Verstehen.  





















1


     
1
Das Verstehen, die Meinung, fällt aus unsrer Betrachtung heraus.



     
     Kann man denn etwas Anderes als ˇ¿z.B.¿ einen Satz verstehen?
     Oder ˇaber: Ist es nicht erst ein Satz, wenn man es versteht. Also: Kann
man Etwas anders, als    als Satz   verstehen?


     
S 7

     Man könnte // möchte // davon reden, “einen Satz zu erleben”.
     Lässt sich dieses Erlebnis niederschreiben?


     
[Zu: “das Wor¿t¿ hat nur im Satz Sinn”]

     Da ist es wichtig, dass es in einem gewissen Sinne keinen halben Satz
gibt.
     Das heisst, vom halben Satz gilt, was vom Wort gilt, dass es er nur im
Zusammenhang|des Satzes Sinn // Bedeutung // hat.


     
         Prüfen: Überlegen:
     Das Verstehen fängt aber erst mit dem Satz an. (uUnd darum interessiert
es uns nicht.). // Das Verstehen fängt|aber erst mit dem Satz an. //


     
     Wie es keine Metaphysik gibt, so gibt es keine Metalogik. Das Wort
“Verstehen”, der Ausdruck “einen Satz verstehen”, ist|auch nicht metalo-
gisch, sondern ein Ausdruck wie    jeder   andre der Sprache.


     

     ˇMan könnte sagen: Wir haben es also in unsern Betrachtungen mit dem Verstehen des Sat-
zes nicht zu tun; denn wir selbst müssen ihn verstehen, damit er für uns
ein Satz ist.
Was soll uns das Verstehen bekümmern?
Wir müssen ja den Satz verstehen, daß er für uns
ein Satz ist!


2

     

     Es wäre ja auch seltsam, dass die Wissenschaft und die Mathematik die
Sätze gebraucht, aber von ihrem Verstehen nicht</>spricht.


     
     Man sieht in dem Verstehen das Eigentliche, im Zeichen das Nebensächli-
che. — Uebrigens, wozu dann das Zeichen überhaupt? — Nur um sich Andern
verständlich zu machen? Aber wie ist das dies möglich[.|?] Aber wie geschieht dies? — Hier wird Wir sehen hier [Man sieht hier da das Zeichen
als eine Medizin betrachtet an // angesehen //, die im Andern die gleichen
MagensSchmerzen Zustände hervorrufen soll, wie ich sie habe.


     
     Auf die Frage “was meinst du”, muss zur Antwort kommen: p; und nich[z|t] kommt zur Antwort: “ich meine p”, & nicht
“ich meine das, was ich mit ‘p’ meine”.


     
S. 11 oder S 172

     Die gesamte Sprache kann nicht missverstanden werden. Denn sonst gäbe es werden; sonst gäbe es…
zu diesem Missverständnis wesentlich keine Erklärung // Aufk[k|l]ärung //.
     Das heisst eben, dDie (ganze) Sprache muss für sich selbst sprechen.
[dazu 3/1] dazu 3/1


     
     Man kann es auch so sagen: wenn man sich immer in einem Sprachsystem aus-
drückt und also, was ein Satz meint, nur durch Sätze dieses Systems erklärt,
so fällt am Schluss ˇdie Meinung ganz aus der Sprache, also aus der Betrachtung,
heraus und es bleibt die Sprache, das Einzige, was wir betrachten können.
Was ein Satz meint, sagt eine Erklärung.


     
     Gesprochenes kann man nur durch die Sprache erklären, Gesprochenes erklärt man durch die Sprache; [,|d]arum kann man    die
Sprache
   (in diesem Sinne) nicht erklären.


     
     Ich will doch sagen: Die ganze Sprache kann man nicht interpretieren.
     Eine Interpretation ist immer nur    eine   im Gegensatz zu einer    an-
dern.
   Sie hängt sich an das Zeichen und reiht es in ein weiteres S[¿u¿|y]stem
ein.


3

     
Zu S 2/3 etwa zu S. 94

     Alles was ich in der Sprache tun kann, ist    etwas   sagen: das
   eine   sagen. (Das eine sagen im Raume ˇder Möglichkeiten dessen, was ich hätte sagen kön-
nen.) (Keine Metalogik.)


     
     Wenn Frege gegen die formale Auffassung der Arithmetik spricht, so
sagt er gleichsam: diese kleinlichen Erklärungen, die Symbole betreffend,
sind müssig, wenn wir diese verstehen. Und das Verstehen besteht quasi
im Sehen // ist quasi das Se[e|h][h|e]n // eines Bildes, aus demdann alle Regeln
folgen (wodurch sie verständlich werden). Frege sieht aber nicht, dass
dieses Bild nur wieder ein Zeichen ist, oder ein Kalkül, der uns dem ge-
schriebenen Kalkül erklärt.
     Aber das Verständnis gleicht überha[i|u]pt immer dem, welches Und, was wir Verstehen einer Sprache nennen, gleicht überhaupt dem Verständnis, welches wir ˇ<…> für ei-
nen Kalkül kriegen, wenn wir z.B. seine Entstehung Genesis die Gründe seiner Entstehung, oder ˇseine praktische Anwendung,
kennen lernen. Und natürlich lernen wir auch da wieder nur auch da lernen wir nur einen ¿uns¿ über-
sichtlichern ˇSymbolismus statt des fremden kennen. (Verstehen heisst hier ˇetwa übersehen.)


     
Zu S 108 oder zum Kapitel: “Begleitet eine Kenntnis der gr. Regeln den Ausdr. d. Satzes wenn etc.”

     Wenn komplizierte ˇseelische psychische Vorgänge ˇhinter der ¿Front¿ der Symbole beim Verstehen des Wortes “und” eine Rolle
spielen
und das Verstehen etwas für uns wesentliches ist, wie kommt es,
dass diese Vorgänge in der symbolischen Logik nie erwähnt werden? Wie kommt
es,
dass von ihnen in der Logik nie die Rede ist, noch sein braucht?



     
     (Im gewöhnlichen Leben,) wWenn ich jemandem einen Befehl gebe, so ist es
mir gan    ganz genug  , ihm Zeichen zu geben. Und ich würde nie sagen:
das sind ja nur Worte, und ich muss hinter die Worte dringen. Ebenso, wenn
ich jemand etwas gefragt hätte und er gibt mir eine Antwort (also ein Zei-
chen), bin ich zufrieden — das war gerade, was ich erwartete — und wende
nicht ein: das ist ja eine blosse Antwort. Es ist klar, dass nichts ande-
res erwartet werden konnte, und dass die Antwort den Gebrauch der Sprache des bestimmten Sprachspiels einer Sprache
voraussetz<t>e.; Wie wie alles, was zu sagen ist. wir sagen können.

4

     
     Wenn man aber sagt “wie soll ich wissen, was er meint, ich sehe ja nur
seine Zeichen”, so sage ich: “wie soll    er   wissen, was er meint, er hat
ja auch nur seine Zeichen”.


     
     “Etwas habe ich aber doch gemeint, als ich das sagte!” — Gut, aber
wie können wir, was es ist, herausbringen? Doch wohl nur<|>dadurch, dass er
es uns sagt. Wenn wir nicht sein übriges Verhalten zum als Kriterium nehmen
sollen, dann also das, was er uns erklärt.
     Du meinst, was Du sagst.

5


     
2
“Verstehen” [m|M]einen” amorph gebraucht. “Verstehen” [m|M]einen” mehrdeutig.



     
     “Du hast mit der Hand eine Bewegung gemacht; hast Du etwas damit ge-
meint? — Ich dachte, Du meintest, ich solle zu Dir kommen”.
ˇ Wie meinte er etwas? Hat er ˇalso etwas Anderes gemeint, als, was
er ausdrückte zeigte. Oder ist die Frage nur: hat er gemeint was
er zeigte?


     Also er konnte etwas meinen, oder auch nichts mei-
nen. Und wenn er etwas meinte, war es eben was er zeigte
oder etwas Anderes?

     Die Frage ist, ob man fragen darf,Darf man hier fragen: “…   was   hast Du gemeint”[.|?] — Auf die-
se Frage (aber) kommt ein Satz zur Antwort. Während, wenn man so nicht
fragen darf, Darf man so nicht fragen, so ist das Meinen — sozusagen — amo[p|r]ph ist. Und “ich meine etwas
mit dem Satz” ist dann von derselben Form, ähnlicher Form wie: “dieser Satz ist nützlich”,
oder “dieser Satz greift in mein Leben ein”.


     

     (Könnte [,|m]an aber auch antworten: “ich habe etwas mit dieser Bewegung ge-
meint, was ich nur durch diese Bewegung ausdrücken kann”?)


     
     Wir unterscheiden doch Sprache, von dem, was nicht Sprache ist ˇSchrift von dem, was keine Schrift ist. Wir
sehen Striche ˇetwa Folgen von Strichen auf einer ¿Mauer¿¿, und¿ und sagen, wir verstehen sie; und ˇwir sehen andere, und ˇwir sagen, sie
bedeuten nichts (oder, uns nichts). Damit ist doch eine ˇsehr allgemeine Erfah-
rung charakterisiert, die wir nennen könnten: “etwas als Sprache verste-
hen” — ganz abgesehen davon von dem,    was   wir aus dem gegebenen Gebilde den Strichen (etc.) heraus-
lesen.¿¿ (Vergleiche: [D|d]ie Handlungen zweier Personen als Züge (Handlungen) eines
Spiels verstehen.)



     
     Ich sehe eine deutsche Aufschrift und eine chinesische[.|:] Ist die chine-
sische etwa ungeeignet etwas mitzuteilen? ˇ↓Neue Zeile — Ich sage, ich habe [c|C]hinesisch
nicht gelernt. Aber das Lernen der Sprache fällt fällt dies fällt als blosse Ursache,
Geschichte, aus der Gegenwart gegenwärtigen Situation heraus. Nur auf seine Wirkungen kommt es an,
und die sind Phänomene, die eben nicht eintreten, wenn ich das Chinesische

6a
sehe [|//] anschaue//. (Warum sie nicht eintreten, ist ganz gleichgültig.)


     

     Geben wir denn den Worten, die uns gesagt werden, willkürliche Inter-
pretationen? Kommt nicht das Erlebnis des Verstehens ˇmit dem Erlebnis des Hö-
rens der Zeichen, wenn wir die S[ö|p]rache der Andern verstehen’?


     

     Wenn mir jemand etwas sagt und ich verstehe es, so geschieht mir dies
ebenso, wie, dass ich höre was er sagt. // wie, dass ich, was er sagt, hö-
re.//
     Und hier ist Verstehen das Phänomen, welches die Phänomene welche sich einstellt, wenn ich
einen deutschen Satz höre, und welches dieses Hören vom Hören eines Satzes
einer mir nicht geläufigen bekannten fremden Sprache unterscheidet.


     

     Denken wir an eine Chiffre: Ein Satz sei uns mir in der Chiffre gegeben und
auch der Schlüssel, dann ist uns mir natürlich, in gewisserm Beziehung Sinne einer Beziehung, [[a|A]|a]lles
zum Verständnis der Chiffre gegeben. Und doch würde ich, gefragt “verstehst
Du diesen Satz in der Chiffre”, etwa vielleicht antworten: Nein, ich muss ihn erst
entziffern; und erst, wenn ich ihn z.B. ins Deutsche übertragen hätte, wür-
de ich sagen “jetzt verstehe ich ihn”.
     Wenn man hier die Frage stellte: “In welchem Augenblick der Uebertra-
gung (aus der Chiffre ins Deutsche) verstehe ich den Satz”, so würde man
einen Einblick in das Wesen dessen erhalten, was wir “verstehen” nennen. // in das Wesen des Verstehens erhalten.//


     

     Ich sage einen Satz “ich sehe einen schwarzen Kreis”; aber auf die Wor-
te // Wörter // kommt es doch nicht an; sagen // setzen // wir also statt
dieses Satzes “a b c d e”. Aber nun kann ich nicht ohne weiteres mit diesem
Zeichen den oberen Sinn verbinden (es sei denn, dass ich es als    ein  
Wort auffasse und dies als Abkürzung des oberen Satzes). Diese Schwierig-

6b
sehe [|//] anschaue//. (Warum sie nicht eintreten, ist ganz gleichgültig.)


     

     Geben wir denn den Worten, die uns gesagt werden, willkürliche Inter-
pretationen? Kommt nicht das Erlebnis des Verstehens ˇmit dem Erlebnis des Hö-
rens der Zeichen, wenn wir ‘die S[ö|p]rache der Andern verstehen’?


     

     Wenn mir jemand etwas sagt und ich verstehe es, so geschieht mir dies
ebenso, wie, dass ich höre was er sagt. // wie, dass ich, was er sagt, hö-
re.//
     Und hier ist Verstehen das Phänomen, welches sich einstellt, wenn ich
einen deutschen Satz höre, und welches dieses Hören vom Hören eines Satzes
einer mir nicht geläufigen bekannten Sprache unterscheidet.


     
     Denken wir an eine Chiffre: Ein Satz sei uns in der Chiffre gegeben und
auch der Schlüssel, dann ist uns natürlich, in gewisser Beziehung, [a|A]lles
zum Verständnis der Chiffre gegeben. Und doch würde ich, gefragt “verstehst
Du diesen Satz in der Chiffre”, etwa antworten: Nein, ich muss ihn erst
entziffern; und erst, wenn ich ihn z.B. ins Deutsche übertragen hätte, wür-
de ich sagen “jetzt verstehe ich ihn”.
     Wenn man hier die Frage stellte: “In welchem Augenblick der Uebertra-
gung (aus der Chiffre ins Deutsche) verstehe ich den Satz”, so würde man
einen Einblick in das Wesen dessen erhalten, was wir “verstehen” nennen. // in das Wesen des Verstehens erhalten.//


     
     Ich sage einen Satz “ich sehe einen schwarzen Kreis”; aber auf die Wor-
te // Wörter // kommt es doch nicht an; sagen // setzen // wir also statt
dieses Satzes “a b c d e”. Aber nun kann ich nicht ohne weiteres mit diesem
Zeichen den oberen Sinn verbinden (es sei denn, dass ich es als    ein  
Wort auffasse und dies als Abkürzung des oberen Satzes). Diese Schwierig-

7
keit ist doch aber sonderbar. Ich könnte sie so ausdrücken: Ich bin nicht
gewöhnt statt ‘ich’ ‘a’ zu sagen und statt ‘sehe’ ‘b’, und statt ‘einen’
‘c’, etc.. Aber damit meine ich nicht, dass ich, wenn ich daran gewöhnt wä-
re, mit dem Worte ‘a’ sofort das Wort ‘ich’ assoziieren würde; sondern, dass
ich nicht gewöhnt bin ‘a’ an der Stelle von ‘ich’ zu gebrauchen — in der
Bedeutung von ‘ich’.




     
     Der Satz, wenn ich ihn verstehe, bekommt für mich Tiefe.


     

     Ich sage: Das Verstehen bestehe darin, dass ich eine bestimmte    Erfah-
rung
   habe. — —
     Dass diese Erfahrung aber das Verstehen    dessen   ist — was ich ver-
stehe
ein verstehen ist besteht darin, dass diese Erfahrung ein Teil meiner    Sprache  
ist.



     
     Was heisst es, ein gemaltes Bild zu verstehen? Auch da gibt es Ver-
ständnisstehen und Nichtverstehen.; Und auch hier da kann “[V|v]erstehen” und “nicht
verstehen” verschiedenerlei heissen. Wir können uns ein Bild denken,
das
Das Bild soll eine Anordnung stellt eine Anordnung von Gegenständen im dreidimensionalen Raum darstellen
soll, aber wir sind ich bin für einen Teil des Bildes ˇbin ich unfähig, Körper im Raum
darin
körperlich zu sehen; sondern sehen ˇdort nur die gemalte Farbflecken auf der Bildfläche. Wir können dann
sagen, wir ich verstehen diese Teile des Bildes nicht. Es kann sein, dass die
räumlichen Gegenstände, die dargestellt sind, uns bekannt, d.h. Formen
sind, die wir aus der Anschauung von Körpern her kennen,
[e|E]s können aber
auch Formen Gegenstände auch auf dem Bild dargestellt sein, die wir noch nie gesehen ha-
ben. Und da gibt es wieder den Fall, wo etwas (z.B.) wie ein Vogel aus-
siehtschaut, nur nicht wie einer, dessen Art ich kenne; oder aber, wo ein räum-
liches Gebilde ˇist dargestellt ist, dergleichen ich noch nie gesehen habe.
Auch in diesen Fällen kann man von einem Nichtverstehen des Bildes reden,
aber in einem anderen Sinne als im ersten Fall.
Vielleicht aber kenne ich alle Gegenstände, verstehe aber — in anderem Sinne — ihre Anordnung nicht.


     
     Aber noch etwas: Angenommen, das Bild stellte¿len¿ Menschen dar, wäre
aber klein,
und die Menschen darauf ˇwären etwa einen Zoll Meter lang. Angenommen nun,
es gäbe Menschen, die diese Länge hätten, so würden könnten wir    sie   diese in dem
Bild erkennen und es würde uns nun einen ganz andern Eindruck machen, ob-
wohl doch die Illusion der dreidimensionalen Gegenstände ganz dieselbe
wäre. als den gewöhnlichen. Und doch spielt in Und doch ist besteht der tatsächliche // dieser tatsächl[¿o¿|i]che // Eindruck,
wie er da ist, unabhängig davon, dass ich einmal Menschen in der gewöhn-
lichen Grösse, und nie Zwerge, gesehen habe ˇUnd doch spielt in den Eindruck den ich ˇbeim Anblick des Bildes habe nicht d.h. es spielt in diesen Eindruck nicht… die
Erinnerung hinein
, wenn auch dies die Ursache

9
des Eindrucks ist.


     
     Dieses Sehen der gemalten Menschen als Menschen (im Gegensatz etwa zu
Zwergen) ist ganz analog dem Sehen des Bildes // der Zeichnung // als
dreidimensionales Gebilde. Wir können hier nicht sagen, wir sehen immer
dasselbe und fassen es nachträglich, einmal als das Eine und , einmal als das
Andre auf, sondern wir sehen jedes Mal etwas [a|A]nderes.


