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28.2.47.
     Sowie wir hier ein Schema verwenden wollen, wie es die Ausdrucksformen unserer Sprache uns nahelegen, & nicht bloß das wirklich Gemeinsame der Begriffe notieren, machen wir uns ein falsch vereinfachtes Bild unserer Begriffswelt. Es ist so, als sagten wir, alle Pflanzen || alle Pflanzen im Garten hätten Blütenblätter; Blüten; Früchte; Samen. || alle Pflanzen im Garten hätten Blüten, alle Blütenblätter, || Früchte, || Samen.

   
     The vacant smile of the modern English mathematician.

   


   
     Wir fühlen den Schmerz, die Kälte, die Spannung in der Form des Gliedes welches schmerzt, friert, spannt, etc. Was heißt das? Ist es etwas anderes, als ein Bild, das z.B. den Worten entspricht “Ich habe eine kalte Nasenspitze”?


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1.3.
     Wenn man immer alles durch Konturen wiedergibt, kann man einen allmählichen Übergang nicht darstellen. Wenn man gewöhnt wäre, alle ganzen Gegenstände geradlinig darzustellen, wäre es schwer sich von dem Vorurteil zu befreien, ein krummliniger könnte etwas anderes als ein Fragment sein.
     Wir fassen das, was wie ein Fragment ausschaut als Ganzes auf. Das ist ähnlich, wie wenn man die Pünktchen in “a, a2, a4, a8 … durch ein Zeichen ersetzt, welches || das nicht Unbestimmtheit ausdrückt || auszudrücken scheint. Man schiebt damit einen Vergleich beiseite & schlägt einen anderen vor. || Man verhindert damit einen Vergleich & schlägt einen anderen vor. || Man hält damit einen Vergleich fern & schlägt einen andern vor.
     Aber warum soll mir soviel daran gelegen sein, einen Vergleich
auf Kosten eines andern einzuführen? Was verspreche ich mir davon? Nun, ein Vergleich hat Konsequenzen. Eine ist ein immer wiederkehrender Schwindel || wiederkehrendes Schwindelgefühl des Verstandes, das Gefühl als gingen wir auf Luft daher, ohne (den) festen Boden || die Erde am zu berühren, & sagen Dinge, die entweder ganz inhaltsleer sind oder uns eigentlich zu hoch sind. || & als sagten wir Dinge, || & sagten da Dinge, die uns eigentlich zu hoch, oder ganz inhaltsleer sind. || wären.

   
     Aber der größte Teil der Mathematik, z.B., geht doch vor sich, ohne daß philosophischer Unsinn, oder philosophische Fragen in sie treten || eintreten. Und warum sollte man das bißchen Unsinn nicht einfach mit Stillschweigen || stillschweigend übergehen. Wem hat es je geschadet, daß im Vorwort oder in der Einleitung zu einem Buch über Experimentalphysik vom Satz des zureichenden Grundes || vom Kausalitätsgesetz die Rede war?

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Oder was macht es, daß Hardy schreibt, er sei der Ansicht, daß die Sätze || den Sätzen der Mathematik eine objektive Realität beschreiben || entspricht? – Nun, das ist nicht leicht zu beantworten. – Und vor allem könnte ein gescheiter Mensch auch ganz gut an allen diesen kleinen philosophischen Nebeln vorbeigehen. Freilich gibt es dann Stellen || Gebiete, wo weitere Landstrecken mit Nebeln || von mit Nebel bedeckt sind. Und nun könnte man gegen die Philosophie einwenden, daß gerade dort, wo die Nebel am dichtesten || ausgebreitetsten sind, in der Nationalökonomie z.B., sie nicht das Resultat || Ergebnis einer verfahrenen Begriffsbildung || Begriffswelt sind, sondern von gewissen Interessen erzeugt werden, die sich der herkömmlichen Begriffe als eines Instruments bedienen. Und man kann zweifeln, ob durch das Modifizieren der Begriffe eine weitgehende Klärung des Denkens der Menschen zu erreichen ist. Ich weiß nicht, was man darauf erwidern kann, es sei denn: das Philosophie
ein menschliches Tun ist mit einer Richtung, aber so unsicherem Erfolg, wie alles andere menschliche Tun.

   
3.2.
     Ein Geruch kann höchst angenehm sein. Ist, daß er angenehm ist, eine || Ist das Angenehme an ihm eine … Empfindung? Dann würde also die Empfindung der Annehmlichkeit den Geruch begleiten. Wie aber würde sie sich auf ihn beziehen? Freilich der Ausdruck der Annehmlichkeit ist seiner Art nach ähnlich dem Ausdruck einer Empfindung, insbesondere des Schmerzes. Aber Freude hat keinen Ort; es gibt freudige Gedanken, aber nicht zahnschmerzliche.
     Aber – möchte man sagen – ob Freude eine Empfindung sei, oder was sie sei, muß man doch merken, wenn man sie hat! – (Und warum besonders, wenn man sie hat, & nicht, wenn man sie nicht hat?) Merkst Du auch das Wesen der Eins, wenn Du einen
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Apfel ißt, & das Wesen der Null, wenn Du keinen ißt?

   
     Wenn Frege sagte, die Anzahl sei kein Haufen, was führte ihn zu diesem Schluß, was betrachtete er, um das herauszufinden?

   
     Ist Schmerz immer unangenehm? Ist er es z.B. || immer, wenn sexuelle Reize mit ihm verbunden sind || einhergehen? Oder wirst Du sagen: “Der Schmerz an sich ist immer unangenehm”? Das hieße etwa: er ist unangenehm, aber man erträgt ihn gerne um anderer Empfindungen willen. – Aber kann Schmerz angenehm sein, wie ein angenehmer Geruch? Es könnte doch wohl sein, daß es mir einmal unangenehm ist, einem angenehmen Geruch zu begegnen; & angenehm einen unangenehmen vorzufinden. Und hier kann man sagen: Der Geruch (an sich) ist nicht unangenehm aber es ist mir unangenehm, ihn hier
anzutreffen. Aber ist denn diese Unterscheidung immer möglich? Kann man z.B. für einen Geschmack immer sagen er sei an sich angenehm oder unangenehm? Ist es mit dem Schmerz, wie mit dem bitteren Geschmack, der viel öfter unangenehm als angenehm ist, so daß man oft von bitterem Schmerz & süßer Freude redet aber selten von süßem Schmerz & bitterer Freude. Aber hier muß man sich wieder vor dem Theorisieren hüten. Denn warum sollen Schmerz & Geruch die gleiche interne Relation zu Lust & Unlust haben?!

   
     Unwillkürliches Essen, vorgestellt nach der Art einer unwillkürlichen Armbewegung. Es müßte anders ‘ausschauen’ als das gewöhnliche, aber wie müßte || würde es sich davon unterscheiden? – Es könnte, z.B., maschinell aussehen, plötzlich unmotiviert zum Stillstand kommen.

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     Unmotiviert. Worin aber liegt es daß eine Bewegung motiviert ist? Niemand wird das Motiv eine Begleitung der Handlung nennen. (Nicht aber etwa weil es ein Vorläufer der Handlung sei!)

   
     Willkürlichkeit hängt mit Absichtlichkeit zusammen. Und daher auch mit Entschluß. Man entschließt sich nicht zu einem Herzkrampf & hat ihn nun.

   
     Man ruft sich ein Niesen, oder einen Hustenanfall hervor, aber nicht eine willkürliche Bewegung. Und der Wille ruft das Niesen nicht hervor & auch nicht das Gehen.

   
     “Ich weiß, ob ich meiner Überzeugung gemäß, oder entgegen, rede.” – “Aber ich weiß es nicht nur, ich bin mir dessen bewußt während ich rede.” Wie begleitet das Bewußtsein das Sprechen? Was soll ich sagen: ist, sich dessen Bewußtsein,
eine Empfindung? (Ist ‘plötzlich weiterwissen’ eine Empfindung?)

   
     Empfindung, das ist das, was man für unmittelbar gegeben & konkret hält, was man nur anzuschauen braucht, um es zu erkennen; das, was wirklich da ist. (Die Sache, nicht ihr Abgesandter.)

   
     Die Weisheit ist etwas Kaltes, & insofern Dummes. (Der Glaube dagegen, eine Leidenschaft.) Man könnte auch sagen: Die Weisheit verhehlt Dir nur das Leben. (Die Weisheit ist wie kalte, graue Asche, die die Glut zudeckt || verdeckt.)

   
     Schließ die Augen, beschreib Dein Nachbild. Es ist rot. Aber weißt Du auch gewiß, daß die Farbe, die Du siehst Rot ist? – “Ja, denn es ist die gleiche wie diese hier.” – Aber weißt Du auch gewiß, daß die Relation der beiden die der Gleichheit ist?


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     Was Du mit Dir selbst auszumachen hast, mach nicht mit dem Andern aus.

   
4.3.
     “Ich weiß, ob ich meiner Überzeugung gemäß, oder ihr entgegen rede.” So ist die Überzeugung das Wichtige, im Hintergrund meines Redens & Handelns. || das Wichtige; was im Hintergrund meiner Äußerungen steht. Welches starke Bild! || . Man könnte Überzeugung & Rede malen (“aus der tiefsten Brust”) || das Wichtige; im Hintergrund aller meiner Äußerungen || das Wichtige. Im Hintergrund meiner Äußerungen. || Reden. Und doch, wie wenig zeigt dieses Bild!

   
     Es gibt das Geständnis einer Lüge; wie das Geständnis einer Absicht.

   
     “Aber die Absicht muß doch eine Handlung sein – wie könntest Du Dich sonst der Absicht schämen?
Wie könnte man glauben, daß Gott die Absicht straft?” – Wenn Du eine ‘Handlung’ nennst, wessen Du Dich schämen kannst, dann mußt Du die Absicht zu den Handlungen zählen. || rechnen.

   
     ein ungelöstes mathematisches Problem, ich meine, eine mathematische Frage zu deren Beantwortung wir noch keine Methode haben, kann man der Frage vergleichen “Wer war König Lear''s Mutter?”.
     Die Worte der Frage sind schon da; aber die Begriffe fehlen noch. Ich sage: “fehlen noch” – denn sie können erfunden werden, & sind, nach gewissen Leitlinien, zu erfinden.

   
     “Ich habe gelogen” – “Ich habe ihn damit gemeint” – “Ich wollte ihn damit ärgern” – sind alle von gleicher Art.

   
     “Der Geruch ist herrlich!” Ist
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ein Zweifel; daß es der Geruch ist, was || daß der Geruch es ist, der herrlich ist?
     So ist es eine Eigenschaft des Geruches? – Warum nicht? Es ist eine Eigenschaft der zehn durch zwei teilbar zu sein, & auch, die Zahl meiner || Finger zu sein.
     Es könnte aber eine Sprache geben, in der die Leute nur die Augen schließen & sagen “O, dieser Geruch!” & es keinen S.P.-Satz gibt, der dem äquivalent ist. Das ist eben eine ‘spezifische’ Reaktion.

   
     Ich kenne || erfahre seine Überzeugungen aus seinen Äußerungen || Handlungen, aber meine Überzeugung nicht aus meinen Handlungen. Wie zeigt es sich aber, daß ich meine Überzeugungen vor ihren Äußerungen weiß? || , ehe ich sie äußere, weiß? D.h. doch: wie zeigt es sich, daß ich meine Überzeugungen vor ihren Äußerungen || , ehe ich sie äußere, habe? Wie zeigt es sich, daß ich die Kenntnis
meiner Überzeugung nicht meinen Handlungen entnehme? – Nun, ich äußere sie, ohne sie aus meinem Benehmen zu schließen. – Aber ist es dann auch wirklich das Gleiche, was ich aus seinem Benehmen schließe? – Aber ich schließe ja auf seine Überzeugung sowohl aus ihrer Äußerung || daraus, daß er sie äußert, als auch aus seinen Handlungen. Nun also: Ist das, wovon er sagt, er habe es, & wovon ich sage, ich habe es, ohne daß wir es || dies aus irgend einer Beobachtung erschließen || gewinnen, ist es dasselbe, wie dasjenige, welches || was wir aus der Beobachtung des Benehmens des Andern & aus seiner || dessen Überzeugungsäußerung entnehmen?

   
      Kann man sagen: Ich schließe, daß er handeln wird, wie er zu handeln beabsichtigt.

   
5.3.
     Warum interessiert mich (denn) seine Überzeugung? Warum ist sie nicht
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seine Privatsache, – wie ein leichter Magenschmerz, von dem man kein Aufhebens macht?

   
     Ich schließe auf die Folgen seiner Überzeugung aus dem Ausdruck seiner Überzeugung; aber nicht auf die Folgen meiner Überzeugung aus ihrem Ausdruck.

   
     Denke Dir einen Beobachter, der, gleichsam automatisch, seine Beobachtungen ausspricht. Ja, er hört sich reden, nimmt aber sozusagen keine Notiz davon. Er sieht, daß der Feind herannaht & meldet es, beschreibt es, aber wie eine Maschine. Wie wäre das? Nun, er handelt nicht seiner Beobachtung gemäß. man könnte von ihm sagen, er sage, was er sieht, aber er glaube es nicht. Es dringe, sozusagen in ihn nicht ein.



   
     Die Überzeugung || (Der Glaube) als ein Zustand der Seele. Ein Zustand, aus dem Taten & Worte fließen. Und aus den Worten fließen wieder Taten der Andern. “Er ist überzeugt davon” – er ist ‘durchdrungen’ davon. Wie wäre es: aus meinen Worten auf diesen Zustand meiner Seele schließen? – Es wäre nur möglich – möchte man sagen – wenn die Worte selbst automatisch ausgestoßen worden wären. Aber was meine ich damit? Daß meine Worte in einem automatischen, ausdruckslosen, Tonfall gesprochen wurden? Ist das wesentlich? Nein. Aber wenn ich sagte “Ich habe gesagt … Ich scheine || Aus meinen Worten … ersehe ich, ich sei bin davon durchdrungen, daß … ”, so würde man sagen: Du sprichst von Dir, wie von einem Dritten || Andern, also, als lebten zwei Leute in Dir, oder als sei da ein Mensch & ein Automat.
     “Es ist ja, als behandeltest Du Deine eigenen Worte || Reden wie einen Ausschlag,
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von dem Du auf einen Zustand Deiner || der Haut schließt.”

   
     Warum schließe ich aus meinen eigenen Worten , nicht auf einen Zustand, aus dem Worte & Taten || Handlungen entspringen? Ich schließe vor allem, aus meinen Worten nicht auf meine wahrscheinlichen Handlungen.

   
     Gefragt: || , “Wirst Du so handeln?” || , überlege ich mir Gründe & Gegengründe.

   
     Was könnte man aus den Worten “Es regnet, & ich glaube es nicht” entnehmen? Etwa, daß es regnet – wenn ich ein guter || verläßlicher Beobachter bin –, & daß ich handeln werde, wie Einer, der es nicht glaubt. Das setzt voraus, daß man die Aussage in abnormaler Weise auffaßt; so nämlich daß der erste Teil vom Wesen handelt, der zweite aber nicht, sondern von mir.

   
     Wie müßte man sich nun Menschen denken, die so ein Sprachspiel spielten? Die also immer wieder Meldungen, Feststellungen, Aussagen, machten mit einem Zusatz, der den Zustand ihrer Überzeugtheit unabhängig von jener Aussage beschriebe? || .
     Die Frage ist natürlich: wie kann denn das, was sie zu der Aussage bringt, sie nicht (auch) von ihr überzeugen? Er sieht den Regen, – drum sagt er ‘Es regnet”; muß er's dann aus demselben Grund nicht auch glauben? Wie denn, wenn er sagte: “Ich sehe, es regnet; & ich glaube es nicht.”? (Dies hätte auch in der dritten Person keinen Sinn.)

   
     Aber bedenke: Ich nehme doch manchmal des Andern Wort, – so müßte ich doch zum mindesten manchmal auch das meine dafür nehmen, daß ich der & der Überzeugung bin. Wenn ich aber sozusagen || quasi automatisch,
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meine Beobachtung berichte, so hat dieser Bericht mit meiner Überzeugung gar nichts zu tun. Wohl aber könnte ich mir, oder meinem beobachtenden Ich, ebenso vertrauen, wie das ein Andrer tut. Ich könnte also sagen: “Ich sage ‘es regnet’, da wird es wohl so sein”. Oder: “Der Beobachter in mir sagt es regnet’, & ich bin geneigt, ihm zu glauben. – Ist es denn nicht so – oder ähnlich – wenn man || ein Mensch sagt, Gott habe zu ihm, oder durch seinen Mund, gesprochen?

   
     “Es wird regnen; & , wenn du mich fragst, so sage ich, es wird nicht regnen.” Was nehme ich an, wenn ich annehme, || : es werde regnen || regne & ich glaube das nicht? Ich nehme an, daß es regnet & daß ich z.B. auf die Frage “Regnet es?” mit Überzeugung nein antworte. – Wenn ich also, was ich hier annehme, behaupte, so behaupte ich: es || Es regnet, & wenn
man mich, z.B., fragt, ob es regnet, antworte ich mit Überzeugung: Nein. So bist Du also zwei Menschen – möchte man sagen.

   
     Die wichtige Einsicht ist, || : daß es ein Sprachspiel gibt, in welchem ich, automatisch, eine Mitteilung mache, die von den Andern ganz so behandelt werden kann, wie eine nicht automatische – nur daß hier von seinem ‘Lügen’ nicht die Rede sein kann || wird – & die ich selbst wie die Mitteilung eines Dritten empfangen kann. Die ‘automatische Aussage, Meldung, etc. könnte man auch ein ‘Orakel’ nennen. – Das heißt aber freilich, daß sich (dann) das Orakel nicht der Worte “ich glaube … ” bedienen dürfte.

   
     Wo steht denn in der Logik, daß eine Behauptung nicht
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im Trance gemacht werden darf?!

   
     “Schaue ich hinaus, so sehe ich, daß es regnet; schaue ich in mich, so sehe ich, daß ich's nicht glaube.” Und was soll man nun mit dieser Mitteilung anfangen?

   
     Wie würden wir mit Leuten mit gespaltener Persönlichkeit verkehren; & wie würden sie untereinander verkehren? Wie sollen ihre Sprachspiele aussehen? – das ist die Frage.

   
     “Angenommen, es regnet & ich glaube es nicht” – Wenn ich das, was diese Annahme || Wenn ich das, was diese Annahme “es regnet, & ich glaube es nicht” annimmt, behaupte, – so spaltet sich, sozusagen, meine Persönlichkeit.

   
      Scheue Dich ja nicht davor, Unsinn zu reden! Nur mußt Du auf Deinen Unsinn lauschen.


   
     “Dann spaltet sich meine Persönlichkeit” heißt: Dann spiele ich nicht mehr das gewöhnliche Sprachspiel, sondern ein anderes.

   
     Was ist der Witz von Reim & Rhythmus? – Daß man das Ausgesprochene betrachten kann.

   
     Will ich so sagen? – Daß wir ein Wort mit der Grammatik des Wortes || Verbums “Glauben” verwenden; hängt damit zusammen, daß wir zwar auf die wahrscheinlichen Handlungen des Andern aus seinen Äußerungen schließen, aber etc.

   
     “Die Worte ‘Es regnet’ sind in seine Seele geschrieben”. Dies soll soviel heißen, wie, d.h., ersetzbar sein durch, “Er glaubt, daß es regnet”. “Die Worte ‘Es regnet’ sind in meine Seele geschrieben” – heißt etwa soviel wie: “Ich kann mich von dem Glauben nicht befreien, daß … ”, “Die Idee hat von mir Besitz ergriffen,
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daß …”.
     Bedenke nämlich, daß die Worte “Ich glaube, es regnet” & “Es dürfte regnen” das Gleiche sagen können: insofern nämlich, als es in gewissen Zusammenhängen keinen Unterschied macht, welchen wir verwenden. (Und befreit Dich von der Idee, daß den einen ein andrer geistiger Vorgang begleitet, als den andern!) Die beiden Sätze können das Gleiche sagen, obwohl dem ersten ein “Ich glaube … ” & “Er glaubt … ”, etc. entspricht, dem zweiten nicht. Der erste ist eben mit einem andern Begriff gebildet. D.h.: um zu sagen, daß “es dürfte regnen” || es vielleicht regnet, brauchen wir den Begriff “Glauben” nicht, obwohl || obschon wir ihn dazu verwenden können. Der Begriff, ein Satz sei Einem ‘in die Seele geschrieben’, ist nun ein dritter Begriff, der sich in den Anwendungen zum Teil mit den andern deckt, zum Teil nicht.
     Ich will sagen, daß man zur Bildung der Aussage “Es dürfte regnen” den ‘seltsamen’ Begriff
‘glauben’ nicht braucht, obwohl man ihn dazu gebrauchen kann.

