4.6.34.
Du möchtest das Bild auszeichnen, was das darstellt was Du jetzt siehst “Das ist das Bild des wirklich gesehenen”, möchtest Du sagen.
 
     
Du sagst, vor Dich hinzeigend “das ist das einzige was gesehen ist || wird.
 
     
Ist “wirklich gesehen sein” eine Beschreibung.
     D.h., ist es ein Prädikat?
 
     
Philosophen sagen es gibt Sinnesdaten; oder: sie glauben es gäbe
Sinnesdaten. Das kommt darauf hinaus zu sagen sie glauben, es komme vor daß jemand ein Objekt zu sehen glaubt unabhängig davon ob es wirklich vor seinen Augen ist oder nicht.
 
     
Wenn man nun aber das Wort “Sinnesdatum” gebraucht, muß man sich immer erst bewußt werden welche Grammatik es hat. Denn sein eigentlicher Zweck war die Angleichung von Schein & Wirklichkeit & die Gefahr ist nun, daß man den Unterschied der Grammatik
von Schein & Wirklichkeit vergißt.
 
     
     Wenn man vor sich hinzeigend sagt “das ist das Einzige was wirklich gesehen ist”, so macht man den Fehler daß man scheinbar etwas aussagt was auch falsch sein könnte während man eine Einzigartigkeit in die Grammatik einführen will.
 
     
     Wenn ich sage: “das (was hier beschrieben ist) ist das einzige was wirklich gesehen ist”, so || dann gebe ich der Beschreibung einen Titel. Aber einen
Titel, den ich nicht rechtfertigen kann.
 
     
     Wenn ich sage: “das ist das einzige was wirklich gesehen ist” so deute ich vor mich hin: deutete ich aber seitwärts oder hinter mich – auf Dinge die ich nicht sähe – so verlöre dieses Deuten jeden Sinn für mich. Das heißt aber, daß ich vor mich hindeute im Gegensatz zu nichts.
     (Wer Eile hat wird in einem Wagen sitzend unwillkürlich anschieben, obwohl er sich sagen kann, daß er den Wagen gar nicht schiebt.)
 
     
Man könnte es auch so sagen: wenn es Sinn hätte zu sagen, “das sehe ich” indem ich vor mich zeige (wo ‘vor mich’ eine Bestimmung des Sehraums ist) so müßte es auch Sinn haben, wenn es auch falsch ist zu sagen “das sehe ich nicht” indem ich vor mich hin zeige & “das sehe ich” indem ich seitwärts zeige.
 
     
Und insofern erinnert uns nun “nur das ist wirklich gesehen” an eine Tautologie.

 
     
Eine der Quellen dieses Pseudosatzes ist der Satz “ich sehe nur das”, der die Grenzen meines Gesichtsfeldes im euklidischen Raum bestimmt.
     Wir haben hier den Fall von “ich bin hier”.
 
     
“Nur die Beschreibung, die ich gebe ist die Beschreibung des Gesehenen”.
 
     
“Es kommt auf mich zu” hat auch Sinn, wenn in Wirklichkeit sich nichts meinem Körper nähert. Ebenso auch “es ist hier”
wenn nichts bei meinem Körper ist & anderseits “ich bin hier”, wenn ich im euklidischen Raum meine Stimme erkennen lasse.
 
     
Das Kriterium daß Einer mich anredet ist daß er mir en face erscheint.
 
     
“Nur diese Beschreibung ist eine Beschreibung des Gesehenen”: wie kann ich diese Aussage rechtfertigen? Nun ich sehe nur das & das! Aber ferner das ‘Ich’ soll hier nicht auf eine
Person deuten. D.h. nicht auf etwas im physikalischen Raum. Ich bin sozusagen allein mit mir selbst im Gesichtsraum. Ich habe mehrere Beschreibungen vor mir & sage nun, auf meine zeigend: nur diese hat (visuelle) Realität hinter sich. – Und sage ich das nun zu mir oder zu dem Andern? Denn so ungefähr kommt der Unsinn zustande daß ich weder mir noch dem Andern etwas sage (“ich bin hier”).
 
     
Wenn ich frage: “Was hat die Beschreibung
hinter sich”, was wäre die Antwort? Wäre sie: “das” (mit einer Gebärde die nach vorne weist)?
 
     
Zu sagen “das wird jetzt gesehen” ist ähnlich als würde man vor sich hinzeigen & “dieses” sagen.
 
     
“Das ist die einzige Beschreibung hinter welcher eine Realität steht”. Die andern könnte man blinde Beschreibungen nennen.
 
     
     Ich behandle hier das Gesehene wie ein Bild, d.i. einen Gegenstand, während ich doch betonen
will, daß es keinen Nachbarn hat.
 
     
Denke an den Gegensatz das & das & seine Varianten.
 
     
“Man könnte auch sagen: Diese || Nur diese Beschreibung ist von einer Realität abgezogen; wird mit einer Realität verglichen”.
 
     
In wiefern kann ich nun sagen daß meine Beschreibung von dem was ich sehe abgezogen ist? In wiefern || In welchem Sinn ist sie die Projektion dessen was ich sehe.
     Nun ist es klar daß was ich sage von dem
gemalten Bild abgeleitet sein kann was ich sehe oder von der Gruppe von Gegenständen vor meinen Augen. – Aber, wird man sagen, “es ist ja eben nicht wesentlich, daß etwas Gemaltes oder wirkliche Körper vor meinen Augen stehen. Ich leite es eben vom Sinnesdatum ab”.
 
     
Das hängt nun damit zusammen, daß wir geneigt sind zu sagen, wir könnten nie wissen was der Andere wirklich sieht, wenn er sagt, er sähe ‘braun.
     Wir könnten dem der
das sagt vorschlagen, er solle zwei verschiedene Wörter statt des einen “braun” gebrauchen. Eines für diesen seinen Eindruck, den andern für das was jeder verstehen kann.
     Da wird er sehen daß irgend etwas an seiner Auffassung nicht stimmt.
     Und zwar liegt es darin, daß er eine Rechtfertigung dort sucht wo keine ist. (Wie in dem Fall wo einer glaubt die Kette der Gründe nehme kein Ende. Denke an die
Begründung einer mathematischen Handlung durch eine allgemeine Formel.)
     Ich leite einen Satz von der Realität ab heißt nichts, weil sonst die Methode dieser Ableitung durch ein Muster der Realität gegeben sein müßte, das nicht zur Realität gehört.
     Ich kann wohl eine Mustertafel sehen in der einer Farbe das Wort braun zugeordnet ist & außerdem einen Fleck von der gleichen Farbe & nun sagen: also muß ich hier das
Wort “braun” verwenden. Aber ich kann nicht || es heißt nichts zu sagen daß ich aus dem besondern Eindruck das Wort “braun” ableite.
 
     
Hat nun mein Körper Schmerzen? – Man möchte sagen: “Wie kann denn der Körper Schmerzen haben? Der Körper ist doch an sich etwas Totes; ein Körper weiß doch nichts von sich selbst!” Und hier ist es wieder als sähen wir in das Wesen der Schmerzen & erkennten als eine Tatsache ihrer Natur, daß der Körper sie nicht haben könne & es ist als erkennten
wir, daß das was sie hat ein Wesen anderer Art nämlich geistiger Art sein müsse.
 
     
Aber zu sagen, daß das ‘ich’ geistiger Art ist ist, wie wenn man sagt daß die Zahl 3 geistiger Art ist (weil man erkennt daß ‘3’ nicht zur Bezeichnung eines physikalischen Gegenstandes verwendet wird).
 
     
     Worte sind nicht ein Lärm, der die Realität begleitet.



 
     
Anderseits wäre auch die Redeweise gerechtfertigt: dieser Körper hat Schmerzen & wir würden ihm dann ebenso wie jetzt zureden zum Arzt zu gehen, Medizin zu nehmen etc. etc. wie sonst || gewöhnlich. Aber wäre diese Ausdrucksweise, auch wenn wir sie annehmen, immer eine indirekte wie man den Sack schlägt & den Esel meint? – Ist es indirekt zu sagen “schreiben wir hier eine ‘3’ statt eines ‘x’” statt zu sagen “substituieren wir hier 3 statt x”. Es kommt
nur darauf an wie wir unsere Worte weiter verwenden. Lassen wir uns doch nicht täuschen, daß das Meinen ein okkulter Vorgang sei der die ganze Verwendung des Zeichens wie der Samen den Baum enthalte!
 
     
Deinem Satz daß das, was Schmerzen hat oder denkt geistiger Natur ist entspricht nur daß das Wort “Ich” in Ich habe Schmerzen nicht einen bestimmten Körper bezeichnet
weil es nicht durch eine Beschreibung des || eines Körpers ersetzt werden kann.
 
     
Es scheint uns eine Kontinuität des Erlebens || Erlebnisses zu geben die weder darin besteht daß die gleiche Person sieht, noch darin, daß das Gleiche gesehen wird, sondern darin daß in diesem Sinn gesehen wird.
 
     
Aber eine Kontinuität liegt hier eben nicht vor,
sondern ich benenne etwas ohne die Rechtfertigung einer Kontinuität.
 