     
     Und so auch, wenn wir einen Satz mit Verständnis und ohne Verständnis
lesen. (Erinnere Dich daran, wie es ist, wenn man einen Satz mit falscher
Betonung liest, ihn daher nicht versteht, und nun auf einmal daraufkommt,
wie er zu lesen ist.)


     
     (Beim (Lesen einer schleuderhaften Schrift.) kann man erkennen, was es
heisst, etwas in das gegebene Bild hineinsehen.)



     
     Wenn man eine Uhr abliest, so sieht man einen Komple[¿l¿|x] von Strichen,
Flecken etc., aber auf ganz bestimmte W[i|e]ise, wenn man ihn als Uhr und Zei-
ger auffassen will. auffaßt.


     
Zu “lernen der Sprache”

     Wir könnten uns den Marsbewohner denken, der auf der Erde erst nach und
nach den Gesichtsausdruck der Menschen als solchen verstehen lernte und
den drohenden erst nach gewissen Erfahrungen als solchen empfinden lernt.
Er hätte bis dahin diese Gesichtsform angeschaut angesehen, wie wir die [D|F]orm eines
Steins betrachten.


     
Zu “lernen der Sprache”

     Kann ich so nicht sagen: er    lernt   erst die befehlende Geste in
einer gewissen Satzform verstehen?


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Zu: “lernen der Sprache”

     Chinesische Gesten verstehen wir so wenig, wie chinesische Sätze.
[D.h. es gibt nicht nur ¿für Sat¿ Unverständnis für Sätze.
Wie aber lernen wir die Sprache fremder Gesten?]
Sie können uns durch Worte erklärt werden. Man
kann uns sagen “das ist bei diesem Volk
eine höhnische Gebärde”, etc.. Oder aber wir lernen
die Gebärden verstehen wie wir als Kind die Gebär-
den & Mienen der Erwachsenen — ohne Erklä-
rung — verstehen lernen.
Und verstehen lernen
heiß eben in diesem Sinne nicht erklären
lernen & wir verstehen dann die Miene,
können sie aber nicht durch einen andern
Ausdruck erklären.]

11


     
3
Das Verstehen als Korrelat einer    Erklärung  .



     
     “Verstehen”, damit meine ich Ich meine mit dem Wort “Verstehen”… ein Korrelat der Erklärung ˇdes Sinnes,    nicht   ei-
ner — etwa medizinischen — Beeinflussung.
     Mit dem Worte “Missverständnis” meine ich also wesentlich etwas, was
sich durch Erklärung beseitigen lässt. Eine andere Nichtübereinstimmung
nenne ich nicht “Missverständnis”.

S 2/3 ⋎ ?

     
     Verständnis ents[ö|p]richt der Erklärung; soweit es aber der Erklärung
nicht entspricht, ist es unartikuliert und geht uns deswegen nichts an interessiert uns darum nicht;
oder es ist artikuliert und entspricht dem Satz selbst, dessen Verständ-
nis wir beschreiben wollten. dessen Sinn wir wiedergeben wollen.


     
     Wissen, was der Satz besagt, kann nur heissen: die Frage beantworten
können “was sagt er?”.


     
     Den Sinn eines Satzes verstehen // kennen //, kann nur heissen soll heißen: die
Frage “was ist sein Sinn” beantworten können.


     
     Denn ist hier “Sinn haben”ˇ, quasi, intransitiv gebraucht, so dass man also
nicht    den   Sinn eines Satzes von dem eines anderen Satzes unterscheiden
kann, dann ist das Sinnhaben eine, den Gebrauch des Satzes begleitende,
Angelegenheit, die ein Vorgang den Gebrauch des Satzes begleitender Vorgang, der uns nicht interessiert.


     
     Das Triviale, was ich zu sagen habe, ist, dass auf den Satz “ich    sa-
ge
   das nicht nur, ich meine etwas damit” und die Frage “was?”, ein wei-
terer Satz, in irgend welchen Zeichen, zur Antwort kommt.

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     Man möchte sagen: er ist mit seinem Verständnis    bei   der Tatsache
// bei    bei   der Ausführung//, aber die Erklärung kann nie die Ausfüh-
rung enthalten.
     Aber das Verständnis enthält nicht die Ausführung, sondern ist nur das
Symbol, das bei der Ausführung übersetzt wird.




     

     “Das müs[¿y¿|s]te man aber dazuschreiben”.


15


     
4
Das Verstehen des Befehls, die Bedingung dafür, dass wir ihn befolgen ˇkönnen.
Das Verstehen des Satzes, die Bedingung dafür, dass wir uns nach ihm richten.








     

     Wenn hier das Verstehen ein psychischer Vorgang ist unter dem ‘Verstehen’ gemeint ist <…>
& gesagt werden soll, daß dieser Vorgang erfahrungs-
gemäß
eintreten muß eintritt ehe ein Mensch einen Befehl
befolgen kann, so interessiert uns diese Aussage
nicht. — Sollte definiert werden[;|,] ˇden Befehl befolgen heiße man es nur, wenn
jener psychische Vorgang eingetreten sei, so wäre diese Definition
müßig.
     Soll aber ‘¿v¿erstehen’ hier heißen: erklären können, — warum
sollte das notwendig sein um den Befehl zu befolgen.
Natürlich handelt es sich hier nicht um logische Notwen-
digkeit.






     

     Wenn man mir sagt “bringe eine gelbe Blume” und ich stelle mir vor, wie
ich eine gelbe Blume hole, so kann das zeigen, dass ich den Befehl ver-
standen habe. Aber ebenso, wenn ich ein Bild des Vorgangs male. — Warum?
Wohl, weil das, was ich tue, mit Worten des Befehls beschrieben werden
muss. Oder soll ich sagen, ich habe tatsächlich einen (dem ersten) ver-
wandten Befehl ausgeführt.



     
     Was heisst dann also der Satz: “Ich muss den Befehl verstehen, ehe ich
nach ihm handeln kann[?|]? Denn dieser Satz // dies zu sagen, // hat natür-
lich einen Sinn. Aber gewiss // jedenfalls // wieder keinen metalogischen.





     

     (Es kann keine notwendige Zwischenstufe zwischen dem Auffassen eines Be-
fehls und dem Befolgen geben.)


     
     Wenn das Verstehen eine notwendige? Vorbereitung des Folgens war, so muss
es dem Zeichen etwas hinzugefügt haben; aber , so hat es wohl dem Zeichen des Befehls etwas hinzugefügt. — Aber … etwas, was Wenn das Verstehen eine Vorbereitung des Befolgens war,
so kann man es das Verstehen so auffassen, daß es dem Zeichen (des
Befehls) etwas hinzufügt; aber etwas was …
Das Verstehen, wenn es eine Vorbereitung …, kann man so auffassen, …









     

     Oder Ees konnten mir auch vor diesem Verstehen mehrere Deutungen vorschwe-
ben, für deren eine ich mich endlich entscheide. Aber das Vorschweben von der
Be[d|D]eutungen war das Vorschweben von Ausdrücken einer Sprache.


ch

     
5
   Deuten  .

Deuten wir jedes Zeichen?






     

     Deuten wir denn etwas, wenn uns jemand einen Befehl gibt? Wir fassen
auf, was wir hören oder sehen; oder; wir sehen, was wir sehen.












     
Vergleiche:
“Ich sehne mich nach ihm”
“Ich erwarte ihn”
“Ich weiß daß er kommen wird”
oder auch:
1 “ich habe mich den ganzen Tag von Morgen an nach ihm gesehnt”
2 “ich habe ihn den ganzen Tag von Morgen an erwartet”
3 “ich wußte vom Morgen an daß er kommen werde”
4 “ich hatte vom Morgen an Zahnschmerzen“
Kann man sagen “ich wußte vom Morgen an ununter-
brochen daß er kommen werde”?
Vergleiche No. 4 mit jedem der anderen Sätze.
5 “Ich konnte von meinem 10ten Jahr an Schachspielen”.
6 “Ich konnte seit damals nicht mehr hoch springen”










     
     Aber natürlich kann das nicht anders sein, als wenn ich z.B. sage “ich
will diesen Fleck rot anstreichen”, eine Vorstellung von der Farbe habe
und nun “   weiss  “, wie diese Vorstellung in die Wirklichkeit zu über-
setzen ist.





     
[Zu S. 182]
Wie ist es, wenn ich jemandem den Befehl gebe “stelle Dir einen roten Fleck
vor” & nun sage: den Befehl verstehen heiße, wissen wie es ist, wenn
er ausgeführt ist; oder gar sich vorstellen können, wie es ist, wenn …”

24

     
   Bedeutung  .

























25

     
7
Der Begriff der Bedeutung stammt aus einer primitiven ˇphilosophischen Auffassung der
Sprache her.
Der Begriff der Bedeutung stammt aus einer primitiven Philoso
phie der Sprache her.






     

      Augustinus, wenn er vom Lernen der Sprache redet, redet ausschliess-
lich davon, wie wir den Dingen Namen beilegen, oder die Namen der Dinge
verstehen. Hier scheint also das Benennen Fundament und Um und Auf der
Sprache zu sein.
     Diese Auffassung des Fundaments der Sprache Diese Betrachtungsweise der Sprache ist offenbar aequivalent
mit der, die ist ˇwohl die, welche die Erklärungsform “das ist…” als fundamental auffasst.—
Von einem Unterschied der Worte redet Augustinus nicht, meint also mit
“Namen? offenbar Wörter, wie “Baum”, “Tisch”, “Brot”, und gewiss die Ei-
gennamen der Personen; dann aber wohl auch “essen”, “gehen”, “hier”,
“dort”; kurz, alle Wörter. Gewiss aber denkt er zunächst an    Haupt-
wörter
   und an die übrigen als etwas, was sich finden wird. (Und Plato sagt, dass der Satz aus Haupt- und Zeitwörtern besteht.)
     Sie beschreiben eben das Spiel einfacher, als es ist.
     Dieses Spiel kommt aber wohl in der Wirklichkeit vor. — Nehmen wir
etwa an, ich wollte aus Bausteinen<,> ein Haus aufführen, die mir ein Andrer
zureichen soll, ein Haus aufführen, so könnten wir erst ein Uebereinkommen
dadurch treffen, dass ich auf einen Stein zeigend sagte “das ist eine Säu-
le”, auf einen andern zeigend “das heisst Würfel”, — “das heisst Platte”
u.s.w.. Und nun bestünde die Anwendung im Ausrufen jener Wörter “Säule”,
“Platte”, etc. in der Ordnung, wie ich die Bausteine brauche.
Und ganz

26
ähnlich ist ja das Uebereinkommen
und etwa eines, das mit Farben
arbeiten würde.



     

     Augustinus beschreibt wirklich einen Kalkül; nur ist nicht alles, was
wir Sprache nennen, dieser Kalkül.
     (Und das muss man in einer grossen Anzahl von Fällen sagen, wo es
sic[(|h] fragt: ist diese Darstellung brauchbar oder unbrauchbar. Die Ant-
wort ist dann: “ja, brauchbar; aber nur    dafür  , nicht für das gan-
ze Gebiet, das Du darzustellen vorgabst”.)


     

      Es ist also so, wie wenn jemand als erklärte ˇjemand: “spielen besteht darin,
dass man Dinge, gewissen Regeln gemäss, auf einer Fläche verschiebt …”
und wir ¿in¿ ihm antworteten: Du denkst da gewiss an die Brettspiele, und
auf sie ist Deine Beschreibung auch anwendbar. Aber das sind nicht die
einzigen Spiele. Du kannst also Deine Erklärung richtigstellen, indem Du
sie ausdrücklich auf diese Spiele einschränkst.
     Man könnte also sagen, Augustinus stelle das Lernen der Sprache zu
einfach dar // stelle die Sache zu einfach dar//; aber auch: er stelle
eine einfachere Sache dar.
     (Wer das Schachspiel einfacher beschreibt — mit einfacheren Regeln —
als es ist, beschreibt damit dennoch ein Spiel, aber ein anderes.)


     

      Ich w[i|o]llte ursprünglich sagen: Wie Augustinus das Lernen der Sprache
beschreibt, das kann uns zeigen, woher sich diese Auffassung ˇder Bedeutung überhaupt eigentlich
schreibt // …, von welcher welchem primitiven Anschauung Bild …//.
     Man könnte den Fall mit dem einer Schrift vergleichen, in der Buch-
staben zum Bezeichnen von Lauten benützt würden, aber auch zur Bezeich-
nung der Stärke Betonung und als Interpunktionszeichen.
Fassen wir dann
diese Schrift als eine Sprache zur Beschreibung des Lautbildes auf, so


27
könnte man sich denken, dass Einer diese Schrift so auffasste, als entsprä-
che einfach jedem Buchstaben ein Laut und als hätten die Buchstaben nicht
auch ganz andere Funktio[¿h¿|n]en. —
Und so einer — zu einfachen — Beschreibung der
Schrift gleicht Augustinus' Beschreibung der Sprache völlig.





     
[Vielleicht auch zu “Komplex & Tatsache”]
[ M.S. ˇ¿groß¿ S 113]

     Man kann z.B. — für [a|A]ndere verständlich — Hierher gehört auch: Man kann — für Andere verständlich — von    Kombinationen
von Farben mit Formen
   sprechen (etwa der Farben rot und
blau mit den Formen Q[i|u]adrat und Kreis) zusammengeschlossen, ¿?¿[<…>] ebenso wie von
Kombinationen verschiedener Formen oder Körper. Und hier haben wir die
Wurzel des meines irreleitenden Ausdrucks, die Tatsache sei ein Komplex von Ge-
genständen. Es wird also, dass ein Mensch krank ist,    verglichen  
mit der Zusammenstellung zweier Dinge, wovon das eine der Mensch<,> ist das
andere die Krankheit wäre. Hüten wir uns davor, // Hüten wir uns davor,…// zu ve[f|r]gessen, dass das ˇnur Vergessen wir nicht, daß das nur … ein
Gleichnis ist.
     Oder man muss sagen, es verhält sich hier mit dem Wort “Kombination”,
oder “Komplex”, wie mit dem Wort “Zahl”, das auch in verschiedenen — mehr
oder weniger logisch ähnlichen — Weisen (Bedeutungen) gebraucht wird.


     

     “Bedeutung” kommt von “deuten”.


     

     Was wir Bedeutung nennen, muss mit der primitiven Gebärdensprache (Zei-
gesprache) zusammenhängen.


     

      Wenn ich etwa die wirkliche Sitzordnung an einer Tafel nach einer Auf-
schreibung kollationiere, so hat es einen guten Sinn, beim Lesen jedes Na-
mens auf einen bestimmten Menschen zu zeigen.
Sollte ich aber etwa die Be-
schreibung eines Bildes mit dem Bild vergleichen und ausser dem Personen-

28
verzeichnis sagte die Beschreibung auch, dass eine gewisse Person eine
andere küsst, so wüsste ich nicht, worauf ich als Korrelat des Wortes “küs-
sen” zeigen sollte.
Oder, wenn etwas stünde “A ist grösser als B”, worauf
soll ich beim Wort “grösser” zeigen? — Ganz offenbar kann ich ja gar nicht
auf etwas diesem Wort entsprechendes in dem Sinne zeigen, wie ich etwa auf
die Person A im Bilde zeige.
     Es gibt freilich einen Akt “die Aufmerksamkeit auf die Grösse der Per-
sonen richten”, oder auf ihre Tätigkeit, und in diesem Sinne kann man au[v|c]h
das Küssen und die Grössenverhältnisse kollationieren. Das zeigt, wie der
allgemeine Begriff der Bedeutung entstehen konnte. Es geschieht da etwas
Analoges, wie wenn ¿man¿ das Pigment an Stelle der Farbe tritt.
     Und der Gebrauch des Wortes “kollationieren” ist hier so schwankend, wie
der Gebrauch des Wortes “Bedeutung”.



     

     Die Wörter haben offenbar ganz verschiedene Funktionen im Satz und die-
se Funktionen erscheinen uns ausgedrückt in den Regeln, die von den Wörtern
gelten. Wie in einem Stellwerk mi


     

     Wie in einem Stellwerk mit Handgriffen die verschiedensten Dinge ausge-
führt werden, so mit den Wörtern der Sprache, die Handgriffen entsprechen.
Ein Handgriff ist der einer Kurbel und diese kann kontinuierlich verstellt
werden; einer gehört zu einem Schalter und kann nur entweder umgelegt oder
aufgestellt werden; ein dritter gehört zu einem Schalter, der drei oder
mehr Stellungen zulässt; ein vierter ist der Handgriff einer Pumpe und
wirkt nur, wenn solange er auf- und abbewegt wird; etc.: aber alle sind Handgriffe,
werden mit der Hand angefasst.

⋎ S. 42/1


     
Die Bedeutg. des Wortes — & auf die Bedeutg. zeigen



     
8
Bedeutung, der Ort des Wortes im grammatischen Raum.




     

      W[o|i]r können in der alten Ausdrucksweise sagen: das Wesentliche am Wort
ist seine Bedeutung.









     
Wir verstehen unter “Bedeutung des Namens” nicht den Träger des Namens. Unter “Bedeutung des eines Namens” wird nicht … verstanden. Unter der Bedeutung eines Namens wird nicht sein Träger verstanden.


     

     Man kann sagen, dass die Worte “der Träger des Namens ‘N’” dieselbe
Be<d>eutung haben wie der Name [|]N’ — also für einander eingesetzt werden kön-
nen.


     

     Aber heisst es nicht dasselbe, zu sagen “zwei Namen haben    einen   Träger” und “zwei Namen haben ein- und dieselbe Bedeutung” ? (Morgenstern,
Abendstern, Venus.)



     
Man kann sagen: Die Bedeutung des eines Wortes lehren, heißt
seinen Gebrauch lehren & das kann man durch
Hinweisen auf den Träger eines Namens tun, wenn
dieser Gebrauch, sozusagen, schon bis auf eine
letzte Bestimmung bekannt ist.
     Erinnere Dich daran, daß durch die selbe hinwei
sende Geste auf denselben Körper ˇdie Bedeutung von Worten verschiedener Art erklärt werden können kann. Z.B.: “das heißt ‘Holz’”,
“das heißt ‘braun’”, “das
heißt ein ‘Stab’”, “das
heißt ein ‘Federstiel’”.