   
     Bedenke auch: “Es dürfte regnen & es regnet” heißt nichts & ebenso “Es dürfte regnen & es regnet nicht”. Dagegen kann man sagen “Es scheint zu regnen & es regnet” & auch “Es scheint … & es regnet nicht”, & “Es scheint zu regnen” kann den gleichen Sinn haben wie “Es dürfte regnen”.

   
     “Es regnet, aber ich will es nicht wahr haben.”

   
     Wenn es einen wichtigen Zustand der Seele gibt, auf den ich beim Andern durch seine Worte & Handlungen schließe (& aus ihm wieder auf viele andere || weitere Handlungen), warum bekümmert er mich nicht als Zustand meiner Seele; oder wie kann ich auf ihn in anderer Weise in mir schließen,
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als im Andern? || , warum bekümmert es || bekümmert's mich nicht, ob dies der Zustand meiner Seele ist; oder wie kann ich bei mir anders || in anderer Weise auf ihn schließen, als beim Andern?


   
6.3.
     “Ich glaube, es wird regnen”, “Ich glaube, daß mein Freund mir treu ist”. Die Worte “Es ist mir in die Seele geschrieben … ” passen nicht auf № 1, aber auf № 2. Man könnte auch sagen № 2 charakterisiert || das zweite Beispiel redet von einer Denkweise, das erste nicht. Man wird geneigt sein, zu sagen: auf etwas vertrauen ist || sei ein Zustand (der Seele) || des Menschen; glauben, es werde regnen, sei keiner.

   
     “Es regnet, aber ich sage mir, es regnet nicht.”

   
Sich irren. Ich kann annehmen, daß ich mich, in einer Beobachtung z.B., irre. Aber kann ich behaupten, ich irre mich (jetzt) in ihr?



   
     Die Schwierigkeit ist, den wichtigen Aspekt der Sache zu sehen.

   
     Wie weiß ich, ich sei im Glauben, es regnet? Schaue ich in mich? Ja, nützt es mir irgendetwas, wenn ich mich beobachte? Nun, ich könnte mich etwa fragen “Um wieviel würde ich in diesem Falle wetten?”

   
7.3.
     “Es regnet; aber ich lasse diese Erkenntnis nicht in mich eindringen.”
     “Es regnet; || , & ich verschließe mich dieser Erkenntnis.” – Es wäre hier wirklich, wie wenn ich meine Persönlichkeit spalten wollte || spaltete. || wirklich so, als spaltete ich das Erkennen als etwas Automatisches von meiner übrigen Person ab.

   
     In einem tieferen Sinne betreiben wir wirklich Grammatik. Welchen Erfolg das haben wird, & ob überhaupt einen, wie könnte man es wissen?

   
9.3.
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     Verstellung. Schmerzen heucheln. Es besteht nicht einfach darin, daß man Schmerzen äußert, || man die Äußerung des Schmerzes von sich gibt, ohne Schmerzen zu haben. Es muß ein Motiv des Handelns da sein, also eine Situation, die nicht (ganz) einfach zu beschreiben ist. Sich krank & schwach stellen, um den Helfenden dann zu überfallen. – “Aber es ist doch da ein innerer Unterschied.” Natürlich; nur ist “innerer” hier eine gefährliche Metapher. – Aber der Beweis, daß ein innerer Unterschied vorliegt, ist (ja), daß ich gestehen kann ich habe geheuchelt. Ich gestehe eine Absicht. ‘Folgt’ daraus, daß die Absicht etwas Inneres war?

   
     Was macht man mit so einem Geständniswie: “Als ich es sagte, war ich mir der Unwahrheit bewußt.” Die Verwendung ist nicht leicht zu beschreiben.

   
10.3.
Die Wunder der Natur. Man könnte sagen: die Kunst zeige uns die Wunder der Natur. Sie basiere auf dem Begriff der Wunder der Natur. (Die sich öffnende Blüte). Was ist an ihr herrlich?) Man sagt: “Sieh, wie sie sich öffnet!”

   
15.3.
      Nur durch einen Zufall || Durch einen Zufall nur könnten sich die Träume eines Menschen von der Zukunft der Philosophie, der Kunst, der Wissenschaft, sich bewahrheiten. Was er sieht, ist eine Fortsetzung seiner Welt im Traum, also vielleicht sein Wunsch (vielleicht auch nicht) aber nicht die Wirklichkeit.
     Es könnte doch sein, daß die Photographie eines Menschen, z.B., sich mit der Zeit ändere, so etwa als altere der Mensch auf ihr. Aber sie ändert, entwickelt sich, dann nach ihren eigenen Gesetzen & warum
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sollten die sie parallel führen mit der Entwicklung des wirklichen Menschen?

   
     Auch der Mathematiker kann natürlich die Wunder (das Kristall) der Natur anstaunen; aber kann er es, wenn es einmal problematisch geworden ist, was er sieht? || er denn anschaut? Ist es wirklich möglich, solange eine philosophische Frühe das verschleiert, was das Staunenswerte oder Angestaunte ist?
     Ich könnte mir denken, daß Einer Bäume bewundert, & auch die Schatten, oder Spiegelungen von Bäumen, die er für Bäume hält. Sagt er sich aber einmal, daß dies || es doch keine Bäume sind & wird es für ihn problematisch, was sie sind, oder was ihre Beziehung zu Bäumen ist, dann hat die Bewunderung einen Riß, der erst der erst wieder geheilt werden muß || der erst zu heilen ist.

   
     Die gleichmachenden Ausdrücke der symbolischen Logik haben
die Mathematik noch undurchsichtiger gemacht & die Einsicht in das Wesen des mathematischen Treibens wohl einerseits gefördert, anderseits aber gehindert. || wohl bis zu einem gewissen Punkt gefördert, von da an aber gehindert.

   
     Das wirklich Unendliche ist ein ‘bloßes Wort’. Besser wäre (es) zu sagen, || : dieser Ausdruck schafft vorläufig bloß ein Bild; || das noch in der Luft hängt; dessen Anwendung Du uns noch schuldig bist.

   
     Eine unendlich lange Kugelreihe, ein unendlich langer Stab. Denk Dir, davon sei in einer Art Märchen die Rede. Welche Anwendung könnte man, wenn auch nur fiktiv, von diesem Begriff machen? Die Frage sei jetzt nicht: Kann es so etwas geben? Sondern: was stellen wir uns vor?
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Laß also Deiner Einbildung wirklich die Zügel schießen! Du kannst es jetzt haben, wie Du's willst. Du brauchst nur zu sagen, wie Du's willst.
Mach also nur ein Wortbild; illustrier es, wie Du willst, || durch Zeichnungen, durch Vergleiche, etc.! Du kannst also, gleichsam, eine Werkzeichnung anfertigen. Und nun ist noch die Frage, wie nach ihr gearbeitet werden kann.

   
     “Wie aber kann der menschliche Geist der Realität vorausfliegen, so daß er das Unverifizierbare denken kann?” Dies Gefühl haben wir, wenn wir zwei Arten von Sätzen oder Bildern zusammenstellen & die Verschiedenheit ihrer Verwendung vergessen. So wie einem ‘imaginär’ vorkam, wenn man sie mit zusammenstellte & die Verschiedenheit der Anwendung vergaß.



   
     “Wie aber kann der menschliche Geist der Wirklichkeit voranfliegen, & selbst das Unverifizierbare denken?” – Warum sollen wir nicht das Unverifizierbare reden? Wir machten es ja selbst unverifizierbar.
     Es wird ein falscher Schein erzeugt? Und wie kann es auch nur so scheinen? Willst du denn nicht sagen, daß dies ‘sogar keine || auch nicht einmal eine Beschreibung ist? Nun, dann ist es also kein falscher Schein, sondern nur || vielmehr einer, der uns der Orientierung beraubt (, uns schwindeln macht). So daß wir eben fragen: wie ist es möglich?

   
     ‘Mit Absicht verschweigen’, ‘mit Absicht irreführen’, u.s.f. Sich daran erinnern. In der Erinnerung ist es als wären da gleichsam die kleinen grünen Spitzen gewesen,
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die im Frühjahr die Anfänge verschiedener Pflanzen sind. “Was schwebte Dir vor?” – Ein Wort, eine Miene und dergleichen, die aber alle eine ganz bestimmte Bedeutung hätten.
     Oder: Er sah mich bei diesen Worten einen Augenblick lang an, & ich verstand ihn, wußte was er dachte. Ich wußte es in diesem Augenblick. Wie war || ist das möglich? Er dachte … & ich verstand es in dem Augenblick, als er mich ansah.

   
     Er sah mich || warf mir einen Blick zu, & ich schämte mich meiner Gedanken – was geschah da? Sagte ich mir “Ich schäme mich … ” – & was nützte es, selbst wenn ich's diese Laute hervorgebracht hätte?

   
     So wie das Wortgesprochen || ausgesprochen war, wünschte ich, ich hätte es nicht gesagt. – Wie bezog sich mein Wunsch auf das ausgesprochene Wort?

   
     Ich fühlte, daß das Wort unpassend
war, sobald ich es ausgesprochen hatte. Aber die Zeichen, an die ich mich erinnere, waren nur wie leise Andeutungen. Kleinigkeiten, aus denen ich die Absicht, den Wunsch etc., etwa hätte erraten können.

   
     Es gibt Schamanlässe, || Situationen – & Schambenehmen. So wie es Erwartungsanlässe & Erwartungsbenehmen gibt.

   
     “Ich bin unruhig, weil ich weiß, daß es jeden Moment knallen wird.”

   
     “Warum bist du so unruhig?” – “Weil ich weiß, daß es jeden Moment knallen wird.”

   
     “Ich erwarte einen Knall, aber es wird keiner kommen.” Mein Organismus erwartet ihn, sozusagen.

   
     “Ich schaue nach ihm aus. Worin besteht das?

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     Wäre es denn nicht beinahe verwunderlich, wenn es nicht Verben gäbe, die ein bestimmtes Benehmen in bestimmten Situationen & ein Denken an gewisse Dinge zusammennähmen? Aber freilich: das Denken könnte man immer durch ein Reden mit gewissen Bestimmungen ersetzen.
     Ich schaue, & sage “Er wird gleich kommen – er geht immer diesen Weg – er sollte schon da sein – etc.”

   
     Wenn eine Katze vor dem Mauseloch lauert – nehme ich an, sie denke an die Maus?
     Wenn ein Räuber auf sein Opfer wartet, – gehört dazu, daß er an diesen Menschen denkt? Muß er sich dabei dies & jenes überlegen. Vergleiche den, der es || dies zum ersten Mal tut mit Einem, der es schon unzählige
Male getan hat! (Lesen.)

   
     Man fragt || frage den Kapellmeister, der gerade den Taktstock ergreift, “Hast Du die Absicht zu dirigieren?” –

   
     Es könnte ein Verbum geben, das heißt || bedeutet: die Absicht durch Worte, oder andere Zeichen, laut, oder in Gedanken, aussprechen. Dies Wort || Zeitwort wäre nicht gleichbedeutend mit “beabsichtigen”.
     Es könnte ein Verbum geben, welches bedeutet: einer Absicht gemäß handeln; & dieses wäre auch nicht gleichbedeutend mit “beabsichtigen”.
     Wieder ein anderes könnte bedeuten: über einer Absicht brüten; oder, sie im Kopfe hin & her wälzen.

   
     Wenn ich meinen Kaffee bereite, so beabsichtige ich, ihn
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zu trinken. Wenn ich ihn nun ohne diese Absicht bereitete – müßte da eine Begleitung dieser Handlung fehlen? Geht während des normalen Tuns irgendetwas vor sich, was es als Tun in || mit dieser Absicht charakterisiert?
     Wenn man mich aber fragte, ob ich ihn zu trinken beabsichtige, & ich antwortete “Ja freilich!” – würde ich etwas über meinen gegenwärtigen Zustand aussprechen?
     So reagiere ich in diesem Falle; & das läßt sich aus meiner Reaktion entnehmen.

   
     “Ich hoffe er wird kommen!” – was läßt sich aus dieser Reaktion entnehmen? Wozu ist sie dem Andern nütze?

   
17.3.
     ‘Gut, daß die meisten Menschen die Dinge – Furcht, Wünsche || Wunsch, Hoffnung, Glauben, Liebe, etc. etc. – mit einander gemein haben; so daß, wenn
wir also ein das Kind lehren, zu sagen “Ich hoffe … ”, daß etwas Inneres da ist, dem gerade dieser Ausdruck entspricht.’ || entsprechend ist.’

   
     Man kann den || einen Glauben, Wunsch, eine Furcht, Hoffnung, Zuneigung, || einen Wunsch || einen Zustand des Menschen nennen; man kann || wir können auf diesen Zustand beim Benehmen || bei unserem Betragen gegen diesen Menschen rechnen, aus dem || seinem Zustand auf seine Reaktionen schließen.
     Und sagt Einer “Ich war all diese Zeit im Glauben … , “Ich hegte Zeit meines Lebens den Wunsch”, etc., so sagt er aus || so berichtet er von einem Zustand, einer Einstellung. – Sagt er aber “Ich glaube, er kommt” (oder einfach “Er kommt || Da kommt er”, oder “Ich wünsche, daß Du kommst” (oder einfach “Bitte komm!”), dann handelt er, spricht er, jenem Zustand gemäß, berichtet nicht, er befinde sich in ihm.
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     Aber wenn das richtig wäre, dann sollte es doch eine gegenwärtige Form jener Berichte geben, also einerseits, z.B., die Äußerung “Ich glaube … ”, anderseits einen Bericht, || (etwa) “Ich bin im Glauben …”. Und Ähnliches für den Wunsch, die Absicht, Furcht, etc.

   
     Jemand könnte erzählen: “Ich erinnere mich meines Zustandes in jenen Jahren sehr genau; wenn immer man mich fragte … , antwortete ich … , das war meine Einstellung.”

   
     Wenn Einer sagt “Meine Einstellung zu dieser Angelegenheit ist die: … ” – teilt er mir seine Einstellung auf Grund von Selbstbeobachtung mit? Sagt er aber, z.B., “Meine Einstellung zu Engländern ist im allgemeinen die: … ”, dann heißt es ungefähr soviel wie
“Ich reagiere auf Engländer so: …”.

   
     Mein Ruf “Hilfe!” sagt dem Andern, ich sei im Zustand der Hilfsbedürftigkeit; mein Ruf “Da kommt er!”, ich sei im Zustand der Überzeugung … etc. Man kann also die || meine Äußerung auch einen Bericht über meinen gegenwärtigen Zustand nennen ‒ ‒ ‒ wichtig ist nur, daß er nicht auf Grund einer Selbstbeobachtung gemacht wurde. (Und freilich ist wichtig auch der kategorische Unterschied zwischen Schmerzzustand & Glaubenszustand.)

   
18.3.
     ‘Ich wollte, ich hätte das nicht getan!” Ist das eine primitive Reaktion? Ekel vor einer Sache; Ekel vor meiner eigenen Handlung. Wie drücke ich Ekel vor einer vergangenen Handlung aus? Man könnte sich denken, daß einer bei der Erinnerung das Gesicht verzieht, eine abwehrende
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Bewegung macht, ausspuckt.
     Der Ekel, eine Empfindung? Es gibt doch Empfindungen des Ekels, z.B. ein leichtes Übelkeitsgefühl.

   
     ‘Warum ist das Unangenehme so unangenehm!” (Mining.)

   
     Es gibt eine Ekelreaktion, in mir & im Andern, es gibt auch Ekelgefühle. Und darin gleichen sich Ekel, Furcht, Zuneigung, u.a., aber nicht Hoffnung, Glaube, u.a.

   
     Gram denkt wieder & wieder an das Traurige. || wiederholt sich unablässig der traurigen Gedanken. Ein Gedanke kann traurig, ekelerregend, entzückend sein, etc., wie aber zeigt der Ausdruck, daß es der || dieser Gedanke ist, auf den wir so reagieren? Wie wehrt man einen Gedanken ab?

   
     ‘Was geschieht’, wenn man sich auf ein Wort zu besinnen trachtet? Was leistet z.B. James's
Beschreibung des Vorgangs? Und gibt es eine bessere, eine wesentlich bessere?

   
     “Das Wort liegt mir auf der Zunge”. Denke es sagte das jemand ‘ohne Anlaß’ & produzierte am Ende vielleicht irgend einen unsinnigen Wortlaut.

   
     Soll ich den ganzen Bereich des Psychologischen den der ‘Erlebnisse’ || des Erlebens nennen? Also etwa alle psychologischen Verben ‘Erlebnisverben’. (‘Erlebnisbegriffe’.) Ihr Charakteristikum ist dies, daß die || ihre dritte Person auf Grund von Beobachtung behauptet || ausgesprochen wird, nicht aber ihre || die erste. Die || Jene Beobachtung ist Beobachtung des Benehmens. von Menschen & was Menschen ähnlich ist. Eine Unterklasse der Erlebnisbegriffe || Erleben sind die ‘Erfahrungsbegriffe’. ‘Erfahrungen’ haben dann;
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einen Verlauf; sie können gleichförmig oder ungleichförmig verlaufen. Sie haben Intensität. Sie sind nicht von Gedanken. Eine Vorstellung ist eine Erfahrung. Eine Unterklasse der ‘Erfahrungen’ sind die ‘Eindrücke’. Eindrücke haben räumliche & zeitliche Beziehungen zueinander. Es gibt Mischeindrücke z.B. Gemische von Gerüchen, Farben, Tönen. ‘Gemütsbewegungen’ sind eine ‘Erlebnisse’ || Erleben, aber sind nicht ‘Erfahrungen’. (Beispiele) || : Trauer, Freude, Gram, Entzücken, || ) Und man könnte unterscheiden ‘gerichtete Gemütsbewegungen’ & ‘ungerichtete Gemütsbewegungen’. Die Gemütsbewegung hat Dauer; sie hat keinen Ort, sie hat charakteristische Erfahrungen & Gedanken; sie hat einen charakteristischen mimischen Ausdruck. Denken ist Reden unter bestimmten Umständen, & anderes, was ihm entspricht. Gemütsbewegungen färben Gedanken. Eine Unterklasse der ‘Erleben || Erlebnisse’ sind die Formen der ‘Überzeugung’. (Glaube, Gewißheit, Zweifel, etc.) Ihr Ausdruck
ist ein Ausdruck von Gedanken. Sie sind nicht ‘Färbungen’ von Gedanken. Die gerichteten Gemütsbewegungen könnte man auch “Stellungnahmen” nennen. Auch Überraschung & Schreck sind Stellungnahmen & auch Bewunderung, Genuß.

   
     Wohin gehört aber Erinnerung & wohin Aufmerksamkeit? Man kann sich in einem Augenblick einer Situation, oder Begebenheit erinnern. Insofern ist also der Begriff des Erinnerns ähnlich dem des augenblicklichen Verstehens, sich Entschließens.

   
19.3.
     Man sagt “Er scheint zu glauben” aber, für gewöhnlich || normalerweise, nicht: “Ich scheine zu glauben”. Aber ein Schauspieler könnte dies wohl sagen, indem er seine Rolle beschreibt.
     Und es ließen sich auch Gelegenheiten vorstellen, in denen man dies außerhalb des Schauspiels sagen würde. Man sagt, ja auch manchmal
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“Was ich soeben gesagt habe, klang sehr kühl, aber … ”, oder dergleichen.

   
     Mein Benehmen ist eben manchmal Gegenstand meiner Beobachtung, aber viel || doch selten. Und das hängt damit zusammen, daß ich mein Benehmen beabsichtige. Selbst wenn der Schauspieler im Spiegel sein eigenes Mienenspiel || seine eigene Miene beobachtet, oder der Musiker genau auf jeden Ton seines Spiels merkt & ihn beurteilt, so geschieht es doch um danach seine Handlung danach zu lenken || richten.

   
     Was heißt es z.B., daß Selbstbeobachtung mein Handeln, meine Bewegungen, unsicher macht?
     Ich kann mich nicht unbeobachtet beobachten. Und ich beobachte mich nicht zu dem gleichen Zweck wie den Andern.



   
     “Ich lenke ja meine Handlungen”. Der Andre kann sie z.B. lenken, indem er mir befiehlt.

   
     Wenn ein Kind im Zorn mit den Füßen stampft & Worte ausstößt || heult, – wer würde sagen, es täte dies unwillkürlich. Und warum? Warum nimmt man an, es täte dies nicht unwillkürlich? Was sind die Zeichen des willkürlichen Handelns? Gibt es solche Zeichen? – Was sind denn die Zeichen der unwillkürlichen Bewegung? Sie folgt Befehlen nicht, wie die willkürliche Handlung. Es gibt ein “Komm her!”, “Geh dorthin!”, “Mach diese Armbewegung!”, “Sprich diese Worte!”, “Iß!”, “Trink!”; aber nicht “Laß Dein Herz schnell gehen”.