     
‘Wirkung in die Ferne’ ist dann unmöglich, wenn man mit ‘Wirkung’ ein Schieben, Stoßen, etc. meint. (Denn die Berührung ist nicht alles. Wenn A & B sich berühren & eine Wirkung vom Zentrum von A auf das Zentrum von B ausgeübt wird, so hilft uns die Berührung von A & B nichts, wenn wir nicht annehmen, daß die
Wirkung durch Vorgänge zwischen den beiden Zentren übertragen wurde.)
     Man muß seinen Begriff von der Wirkung ändern um Wirkung in die Ferne zuzugeben. Das sieht man wenn man z.B. denkt || den Gedanken faßt: “die Sonne wirkt gar nicht auf die Erde, die Erde bewegt sich nur zufällig in dieser Bahn um die Sonne, wird etwa durch andere Wirkungen dazu bewogen”. Nimmt man dann die Keplerschen Gesetze oder das Gravitationsgesetz als Beschreibung der Bewegung der
Erde um die Sonne, was sie ja doch bleiben, dann ist die Schwierigkeit der Idee der Fernwirkung verschwunden.
 
     
      Was für ein Argument ist das? “Wenn wir uns alles Wasser außerhalb der Röhre steif geworden denken, so würde das auf das Wasser in der Röhre gar keinen Einfluß ausüben”. Wie weiß man das? – Man
weiß es nicht, – man nimmt es so an. Das ist, sozusagen, ein spezieller Fall eines Axioms das wir annehmen. Aber welches Axioms?
 
     
Meine Wahl ist frei heißt nichts anderes als: ich kann wählen. Und daß ich manchmal wähle, darüber kann doch kein Zweifel sein. Was man frei nennt, ist nur die Wahl an sich. Zu sagen: “wir glauben nur daß wir wählen ist Unsinn. Der
Vorgang den wir ‘wählen’ nennen findet statt ob man das Resultat der Wahl nach Naturgesetzen voraussagen kann oder nicht.
 
     
“Das Wollen ist auch nur eine Erfahrung”, möchte ich sagen (der ‘Wille’ auch nur ‘Vorstellung’). Er kommt, wenn er kommt & ich kann ihn nicht herbeiführen.
 
     
Und doch möchte man sagen: “bei den Vorstellungen sind wir passiv, beim Willen aktiv. Es ist ein Unterschied zwischen: etwas
erfahren & etwas tun.”
 
     
Gewiß. Aber ist man zu dieser allgemeinen Zweiteilung nicht nur dann geneigt, wenn man an (ganz) spezielle || einige gewisse Erfahrungen & an einige besondere Willensakte denkt? Z.B. einerseits an das ruhige Hören oder Sehen von Vorgängen, anderseits an die Bewegung des Ruderns.
 
     
Man sagt: Vielleicht wird es Dir einmal geschehen, daß Du das siehst oder hörst; aber man sagt nicht
vielleicht wird es Dir einmal geschehen, daß Du das willst. Denn, möchte man sagen, wenn Du willst (Lust hast) kannst Du jederzeit wollen. Denn Du tust es ja selbst. (Nicht der Körper der nur teilweise von Dir abhängig ist, sondern Du.)
 
     
Das wollende Subjekt stellt man sich hier als masseloses (d.h. trägheitsloses) Wesen || masselosen (d.h. trägheitslosen Motor vor; als einen Motor der in sich selbst keinen Trägheitswiderstand zu überwinden hat. Und also nur Treibendes & nicht
auch Getriebenes ist. D.h.: Man kann sagen “ich will, aber mein Körper folgt mir nicht”, aber nicht: “mein Wille folgt mir nicht”.
     Aber in dem Sinn in welchem es mir nicht mißlingen kann zu wollen, kann ich es auch nicht versuchen.
 
     
Und man könnte sagen: “Ich kann nur insofern jederzeit wollen, als ich nie versuchen kann zu wollen”.
 
     
Und zu sagen, ich könne nicht zu wollen versuchen ist natürlich keine Aussage
über die Naturgeschichte des Willens. Das Zeitwort “wollen” ist es das uns versucht || versucht uns [legt es uns nahe] || macht uns Lust die Tätigkeit des Wollens mit der Tätigkeit der Ausführung des Willens || Gewollten zu vergleichen & die grammatische Verschiedenheit für eine Verschiedenheit der Eigenschaften zu nehmen.
 
     
Fragen wir nun: “geschieht mir etwas, erfahre ich etwas, wenn ich willkürlich handle?” Mache ich eine Erfahrung? Nun wenn ich z.B. den Arm hebe & sehe
wie er sich hebt so kann soweit wenigstens davon die Rede sein daß ich etwas erfahre. Was ferner meine Muskelempfindung betrifft so wird man sie an & für sich auch eine Erfahrung nennen. Und nun bedenken wir eines: daß die Tätigkeiten des Deliberierens von den Erfahrungen beim wirklichen Ausführen der Bewegung unabhängig sind. D.h. dieses Deliberieren, Überlegen, Wählen könnte geschehen, auch ein Entschluß gefaßt werden & die willkürliche
Handlung doch nicht stattfinden. Und umgekehrt konnte die willkürliche Handlung ohne jede vorhergehende || vorausgehende Überlegung ausgeführt werden.
 
     
Warum sollte das Elektrisieren eines Muskels oder Nervs nicht eine willkürliche Handlung hervorrufen. Aber nicht so daß es etwa einen Schmerz hervorruft der mir als Motiv zur Handlung dient sondern so, daß es alle Empfindungen der
willkürlichen Bewegung hervorruft. – Aber wenn ich mir nun vornehme diese Bewegung nicht zu machen wie kann dieser Vorsatz in Einklang mit der nicht gewünschten & doch willkürlichen Bewegung sein? Ja werde ich fühlen daß der elektrische Strom die Bewegung hervorbringt?
Nein, nach der Annahme wird meine Erfahrung was die Bewegung betrifft die sein die ich auch sonst habe wenn ich den Arm willkürlich
hebe & nur durch die Koinzidenz werde ich wissen daß der elektrische Strom die Ursache meiner Handlung ist.
 
     
Kann man nun sagen: ich sei in diesem Fall gezwungen, mein Gefühl aber täuscht mir vor ich sei frei? Nein ich bin in einem Sinn nicht gezwungen & bin es in einem andern.

 
     
Wenn wir Flüssigkeit durch ein Röhrchen oder einen Strohhalm saugen so sind wir geneigt zu
meinen, wir saugen mit unserem Mund, unseren Wangen, weil wir in ihnen den Luftdruck spüren, – aber keine Anstrengung in den Brustmuskeln, die die Kraft ausüben.
 
     
“Das Wollen ist auch nur eine Erfahrung … etc.”. Wogegen richtet sich das || diese Bemerkung? Und wenn die Annahme die sie zurückweist ein Fehler war || hier zurückgewiesen wird unrichtig wäre; wie konnte man diesen Fehler machen? Was hat uns zu ihm verführt? Was ist die Vorstellung die Analogie die am
Grunde der Anschauung liegt es gäbe ein passives Prinzip, die Vorstellung, & ein aktives, den Willen?
 
     
Es ist freilich in dieser Konzeption gleich eine Schwierigkeit, daß nämlich, was der Wille ausführt, sich in der Vorstellung zeigen muss || zeigt.

     Soll das, was der Wille will etwas in der Vorstellung sein? || Soll, was er will in der Vorstellung sein?
 
     
Nun ist es ganz anders: den Arm heben & fühlen daß er gehoben wird, oder
beobachten daß er sich hebt & ich glaube von diesem Gegensatz schreibt sich die Zweiteilung her.
 
     
f(x ∙ y) = 0 ⌵ 1
     0 + 1 = 1, 1 + 1 = 0
f(x, x) + 1
f(x, n)
1
 
     
Tun scheint selbst gar kein Volumen der Vorstellung || Erfahrung zu haben. Es scheint wie ein ausdehnungsloser Punkt, die Spitze einer Nadel. Diese Spitze scheint das eigentliche Agens. Und alles Geschehen in der Erscheinung nur Folge dieses Tuns. “Ich tue” scheint einen bestimmten Sinn zu haben, abgelöst von
jeder Erfahrung || jedem Phänomen.
 
     
Denke ich aber an eine Anwendung dieses Ausdrucks so ist hier immer eine Erscheinung im Spiele.
 
     
Das was den Eindruck erweckt daß es ein Tun gibt abgelöst vom Erfahren ist die Existenz der Ausdrucksweise “Ich tue das”,Ich hebe den Arm” im Gegensatz zu “Mein Arm hebt sich” oder “Ich fühle, sehe wie mein Arm sich hebt || steigt.
 
     
Wir sind von diesem Gegensatz der Ausdrucksweise


impressioniert, wenn wir das unmittelbar Gegebene als Tun & Wahrnehmen sehen.
 
     
 
     
Aber vergessen wir Eines nicht: Wenn ‘ich meinen Arm hebe’, ‘hebt sich mein Arm’; & das Problem entsteht: Was ist das, was übrigbleibt, wenn ich von der Tatsache daß ich meinen Arm hebe, die abziehe daß mein Arm sich hebt.