     

     Aber zeigen wir nicht zur Erklärung der Bedeutung auf den Gegenstand, den
der Name vertritt? Ja; aber dieser Gegenstand ist nicht ‘die Bedeutung’,
obwohl sie durch das Zeigen auf diesen Gegenstand bestimmt wird.


     

     Denken wir aber wieder dagegen an das Zeigen & Benennen von Gegen-
ständen, durch das wie man Kindern die Anfänge der
Sprache lehrt. Hier kann man natürlich nicht sagen, diese
Erklärung (wenn man das eine Erklärung nennen will)
gebe noch eine letzte Bestimmung über den Gebrauch
des Wortes, & das Kind kann auch noch nicht fragen
“wie heißt das?”. (ˇD.h., ,[D|d]iese ‘Erklärung’ ist nicht die Antwort
auf die Frage “wie heißt dieser Gegenstand”.)


     

     Aber es bestimmt hier schon das richtige Verstehen des Wortes ‘Träger’
in dem besondern Fall (Farbe, Gestalt, Ton, etc.) die Bedeutung ˇsozusagen bis auf ei-
ne letzte Bestimmung. D.h. der H erklärende Hinweis auf den Träger entscheidet
nur noch eine Frage nach der Bedeutung von der Art:
“Welcher dieser Leute ist Herr N?”, “Welche Farbe heißt ‘lila’?”, “Welcher
Ton ist das hohe C?”.








     
     Man kann sagen “dieser Körper ist durch & durch gelb” aber
nicht, “seine Oberfläche ist durch & durch gelb”.



     

     Auf eine Zahl deuten.


     
Und wer (mit der Hand) auf einen Körper zeigt, zeigt dadurch,
aber ¿eben¿ darum in anderem Sinne, auf seine Farbe, seine Gestalt, den
Ort an dem er sich befindet. Wie der, welcher jemand
Klavier spielen hört, dadurch in anderem Sinne das
Musikstück hört, welches gespielt wird & in noch ande-
rem Sinne die Schönheit des Stückes. — Aber was heißt es
“er hört in anderem Sinne”, “er zeigt in anderem Sinne”. Was
ich meine wäre jedenfalls in einer Definition ausgedrückt
die etwa sagte: auf eine Farbe zeigen heißt: auf einen Körper
zeigen der die Farbe hat. Also etwa F(ϕ) = (∃x).ϕx[:|.]Fx
Daß F von ϕ in anderm Sinne ausgesagt wird als von x heißt, daß
ich statt Fx nicht wieder einen Ausdruck wie die rechte Seite setzen
kann


34


     
9
Die Bedeutung eines Wortes ist das, was die (grammatische) Erklärung der
Bedeutung erklärt.
[Dazu der letzte Satz dieses §] Siehe auch § 41 S. 179


     
“Bedeutung, das was die Erklärung der B. erklärt”
d.h.: Fragen wir nicht was ˇdie Bedeutung sei, sondern
sehen wir uns an nach was man die “Erklärung derB.”
nennt.





     
Was wollen wir unter ‘Bedeutung’ eines Worts verstehen? Ein
charakteristisches Gefühl, das das Aussprechen (Hören) des
Wortes begleitet? (Das und-Gefühl, wenn-Gefühl James's)
Oder wollen wir das Wort ‘Bedeutung’ ganz anders
gebrauchen; &, z.B, sagen zwei Worte haben die gleiche
Bedeutung wenn dieselben gramm. Regeln von beiden
gelten? Wir können es halten, wie wir wollen, aber wir müssen ˇaber
wissen daß dies zwei gänzlich verschie-
dene Gebrauchsweisen (Bedeutungen) des Wortes
‘Bedeutung’ sind. (Man kann vielleicht auch
von einem spezifischen Gefühl reden welches der
Schachspieler bei Zügen mit dem König empfindet.)




     
In einem Sinn ist kann man die Erklärung der Bedeutung die Aufklärung Ausschließung
von Mißverständnissen nennen. Sie sagt, das Wort hat diese Bedeu-
tung, nicht jene.



     
Und “Erklärung der Bedeutung” nennen wir vielerlei.







     
     Die Erklärung eines Zeichens muss?? jede Meinungsverschiedenheit kann jede … beseitigen. in Bezug
auf seine Bedeutung beseitigen können.
     Und ist dann noch eine Frage nach der Bedeutung zu entscheiden?



     

     Missverständnis nenne ich das, was durch eine Erklärung zu beseitigen
ist. Die Erklärung der Bedeutung eines Wortes schliesst Missverständnisse
aus.


     
Ich habe einmal als Kind nach der Bedeutung des Wortes “etwas” gefragt. [oder war es “vielleicht”?]
Man antwortete mir: “das verstehst Du noch nicht”. Wie aber hätte
man es erklären sollen?! Durch eine Definition? oder hätte man mir sagen sagen sollen, oder sollte man sagen,
das Wort sei undefinierbar? Wie ich es später verstehen
gelernt habe, weiß ich nicht; aber ich habe wohl Phrasen worin
das Wort vorkommt anwenden gelernt. Und dieses Lernen hatte
wohl am meißten Ähnlichkeit mit einem Abrichten [abgerichtet
wWerden].



     
     Das sind Missverständnisse Ein Missverständnis ist: “Ist    das   eine Orange? ich dachte    das  
sei eine”.
     Kann man sagen: Wie is es mit diesem: “Ist das rot? ich dachte, das sei ein Sessel”?
     Aber [k|K]ann man sich nicht einbilden (wenn man etwa nicht deutsch ver-
steht<)> “rot” heisse laut) (d.h. werde so gebraucht, wie tatsächlich das
Wort “laut” gebraucht wird)[.|?] Wie wäre aber die Aufklärung dieses Missver-
ständnisses? Etwa so: “rot ist eine diese Farbe, keine Tonstärke”? — Eine solche
Erklärung könnte man natürlich geben, aber sie wäre nur dem verständlich,
der sich bereits ganz in der Grammatik auskennt.


     
Ich will wollte hier [auf dieser → Seite] das Wesen des Mißverständnisses im
Gegensatz zum Unverständnis der Sprache darstellen.



     
     Der Satz “ist das rot? ich dachte, das sei ein Sessel” hat nur Sinn,
wenn das Wort “das” beide Male im gleichen Sinn gebraucht wird und dann
muss ich entweder “rot” als Substantiv, oder “ein Sessel” als Adjektiv
auffassen.



     
“Heißt ‘weak’ schwach? ich dachte, es heiße Woche.”



     
     Die Aufklärung kann nur verstanden werden, wenn sie in einer Sprache
gegeben wird, die wird in einer Spr. gegeben, die … unabhängig von dem Missverständnis besteht.

     
Zu S. 43

     Ist es denn nicht denkbar, dass ein grammatisches System in der Wirk-
lichkeit zwei (oder mehr) Anwendungen hat?
     Ja, aber wenn wir das überhaupt sagen können, so müssen wir die beiden

37
Anwendungen auch durch eine Beschreibung unterscheiden können.





     

     Mißverstandnis Unverständnis.
     Dies Erklärg der Bedeutg ˇimmer nur eine Andeutg.


38



     
10
“Die Bedeutung eines Zeichens ist durch seine Wirkung (die Assoziationen,
die es auslöst, etc.) gegeben.”
















     
     Und wenn ich nun sagen würde: “alles was geschieht, ist eben, dass ich
auf diese Gegenstände sehe und dann diese Worte gebrauche,” so wäre die Ant-
wort: “also besteht das Beschreiben in weiter nichts? und ist es immer ei-
ne Beschreibung, wenn Einer…?” Und darauf müsste ich sagen: “Nein.
Nur kann ich den Vorgang nicht anders, oder doch nicht mit einer andern
Multiplizität beschreiben, als, indem ich sage: ‘ich beschreibe, was ich
sehe’; und    darum   ist keine Erklärung mehr möglich, weil mein Satz
bereits die richtige Multiplizität hat.”



     
     In welchem Sinne sagt man, man kennt die Bedeutung des Wortes A, noch
ehe man den Befehl, in dem es vorkommt, befolgt hat? Und inwiefern kann
man sagen, man hat die Bedeutung durch die Befolgung des Befehls kennenge-
lernt? Können die beiden Bedeutungen miteinander in Widerspruch stehen?


     
     Ich wünsche ˇmir, einen Apfel zu be[j|k]ommen. In welchem Sinne kann ich sagen,
dass ich noch vor der Erfüllung des Wunsches die Bedeutung des Wortes “Ap-
fel” kenne? Wie äusser[¿s¿|t] sich denn die Kenntnis der Bedeutung? d.h., was
versteht man denn unter ihr.
     Offenbar wird das Verständnis des Wortes durch eine Worterklärung gege-


40
ben, welche nicht die Erfüllung des Wunsches ist.



     
     Die Bedeutung ist eine Festsetzung, nicht Erfahrung. Und damit nicht
Kausalität. Was das Zeichen suggeriert, findet man durch Erfahrung. Es ist
die Erfahrung, die uns lehrt, welche Zeichen am seltensten missverstanden
werden. Das Zeichen, soweit es suggeriert, also soweit es wirkt, interes-
siert uns nicht. Es interessiert uns nur als Zug in einem Spiel: Glied in
einem System, das selbständig ist. // Glied in einem System; das seine Be-
deutung in sich selbst hat.// Glied in einem System, das selbstbedeutend
ist; das seine Bedeutung in sich selbst hat.//






     
     Die Verwendung eines Plans einer Landkarte, daß wir uns in irgend einer Weise nach ihm ihr richten, ist eine Uebersetzung in unsere Handlungen.
Eine Uebertragung in unsere Handlungen. Daß wir ihr Bild in unsere Handlungen übertragen.
Es ist klar, dass da kausale Zu-
sammenhänge gesehen werden, aber es/wäre komisch, die als das Wesen eines
Planes auszugeben. // aber würde man sagen, sie sind es die den Plan zum Plan machen? // Es ist klar daß hier kausale Zusammenhänge
stattfinden; aber würden wir sagen …?



     

     Der Sinn der Sprache ist nicht durch ihren Zweck ihre Wirkung bestimmt. Oder: Was
man den Sinn, die Bedeutung, in der Sprache nennt, ist nicht ihre Zweck Wirkung.

ˇ Damit meinte ich, ursprünglich daß, was wir Sinn eines Satzes
nennen & durch eine sprachliche Erklärung erklärt
wird, nichts mit dem zu tun hat, was diese Wirkung
beabsichtigte Wirkung der Sprache hervorrufen hilft.



     
     Es ist wirklich “the meaning of meaning” was wir untersuchen: Nämlich
// [o|O]der // die Grammatik des Wortes “Bedeutung”.


42



     
11
Bedeutung als Gefühl, hinter dem Wort stehend; durch eine Geste ausgedrückt.






     
Anderseits sagt man: ich verstehe diese Geste, wie:
ich verstehe dieses Thema, es sagt mir etwas & das
heißt hier: ˇich erlebe es es greift in mich ein. Ich folge ihm
mit bestimmtem Erlebnis.




     
     Das “Nicht” macht eine abwehrende // verneinende// Geste.
     Nein, es    ist   eine abwehrende Geste.
     “Das Verstehen der Verneinung ist dasselbe, wie das Verstehen einer ab-
wehrenden Geste.”


     
Den Kopf schütteln

Verstehen des Wortes “nicht” im Sinne von “wissen wie
es gebraucht wird” & dagegen das Verstehen einer
Geste, der Eindruck den mir die Geste macht.




     
[Wo anders besser]
     Die Geste des Wortes “vielleicht” des Wortes “bitte” & “danke” als
Erklärung der Bedeutung dieser Wörter.


43



     
12
Man tritt mit der hinweisenden Erklärung der Zeichen nicht aus der Sprach-
lehre heraus.








     
     Zur Grammatik gehört nur das nicht, was die Wahrheit und Falschheit eines
Satzes
ausmacht. Nur darum kümmert sich die Grammatik nicht. Zu ihr gehören
alle Bedingungen des Vergleichs des Satzes mit der Wirklichkeit // mit den
Tatsachen //. Das heisst, alle Bedingungen des Verständnisses. (Alle Bedin-
gungen
des Sinnes.)



     
Die Anwendung der Sprache geht über diese hinaus, aber nicht die Deutung
der Schrift- und oder Lautzeichen. Die Deutung vollzieht sich noch im Allge-
meinen, als Vorbereitung auf jede Anwendung. Die Deutung der Schrift & Lautzeichen durch hinweisende
Erklärungen gehört nicht in die Anwendung ist nicht Anwendung … der Spra-
che sondern zu ihrer Grammatik ist ein Teil der
Sprachlehre . Die Deutung vollzieht sich … Anwendung.
Sie geht in der    Sprach-
lehre
   vor sich und nicht im Gebrauch der Sprache.



     
     Ist nicht der Grund, warum wir Der Grund, warum wir … glauben, mit der hinweisende Erklärung

44
das Gebiet der Sprache, des Zeichensystems, zu verlassen, dass wir dieses
Heraustreten aus den    Schriftzeichen   mit einer Anwendung der
Sprache, etwa ˇmit einer Beschreibung dessen, was ich sehe // wir sehen //,
verwechseln.


     
[Zu § 13]

     Man könnte fragen wollen: Ist es denn aber ein Zufall, dass ich zur Er-
klärung vomn Zeichen, also zur Ver[f|v]ollständigung des Zeichensystems aus demn
Schrift- oder Lautzeichen heraustreten muss? Trete ich damit nicht eben in das Gebiet, in dem // worin// sich dann das zu Beschreibende // das Beschriebene// absp[¿e¿|i]elt? Aber dann ist // erscheint // es seltsam, Aber ist es nicht seltsam, … dass ich ˇdann
überhaupt mit dem Schriftzeichen etwas anfangen kann.? — Man fasst es etwa
so auf, dass sagt etwa, daß … die Schriftzeichen bloss die Vertreter jener Dinge sind, auf
die man zeigt. — Aber wie seltsam, dass so eine Vertretung möglich ist.
Und es wäre nun das Wichtigste, zu verstehen, wie denn Schriftzeichen die
andern Dinge vertreten    können  .
     Welche Eigenschaft müssen sie haben, die sie zu dieser [B|V]ertretung befä-
higt. Denn ich kann nicht sagen: statt Milch trinke ich Wasser und esse
statt Brot Holz, indem ich das Wasser die Milch und Holz das Brot vertre-
ten lasse. (Erinnert an Frege.)


     
     Ich kann nun freilich doch sagen, dass das Definiendum das Definiens
vertr[¿e¿|i]tt; und hier steht dieses hinter jenem, wie die Wählerschaft hinter
ihrem Vertreter. Und in diesem Sinne kann</>man auch sagen, dass das in der
hinweisenden Definition erklärte Zeichen den Hinweis vertreten kann, da
man ja diesen wirklich in einer Gebärdensprache für jenes setzen könnte.
Aber doch handelt es sich hier um eine Vertretung im Sinne einer Defini-
tion, denn die Gebärdensprache ˇist // bleibt // eine Sprache.
     Ich möchte sagen: Von einem Befehl in der Gebärdensprache zu seiner
Befolgung ist es ebenso weit, wie von diesem Befehl in der Wortsprache.
     Denn auch die hinweisenden Erklärungen müssen ein für allemal gegeben
werden.

45
werden.
     D.h., auch sie gehören zu dem Grundstock von Erklärungen, die den Kal-
kül vorbereiten, und nicht zu seiner Anwendung ad hoc.


46



     
13

           “Primäre und sekundäre Zeichen”.
           Wort und Muster.
           Hinweisende Definition.








     
Man kann nun sagen: ein [R|r]otes Täfelchen ist das ein primäres
Zeichen für rot, das ein Wortch “rot” ein sekundäres, weil
ich ich es die Bedeutung des Wortes “rouge” “rot” erklärt
wenn ich auf ein ˇrotes Täfelchen zeige etc. dagegen
nicht, wenn ich sage “rot” heiße soviel wie “rouge”.
Aber ist dies unter allen Umständen so? Muß immer
ein roter Gegenstand oder ein rotes Vorstellungs-
bild gegenwärtig sein, wenn ich das Wort rot
verstehen soll? Denke an den Befehl “stelle
Dir einen roten Fleck auf blauem Grund vor”.
     Und wie ist es mit anderen Wortarten Bindewörtern
Propositionen etc.?





     
     Nicht die Farbe Rot tritt an Stelle des Wortes “rot”, sondern die Ge-
bärde, die auf einen roten Gegenstand hinweist, oder das rote Täfelchen.






     
Denken wir auch an den Fall, wenn wir
sagen: “Ja, wenn das Wort das bedeutet,
(bedeuten soll), ist der Satz wahr.”