   
     Es gibt ein bestimmtes Zusammenspiel des || von Bewegungen, Worten, Mienen, z.B., wie den Äußerungen des Unwillens oder der Bereitschaft, die die willkürlichen
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Bewegungen des normalen || gewöhnlichen Menschen kennzeichnen || charakterisieren. Wenn man das Kind ruft, so kommt es nicht automatisch: Es gibt da, z.B., die Gebärde “Ich will nicht!”, oder das freudige Kommen, den Entschluß zu kommen, das Fortlaufen mit den Zeichen der Furcht, die Wirkungen des Zuredens, die alle die Reaktionen des Spiels, die Zeichen des Überlegens & seine Wirkungen.

   
     Eine Melodie ging mir durch den Kopf. War es willkürlich, oder unwillkürlich? Eine Antwort wäre: Ich hätte es auch lassen können, sie mir vorzustellen || innerlich vorzusingen. Und wie weiß ich das? Nun, weil ich mich für gewöhnlich unterbrechen kann, wenn ich will.

   
     Wie könnte ich mir beweisen, daß ich meinen Arm willkürlich bewegen kann? Etwa indem ich mir sage: “Ich werde ihn jetzt bewegen” & er sich
nun bewegt? Oder soll ich sagen: “Einfach indem ich ihn bewege”? Aber wie weiß ich, daß ich's getan habe & er sich nicht nur durch Zufall bewegt hat? Fühle ich's am Ende doch? Und wie, wenn mich meine Erinnerung an frühere Gefühle täuschte, & es also gar nicht die richtigen || maßgebenden Gefühle waren?! (Und welches sind die richtigen?) Und wie weiß denn der Andre, ob ich den Arm, wirklich bewegt habe? Ich werde ihm vielleicht sagen “Befiehl mir, welche Bewegung Du willst & ich werde sie machen, um Dich zu überzeugen”. – Und was fühlst Du denn in Deinem Arm? “Nun, das Gewöhnliche.” Es ist nichts Ungewöhnliches an den Gefühlen, der Arm ist z.B. nicht gefühllos wie wenn er ‘eingeschlafen’ wäre.

   
     Eine Bewegung, von der ich nicht weiß, daß sie stattfindet, oder stattgefunden hat, wird man unwillkürlich nennen. – Wie ist es aber, wenn ich
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bloß versuche ein Gewicht zu heben, eine Bewegung also nicht stattfindet?
     Wie wäre es, wenn Einer sich unwillkürlich anstrengte ein Gewicht zu heben? Unter welchen Umständen würde man dies Verhalten ‘unwillkürlich’ nennen?

   
     Kann nicht Ruhe ebenso willkürlich sein wie Bewegung? Kann das Unterlassen der Bewegung nicht willkürlich sein? Welch besseres Argument gegen ein Innervationsgefühl?

   
     “War dieser Blick beabsichtigt?” “Hast Du mit ihm etwas gemeint?” – “Ja, ich habe etwas damit gemeint. Ich wollte sagen, daß ich Dir nicht glaube.” So hattest Du also, ehe Du so blicktest, die Absicht, so zu blicken? Oder wann hattest Du sie denn? Sagtest Du Dir wirklich, in irgend einer Form, “Jetzt will ich so schauen”? – Freilich man möchte so etwas, so ein ‘fiat’, behaupten;
aber es ist doch offenbar, daß man nichts von dergleichen weiß, daß es || dies also nicht zur Willkürlichkeit, oder Absichtlichkeit gehört. “Dieser Blick war nicht beabsichtigt” heißt manchmal: “Ich wußte nicht, daß ich so geschaut habe”, oder “Ich wollte nichts damit sagen”.

   
     “Ich dachte ‘Wie unfreundlich er ausschaut!’”. Als ich so dachte sagte ich mir diese Worte nicht. Vielleicht sah ich ihn bedenklich an & schüttelte den Kopf. Übersetze ich nun, aus jenes Kopfschütteln in die Worte? Nein. Und hab ich mir's nicht wirklich gedacht? Doch! – So verwende ich die Vergangenheitsform “Ich dachte”.

   
     Es sollte uns nicht so selbstverständlich vorkommen, daß wir uns das Gedächtnis den vergangenen inneren Vorgang ebenso zeigt wie den vergangenen äußern.

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     “Ich kann meine Hand bewegen, wenn ich will.” – Und wie tu ich das: ‘es wollen’? Und vor allem: wann tu ich es? Denn man scheint gesagt zu haben, man tue etwas, || die Bewegung wollen, || entweder vor, oder während der Bewegung.

   
20.3.
     Vorstellung ist willkürlich, Erinnern unwillkürlich? || , sich etwas ins Gedächtnis rufen aber willkürlich.

   
     Was für ein merkwürdiger Begriff ‘versuchen’, ‘trachten’, ist, was man alles ‘zu tun trachten’ kann! (Sich zu erinnern, ein Gewicht zu heben, aufmerken, an nichts zu denken.etc.) Aber dann könnte man auch sagen: Was für ein merkwürdiger Begriff ‘tun’ ist!
     Welches ist || sind die Verwandtschaft || Verwandtschaftsbeziehungen zwischen ‘Reden’ & ‘Denken’, zwischen ‘Reden’ & ‘zu sich selbst reden’. (Vergl. Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Zahlenarten).



   
     Man sagt: “Seltsam! wenn ich … , dann bewegt sich mein Arm ….” Aber man sagt nicht: “Seltsam! wenn…, dann bewege ich meinen Arm….” Man wundert sich || Wir wundern uns nicht über die willkürliche Bewegung ; & es ist als sei dies, weil man ihrer Ursache, den Willen, kennt. || ; & wir sind geneigt, zu sagen, es sei dies, weil…. || ; & wir möchten sagen, || fortsetzen, dies sei so, weil….

   
     Man zieht ganz andere Schlüsse aus der unwillkürlichen Bewegung als aus der willkürlichen: das charakterisiert die willkürliche Bewegung.

   
     Aber wie weiß ich, daß diese Bewegung willkürlich war? – Ich weiß es nicht, ich äußere es.

   
     “Ich ziehe so stark, als ich kann.” Wie weiß ich das? Sagt es mir mein
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Muskelgefühl? Die Worte sind ein Signal; & sie haben eine Funktion.
     Aber erlebe ich denn nichts? Erlebe ich denn nicht etwas? etwas Spezifisches? Ein spezifisches Gefühl der Anstrengung & des Nicht-mehr-Könnens || Nicht-weiter-Könnens? || , des Anlangens an die Grenze? Freilich; aber diese Ausdrücke sagen nicht mehr als “Ich ziehe so stark, als ich kann”.

   
     Es ist aber doch wichtig, daß es alle diese Paraphrasen gibt! Daß man die Sorge mit den Worten beschreiben kann “Ewiges Düstre steigt herunter”. Ich habe vielleicht die Wichtigkeit dieses Paraphrasierens nie genügend betont.
     Man stellt die Freude dar durch ein lichtumflossenes Gesicht, durch Strahlen, die von ihm ausgehen. Natürlich heißt das nicht, daß Freude & Licht einander ähnlich sind; aber wir assoziieren – gleichgültig warum – die Freude
mit dem Licht. Es könnte ja sein, daß diese Assoziation dem Kind wenn es sprechen lernt, beigebracht ist || wird, daß sie nicht natürlicher ist, als der Klang der Wörter selbst ‒ ‒ ‒ genug, daß sie besteht. (“Beethoven” & Beethovens Werke)

   
     Die Trauer dem bleigrauen Himmel ähnlich?! Und wie kann man das herausfinden? Indem man den Trauernden & den Himmel betrachtet? Oder sagt es der Trauernde? selbst? Und ist es dann nur für seine Trauer wahr, oder für die Trauer eines Jeden?

   
     Wenn aber nun Einer sagt, seine Trauer gleiche einer grauen Wolke, – soll ich es glauben, oder nicht? – Man könnte ihn fragen, ob sich die beiden in etwas gleichen, in einer bestimmten Hinsicht. (Wie z.B. zwei Gesichter); oder aber wie ein plötzlicher starker Schmerz einem Aufflammen.)
Wie man Beziehungen – interne Beziehungen & Zusammenhänge – dessen angeben kann || Man kann Beziehungen – interne Beziehungen & Zusammenhänge – dessen angeben was man ‘Intensitäten’ verschiedenartiger Eindrücke nennt. || ‘Intensitäten’ bei verschiedenartigen Eindrücken nennt. || , was man, bei verschiedenartigen Eindrücken, “Intensität” || “Intensitäten” nennt.

   
     ‘a ist zwischen b & c, & dem b näher als dem c’ ist eine charakteristische Relation zwischen Empfindungen gleicher Art. D.h., man kann, z.B., ein Sprachspiel spielen || es gibt z.B. ein Sprachspiel mit dem Befehl “Erzeuge eine Empfindung zwischen dieser & dieser, & der ersten näher als der zweiten!” Und auch “Nenne die beiden || zwei Empfindungen, zwischen welchen diese liegt”.

   
     Und da ist es wichtig, daß man z.B. bei grau “Schwarz & Weiß” zur Antwort kriegen wird; bei Violett “Blau & Rot”, bei Rosa “Rot & Weiß”, etc., aber nicht bei Olivgrün ‘Rot & Grün”.

   
     Woran erkennt man, daß der
Ausdruck der Freude nicht der Ausdruck eines Körperschmerzes ist? (Eine wichtige Frage.)

   
     Woher weiß man, daß der Ausdruck des Genusses nicht der einer Empfindung ist?

   
     Eine Figur als dies oder als jenes aussprechen. Sprichst Du die Figur die ganze Zeit || immer während ich || Du sie siehst, als etwas || dies oder das an? Freilich, || : gefragt, was diese Figur vorstellt, würde ich immer sagen: “einen || Einen Hasen”; aber ich bin mir dessen so wenig ständig bewußt als dessen, daß dies hier ein (wirklicher) Tisch ist. Denn spreche ich ein Bild immer als das Bild dieses Gegenstandes an, dann auch jeden Gegenstand als Ding dieses bestimmten Gebrauches, etc.

   
     Wenn Einer zum ersten Mal merkt, daß das Bild zweideutig ist,
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könnte er etwa mit dem Ausruf reagieren “Ah, ein Hase!”, & dann wieder “Ah, eine Ente!”; aber er würde doch, wenn er nun das Bild als in dem einen || dauernd in einem Aspekt sieht, nicht geneigt sein die ganze Zeit auszurufen “Ah, ein …” zu rufen. || nicht ununterbrochen ausrufen wollen “Ah, ein …!”
   
21.3.
     Ich will sagen, daß der natürliche, primitive, Ausdruck des Erlebnisses des Aspekts so ein Ausruf wäre, es könnte auch ein Aufleuchten der Augen sein. (Es fällt mir etwas auf!)

   
     Wenn das aber so ist, woher dann die Täuschung – wenn es eine Täuschung ist –, daß wir das Bild so sehen? Denn man möchte ja eben, mit Köhler, sagen man habe jedesmal einen andern optischen Eindruck & dieser unterscheide sich von einem andern zwar nicht durch Formen & Farben aber eben durch ein Drittes (etwa den Akzent).
Und so, wie ich also diese Figur dauernd schwarz & dauernd kreisförmig sehe, sehe ich sie auch dauernd so, oder so betont, als dies, oder als das. || kann ich sie auch dauernd so, oder so betont, als dies, oder als das sehen.

   
     Aber hier ist doch folgendes zu sagen: Wenn ich sage, ich sehe diese Figur dauernd rot, so heißt das, daß die Beschreibung, sie sei rot – die Beschreibung in Worten, oder in einem || durch ein Bild. – dauernd, ohne Änderung, richtig ist; im Gegensatz also zu dem Falle, in welchem sich die Figur ändert. – Die Versuchung ist ja eben, den Aspekt mit den Worten zu beschreiben: “Ich sehe es so” (ohne auf etwas zu zeigen). Und wenn man ein Gesicht mit seiner Blickrichtung als Pfeil auffaßt || beschreibt, so möchte || so will man sagen: “Ich sehe dies: →, & nicht dies: ←”. ←”.

   
     Dem dauernden Sehen als → entspricht
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dann, daß diese Beschreibung, ohne Änderung, die richtige ist, & das heißt nur, daß der Aspekt nicht gewechselt wurde.

   
     Man könnte das auch so sagen: Wäre ich gefragt worden “Wohin blickt diese Figur?”, so hätte ich immer geantwortet “In dieser → Richtung”.
     
     [Weit besser]1
   
Talk of hallucination! – Was könnte es Seltsameres geben, als daß uns der Punkt, das Auge, Richtung zu haben scheint!

   
     “Ich hätte (Konjunktiv) die Figur immer als das (→) angesprochen, sie so genannt, sie so verwendet etc. || in diesem Sinne über sie gesprochen, etc., ich habe sie tatsächlich nie als das (←) gesehen, angesprochen.”

   
     Wenn ich über den Gesichtsausdruck dieser Figur nachdenke, – wie mach ich', über den Ausdruck
von → & nicht von ← nachzudenken?

   
     Wenn ich über den Gesichtsausdruck dieser Figur nachdenke, ihn betrachte – wie mach ich's, || : den Ausdruck von ← & nicht von → zu betrachten? || von ← zu betrachten, nicht den von →?
     Und dieser Symbolismus hat, glaube ich, schon alles in sich.

   
     Es ist doch, als sähe man das Bild, einmal, zusammen mit einer Gruppe von Bildern, ein andermal mit einer andern. Was heißt hier: “Es ist als sähe man”? Dies heißt etwas Ähnliches wie: dieser Vorgang könnte den tatsächlichen vertreten, hätte die rechte ‘Multiplizität’.

   
     Es ist – im Gegensatz zu Köhler – gerade eine Bedeutung, was ich
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sehe.

   
     Denke auch an den Fall, wenn mich jemand plötzlich an den & den erinnert.

   
     Man könnte sagen, man erlebe die Bereitschaft zu einer bestimmten Gruppe von Gedanken. (Den Keim zu ihnen. || diesen.

   
     Man möchte sagen: Was immer ich jetzt weiter ausführe, || “Wie immer ich mich ausdrücke, was immer ich jetzt weiter ausführe, den Keim zu all diesen || aller dieser Gedanken hatte ich mit einem Schlag.

   
     Es ist, als käme das Bild in einer Lage (oder in einer andern) zur Ruhe. Als könnte es in der Tat fluktuieren, & dann mit bestimmten Akzenten zur Ruhe kommen.
     Man sagt: “Ich sehe es jetzt
(oder: meistens) als das”. Es ist uns wirklich, als wären nun die Striche zu dieser & nicht der || einer andern Form zusammengeschossen. Oder als wären sie in diese, & nicht in die andere, Form || Hohlform gefallen.
     Und doch muß es sich uns nur darum handeln, den tatsächlichen Ausdruck unseres Erlebnisses, den ich ja mit allen diesen Bildern nur paraphrasiere, zu beschreiben, das Wesentliche dieses Ausdrucks anzugeben. || zu beschreiben; zu sagen, was das Wesentliche dieses Ausdrucks ist.

   
     Könnte einer die Figur so, oder so sehen, der nicht von ihr zu Erklärungen etc. fortschreiten könnte. Könnte sie also jemand so & so sehen, der nicht wüßte wie Tierköpfe ausschauen, was ein Auge ist, etc. Und damit meine
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ich natürlich nicht: “Könnte || Wäre ein solcher im Stande das zu tun, würde es ihm gelingen?” sondern: “Bedarf es dazu nicht dieser Begriffe?”

   
     “Erkennst Du dieses Bild?” – “Freilich; es ist ein Pferd.” Die Bereitschaft mit dem Bild in bestimmter Weise zu operieren.
     Wenn der Schüler erkennt, die Zeichnung || das Bild stelle ein Pferd dar, so wollen wir nun auch wissen: wo hat es seine Beine, seinen Kopf, etc. etc. || etc. läuft es oder steht es, etc. etc.?

   
     Wir möchten dem Bild, gleichsam, wie einem alten Bekannten zunicken. Ihm sagen “Ich kenne Dich.” || “Ich kenne Dich, auch wenn ich nicht sage wer Du bist.” Und das ist ja wirklich so. Man kann mir doch ein Bild eines Gegenstandes zeigen &
mich fragen, ob ich es erkenne; & ich kann das bejahen ohne zu lügen & doch ohne dem Andern oder mir selbst im Stillen den Gegenstand zu nennen.

   
24.3.
     Ich sehe das Bild eines Pferdes: ich weiß nicht nur, daß dies || es das Bild eines Pferdes ist || es sei ein Pferd, sondern auch, daß das Pferd läuft || laufe. Ich kann also das Bild nicht nur || nicht nur das Bild räumlich verstehen, sondern ich weiß auch, was das Pferd jetzt im Begriffe ist, zu tun. Denk Dir, Einer sähe das || ein Bild einer Reiterattacke, & wüßte aber nicht, daß diese || die Pferde nicht in ihren diversen Stellungen stehen bleiben!
     Es handelt sich hier aber nicht um eine Erklärung dieses Verstehens, etwas dadurch, daß man behauptet, der Betrachter || Betrachtende mache seine Laufbewegungen, oder fühle Laufinnervationen. Welchen Grund
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hat man zu diesen Annahmen dieser Art, außer den, es ‘müsse’ so sein?

   
     Ist also das Verstehen des Bildes (des laufenden Pferdes z.B.) ein Wissen? Und wenn es mehr ist, – wie zeigt sich das? Ist es mehr als eine Bereitschaft? Du darfst aber nicht vergessen, daß es ein “Jetzt weiß ich's!” gibt.

   
     Wie aber, wenn man sagt “Man sieht dieses (gemalte) Pferd laufen!?” – Damit will man || ich doch nicht nur sagen “Ich weiß, daß das || dies ein laufendes Pferd vorstellt.”. Man will damit etwas anderes sagen. Denk dir jemand reagierte auf so ein Bild mit einer Handbewegung & dem Ausrufe “Hui!”. Sagt das nicht ungefähr dasselbe wie: man || er sähe das Pferd laufen? || mit dem Ausrufe: “Hui!” & einer schweifenden Handbewegung.
Er könnte auch ausrufen “Es läuft!” & das wäre nicht die Feststellung, es laufe, noch die, es scheine zu laufen. Wie || So wie man sagt: “Sieh, wie es läuft!” – nicht nur dem Andern eine Mitteilung zu machen, sondern es ist eine Reaktion in der sich etwa die Leute finden || , sondern als Ausruf, in dem ich & der Andre einander finden.

   
     Wenn der andere, das Bild betrachtend, eine bestimmte Geste || Gebärde macht & ausruft “Hui!”, – sagt mir das nicht eben, was ich erfahre, wenn er mir mitteilt, er sähe es förmlich laufen? Und ist hier auch dasselbe Problem, das das Wort “sehen” stellt?

   
     Wenn mir beim doppeldeutigen Bild die zweite Deutung auffällt, so mag ich diese Bedeutung wohl ausrufen.
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Ist mir aber eine zweite Deutung unbekannt || nicht bekannt & ich sehe das Bild einfach, z.B., als das eines Hasen an, so werde ich, normalerweise, auch beim ersten Sehen || Anschauen keinen Ausruf tun.

   
     Was heißt es, || : das Gesicht hat eine Blickrichtung? Wie kann es eine Richtung haben? Wie kann der Pfeil eine haben?

   
25.3.
[“Wie auch der menschliche wanke.”]
     Nur dann kann der, der es so ← sieht etwas anderes sehen, als der, der → sieht, wenn der, welcher → sieht auch etwas anderes sieht, als der, der das Gesicht || die Zeichnung gar nicht als die eines Kopfes erkennt.

   
     Die Bedeutung scheint || ist wie eine Umgebung des Worts, & wer sie erkennt, wie || sieht, ist wie Einer, der ein Stück in dieser || der Umgebung spazieren geht. ||
und wer sie sieht, geht gleichsam ein Stück in dieser Umgebung spazieren.


   
     Verstehen ist ähnlich dem Weiter-Wissen, also einem Können: aber “Ich kann || verstehe”, so wie “Ich weiß weiter”, ist eine Äußerung, ein Signal.

   
     Ich bin geneigt zu sagen “Je nachdem ich diese Worte so, oder so verstehe, auffasse, erlebe ich etwas anderes bei ihrem Aussprechen, erlebe, ja höre, sie gleichsam anders.” Also erlebe ich sie wohl wirklich anders? ‒ ‒ ‒ So äußere ich mich; & jetzt ist die Frage, was mit dieser Äußerung anzufangen ist, wo sie Verwendung findet.

   
     Ich kann ein Wort adjektivisch oder substantivisch erleben. Weiß ich ob Jeder, ob Viele, mit
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denen ich rede diese Erlebnisse haben? Ist || Wäre es wichtig, nun zu wissen, was sie meinen?