 
     
Frage Dich: ist das Deliberieren das zur Handlung führt selbst eine Erfahrung oder eine Tätigkeit? Und allgemein: ist der Gedanke eine Erfahrung oder eine Tätigkeit? Wie willst Du ihn nennen? – (Man liest oft in Erzählungen den Ausdruck “plötzlich hörte er sich selbst die Worte sagen ….”)
 
     
“Geschieht es uns, daß wir wünschen, oder tun wir es?” Ja, hat diese Frage einen Sinn? Es hat freilich Sinn zu fragen: Hast Du den Arm absichtlich gehoben
oder hat er sich ‘von selbst’ gehoben?” & die Frage ob das Wünschen ein Tun oder eine Erfahrung sei kann dann nur etwa bedeuten ob das Wünschen ähnlicher ist dem willkürlichen Heben des Armes oder der Erfahrung daß sich mein Arm hebt. (Lichtenberg: “es denkt”)
 
     
Es hat auch keinen Sinn zu fragen: “ist das Wollen wirklich || eigentlich eine Erfahrung?”
     Die eigentümliche Schwierigkeit || Zähigkeit || zähe Schwierigkeit dieser Frage zeigt
schon daß es eigentlich keine Frage ist.
 
     
Das Wollen sollte etwas sein, was wir selbst erzeugen. Und das müßte eigentlich etwas sein, was da ist, ehe es da ist.
 
     
Ich möchte sagen: “ich bin für das Wollen auch nicht verantwortlich; es kommt, wenn es kommt.”
 
     
So würden wir nicht von der Bewegung unseres Armes sprechen. Und hier ist die Domäne, in der wir sinnvoll
davon sprechen || sagen, daß uns etwas nicht einfach geschieht, sondern, daß wir es tun.
 
     
Man sieht also zuerst auf einen Vorgang, der sozusagen eine Vorbereitung im Willen hat, & dann sagt man, daß das Ganze nicht selbst wieder eine Vorbereitung hat.
 
     
Denke an das Paradox: “daß es etwas Weiches eigentlich nicht gibt;
denn auch das Weichste auf dem ich liege || ruhe hat (dann) eine bestimmte Form, & diese Form ist nicht bestimmter, wenn sie aus Stahl ist.” || ebenso bestimmt, als wenn sie aus Stahl ist.”
 
     

“Ja, ich wählte das;– aber wählte ich auch, daß ich es wählte?” || aber wählte ich auch, daß ich wählte?”
 
     
Die Antithesis Geschehen – Tun ist offenbar im Gebiet der Handlungen zu Hause.

 
     
“Aber muß ich das willkürliche Tun nicht auch abwarten? Kann ich denn wollen was ich will?”
 
     
Hier macht man einen ähnlichen Irrtum, wie wenn man von der Richtung der Zeit spricht.
 
     
Es hat Sinn von einem willkürlichen Heben des Armes zu reden aber nicht von einem willkürlichen – oder unwillkürlichen – Wollen.
 
     
Es kommt wohl vor daß man es abwartet
etwas tun zu wollen & anderseits kann man das Wollen auch herbeiführen (Schwimmen).
 
     
Die Handlung geschieht, wenn ich will. “Aber willst Du auch, wenn Du willst?” Das heißt nichts. Und daß es nichts heißt kommt daher, daß hier das Wort Wollen grammatisch falsch aufgefaßt wird, wie das Wort “Zeit”, wenn man denkt die Zeit müsse sich mit einer bestimmten Geschwindigkeit bewegen.
 
     
“Das Wollen kommt wenn es kommt” & das heißt, es müßte eigentlich etwas sein, was da ist, ehe es da ist.
 
     
“Er kommt, wenn er kommt, ich kann ihn nicht herbeiführen”: Nun in einem Sinne kann ich ihn herbeiführen (wenn ich mich absichtlich in eine Zwangslage versetze) (Schwimmen) & anderseits || in einem andern Sinne ist die Unmöglichkeit eine logische. || anderseits aber ist hier eine logische Unmöglichkeit gemeint.
 
     
     
“Das Wollen sollte aus eigener Macht entstehen.” – Gut, wenn Du willst, können wir sagen, daß es aus eigener Macht entsteht. Aber damit haben wir (allerdings) nichts über das Wollen ausgesagt; da das nur auf eine grammatische Bemerkung über das Wort “Wollen” hinaus laufen kann.
 
     
“Ich kann es nicht herbeiführen”? Doch, ich kann es herbeiführen, in dem Sinne in dem ich irgend
etwas herbeiführen kann. Ich kann es nicht wollen. Und das heißt es hat keinem Sinn zu sagen, ich habe etwas || es willkürlich oder unwillkürlich gewollt.
 
     
Paradox der Weichheit & die Form könnte auch nicht bestimmter sein, wenn sie aus Stahl wäre.
 
     
Phänomene des Zwanges, des Herbeiführens, Versuchens.
 
     
[Ich habe auch, in meinen künstlerischen Tätigkeiten, nur gute Manieren.]
 
     
Was ist das, was wir wollen? Was ist das Objekt des Wollens?
 
     
Das philosophische Problem scheint unlösbar; bis man sieht, daß es eine Krankheit || ein Leiden der Ausdrucksform || Darstellungsform gibt.
 
     
Ich sagte, “das Wollen könne man nicht herbeiführen”, weil ich unter “herbeiführen” nicht verursachen verstand.
 
     
Wie stellt man sich ein nicht-kausales Herbeiführen vor? Man denkt, glaube ich, an einen zwangsläufigen Mechanismus, im Gegensatz z.B.
zu Fernkräften, Federn u. dergl.
 
     
Mein Ausdruck kam daher, daß ich mir das Wollen als ein Herbeiführen dachte, aber nicht als ein Verursachen, sondern – ich möchte sagen – als ein direktes, nicht-kausales Herbeiführen || Bewegen. Und dieser Idee liegt die Vorstellung zu Grunde,
 
     
3So ist das Gesicht, das uns Furcht oder Entzücken einflößt (der Gegenstand der Furcht, des Entzückens etc.)
darum nicht ihre Ursache; sondern – man könnte sagen – ihre Richtung.
 
     
[Wenn in einem Haushalt alles in Ordnung ist, so sitzen die Familienmitglieder alle zugleich beim Frühstück, haben ähnliche Gepflogenheiten etc. Herrscht aber eine furchtbare Krankheit im Haus, dann denkt jeder auf einem andern Ausweg um Hilfe zu schaffen & es zeigen sich leicht ganz entgegengesetzte Bestrebungen. Paul & ich.]

 
     
Ist die Schönheit dem schönen Gesicht inhärent; oder ist sie eine Wirkung des Gesichtes auf mich?
 
     
Inhärent, – da denken wir an Eigenschaften der Farbe, Härte etc. Man frägt also ist das Gesicht schön in dem selben Sinne wie es blaß ist? Oder ist etwas schön wie es nützlich ist? D.h. ist die Grammatik des Wortes ‘schön’ der des Wortes ‘blaß’ analog oder der des Wortes ‘nützlich’?
Heißt “schön”: angenehm?
Seine Bedeutung ist mit der von angenehm verwandt. – Aber denke: Was ist es was die Akkordfolgen zusammenhält die die Harmonielehre erlaubt? Daß sie angenehm sind? Oder soll ich sagen: wenn auch nicht, daß sie angenehm sind so doch daß sie eine spezifische Empfindung oder Einstellung in uns hervorrufen? Ist dieses Gefühl etwas wie ein freudiges Entgegenkommen, Empfangen im Gegensatz zur Reaktion der Abwehr
& des sich Verschließens? Gewiß sind diese Reaktionen mit im Spiel! Aber warum befriedigt uns die Erklärung durch sie alle nicht? Wir möchten sagen: Diese Empfindungen etc. sind nur Begleitungen der Schönheit die Schönheit selbst ist am Gegenstand. Aber prüfen wir nun: Wenn auch das freudige Entgegenkommen & alles solche dem von der Harmonielehre gebilligten Folgen eigen ist ist die Harmonielehre in der Weise auf unsere
Empfindungen aufgebaut daß wir prüfen ob uns eine Folge mehr oder weniger angenehm ist wie wir etwa die Ingredienzien einer Speise nach dem Geschmack abwägen? Und ist etwa der Unterschied nur der daß es für den Geschmack von Tonfolgen allgemeinere gültige Gesetze gibt als für den von Speisen?
     Ja läßt sich überhaupt ein Grund angeben, warum die Harmonielehre ist wie sie ist? Und, vor allen, muß sich so ein Grund angeben lassen?
Sie ist das, & sie ist Teil unseres ganzen Lebens.
 
     
“Diese Tulpe ist schön!” – – “Was findest Du an ihr schön?” – “Schau Dir die Form an; sie hat gerade die richtige Länge & der Kelch ist offen aber sozusagen noch gespannt noch nicht schlaff.”
 
     
Was ist an dieser Blume schön? Was an dieser Landschaft, – an dieser Melodie an dieser Symphonie? Was ist der Schönheit aller dieser gemeinsam?
Ist hier noch etwas Gemeinsames? Und wenn noch ein dünner Faden durch alle hindurchläuft, ist er es der sie für uns verbindet? Nein. Sie sind durch ein breites & starkes Band mit einander verbunden aber keine der Fasern aus denen es besteht läuft durch von einem Ende zum andern.
 