     
Besser auslassen!
[Zu: Begriff der Mischfarbe] S. 473 § 100]

     Es ist die Frage: Wenn sich die Regel, das Muster stehe für die Komple-
mentärfarbe, ihrem Wesen nach nur auf die Farben (oder Wörter) blau, rot,
grün, gelb bezieht, ist sie dann nicht identisch mit der, welche das grüne
Zeichen als Wort für “rot”, und umgekehrt, etc. festsetzt? Denn eine Regel
// Allgemeinheit//, die ihrem logischen Wesen nach einem logischen Produkt
äquivalent ist, ist nichts anderes, als dieses logische Produkt. (Denn man
kann nicht sagen: hier ist das grüne Zeichen; nun hole mir ein Ding von der
komplementären Farbe,    welche immer das sein mag  . D.h.,
“die komplimentäre Farbe von rot” ist keine Beschreibung von grün; wie “das
Produkt von 2 und 2” keine Beschreibung von 4<.>) Die Bestimmung, die Komplemen-

52
tärfarbe zu nehmen, als Bedeutung des Täfelchens zu nehmen, ist dann wie
ein Querstrich in einer Tabelle; ein Querstrich in der Grammatik der Far-
ben
     
gezogen. Es ist klar, dass ich mit Hilfe einer solchen
Regel eine Tabelle herstellen // konstruieren// kann, ohne
noch aus der Grammatik herauszutreten, also von vor jeder An-
wendung der Sprache. Anders wäre es, wenn die Regel (R) hiesse: das Täfel-
chen bedeutet immer einen etwas dunkleren Farbton, als sein eigener // der
seine// ist. Man muss nur wieder auf den verschiedenen Sinn der Farb- und
der Gestaltprojektion achten (und bei der letzteren wieder auf den Unter-
schied der Abbildung nach visuellen Kriterien von und der Uebertragung mit Mess-
instrumenten). Das kopieren nach der Regel R ist ‘kopieren’ in einem andern
Sinne als dem, in welchem das Hervorbringen des gleichen Farbtons so genannt
wird. Es handelt sich also nicht um zwei Projektionsmethoden, vergleichbar
etwa der Parallel- und der Zentralprojektion, durch die ich eine geometri-
sche Figur mit Zirkel und Lineal in eine andere projizieren kann. (Die Me-
trik der Farbtöne.)
     Wenn ich das berücksichtige, so kann ich also in dem veränderten Sinn
des Wortes “Muster” (der dem veränderten Sinn des Worts “kopieren” ent-
spricht), das hellere Täfelchen zum Muster des dunkleren Gegenstandes neh-
men.



     
     ?—Vergiss hier auch nicht, dass die Wortsprache nur    eine   unter vielen
möglichen Sprachen ist—? und es Uebergänge von ihr in die andern gibt. Unter-
suche die Landkarte darauf auf das hin, was in ihr dem Ausdruck der Wortsprache ent-
spricht.




     
     Regeln der Grammatik, die eine “Verbindung zwischen Sprache und Wirklich-
keit” herstellen, und solche, die es nicht tun. Von der ersten Art etwa:
“diese Farbe nenne ich ‘rot’ ”, — von der zweiten: “non-non-p = p”. Aber über diesen Unterschied besteht ein Irrtum: der Unterschied scheint prinzi-
pieller Art zu sein; und die Sprache wesentlich etwas, dem eine Struktur ge-
geben, und was das dann der Wirklichkeit aufgepasst wird.


     
     “Ich will nicht verlangen, dass in der erklärenden Tabelle das rote Tä-
felchen, horizontal gegenüber dem Wort ‘rot’ stehen soll, aber irgend ein
Gesetz des Lesens der Tabelle muss es doch geben. Denn sonst verliert ja die
Tabelle ihren Sinn”. Ist es aber gesetzlos, wenn die Tabelle so aufgefasst
wird, wie die Pfeile andeuten?
“Aber muss dann nicht eben das
Schema der Pfeile vorher gegeben werden?” Nur, sofern auch das
Schema


55




     

      Ich bestimme die Bedeutung eines Worts, indem ich es als Name eines Ge-
genstandes erkläre, und auch, indem ich es als gleichbedeutend mit einem an-
dern Wort erkläre. Aber habe ich denn nicht gesagt, man könne ein Zeichen
nur durch ein anderes Zeichen erklären?
Und das ist gewiss so, sofern ja die

56
hinweisende Erklärung “das (Pfeil) ist N” ein Zeichen ist. Aber ferner
bildet hier auch der Träger von “N”, auf den gezeigt wird, einen Teil des
Zeichens. Denn:
/dieser (Pfeil) hat es getan/ = /N hat es getan/
.
Dann heisst aber ‘N’ der Name von diesem Menschen, nicht vom Zeichen “die-
ser (Pfeil)”, von dem ein Teil auch dieser Mensch ist. Und zwar spielt der
Träger in dem Zeichen eine ganz besondere Rolle, verschieden von der eines
andern Teiles eines Zeichens. (Eine Rolle, nicht ganz ungleich der des Mu-
sters.)



     
     Die hinweisende Erklärung eines Namens ist nicht nur äusserlich ver-
schieden von einer Definition wie “1 + 1 = 2”, indem etwa das eine Zeichen
aus in einer Geste meiner Hand, statt in einem Laut- oder Schriftzeichen be-
steht, sondern sie unterscheidet sich von dieser logisch; wie die Defini-
tion, die das Wort dem Muster beigesellt, von der eines Wortes durch ein
Wort. Es wird von ihr in andrer Weise Gebrauch gemacht.
     Wenn ich also einen Namen hinweisend definiere und einen zweiten durch
ihn // den ersten//, so steht dieser zu jenem in anderem Verhältnis //ist
dieser zu jenem in anderer Beziehung//, als zum Zeichen, das in der hin-
weisenden Definition gegeben würde. D.h., dieses letztere ist seinem Ge-
brauch nach wesentlich von dem Namen verschieden und daher die Verbaldefi-
nition und die hinweisende Definition, ‘Definitionen’ im verschiedenen Sin-
ne des Worts.



     
     Der Begriff vom sekundären Zeichen ist doch dieser: Sekundär ist ein
Zeichen dann, wenn, um mich nach ihm zu richten, ich eine Tabelle brauche,
die es mit einem andern (primären) Zeichen verbindet, über welches ich mich
erst nach dem sekundären richten kann.
      “Primär, das Zeichen, welches allein genügt hätte
wenn es nicht zu unbequem wäre es immer
mitzuführen”.

     Die Tabelle garantiert mir die Gleichheit aller Uebergänge nicht, denn
sie zwingt mich ja nicht, sie immerg gleich zu gebrauchen. Sie ist da wie
ein Feld, durch das Wege führen, aber ich kann ja auch querfeldein gehen.
     Ich mache den Uebergang in der Tabelle bei jeder Anwendung von Neuem. Er
ist nicht, quasi, ein für allemal in der Tabelle gemacht. (Die Tabelle
   verleitet   mich höchstens, ihn zu machen.)

     Wie ist es aber, wo keine Tabelle gebraucht
wird wie ˇz.B. im Fall der gesprochenen &
geschriebenen Buchstaben?
      Das [l|L]autes Lesen & anderseits Abschreiben
eines geschriebenen Satzes.




     
14
Das, was    uns   die Philosophie am Zeichen interessiert[;|,] die Bedeutung, die für    uns   sie
massgebend ist, ist das, was in der Grammatik des Zeichens niedergelegt ist.







⋎ S. 40/3



     

      Man könnte in gewissem Sinne sagen, daß es uns
auf Nuancen nicht ankommt.




     
[Zu den Bemerkungen über die Mengenlehre]

     Wenn ich sage, dass ein Satz, der Mengenlehre etwa, in Ordnung ist, aber
eine neue Interpretation erhalten muss, so heisst das nur, dass dieser Teil
der Mengenlehre bleibt in sich unangetastet, muss aber in eine andere gram-
matische Umgebung gerückt werden.

59





     
   Satz  .

   Sinn des Satzes  .






















60



     
15
‘Satz’ und ‘Sprache’ verschwimmende Begriffe.








     
     Oder wir müssen sagen: Vom Satzbegriff // Satz// kann nur in einem // in-
nerhalb eines // grammatischen Systems gesprochen werden. //… kann nur in
der Erklärung eines grammatischen Systems die Rede sein.//



     
     Nun möchte man aber sagen: “Satz ist alles, womit ich etwas meine”. Und

61
gefragt “was heisst das, ‘etwas’ meinen”, müsste würde ich Beispiele anführen.
Nun haben diese Beispiele zwar ihren Bereich, auf den sie ausgedehnt wer-
den können, aber    weiter   führen sie mich doch nicht. Wie ich ja in
der Logik nicht ins Blaue verallgemeinern kann. Hier handelt es sich aber
nicht um Typen, sondern darum, dass die Verallgemeinerung selbst etwas be-
stimmtes ist; nämlich ein Zeichen mit vorausbestimmten grammatischen Re-
geln. D.h., dass die Unbestimmtheit der Allgemeinheit keine logische Unbe-
stimmtheit ist. So als hätten wir nun nicht nur Freiheit im logischen Raum,
sondern auch Freiheit, diesen Raum zu erweitern, oder zu verändern.
     Also nicht nur Bewegungsfreiheit, sondern eine Unbestimmtheit der Geo-
metrie.








     
     Ich kenne einen Satz, wenn ich ihn sehe.




     

     Das Wort “Satz” und das Wort “Erfahrung” haben schon eine bestimmte Gram-
matik.


     

     Das heisst, ihre Grammatik muss im Vorhinein bestimmt sein und hängt
nicht von irgend einem künftigen Ereignis ab.


     

     Hier ist auch der Unsinn in der “experimentellen Theorie der Bedeutung”


63
ausgesprochen. Denn die Bedeutung ist in der Grammatik festgelegt.


     

     Wie verhält sich die Grammatik des Wortes “Satz” zur Grammatik der Sät-
ze?


     

     “Satz” ist offenbar die Ueberschrift der Grammatik der Sätze. In einem
Sinne aber auch die Ueberschrift der Grammatik überhaupt, also äquivalent den Worten “Grammatik” und “Sprache”.




     

     Aber es ist doch lächerlich, die Welt, oder/die Wirklichkeit, abgrenzen zu
wollen. Wem soll man sie denn entgegenstellen. Und so ist es mit der Bedeu-
tung des Wortes
“Tatsache”.
     Aber man gebraucht ja diese Wörter auch nicht als Begriffswörter.







     
     Wir haben es natürlich wieder mit einer falschen Analogie zu tun: Es
hat guten Sinn zu sagen “ich weiss, dass er in diesem Zimmer ist, weil ich
ihn höre, wenn ich auch nicht hineingehen und ihn sehen kann”.


     

     “Satz” ist so allgemein wie z.B. auch “Ereignis”. Wie kann man “ein Er-
eignis” von dem abgrenzen, was kein Ereignis ist?
     Ebenso allgemein ist aber auch “Experiment”, das vielleicht auf den er-
sten Blick spezieller zu sein scheint.



     

     Rechtmässiger Gebrauch des Wortes ‘Sprache’: Es bedeutet entweder die Er-
fahrungstatsache, dass Menschen reden (auf gleicher Stufe mit der, dass



65
Hunde bellen), oder es bedeutet: festgesetztes System der Verständigung
// festgesetztes System von Wörtern und grammatischen Regeln// in den
Ausdrücken “die englische Sprache”, “deutsche Sprache”, “Sprache der Neger” etc..
‘Sprache’ als logischer Begriff könnte nur mit ‘Satz’ äquiva-
lent, und dann eine die Ueberschrift eines Teiles der Grammatik sein.






     

     Eine Sprache erfinden, heisst, eine Sprache konstruieren. Ihre Regeln
aufstellen. Ihre Grammatik verfassen.



     
     Was für das Wort “Sprache” gilt, muss auch für den Ausdruck “System von
Regeln” gelten. Also auch für das Wort “Kalkül”.


     
     Wie bin ich denn zum Begriff ‘Sprache’ gekommen? Doch nur durch die
Sprachen, die ich gelernt habe.
     Aber die haben mich in gewissem Sinne über sich hinausgeführt, denn ich
wäre jetzt im Stande, eine neue Sprache zu konstruieren, z.B. Wörter zu

66
erfinden. Also gehört diese Methode der Konstruktion noch zum Begriff der
Sprache. Aber nur, wenn ich ihn so festlege. Immer wieder hat mein “u.s.
w.” eine Grenze.


     

     Der Begriff: sich einander etwas mitteilen. Wenn ich z.B. sage: ‘Spra-
che’ werde ich jedes System von Zeichen nennen, das Menschen untereinan-
der vereinbaren, um sich miteinander zu verständigen, so könnte man hier
schon fragen: Und was schliesst Du unter dem Begriff ‘Zeichen’ ein?


     

     Was nenne ich “Handlung”, was “Sinneswahrnehmung”?




     

     Allgemeine Ausführungen über die Welt und die Sprache gibt es nicht.


     

     Aber warum zerbreche ich mir über den Begriff ‘Sprache’ den Kopf, statt
Sprache zu gebrauchen?!
     Dieses Kopfzerbrechen ist nur dann berechtigt, wenn wir einen allge-
meinen Begriff    haben  .


     
     Ich finde bei Plato auf eine Frage wie “was ist Erkenntnis” nicht die
vorläufige Antwort: Sehen wir einmal nach, wie dieses Wort gebraucht wird.
Sokrates weist es immer zurück, von Erkenntnissen statt von der Erkennt-
nis zu reden.


67





     

     Das Wort “Regel” muss in der Erklärung eines Spiels nicht gebraucht
werden (natürlich auch kein äquivalentes).



     
Wenn Frege sagt, mit unscharfen Begriffen
wisse die Logik nichts anzufangen so ist
das insofern eine die Wahrheit // wahr //, als gerade
die Schärfe der Begriffe zur Methode der Logik
gehört. Das ist es was der Ausdruck, die
Logik sei normativ, bezeichnen kann.




     
Wenn wir sagen “der Boden war ganz mit Pflanzen
bedeckt” so meinen wir gewöhnlich nicht
Bakterien (D.h. wir würden diese Deutung wenn
sie vorgeschlagen würde, ablehnen)
Wir würden, müßten wir bestimmte Grenzen
ziehen, in den verschiedenen Fällen
wenn wir das Wort im gewöhnlichen
Leben gebrauchen verschiedene Gren-
zen ziehen. Und manchmal mußten
wir auch Grenzen andeuten.




     

     “Ein großes Stück Kuchen”, “ein großer Kirchturm”, “ein
großer Hund”


     

     Die Logik zieht ihrem Wesen nach Grenzen
aber in der Sprache die wir sprechen sind solche
Grenzen nicht gezogen. Das heißt aber nicht daß
nun die Logik die Sprache falsch darstellt, oder
eine ideale Sprache. Sie portraitiert die Farbige
verschwommene Wirklichkeit als Federzeichnung
das ist ihre Aufgabe.



     
     (Sokrates stellt die Frage, was Erkenntnis sei und ist nicht mit der
Aufzählung von Erkenntnissen zufrieden. Wir aber kümmern uns nicht viel
um diesen allgemeinen Begriff und sind froh, wenn wir Schuhmacherei, Geo-
metrie etc. verstehen.)





     
16
Die Logik redet von Sätzen und Wörtern im gewöhnlichen Sinn, nicht von
Sätzen und Wörtern in irgend einem abstrakten Sinn.













     

     Die Philosophie hat es mit den bestehenden Sprachen zu tun und nicht
vorzugeben, dass sie von einer abstrakten Sprache handeln müsse.











     
17
Satz und Satzklang.








     

     Was ist ein Satz? — Vor allem gibt es in unseren
Sprachen einen Satzklang. (Daher Unsinngedichte
wie die Lewis Caroll's) Daher reden wir von Unsinng
Und was wir oft Unsinn nennen ist nicht eine
Beliebige






     
     /Denken wir uns, wir läsen die Sätze eines Buches verkehrt, die Worte
in umgekehrter Reihenfolge; könnten wir nicht dennoch den Satz verstehen?
Und klänge er jetzt nicht ganz unsatzmässig?/


75


     
Inwiefern ist das Verstehen — das augen-
blickliche Verstehen — des Satzes ein Krite-
rium dafür, daß der Satz Sinn hat?


76


     
Dies gibt ein herrliches Beispiel dafür,
was es heißt, einen Satz verstehen (meinen).



     
18
Was als Satz gelten soll, ist in der    Grammatik   bestimmt.






⋎ S. 75/1
⋎ Anfang des § 40 S. 171 & 170 v.
⋎ S. 114/3

     
Die Erklärung: Satz sei alles, was wahr
oder falsch sein könne “Satz ist alles… kann”
bestimmt den Begriff
des Satzes in einem bestimmten Sprachsystem
als das was in diesem System als Argu-
ment Argument einer Wahrheitsfunktion auftritt ist.

Und wenn wir von dem sprechen, was der
Satzform als solcher wesentlich ist so
meinen wir oft sind es manchmal die Wahrheitsfunktionen.
Wenn ich sagte die allgemeine Form des Satzes
sei “es verhält sich so & so” so war
eben das gemeint.


     
     Die Erklärung, : die man erhält, wenn man nach dem Wesen des Satzes
fragt:
Satz sei alles, was wahr oder falsch sein könne — ist nicht so ganz
unrichtig. Es ist die Form der Wahrheitsfunktion (in welcher Form der
Zeichengebung immer ausgedrückt), die das logische Wesen des Satzes aus-
macht.


     
     ‘p’ ist wahr = p. Man gebraucht das Wort “wahr” in Zusammenhängen wie
“was er sagt ist wahr”, das aber sagt dasselbe wie “er sagt ‘p’, und p
ist der Fall”.




     
     Wenn wir von dem sprechen, was der Satzform als solcher wesentlich ist,
so meinen wir die Wahrheitsfunktionenfunktion.


77

     
     Man kann natürlich auch nicht/sagen, ‘Satz’ sei dasjenige, wovon man
‘wahr’ und ‘falsch’ aussagen könne, in dem Sinn, als könnte man versuchen,
zu welchen Symbolen die Wörter ‘wahr’ und ‘falsch’ passten und danach ent-
scheiden, ob etwas ein Satz ist. Denn das würde nur dann etwas bestimmen,
wenn diese Worte in einer bestimmten Weise gemeint [i|s]ind, das aber können
sie nur im Zusammenhang sein. //…wenn diese Worte in einer bestimmten
Weise gemeint sind, d.h. bereits eine bestimmte Grammatik haben.// Und eben
im Zusammenhang mit einem Satz. Alles, was man machen kann, ist hier, wie
in allen diesen Fällen, das grammatische Spiel bestimmen, seine Regeln an-
geben und es dabei bewenden lassen.



     
[Zu: “Was ist ein Erfahrungssatz”]

     Man kann nicht sagen “dieser Struktur fehlt noch etwas, um ein Satz zu
sein”. Sondern es fehlt ihr etwas, um in    dieser   Sprache ein Satz zu
sein. Wie man sagen kann // Man kann sagen//: dem Zeichenausdruck “2+2 4”
fehlt etwas, um eine Gleichung zu sein.


     
     Den Russen, welche statt “er ist gut” sagen “er gut” geht nichts verlo-
ren, und sie denken sich auch kein Verbum dazu.