   
     Es war mir nicht aufgefallen, daß in beiden Bildern die gleiche Kontur vorkam, denn ich hatte sie im einen Bild so → aufgefaßt, im andern so ←. Erst auf dem Umweg einer Überlegung, sozusagen,, sah ich ein, daß es die gleiche Kontur war. – Ist das ein Beweis: ich habe || hätte jedesmal etwas Anderes gesehen? – Es ist wichtig, daß die beiden Aspekte miteinander unverträglich sind.

   
     Ist denn der Gesichtsausdruck etwas Optisches? Ich könnte mir ein Bild denken dessen Ausdruck doppeldeutig wäre. Und das ich etwa deshalb in einer anderen Umgebung nicht wiedererkennte.
Ich sage dann etwa: “Ach ja, das sind ja dieselben Linien; aber sie sehen hier ganz anders aus.”
     Und ich sehe ja wirklich, daß das Bild ← & das Bild → das gleiche ist. || Und das das Bild → & das Bild ← das gleiche ich, sehe ich ja wirklich. Ich erkenne es nicht nur, sagen wir, durch Messung!

   
     Ich sehe || habe || nehme – sagst Du – zwei verschiedene Eindrücke || Gesichtsbilder wahr, die nur etwas mit einander gemeinsam haben. Und dagegen ist nichts einzuwenden. || Ich sehe, sagst Du, zwei verschiedene Gesichtsobjekte, die nur etwas mit einander gemeinsam haben. Denn Du betonst damit nur gewisse Analogien auf Kosten anderer. Aber dieses Betonen muß nur noch grammatisch gerechtfertigt werden.
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     Wie ist es möglich, daß das Auge, dieser Punkt, in eine Richtung blickt? – “Sieh, wie er blickt!” (Und dabei ‘blickt’ man selbst.) Aber man sagt & tut das nicht die ganze Zeit, während || in einem fort, während man das Bild betrachtet. Und was ist nun dieses “Sieh, wie er blickt!”? Ist es der Ausdruck einer Empfindung?

   
     “Es kommt uns ganz anders vor.” – Wo wird || ist so ein Gefühl von Wichtigkeit? Als Reaktion auf ein Kunstwerk, z.B.

   
     Ich hätte nie daran gedacht, die beiden Bilder so aufeinander zu legen, || zur Deckung zu bringen, || ; sie so zu vergleichen. Denn sie legen eine andere Vergleichsweise nahe.
     Das Bild ← hat mit dem Bild → auch nicht die leiseste
Ähnlichkeit, möchte man sagen – obwohl sie identisch || sind.

   
     Das Merkwürdige ist, daß ich die Figur als →, z.B., sehen kann, ohne mir zu sagen, dies sei ein Hase. Ich habe diese, oder eine ähnliche Erklärung, sozusagen, in Bereitschaft. Ich denke dies quasi ohne Worte. Und doch, wenn ich nun sagen || angeben sollte, was ich sehe, – wie sollte ich's tun? Ich könnte etwa einen Hasenkopf modellieren.

   
     Es ist, wie wenn zwei Formen, oder Modell, vorbereitet wären, & die Figur läge einmal im || in einem Modell, ein andermal im andern.

   
     Nur wenn man das Erleben, die Erfahrung, ganz anders auffaßt als bisher, kann das Phänomen der Aspekte aufhören
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rätselhaft zu erscheinen.

   
     Was den Aspekt zum Sinneseindruck macht ist die Dauer.
   
26.3.
     “Es ist, als wenn zwei Modelle vorbereitet wären …” Wenn die Figur wirklich in solchen Hohlformen läge, dann würde man eben jedesmal die Figur in einer ganz andern Umgebung sehen – nur es ist eben, als ob das wirklich der Fall wäre.
     Die Figur kann das vorstellen, & das erleben wir. Wir erleben, sehen, sie als ‘das & das vorstellend’.

   
27.3.
     “Jetzt weiß ich weiter” – ich sehe, daß das eine Stirn ist & das ein Schnabel. Diese Linie ist stirnhaft, dieser Punkt sagenhaft. Aber wie kann der Gesichtseindruck einer Linie stirnhaft sein? Und was ist es, das mich sagen läßt, der Gesichtseindruck
selber sei es, der diese Eigenschaft hat? – Nun, daß es kein Gedanke, keine Deutung ist, daß es Dauer hat, wie ein || der Gesichtseindruck. || Nun, daß es nicht ein Deuten ist; daß es Dauer hat, wie der Gesichtseindruck.

   
     “Wär' nicht das Auge sonnenhaft, …” (Der Mensch muß so groß sein, wie die Natur, damit er ihre Größe erfassen kann.) Das Bild ist, gleichsam, das eines Auges, das würdig ist, die Herrlichkeit der Sonne zu erfassen.

   
28.3.
     Eines Auges, das der Sonne würdig gegenübersteht. Es ist, als sagte man: Der Empfänger muß selbst groß sein, wenn || damit er || wenn & damit er die große Gabe empfangen kann.

   
     Versuchen wir zu beschreiben,
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daß Menschen Intentionen || Absichten haben! Wie sähe so eine Beschreibung aus? Für wen wäre es eine Beschreibung? Welchem Zweck soll sie dienen? || Frage Dich dies: Welchem Zweck soll sie dienen?

   
     Man kann sehr ‘deutlich’ zu sich selber in der Vorstellung reden, wenn man dabei die Intonation der Rede durch Summen (bei || mit geschlossenen Lippen) wiedergibt. Auch Kehlkopfbewegungen helfen. Aber das Seltsame || Merkwürdige ist ja eben, daß man die Rede dann in der Vorstellung hört, & nicht bloß, sozusagen, ihr Skelett, im Kehlkopf fühlt.

   
     Es ist dem ‘Vorstellen’ wesentlich, daß zu seiner Äußerung die Begriffe der Sinneswahrnehmung verwendet werden. (Der Satz “Ich höre & ich höre nicht …” könnte als Ausdruck der
Gehörvorstellung gebraucht werden. Verwendung für einen Widerspruch.) || Eine Verwendung für die Form des Widerspruchs.) Ein Hauptmerkmal das Vorstellung vom Sinneseindruck & von der Halluzination unterscheidet ist dies, daß der Vorstellende sich zur Vorstellung nicht beobachtend verhält, also dies, daß die Vorstellung willkürlich ist.

   
     Stell Dir ein Gespräch vor, dessen einer Partner Du selbst bist, so zwar, daß Du selbst in der Vorstellung redest. Was Du selbst sprichst, wirst Du wahrscheinlich in Deinem Körper (Kehlkopf, Brust) spüren. Das aber beschreibt nur, definiert nicht, die Tätigkeit des Redens in der Vorstellung.

   
     Bedenke den Fall des ‘Vorstellungsblinden’,
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des ‘Absichtsblinden’, des ‘Erinnerungsblinden’, des ‘Bedeutungsblinden’.

   
     Das Gefühl des Unheimlichen. Wie zeigt es sich? (Die Dauer so eines ‘Gefühls’.) Wie, z.B., sieht eine Unterbrechung dieses || des Gefühls aus? Wäre es, z.B., möglich, abwechselnd, genau eine Sekunde es zu haben, & nicht zu haben? Ist nicht unter seinen Merkmalen auch eine charakteristische Art des Verlaufs, (Beginns & Endes) die es z.B. von einer Sinneswahrnehmung unterscheidet?

   
     Das große Hindernis des Philosophierens: Man vergißt Beispiele. || : die rechten Beispiele fallen einem nicht ein. || Die Schwierigkeit des Philosophierens: Die rechten Beispiele fallen uns nicht ein. || : Es fallen uns die rechten Beispiele nicht ein. || : Es kommen die rechten Beispiele nicht.
   
     Manchmal kann ein Satz nur
verstanden werden, wenn man ihn im richtigen Tempo liest. Meine Sätze sind alle langsam zu lesen.

   


   
29.3.
     Das Sprechen der Musik. Vergiß nicht, daß ein Gedicht, obgleich || wenn auch in der Sprache der Mitteilung abgefaßt, nicht in einem || im Sprachspiel der Mitteilung verwendet wird.
     Könnte man sich nicht denken, daß Einer der Musik nie gekannt hat & zu uns kommt & jemand einen nachdenklichen Chopin spielen hört, daß der überzeugt wäre, dies sei eine Sprache & man hat || wolle ihm nur den Sinn geheimhalten.
     In der Wortsprache ist ein starkes musikalisches Element. (Ein Seufzer,) der Tonfall der Frage, der Verkündigung, der Sehnsucht, alle die unzähligen Gesten des Tonfalls.)

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30.3.
     Die ‘Notwendigkeit’, mit der der zweite Gedanke auf den ersten folgt. (Figaro Ouvertüre.) Nichts dümmer, als zu sagen, es sei ‘angenehm’ den einen nach dem andern zu hören! – Aber das Paradigma, nach dem || wonach das alles richtig ist, ist freilich dunkel. ‘Es ist die natürliche Entwicklung.’ Man macht eine Handbewegung, möchte sagen: “N || natürlich!” – Man könnte den Übergang auch verschiedenen Übergängen || einem Übergang (dem Eintritt einer neuen Figur) in einer Geschichte, z.B., oder einem Gedicht, vergleichen. (So paßt dies Stück in die Welt unsrer Gedanken & Gefühle hinein.)

   
     “Man suche nichts hinter den Phänomenen; sie selbst sind die Lehre.”(Goethe.)

   
     Ich beobachte sein Gesicht genau. Warum? Was lehrt es mich? Ob er traurig, oder fröhlich ist, z.B.: Aber
warum interessiert mich das? Nun, wenn ich seine Stimmung kennen lerne, so ist es, wie wenn ich den Zustand eines Körpers (seine Temperatur, z.B.) kennen lernte; ich kann mancherlei Schlüsse daraus ziehen. Und darum beobachte ich im gleichen Falle mein eigenes Gesicht nicht. Beobachtete ich mich, so wäre mein Gesicht nicht mehr ein verläßlicher Index; & ich könnte auch, wenn es das || dies für einen Andern wäre, keine Schlüsse aus ihm ziehen.

   
     Die natürlichen Äußerungen der Scham, wenn man gelogen hat, sind das Äquivalent der Worte “Ich habe gelogen”. Es ist hier eben eine eigentümliche Reaktion. Sieh's nicht als selbstverständlich an, daß der Mensch Motive hat, etwas aus einem Motiv sagt. Diese Phänomene machen das geistige || seelische Leben des Menschen
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aus.

   
     Sich eines Gedankens schämen. Schämt man sich dessen, daß man den & den Satz zu sich selbst in der Vorstellung gesprochen hat?

   
∣ Die Falten meines Herzens wollen immer zusammenkleben, & um es zu öffnen müßte ich sie immer wieder auseinanderreißen.

   
     Die Sprache hat eben eine so vielfache Wurzel, hat viele Wurzeln, nicht eine || , hat Wurzeln, nicht eine Wurzel. || ; sie hat Wurzeln, nicht eine Wurzel.

   
     “Der Gedanke stand in diesem Augenblick vor meiner Seele.” – Und wie? – “Ich hatte dieses Bild.” – So war das Bild der Gedanke? Nein; denn hätte ich Einem bloß das Bild mitgeteilt, so hätte er nicht den Gedanken erhalten.



   
1.4.
     Ich hatte dieses Bild, & aus ihm schien schon alles || alles weitere zu folgen.

   
     Das Bild war der Schlüssel. Oder es erschien doch als Schlüssel.

   
     Wie unterscheiden sich Gesichtseindrücke von Gehöreindrücken? – Soll ich antworten: “Das läßt sich nicht sagen; aber wer sehen & hören kann || sieht & hört, weiß, daß sie total verschieden sind.”? Könnte man sich denken, daß bei einem Menschen ein bestimmter Gesichtseindruck derselbe wäre wie ein bestimmter Gehöreindruck? so daß er diesen einen Eindruck durchs Auge & durchs Ohr erhalten könnte? Würde dieser etwa auf ein Bild zeigen & einen Ton am Klavier anschlagen & uns sagen, diese beiden sind identisch? Und würden wir ihm
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das glauben? Und warum nicht? Würden wir ihm glauben, daß die ‘Affektion der Seele’ in beiden Fällen dieselbe sei? Und wenn wir's glaubten, wie könnten wir das Faktum verwenden?

   
     Er würde || Würde er etwa sagen: “Ich sehe jetzt ganz das Gleiche, was ich auch höre”? Oder wüßte er nicht, ob er den Eindruck durchs Auge oder Ohr erhält? Wäre es etwa möglich mit einem einzigen langgezogenen gleichförmigen Ton & mit einer einförmigen Farbe, die das ganze Gesichtsfeld ausfüllt? Fragte ich ihn dann “was siehst Du”, so könnte er durch Summen eines Tons antworten, oder auch durch ein Farbwort, etc. etc. Es wären gewiß ähnliche Relationen denkbar, die tatsächlich nicht bestehen. So daß man z.B. eine Farbe sähe, & wenn dazu ein bestimmter Ton
gespielt würde könnte man ihn nicht von der Farbe unterscheiden, ihn also nicht hören; man wüßte nicht, ob er jetzt erklingt, oder nicht.

   
2.4.
     In meinem || Mein Stammbaum der psychologischen Phänomene: Nicht Exaktheit strebe ich an, sondern Übersicht. || sondern Übersichtlichkeit.

   
     Was das Bündel der ‘Sinneseindrücke’ zusammenhält, sind ihre Relationen zu einander. Das (selbe), was, ‘rot’ ist, ist auch ‘süß’ & ‘hart’ & ‘kalt’ & ‘klingt’, wenn man es ‘anschlägt’. Das || In dem Sprachspiel mit diesen Adjektiven || Wörtern ist || heißt es ursprünglich nicht “Dies scheint rot, (hart etc.)” sondern “Dies ist rot” (hart etc.). Unsre Übereinstimmung ist dem Sprachspiel wesentlich. Anders ist es aber mit ‘angenehm’, ‘unangenehm’, ‘schön’, ‘häßlich’.

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     Schmerz ist in mancher Weise analog den übrigen Sinneseindrücken, in mancher Weise verschieden. Es gibt einen Gesichtsausdruck & Ausrufe, Gebärden des Schmerzes (wie der Freude) Zeichen der Ablehnung, ein Empfang der für den Schmerzcharakteristisch ist, aber nicht einer, der für die rote Farbe || , aber nicht einer, der für die rote Farbe charakteristisch ist. Bitterkeit ist in dieser Beziehung || darin dem Schmerz verwandt.
     Man könnte sich einen Eindruck ohne Sinnesorgan denken. Es könnte Einer hören & so ziemlich alle Sprachspiele mit den Wörtern laut, leise, etc., etc., || für Gehöreindrücke lernen, ohne Ohren zu haben & ohne daß man weiß ‘womit’ er hört. Daß man mit den Ohren hört, zeigt sich ja verhältnismäßig sehr selten. Ja es könnte sein, daß Einer hört, wie wir Alle, & man erst später darauf kommt, daß seine Ohren taub sind.
     Den Inhalt der Erlebnisse. Man
möchte sagen “So sehe ich Rot”, “So höre ich den Ton, den Du anschlägst”, “So fühle ich Vergnügen”, “So empfinde ich Trauer”, oder auch “Das empfindet man, wenn man traurig ist; das, wenn man sich freut”, etc.
     Man möchte eine Welt, analog der physikalischen, mit diesen so & Das bevölkern. Das hat aber nur dort Sinn, wo es ein Bild des Erlebten gibt, worauf man bei diesen Sätzen || Aussagen zeigen kann.

   
     Der Schmerz, || (z.B., || ) unter dem Bild des Inhalts gesehen. Er ist ein Körper, der sich so & so anfühlt, wie ein anderer Körper so & so aussieht. Er hat ein Volumen, das von so & so gefärbter Materie ausgefüllt ist. Nun, der Schmerz ist ja wirklich hier oder || dort, & so oder so (stark, schwach, dumpf, schneidend
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etc.)

   
     “Der Wille ist frei” heißt eigentlich: “Es gibt einen Willen”. Statt dem Menschen zu sagen “Dein Wille ist frei” könnte man ihm auch sagen “Du hast einen Willen”; & vielleicht gibt es Völker, die es so ausdrücken. Vielleicht auch so: “Du mußt nicht”. Und doch ist, was ich sagte, nicht richtig; denn was heißt “Es gibt einen Willen”? Wem erklärt man das? – Wem man sagt; sein Wille sei frei, in dem will man das Gefühl der Verantwortlichkeit stärken, man will sein Leben ändern. || beeinflussen.
     Es ist nicht ganz unähnlich, wie wenn Einer lehrte: “Gegen Krankheiten ist nichts zu machen; Du kannst Medizin nehmen || einnehmen oder nicht, die Krankheit kommt & geht wenn sie will” – & ein Andrer: “Gegen Krankheiten kann man ankämpfen, & hat man gegen eine noch keine
Mittel gefunden, so ist es nur eine Frage der Zeit & man wird eins finden.” Haben die beiden Lehren Effekt, so werden sie sehr verschiedene Haltungen Krankheiten gegenüber erzeugen. Und so auch, wenn Einer sagt “Du bist der Täter” & ein Andrer “Du handelst nur, wie Du mußt”.

   
     “Cogito ergo sum” . Das || – das könnte man wirklich das Symptom einer Denkkrankheit nennen. Denke, es sagte || statuierte Einer mir die Konklusion dieses Schlusses “Ich bin”. Wem sagt er's & wozu? || Denke, es spräche Einer nur das Ergebnis dieses Schlusses aus – “Ich bin”. Wem sagt er das, & wozu? Nun, denken wir uns Einen, der unruhig an der Existenz der Sachen um sich zweifelt ‒ ‒ ‒ nachdem er das || es ein paar Stunden lang so getrieben hat, sagt er plötzlich “Ich denke: Also bin ich”
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& nun beruhigt er sich. Man könnte da sagen: “Gott sei dank! er hat sich doch wieder beruhigt.”
     Er hätte aber auch sagen können: “Hier scheint ein Sessel zu stehen; aber wer weiß, ob ich mich nicht täusche. – Aber der Schein existiert jedenfalls; || ja doch; wenn, so ist doch || so ist also doch etwas gewiß!”

   
     Das Bewußtsein meiner Existenz; wann hab ich's? Immer? – Selten?

   
     Wenn Einer (nun) sagte “Ich bin”, wäre ich geneigt ihm zu antworten: “Mach keinen Lärm”.

   
     Das Bewußtsein meiner || der eigenen Existenz, – wie weiß ich, wenn der Andre es hat? & wie weiß ich, wenn ich's habe? Haben wir's wenn wir geneigt sind zu sagen “Ich existiere”? Oder gibt es noch andere Anzeichen? Etwa, daß ich um mich blicke, wie wenn ich soeben zu mir gekommen wäre?
Oder zeige ich beim Worte “Ich” auf mich? Und wohin: auf meine Brust; oder etwa auf meine Füße?

   
     Der amerikanische dumme & naive Film kann in aller seiner Dummheit & durch sie belehren. Der trottelhafte, nicht-naive || affektierte englische Film kann nicht belehren. Ich habe oft aus einem dummen amerikanischen Film eine Lehre gezogen.

   
     Ich sage “Ich werde jetzt dreimal in die Hände klatschen, & die || meine Hände klatschen wirklich gerade dreimal zusammen. –” Kein Wunder, – Du hast es ja getan.” – Wenn ich in die Hände klatsche, so klatschen dennoch meine Hände zusammen.

   
     Wenn nur Einer einmal eine Körperbewegung gemacht hätte, – könnte die Frage sein, ob sie willkürlich oder unwillkürlich
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war?

   
     Ich gehe, & es fragt mich Einer “Gehst Du, oder gehen || bewegen sich bloß Deine Beine?” Was will er wissen? Ob ich die Bewegung fühle, ob sie mich anstrengt? Und warum sollte die Bewegung meiner Glieder, die etwa durch eine Maschine hervorgerufen ist mich nicht anstrengen. Und doch, – wenn man mich die Pedale eines Zweirads treten sähe, könnte man fragen: Bewegst du sie, oder bewegen sie Dich; ist also Deine Bewegung willkürlich oder unwillkürlich, gewollt oder ungewollt? Und das heißt hier offenbar nicht “gewünscht, oder nicht gewünscht”. Denn die ungewollte Bewegung könnte erwünscht sein.

   
     Ich weiß, daß die Stimme im Film nicht vom Mund des Gefilmten || der gefilmten Person kommt & doch glaube
ich's. Ich kann nicht umhin zu glauben, die Hitze des elektrischen Ofens komme von den Scheinflammen her, obwohl ich weiß, daß es nicht so ist. Man könnte sagen: Ich glaube es, & ich glaube es nicht.

   
     Wenn ich sage “Ich strenge mich an” (etwa ein Gewicht zu heben), beschreibe ich eine Empfindung?
     “Ich strenge mich an, so sehr ich kann. – Ich kann nicht mehr!!” Sind das alles Empfindungen! || ?

