrauch des Wortes “sehen” ist ja durchaus kein einfacher. – Man stellt sich ihn manchmal wie den eines Tätigkeitswortes vor, – & es sei nur schwer auf die Tätigkeit geradezu zu deuten. Man stellt sich ihn daher einfacher vor, als er wirklich ist, das Sehen sozusagen als ein Eintrinken mit den Augen. || Eintrinken von etwas mit den Augen. Wenn ich also etwas mit den Augen eintrinke, so kann kein Zweifel mehr bestehen, ich sehe etwas (wenn mich nicht Vorurteile täuschen).

   
     Man könnte sagen: Ich sehe die Figur einmal als den Grenzwert dieser Reihe, einmal als den Grenzwert jener. Dieser Wert könne der Grenzwert verschiedener Funktionen sein.

   
     Das, als was ich die Figur sehe, das kann sie immer, in einem gewissen Sinne sein. Wenn das auch nicht in anderem Sinne ‘sichtbar’ wäre. Denn eine Figur kann ja ihren Gebrauch, oder ihrer Entstehungsweise nach Grenzwert verschiedener Reihen sein. Ein Dreieck kann wirklich gebraucht werden, einen Berg darzustellen, oder als Pfeil um in dieser Richtung zu zeigen, etc., etc.
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     Die Beschreibung des Aspekts ist also immer auch eine richtige Beschreibung der Sehwahrnehmung.



   
     Es kann doch eine Figur, sagen wir ein Schriftzeichen, das korrekt geschriebene, oder, in verschiedenen Weisen, ein fehlerhaft geschriebenes sein. Und diesen Auffassungen der Figur entsprechen Aspekte. – Hier haben wir die größte Ähnlichkeit mit dem Bedeutungserlebnis. || mit dem Erleben der Bedeutung eines isolierten Worts. || mit dem Bedeutungserleben beim Aussprechen eines isolierten Worts.

   
     Man kopiert es anders, – aber die Kopie ist dieselbe.
     Aber ich will sagen: Wenn etwas anderes || Anderes gesehen wird, muß die Kopie eine andere sein.
     Aber muß man sich || ich mich da nicht daran erinnern, daß ich z.B. ein gemaltes Bild eines Baums eine Kopie dessen nennen würde, was ich von dem & dem Standpunkt bei Betrachtung des Baumes sehe. Und doch schweifen bei dieser Betrachtung meine Blicke in allen Richtungen am Baum umher & dem entspricht nichts in der Kopie. Ich könnte also in der Kopie eines Schriftzeichens die ‘gesehene’ Art
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der Zusammensetzung anzeigen, obwohl dadurch in einem Sinne die Kopie verfälscht wird. Bedenke auch dies: In einem Sinne ist offenbar eine Zeichnung eine Kopie, sagen wir des gesehenen Gesichts & man kann z.B. in dieser Zeichnung den Ausdruck des Gesichts ausgezeichnet wiedergeben, obwohl doch in andrer Weise die Zeichnung weit entfernt von einer Kopie des Angeschauten ist. – Ich will damit sagen, daß unser Begriff von der Kopie des Gesehenen weniger einfach ist, als ich anzunehmen geneigt bin.

   
     Was ist z.B. eine Kopie der Figur zu nennen? Eine Zeichnung, oder ein Körper? Und warum nur das erstere?! Und wenn ein Körper, welcher Körper: ein Raumeck, ein solider Würfel, ein Drahtgestell?

   
     Wenn ich ihm mitteile: “Ich sehe die Figur jetzt als …” so mache ich ihm eine Mitteilung in mancher Beziehung ähnlich der einer Gesichtswahrnehmung, aber auch ähnlich der eines Auffassens, oder Deutens || oder einer Deutung, oder eines Vergleichens, oder eines Wissens.

   
     “Ich sehe jetzt ein weißes Kreuz auf schwarzem Grunde & dann ein schwarzes Kreuz auf weißem Grunde.” Aber
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was ist denn das: ein weißes Kreuz auf schwarzem Grunde, erklär es doch! & was ist ein schwarzes Kreuz auf weißem Grunde? Du darfst doch für beide nicht etwa die gleiche Erklärung geben! & || Und erklärt müssen sie doch werden!
     Die Erklärung könnte doch ungefähr so lauten: “Ein weißes Kreuz auf schwarzem Grunde das ist so etwas –” & nun folgt eine Figur. Es darf aber natürlich nicht die doppeldeutige sein. Daher kann man dann statt zu sagen “Ich sehe die Figur einmal als ein weißes Kreuz auf … , einmal als …” auch sagen: “Ich sehe die Figur einmal so (folgt eine Figur), einmal so (folgt eine andere Figur). Und war der erste Satz ein erlaubter Ausdruck, so war es dieser auch.