     
19
Die grammatischen Regeln bestimmen den Sinn des Satzes; und ob eine
Wortzusammenstellung Sinn hat oder nicht.







⋎ S. 75/1
⋎ S. 64/1, 2, 3

     
“Rot kann man nicht teilen” heißt also:
Erinnere Dich daran daß Du in dem Spiel
zu welchem dieser Satz seiner Form nach
zu gehören scheint nichts anfangen
kannst anzufangen weißt.


     

     Wie mach ich's denn, etwas mit ihm meinen? Ich stelle mir wohl
etwas ˇbei meinen Worten vor, will etwas damit mit ihnen, treibe etwas damit mit ihnen, kurz verwende
sie in einem Sprachspiel.
     Ich brauche das Wort zu einem Zweck & darum nicht unsinnig.







     


81




     
20
Der Sinn des Satzes, keine    Seele  .







⋎ S. 75/1
siehe §25 S. 93

     

     Der Sinn einer Längenangabe wird durch die
Beschreibung der Meßmethode erklärt; die
Wahrheit der Längenangabe

     
     Die Methode des Messens, z.B. des räumlichen Messens, verhält sich zu
einer bestimmten Messung genau so, wie der Sinn eines Satzes zu seiner
Wahr- oder Falschheit.




     
     Der Sinn (also) nicht    hinter   ihm (wie der psychische Vor-
gang der Vorstellung etc.).




     
     Man könnte auch so fragen: Ist der ganze Satz nur ein unartikuliertes
Zeichen, in dem ich erst nachträglich Aehnlichkeiten mit anderen Sätzen er-
kenne?
     Das wäre etwa so, wenn jeder Satz eine Droge // Medizin // mit bestimm-
ter Wirkung wäre und man käme erst nachträglich durch Analyse darauf, dass
zwei Medizinen gewisse Ingredientien mit einander gemein hätten. Wie Als wäre er eine Flüssigkeit deren chemi-
sche Analyse ˇuns erst gemeinsame Be-
standteile mit anderen Substanzen Flüssigkeiten
aufzeigt // erkennen läßt //.




     
21
Aehnlichkeit von Satz und Bild.







⋎ § 43 S. 189/1 & S 188v

⋎ S. 289/1,2, S. 217/1

     

     In welchem Sinne kann ich sagen, der Satz sei ein Bild? Wenn ich da-
rüber denke, möchte ich sagen: er muss ein Bild sein, damit er mir zeigen
kann, was ich tun soll, damit ich mich nach ihm richten kann. Aber, dann willst Du // also // bloss sagen, dass Du Dich nach dem Satz richtest
in demselben Sinne, in dem Du Dich nach einem Bild richtest.
Das Bild ist eine Beschreibung.


     

     Ist jedes Bild ein Satz? Und was heisst es, etwa zu sagen, dass jedes
als ein Satz gebraucht werden kann?


     

     Ich kann die Beschreibung des Gartens in ein gemaltes Bild, das Bild
in eine Beschreibung übersetzen.



     
     Das Denken ist ganz dem Zeichen von Bildern zu vergleichen.
     Man kann aber auch sagen: Das Denken ist (wesentlich) mit keinem Vor-
gang zu vergleichen und was wie ein Vergleichsobjekt scheint, ist in

84
Wirklichkeit ein Beispiel.


     
     Wenn ich den Satz mit einem Masstab verglichen habe, so habe ich,
strenggenommen, nur einen Satz, der mit Hilfe eines Masstabes die Länge
eines Gegenstands // eine Länge // aussagt beschreibt aussagt, als Beispiel
für alle Sätze herangezogen. // als Beispiel eines Satzes herangezogen.//

ch

     

     Wenn man die Sätze als Vorschriften auffasst, um Modelle zu bilden,
wird ihre Bildhaftigkeit noch deutlicher.


     

     Die Sprache muss von der Mannigfaltigkeit eines Stellwerks sein, das
die Handlungen veranlasst, die ihren Sätzen entsprechen.


     

     Die Uebereinstimmung von Satz und Wirklichkeit ist der Uebereinstimmung
zwischen Bild und Abgebildetem nur so weit ähnlich, wie der Uebereinstim-
mung zwischen einem Erinnerungsbild und dem gegenwärtigen Gegenstand.


     

     Der Satz ist der Tatsache so ähnlich wie das Zeichen ‘5’ dem Zeichen
‘3+2’. Und das gemalte Bild der Tatsache , wie ‘!!!!!’ dem Zeichen
‘!!+!!!’.


     

     Z.B. a, b, c, d bedeuten Bewegungen und zwar a= , b= , c= ,
d= . Also heisst z.B. bccbda der Linienzug
. Nun, ist der
Satz “bccbad da” nicht ähnlich jenem Linienzug? Offenbar ja, in gewisser
Weise. (Ist es nicht genau die Aehnlichkeit einer Photographie und des photographierten Gegenstandes?)


85


     
22
Sätze mit Genrebildern verglichen.

( Verwandt damit: Verstehen eines Bildes.)







⋎ S. 289

     
Die Beschreibung eines wirklichen Gegen-
standes verhält sich zu der Beschreibung
in einer Dichtung wie ein Portrait zu einem
Genrebild.




     
     Wenn ich ein Bild anschaue, so sagt es mir etwas, auch wenn ich keinen
Augenblick glaube (mir einbilde), die Menschen seien wirklich oder es ha-
be wirkliche Menschen gegeben, von denen dies ein verkleinertes Bild sei.
Es sagt mir etwas” kann aber hier nur heissen, es bringt eine bestimmte
Einstellung in mir hervor.”
     Denn wie, wenn ich fragte: “   was   sagt es mir denn?


     

     Meine Stellung gegen das Bild ist auch keine hypothetische, so dass ich
mir etwa sagte “wenn es solche Menschen gäbe, dann …”





     
23
Mit dem Satz scheint die Realität wesentlich übereinstimmen oder nicht
übereinstimmen zu können. Er scheint sie zu fordern, sich mit ihm zu
vergleichen.












     

     Man kann eine Lehne auf das Mass eines Körpers einstellen, vorberei-
ten. Dann liegt in dieser Einstellung zwar das eingestellte Mass, aber in
keiner Weise, dass ein bestimmter Körper es hat. Ja vor allem liegt darin
keine Annahme darüber, ob der Körper dieses Mass hat, oder nicht hat.


     
     Ich sagte, der Satz wäre wie ein Masstab an die Wirklichkeit angelegt:
Aber Und der Masstab ist, wie alle richtigen Gleichnisse des Satzes, ein be-
sonderer Fall eines Satzes. Und auch er bestimmt nichts, solange man
nicht mit ihm misst. Aber Messen ist Vergleichen (und muss heissen, Ueber-
setzen).




     

     Man könnte sagen, “die Erwartung ist kein Bild, sie bedient sich nur
eines Bildes<>. Ich erwarte etwa, dass meine Uhr jetzt auf 7 zeigen wird
und drücke dies durch ein Bild der Zeigerstellung aus. Dieses Bild kann
ich nun mit der wirklichen Stellung vergleichen; die Erwartung aber
nicht.




     
Der Befehl die Zahlen 1 bis 4 zu quadrieren.


     

     Ich könnte mein Problem so darstellen: Wenn ich untersuchen wollte, ob
die Krönung Napoleons so und so stattgefunden hat, so könnte ich mich da-
bei, als einer Urkunde, des Bildes bedienen, statt einer Beschreibung. Und
es frägt sich nun, ist die ganze Vergleichung der Urkunde mit der Wirk-
lichkeit von der Art, wie der Vergleich der Wirklichkeit mit dem Bild, oder gibt es dabei noch etwas Andres, von andrer Art?


     

     Aber womit soll man die Wirklichkeit vergleichen, (:) als mit dem Satz?
Und was soll man andres tun, (:) als sie mit ihm zu vergleichen?


     

     Wenn man das Beispiel von dem, durch Gebärden mitgeteilten Befehl be-
trachtet, möchte man einerseits immer sagen: Ja, dieses Beispiel ist eben
unvollkommen, die Gebärdensprache zu roh, darum kann sie den beabsichtig-
ten Sinn nicht vollständig ausdrücken” — aber tatsächlich ist sie so gut
wie jede denkbare andere, und erfüllt ihren Zweck so vollständig, wie es
überhaupt denkbar ist.
     (Es ist eine der wichtigsten Einsichten, dass es keine Verbesserung
der Logik gibt.)



     

      Angedeutet aber ist etwas nur insofern, als ein System nicht ausdrück-
lich, oder unvollkommen festgelegt ist.
Wir möchten sagen, es sei uns un-
vollkommen angedeutet oder, das Zeichen suggeriere nur undeutlich, was


90
wir zu tun hätten. Es sei etwa in dem Sinn undeutlich, wie eine Tafel mit
der Aufschrift “Links Gehen” deutlicher wird, wenn zugleich ein Pfeil die
Richtung zeigt. // Es sei etwa undeutlich in dem Sinn, in welchem wir der
Deutlichkeit halber Zeichen ausführlicher geben.//


     



     

     Eindeutig aber kann er nur werden, dadurch, dass in dem System von Be-
fehlen eine Unterscheidung gemacht wird, die, wenn sie fehlt, eben die
Zweideutigkeit hervorruft. (Wenn also das System die richtige Mannigfal-
tigkeit erhält.)


     
     Was, in der Logik, nicht nötig ist,    hilft   auch nicht. //… ist
auch nicht von Nutzen.//
     Was nicht nötig ist, ist überflüssig.




     

     “Der Satz sagt etwas” darauf ist die Erganzung
entweder die Frage “Was?” & ein andrer Satz —
oder es hieß man könnte dafür setzen “der
Satz sagt”
“sagt etwas” ist ˇgar keine Variable, heißt
nicht: sagt dies, oder jenes.

     

     Wir sagen auch: Der Befehl befielt
dies, & tun es; aber auch, “der Befehl
befiehlt dies: Du ich sollst das & das tun.
Wir übersetzen ihn einmal in einen andern Satz, einmal in
eine Demonstration, oder & einmal in die Tat.

Ja er befielt ja schon — möchte ich sagen — daß ich das
tun soll! Aber was ist denn das das? Ich werde von
der Form: “Er befielt das” hypnotisiert.



     
24
Das Symbol (der Gedanke), scheint als solches unbefriedigt zu sein.






⋎ S. 163/5

     

     Der Wunsch scheint schon zu wissen was ihn erfüllen
wird oder würde, der Satz der Gedanke was ihn wahr⋰macht auch
wenn es gar nicht da ist! Woher dieses Bestimmen,
dessen, was noch nicht da ist? — dieses despotische
Verlangen
Verfügen?
     Und woher diese [S|s]eltsame Sinnestauschung?
Wir sagen der Satz sagt etwas, der Wunsch wunscht der Befehl befiehlt etwas. Aber
wie verwenden benützen wir
denn diese Aussagen, wann benützen wir sie in welchem weitern Zusammenhang? Was ist es, was ein
Satz sagt, was setzen wir statt dem ‘etwas’ ein? Dieser
Satz sagt: daß … & nun folgt ein weiterer Satz Ausdruck.

     

     “Der Befehl befielt seine Befolgung”. Ja
also kennt er seine Befolgung schon
ehe sie da istch! — Aber der Satz ist ja nur
ein Grammatischer über die Worte “Befehl”
& “Befolgung”. Er sagt: Wenn ein Befehl
lautet “Tue das & das” dann
nennt man “das & das tun” die Befolgung
das Befolgen
d[es|ie]ses Befehls. Jener Satz ist von der
Art grammatikalischer Sätze wie: Der Hund
hat einen ‘Schwanz’ der Fuchs eine ‘Rute’ ‘Beine’ der
Hase ‘Läufe’.








     

      Man könnte auch so sagen: Dieser
Befehl befiehlt dies (& tut es). — Aber hat
er dies nicht schon früher befohlen? (Er
hat doch ˇfrüher nichts anderes befohlen!) Also
hat er diese Tat befohlen ehe es sie
noch gab. Inwiefern hat er aber früher
dies befohlen? — We Ist denn Befehlen eine
Tätigkeit, die er auch früher ausübte?
Und wie hat er sie ausgeübt? Er
Der Befehl befielt das & das enthält
ja die Zeit gar nicht sowenig wie 2 + 2 ist 4.
Ich habe auch früher dies gemeint
enthält wohl die Zeit. Aber was ist denn
hier das Kriterium dafür daß ich dies
meinte. Heißt es ich habe schon früher
den Dieb gehangen ehe ich ihn noch hatte.

Wie kann man meinen was noch nicht
geschehen ist. Worin bestand aber dies
meinen damals. Was nennen wir also
jetzt dies ˇwas wir jetzt tun gemeint zu haben? Worin besteht
die Identität: dasselbe jetzt tun, was
ich früher meinte. Worin besteht es:
dasselbe dieselbe Speise jetzt kochen, was zubereiten die ich später esse
Ja ich meine ja jetzt schon das was ich später
tue ausführe. Ja manchmalch meine ich jetzt dasselbe;
manchmal etwas anderes:! In welchem Falle
sagen wir das eine, in welchem Fälle das andere?
In welchem Falle sage ich daß ich etwas anderes
getan habe als ich meinte — & in welchem das
selbe.
Und wenn der Befehl nicht befolgt wird:
wo ist dann der Schatten der seiner Befolgung den
Du zu sehen meintest, weil Dir die Form
vorschwebte: Er befielt das & das.
Wie macht man es denn: etwas das & das zu befehlen?
Man sagt: man befielt: den Befehl
und auch man befielt: die Handlung
(die Befolgung
Man möchte sagen: ich befehle mehr
als die Worte & weniger als die Handlung.
Wir identifizieren den Satz “daß …”
mit der Handlung.
Er hat das getan was ich ihm befohlen
habe — Warum soll man hier nicht
von einer sagen es [h|s]ei eine Identitätch der
Handlungch & der Worte?! Wozu soll ich
mich einen Schatten zwischen die beiden stellen?
Wir haben ja eine Projektions-methode.
Nur ist es eine andere Identität:
Ich habe das getan was er getan hat & ich habe

getan das was er befohlen hat.


93



     
⋎ S. 17/5, 18/1,2, dazu erstes M.S. S. 139/3 = S. 89/4 & S. 90/4

     
25
Ein Satz ist ein Zeichen in einem System von Zeichen. Er ist eine Zeichen-
verbindung von mehreren möglichen und im Gegensatz zu den andern möglichen.

Gleichsam eine Zeigerstellung im Gegensatz zu andern möglichen.







siehe S. 196

Wort nur im Satzzusammenhang Bedeutg..
Satz Komplex.


siehe S. 82/2 auch §23 S. 87 ff

⋎ S. 63/6

     
Sprache die nur aus einem Signal besteht
das immer gegeben wird, wenn eine bestimmte
Handlung vollführt werden soll.
     Abrichten.



     
     Jeder Satz einer Sprache hat nur Sinn im Gegensatz zu anderen Wortzusam-
menstellungen derselben Sprache.



     
     Denken ist Pläne machen.
     Wenn Du Pläne machst, so machst Du    ein[¿n¿|e]n   Plan zum Unterschied von
// im Gegensatz zu // andern Plänen.


     
      im Gegensatz zu ist ein anderes Zeichen als im Gegensatz zu


94

     

     “Geh so      nicht so     ” hat nur Sinn, wenn es die Richtung ist, die
dem Pfeil hier wesentlich ist, und nicht, etwa nur die Länge.


     

     Man muss wissen, worauf im Zeichen man zu sehen hat. Etwa: auf welcher
Ziffer der Zeiger steht, nicht darauf, wie lange er ist.



     

     “Ich muss auf die Länge achten”. “ich muss auf die Richtung achten”, das
heisst schon: auf die Länge im Gegensatz zu anderen, etc..


     

     Wie soll ich mich nach der Uhr richten? Wie kann ich mich nach diesem
Bild    richten  ? (Wie nach jedem andern.)


     

     Es zeigt mir jemand zum ersten Mal eine Uhr und will, dass ich mich
nach ihr richte. Ich frage nun: worauf soll ich bei diesem Ding achten.
Und er sagt: auf die Stellung der Zeiger.


     

     Natürlich, das Zeichen eines Systems bezeichnet es nur im Gegensatz zu
anderen Systemen und setzt selbst ein System voraus. (Interne Relation,
die nur besteht, wenn ihre Glieder da sind.)

⋎ S. 3/1

95


     
26
Sich vorstellen können, <>wie es wäre,<> als Kriterium dafür, dass ein Satz
Sinn hat.















     

     Könnte ich durch eine Zeichnung darstellen, wie es ist, wenn es sich so
verhält, wenn es keinen Sinn hätte, zu sagen “es verhält sich so”?
     Zu sagen, “ich kann aufzeichnen wie es ist, wenn es sich so verhält” ist
hier eine grammatische Bestimmung über den betrachteten Satz (denn ich will
ja nicht sagen,    ich   könne es zeichnen, etwa weil ich zeichnen gelernt
habe u.s.w.). Wie wenn ich sagte: “ist das kein Spiel, da ich doch darin
gewinnen und verlieren kann?” — Nun, wenn das Dein Kriterium eines Spieles
ist, dann ist es ein Spiel.



     
27
“Logische Möglichkeit und Unmöglichkeit”. — Das Bild des ‘Könnens’ ultra-physisch angewandt. Aehnlich: “Das ausgeschlossene Dritte”.)








     
     Wenn man sagt, die Substanz ist unzerstörbar, so    meint   man, es
ist sinnlos, in irgend einem Zusammenhang — bejahend oder verneinend — von
dem “Zerstören einer Substanz” zu reden.




     
     Logische Möglichkeit und Sinn. Kann man fragen: “wie müssen die gramma-
tischen Regeln für die Wörter beschaffen sein, damit sie einem Satz Sinn geben”?


     
     Der Gebrauch des Satzes, das ist sein Sinn.