   
3.4.
     “Wenn ich mich anstrenge, tue ich doch etwas, habe doch nicht bloß eine Empfindung.” Und so ist es auch; denn man befiehlt Einem: “Streng Dich an!” & er kann die Absicht äußern “Ich werde mich jetzt anstrengen”. Und wenn er sagt “Ich kann nicht mehr”, so heißt das nicht “Ich kann das Gefühl in meinen
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Muskeln – etwa den Schmerz – || Gliedern – den Schmerz, z.B. – nicht länger ertragen”. – Anderseits aber leidet man unter der Anstrengung wie unter Schmerzen. “Ich bin gänzlich erschöpft”. Wer das sagte, sich aber so frisch bewegte wie je, den würde man nicht verstehen.

   
     Das, wovor || Wovor wir uns absolut || unbedingt hüten müssen, ist, eine psychologische Art der Erlebnisse durch eine andere erklären zu wollen.

   
     Der Aspekt ist dem Willen unterworfen. Ich kann etwas nicht rot sehen, wenn es mir blau erscheint & es hat keinen Sinn zu sagen “Sieh dies rot”, wohl aber “Sieh dies als …”. Und daß der Aspekt (wenigstens bis zu einem gewissen Grade) willkürlich ist scheint ihm wesentlich zu sein, wie auch der Vorstellung, daß sie es ist. Ich meine: die Willkürlichkeit scheint mir (aber warum? nicht nur eine Zutat
zu sein; als sagte man “Diese Bewegung läßt sich, erfahrungsgemäß auch so hervorbringen”. D.h.: Es ist wesentlich daß man sagen kann “Sieh es jetzt so an!” & “Stelle Dir vor …!” Denn das hängt damit zusammen, daß uns der Aspekt nichts über die ‘äußere Welt lehrt’. Man kann die Worte “rot” & “blau” lehren, indem man sagt “Dies ist rot & nicht blau”; aber man kann Einem nicht die Bedeutung von ‘Hase’ & ‘Ente’ lehren, oder von ‘Figur’ & ‘Grund’, indem man auf eine doppeldeutige Figur zeigt.

   
     Wir lernen nicht Vorstellungen kennen & später erst, sie mit unserm Willen zu lenken. Und natürlich heißt es überhaupt nichts zu || ist es überhaupt ganz falsch zu sagen, wir lenkten sie mit – sozusagen mit || mittels Hilfe – unseres Willens. Als regierte der Wille sie, wie meine Befehle Menschen regieren
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könnten. || , wie Befehle Menschen regieren können.
Als wäre also der Wille ein Einfluß, eine Kraft, oder auch: eine primäre Handlung, die dann die Ursache der wahrnehmbaren äußeren Handlungen ist.

   
     Ist es richtig, zu sagen: was eine Handlung zu einer willkürlichen macht, sind die psychischen Erscheinungen, in denen sie eingebettet ist || liegt? (die psychologische Umgebung.)
     Sind, z.B., meine normalen Gehbewegungen ‘willkürlich’ in einem nicht-potentiellen Sinn?

   
     Ein Kind stampft mit den Füßen im Zorn: ist es nicht willkürlich? Und weiß ich irgend etwas von seinen Bewegungsempfindungen, wenn es dies tut? Im Zorn stampfen ist willkürlich. Kommen; wenn man gerufen wird, ist willkürlich. || wird, in seiner || der gewöhnlichen Umgebung, ist willkürlich. Unwillkürliches Gehen, Spazierengehen,
Essen, Sprechen, Singen, wäre Gehen, Essen, Sprechen, etc. in einer abnormalen Umgebung. Z.B.; || , bewußtlos, || : wenn man im übrigen handelt, wie in der Narkose; oder wenn die Bewegung vor sich geht & man weiß nichts von ihr, sobald man die Augen schließt; oder wenn man die Bewegung nicht einstellen kann, so sehr man auch versucht; || sich auch bemüht; etc.

   
     Ist, was ich tue überhaupt der Mühe wert? Doch nur, wenn es von oben her ein Licht empfängt. Und ist es so, – warum sollte ich mich sorgen, daß mir die Früchte meiner Arbeit nicht gestohlen werden? Wenn, was ich schreibe, wirklich wertvoll ist, wie sollte man mir das Wertvolle stehlen? Ist das Licht von oben nicht da, so kann ich ja doch nur geschickt sein.

   
     Keine Annahme scheint mir natürlicher, als daß dem Assoziieren,
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oder Denken kein Prozeß im Gehirn zugeordnet ist; so daß es also unmöglich wäre aus Gehirnprozessen Denkprozesse abzulesen. Ich meine das so: Wenn ich rede, oder schreibe, so geht, nehme ich an, ein meinem gesprochenen, oder geschriebenen Gedanken zugeordnetes System von Impulsen von meinem Gehirn aus. Aber warum sollte das System sich weiter in zentraler Richtung fortsetzen? Warum soll nicht, sozusagen, diese Ordnung aus dem Chaos entspringen? Ich sehe keinen Grund dafür? Der Fall wäre ähnlich dem, daß sich gewisse Pflanzenarten durch Samen vermehrten, so daß ein Same, immer dieselbe Pflanzenart erzeugt von der er erzeugt wurde, – daß aber nichts an || in dem Samen der Pflanze, die aus ihm wird entspricht; so daß es unmöglich ist aus
den Eigenschaften, oder der Struktur des Samens auf die der Pflanze, die aus ihm wird zu schließen,
&
daß man dies nur aus seiner Geschichte tun kann. So könnte also auch aus etwas ganz Amorphem ein Organismus, sozusagen ursachelos, werden; & es ist kein Grund, warum sich dies nicht mit unsern Gedanken, also mit unserem Reden oder Schreiben etc. eben so verhalten sollte.

   
     Es ist also wohl möglich, daß sich gewisse psychologische Phänomene nicht physiologisch untersuchen lassen. || gewisse psychologische Phänomene sich physiologisch nicht untersuchen lassen. || gewisse psychologische Phänomene physiologisch nicht untersucht werden können. || können. Weil ihnen nichts physiologisch || physiologisch nichts entspricht.

   
     Im Spiel “Corinthian Bagatel” wundert sich niemand wenn der Ball, ohne daß man angeben kann warum, bald so bald so
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rollt. Ich könnte mir also denken, daß zwischen der Zahl, die ein Schuß ergibt & der Zahl, auf welche man den Bolzen vor dem Schuß zurückzieht ein Zusammenhang bestünde, der mit Mechanik nichts zu tun hat.

   
     Ich habe diesen Mann vor Jahren gesehen; nun sehe ich ihn wieder, erkenne ihn, erinnere mich seines Namens. Und warum es muß es nun für dies Erinnern eine Ursache in meinem Nervensystem geben? Warum muß irgend etwas, was immer, in irgend einer Form dort aufgespeichert worden sein? Warum soll es keine psychologische Gesetzmäßigkeit geben, der keine physiologische entspricht? Warum muß er eine Spur hinterlassen haben? Wenn das unsere Begriffe von der Kausalität umstößt, dann ist es Zeit, daß sie umgestoßen werden.

   
     Ich bin mir nicht klar darüber, wie weit ich in der Klassifizierung
der psychologischen Phänomene gehen muß. Wo ich diese Arbeit abbrechen darf.

   
4.4.
     Das Vorurteil des || für den psycho-physischen Parallelismus ist auch eine Frucht einer || der primitiven grammatischen Auffassung || Auffassung der Grammatik. Denn wenn man ein Gesetz || Kausalität zwischen psychologischen Erscheinungen zuläßt, die nicht physiologisch vermittelt ist, so denkt man damit das Eingeständnis eines nebelhaften Seelenwesens zu machen. || , so meint man damit einzugestehen, es existiere eine Seele neben dem Körper, ein geisterhaftes Seelenwesen. ||
Das Vorurteil zu Gunsten des psycho-physischen Parallelismus ist auch eine Frucht des primitiven Denkens über die || primitiver Vorstellungen von der Grammatik. Denn wenn man Kausalität zwischen psychologischen Erscheinungen zuläßt, die nicht physiologisch vermittelt ist, so meint man damit die Existenz
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einer Seele neben dem Körper einzugestehen.


   
     Ich verstehe es vollkommen, wie Einer es lassen kann, wenn ihm die Priorität seiner Erfindung, oder Entdeckung streitig gemacht wird, wie || daß er diese Priorität with tooth & claw zu verteidigen willens sein kann. || verteidigen möchte. Und doch ist sie nur eine Chimäre. Es scheint mir freilich zu billig, all zu leicht, für einen Mann wie Claudius über die Prioritätsstreitigkeiten zwischen Newton & Leibniz zu spotten || wenn Claudius über die Prioritätsstreitigkeiten zwischen Newton & Leibniz spottet; aber es ist, glaube ich, doch wahr, daß diese Streitigkeiten nur übler Schwäche entspringen & von üblen Menschen genährt werden || dieser Streit nur übler Schwäche entspringt & von üblen Menschen genährt wird. Was hätte Newton verloren, wenn er die Originalität Leibnizens anerkannt hätte? Gar nichts! Er hätte viel gewonnen. Und doch, wie
schwer ist dieses Anerkennen, das Einem, der es versucht, wie ein Eingeständnis des eigenen Unvermögens vorkommt || erscheint. Nur Menschen, die einen || Dich schätzen & zugleich lieben, können einem || Dir dieses Benehmen || Verhalten leicht machen.
     Es handelt sich natürlich um Neid. Und wer ihn fühlt, müßte sich immer sagen: “Es ist ein Irrtum! Es ist ein Irrtum! –”

   
     Klagen & Nichtklagen, & der ‘Glaube an die Freiheit des Willens’ oder das Gegenteil. Einer sagt: “Wie kann der Mensch auch, unter solchen Umständen, anders handeln!” (ein Ausruf) & der Andre sagt es nicht. Einer begibt sich hier (in diesem Fall) des Urteils, der Andre nicht. Gründe? – Es sind Reaktionen, (wie das Mitleid –).

   
     Mit Hoffnung lieben, & nicht verzweifeln, wenn die Hoffnung sich nicht erfüllt, ist das schwerste Kunststück. Der
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Glaube an einen gütigen Vater ist eigentlich der Ausdruck gerade dieses Lebens.


   
     Muß das Verbum “Ich glaube” eine Vergangenheitsform haben? Nun, wenn wir statt “Ich glaube, er kommt”, immer sagten “Er dürfte kommen” (oder dergleichen), aber dennoch sagten “Ich habe geglaubt, …”, so hätte das Verbum “glauben” keine Gegenwart. Es ist charakteristisch für die Art & Weise, wie wir gewohnt sind, die Sprache zu betrachten, daß wir meinen || glauben es müsse am Ende doch Gleichförmigkeit, Symmetrie bestehen; statt vielmehr zu glauben es || sie könne nicht bestehen. || ; statt, umgekehrt, zu sagen || empfinden, sie könne nicht bestehen. || statt, umgekehrt, dafür zu halten, sie könne nicht bestehen.

   
     Nichts ist wichtiger in Erklärungen des Denkens & der Gehirnvorgänge als alle alten Vorurteile über
die Kausalität wegzuwerfen, beiseite zu legen || schieben Dies scheint mir weitaus der wichtigste Schritt.

   
1975
     Denk Dir diese Erscheinung: Wenn ich will, daß Einer || jemand sich einen Text merkt, den ich ihm vorspreche, so daß er ihn mir später wiederholen kann, muß ich ihm ein Stück Papier & einen Bleistift geben, & während ich spreche schreibt er Striche, Zeichen auf das Papier; soll er später einmal den Text reproduzieren, so folgt er jenen Strichen mit den Augen & spricht || sagt dabei den Text her. Ich nehme aber an, seine Aufzeichnung sei keine Schrift, sie hänge nicht durch Regeln mit dem Wortlaut || den Worten des Textes zusammen; ohne diese Aufzeichnung aber kann er || & doch kann er ohne diese Aufzeichnung den Text nicht reproduzieren; & wird an seiner Aufzeichnung || ihr geändert || etwas verändert, wird sie teilweise || zum Teil zerstört, so
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bleibt er beim ‘Lesen’ stecken, oder liest || spricht den Text unsicher, oder unverläßlich || unzuverlässig, oder kann die Worte gar || überhaupt nicht finden. – Das ließe sich doch denken! – Was ich die ‘Aufzeichnung’ nannte, wäre dann keine Wiedergabe des Textes, keine || nicht eine Übersetzung sozusagen in einen anderen Symbolismus. Der Text wäre nicht in ihr || der Aufzeichnung niedergelegt. Und warum sollte er in unserm Gehirn || Nervensystem niedergelegt sein.

   
     Die Gestaltpsychologen haben der Psychologie dadurch einen guten Dienst erwiesen, daß || indem sie gewisse Hypothesen über psycho-physische Zusammenhänge unwahrscheinlich gemacht || als unwahrscheinlich erwiesen haben, aber sie haben andere wertlose Hypothesen aufgestellt. || Die Gestaltpsychologen haben die Psychologie von wertlosen, die Einsicht hemmenden || hindernden Hypothesen befreit; aber sie
haben freilich auch wieder andere || selbst wertlose Hypothesen aufgestellt. || freilich auch wieder unzweckmäßige Hypothesen || auch selbst unnötige Hypothesen aufgestellt.


   
1576
     Warum soll nicht ein Naturgesetz einen Anfangs- & einen Endzustand eines Systems verbinden, den Zustand zwischen beiden aber übergehen? (Nur denke man nicht an Wirkung!)

   
5.4.
     Im Gefolge jeder Idee, die viel kostet, kommen eine Menge billiger; darunter auch einige, die nützlich sind.

   
     Manchmal sieht man Ideen, wie der Astronom von uns aus weit entlegene Sternenwelten. (Oder es scheint doch so.)

   
     Wenn ein aufgeblasener Esel sagt, er fühle sich winzig & bedeutungslos im
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Universum, das die Astronomie erschlossen hat, so ist das komisch.


   
     Wenn ich einen guten Satz geschrieben hätte, durch Zufall wären es zwei (sich) reimende Zeilen, so wäre dies ein Fehler. || , & durch Zufall wäre er || es ein Paar (sich) reimender Zeilen geworden, so wäre dies ein Fehler. || , & durch Zufall wären es zwei reimende Zeilen geworden, so wäre dies ein Fehler. || , & durch Zufall läse er sich nun als zwei reimende Zeilen, so wäre dies ein Fehler.

   
     Aus Tolstojs falschem || schlechtem Gedanken || Theorisieren, das Kunstwerk übertrage ‘ein Gefühl’, könnte man viel lernen. – Und doch könnte man es, wenn nicht den Ausdruck eines Gefühls, einen Gefühlsausdruck nennen, oder einen gefühlten Ausdruck. Und man könnte auch sagen, daß die Menschen, die ihn verstehen, gleichermaßen zu ihm ‘schwingen’, auf ihn reagieren || antworten. Man könnte sagen: Das Kunstwerk
will nicht etwas anderes übertragen, sondern sich selbst, wie, wenn ich jemand || Einen besuche, ich nicht bloß die & die Gefühle in ihm erzeugen will, || zu erzeugen wünsche, sondern vor allem ihn besuchen, & freilich auch gut aufgenommen werden will.
     Und schon erst recht unsinnig ist es, zu sagen, der Künstler wünsche, das, was er beim Schreiben, der Andre beim Lesen fühlen solle. Ich kann wohl glauben, ein Gedicht (z.B.) zu verstehen, es so zu verstehen, wie sein Erzeuger es sich wünschen würde, – aber was er beim Schreiben gefühlt haben mag, das kümmert mich gar nicht.

   
     Immer wieder wird gesagt, die Nomenklatur, der Psychologie z.B., sei unzureichend, dies sei der Grund von Irrtümern & Mißverständnissen. Aber nichts kann falscher sein, als (zu) glauben, daß diese durch die Einführung neuer
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Namen beseitigt || vermieden || ausgetilgt werden. Sie werden es durch tiefgehende Änderungen in unserm Denken; z.B. in dem, was wir nun suchen & dem, was wir zu suchen aufhören, || wir nicht suchen, & so eine Änderung findet || solche Änderungen finden allerdings ihren Ausdruck oft in einer veränderten Terminologie.

   
     Was man eine Änderung im Denken nennt, ist natürlich nicht nur eine Änderung im Reden, sondern auch eine im Tun.

   
     Die Terminologie sieht man, die Technik sieht man nicht.

   
     So, wie ich keine Verse schreiben kann, so kann ich auch Prosa nur soweit, & nicht weiter, schreiben. Meiner Prosa ist eine ganz bestimmte Grenze gesetzt, & ich kann ebensowenig über sie hinaus, als ich es vermöchte, ein Gedicht zu schreiben. Mein Apparat ist so beschaffen; nur dieser Apparat steht mir zur Verfügung. Es ist, wie wenn Einer
sagte: Ich kann in diesem Spiel nur diesen Grad der Vollkommenheit erreichen, & nicht jenen.

   
     Der Genußsüchtige – wie ich z.B. – wird immer unglücklich sein.

   
     Man sagt “Er scheint furchtbare Schmerzen zu haben”, auch wenn man keinerlei Zweifel hat, daß der Schein nicht trügt. Warum sagt man nicht || man nun nicht “Ich scheine furchtbare Schmerzen zu haben”, denn dies müßte zum mindesten auch Sinn haben? (Nun, bei einer Theaterprobe könnte ich das sagen.) || ; & ebenso “Ich scheine die Absicht zu haben, || ”, etc., etc.) Jeder wird sagen: “Natürlich sage ich das nicht; weil ich weiß ob ich Schmerzen (etc.) habe.” Es interessiert mich für gewöhnlich nicht, ob ich Schmerzen zu haben scheine; denn die Schlüsse, die ich
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aus diesem Eindruck beim Andern ziehe, ziehe ich für mich selbst nicht. Ich sage nicht: “Ich stöhne furchtbar, ich muß zum Arzt gehen”; wohl aber “Er stöhnt furchtbar, er muß zum Arzt gehen”. Woher diese Diskrepanz? (Ich weiß, man wird sagen “Es kommt ja eben auf das Stöhnen, bei uns beiden, nicht an, sondern auf das Seelische, das sie bloß andeuten) Aber warum glaube ich, sie deuteten beim Andern etwas an? Ich reagiere eben anders auf sein Stöhnen, als auf das meine.) Denke, jemand habe Schmerzen & er stöhnte || stöhne in ein Diktaphon; dann spielt er sich's vor & sagt “Das ist ja furchtbar; – ich muß wirklich zum Arzt gehen.”

   
     Wenn es || dies keinen Sinn hat: “Ich weiß, daß ich Schmerzen habe” – noch dies: “Ich fühle meine Schmerzen”, – dann hat es auch keinen Sinn zu sagen: “Ich kümmere mich nicht um mein eigenes Stöhnen, weil ich weiß, daß ich Schmerzen
habe” – oder zu sagen “…, weil ich meine Schmerzen fühle.”
     Wohl aber ist es richtig zu sagen: “Ich kümmere mich nicht um mein Stöhnen.” || Wohl aber ist es wahr: “Ich kümmere mich nicht um mein Stöhnen.”

   
     Ich schließe aus der Beobachtung seines Benehmens, daß er zum Arzt muß; aber ich ziehe diesen Schluß für mich nicht aus der Beobachtung meines Benehmens. Oder vielmehr: ich tue auch das || dies manchmal, aber nicht in analogen Fällen.

   
     Du mußt Dich daran || Dich aber hier daran erinnern, daß das Pflegen meiner Wunde, z.B., & seiner || daß das Pflegen der eigenen Wunde (z.B.) || Schmerzstelle & der des Andern primitive Reaktionen sind; daß es eine primitive Reaktion ist, auf des Andern Schmerzbenehmen zu achten & das Verhalten gegen ihn || & unser Benehmen gegen ihn danach zu
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danach zu richten, – sowie auch, auf's eigene Schmerzbenehmen nicht zu achten. || nicht so zu reagieren. || Du mußt hier daran denken, daß das Pflegen der eigenen Schmerzstelle, aber auch der des Andern, primitive Verhaltungsweisen sind. || Du mußt || kannst Dich hier daran erinnern, daß , das Pflegen der eigenen Schmerzstelle, sowie der des Andern, primitive Verhaltungsweisen sind: sowohl || also einerseits, auf des Andern Schmerzbenehmen zu achten & das eigene Verhalten danach einzurichten, als auch, das eigene Schmerzbenehmen nicht in ähnlicher Weise zu beachten. ||
Es hilft hier, zu bedenken || uns zu sagen, daß nicht nur das eine primitive Reaktion ist, die eigene Schmerzstelle zu pflegen, sondern auch, die des Andern zu pflegen; also auf des Andern Schmerzbenehmen zu achten, sowie auch || & auch, auf das eigene nicht zu achten. ||
Es hilft hier; wenn man bedenkt || sich sagt daß es eine primitive Reaktion ist
die eigene Schmerzstelle & auch die am Leibe des Andern zu pflegen || betreuen || zu pflegen || betreuen & auch die am Leibe des Andern., – also auf des Andern Schmerzbenehmen zu achten, sowie auch dies, auf das eigene nicht zu achten.