     
Ist die Schönheit dem Anblick inhärent? Warum sollte man sie nicht inhärent nennen? Kommt das nicht darauf an
was man den ‘Anblick’ nennt? – Denn, daß etwas schön ist besteht nicht darin, daß es die Ursache einer bestimmten Wirkung ist (eines Wohlgefühls etwa).
 
     
Die Schönheit hat die Struktur des schönen Gegenstandes || Schönen. Wir folgen der schönen Linie mit Wohlgefallen.
 
     
Wäre etwas schön, wenn niemand es schön fände? Wären Zahnschmerzen unangenehm wenn niemand unter ihnen
litte? Soweit Zahnschmerzen mit der Existenz eines Lebewesens zusammenhängen aber nicht weiter hängt auch daß sie ‘unlustbetont’ sind mit der Existenz eines leidenden Subjekts zusammen.
 
     
Denn, was ist schön, – der Baum, oder der Anblick des Baums? Gewiß, der Baum nur im Sinne von etwas Sichtbarem ist schön. Wenn ich von schönen Proportionen rede so meine ich nicht das Verhältnis,
etwa, zweier Lichtwellenlängen.
 
     
Man könnte (müßte nicht) das so ausdrücken daß das Gesichts-Sinnesdatum des Baumes das Schöne ist. Aber dies setzt keinen sehenden Menschen voraus.
 
     
Das wovor man sich fürchtet braucht nicht die Ursache der Furcht zu sein. Es wäre leicht sich einen Fall zu denken wo einer unter dem Einfluß eines Giftes, etwa, sich vor allem fürchtet was
man ihm vor Augen stellt. Man würde dann sagen die Ursache der Furcht sei das Gift.
 
     
Wenn ich sage: ich fürchte mich weil er mich anschaut so konstatiert das weil keinen kausalen Zusammenhang.
 
     
Es ist zu unterscheiden zwischen dem Gegenstand der Furcht & der Ursache der Furcht.
 
     
Die Methode der Mathematik: kommen wir so
schnell als möglich zu dem möglichst überraschenden Resultat.
     Wir dagegen suchen das möglichst wenig überraschende Resultat.
 
     
Zur Diagonalmethode: Man kann zu einem Gesetz eines 4 angeben das an keiner Stelle mit ihm übereinstimmt.
 
     
Es hilft, glaube ich, die Konstruktion einer von π verschiedenen unendlichen
Dezimalzahl als eine Art Verneinung von π anzusehen.
 
     
(Denn man findet nicht etwas was mit π nicht übereinstimmt sondern man operiert auf der Basis π, indem man es negiert.)
 
     
Frage || Problem: 1 Kann man ein Gesetz angeben daß an allen Stellen mit einer endlichen Anzahl von Gesetzen nicht übereinstimmt?
2 kann man zu einer endlichen Zahl von reellen Zahlen immer eine finden die zwar nicht in allen aber in unendlich vielen Stellen mit den reellen Zahlen nicht übereinstimmt?
 
     

˙01100111001000
˙10011000110111
 
     

 
     
Suchen ohne Gedächtnisbild. Braucht der Suchende auch ein Bild von der Gleichheit?
Wie weiß er daß sich sein Gedächtnisbild nicht verändert? Wie weiß er daß sich das Muster nicht verändert?
     “Aber es muß doch etwas in ihm vorgehen!” – Warum?
     Welche Rolle spielt das Zeigen || Geben des Musters im Sprachspiel? Es kann Teil des Lehrens des Sprachspiels sein des Abrichtens aber im Sprachspiel nicht vorkommen.
     In dem Fall könnte es auch ganz wegfallen. “Aber er muß doch wissen was rot ist.” Aber worin besteht das? Darin daß er
das Rote auf den Befehl holt? Nun das konnte er auch ohne Erklärung. Oder in einer Vorstellung? Hier gilt dasselbe.
 
     
Wo fängt die langsame Folge an & wo hört die schnelle auf. Von der Folge kann man nicht sagen sie fange an einem Punkt an. Aber das heißt nicht daß ihr Anfang ein ungenauer ist. Quantentheorie. Einer sagt: “das langsame
Schlagen hat hier noch nicht begonnen”; das hat einen guten Sinn. Denke aber er sagt es hat hier(Ƒ) noch nicht begonnen!
 
     
Welche Rolle kann die Erklärung des Zeichens spielen?
 
     
Eine Quelle unzähliger Irrtümer & falscher Auffassungen, auch im gewöhnlichen Leben, ist: eine Ursache hinter jeder Erscheinung vermuten. Man kann sich nicht entschließen zu sagen: viele Umstände haben das & das Resultat gezeitigt. Sondern eine, okkulte, Ursache wird aufgestellt.
 
     
Rolle der Regel als Ursache & Grund.
Als Ursache spielt sie dieselbe Rolle wie das erste primitive Wortelehren.
 
     
Rolle der Vorstellungen. Wir stellen das Sprachmittel wirklicher Muster neben das der Vorstellung.
 
     
Man könnte sagen, was wir versuchen sei nur die Grammatik in ihrer || den Wortgebrauch in seiner ganzen Komplikation kennen zu lernen; um
dadurch nicht in die Irrtümer zu verfallen die daraus entstehen daß wir uns den Wortgebrauch einfacher || primitiver denken als er ist.
 
     
“Wir haben doch einen Begriff von der Regel, wenn wir auch keine klare Definition geben können …”. Aber in wiefern haben wir dann einen Begriff wenn wir keine Definition geben können? Wo ist dieser Begriff? Was ist denn unser Kriterium dafür daß wir einen Begriff haben?



 
     
Beispiel als Regel

     6 + 8
1 2 3 – – – – 6 1 2 3 – – – 8
1 2 3 – – – – – – – – – – – ?
Wenn ich sage “die Regel führt den, der sie versteht”, so könnte ich das auch so erklären: “wäre die Regel anders gewesen so hätte sie ihn anders geführt”.
     Aber was für eine Aussage ist das? Eine Hypothese? “Er folgt mir” heißt: wohin ich gehe, geht er auch. Es ist also da eine Allgemeinheit.
     Spiel: A führt, B folgt. Er vertraut sich der Regel an.
 
     
Wäre es eine Regel, nach einem bestimmten Kreis, ◯
Kreise zu zeichnen, wenn von gar keiner andern Figur im Spiel die Rede ist? Das Spiel ist etwa mit freier Hand & nach gegebenem Radius nach der gegebenen Vorlage eine Kreisfigur, Kreise zu zeichnen.
     Ich sage nun die Vorlage ist dazu da daß ihr gefolgt wird. Heißt das, daß wenn sie z.B. ein Oval wäre ihr auch dann gefolgt würde? – Kann man nicht sagen: “Folgen ist es nur dann, wenn man ihr auch folgte, wenn sie anders wäre”? – Wozu z.B. oben “1 2 3 ‒ ‒ ‒ 6 etc.” schreiben? Täte es nicht “1-6 etc.” oder nur “6 etc.”? Denn, was
will ich mit Zeichen, die ja doch nicht durch andere ersetzt werden können.
 
     
[Es soll alles auf die Betrachtung der Familie hin spielen, da diese erst meine Methode rechtfertigt.]
 
     
     Sprachspiel: Nach einer Regel gehen. Die Regel heißt z.B.: – – x x, d.h. immer zwei Schritte gehen & zweimal hüpfen. Wir würden – – x x eine Regel nennen; aber nur, wenn es der besondere Fall einer allgemeinen Möglichkeit ist; wenn
also etwa, jedes Zeichen von der Form: –, x, – x, x –, – – x, – x x, etc. in dem Spiel verwendet werden kann.
 
     
Gleichermaßen würden wir es eine Regel nennen, wenn wir B die Gleichung der Linie gäben auf der er sich bewegen soll. Und wir können es auch eine Regel nennen wenn wir ihm statt der Gleichung ein Bild der Kurve geben.
 
     
     “Wenn er das nicht versteht, so hat er das andere auch nicht verstanden.” (Einen Satz verstehen
heißt eine Sprache verstehen.)
 
     
So sage ich er versteht “1 + 1 = 2” wenn er auch “1 + 1 = 3” verstanden hätte.
 
     
“‘y = x2’ sagt ihm, was er zu tun hat.” Er setzt etwa die Kardinalzahlen der Reihe nach für x ein & berechnet y. Aber das setzt für uns voraus, d.h. damit meinen wir, daß er der Regel auch wo anders hin hätte folgen können, wenn sie wo anders hin geführt hätte.



 
     
“Wenn er das versteht, so muß er das auch verstehen.” Das könnte alles Mögliche heißen. Vor allem könnte damit eine Hypothese angesprochen sein: “Wenn der innere Mechanismus wirklich so ist, dann muß er auch das bewirken”. Aber dieser Aspekt der Sache interessiert mich nicht.
     Der obere Satz soll eigentlich heißen: “Wenn er das System versteht, muß er auch diesen Satz verstehen”. Oder: “Wenn er dieser Linie
wirklich folgt so würde er ihr auch folgen wenn sie anders wäre”.
 