     
     Ich sage z.B. “auf diesem Tisch steht jetzt keine Vase, aber es könnte
eine da stehn; dagegen ist es sinnlos // unsinnig// zu sagen, der Raum
könnte vier Dimensionen haben.” Aber wenn der Satz dadurch sinnvoll wird,
dass er mit den grammatischen Regeln im Einklang ist, nun, so machen wir


99
eben die Regel, die den Satz, unser Raum habe vier Dimensionen, erlaubt.
Wohl, aber damit ist nun die Grammatik dieses Ausdrucks noch nicht festge-
legt. Nun müssen erst noch weitere Bestimmungen darüber gemacht // [¿v¿|g]etrof-
fen// werden, wie ein solcher Satz zu gebrauchen ist, wie er etwa verifi-
ziert wird.



     
28
Elementarsatz.










     

     Die Idee, Elementarsätze zu konstruieren (wie dies z.B. Carnap ver-
sucht hat), beruht auf einer falschen Auffassung der logischen Analyse.
Sie betrachtet das Das Problem dieser Analyse als das, ˇbesteht nicht darin ist nicht: es sei eine    Theorie  
der Elementarsätze zu findench. Als seien Prinzipien der Mechanik zu finden. Sie ¿lehtn¿ lehnt sich an das an, was, in der

101
Mechanik z.B., geschieht, wenn eine Anzahl von Grundgesetzen gefunden
wird, aus denen das ganze System von Sätzen hervorgeht.





     
Siehe Sinn & Grammatik

     
29
“Wie ist die Möglichkeit von p in der Tatsache, dass non-p der Fall ist,
enthalten?”

“Wie enthält z.B. der schmerzlose Zustand die Möglichkeit der Schmerzen?”











     
                ⌇ “Der ˇÜber den schmerzlosen Zustand ˇsinnvoll reden setzt die Fähigkeit voraus, Schmerzen zu fühlen und das kann keine “ physiologische
Fähigkeit Disposition sein, — denn wie wüsste man sonst, wozu es die Fähigkeit ist —
sondern eine logische Möglichkeit. — Ich beschreibe meinen gegenwärtigen
Zustand durch die Anspielung auf Etwas, was nicht der Fall ist. * * Diese Ans Das zu sagen ist irreführend, denn es ist klingt,
als sei es eine Anspielung auf einen nicht
Existierenden, während es eine Anspielung auf
einen Abwesenden ist. Aber auch das ist
irreführend.
Wenn diese
Hinweisung zu der Beschreibung nötig ist (und nicht bloss eine Verzierung),
so muss in meinem gegenwärtigen Zustand e[g|t]was liegen, was diese Erwähnung
(Hinweisung) nötig macht. Ich vergleiche diesen Zustand mit einem anderen,
also muss er mit ihm vergleichbar sein. Er muss auch im Schmerzraum liegen,
wenn auch an einer andern Stelle. — Sonst würde mein Satz etwa heissen, mein
gegenwärtiger Zustand hat mit einem schmerzhaften    nichts zu tun  ;
etwa, wie ich sagen würde, die Farbe dieser Rose hat mit der Eroberung Gal-
liens durch Cäsar nichts zu tun. D.h. es ist kein Zusammenhang vorhanden.
Aber ich meine gerade, dass zwischen meinem jetzigen Zustand und einem
schmerzhaften ein Zusammenhang besteht.” Ich    meine   nur, was ich sage.
     In wiefern ist aber Schmerzlosigkeit ein    Zustand  . Was nenne ich
einen “Zustand”? Vielleicht lehrreich. Sonst U.

103


     
     “Was wäre das für eine Frage: ¿¿Könnte denn Alles    nicht   der Fall
sein, und nichts der — Fall — sein’? Könnte man sich einen Zustand einer
Welt denken, in dem mit Wahrheit nur negative Sätze zu sagen wären? Ist
das nicht offenbar alles Unsinn? Gibt es denn wesentlich negative und posi-
tive Zustände?” Nun, es kommt darauf an, was man ‘Zustände’ nennt.
Die Anwendg. des Satzes ist nicht die, die eine solche Vorstellung
fordert. Immer wieder möchte man sich den Sinn eines Satzes,
also seine Anwendung Verwendung (seinen Nutzen) in dem einem Geisteszustand
des redenden konzentriert denken.
Man denkt nicht, daß
man mit ihm rechnet, operiert, ihn mit der Zeit durch dies oder jenes Bild ersetzt.
Sondern sein Sinn, d.i aber sein Zweck, soll in einer Art Bild liegen
die // soll in einem Zustand liegen// …

104

     
Wie weiß Einer daß er nicht taub ist wenn er kein Geräusch
hört & daß er nicht innerlich taub ist, wenn er
sich keins vorstellen kann.

     

     Ist absolute Stille zu verwechseln mit innerer Taubheit, ich meine der
Unbekanntheit mit dem Begriff des Tones? Wenn das der Fall wäre, so könnte
man den Mangel des Gehörssinnes nicht von dem Mangel eines andern Sinnes un-
terscheiden.
     Ist das aber nicht genau dieselbe Frage wie: Ist der Mann, der jetzt
nichts Rotes um sich sieht, in derselben Lage, wie der, der unfähig ist, rot
zu sehen?
     Man kann natürlich sagen: Der Eine kann sich rot doch vorstellen, aber
das vorgestellte Rot ist ja nicht dasselbe, wie das gesehene.


     Nun, worin äussert sich denn die Fähigkeit, rot zu sehen und worin die
Bekanntschaft mit dem Begriff des Tons?

gut darüber nachzudenken.
Man wird sagen: Er muß wissen
was “Ton” heißt. Aber was heißt
es das zu wissen? — Ich sage “ich weiß was “rot” heißt” — Jemand
fragt: “Bist Du sicher?” — Was würde ich da tun um mich davon
zu überzeugen?



     
     Wenn ich nur etwas Schwarzes sehe und sage, es ist nicht rot, wie weiss
ich, dass ich nicht Unsinn rede, d.h. dass es rot sein kann    kann  , dass
es Rot gibt? Wenn nicht rot eben ein anderer Teilstrich auf dem Masstab
ist, auf dem auch schwarze einer ist. Was ist der Unterschied zwischen
“das ist nicht rot” und “das ist nicht abracadabra”? Ich muss offenbar wis-
sen, dass “schwarz”, welches den tatsächlichen Zustand beschreibt (oder
beschreiben hilft) das ist, an dessen Stelle in der Beschreibung “rot”
steht. vielleicht lehrreich



     
     “Das Grau muss bereits im Raum von dunkler und heller vorgestellt sein,
wenn ich davon reden will, dass es dunkler [¿u¿|o]der heller werden kann.
ˇ D.h.: es kann zum Verständnis des Satzes gehören, daß man
etwas helleres oder & dunkleres vor sich sieht & etwa sagt man sagt dann ¿etwa¿:
“dieses Grau kann so oder auch so werden”.
vielleicht lehrreich      Man könnte also vielleicht auch sagen: Der Masstab muss schon angelegt

105
sein, ich kann ihn nicht — willkürlich — anlegen, ich kann nur einen Teil-
strich darauf hervorheben.

      Das kommt auf Folgendes hinaus: Wenn es um mich her vollkommen still ist,
so kann ich an diese Stille den Gehörsraum nicht willkürlich anbringen[,| (]auf-
bauen), oder nicht anbringen. D.h., es ist für mich entweder still im Gegen-
satz zu einem Laut, oder das Wort still hat keine Bedeutung für mich. D.h.
ich kann nicht    wählen   zwischen    innerem   Gehör und innerer
Taubheit.
     Und ebenso kann ich, wenn ich [g|G]rau sehe, nicht zwischen normalem innerem
Sehen, partieller oder vollkommener Farbenblindheit    wählen  .”




     
v.l.
      Sehen wir die Sache vom Standpunkt des gesunden Menschenverstandes an. Wir
sind versucht zu sagen; “ich habe jetzt in der Hand keine Schmerzen” heisst
nur etwas, wenn ich weiss, wie es ist, wenn man Schmerzen in der Hand hat.
Was heisst es, das zu wissen? Was ist unser Kriterium dafür, dass man es
weiss? Nun, ich würde sagen: “ich habe schon öfters Schmerzen gehabt”, “ich
habe öfters Schmerzen an dieser Stelle gehabt”, oder “ich habe zwar nicht
an    dieser   Stelle Schmerzen gehabt, aber an andern Stellen meines Kör-
pers”. Es könnte gefragt werden: worin besteht die Erinnerung an Deine ver-
gangenen Schmerzen? fühlst Du sie in einer Art schattenhafter Weise wieder?
Aber sei diese Erfahrung (des Sich-Erinnerns) wie immer, sie ist eine be-
stimmte
Erfahrung und ich nenne sie die Erinnerung “an Schmerzen, die ich
gehabt habe” und dies zeigt eben, wie ich das Wort “Schmerzen” und den Aus-

106
druck der Vergangenheit gebrauche.



     

     Non-p schliesst p aus; was es dann    zulässt  , hängt von der Natur,
d.h. der Grammatik, des p ab.
// “non-p” schliesst einfach p aus. Was dann    statt   p der Fall sein
kann, folgt aus dem Wesen des Ausgeschlossenen.//

⋎ S. 21 Anmerkung


     
30
“Wie kann das Wort ‘nicht’ verneinen?”
Das Wort “nicht” erscheint uns wie ein Anstoss zu einer kompl<i>zierten
Tätigkeit des Verneinens.








     
Verneinen, eine ‘geistige Tatigkeit’.
Verneine etwas & beobachte was Du
tust. Du schüttelst etwa innerlich
den Kopf. Nun und was hilft nützt das? weiter?
Ist das nützlicher als ein “ ~” vor einem Satz
schreiben?












     

      überlegen “Ich sage doch diese Worte nicht bloss, sondern ich meine auch etwas mit
ihnen”. Wenn ich z.B. sage “Du darfst nicht herein[i|k]ommen”, so ist es der
natürliche Akt, zur Begleitung dieser Worte, mich vor die Tür zu stellen
und sie zuzuhalten. Aber es wäre nicht so offenbar naturgemäss, wenn ich
sie ihm bei diesen Worten öffnen würde. Diese Worte haben, wie sie hier
verstanden werden, offenbar etwas mit jenem Akt zu tun.
     Der Akt ist sozusagen eine Illustration zu ihnen — müsste als Sprache
aufgefasst werden können. Andrerseits ist er aber auch der Akt, den ich
abgesehen von jedem Symbolismus aus meiner Natur tun will. tue.


     

     Wie ist es aber mit diesem Gedanken: Wenn “non-p” ein Bild sein soll,
wäre, was es bedeutet, nicht am besten dadurch darzustellen, dass das im
Zeichen    nicht   der Fall ist, wasˇ, wenn es der Fall wäre, darstellen würde, dass p der Fall
ist. Es ist aber klar, dass so ein Symbolismus nicht funktioniert.
      Es ist dafür keine Erklärung, zu sagen (was ich einmal sagte), ein sol-

110
cher negativer Symbolismus ginge schon,
      Wäre es da nicht am natürlichsten, wenn
es das Gegenteil von p durch das Gegenteil
des Zeichens von “p” darstellte. Man würde
dann, daß zwei Menschen nicht miteinander
kämpfen dadurch darstellen abbilden daß man sie
abbildete wie sie nicht miteinder kämpfe[n|nd]. abbildete. darst
Ich sagte einmal, ein solcher negativer
Symbolismus wäre schon möglich …
er sei nur darum nicht zu gebrau-
chen, weil man aus ihm nicht erfahren könne,    was   verneint sei. Dann
ist er eben kein Symbolismus der Negation, wenn er uns nicht das Nötige
mitteilt. [u|U]nd dann fehlt es ihm am Wesentlichen.
     Es hat ja seinen Grund, warum in gewissen Fällen der negative Symbolis-
mus funktioniert und z.B. keine Antwort auch eine Antwort ist. In diesen
Fällen ist eben der Sinn des Schweigens eindeutig bestimmt.





     

     “Ich brauche im negativen Satz das intakte Bild des positiven Satzes.”


     
     “Ich kann ein Bild davon zeichnen, wie Zwei miteinander fechten; aber
doch nicht davon, wie Zwei miteinander nicht fechten (d.h. nicht ein Bild,
das bloss dies darstellt).
     ‘Sie fechten nicht miteinander’ heisst nicht, dass davon nicht die Rede
ist, sondern, es    ist   eben davon die Rede und wird (nur?) ausgeschlossen”.





     
31
Ist die Zeit den Sätzen wesentlich?
Vergleich von: Zeit und Wahrheitsfunktionen.









     

     Landsch Tritt die Zeit in ein Landschaftsbild ein?
oder in ein Stilleben?
     Literatur die aus Landschaftsschilderungen
besteht.



     

     Die Grammatik, wenn sie in der Form eines Buches [a|u]ns vorläge, bestün-
de nicht aus einer Reihe bloss nebengeordneter Artikel, sondern würde
eine andere Struktur zeigen. Und in dieser müsste man — wenn ich Recht
habe — auch den Unterschied zwischen Phänomenologischem und Nicht-Phäno-
menologischem sehen. Es wäre da etwa ein Kapitel von den Farben, worin
der Gebrauch der Farbwörter geregelt wäre; aber dem vergleichbar wäre
nicht, was über die Wörter “nicht”, “oder”, etc. (die “logischen Konstan-
ten”) in der Grammatik gesagt würde.
     Es würde z.B. aus den Regeln hervorgehen, dass diese letzteren Wörter
in? jedem Satz anzuwenden seien (nicht aber die Farbwörter). Und dieses
“jedem” hätte nicht den Charakter einer erfahrungsmässigen Allgemein-
heit; sondern der inappellablen Allgemeinheit einer obersten Spielregel.
Es scheint mir ähnlich, wie das Schachspiel wohl ohne gewisse Figuren
zu spielen (oder doch fortzusetzen) ist, aber nie ohne das Schachbrett.
[Das ist nicht wahr, man könnte ganz gut mit einem Teil des Brettes
a¿us¿kommen.]





     

     Konnte man auch so fragen:
“Woher Wie kommt es daß man alle
Erfahrungstatsachen mit dem was
eine Uhr zeigt in Verbindung bringen
kann?”?




     

     Wie unterscheidet die Grammatik zwischen Satzform und Inhalt? Denn dies
soll ja ein grammatikalischer Unterschied sein. Wie sollte man ihn be-
schreiben können, wenn ihn die Grammatik nicht ezeigt?



     

     ?—Jene Zweifache Art der Allgemeinheit wäre so seltsam—?, wie wenn von zwei
Regeln eines Spiels, die beide gleich ausnahmslos gelten, die eine als die
fundamentalere angesprochen würde. Als könnte man also fragen // darüber
reden
//, ob der König oder das Schachbrett für das Schachspiel essentiel-
ler wäre. Welches von beiden das Wesentlichere, welches das Zufälligere
wäre.

115

     

     Zum mindesten scheint eine Frage berechtigt: Wenn ich die Grammatik
aufgeschrieben hätte und die verschiedenen Kapitel, über die Farbwörter,
etc. etc. der Reihe nach da ¿sün¿ stünden, wie Regeln über alle die Figuren
des Schachspiels, wie wüsste ich dann, dass dies nun    alle   Kapitel
sind? Und wenn sich nun in allen vorhandenen Kapiteln eine gemeinsame Ei-
gentümlichkeit findet, so haben wir es hier scheinbar mit einer logischen
Allgemeinheit, aber keiner wesentlichen, d.h. voraussehbaren Allgemein-
heit, zu tun. Man kann aber doch nicht sagen, dass die Tatsache, dass das Schachspiel mit 16 Figuren gespielt wird, ihm weniger wesentlich ist, als,
dass es auf dem Schachbrett gespielt wird.







     

     Ein Satz kann in sehr ver-
schiedenem Sinne die Zeit
enthalten.
      Ich habe Zahnschmerzen!
     Du tust mir weh!
     Es ist herrliches Wetter draußen.
     Der Inn fließt in die Donau.
     Wasser gefriert bei 0˚.
Ich verschreibe mich oft.
Vor einiger Zeit …
Ich hoffe er wird kommen.
Um 5 Uhr …
Diese Stahlsorte ist sehr gut.
Unsere Erde war einmal ein Gasball

117




     
32
Wesen der Hypothese.








     
     Eine Hypothese könnte man offenbar durch Bilder erklären. Ich meine,
man könnte z.B. die Hypothese “hier liegt ein Buch” durch Bilder erklären,
die das Buch im Grundriss, Aufriss und verschiedenen Schnitten zeigen.




     
     Eine Hypothese ist ein Gesetz zur Bildung von Sätzen.
     Man könnte auch sagen: Eine Hypothese ist ein Gesetz zur Bildung von Erwartungen.
     Ein Satz ist sozusagen ein Schnitt durch eine Hypothese in einem be-
stimmten Ort.


     
     Nach meinem Prinzip müssen die beiden Annahmen ihrem Sinne nach iden-
tisch sein, wenn alle    mögliche   Erfahrung, die die eine bestätigt,
auch die andere bestätigt. Wenn also keine Entscheidung zwischen durch die
Erfahrung denkbar ist.





     
     Wenn mir gesagt wird: “Sieh in dieses Fernrohr und zeichne mir auf, was
Du siehst”, so ist, was ich zeichne, der Ausdruck eines Satzes, nicht ei-
ner Hypothese.





     
     Es ist ein wesentlicher Unterschied zwischen Sätzen wie “das ist ein
Löwe”, “die Sonne ist grösser als die Erde”, die alle ein “dieses”, “jetzt”,
“hier” enthalten und also an die Realität unmittelbar anknüpfen, und Sät-
zen wie “Menschen haben zwei Hände” etc. Denn, wenn zu[a|f]ällig keine Menschen
in meiner Umgebung wären, wie wollte ich diesen Satz kontrollieren?



     
     Ist es nun nicht etwa so, dass    das  , was die Hypothese erklärt, selbst
nur wieder durch eine Hypothese ausdrückbar ist. Das heisst natürlich: gibt
es überhaupt primäre Sätze; die also endgültig verifizierbar sind, und
nicht die Fassetten einer Hypothese sind? (Das ist etwa, als würde man fra-
gen “gibt es Flächen, die nicht Oberflächen von Körpern sind?”)