   
6.4.
Es hilft hier || nun, wenn man bedenkt, daß es eine primitive Reaktion || ein primitives Verhalten ist, die schmerzende Stelle des Andern zu pflegen, zu behandeln, & nicht nur die eigene – also auf des Andern Schmerzbenehmen zu achten, || ; wie auch, auf das eigene Schmerzbenehmen nicht zu achten.

   
     Was aber will hier das Wort “primitiv” sagen? Doch wohl, daß die Verhaltungsweise vorsprachlich ist: daß ein Sprachspiel auf ihr beruht, daß sie das Prototyp einer Denkweise ist & nicht die Frucht || ein || das Ergebnis des Denkens.

   
     “Falsch aufgezäumt” ist das
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Wort für eine Erklärung wie diese: || kann man von einer Erklärung sagen, wie dieser:
wir pflegten einen || den Andern, weil wir nach Analogie des eigenen Falles glaubten, auch er habe ein Schmerzerlebnis statt zu sagen: Lerne aus diesem Fall was hier an diesem || in ihm ‘Analogie’ & ‘glauben’ bedeutet. || Lerne aus diesem Sprachspiel, was in ihm ‘Analogie’ & ‘glauben’ bedeuten. || Lerne also aus diesem (besondern) Stück || Kapitel unsres Benehmens || Betragens || Verhaltens, – aus diesem Sprachspiel, – welche Funktion in ihm || darin “Analogie” & “glauben” haben.

   
     “Ich weiß”, “Ich kann”, “Ich glaube” drückt keinen ‘Erlebnisinhalt’ aus, || : wie zeigt sich das in der Struktur des Sprachspiels. Wie zeigt es sich, daß ‘Wissen’ kein Erleben ist; oder, was haben die verschiedenen Formen des Erlebens miteinander gemein & nicht mit dem ‘Wissen’. Es ist etwas, was z.B. den Gehöreindruck || die Gehörempfindung mit der Gehörvorstellung gemein hat. Was also sind ‘Bewußtseinszustände’?
Oder auch: was ist das Besondere || die Besonderheit || das Eigentümliche des Gebrauchs von Signalen || im Gebrauch derjenigen Signale, die Bewußtseinszustände anzeigen?

   
7.4.
     Eine Antwort, die sich uns aufdrängt, ist, daß das Eigentümliche dieser Signale mit der Dauer des Zustandes zu tun hat, daß da ein Signal möglich wäre, das solange andauert, wie der Zustand, in dem Sinne, wie der freudige Gesichtsausdruck das Zeichen der Freude sein kann, solange das Zeichen andauert. Aber ganz so ist es auch nicht. Bedenke auch den Unterschied zwischen dem Andauern der Farbe eines physikalischen Gegenstands & der Farbe in meinem Gesichtsbild.

   
     Du mußt fundamental umlernen über den Gebrauch der Wörter.

   
     Tierpsychologie. Nagt der Hund unwillkürlich am Knochen? Hetzt er das
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Wild unwillkürlich? Und was wissen wir von seinen kinästhetischen Empfindungen?

   
     Weiß ich nur von mir selbst, daß meine Farbempfindung echte Dauer hat? Und wie vergewissere ich mich davon beim Andern? Nun, ich kann ihn fragen, – aber wie weiß ich, die || , in welchem Sinne er meine Fragen versteht? In welchem Sinne aber meine ich sie?

   
     Es gibt ein Sprachspiel: die Farbe beobachten, ihr Gleichbleiben & ihre Veränderung berichten. (Und dies kann man auch für den Aspekt tun.)

   
     Man || Ich kann auf den Verlauf des eigenen || meines Schmerzes || meiner Schmerzen achten; aber nicht ebenso auf den des || meines Glaubens, oder Wissens.

   
     Die Beobachtung || Das Beobachten der Dauer kann ununterbrochen oder unterbrochen
sein.
     Wie beobachtest Du Dein Wissen, Deine Meinung? & anderseits, Dein || ein Nachbild, einen Schmerz, || ? Gibt es ein ununterbrochenes Beobachten meiner Fähigkeit, die Multiplikation … auszuführen?

   
     Wie kommt es, daß ich den Baum aufrecht sehe, auch wenn ich meinen Kopf zur Seite neige & also das Netzhautbild das eines schiefstehenden Baums ist? Wie kommt es also, daß ich den Baum auch unter diesen Umständen als aufrecht || als einen aufrechten anspreche? Nun ich bin mir der Neigung meines Kopfes bewußt, & bringe also die nötige Korrektur an der Auffassung meiner Gesichtseindrücke an.” – Aber heißt das nicht Primäres mit Sekundärem verwechseln? Denk Dir, wir wüßten gar nichts von der innern Beschaffenheit des Auges, – würde dies Problem
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überhaupt auftauchen? || , – würde || könnte sich diese Frage überhaupt erheben?
Wir bringen ja hier, in Wirklichkeit, || Wahrheit, hier keine Korrekturen an, dies ist ja bloß eine Erklärung || eine erklärende Hypothese..
     Wohl; – aber da nun die Struktur des Auges einmal bekannt ist, – wie kommt es, daß wir so handeln, so reagieren? Aber muß es hier eine physiologische Erklärung geben? Wie, wenn wir sie auf sich beruhen lassen würden? Aber so würdest Du doch nicht sprechen, wenn Du das Verhalten einer Maschine prüftest – Nun, wer sagt, daß in diesem Sinne das Lebewesen, der tierische Leib, eine Maschine ist? –

   
     Man kann die || eine Veränderung eines Gesichts merken & mit den Worten beschreiben, der Ausdruck sei härter geworden, || das Gesicht habe einen härteren Ausdruck angenommen, – & nicht im Stande sein die Änderung räumlich zu beschreiben. Dies ist ungemein wichtig! || & mit
den Worten, der Ausdruck sei härter geworden, beschreiben, – || Worten “Der Ausdruck ist härter geworden” beschreiben, – & nicht im Stande sein, es mit räumlichen Begriffen zu tun. || , – & doch nicht im Stande sein, eine räumliche Beschreibung der Veränderung zu geben. || –doch nicht im Stande sein, was Geschehen ist, mit räumlichen Begriffen zu sagen. || , – & doch nicht im Stande sein, sie mit räumlichen Begriffen zu beschreiben.
– Vielleicht sagt nun jemand, || : wer das tut, beschreibe eben nicht die Veränderung des Gesichts, sondern nur der Wirkung auf ihn selbst; aber warum sollte dann eine räumliche Beschreibung || eine Beschreibung mit Form- und Farbbegriffen nicht dasselbe sein?

   
     “Auch eine stehende Uhr zeigt zweimal des Tages die rechte Zeit.” Aber es ist nicht wahr! – sie zeigt auch dann nicht die Zeit (an), wenn sie mit der richtig gehenden Uhr übereinstimmt. (Es könnte aber eine Uhr geben, die zweimal des Tages die richtige Zeit
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anriefe.) Zeigte die stehende Uhr z.B. auf 11 Uhr, – wozu diente dann das übrige Zifferblatt außer der “11”; & wenn man das wegläßt, wozu dienen die Zeiger; & wenn man die auch || sie wegläßt, so wäre (also) || ja jede Ziffer “11” eine Uhr, die zweimal täglich richtig zeigt. [Ramsey Ramsey, ‘functions in extension’]

   
     Man kann auch sagen “Er machte dieses Gesicht”, indem man's macht, oder “sein Gesicht veränderte sich so”, indem man's verändert || nachmacht, – & wieder nicht im Stande sein, die Veränderung anders zu beschreiben. (Es gibt eben vielmehr Sprachspiele, als Carnap & Andere sich träumen lassen.)

   
     Es ist möglich || nicht unmöglich, daß Jeder, der eine bedeutende Arbeit leistet, eine Fortsetzung, eine Folge, seiner Arbeit im Geiste vor sich sieht, träumt; aber es wäre doch merkwürdig, wenn es nun wirklich so käme, wie
er es geträumt hat. Heute nicht an die eigenen Träume zu glauben, ist allerdings || freilich leicht.

   
     “Des Lebens Trug” – Immer wieder trachtet einer alles irrezuführen. || zu täuschen. Man will diese Fortsetzung, hält nur sie für wünschenswert & täuscht sie sich selber vor. So tut es mein Ehrgeiz, & so täusche ich mich auf Schritt & Tritt. Man will immer wieder der Arbeit || der schweren Arbeit ausweichen, geht der Schwierigkeit aus dem Weg, nimmt den leichteren Pfad, häuft sich aber dadurch vielleicht die Unmöglichkeit am Ende.

   
     Der Erlebnisinhalt. Erlebnisinhalte sind die psychologischen Gegenstände, die teils gleichzeitig, teils nach einander existieren. Fürchten hat einen Inhalt, Glauben nicht. (?)

   
8.4.
     Nicht das ist das Problem, warum || , wie es kommt daß ‘Wissen’, ‘Glauben’, ‘Beabsichtigen’ keinen Erlebnisinhalt
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haben, sondern, || : was dem Gebrauch von Signalen eigentümlich ist, von denen wir sagen möchten, sie zeigen einen bestimmten Erlebnisinhalt an.

   
     Ist es wirklich klar, daß man sagen soll, Furcht habe einen Erlebnisinhalt? Wie, wenn Einer sagte, sie habe keinen, sei || werde nur von einem charakteristischen Konglomerat von Inhalten begleitet?

   
     Wir bewegen uns überhaupt in einer Gedankensphäre, (die) ähnlich (ist) derjenigen vor der Geburt eines Kalküls.

   
     Die tiefe Tragik des Menschenlebens ist, daß die Menschen an einander vorbeireden. (B. I.) Sie sind sozusagen windschief zu einander erschaffen. || geschaffen. Kein Wunder, wenn nichts als Wirbel zwischen ihnen entstehen.

   
     Aber ich kann doch sagen “Diese
Furcht ist schrecklich!” – bedeutet das nicht, daß sie einen Inhalt hat? Kann ich nicht sagen “Diese Gewißheit ist schrecklich”? Ich sage auch “Das Bewußtsein, daß ich … muß, ist schrecklich” –; ist das Bewußtsein einer Tatsache ein Erlebnis?

   
     Das Bewußtsein, daß … , kann mich in der Arbeit stören; das Wissen nicht.

   
     Ist das Prototyp dessen, was man “Inhalt” nennt, die Empfindung, & alle andern Inhalte von ihm || diesem abgeleitet? gleichsam Verwandte von ihm? || gleichsam seine Verwandten || Abkömmlinge? || gleichsam seine Kinder & Enkel?
     Bedenke aber, daß es verschiedenartige Empfindungen gibt! Und sie gehören gewiß der gleichen Generation an.

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     Wie weiß ich, daß ein Hund etwas dauernd hört, dauernd einen Gesichtseindruck empfängt, Freude, empfindet Furcht, Schmerz empfindet?

   
     Was weiß ich von (den) ‘Erlebnisinhalten’ eines Hundes?

   
     Mein Bewußtsein erscheint mir als Welt, erfüllt von den Inhalten || den verschiedenen Inhalten || Erlebnisinhalten. Das Bild ist immer das vom Gesichtsraum, der von Farbkörpern erfüllt ist.

   
     Du mußt Dich umstellen.

   
     Es ist sehr || so schwer den Stammbaum der Erlebnisse anzugeben; || . Denn es ist schwer, || Weil es schwer ist, die alten Begriffe auf den Kopf zu stellen.

   
     Nietzsche schreibt einmal, daß auch die besten Dichter &
Denker Mittelmäßiges & fehlerhaftes geschrieben haben, nur eben das Gute davon geschieden haben. Aber ganz so ist es nicht. Ein Gärtner hat in seinem Garten freilich neben den Rosen auch den Dünger & Kehricht & Stroh, aber sie unterscheiden sich nicht nur || einfach in der Güte, sondern vor allem auch in der || ihrer Funktion im Garten.
     Was wie ein schlechter Satz ausschaut, kann der Kern zu einem guten sein.

   
     Frage Einen: “Fühlst Du die Angst ununterbrochen?” – Was wird er sagen?

   
     “Ich fühle meine || die Angst, aber ich fühle nicht mein Wissen.” Was sagt mir das?

   
     fühlst Du Deine Furcht; Deine Hoffnung; Deinen Glauben; Dein Denken; Deine
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Überzeugung; Dein Wissen?

   
     Um diese Begriffe übersehen zu können, mußt du sie anders vergleichen, als ihre Oberflächengrammatik es nahelegt. Du mußt andere Teile als homologe auffassen, was wie ein Fuß aussieht || einem Kiefer gleichsieht, mußt Du als Kiefer || Fuß auffassen. || Du einem Fuß vergleichen.

   
     Die Begriffe sind verkleidet.

   
     Sind die Farben wirklich Geschwister? Sind sie nur der Farbe nach verschieden, nicht auch der Art nach? Sind Gesicht, Gehör, Geschmack wirklich Geschwister?

   
     Suche nicht nur nach Ähnlichkeiten, um einen Begriff zu rechtfertigen, sondern auch nach Zusammenhängen. Der Vater überträgt seinen Namen auf den Sohn, auch wenn dieser ihm
ganz unähnlich ist.

   
9.4.
     “Fühlst du die Furcht?” – “Ich fühle sie am ganzen Leibe. Nimm sie mir, & ich werde gleich anders ausschaun, mich anders halten, anders gehen.”

   
     Wenn || Daß die Furcht mich lähmt, wenn || daß meine Knie schwach werden, – bezeichnet das eine Empfindung?

   
     Der Schreck ist vor allem charakteristisch durch den Anlaß zum Schreck.

   
     “Ich kann mich nicht bewegen” sagt man, wenn man sich nicht bewegt. Wenn man erstarrt, nicht, wenn man sich frisch & munter bewegt, wie vorher.


     Was ist der Inhalt des Schrecks?

   
     Vergleiche einen furchtbaren Schreck & einen plötzlichen heftigen Schmerz. Es
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ist die Schmerzempfindung die furchtbar ist, – aber ist es die Schreckempfindung? Wenn jemand in meiner Gegenwart hinstürzt, ist das nur die Ursache einer höchst unangenehmen augenblicklichen Empfindung? Und wie läßt sich diese Frage beantworten? Klagt der, der den schrecklichen Vorfall berichtet, über die Empfindungen, das Stocken des Atems, etc.? Wenn man Einem über den Schreck hinweghelfen will, – behandelt man den Körper? Beruhigt man den Erschrockenen nicht vielmehr über das Ereignis, die Veranlassung?

   
     Die Verben & Substantive der Psychologie (sehen, hören, fürchten, wollen, hoffen, glauben; Furcht, Wille, Schreck, Glaube, Wunsch) sind so sehr irreführend. Man muß immer wieder von ihnen zur Beschreibung des Benehmens & seines Anlasses gehen, um nicht durch die Oberfläche der
Grammatik über die Natur der Sprachspiele getäuscht zu werden.

   
     Die Fähigkeit des ‘Geschmacks’ kann keinen Organismus schaffen, sie reguliert nur einen schon vorhandenen || nur einen schon vorhandenen regulieren. Der Geschmack lockert Schrauben & zieht Schrauben an, er schafft nicht ein neues Uhrwerk.

   
     Der Geschmack reguliert, gebiert nicht. || Der Geschmack reguliert. Das Gebären ist nicht seine Sache.

   
     Der Geschmack macht annehmbar.

   
     (Darum braucht, glaube ich, der große Schöpfer keinen || nicht Geschmack; denn das Kind kommt wohlgeschaffen zur Welt.)
     Feilen ist manchmal Tätigkeit des Geschmacks, manchmal nicht. Ich habe Geschmack.
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     Der || Auch der feinste Geschmack hat mit Schöpferkraft nichts zu tun.

   
     Geschmack ist Feinheit der Empfindung; Empfindung aber tut nicht, sie nimmt nur auf.

   
     Ich kann nicht || vermag nicht zu beurteilen, ob ich nur Geschmack habe, oder auch Originalität habe. Jenen sehe ich klar, diese nicht, oder ganz undeutlich. Und vielleicht muß es so sein, & man sieht nur, was man hat, nicht was man ist. Wer nicht lügt, ist originell genug. || Wenn Einer nicht lügt, ist er originell genug. Denn die Originalität, die wünschenswert wäre, kann doch nicht eine Art Kunststück sein, oder eine Eigenheit, wie immer ausgeprägt.
     Ja schon das ist ein Anfang guter Originalität, nicht sein zu wollen, was man nicht ist. Und alles das ist von Andern schon viel besser gesagt worden.

   
     Geschmack kann entzücken, aber nicht ergreifen.

   
10.4.

Du kannst deine eigenen Probleme nicht einfach auf den Andern abwälzen. Bedenke, was du von ihm verlangen darfst, & verlangen sollst, & das verlange; & || mit den Folgen mußt du dich abfinden.

   
     Wer im Studierzimmer sich die Trauer vormacht, der mag || wird sich allerdings leicht der Spannungen in seinem Gesicht bewußt sein || werden. Aber traue wirklich, oder folge || folg einer traurigen Handlung im Film, & frag Dich, ob Du dir Deines Gesichts bewußt warst.

   
     Das Bewußtsein in des Andern Gesicht. Schau ins Gesicht des Andern & sieh das Bewußtsein in ihm & einen bestimmten Bewußtseinston. Du siehst auf ihm, in ihm, Freude, Gleichgültigkeit, Interesse, Rührung, Dumpfheit, u.s.f. Das Licht
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im Gesicht des Andern.

   
     Schaust Du in Dich, um den Grimm im Gesicht des Andern zu erkennen? Er ist dort so deutlich, wie in Deiner eigenen Brust.

   
     (Und was will man sagen? Daß das Gesicht des Andern mich zur Nachahmung anregt, & daß ich also kleine Bewegungen & Muskelspannungen im eigenen fühle || empfinde, & die Summe dieser meine. Unsinn. Unsinn, – denn Du machst Annahmen, statt bloß zu beschreiben. Wem hier Erklärungen im Kopfe spuken, der unterläßt || vernachlässigt es, sich auf die wichtigen Tatsachen zu besinnen.)

   
     Müdigkeit, schlechte Laune, Reizbarkeit: vergleiche sie mit Empfindungen. Gibt es eine Stimmung oder Gemütsbewegung die nur eine Sekunde lang dauert? || einen Augenblick dauert?



   
     Ein Zusammenhang zwischen den Stimmungen & Sinneseindrücken ist, daß wir die Stimmungsbegriffe zur Beschreibung von Sinneseindrücken & Vorstellungen benützen. Wir sagen von einem Thema, einer Landschaft sie seien traurig, fröhlich etc. Aber viel wichtiger ist es natürlich, daß wir das menschliche Gesicht, die Haltung, das Benehmen durch alle Stimmungsbegriffe beschreiben.

   
     Das Wissen, die Meinung haben keinen Gesichtsausdruck. Es gibt wohl einen Ton, etc. || eine Gebärde der Überzeugung, aber nur, wenn etwas in diesem Ton, mit dieser Gebärde, gesagt wird.

   
     Man kann einen alten Stil gleichsam in einer neuen || neueren Sprache wiedergeben, ihn sozusagen neuaufführen in einer Weise || Auffassung, die || in einem Tempo, das unsrer Zeit gemäß ist. Man ist dann eigentlich nur || in Wirklichkeit nur reproduktiv. Das
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habe ich beim Bauen getan.
     Was ich meine, ist aber nicht ein neues Zurechtstutzen eines alten Stils. Man nimmt nicht die alten Formen & richtet sie dem neuen Geschmack entsprechend her. Sondern man spricht, vielleicht unbewußt, wirklich || in Wirklichkeit die alte Sprache, spricht sie aber in einer Art & Weise, die der neuen Welt, darum aber nicht notwendigerweise ihrem Geschmack, angehört.

   
     “Das Bewußtsein ist so deutlich in seinem Gesicht & Benehmen, als || wie in mir selbst.”

   
11.4.
     Was hieße es, mich darin irren, daß er eine Seele, Bewußtsein, habe? & was hieße es, daß ich mich irre & selbst keins habe? Was hieße es, zu sagen “Ich bin nicht bei Bewußtsein.” – Aber weiß ich nicht doch, daß Bewußtsein in mir ist? – So weiß ich's also,
& doch hat die Behauptung || Aussage, es sei so, keinen Zweck?

   
     Und wie merkwürdig, daß man lernen kann, sich in dieser Sache mit Andern || andern Leuten zu verständigen!