     
     Sprachspiel: Jeder Linie folgen. Denken wir uns dieses Spiel wirklich gespielt, so hat es eine gewisse Art der Allgemeinheit. Freilich, es werden nur einige bestimmte Linien gezeichnet & befolgt. Aber worin besteht dann die Allgemeinheit? Neue Linien werden nicht zurückgewiesen; dafür || für diese Situation gibt es dann einen Ausdruck in der Sprache. “Zieh neue, andere
Linien” etc. etc.
 
     
Sprachspiel: “Zieh andere Linien.”
     “Zieh eine beliebige Linie.”
 
     
Sprachspiel: Nach einer Regel (z.B. – x – – x) gehen.
 
     
(Die Verwendung der Ausdrücke “u.s.w.” & “z.B.”.)
 
     
Könnten wir aber auch von dem Sprachspiel reden, ‘der Regel – x x zu folgen’? Wir würden sagen: Wenn wir ihn abrichten konnten auf das Zeichen “– x x” so zu handeln dann ist uns dieses Zeichen gleichwertig
mit einem einfachen Signal. Die Zusammensetzung hat nur Sinn, wenn sie frei erfolgt & wenn ihr frei gefolgt wird. Wenn das Abrichten sich nicht auf den Gebrauch des zusammengesetzten Zeichens bezogen hat. – Aber, kann man sagen, ist das nicht auch nur ein uns nicht interessierender Behelf des Abrichtens?
 
     
     Die Idee die uns irreführt ist die des Begreifens des Systems. Nun könnte man ja etwas Bestimmtes so nennen z.B.
das Aussprechen, innere Aussprechen, vor sich Sehen, etc., einer allgemeinen Formel, (oder, wie ich eigentlich sagen sollte einer Formel). Aber die Allgemeinheit liegt hier etwa in Kriterien wie denen der algebraischen Schreibweise, oder der Verwendung jener Formel im Spiel.
 
     
“Wenn er das System begreift, wird er auch diesen Befehl befolgen können.” – Was für ein Satz ist das? Heißt er, daß erfahrungsgemäß wenn Einer das System begriffen hat … ; oder ist es das Kriterium des Begreifens, besteht das
Begreifen darin, daß er jenen Befehl befolgen kann?
 
     
Man kann festsetzen, daß der das System begriffen hat, der die Formel in allgemeinen Termini hingeschrieben hat.
 
     
Man kann festsetzen, daß Einer das System der Zeichen x x – etc. versteht wenn er sich daran macht sie in eine Reihe zu ordnen x, –, x –, – – x, x x –, x x – –, etc.
     Man wird dann auch allgemein sagen, er versteht es; wird aber dabei an ein allgemeines System, eine
Idee, denken, die er nun begriffen hat oder an einen geistigen Mechanismus, eine zwangsläufige Führung, die sich nun bei ihm gebildet hat. Aber jede solche Führung ist nur zwingend wenn die Maschinenteile starre Körper sind & das Kriterium ihrer Starrheit ist nur ihr Verhalten in der Zeit. Und so ist jenes Bild eines Mechanismus nur wieder ein Symbol von der Art des algebraischen Ausdrucks.
 
     
Geben wir ihm eine Regel, wenn wir ihn abrichten sich auf das Zeichen x x – so & so zu bewegen & ihm nun
dies Zeichen geben? Nehmen wir auch an, es habe sich gezeigt daß ein einfaches Zeichen etwa ☒ ihn nicht dazu bringt, sich so zu bewegen. – Wenn wir ihn aber dazu gebracht hätten auf die Zeichen x, –, x –, – x zu handeln, aber sonst auf keine, würden wir dann sagen, er richte sich nach diesen Zeichen? Wenn er auf beliebige Zeichen dieser Art reagierte würden wir gewiß sagen er richte sich nach ihnen, sie seien die Regeln nach denen er sich richtet. Im vorletzten Fall wären wir zweifelhaft, –
ob wir sein Vorgehen so nennen sollten. Der Ausdruck, “sich nach einer Regel richten” ist eben vom letzten Fall hergenommen; es kann uns aber manches veranlassen die Idee des ‘sich Richtens’, ‘Geführtwerdens’ auch auf die ersten Fälle anzuwenden.
 
     
Regel nennen wir vor Allem, was unbegrenzte Anwendung hat.
 
     
[Sich von der Regel führen lassen. Sich der Regel anvertrauen.]
 
     
Die Idee des zusammengesetzten Zeichens läßt
uns an die Rolle denken, die ein zusammengesetzter Bestandteil in einem Mechanismus spielt.
 
     
Ein Zeichen “x – –” ist natürlich zusammengesetzt & unsere Wörter & Sätze sind aus Buchstaben zusammengesetzt. Aber diese Zusammengesetztheit meine ich nicht. Sie hat, würde ich sagen, nichts mit dem Sinn zu tun.
 
     
Welche hat nun mit dem Sinn zu tun? Um das zu sehen, brauche ich Beispiele.




Bringe
Bringe
Bringe
Bringe
dem
dem
dem
dem
A
B
A
B
einen
einen
eine
eine
Würfel
Würfel
Säule
Säule






(Ƒ)Ich sage, es zeigt, daß er versteht, daß er die neue Zeichenverbindung richtig befolgt. Aber meine ich: es ist ein Anzeichen eines inneren seelischen Vorgangs des ‘Verstehens’?
 
     
“Er hat das System begriffen”.
 
     
Wir sind versucht zu sagen: Das Zeichen ist zusammengesetzt, wenn seine Zusammensetzung seinen Sinn ergibt. Aber was ist sein Sinn?
     Wir denken bei “Sinn”
an etwas außerhalb dem Zeichen Liegendes. An den Gebrauch, wie er sich außerhalb des Zeichens vollzieht.
     ‘Das Zeichen des Befehls ist zusammengesetzt, wenn wir aus seiner Zusammensetzung entnehmen, was wir zu tun haben’.
     Was wir zu tun haben, ist also etwa ein Bild der Handlung, welches wir nach dem zusammengesetzten Zeichen konstruieren.



→ x → x x → →

 
     
 
     
Wie wird das Wort “der Regel folgen” gebraucht? Bezeichnet es einen Vorgang? Wenn ich z.B. auf das Zeichen →↓→→↑ so gehe:

, liegt es in dem, was ich tue, daß ich der Regel gefolgt bin, oder besteht das Folgen darin, daß ich regelmäßig in Übereinstimmung mit der Regel handle?
     Wenn ich nun sage
“ich habe das nicht zufällig getan; ich bin der Regel gefolgt” was habe ich da eigentlich getan? Ich habe etwa die Regel Stück für Stück angeschaut, was ich tue mit ihr verglichen (mit den Augen) & dergleichen. Es fragt sich nun: würden wir diese Vorgänge mit dem Ausdruck “der Regel folgen” bezeichnen, wenn sie normalerweise mit einer Handlungsweise verbunden wären die der Regel nicht entspricht.

 
     
     “Ich ließ die Regel mich leiten”– was ist da geschehen?
     Ich habe, z.B., die Zahlenwerte in die allgemeine Formel eingesetzt.
 
     
“Ich habe getrachtet die Linie zu kopieren.”
Das Kopieren, der Regel folgen, ist einer von vielen Vorgängen.
 
     
x x – – –
x x –, – x, x – –



 
     
Wir führen die unendliche Ziffernreihe ein. Indem wir den Lernenden veranlassen weiter zu zählen. Was ist der Unterschied zwischen dem endlichen & unendlichen Spiel? Wir können nun den Fall denken wo im Spielen kein Unterschied besteht.
     Beschreibung des Spiels № 2 mit unbegrenzter Ziffernreihe. A ruft || schreibt 45 Steine … etc. B bringt sie. Unterschied im Lernen. Der Schüler lernt die Ziffern bis
Wird das Wort “endlos” gebraucht? – Z.B. im Satz: Er kann schon endlos zählen. Aber was sind die Kriterien
dafür?
Er antwortet auf die Frage: Wie weit kannst Du zählen?
| ❘ ❘ ❘ ❘ | ❘ ❘ ❘ ❘ | ❘ ❘ ❘ ❘ | ❘ ❘

1 2 3 4 5


      It must lead to 3.
     It does lead to 3.
 
     
Two hard things compared.
 
     
In den Zeiten der stummen Filme hat man alle Klassiker zu den Filmen gespielt aber nicht Brahms & Wagner.
     Brahms nicht weil er zu abstrakt ist. Ich kann mir eine aufregende Stelle in einem Film mit Beethovenscher oder Schubertscher
Musik begleitet denken & könnte eine Art Verständnis für die Musik durch den Film bekommen. Aber nicht ein Verständnis Brahmsscher Musik. Dagegen geht Bruckner zu einem Film.
 