     
     In dem, was den Satz mit der gegebenen Tatsache verbindet, ist nichts
Hypothetisches.


     
     Es ist doch klar, dass eine Hypothese von der Wirklichkeit — ich meine
von der unmittelbaren Erfahrung — einmal mit ja, einmal mit nein beantwor-
tet wird; (wobei freilich das “ja” und “nein” hier nur Bestätigung und Feh-
len der Bestätigung
ausdrückt) und dass man dieser Bejahung und Verneinung
Ausdruck verleihen kann.



     
     Ob der Körper, den ich sehe, eine Kugel ist, kann zweifelhaft sein, aber,
dass er von hier etwa eine [M|K]ugel zu sein scheint, kann nicht zweifelhaft
sein. — Der Mechanismus der Hypothese würde nicht funktionieren, wenn der
Schein noch zweifelhaft wäre; wenn also auch nicht eine Fassette der Hypo-
these unzweifelhaft verifiziert würde. Wenn es hier Zweifel gäbe, was könn-
te den Zweifel heben? Wenn auch diese Verbindung locker wäre, so gäbe es
auch nicht Bestätigung einer Hypothese, die Hypothese hinge dann gänzlich
in der Luft und wäre zwecklos (und damit sinnlos).





     
33
Wahrscheinlichkeit.











     
     Die Frage der Einfachheit der Darstellung durch eine bestimmte angenom-
mene Hypothese hängt, glaube ich, unmittelbar mit der Frage der Wahrschein-
lichkeit zusammen.






     
     Die Kausalität beruht auf einer beobachteten Gleichförmigkeit. Nun ist
zwar nicht gesagt, dass eine bisher beobachtete Gleichförmigkeit immer so
weiter gehen wird, aber, dass die Ereignisse bisher gleichförmig waren,
muss feststehen;    das   kann nicht wieder das unsichere Resultat einer em-
pirischen Reihe sein, die selbst <…> auch wieder nicht gegeben ist, sondern
von einer ebenso unsicheren abhängt, u.s.f. ad inf.


     
     Wenn Leute sagen, der Satz “es ist wahrscheinlich, dass p eintreffen
wird” sage etwas über das Ereignis p, so vergessen sie, dass es auch wahr-
scheinlich bleibt, wenn das Ereignis p    nicht   eintrifft.


     
     Wir sagen mit dem Satz “p wird wahrscheinlich eintreffen” zwar etwas
über die Zukunft, ˇaber nicht etwas “   über   das Ereignis p”, wie die gramma-
tische Form der Aussage uns glauben macht.


     
     Wenn ich nach dem Grund einer Behauptung frage, so ist die Antwort auf
diese Frage nicht für den Gefragten und eben    diese   Handlung (die Be-
hauptung), sondern    allgemein   gültig.















     
     
Von der Lichtquelle Q wird ein Lichtstrahl ausgesandt,
der die Scheibe AB trifft, dort einen Lichtpunkt er-
zeugt und dann die Scheibe AC trifft. Wir haben nun kei-
nen Grund zur Annahme, der Lichtpunkt auf AB werde
rechts von der Mitte M liegen, noch zur entgegengesetz-
ten; aber auch keinen Grund anzunehmen, der Lichtpunkt
auf AC werde auf    der   und nicht auf jener Seite von der Mitte m liegen.
// Wir haben nun keinen Grund, anzunehmen, dass der Lichtpunkt auf AB eher
auf der einen Seite der Mitte M, als auf der andern liegen wird; aber auch
keinen Grund, anzunehmen, der Lichtpunkt auf AC werde auf der einen und
nicht auf der andern Seite der Mitte m liegen. Das gibt also widerspre-
chende Wahrscheinlichkeiten. Wenn ich nun eine Annahme über den Grad der
Wahrscheinlichkeiten mache, dass der eine Lichtpunkt im Stück AM liegt, —
wie wird diese Annahme verifiziert. Wir denken meinen doch, durch einen Häufig-
keitsversuch. Angenommen nun, dieser bestätigt die Auffassung, dass die
Wahrscheinlichkeiten für das Stück AM und BM gleich sind (also für Am und
Cm verschieden), so ist sie damit als die richtige erkannt und erweist
sich also als eine physikalische Hypothese. Die geometrische Konstruktion
zeigt nur, dass die Gleichheit der Strecken AM und BM    kein   Grund zur
Annahme gleicher Wahrscheinlichkeit war.

133





     
34

                Der Begriff “ungefähr”.
                Problem des ‘Sandhaufens’.
















     
   Das augenblickliche Verstehn und die
Anwendung des Worts in der Zeit
  .






















143
2


     
35
Ein Wort    verstehen   = es anwenden    können  .
Eine Sprache    verstehen  : Einen Kalkül    beherrschen  .










     

     Seinen Inhalt hat der Satz als Glied des Kalküls.



     
     Die Bedeutung eines Worts verstehen, heisst, seinen Gebrauch kennen,
verstehen.





     
     Ist es nicht auch so beim Gebrauch des Wortes “Kugel”? Ich gebrauche
das Wort instinktiv. Aufgefordert aber, Rechenschaft darüber zu geben, ob
ich es verstehe, rufe ich mir, gleichsam zur Probe, gewisse Vorstellungen
hervor.
     (Es kann nicht darauf ankommen, ob die Sprache instinktiv oder halbin-
stinktiv gebraucht wird. Wir sind hier im Sumpf der graduellen Unterschie-
de, nicht auf dem festen Grund der Logik.) (Ist es nicht das Schachspiel, wenn
es automatisch gespielt wird?)



     
Zu §38 S. 165
     Wenn ich sage “sieh', dort ist eine Kugel”, oder “dort ist ein Kegel eine Halbkugel”,
so kann die Ansicht (ein Kreis) auf beides zu beidem passen, und wenn ich sage “ja,
ich sehe es sie”, so unterscheide ich doch zwischen den beiden Hypothesen. Wie
ich im Schachspiel zwischen einem Bauer und dem König unterscheide, auch

4
145
wenn der gegenwärtige Zug einer ist, den beide machen könnten, und wenn
selbst eine Königsfigur als Bauer fungierte.
     Das Wort “Kugel” ist mir    bekannt   und steht in mir für etwas;
d.h., es bringt mich in eine gewisse Stellung zu sich (wie ein Magnet ei-
ne Nadel in seine Richtung bringt).




     
Zu S. 99

     Etwas tun    können   hat ja eben jenen schattenhaften Charakter, das
heisst, es erscheint wie als ein Schatten des wirklichen tatsächlichen Tuns, gerade wie der
Sinn des Satzes als Schatten seiner Verifikation // als Schatten einer
Tatsache // erscheint; oder das Verständnis des Befehles als Schatten sei-
ner Ausführung. Der Befehl “wirft, gleichsam, seinen Schatten schon vor-
aus”, oder, im Befehl wirft die Tat ihren Schatten voraus”. — Dieser
Schatten aber,    was immer   er sein mag, ist, was er ist, und nicht
das Ereignis. Er ist in sich selbst abgeschlossen und weist nicht weiter
als er selbst reicht.


     
36
Wie begleitet das Verstehen des Satzes das Aussprechen oder Hören
des Satzes?








     

     Wann kann das Gefäß … enthalten?







     
     Ist das Verstehen nicht das Erfassen des Satzes, so kann es auch nach
diesem (und warum nicht auch vorher) vor sich gehen.





     
     Das Verstehen eines Satzes der Wortsprache ist dem Verstehen eines mu-
sikalischen Themas (oder Musikstückes) viel verwandter, als man glaubt. Und
zwar so, dass das Verstehen des sprachlichen Satzes näher als man denkt
dem liegt, was man gewöhnlich das Verständnis des musikalischen Ausdrucks
nennt. — Warum pfeife ich das gerade    so  ? warum bringe ˇwill ich den Wechsel
der Stärke und des Zeitmasses gerade auf dieses ganz bestimmte Ideal ˇbringen?
Ich möchte sagen: “weil ich weiss, was das alles heisst” — aber was heisst
es denn? — Ich wüsste es nicht zu sagen, ausser durch eine Uebersetzung in
einen Vorgang vom gleichen Ry Rhythmus.



8
149





     
37
Zeigt sich die Bedeutung eines Wortes in der Zeit? Wie der tatsächliche
Freiheitsgrad eines Mechanismus.
Enthüllt sich die Bedeutung des Worts erst nach und nach wie seine
Anwendung fortschr[¿i¿|e]itet?







gehört zu ‘Bedeutung’ §9

     

     Unterscheidung zwischen Regel & Erfahrungssatz. Wenn
ein Satz der Grammatik ein Naturgesetz der Anwendung des Wortes
wäre, so gäbe es grammatische Hypothesen; & wie ein Wort gebraucht
werden kann zeigt sich dadurch, wie es gebraucht wird.







     

     Das Bild des Mechanismus kann wohl ein Zeichen des
Freiheitsgrades sein. D.h. als Ausdruck dafür gebraucht werden,
welche Bewegungen er er etwas ausführen soll (meiner Meinung nach
ausführen wird, ausgeführt hat, etc.). Wenn ich aber sage
das Bild kann ein Zeichen des Freiheitsgrades sein, — was heißt
das? Was macht ein Bild zum Zeichen des Freiheitsgrades? Doch
nicht daß man ihm etwas anderes; quasi einen existierenden Freiheits-
grad zuordnet. Außer indem man zur Erklärung des Zeichens
auf einen Mechanismus zeigt & diesen gewisse Bewegungen aus-
führen läßt. Aber dann liegt darin keine pr Prophezeihung
über das Verhalten dieses Mechanismus. ¿Es s¿ Seine vorge-
führten Bewegungen waren vielmehr nur ein Zeichen, womit wir
ein anderes erklärten.

11
152




     
     Die allgemeine Regel erst enthüllt den [D|F]reiheitsgrad, die Beweglichkeit
des Mechanismus. Das Bild des Mechanismus in einer seiner Stellungen ent-
hält hievon nichts.



     
     Das Verständnis als eine    Disposition   der Seele, oder des
Gehirns, geht uns nichts an.


     
38
Begleitet eine Kenntnis der grammatischen Regeln den Ausdruck des Sat-
zes, wenn wir ihn — seine Worte — verstehn?








     
‘Gedanke ist einennennen wir etwas? Vorgang? der den
Satz begleitet’ aber auch den Satz
selbst im System der Sprache.
⋎ S. 144/4







     
     Das Schachspiel ist gewiss durch seine Regeln (sein Regelverzeichnis)
charakterisiert. Und wir sagen, daß Einer, der eine Partie
Schach spielt
und jetzt einen Zug macht, etwas anderes tut, als der, der nicht Schach
spielen kann (d.h. das Spiel nicht kennt) und nun eine Figur in die Hand
nimmt und sie zufällig der Regel gemäss bewegt. Anderseits ist es klar,
dass der Unterschied nicht darin bestehthen muß, dass der Erste in irgend einer
Form die Regeln des Schachspiels vor sich hersagt oder überdenkt. — Wenn
ich nun sage: “dass er Schach spielen kann, (wirklich Schach spielt, die
Absicht hat, Schach zu spielen) besteht darin, dass er die Regeln kennt”,
ist diese Kenntnis der Regeln in jedem Zuge in irgendeiner Form enthalten?
     Was heisst das: “er tut etwas anderes”? Hierin liegt schon die Verwen-
dung eines falschen irreführenden Bildes. Worin besteht der Unterschied? Man denkt da
wieder an Gehirnvorgänge.


     

      Wenn das Schachspiel durch seine Regeln definiert ist, so gehören diese
Regeln zur Grammatik des Wortes “Schach”. Das Schachspiel ist gewiß durch seine Regeln (sein Regel-
verzeichnis) charakterisiert. Wenn ich Schach ˇnur durch
seine Regeln definiere, so gehören diese Regeln zur
Grammatik des Wortes “Schach”.


13
154






     

     Ich glaube, jener Fehler liegt in der Idee, dass die Bedeutung eines
Wortes eine Vorstellung ist, die das Wort begleitet.
     Und diese Conception hat wieder mit der des Bewusst-Seins zu tun.
// Und diese Conception steht wieder … in Verbindung.// Dessen, was
ich immmer “das Primäre” nannte.



     
[Zu: S. 354

     Der Spieler, der die Intention hatte, Schach zu spielen, hatte sie schon
dadurch, dass er zu sich etwa die Worte sagte “jetzt wollen wir Schach
spielen”. Und etwa durch gewisse Gefühle die die Worte begleiteten.



14
155
spielen”.

      Ich will sagen, dass das Wort “Schach” eben auch (nur) ein Stein in
einem Kalkül Spiel ist ˇdas wir ˇfortlaufend spielen. Wird der Kalkül beschrieben, so müssen wir die Regeln
tabulieren // tabuliert vor uns haben//, wird er aber angewandt, so wird
jetzt gemäss der einen, dann gemäss der andern Regel vorgegangen, dabei
kann uns ihr Ausdruck vorschweben, oder auch nicht.






     
     Denn die Frage ist eben, ob unter der “Bedeutung, in der man ein Wort
gebraucht” ein Vorgang verstanden werden soll, den wir beim Sprechen oder
Hören des Wortes erleben.





     

     “Dieses Wort hat doch eine ganz bestimmte Bedeutung”. Wie ist sie denn
(ganz) bestimmt?





     
     Und so geht es in allen solchen Fällen. Wenn etwa jemand sagt: “aber
ich meine doch wirklich, dass der Andere Zahnschmerzen hat; nicht, dass er

16
157
sich bloss so benimmt”. Immer muss man antworten: “Gewiss” und zugeben,
dass auch wir diese Unterscheidung machen müssen. //dass diese Unterschei-
dung besteht.//


     

      “Jetzt

     “Jetzt sehe ich's erst, er zeigt immer auf die Leute, die dort vorüber-
gehen”. Er hat ein System verstanden: wie Einer, dem ich die Ziffern
1, 4, 9, 16 zeige und der sagt “ich versteh' jetzt das System, ich kann
jetzt selbst weiterschreiben”. Aber was ist diesem Menschen geschehen, als
er das System plötzlich verstand?




     

     Gewiss, der Vorgang des “jetzt versteh' ich …!” ist ein ganz spezi-

17
158
fischer, aber es    ist   eben auch ein ganz spezifischer Vorgang, wenn wir
auf einen bekannten Kalkül stossen, wenn wir “weiter wissen”.
     Aber dieses Weiter-Wissen ist eben auch    diskursiv   (nicht intui-
tiv
).





     
39
Die grammatischen Regeln — und die Bedeutung eines Wortes.
Ist die Bedeutung, wenn wir sie verstehen, ‘auf einmal’ erfasst: und in
den grammatischen Regeln gleichsam ausgebreitet?










     

     Wenn ich mich weigere ein Wort, z.B. das Wort ‘ist gleich’ in zwei Zu-
sammenhängen zu gebrauchen, so ist der Grund das, was wir mit den Worten
beschreiben “das Wort habe in den beiden Fällen verschiedene Bedeutung”.
//das Wort werde in diesen Fällen in verschiedenem Sinn gebraucht.//




     

     Aber so eine Beschreibung wäre doch — wie gesagt — ein Ersatz des Wor-
tes // für das Wort // ‘nicht’, etwa wie
und könnte die Grammatik
nicht ersetzen. (?)




     

     Dass wir dieses Wort dieser Regel gemäss gebrauchen, das dafür einsetzen
etc., damit dokumentieren wir, wie wir es meinen.


     

     “Wie ich einen Körper durch seine verschiedenen Ansichten geben kann
und er mit diesen äquivalent ist, so offenbart sich die Natur der Negation
in den verschiedenen, grammatisch erlaubten Anwendungen des Negationszei-
chens.”





     
If
     Das Wort ‘nicht’ in der grammatischen Regel hat keine Bedeutung, sonst
könnte    das   nicht von ihm ausgesagt werden.





     
     Heisst es etwas, zu sagen, dass drei    solche   Verneinungen eine Ver-
neinu[g|n]g ergeben. (Das erinnert immer an “drei solche Pferde können diesen Wa-
gen fortbewegen”.) Aber, wie gesagt, in jenem logischen Satz ist gar nicht
von der Verneinung die Rede (von der Verneinung handeln nur Sätze wie: es reg-
net nicht) sondern nur vom Wort ‘nicht’, und es ist eine Regel über die Er-
setzung eines Zeichens durch ein anderes.

22
163





     

     Nun kann ich doch aber sagen: “Ich sehe die Figur
3-dimensional”. Aber dieser Satz entspricht der Be-
schreibung einer Kiste. Er beschreibt einen bestimmten Würfel, nicht die
Würfelform. Freilich kann ich das Wort “Würfelform” definieren. D.h. Zei-
chen geben, durch die es ersetzt werden kann. darf.


     
Zu S. 91

     Man kann eine geometrische Figur nicht be[¿w¿|s]chreiben. Auch die Gleichung
beschreibt sie nicht, ?—sondern vertritt sie durch die Regeln, die von ihr
gelten—?.

23
164



     
Zu S. 91

     Und haben wir hier nicht das Wort “Figur” so angewendet // angewandt//,
wie in unseren Betrachtungen so oft das Wort “Gedanke” oder “Symbol”? Die
Art der Anwendung dieses Wortes, von welcher ich sagte, es bedeute dann kein
Phänomen, sondern sei quasi ein unvollständiges Zeichen //Symbol// und ent-
spreche eher einer Funktion.


     
     Man kann auch nicht sagen, die Würfelform habe die Eigenschaft, lauter
gleiche Seiten zu besitzen. Wohl aber hat ein Holzklotz diese Eigenschaft.
(Noch hat “die Eins die Eigenschaft, zu sich selbst addiert, zwei zu erge-
ben”.)




     
     In “non-p & (non-non-p = p)” kann der zweite Teil nur eine Spielregel
sein.


     
      Wenn Du weißt was ich mit einer halben Drehung meine
so wirst Du verstehen daß zwei halbe Drehungen einander
aufheben.
Es hat den Anschein, als könnte man aus der Bedeutung der Negation
   schliessen  , dass non-non-p, p heisst.