   
     Einer kann sich bewußtlos stellen; aber auch bewußt?

   
     Man sagt zwar manchmal “Träume ich jetzt nicht?”, oder dergleichen, aber niemand ist ernstlich eine Minute lang im Zweifel, ob er wache. Gut, – aber wie wäre es, wenn mir jemand dennoch allen Ernstes sagte, er wisse wirklich nicht, ob er träume oder wache?
     Kann es diese Situation geben: Einer sagt “Ich glaube, ich träume jetzt”; wirklich wacht er bald darauf auf, erinnert sich an jene Äußerung im Traum, & sagt “So hatte ich wirklich recht” – ||
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“So hatte ich also recht!” –

     Diese Erzählung kann doch nur heißen: Einer habe geträumt, er hätte gesagt, er träume.
|| Wenn Einer träumte, er habe das & das gesagt, – hat er's dann gesagt, wenn auch im Traume?


   
     Denke, ein Bewußtloser sagte, (etwa in der Narkose) “Ich bin bei Bewußtsein” – würden wir sagen “Er muß es wissen” –?

   
     Und wenn Einer im Schlaf spräche “Ich schlafe”, – würden wir sagen “Er hat ganz recht”?

   
     Ich kann jemandem schreiben “Ich bin gesund” & natürlich auch “Ich lebe”; aber würde ihm die Worte “Ich lebe nicht” nicht das Gleiche mitteilen? (Ist hier p = ~ p)

   
     Spricht Einer die Unwahrheit, der mir sagt: “Ich bin nicht bei Bewußtsein”? (Und die Wahrheit,
wenn er's bewußtlos sagt? Und wie, wenn ein Papagei sagte “Ich verstehe kein Wort”, oder ein Grammophon “Ich bin bloß eine Maschine”?)

   
     Wie ist || wäre es, wenn in einem Stück eine der Personen sagte || spräche “Alles das ist nur ein Schauspiel”?

   
     Denke, in einem Tagtraum ließe ich mich sprechen “Ich phantasiere bloß”, wäre das wahr? Denke ich schreibe so eine Phantasie, oder Erzählung, einen phantasierten Dialog, & in ihm sage ich “Ich phantasiere” – – – Aber, wenn ich es aufschreibe, – wie zeigt sich's, daß diese Worte Worte der Phantasie sind & daß ich nicht aus der Phantasie herausgetreten bin?
     Wäre es nicht wirklich möglich, daß der Träumende, sozusagen aus dem Traum heraustretend, im Schlaf spräche “Ich träume”?
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Es wäre wohl denkbar, daß so ein Sprachspiel existierte.

   
     Dies hängt mit dem Problem des ‘Meinens’ zusammen. Denn ich kann im Dialog schreiben “Ich bin jemand” & es nicht meinen, obwohl es wahr ist. Die Worte gehören zu diesem, nicht zu jenem Sprachspiel.

   
     ‘Wahr’ & ‘Falsch’ im Traum. Ich träume, daß es regnet & daß ich sage “Es regnet” || & anderseits: Ich träume, daß ich sage “Ich träume”.

   
     Hat das Verbum || Wort “träumen” eine Gegenwartsform? Wie lernt diese der Mensch gebrauchen?

   
     Ein Sprachspiel schaut aus wie ein anderes, wenn dieses || das andre Löcher hätte. Das ist eine Hauptquelle philosophischer Schwierigkeiten.
   
     Das eine Sprachspiel scheint || ist analog einem Stück des anderen. || analog Stücken des andern. Ein Raum in begrenzte Stücke eines Raumes projiziert.

   
     Angenommen ich hätte in kurzer Zeit eine Erfahrung, ähnlich einem Erwachen, befände mich dann in einer ganz andern Umgebung, mit Leuten, die mich versichern ich habe geschlafen. Angenommen auch || ferner, ich bliebe dabei ich habe (dennoch) nicht geträumt, sondern dabei, auf irgend eine Weise, außer meinem schlafenden Körper gelebt. Welche Funktion hat diese Feststellung || Behauptung?

   
     ‘“Ich habe Bewußtsein”, das ist eine Aussage, an der kein Zweifel möglich ist.’ Warum soll das nicht das Gleiche sagen, wie dies: “Ich habe Bewußtsein” ist kein Satz. || ?
     Man könnte auch so sagen: – Was schadet es, daß Einer sagt, “Ich habe Bewußtsein” sei eine Aussage
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die keinen Zweifel zulasse? Wie komme ich mit ihm in Widerspruch? Nimm an, Einer sagte mir dies, – warum soll ich mich nicht gewöhnen ihm nichts darauf zu antworten, statt etwa einen Streit mit ihm anzufangen. Warum soll ich seine Worte nicht behandeln, wie sein Pfeifen oder Summen?

   
12.4.
     “Nichts ist gewisser, || so gewiß, als daß ich Bewußtsein habe.” || “Nichts ist so gewiß, als || wie, daß mir Bewußtsein eignet.” Warum soll ich es dann nicht auf sich beruhen lassen? Diese Gewißheit ist wie eine große Kraft, deren Angriffspunkt sich nicht bewegt, die also keine Arbeit leistet.

   
     Können die Menschen Zufriedenheit erlangen?
   
13.4.
Für Leute wie mich liegt in diesem Lande nichts näher als
Menschenhaß. Gerade daß man sich in all dieser Solidität auch keine Revolution denken kann macht die Lage noch viel hoffnungsloser. Es ist als hätte diese ganze grenzenlose Öde ‘come to stay’. Es ist als könnte man von diesem Land sagen, es habe ein naßkaltes geistiges Klima.


   
     Der Mensch reagiert so: er sagt “Nicht das!”, || & kämpft es an. Daraus entstehen vielleicht Zustände, die ebenso unerträglich sind; & vielleicht ist dann die Kraft zu weiterer Revolte verausgabt. Man sagt “Hätte du nicht das getan, so wäre das Übel nicht gekommen.” Aber mit welchem Recht? Wer kennt die Gesetze, nach denen die Gesellschaft sich entwickelt? Ich bin überzeugt, daß auch der Gescheiteste keine Ahnung hat, kämpfst Du so kämpfst Du. Hoffst Du, so hoffst Du.
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     Man kann kämpfen, hoffen & auch glauben, ohne wissenschaftlich zu glauben.

   
     Die Wissenschaft: Bereicherung & Verarmung. Die eine Methode drängt alle andern beiseite. Mit dieser verglichen schenken alle andern || sie alle ärmlich, höchstens Vorstufen. Du mußt zu den Quellen niedersteigen um sie alle nebeneinander zu sehen, die vernachlässigten & die bevorzugten.

   
     ‘Snakes & ladders’ ein Würfelspiel. Einer wirft etwa ‘5’ dann ‘4’ & sagt “Hätte ich bloß statt ‘5’ ‘4’ geworfen, so hätte ich gewonnen”. Die Bedingtheit ist nicht physikalisch, sondern nur mathematisch, denn man könnte antworten: “Hättest Du zuerst ‘4’ geworfen, – wer weiß, was Du danach geworfen hättest!”

   
     Sagst Du nun “der Konjunktiv || Die Verwendung des Konjunktivs
beruht auf dem Glauben an ein Naturgesetz” – so kann man entgegnen: “Sie beruht nicht auf diesem Glauben; sie & dieser Glaube stehn auf gleicher Stufe.”

   
Wozu dient mir all meine Geschicklichkeit, wenn ich im Herzen unglücklich bin? Was hilft es mir philosophische Probleme zu lösen, wenn ich mit der Hauptsache nicht in's Reine kommen kann?

   
     Kann ich nur eine Schule gründen, oder kann es ein Philosoph nie? Ich kann keine Schule gründen, weil ich eigentlich nicht nachgeahmt werden will. Jedenfalls nicht so, wie es die tun || von denen, die Artikel in philosophischen Zeitschriften veröffentlichen.

   
14.4.
     Der Gebrauch des Wortes “Schicksal”. Unser Verhalten zur Zukunft
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& Vergangenheit. Wieweit halten wir uns für die Zukunft verantwortlich. Wieviel spekulieren wir über die Zukunft. Wie denken wir über Vergangenheit & Zukunft. Wenn etwas Unangenehmes geschieht: – fragen wir “Wer ist schuld?”, sagen wir “Jemand muß dran schuld sein”, – oder sagen wir “Es war Gottes Wille”, “Es war Schicksal”?
     Wie, eine Frage stellen, auf ihre Antwort dringen, oder sie nicht stellen, ein anderes Verhalten, eine andere Art des Lebens ausdrückt, so, in diesem Sinne, auch ein Ausspruch wie “Es ist Gottes Wille” oder “Wir sind nicht Herren über unser Schicksal”. Was dieser Satz tut, oder doch Ähnliches, könnte auch ein Gebot tun! Auch eins, was man sich selbst gibt. Und umgekehrt kann ein Gebot, z.B. “Murre nicht!” als Feststellung einer Wahrheit ausgesprochen werden.

     Warum nun bin ich so ängstlich, die || diese Verwendungsarten der ‘Behauptungssätze’ auseinander zu halten? Ist es denn nötig? Haben die Menschen wirklich früher nicht recht verstanden, was sie mit einem Satze wollten? Ist es Pedanterie? – Es ist nur ein Versuch, jeder Art zu ihrem Recht zu verhelfen. Also wohl eine Reaktion gegen die Überschätzung der Wissenschaft. Die Verwendung des Wortes “Wissenschaft” für “alles, was sich ohne Unsinn sagen läßt”, drückt schon diese Überschätzung aus. Denn dies heißt in Wirklichkeit, Aussagen in zwei Klassen zu teilen: gute & schlechte; & schon darin liegt die Gefahr. Es ist ähnlich, als teilte man alle Tiere, Pflanzen & Gesteine ein in nützliche & schädliche.
     Aber natürlich drücken die Worte “zu ihrem Recht verhelfen” & “Überschätzung” meine Stellungnahme
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aus. Ich hätte ja auch sagen können: “Ich will dem & dem wieder zu Ansehn verhelfen.”; nur seh ich's nicht so.

   
     Das Schicksal steht im Gegensatz zum Naturgesetz. Das Naturgesetz will man ergründen, & verwenden; das Schicksal nicht.

   
     Es ist mir durchaus nicht klar, daß ich eine Fortsetzung meiner Arbeit durch Andre mehr wünsche, als eine Veränderung der Lebensweise, die alle diese Fragen überflüssig macht. (Darum könnte ich nie eine Schule gründen.)

   
     Der Philosoph sagt “Sieh' die Dinge so an!” – aber damit ist erstens nicht gesagt, daß die Leute sie so ansehen werden, zweitens mag er überhaupt mit seiner Mahnung zu spät kommen,
& es ist auch möglich, daß solche Mahnung überhaupt nichts ausrichten kann & der Impuls zu dieser Änderung der Anschauung anders woher || von anderswo kommen muß. So ist es ganz unklar, ob Bacon irgend etwas bewegt hat, außer die Oberfläche der Gemüter seiner Leser.

   
     Nichts kommt mir weniger wahrscheinlich vor, als daß ein Wissenschaftler, oder Mathematiker, der mich liest, dadurch in seiner Arbeitsweise ernstlich beeinflußt werden sollte. (In sofern sind meine Warnungen || Betrachtungen, wie die Plakate an den Kartenschaltern der englischen Bahnhöfe “Is your journey really necessary?” Als ob Einer, der das liest sich sagen würde “On second thoughts, no || Wenn ich recht bedenke nein”.) Hier muß man mit ganz anderen Geschützen kommen, als ich im Stande bin in' Feld zu
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führen. Am ehesten könnte ich noch dadurch eine Wirkung erzielen, daß vor allem, auf || durch meine Anregung hin eine große Menge Dreck geschrieben wird, & daß vielleicht dieser die Anregung zu etwas Gutem gibt || wird Ich dürfte immer nur auf die aller indirekteste Wirkung hoffen.

   
     Z.B. nichts dümmer, als das Geschwätz über Ursache & Wirkung in Büchern über Geschichte; nichts verkehrter, weniger durchdacht. – Aber wer könnte dem Einhalt tun, dadurch daß er das sagte?
(Es ist, || wäre, als wollte ich durch Reden die Männer- & Frauenmode ändern || Kleidung der Frauen & der Männer ändern.)
   
21.4.
     Der Begriff des ‘Fragments’. Es ist nicht leicht die Verwendung dieses Worts auch nur beiläufig zu beschreiben.


   
22.4.
     Wenn auch nicht im Entferntesten wir den Gebrauch eines Wortes beschreiben wollen, – ist es nicht ähnlich, wie wenn man ein Gesicht porträtieren will? Ich sehe es deutlich; der Ausdruck dieser Züge ist mir wohl bekannt; & sollte ich's malen, ich wüßte nicht, wo ich anfangen sollte || soll. || wo anfangen. Und mache ich wirklich ein Bild davon – so ist es hopelessly || durchaus || ganz inadequate || ungenügend || unzulänglich. – Hätte ich eine Beschreibung von mir, ich würde sie erkennen; vielleicht auch Fehler in ihr merken. Aber, daß ich das kann, sagt nicht, daß ich die Beschreibung selber hätte geben können.

   
     Zwei Gegenstände ‘gehören zusammen’. Man lehrt ein Kind, Dinge ‘ordnen’, man begleitet die Tätigkeit mit den Worten “Diese gehören zusammen.”
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Das Kind lernt diesen Ausdruck auch. Es könnte die Dinge auch mit Hilfe dieser Worte & gewisser Gebärden ordnen. Die Worte können aber auch (eine) bloße Begleitung des Tuns sein. Ein Sprachspiel.

   
     Denk Dir ein solches Spiel ohne Worte, aber mit der Begleitung einer sinnvollen || passenden || charakteristischen Musik gespielt. || einer dazu passenden || suggestiven || zu den Handlungen passenden Musik gespielt

   
     “Lege || Leg es hier hin” – wobei ich mit dem Finger den Platz bezeichne ‒ ‒ ‒ dies ist eine absolute Ortsangabe. Und wer sagt, der Raum sei absolut, möchte als Argument dafür sagen: “Es gibt doch einen Ort, – Hier!” || Es gibt doch einen Ort: Hier.”

   
     Das ‘Erleben der Ähnlichkeit’. Denke an das Sprachspiel: “Ähnlichkeiten
erkennen’, oder ‘Ähnlichkeiten angeben’, oder ‘Dinge nach ihrer Ähnlichkeit ordnen’. Wo ist hier das besondere Erlebnis? der besondere Erlebnisinhalt nach dem man fahndet?

   
23.4.
     Ist es so: – Wir || Ist es so? – Wir wurden von früher Jugend dazu erzogen, die Dinge, sagen wir, in zwei Klassen zu ordnen, sie in zwei Laden einzureihen, & es ging immer ohne Konflikt ab; aber plötzlich || aber einmal geht es nicht, oder nicht mehr zu unserer Befriedigung, & nun beginnt eine seltsame Tätigkeit, in der vom Prinzip der Einteilung nicht abgegangen wird, aber hoffnungslose Versuche gemacht || angestellt werden, eine Gruppierung zu finden, die uns befriedigt, & uns dazu zu überreden, daß sie es tue.

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Cambridge wird mir mehr & mehr verhaßt. The disintegrating & putrifying English civilisation. Ein Land in dem die Politik zwischen einem bösen Zweck & keinem Zweck schwankt.
   
24.4.
Bin äußerst unruhig, ohne recht zu wissen, warum. Kann nicht denken, oder habe doch nur abgerissene Gedanken. Mein Gleichgewicht sehr labil.

   
25.4.
     Motto: Überhaupt hat der Fortschritt das an sich, daß er viel größer ausschaut, daß er wirklich ist. (Nestroy: “Der Schützling”)

   
     Die Dauer der Empfindung – Vergleiche die Dauer einer Tonempfindung mit der Dauer der Tastempfindung die Dich lehrt, daß Du eine Kugel in der Hand hältst; & mit dem “Gefühl” daß Dich lehrt, daß Deine Knie gebogen sind. Und hier haben wir wieder einen Grund, warum
wir von der Empfindung der Positur sagen möchten, sie habe keinen Inhalt.

   
27.4.
Philosophische Untersuchungen: begriffliche Untersuchungen. Das Wesentliche der Metaphysik, || : daß sie den || ihr der Unterschied zwischen fachlichen || sachlichen & begrifflichen Untersuchungen nicht klar stellt || ist. Die metaphysische Frage immer dem Anscheine nach eine sachliche, wo || obschon das Problem ein begriffliches ist.

   
     Was aber tut eine begriffliche Untersuchung? Ist sie eine der Naturgeschichte der menschlichen Begriffe? – Nun, Naturgeschichte beschreibt, sagen wir, Pflanzen & Tiere. Aber könnte es nicht sein, daß Pflanzen in allen Einzelheiten beschrieben worden wären, & nun erst jemand daher käme der Analogien in ihrem Baue sieht, die man früher
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nicht gesehen hatte? Daß er also eine neue Ordnung in diesen Beschreibungen herstellt. Er sagt z.B.: “Vergleiche nicht diesen Teil mit diesem; sondern vielmehr mit jenem!” (Goethe wollte so etwas tun) Und dabei spricht er nicht notwendigerweise von Abstammung, dennoch aber könnte die neue Anordnung auch der wissenschaftlichen Untersuchung eine neue Richtung geben. Er sagt “Sieh es so an!” – & das kann nun verschiedene || verschiedenerlei Vorteile & Folgen haben. || verschiedenerlei Folgen haben.

   
     Ist es richtig, zu sagen, daß meine Untersuchungen durch eine Art Zwecklosigkeit charakterisiert sind? – Ich meine nicht, daß sie zu nichts dienen können, sondern daß sie nicht ausgesprochen im Hinblick auf einen Zweck angestellt werden. Ist
das nun ein Fall von ‘l'art pour l'art’? Das möchte ich nicht sagen. Dies klingt zu spielerisch, & als wollte man sagen “Ich tue dies, weil es schön ist” oder dergleichen. – Wohl aber könnte ich sagen: “Muß denn alles einen Zweck haben?” – oder: “Muß denn jede Tätigkeit mit einem klaren Zweck angestellt werden? Und wird sie es nicht, – ist sie dadurch || deswegen || deshalb mit dem Übrigen des Lebens nicht verbunden? Hat sie darum keine Folgen, oder schlechte?” || Muß denn alles, was wir tun, mit einem klaren Zweck getan werden? Und wird es das nicht, – ist es dadurch unverbunden mit || , – ist es deswegen ohne Zusammenhang mit dem Übrigen des Lebens? Hat es darum keine Folgen; oder schlechte?”

   
28.4.
Die Aufmerksamkeit auf einen Teil des Gesichtsbildes || Nachbilds richten. Ich beschreibe es z.B. von
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links nach rechts.

   
     Wozu dient Deine Einteilung, oder Vergleichung der psychologischen Phänomene? – Sie kann eine Reihe verschiedener philosophischer Probleme beantworten. Sie ist eine Methode, sich über Verschiedenes || über verschiedene begriffliche Schwierigkeiten klar zu werden.

   
10.5.
     Warum zählen wir? Hat es sich als praktisch erwiesen? Haben wir unsere Begriffe, z.B. die psychologischen, weil es sich als vorteilhaft erwiesen hat? – || es vorteilhaft ist? – Und doch haben wir gewisse Begriffe aus diesem Grunde, haben sie deswegen || eben deswegen, eingeführt.

   
     Ich fühle mich sehr unglücklich.
   
11.5.
     Denke dran, wie man von Labor's Spiel gesagt hat “Er spricht”. Wie eigentümlich! Was war es, was einen
in diesem Spiel so an ein Sprechen gemahnt hat? Und wie merkwürdig, daß diese || die Ähnlichkeit mit dem Sprechen nicht etwas uns Nebensächliches, sondern etwas Wichtiges & Großes ist! – Die Musik, & gewiß manche Musik, möchten wir eine Sprache nennen, manche Musik gewiß nicht. (Nicht, daß damit ein Werturteil gefällt sein muß!) || Die Musik möchten wir eine ‘Sprache’ nennen; & gewiß gilt das von mancher Musik – & von mancher gewiß nicht.

   
     Seufzen. Wie gerne möchte ich oft artikuliert seufzen! Ist das das Privileg des Dichters?

   
Das Buch ist voller Leben – nicht wie ein Mensch, sondern wie ein Ameisenhaufen.

   
     Man sollte nicht glauben, es sei eine Vereinfachung das
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Sehen mit einem Auge zu betrachten || in Betracht zu ziehen, statt das Sehen mit beiden Augen; wenn man nur || nämlich darüber klar ist, daß man das Sehen nicht in den Augen spürt. Die Idee des visuellen Gegenstands ist viel schwerer für das zweiäugige Sehen durchzuführen. Denn was ist das zweiäugige ‘Gesicht’?