     
9.2.37.
‒ ‒ ‒ Denn das Interesse, was zu ihr trieb, war nicht das Verlangen nach neuen Fakten,– nach Naturerkenntnis, – sondern das Verlangen, das Wesen, die Struktur – wie man sagen möchte –, von Fakten verstehen zu lernen. Es war wesentlich daß wir, in einem wichtigen Sinne, nichts
Neues erfahren (d.h. lernen) wollten, sondern nur das wohl Bekannte verstehen. (Aber nicht den kausalen Zusammenhängen nach ‘verstehen’.)
      Es schien, daß wir, was in einem Sinne klar vor unsern Augen liegt, – doch (wieder) nicht verstehen. Das ist es (ja || auch) was Augustinus uns in || mit den Worten sagt: ‒ ‒ ‒. Das || Dies könnte man doch nicht von einer Frage der Naturwissenschaft sagen (etwa, wie groß das spezifische Gewicht des Quecksilbers || Heliums ist).
     Dasjenige, was man weiß wenn uns niemand
fragt, aber nicht wenn wir danach gefragt werden || man danach gefragt wird ist offenbar etwas worauf man sich (nur) besinnen muß. (Und auch offenbar etwas, worauf man sich, aus irgend einem Grunde, schwer besinnt.)
      Dieses Verständnis schienen wir durch eine besondere Art des Einblicks gewinnen zu müssen aber es wurde uns klar daß wir mit diesem Einblick nicht die Tatsache || die Erscheinungen || Erscheinung durchschauen wollten || versuchten sondern unsere Sprache von diesen Tatsachen. || nicht die Erscheinungen sondern die Sprache in der wir von ihnen
reden durchschauen wollten.

     Und so wollten wir || So schien es, wir müssten das Wesen der Sprache kennenlernen. (Das Wesen des Satzes, des Folgerns, der Grammatik.) Und in der Antwort auf die Frage nach diesem Wesen, schien es, liege || liege das was sich über das ‘Wesen der Welt’ sagen ließe & die Antwort auf unsere Fragen.
     Und es war wesentlich daß sich jene Antwort ein für alle mal, also unabhängig von zukünftiger Erfahrung geben lassen müsse. Und es
durfte also in dieser Antwort nicht heißen: Es gibt 13 Arten von ….
     Und morgen finden wir also vielleicht eine 14te. Es durfte also überhaupt von keinen || nicht von Arten eine || die Rede sein.
     Und so schien es, als müsse unsere Antwort im höchsten Grade einfach sein. Ja auch nicht einmal einfach.
 
     
/ In dieser Forderung lag das Sublime; & es konnte natürlich keinen Sinn haben zu sagen: Du mußt Deine || diese Forderung eben herunterschrauben.
Denn die Antwort darauf mußte sein: Dann interessiert mich eben das nicht wovon Du sprichst. /
 
     
Der Begriff ‘Sprache’ ist zwar eine Familie, aber auch wenn er es nicht wäre, so wäre unser jetziger Standpunkt dennoch ein anderer als der der Log. Phil. Abh. Wo aber läge dann der Unterschied?
 
     
Es mußte nämlich auch Satz nur eines sein & Denken. Und es standen eine Reihe von Begriffen hintereinander, jeder dem andern äquivalent.

     Welt, Denken, Sprache, Satz. Und so war die Frage nach dem Wesen des Satzes (nach der allgemeinen Satzform) die Frage nach dem Wesen der Welt.
 
     
     “Die Sprache ist Sprache durch die Regeln nach denen sie gehandhabt wird.”
 
     
     Die Logik darf nichts Erfahrungsmäßiges an sich haben.
 
     
Oder auch: “Denken muß etwas Einzigartiges sein.” (Warum?) (Hier liegt der Hund begraben.)
 
     
Aber wie wenn man sagte: “Sprechen oder Schreiben muß etwas Einzigartiges sein”? Aber da ist eben der Unterschied daß das Denken, oder auch das sinnvolle Sprechen & Schreiben, etwas ganz Besonderes || besonderes kann.
     Im Gedanken (also z.B. im sinnvollen gesprochenen oder geschriebenen Satz) wird die Wirklichkeit eingefangen sie selbst! Der Gedanke ist nicht bloß Bild – er ist Bild & Deutung zugleich.
     Denn der Satz || das Satzzeichen ist nicht der Gedanke sondern das verstandene Satzzeichen
& im Verstehen gehen wir bis zur Realität. Wenn wir meinen daß es sich so verhält so halten wir nicht irgendwo vor der Tatsache sondern meinen daß das & das so & so ist.
 
     
Was hierdurch angedeutet ist ist eine der merkwürdigsten & folgereichsten Sprachtäuschungen an denen wir beim Nachdenken über Philosophieren laborieren.
 
     
“Wir sollen aber nicht erfahrungsmäßig über das Denken sprechen, sondern das Wesen des
Einzigartigen angeben was wir ‘Denken’ nennen.”
 
     
Die Logik darf nichts Erfahrungsmäßiges an sich haben; denn was uns interessiert ist bloß ob sich etwas, & was sich vor der || aller Erfahrung – nämlich über das Wesen dessen, was wir ‘Erfahrung’ nennen, sagen läßt.
 
     
     Und Denken & Erfahrung sind einander äquivalent.
 
     
Und das ist klar: am || Am Denken interessiert uns nichts, was die Psychologie
sagen kann. Was immer es ist, wonach wir streben;– psychologische Erkenntnis ist es nicht.
 
     
[Ich muß hier immer wieder das Negative betonen, was der Instinkt, der Wunsch, uns lehrt.]
 
     
     Wenn die Logik nun das Wesen der Sprache (des Denkens) angeben soll, so muß ihr eine Durchsichtigkeit (eine Kristallklarheit) eignen die wir in den Wissenschaften nicht finden.
 
     
Das Denken || Der Begriff des Denkens ist für diese Betrachtung mit einem Nimbus umgeben.
 
     
[Ich will ja angeben in welcher Täuschung wir sind!] Wir sind in der Täuschung das Sublime unserer Frage müsse darin bestehen || liegen || Sublime, uns Wesentliche, – liege darin, daß sie nach dem Wesen des Einzigartigen – der Welt der Erfahrung, des Denkens,– fragt. ||

Wir sind in der Täuschung das Besondere || Tiefe, uns Wesentliche, unserer Frage liege darin || müsse darin liegen, daß sie das Wesen des Einzigartigen – des Denkens || das unvergleichliche Wesen der Sprache des Denkens || Denkens, der Erfahrung, der Welt– zu begreifen sucht || trachtet. D.i. die Ordnung die zwischen den Begriffen des Satzes || des Wortes, des Schließens, der Wahrheit u.s.w. besteht.

     Und diese Ordnung ist eine Über-Ordnung zwischen – sozusagen – Überbegriffen.
     Während die Worte “Welt”, “Sprache”, “Erfahrung” etc. d.h. ihre Bedeutungen so hausbacken sind wie die der Wörter Tür Tisch Lampe – & unsere Probleme ihre (eigenartige) Tiefe nicht daher beziehen || haben daß sie nach dem Wesen der Sprache fragen, sondern daher, daß sie Sprachfallen sind.
 
     
Wir sind in der Täuschung das Besondere, Tiefe, das uns
Wesentliche, unserer Untersuchung liege darin, daß sie das unvergleichliche Sprachwesen || Wesen der Sprache zu erfassen || begreifen trachtet.
Während die Worte “Welt”, “Sprache”, “Erfahrung” etc. d.h. ihre Bedeutungen so hausbacken sind wie die der Wörter Tür Tisch Lampe & die Tiefe unserer Probleme nicht daher rührt, daß eine Erklärung des Wesens der Sprache sie beantwortet, || daß das Wesen der Sprache erklärt werden muß, sondern daher, daß es || sie Beunruhigungen sind, die aus dem Wesen der Tiefe unserer Sprache || unseres sprachlichen Ausdrucks aufsteigen.
 
     
     Die Sprache scheint also || nun eine Art idealer Ordnung
besitzen zu müssen. Eine ideal geregelte Grammatik. Und wir sind so geneigt z.B. von ‘allen Regeln’ || der Gesamtheit der Regeln zu sprechen die die Verwendung eines Worts bestimmen & uns zu fragen wie diese Gesamtheit aussieht.
     Wir scheinen jene Über-Ordnung in der wirklichen Sprache finden zu müssen. So fragen wir uns auch was das eigentliche Wort, der eigentliche Satz unsrer Sprache sei, denn die geschriebenen & gedruckten Wörter & Sätze besitzen in ihrem Wesen nicht die Klarheit
die die sublime Sprache erfordert. So gehen wir auf die Suche nach dem eigentlichen Wort & glauben es etwa in der Vorstellung des Worts zu finden. ¥
     Und so kommt es dazu, daß wir Idealbegriffe haben & sagen, sie müssen auf die Realität der Sprache anwendbar sein, aber nicht sagen können wie || ohne sagen zu können, wie.
     Es ist, als müßten wir in ein Gebiet von solcher Feinheit & Verwicklung dringen daß unsere Sprache ein zu rohes Instrument ist, es darzustellen. Aber von
dort treibt uns ein Instinkt zurück. [noch nicht klar]
 
     
[Ich suche außer den diversen schrittweisen || langsamen Übergängen von der alten zur neuen Betrachtungsweise einen schnellen, in einem Schritt.]
 
     
Wie erweist sich jener Fehler (jene || unsere Täuschung) als Fehler?
     Denn sie darf sich nicht durch ihre Unhaltbarkeit als Täuschung erweisen. Sondern sie ist unhaltbar, weil sie eine Täuschung ist.