   
     Und heißt das nicht daß nun jene zwei Figuren eine Art von Kopien der zweideutigen Figur waren?

   
     Einerseits sind diese beiden Darstellungen Kopien des Gesehenen, anderseits bedarf es auch noch einer begrifflichen Erklärung. – Wenn ich z.B. die Figur einmal als liegendes Kreuz, einmal
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als stehendes Kreuz einmal als schiefstehendes Diagonalkreuz sehe, – was sind die entsprechenden Kopien? – Für die ersten beiden Aspekte etwa & für den dritten Aspekt etwa ein Gerät, welches normalerweise so ✕ steht. Aber zu diesen Illustrationen bedarf es Gedanken, Erklärungen.
     Ein liegendes Kreuz ist eines das umgelegt worden ist & stehen sollte. Die Kopie wird also etwas sein was Kreuzform hat & wovon wir wissen ob es liegt oder steht. Es wäre daher auch möglich als Kopie ein Bild zu gebrauchen, worin die Kreuzform vorkommt & die oder die Rolle spielt. D.h., es gibt ein Bild welches, was ich als Aspekt sehe, zum Ausdruck bringt. Und das gibt dem Aspekt Ähnlichkeit mit einem durch Sehen Wahrgenommenen.

   
     Oder: Es gibt ein Bild das für den Aspekt eine ähnliche darstellende Rolle spielt, wie das Bild als Mitteilung des Wahrgenommenen.

   
     “Was ich sehe schaut so aus” & nun folgt das Bild. Dieses “so” charakterisiert den Zustand. Man könnte auf das Bild so lange deuten, als der Zustand währt. Und ebenso könnte man auch die Illustrationen der Aspekte benützen.
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     Denk Dir ein Gemälde, eine Kreuzabnahme etwa; was wäre es nur, wenn wir nicht wüßten welche Bewegungen hier festgehalten wurden. Und das Bild zeigt uns diese Bewegungen & es zeigt sie uns auch nicht. (Das Bild der Kavallerieattacke, wenn der Betrachter nicht weiß, daß die Pferde nicht so stehen.)

   
     “Was ich sehe schaut so aus”. Denk Dir das sagte jemand der ein || das Bild eines rennenden Pferdes betrachtet & als Kopie davon ein wirkliches || ausgestopftes Pferd benützt, was || das in laufender Stellung steht! Die richtige Kopie wäre ein laufendes Pferd. || Wäre nicht die richtige Kopie ein laufendes Pferd?

   
      Ist mir nun mit dem Aspekt ein Gedanke vor Augen? || vorm Auge? Ist mir mit dem Gemälde einer vor Augen? (denn die als … gesehene Figur ist ja wie der allein noch sinnlose (wenn auch sinnfähige) Bestandteil eines Gemäldes).

   
     Wenn ich das gute || ausdrucksvolle Bild eines laufenden Pferdes sehe, – denke ich da an ein laufendes Pferd?
     Und wie kann ich es denn laufen sehen, für eine Minute etwa laufen sehen?
     Weiß ich also nur, daß es läuft || ein Pferd läuft; & weiß ich
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nur was bei der Kreuzabnahme vor sich geht?

   
     Nun, man kann doch ein Gemälde beschreiben, indem man Vorgänge beschreibt; ja so würde man immer || es beinahe immer beschreiben. “Er steht in Schmerz versunken, sie ringt die Hände, …” Ja, wer es so nicht beschreiben könnte, ob er es auch als Verteilung von Farbflecken auf der Fläche haarscharf beschreiben könnte, verstünde es nicht. [Bild vom Mann der den Berg hinaufgeht.]

   
     Angenommen es gäbe eine Geschichte von einem Reiter, dessen Pferd im Lauf erstarrt ist: || , & nun macht Einer dazu eine Illustration, – soll er nun einfach ein laufendes Pferd malen?

   
     War es nicht ein grober Fehler, als ich eben sagte ein laufendes Pferd sei die rechte Kopie || sei eine Kopie eines als laufend gemalten Pferdes? Ist nicht eben das laufende Pferd keine Kopie mehr? (Es sei denn eines laufenden Pferdes), oder eines gefilmten.) Es ist mir nicht klar. [Und ob ich wohl je Klarheit darüber erhalten werde?]

   
     Es ist jedenfalls eines, ob || wenn ich sage ich sehe die Figur als ein … , & ein andres, zu