   
     ‘Das Porträt dessen, was man wirklich sieht.’ ‘des visuellen Eindrucks’

   
     Der Bericht dessen, was ich vor mir habe. Die Beschreibung dessen, was ich sehe.

   
     Es kommt einem vor: Wenn ich nur die rechten Farben || Dinge || Gegenstände zur Verfügung hätte könnte ich genau darstellen, was ich sehe. Und so ist es ja bis zu einem Punkt wirklich. Und jener Bericht & die Beschreibung haben die
gleiche Form. – Aber sie lassen z.B. ganz das Wandern des Blickes aus. Aber auch z.B. das Lesen eines Gesehenen & einen Aspekt eines Gesehenen. || einer Schrift im Gesichtsfeld & jeden Aspekt des Gesehenen.

   
     Ist nun, was Du anschaust, eine große Tafel oder ebene Wand mit einer Figur darauf, so wird als eine genaue Beschreibung ein Bild dieser Figur gelten können. Ist die Figur z.B. , was kann man mehr wollen, als daß sie genau abgezeichnet wird; & doch gibt es noch eine ganz andere Beschreibung, die in dem Abzeichnen nicht steckt. So auch, wenn die Figur ist .

   
     Was in einem Sinne eine geringe Ungenauigkeit der Beschreibung ist, ist in einem andern
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Sinne eine große.

   
     ‘Spezifisch’ denkt man sich als spezifisches Material, als spezifische Substanz. Statt als spezifische Handlungsweise.

   
     Wir wollen nicht nur den Gebrauch von Worten beschreiben, sondern wir ziehen auch selbst Grenzen.

   
     Zenons Frage könnte man so stellen: “Wie kann etwas sich jetzt bewegen?” Aber noch stärker: “Wie kann etwas jetzt zittern?”

   
     Aktiv & Passiv. Kann man es befehlen, oder nicht? Dies scheint vielleicht eine weit hergeholte Unterscheidung, ist es aber nicht. Es ist ähnlich wie: “Kann man sich (logische Möglichkeit) dazu entschließen, oder
nicht?” – & || Und das heißt: Welche Stellung nimmt es in unseren Gedanken, etc., ein? || Wie liegt es in unseren Gedanken etc., eingebettet? || Wie ist es von Gedanken, Gefühlen, etc. umgeben?

   
     Wie würde eine menschliche Gesellschaft von tauben Menschen aussehen? Wie, eine Gesellschaft von ‘Geistesschwachen’? Wichtige Frage! Wie, also, eine Gesellschaft, die viele unserer gewöhnlichen Sprachspiele nie spielten?

   
     Warum hänge ich keine Bilder in mein Zimmer? Weil ich keine guten hinhängen könnte? Weil es nicht hübsch aussehen würde? Weil es unethisch wäre?

   
     Das Hübsche kann ästhetisch schlecht sein & das Häßliche kann besser sein als das Hübsche.
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     Sieht man einen Wirrwarr von Stichen als Wirrwarr von Strichen? Ist das auch ein bestimmter Aspekt?

   
     Das ‘Erlebnis’ des Erkennens. Ist das Erkennen ein Erlebnis?

   
     ‘Auf einmal organisierten sich die Striche’. (Schein der Bewegung)

   
     Sich einer Gleichheit von Farben in einem Bild bewußt sein, oder dessen, daß diese Farbe dunkler ist als jene.
     Bin ich mir beim Hören dieses Stücks die ganze Zeit bewußt, daß es von … ist?
Wann ist man sich einer Tatsache bewußt?

   
     ‘Mein Gesichtsbild || Gesichtsgegenstand hat die Organisation schon in sich (so wie die Formen & Farben)’

   
     Wann bin ich mir dessen bewußt, daß dies eine Uhr ist?
   
     Liebe ist kein Gefühl. Liebe wird erprobt, Schmerzen nicht.
   
     Alle Freude ist eingeackert & die Seele ist wie ein gepflügtes Feld.
     Nichts wächst auf ihr, aber sie ist empfänglich für Samen. Kommen keine, so ist das Gottes Wille.


   
     Ich sehe etwas in verschiedenen Zusammenhängen.
     (Ist dies dem Vorstellen nicht verwandter als dem Sehen?)

   
     Es ist als hätte man an das Gesehene einen (bestimmten) Begriff herangebracht, den man nun mitsieht. Der zwar selbst kaum sichtbar ist, aber doch einen ordnenden Schleier über die Gegenstände breitet.
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     Das Bild liegt beidemale in ganz verschiedenen Zusammenhängen.

   
     Es ist, als sei der Zusammenhang gegenwärtig.

   
     Und ist er das nicht wirklich, wenn wir etwas für den & den Gegenstand halten? oder einfach wissen, daß es das & das ist?

   
     “Man verbindet mit dem Worte … die Vorstellung eines Igels.”

   
     “Was siehst Du?” (Sprachspiel) – Was siehst Du wirklich?”

   
     “Was siehst Du?” – “Was erlebst Du visuell?”

   
     Stellen wir uns (doch) das Sehen rätselhaft vor! ohne; jederlei physiologische
Erklärung. –

   
     Was heißt es eigentlich, daß man den Baum aufrecht, vertikal, sieht, obwohl man den Kopf geneigt hält? Was wäre || ist das entgegengesetzte Phänomen || die entgegengesetzte Erscheinung?

   
     Was teilst Du dem || dem Andern mit, dem du sagst “Sch sehe die Figur jetzt als ein …”?

   
     Erinnre Dich dabei immer an das Vorstellen, & daran daß Du dir einen bestimmten Menschen vorstellen kannst!

   
     “Ich sehe einen andern Gegenstand” möchte ich || man sagen. Aber ich sehe den gleichen Gegenstand, aber einem andern Zweck dienend.

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     Die Erklärung virulent. Man sagt: “Wie er schaut!” & ist sich dieses Blicks || Ausdrucks || Gesichtsausdrucks bewußt.

   
     “Schau, wie er dreinschaut!” Schau wie flott das F ausschaut.

   
     “Liebe & Haß sind entgegengesetzte Gefühle. Oder doch zum mindesten grundverschiedene.” Sie sind so verschieden wie weiß & schwarz, oder doch wie rot & grün.
     Und wenn man von ihnen das sagen kann, sind es nicht die Gefühlsinhalte, die so entgegengesetzt sind? Und gibt es wirklich solche Gefühle in der Seele; müssen es nicht doch Gefühle des Körpers sein?! Denn überlege Dir: Was fühlst Du, wenn Du (jemanden) liebst,
& wenn Du (ihn) haßt? – Du denkst zur Antwort an Deinen Gesichtsausdruck, an Deine Bewegungen; oder ist auch die Atmung & der Herzschlag anders? Und auch die Muskelgefühle!
     Denk an das Liebe- & Haßbenehmen der Tiere! Darwin) – Aber wieviel ist denn hier wirklich Gefühl? Wenn ich sage “Ich liebe Dich!”, oder “Ich liebe ihn”, inwiefern bezieht sich denn das wirklich auf Gefühle?

   
     “Ich sehe doch etwas!” Was heißt das? Etwa, daß es hier nicht vollkommen finster ist. – Aber der Satz war zeitlos gemeint. Dann ist er Unsinn. Ich weiß nichts mit ihm anzufangen. Man könnte ihn zur Mitteilung verwenden, das Wort “etwas” als Objekt von “sehen” werde auch da gebraucht, wo kein Gegenstand angeschaut, oder
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der Gegenstand nicht richtig wahrgenommen wird.

   
     “Ich sehe doch etwas! Das Sehen hat doch einen Gegenstand, – ob richtig oder falsch gesehen, oder bloß halluziniert wird!” Das kann nur eine Bemerkung über die Grammatik des Wortes “sehen” sein.

   
     Freilich sehe ich etwas! Nämlich so wird dieses Wort gebraucht!

   
27.6.
Von Eitelkeit gebläht!

   
     Auf die Frage “Was siehst Du?” kommen verschiedenerlei (Arten von) Beschreibungen zur Antwort. – Wenn Einer nun sagt: “Ich sehe doch den Aspekt, die Organisation, ebensogut wie Formen & Farben” – was soll es heißen? Daß man das
alles zum ‘Sehen’ rechnet? oder daß hier doch die größte Ähnlichkeit besteht? – Und was kann ich dagegen || dazu sagen? Ich kann Ähnlichkeiten & Unähnlichkeiten aufzeigen.


   
     “Stellst Du Dir's als dies, oder als jenes vor?”
     Wenn Einer nun sagte “Es ist kein Vorstellen, es ist ein Sehen!” – mit welchem Recht sagt er das?

   
     Könnte man es nicht für Wahnsinn halten, wenn ein Mensch eine Zeichnung als Porträt des so & so || erkennt & ausruft “Das ist Herr N. N.!”? “Er muß verrückt sein” sagt man von ihm, “Er sieht ein Stück
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Papier mit schwarzen Strichen drauf & hält es || das für einen Menschen!”

   
     Das Sehen des Dreiecks || der Figur als … hat etwas Okkultes, etwas Unbegreifliches. Man möchte sagen: “Es hat sich etwas geändert & es hat sich nichts geändert.” – Aber versuche es nicht zu erklären! Betrachte lieber das Übrige Sehen || des Sehens auch als okkult.

   
     Kannst Du denn erklären wie Du Rot wiedererkennst || erkennst?!

   
     Denk Dir, man wollte erklären: – Wenn du das Dreieck in diesem Aspekt siehst, dann siehst Du es so, wie Du es damals sahst, als jener Aspekt Dir zuerst beigebracht wurde. Ein früherer Eindruck
taucht wieder auf. Als Du z.B. zuerst Geometrie lerntest & lerntest die Figur des Dreiecks so & so zu gebrauchen da erhieltst Du einen Eindruck der jetzt wieder auftaucht!

   
     Ich sehe einen schwarzen Ofen. Es würde mich sehr verwundern, wenn Einer sagte, er könne diesen schwarzen Gegenstand || ihn, wie ich, ganz schwarz, aber als rot untermalt sehen. – Wenn ein rotes Fleckchen auf dem Ofen wäre, wäre er dann nicht leichter vorzustellen; nämlich so, als wäre dies ein Fleck, wo die schwarze Farbe sich abgelöst hätte. Und doch könnte ich auch dann den Ofen nicht als rot untermalt sehen. Aber ich möchte fragen: “Welche Anwendung hätte dies Sehen?”

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     Der Ausdruck der || dieser Erfahrung ist & bleibt: “Ich sehe es als Berg”, “Ich sehe es als Keil”, “Ich sehe es mit dieser Basis & dieser Spitze, aber umgefallen”, etc. Und die Wörter “Berg”, “Keil”, “Basis” etc. “umgefallen”, sind ja auch nur Striche, oder Laute – mit einer Verwendung.

   
     Denk an eine Darstellung eines Gesichts von vorn & im Profil zugleich, wie in manchen modernen Bildern Picassos. Eine Darstellung, die || in die eine Bewegung, eine Änderung, eine Unruhe || ein Schweifen, des Blicks einbezieht. || miteinbezogen ist. Stellt so ein Bild das, was man sieht, nicht eigentlich dar?

   
     “Ich verzeihe Dir.” Kann man sagen “Ich bin damit beschäftigt, dir zu verzeihen”? Nein. Aber das heißt nicht, daß es nicht eine Tätigkeit || einen Vorgang gibt, die || den man auch “verzeihen”
nennen könnte, || aber nicht so nennt – ich meine das Austragen des inneren Streites, der dem Verzeihen vorangehen kann. || , der zum Verzeihen führen kann.



   
     Tu einen Blick auf die Figur! Was siehst Du? – Nun, Du kannst's beschreiben. (“Ein Schachbrett”) || (“Etwas Schachbrettartiges”) Aber wie hast Du's gesehen? Gott weiß es! Es ist unbeschreibbar. – Aber manchmal kann man's beschreiben. – Ist nun, was ich “Aspekte” nenne, alles von gleicher Art?? Ich glaube es nicht.

   
     Denk Dir einen Stil, in dem Schriftsteller eine Geschichte in mehreren Varianten veröffentlichen. (Etwa wie die drei Leonoren Ouvertüren.)

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     Ich möchte sagen: Es gibt Aspekte die hauptsächlich von Gedanken & Assoziationen bestimmt sind & andere die ‘rein optisch’ sind & automatisch eintreten & wechseln beinahe wie Nachbilder.
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     Das, was Köhler nicht behandelt, ist die Tatsache, daß man die Figur 2 so oder so ansehen kann, daß der Aspekt, wenigstens zum Teil, willkürlich ist. || , wenigstens bis zu einem gewissen Grade willkürlich ist. || dem Willen untersteht.

   
     Das könnte man dadurch || daraus erklären, daß der Aspekt mit der Augenbewegung zusammenhängt.

   
     Analogie zum Gegensatz zu ‘Wert’ & ‘Grenzwert’ einer Funktion. [Wichtig.]


   
     Daß der Aspekt dem Willen untersteht ist nicht eine sein Wesen selbst nicht berührende Tatsache. Denn wie wäre es wenn wir Dinge willkürlich rot oder grün sehen könnten? Wie würde man dann die Wörter “rot” & “grün” anwenden lernen? Es gäbe dann vor allem nicht einen ‘roten Gegenstand’, höchstens einen den man leichter rot als grün sieht.

   
Ist nicht, was Köhler sagt ungefähr: “Man könnte etwas nicht für das oder das halten, wenn man es nicht als das oder das sehen konnte”? Aber was heißt das? Beginnt ein Kind damit, etwas so oder so zu sehen, ehe es lernt es für das oder das zu halten. Lernt es zuerst die Frage beantworten “Wie siehst du das?”
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& dann erst “Was ist das?”?

   
     Kann man sagen, es muß im Stande sein den Sessel visuell als Ganzes || Ding aufzufassen um ihn als Ding erkennen zu können? – Fasse ich jenen Sessel visuell als Ding auf, & welche meiner Reaktionen zeigen das? Welche Reaktionen eines Menschen zeigen, daß er etwas als Ding erkennt, & welche, daß er etwas als ein Ganzes, dinglich, sieht?

   
     Man könnte es sich so vorstellen: Man prüft, in welcher Weise ein Kind ebene Figuren abbildet, wenn man es keine Abbildungsart gelehrt hat & wenn es räumliche Gegenstände noch nicht gesehen hat.

   
     Ich lerne beschreiben, was ich sehe; & da lerne ich alle
möglichen Sprachspiele. –

   
     Lesen zweier sich kreuzender Schriften.

   
     Nicht “Wie kann ich, was ich sehe beschreiben?” – sondern: “Was nennt man ‘Beschreibung des Gesehenen’?”
     Und die Antwort auf diese Frage ist: “Sehr verschiedenes.”

   
     Köhler sagt, nur sehr wenige Menschen sähen von selbst die Ziffer 4 in der Zeichnung
& das ist gewiß wahr. Wie unterschiede sich nun ein Mensch von den normalen Menschen, der in seinen Beschreibungen ebener Figuren, oder wenn er sie kopiert, darin radikal von der Norm abweicht, daß er beim Kopieren &
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Beschreiben andere ‘Einheiten’ verwendet? D.h., wie wird sich dieser auch noch in andern Dingen von den normalen Menschen unterscheiden?

   
     Ein Mensch könnte hohe zeichnerische Begabung haben, ich meine die Begabung, Gegenstände, ein Zimmer z.B. sehr genau abzuzeichnen, & könnte dabei doch immer wieder einen Fehler gegen den Sinn machen; so daß man sagen könnte “Er faßt einen Gegenstand nicht als Gegenstand auf”. Er würde z.B. nie einen Fehler machen wie der des Maler Klecksel der zwei Augen im Profil malt. Sein Wissen würde ihn nie verführen.

   
     Der verführerische Begriff ist: “die vollständige Beschreibung dessen was man sieht”.

   
     Eliminiere Dir immer das
private Objekt indem Du annimmst es ändere sich fortwährend; Du merkst es aber nicht, weil Dich Dein Gedächtnis fortwährend täuscht.

   
     “Wer etwas sieht, sieht irgend etwas Bestimmtes” – aber das heißt eben nichts.

   
     Es ist, als wollte man sagen: Wenn auch keine Darstellung dem Gesehenen || Gesichtseindruck gleicht, so gleicht er || es doch sich selber.

   
     Man kann eine Form in einer Zeichnung verstecken. (Camouflage.) Und es handelt sich nicht nur darum, daß wer die Zeichnung sieht, sie nicht mit Nennung der Figur beschreibt, sondern darum, daß man auf die Frage “Enthält die Zeichnung die Figur …” in diesem Falle nicht ohne weiteres antworten kann
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& auch leicht eine falsche Antwort gibt.


   
     Man vergißt immer wieder, auf den Grund zu gehen. Man setzt die Fragezeichen nicht tief genug.

   
     Die Wehen bei der Geburt neuer Begriffe.

   
     Es könnte doch Einer auf die Frage “Was siehst Du hier” die Figur richtig nachzeichnen; auf die Frage aber “Siehst Du eine ‘4’” mit ‘Nein’ antworten, obwohl er selbst sie nachgezeichnet hat. || sie beim Nachzeichnen gebildet hat. || , obwohl er sie doch selber nachgezeichnet hat. || , obwohl er sie doch selbst beim Nachzeichnen gebildet hat.

   
     “Die Weisheit ist grau.” Das Leben aber & die Religion sind farbenreich.

   
     Was teile ich dem mit, dem ich sage || ich die Mitteilung mache, ich sehe das Ornament jetzt so? (Seltsame Frage.) – Das heißt doch: “In welchem Sprachspiele findet dieser Satz Verwendung?” “Was fangen wir mit diesem Satz an?”

   
     Nun, es ließe sich doch || z.B. denken daß physiologische Erscheinungen mit dem so oder so Sehen verknüpft wären & ich also von diesen Erscheinungen z.B. der Bewegung meiner Augäpfel Kenntnis erhalten könnte durch den Aspekt. – Es könnte aber auch sein daß die Leute, denen gewisse Aspekte besonders leicht – oder schwer – fallen, || andere interessante psychologische Charakteristika haben, auf die auf diese Weise geschlossen werden könnte. – Man
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kann aber auch ästhetische Schlüsse aus jener Mitteilung ziehen. Ich kann z.B. sagen: “Wenn ich die Zeichnung so sehe so ist sie fad, aber so gesehen nicht.” & ich kann daraus schließen, wie sie zu verwenden ist, ob z.B. aufrecht, liegend, so oder so geneigt. Und diese Anwendung ist ähnlich der des Vorstellens. || der der Phantasie || Vorstellung. – Aber es kann auch eine Anwendung in einer gewissen Bereitschaft bestehen || liegen, von der Zeichnung nun die & die Anwendung zu machen. (Das räumliche Sehen in der darstellenden Geometrie.) Wer eine Mercator Projektion leicht als Schachbrett sehen kann, dem wird sie beim Schachspielen in der Vorstellung gute Dienste leisten können. Das So-Sehen wird ein Sich- || so & soauskennen zur Folge haben. Oder es wird in dieser Leichtigkeit der Orientierung bestehen.



   
     Nehmen wir an, gewisse Aspekte wären durch die Augenbewegung erklärbar: Dann möchte man sagen, diese wären rein optischer Natur; & es müßte also für sie Ausdrücke || eine Beschreibung geben, die sich nicht der Analogien aus andern Gebieten bedienen müßten. Dann müßte man also den Befehl “Sieh dies als …!” durch den ersetzen können “Laß den Blick so & so wandern”, oder einen ähnlichen.

   
     Aber es ist eben nicht wahr, daß eine Erfahrung, die nachweisbar mit der Augenbewegung zusammenhängt, von ihm erzeugt werden kann, darum durch eine Folge von Gesichtsbildern beschrieben werden kann.

   
     (Etwa sowenig wie der, welcher sich einen Ton vorstellt, sich eine Folge von Stößen vorstellt).
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     “Ich kann diese Figur nicht als Illustration zu diesem Vorgang || zu dieser Erklärung gebrauchen, weil ich sie nur auf Augenblicke so || in dieser Weise sehen kann.”

   
     “Wer dem Tod gefaßt || ruhig ins Gesicht sieht, lebt ganz anders, als der, welcher || wer diesem Anblick ausweicht.” Ist nun dieses Leben eine Folge dieses ruhigen Anblickens des Todes, oder ist es dieses selbst? Oder ist die Beziehung verwickelter?

   
     Halt die Zeichnung eines Gesichts verkehrt & Du kannst den Ausdruck des Gesichts nicht erkennen. Vielleicht kannst Du auch sehen, daß es lacht, aber doch nicht genau wie es lacht, || . Du könntest das Lachen nicht nachahmen, oder seinen Charakter genauer beschreiben.
     Und doch kann das umgekehrte Bild den Gegenstand höchst genau darstellen.

Editorial notes

¤1) "Weit besser" is followed by an arrow pointing to the second drawing.