 
     
“Die Sprache (oder, das Denken) ist etwas Einzigartiges”, das erweist sich als ein Aberglaube (nicht Irrtum!) hervorgerufen (selbst) durch logische Mißverständnisse || grammatische Täuschungen.
     Und auf diese Täuschungen || auf die Probleme fällt nun das Pathos zurück.
 
     
     [Aber da ist noch der Faden der Rolle der konkreten Beispiele oder, der Rolle des Ideals.]
 
     
     Wir müssen uns eingestehen, auf welche Vorstellungen die idealen
Formen zurückgehen.
 
     
(Der ideale Name.) Was war es, was an dieser Idee falsch war? Was, worauf sich unmittelbar zeigen läßt?
 
     
War es ein ähnlicher Fehler, wie der, welchen ich machte, als ich glaubte “(F––)” sei eine Wahrheitsfunktion? Nämlich der Mißbrauch des Wortes “eigentlich”. Wenn etwas nur eigentlich das & das ist, so ist es es eben eigentlich nicht.

 
     
Die Idee das Ideal ‘müsse’ sich in der Realität finden. Während man noch nicht sieht, wie es sich darin findet; & nicht das Wesen dieses “Muß” versteht.
 
     
     Die Rolle der “logischen Analyse”. Wie kann ich den Satz jetzt verstehen, wenn die Analyse soll zeigen können was ich eigentlich verstehe || , was es ist, was ich verstehe. Hier spielt die Idee des Verstehens als seltsamen geistigen Vorgangs hinein.
 
     
     Das ‘Ideal’ muß jetzt schon seine volle Anwendung ||
Anwendbarkeit
haben. Und außerhalb dieser ist es Ideal nur sofern es eine Form der Darstellung ist.
 
     
Woher hast Du dieses Ideal? Was ist sein Urbild? Denn das ist es ja, was ihm Leben gibt.
 
     
“Wenn ein Satz ein Bild ist, so muß jeder Satz ein Bild sein, denn sie müssen alle wesensgleich sein. Jeder Satz sagt: es verhält sich so & so.” Hier haben wir auch so ein Ideal, das sich in die Erscheinungen hineindrängt.
 
     
     “Jeder Traum ist eine Wunscherfüllung”. Eine “dynamische Theorie” nannte || nennt es Freud. Und es ist wesentlich eine Theorie. D.h. es wird dabei eine Annahme gemacht, eine Hypothese. Es wird eine ganz bestimmte Art der || von Konstruktion an die Tatsache || Erscheinung des Traums herangebracht.
     Denn fragte man ohne weiteres: “Was ist der Traum eigentlich?” So wäre die Antwort: Hast Du noch nicht geträumt, weißt Du es denn nicht?
 
     
Die Idee des Wesens,
wenn wir das Wesen des Satzes angeben wollten, war nicht einfach eine Beschreibung dessen was man Satz nennt, || mit diesem Wort (“Satz”) bezeichnet, sondern sie war, ein Letztes zu sagen, eine letzte Klarheit zu schaffen über das Unvergleichliche. Es klar ein für alle mal[keine Beistriche]5 darzustellen.
 
     
Wie bist Du auf dieses Ideal gekommen?
Das Ideal sitzt so fest. || Das Ideal sitzt unverrückbar fest. Du kannst nicht aus ihm heraustreten. Du mußt immer wieder zurück. Es gibt gar kein Draußen;
draußen fehlt die Lebensluft. – Woher dies? || Woher dieses Erlebnis?
 
     
Warum wirft man die Form nicht über Bord? Sie ist in verschiedenen Verbindungen verankert & wir können uns keine andere Möglichkeit denken. Aber das ist es auch nicht.
 
     
Es ist, als ob wir eine Form des Ausdrucks nicht als Form des Ausdrucks erkennten. ﹖
 
     
(Oder beinahe, als hielten wir die Farbe der Brille oder eine Zeichnung auf der Brille, durch die wir
sehen, für die Farbe oder ein anderes Charakteristikum des Dings, das wir anschauen.)
     Z.B.: “Jeder Satz sagt doch; Es verhält sich so & so”. Das ist so eine Brille.
 
     
Wo || Was ist die Grenze zwischen Urteil & Vorurteil?
 
     
❘ Das Gebäude deines Stolzes ist abzutragen. Und das gibt furchtbare Arbeit. ❘
 
     
“Es ist doch …”
 
     
❘ In einem Tag kann man die Schrecken der Hölle erleben; es ist reichlich genug Zeit dazu. ❘
 
     
Der ideale Name soll so funktionieren: ‘Diesem Namen entspricht das.’ Und das ‘das’ soll einfach sein, ganz einfach.
     Warum setzt man nun dieses Ideal dem entgegen, was man sieht? Man konstruiert sich das Ideal aus dem, was man sieht. Aber warum glaubt || meint man nun es müsse etwas dieser Konstruktion Entsprechendes geben? || zu finden sein? Denn ich will ja – bin ja versucht, zu sagen: das muß es
geben; danach muß man suchen.
     Warum wird denn diese Idee in uns zum Ideal?
     (Oder ist diese Frage nicht in gewissem Sinne unberechtigt: weil wir uns eben an eine Idee festhängen?)
     Warum sage ich, der Satz muß so & so gebaut sein?
     Warum wird denn bei Plato immer geschlossen: Also “muß” es sich auch dort so & so verhalten.
 
     
     Es ist ein großer Unterschied zwischen
den Wirkungen einer Schrift die man leicht & fließend lesen kann & einer die man schreiben aber nicht leicht entziffern || lesen kann. Man schließt in ihr die Gedanken ein, wie in einer Schatulle.
 
     
Rolle der falschen Auffassung der Analyse.
 
     
Wir sind in einem Irrtum befangen. (Das was ich erklären will, & nicht kann, ist: wie ist man befangen? –)
 
     
Die Analyse, das Denken

als seelische Tätigkeit. Wir trachten (in diesem Irrtum) nicht nach Beschreibung, sondern nach einheitlicher Darstellung durch eine Idee.
 
     
Einer könnte sagen: “ein Satz, das ist das Alltäglichste von der Welt” & der Andre: “Ein Satz – das ist etwas sehr Merkwürdiges!”.
     Und er kann nicht einfach nachschauen, wie ein Satz funktioniert, weil unsere Ausdrucksweise die Sätze, das Denken etc. betreffend ihm den Weg verstellt. || ihm im Weg ist.
 
     
 
     
“Mir geht's eigentlich jetzt gut; es scheint mir gelungen zu sein Gott zu täuschen.” 6
 
     
 
     
Denn wenn er es nicht als etwas ganz Alltägliches sieht, so heißt das, er sieht etwas hinter dem Satz.
 
     
(“Es ist etwas sehr Merkwürdiges”, hier liegt bereits der ganze Fehler.)
 
     
Hierin liegt bereits das Ätherische, Metaphysische.
 
     
Warum aber sagen wir, es sei etwas Merkwürdiges? Einerseits wegen der ungeheuren Bedeutung die ihm zukommt. (Und das ist richtig.)

     Anderseits verführt uns das & manches andre, z.B. die Einheit des Wortes Satz, dazu zu denken, es müsse in der Art & Weise der Funktion des Satzes ein Außerordentliches, Einzigartiges zu finden sein.
 
     
     Denn wenn Sokrates fragt “was ist Erkenntnis?”, so könnte er (eigentlich) vorher || zuerst sagen: “Die Erkenntnis muß etwas sehr Merkwürdiges sein.” “Etwas Rätselhaftes”, könnte man auch sagen.
 
     
Irgendwie fällt mir dieses Gleichnis ein: Denk Dir, an Stricken die von einem Punkt auseinander laufen wirkten große Kräfte. Im Mittelpunkt steht ein dünner Stift. Nun sagt einer: “Das muß ein eigentümlicher Stift sein, daß er alle diese Stricke halten kann, & die riesigen Kräfte aushält, die an ihm ziehen.”
     Man könnte sagen: “Das ist eine falsche Auffassung: es sieht
nur aus, als hielte der Stift die Stricke. Wie es auch aussieht: als schwebte die Erde trotz ihres Gewichts im Raum, & müsse also irgendwie so gehalten werden.
 
     
In meiner Seele ist Winter.
 
     
Durch ein Mißverständnis erscheint es uns, als tue der Satz etwas Seltsames.
 
     
(Mein Gedanke geht so langsam, als ob er durch tiefen Schnee
waten müßte.)
 
     
‘Der Satz ein merkwürdiges Ding.’: darin liegt irgendwie schon die Sublimierung der ganzen Darstellung || Betrachtung || Betrachtungsweise, die Tendenz entweder ein reines, sublimes, Mittelwesen zwischen dem groben Satzzeichen & den Tatsachen anzunehmen, oder auch das Satzzeichen selber quasi reinigen sublimieren, zu wollen.
 
     
Denn, daß es ganz hausbacken zugeht, – das zu sehen, verhindert uns unsere Ausdrucksweise. || verhindert uns auf
mannigfache Weise unsere Sprechweise || das zu sehen, verhindern auf mannigfache Weise unsre Sprachformen || Ausdrucksformen
indem sie uns auf die Jagd nach Fabelwesen || Chimären schicken.
 
     
(Die größere ‘Reinheit’ der nicht auf die Sinne wirkenden Gegenstände, z.B., der Zahlen.)
 
     
     “Der Sinn eines Satzes kann wohl in einem gewissen Sinne ‘verschwommen’ sein, wie etwa wenn man von einem Ding aussagt es habe nicht eine reine Farbe sondern ein
trübes Gemisch von Farbtönen, oder von einem Laut, er sei kein reiner Klang sondern ein ‘unbestimmtes’ Geräusch”; aber man will nun sagen: “Auch das ‘unbestimmteste’ Geräusch ist ein bestimmtes Geräusch”. Aber was heißt das?
     “Auch der (unbestimmteste), verschwommenste Sinn ist ein bestimmter Sinn”.
     “Ich habe doch immer einen bestimmten Gesichtseindruck!” Woher weißt Du daß es ‘immer’ ist? Das ist doch a priori; also heißt es, es hat keinen Sinn hier von ‘Unbestimmtheit’ zu reden. Und also
auch nicht von Bestimmtheit.
(“Ein Stab hat doch immer eine bestimmte Länge!”)
     “Die Regeln eines Spiels können wohl eine gewisse Freiheit lassen, aber sie müssen doch ganz bestimmt sein”. Das wäre etwa als sagte man: Du kannst zwar einem Menschen durch vier Wände eine gewisse Bewegungsfreiheit lassen, aber die Wände müssen vollkommen starr sein;– – was nicht wahr ist.
Sagte man aber nun: “Diese Wände können wohl elastisch sein, aber sie
haben dann eine ganz bestimmte Elastizität”, so ist dies wieder falsch, wenn es heißen soll, daß man immer im Stande ist die Elastizität genau anzugeben. Soll es aber das nicht heißen, so heißt es gar nichts.
     “Der Stab hat immer eine bestimmte Länge” ist eigentlich das Bekenntnis zu einer bestimmten Ausdrucksform. Derjenigen nämlich, die sich der Form eines Ideals der Genauigkeit bedient. (Gleichsam wie || als eines Parameters der Darstellung.)
Das || Und das Bekenntnis zu einer Ausdrucksform wenn es als Satz über die Gegenstände der Betrachtung ausgedrückt wird || formuliert ist muß allerdings ‘a priori’ sein. Denn sein Gegenteil wird ja wirklich undenkbar, da ihm ja eine Denkform, Ausdrucksform, entspricht, in der man einfach nicht denkt.
     So verhält es sich auch damit, wenn ich sage: “Es kann keine Vagheit im Sinn des Satzes geben.”
 
     
     Es gibt eine bestimmte Form der Darstellung, die Form des Ideals.
 
     
(Es ist ein wenig wie Morgengrauen bei mir im Geist.)
 
     
“Es ist doch kein Spiel, wenn es eine Vagheit in den Regeln gibt.” – Aber ist es dann kein Spiel? – “Ja vielleicht wirst Du es ‘Spiel’ nennen, aber es ist doch jedenfalls nicht das ideale || ein ideales || ein reines Spiel.” D.h.: es ist (doch) ein verunreinigtes Spiel & ich interessiere mich dann für das was verunreinigt ist. Aber das Ideal ist Deine Ausdrucksform & ein Mißverständnis verführt Dich das Ideal
falsch anzuwenden.
     Es ist, als wenn Du sagtest: “Der Umfang dieses Rades ist wirklich D.π” (so genau ist es gearbeitet).
 
     
Die vollkommene Reinheit & Klarheit || Kristallklarheit der Logik: || Die vollkommene Kristallreinheit der Logik:
Sie soll ein Kristall sein, nichts Amorphes in ihr. (Woher dies Ideal?)
Denn die Kenntnis des Amorphen interessiert uns nun nicht (das ist richtig). Und mit den Kristallsystemen haben wir es auch zu tun.
D.h., wir haben es mit der Exaktheit zu tun. Denn (eine) größere Exaktheit beseitigt manche || gewisse Mißverständnisse: Aber es gibt auch Mißverständnisse, die leicht dadurch entstehen, daß man || die leicht entstehen, wenn man nach größerer Exaktheit strebt.
     Nun ist es aber nicht so, daß wir uns etwas von jener Kristallreinheit abhandeln lassen können! Das Vorurteil, was in ihr liegt, kann nur so beseitigt werden, daß wir unsere ganze Betrachtung drehen; dadurch jener Reinheit
einen andern Platz geben. || & dadurch jene Reinheit an einen andern Platz stellen.

     Es ist aber auch nicht so, daß man sagen könnte: “Das Vorurteil ist, daß das Ideal existiert. Während wir ihm nur nachstreben müssen.” || während wir uns || die Wirklichkeit ihm nur nähern.” Denn auch darin liegt das || ein Mißverständnis. Die || ; die Rolle des Ideals ist damit nicht erfaßt.
 
     
     Wenn Du ein Opfer bringst & dann darauf eitel bist, so wirst du mit samt deinem || dem Opfer verdammt.

 
     
Man könnte sagen: Die Betrachtung muß gedreht werden aber um den Angelpunkt unseres eigentlichen Interesses || Bedürfnisses; das muß festbleiben. || stehenbleiben. || , aber um unser eigentliches Bedürfnis als Angelpunkt. [dann bleibt der Nachsatz weg]
 
     
Man könnte π ein Ideal nennen, denn es spielt in einem Sinne die Rolle eines Ideals, aber dieser Ausdruck wäre mit Vorsicht zu gebrauchen: “Wir streben bei der Konstruktion eines Kreises das Ideal an, daß der
Umfang D.π beträgt || betrage”.
 
     
Das Licht der Arbeit ist ein schönes Licht, das aber nur dann wirklich schön leuchtet, wenn es von noch einem andern Licht erleuchtet wird.
 
     
(Ich glaube, man kann sagen:) Das a priori ist eine Darstellungsform.
 
     
     Und a priori ist eine Ordnung der Dinge.
 
     
Ich sagte || schrieb seinerzeit:
“Alle Zahlen der Logik müssen sich rechtfertigen.” Aber warum rechtfertigen? Sie müßten doch durch etwas Anderes gerechtfertigt & müßte dies auch gerechtfertigt werden?
     Ich sagte, es dürfe keine Arten geben, denn gäbe es, sagen wir, 3 Arten von irgendetwas in der Logik: warum sollte nicht einmal eine vierte gefunden werden? – D.h.: die Logik darf nicht das Ansehen einer empirischen Wissenschaft || eines empirischen Wissensgebietes haben.
     Dem Wort ‘Welt’ entspricht das Wort ‘Sprache’, dem
das Wort ‘Satz’, das Wort “Wort”, das Wort “Logik”. Alle diese stehen hintereinander & es kann durch weitere Analyse nie ein Nebeneinander hervorgehen || hervortreten.
     Wozu aber ist dieses Wort “Welt” & “Sprache” etc. dann zu brauchen? Es fehlt das Sprachspiel, das mit ihnen zu spielen ist.
 
     
Die Kristallreinheit || Kristallklarheit der Logik, hatte sich mir ja nicht ergeben, sondern ich hatte sie gefordert.
 
     
Die Logik mußte rein
sein: denn was sollte rein sein, wenn nicht sie?
 
     
     “Die Logik muß einfach sein”: das ist eine Forderung, nicht ein Ergebnis.
 
     
     In der Meinung die Ordnung der Dinge zu untersuchen, habe ich die || eine Ordnung der Dinge vorausgesetzt. Vorausgesetzt war die Idee des Wesens (der Welt, des Satzes, u.s.w.). (Der Satz, dieses merkwürdige Wesen.)
 
     
Die Wörter “Satz”, “Welt”, und andere, & ihre außerordentliche Bedeutung d.h. Wichtigkeit
in unsrer Sprache verführen uns zu der Fiktion einer Anwendung dazu, die Existenz transzendenter Wesen anzunehmen mit einer allumfassenden Ordnung. ‒ ‒ ‒
 
     
     Woher weißt Du daß es (gerade) 3 Arten von … gibt? Lehrt es Dich die Erfahrung? Dann kannst Du morgen eine 4te Art finden.
 
     
Ich meinte ursprünglich, alle Zahlen der Logik müssen sich aus dem Wesen des Satzes rechtfertigen lassen.

     Wenn man also das Wesen des Satzes ausspricht, so muß alles andre folgen. Es kann dann nicht anders sein.
 
     
     Der Satz aber war äquivalent mit der Sprache, die Sprache aber mit der Beschreibung dessen was der Fall ist, mit der Welt.


     Ich nahm als gegeben an die Einzigkeit der Bedeutung der Wörter “Welt” & “Sprache” ohne daß ich einen Begriff von einem Gebrauch des Wortes 7
 

Editorial notes

1) The table and notation on page 17v are most likely of earlier date than the surrounding text; they are moved here by the editors.

2) The musical score at the top of page 17av is most likely of earlier date than the surrounding text; it is moved here by the editors.

3) See facsimile; there is an arrow like graphic above the Bemerkung.

4) See facsimile; possibly dash after "eines".

5) See facsimile; Wittgenstein deletes the commas around "ein für alle mal".

6) See facsimile; rest of page hardly readable.

7) Continuation in Ms-157b,1r.