     
     Zu sagen, dass eine Vierteldrehung ein Quadrat mit sich selbst zur Deckung
bringt, heisst doch offenbar nichts andres als: Das Quadrat ist um ?
zwei zueinander senkrechte Achsen symmetrisch, und das wieder, dass es Sinn
hat, von zwei senkrechten Achsen zu reden, ob sie vorhanden sind oder nicht.
Dies ist ein Satz der Grammatik.



     

      Statt der Betrachtung der Negation, könnte ich auch die eines Pfeiles
setzen und z.B. sagen: wenn ich ihn zweimal um 180o drehe, zeigt er wieder,
wohin er jetzt zeigt: welcher Satz dem non-non-p = p entspricht. Wie ist
es nun hier mit der Darstellung des Wesens dieses Pfeils durch die Sprache?
Jener Satz muss doch unmittelbar von diesem Wesen abgeleitet // abgelesen //
sein und es also darstellen.

25
darstellen.
      Oder nehmen wir den Fall eines Quadrats und eines Rechtecks und die Sät-
ze, dass das Quadrat durch eine Vierteldrehung mit sich selbst zur Deckung
gebracht werden kann; das Rechteck aber erst durch eine halbe Drehung.






     

     Oder denken wir unsd diesen Fall: Wir hätten ganz vollkommen durchsichtige Glaswürfel, deren eine Seite
//Seitenfläche// rot gefärbt wäre. Wenn wir sie aneinander reihen, so w[r|i]rd werden
¿im¿ Raum nur (eine) ganz bestimmte Anordnungen roter Quadrate entstehen können, be-
dingt durch die Würfelform der Körper. Ich könnte nun die Regel, nach der

26
hier rote Qud Quadrate angeordnet sein können, auch ohne Erwähnung der Würfel
angeben geben, aber in ihr wäre doch bereits das Wesen der Würfelform präjudiziert.
Freilich nicht, dass wir es gläserne Würfel haben sind wohl aber die Geometrie des
Würfels.


     
     Wenn wir nun aber einen solchen Würfel    sehen  , sind    damit   wirk-
lich schon alle Gesetze der möglichen Zusammenstellung ge[b|g]eben?! Also die gan
ze
Geometrie[.|?]
     Kann ich die Geometrie des Würfels von einem Würfel ablesen?


     
     Der Würfel ist dann eine Notation der Regel.
     Und hätten wir eine solche Regel gefunden, so könnten wir sie wirklich
nicht besser notieren, als durch die Zeichnung eines Würfels (und dass es
hier eine Zeichnung tut, ist wieder ungemein wichtig // bedeutsam //).








     
Wesen der Sprache.























171














     
40
Lernen, Erklärung, der Sprache.
Kann man die Sprache durch die Erklärung gleichsam aufbauen, zum
Funktionieren bringen?








     
Überprüfe

Sagt denn “‘p’ ist wahr” etwas über
das Zeichen ‘p’ aus? Man sagt: “ja, es sagt
daß ‘p’ mit der Wirklichkeit überein-
stimmt”. Denken wir uns statt eines gewohnl Satzes
der Wortsprache ein nach einer exakten Projek-
tionsmethode gezeichnetes Bild der betreffen-
den Wirklichkeit. Hier muß es sich gewiß am
deutlichsten zeigen, was “‘p’ ist wahr” von dem
Bild ‘p’ aussagt. Man kann also den Satz
“‘p’ ist wahr” mit dem vergleichen: “Dieser Ge-
genstand hat zweimal die Länge dieses Maß-
ˇMeterstabes” & “p” dem Satz: “dieser Gegenstand
ist 1 m lang”. Aber der Vergleich ist falsch
denn “dieser Meterstab” ist eine Beschreibung
während weil “Meterstab” eine Begriffsbestimmung
ist. Dagegen tritt in “‘p’ ist wahr” der Maßstab
unmittelbar in den Satz ein.
‘p’ representiert
hier einfach die Länge & nicht den [m|M]eterstab Stab. Denn
p die projizierte Figur ist ja auch gar nicht
wahr außer nach einer bestimmten Projek-
tionsmethode die den MeterMaßstab zu einem rein-geometrischen Anhängsel der gemessenen Strecke
macht.




     
     Wenn ich also auch dem Schriftzug “p” den Namen A gebe und daher schrei-
be: “non-p = A ist falsch”, so hat das nur einen Sinn, d.h. die rechte Sei-
te kann nur verstanden werden, wenn A für uns als    Satzzeichen  
steht. Dann aber ist nichts gewonnen: zum mindesten keine    Erklärung  


172
des Mechanismus der Negation.


     
     Und dasselbe muss der Fall sein, wenn man erklärt, “(x).fx” sei wahr,
wenn f( ) für alle Substitutionen wahr ist. Jeder dieser beiden Sätze folgt aus dem anderen,
drum sind sie identisch.

Man muss auch dazu schon den lo-
gischen Mechanismus der Verallgemeinerung verstehen. Es ist (auch) nicht
so, dass man erst ahnungslos ist, und die Verallgemeinerung nun durch die
Erklärung erst zum Funktionieren gebracht wird. Wie wenn man in eine Ma-
schine ein Rad einsetzt und sie dann // nun// erst funktioniert (oder, die
Maschine erst in zwei getrennten Teilen da ist und sie nun erst durch das
Zusammensetzen als diese Maschine funktionieren).




     
     Die Erklärung einer Sprache (der Zeichen einer Sprache) führt uns nur
von einer Sprache in eine andere.

⋎ S. 2/3 & S 3/1

     
     Wie schaut die Erklärung eines Zeichens aus? Das müsste doch eine für
die Sprache ausserordentlich wichtige Form sein, sei dieser Behelf nun ein
Satz oder nicht.





     
[Zu S. 201]

     Man kann sich das Lernen einer Sprache in anderm Sinne aber analog dem
Fingerhutsuchen vorstellen, wo die gewünschte Bewegung durch “heiss, heiss”,
“kalt, kalt” herbeigeführt wird. Man könnte sich denken, dass der Lehrende
statt dieser Worte auf irgendeine Weise (etwa durch Mienen) angenehme und
unangenehme Empfindungen hervorruft, und der Lernende nun dazu gebracht
wird,    die   Bewegung auf den Befehl hin auszuführen, die regelmässig von
der angenehmen Empfindung begleitet wird (oder zu ihr führt). Abrichten




     
     Verbindung von Wort und Sache durch die Erklärung // das Lehren der
Sprache// hergestellt. Was ist das für eine Verbindung, welche Art? Was
für Arten von Verbindungen gibt es?
     Eine elektrische, mechanische, psychische Verbindung kann funktionieren
oder nicht funktionieren: Anwendung auf die Verbindung, die die Worterklä-
rung herstellt.


     
     Die Zuordnung von Gegenstand und Name ist keine andere, als die durch
die Worte “das ist…” oder eine Tabelle erzeugte etc.. Sie ist ein Teil
des Symbolismus. Es ist daher unrichtig, die Beziehung von // zwi-
schen// Name und Gegenstand sei eine psychologische.


     
     Das Wort ‘Teekanne’ hat doch Bedeutung; gewiss, im Gegensatz zum Worte

174
‘Abracadabra’, nämlich in der deutschen Sprache. Aber wir könnten ihm na-
türlich auch eine Bedeutung geben; das wäre ein Akt ganz analog dem, wenn
ich ein Täfelchen mit der Aufschrift ‘Teekanne’ an eine Teekanne hänge. Aber
was habe ich hier anders als eine Teekanne mit einer Tafel, auf der Striche
zu sehen sind? Also wieder nichts logisch Interessantes. Die Festsetzung
der Bedeutung eines Wortes kann nie (wesentlich) anderer Art sein.


175



     
41
Wie wirkt die einmalige Erklärung der Sprache, das Verständnis?










     
     Ich kann die Regel selbst    festsetzen   und mich eine die Sprache
lehren. Ich gehe spazieren und sage mir: Wo immer ich einen Baum treffe,
soll mir das das Zeichen sein, bei der nächsten Kreuzung links zu gehen,
und nun richte ich mich nach den Bäumen in dieser Weise (fasse ihre Stel-
lung als einen Befehl auf).

176

     
     Wie kann ich mir vornehmen, einer Regel zu folgen?
     Nicht nur soweit, als ich die Regel ausdrücken kann?











     
Siehe auch Notizbuch

182





     
42
Kann man etwas Rotes nach dem Wort “rot” suchen? braucht man ein Bildˇ, ein Erinnerungsbild,
dazu?

Verschiedene Suchspiele.







⋎ S. 23/5






     
Der Witz muß sein, daß die Erinnerung (wie das Wissen) dem verglichen
wird was irgendwo aufgeschrieben steht




     
Dies bezieht sich auf den Fall vom Läuten damit jemand
kommt & die Weise wie er die Bedeutung dieses Zeichens
lernt.
     Ich glaube die Frage war: Muß er, wenn er sich das
Läuten nicht in Worte in eine Erklärung übersetzt, sich nicht
nach der Erinnerung an die letzte Befolgung des Befehls
richten?








     
     Freilich kann man sagen: das rote Täfelchen ist in Wirklichkeit auch
nicht massgebend, weil das Gedächtnis immer als Kontrolle des Täfelchens
verwendet wird.







     
     Es ist also richtig: “Ich erinnere mich    daran  ”, an das, was ich
hier vor mir sehe. Das Bild ist dann in einem gewissen Sinne <…> gegenwärtig
und vergangen.



     
     Es ist instruktiv zu denken, dass, wenn wir mit einem gelben Täfelchen
die Blume suchen, uns jedenfalls nicht die Relation der Farbengleichheit
in einem weiteren Bild gegenwärtig ist. Sondern wir sind mit dem einen
ganz zufrieden.


     
     (So wie wir nicht für einen Augenblick daran dächten, ein Kind die Ge-
bärdensprache zu lehren.)




     

     (Das Wort ‘rot’ ist ein Stein in einem Kalkül und das rote Täfelchen ist
auch einer.)



     

     Und, wenn man sich in die Erinnerung ruft daran erinnert, “daß die
Tabelle uns nicht zwingt”, sie so & so zu benützen,
noch, sie immer auf die gleiche Weise zu benützen, so
wird es ganz jedem klar, daß unser Gebrauch des Wortes “Siel” “Regel”
& des Wortes “Spiel” ein schwankender ist. (Nach den Rän-
dern zu verschwimmt.)




     
     Die Kette der Gründe kommt zu einem Ende und zwar dem Ende in diesem
Spiel // und zwar (an?) der Grenze des Spiels //.



     
43
“Die Beziehung // Verbindung // zwischen Sprache und Wirklichkeit” ist
durch die Worterklärungen hergestellt // gemacht //, welche wieder zur
Sprachlehre gehören. So dass die Sprache in sich geschlossen, autonom,
bleibt.








     

     Jedes Bild müsse etwas mit der Welt
des Dargestellten gemeinsam haben um ein
Bild von
etwas in dieser Welt sein dastellen
zu können. Was aber nur heißt:
Das Bild habe sozusagen die
Projektionsmethode mit dem
Dargestellten gemeinsam.
Wie könnte etwas ein Befehl sein
wenn ich mich nicht danach richten
konnte. Und wie könnte ich mich nach
ihm richten,
wenn ihm nicht
die Form meiner einer
Handlung
eigen wäre.
Es kann mich
nun reizen den
Begriff “gem h”
so weit auszu-
dehnen, daß man dies sagen
kann.



     

      Es ist ¿wohl¿ auch Unsinn unrichtig zu sagen, die Uebereinstimmung (und Nichtüber-
einstimmung) zwischen Satz und Welt // Realität// sei willkürlich durch
eine Zuordnung</>geschaffen. Denn, wie ist die Zuordnung auszudrücken? Sie
besteht darin, dass der Satz “p” sagt, es sei    gerade das   der
Fall. Aber wie ist dieses “gerade das” ausgedrückt // gegeben//? Wenn
durch einen andern Satz, so gewinnen wir nichts dabei; wenn aber durch die
Realität, dann muss diese schon in bestimmter Weise — artikuliert — aufge-
fasst sein. Das heisst: man kann nicht auf einen Satz und auf eine Realität
deuten und sagen: “   das   entspricht    dem  ”. Sondern, dem Satz ent-
spricht nur wieder das schon Artikulierte.
D.h., es gibt keine hinweisende

190
Erklärung für    Sätze  .




     
     Wenn ich die Beschreibung nach Regeln bilde, (sie mit der Wirklichkeit kollationiere) was auch möglich ist, dann
übersetze ich sie als eine Sprache aus einer anderen. Und das kann ich na-
türlich mit Grammatik und Wörterbuch tun und so rechtfertigen. — Aber dann
ist die Uebertragung von Artikuliertem in Artikuliertes. Und wenn ich sie
durch Berufung auf die Grammatik und das Wörterbuch rechtfertige, so tue
ich nichts, als eine Beziehung zwischen Wirklichkeit und Beschreibung (ei-
ne projektive Beziehung) festzustellen, von der Intention aber, meiner Be-
schreibung ist hiebei keine Rede. (D.h., ich kann eben nur die Aehnlichkeit
des Bildes Portraits prüfen, nichts weiter.)

⋎ S. 143/1,2,3


191









     
44
Die Sprache in unserem Sinn nicht als Einrichtung definiert, die einen
bestimmten Zwe[f|c]k erfüllt.
Die Grammatik kein Mechanismus, der durch seinen Zweck gerechtfertigt ist.











     

     Könnte ich nicht die Sprache als soziale Einrichtung betrachten, die
gewissen Regeln unterliegt, weil sie sonst nicht wirksam wäre // wirken
würde//. Aber hier liegt es: dieses Letztere // Letzte // kann ich nicht
sagen: eine Rechtfertigung der Regeln kann ich, auch so, nicht geben. Ich
könnte sie nur als ein Spiel, das die Menschen spielen, beschreiben.




     

      Aber was geht vor sich, wenn ich den Hahn aufdrehe,    damit   Wasser
herausfliesst? Was geschieht, ist, dass ich den Hahn aufdrehe, und dass
dann Wasser herauskommt, oder nicht. Was geschieht, ist also, dass ich den
Hahn aufdrehe. —



192
aufdrehe.
     Was auf das Wort “damit” folgt, die Absicht, ist darin nicht enthalten.
Ist sie vorhanden, so muss [d|s]ie ausgedrückt sein und sie kann nur dann be-
reits durch das Aufdrehen des Hahnes ausgedrückt sein, wenn das Teil ei-
ner Sprache ist.





     
     Wenn man sagte: Sprache ist alles, womit man sich verständigen kann, so
muss // müsste // man fragen: Aber worin besteht ,es, ‘sich verständigen’ ?
     Ich könnte als Antwort darauf einen realen oder fiktiven Fall einer
Verständigung von Menschen oder andern Lebewesen beschreiben. In dieser
Beschreibung werden dann fingierte kausale Verbindungen eine Rolle spie-
len. Aber wenn der Begriff Sprache durch solche bestimmt ist, so interes-
siert er uns nicht. Und abgesehen von jenen empirischen Regelmässigkeiten
der Ereignisse, haben wir dann nur noch einen willkürlichen // beliebi-
gen
// Kalkül. — Aber worin besteht denn das Wesentliche eines Kalküls?





     
     “Ein Zeichen ist doch immer für ein lebendes Wesen da, also muss das
etwas dem Zeichen Wesentliches sein”. Gewiss: auch ein Sessel ist immer
nur für einen Menschen da, a[v|b]er er lässt sich beschreiben, ohne dass wir
von seinem Zweck reden. Das Zeichen hat nur einen Zweck in der menschli-
chen Gesellschaft, aber dieser Zweck kümmert uns gar nicht.
     Ja am Schluss sagen wir überhaupt keine Eigenschaften von den Zeichen
aus — denn diese interessieren uns nicht — sondern nur die (allgemeinen)
Regeln ihres Gebrauchs. Wer das Schachspiel beschreibt, gibt weder Eigen-
schaften der Schachfiguren an, noch redet er vom Nutzen und Gebrauch des
Schachspiels.


193



     
Die Grammatik ist die Beschreibung der Sprache.
     Aber sie teilt nicht mit, ob je-
mand die Sprache versteht, wer sie ver-
steht, oder ob ˇetwa ein Befehl dieser Sprache be-
folgt wird.




     

     Die Sprache ist Teil eines Mechanismus (oder
man zu mindest kann man sie so auffassen sie so aufgefaßt werden).
Mit ihrer Hilfe beeinflussen wir die Hand-
lungen anderer Menschen & werden wir beein-
flußt.
     Als Teil des Mechanismus, kann man sagen,
hat die Sprache einen Zweck. Aber die Grammatik
kümmert sich nicht um den Zweck der Sprache & ob
sie ihn erfüllt. Sowenig wie die Arithmetik um die
Anwendung der Addition.



     

     Sind die Regeln des Schachspiels willkürlich? Den-
ken wir uns den Fall, es stellte sich heraus, daß nur
das Schachspiel mit seinen gegenwärtigen Regeln die Men-
schen zerstreute & befriedigte. Dann wären doch diese
Regeln, wenn der Zweck des Spiels erfüllt werden soll,
nicht willkürlich. Wenn man aber von diesem Zweck
absähe, wären könnte man sie willkürlich nennen.



     

     Ist alles, was ich sagen darf // kann// damit gesagt: Man kann nicht
von den grammatischen Regeln sagen, sie seien eine Einrichtung dazu, dass
die Sprache ihren Zweck erfüllen könne. Wie man etwa sagt: wenn die Dampf-
maschine keine Steuerung hätte, so könnte der Kolben nicht hin und her
gehen, wie er soll. Als könne man sich eine Sprache auch ohne Grammatik
denken.


     

      Die grammatischen Regeln sind, wie sie nun einmal da sind, Regeln des
Gebrauchs der Wörter. Uebertreten wir sie, so können wir deswegen die Wör-
ter dennoch mit Sinn gebrauchen. Wozu wären dann die grammatischen Regeln
da? Um den Gebrauch der Sprache im Ganzen gleichförmig zu machen? (etwa
aus ästhetischen Gründen?)
Um den Gebrauch der Sprache als gesellschaftli-


194
che Einrichtung zu ermöglichen? also wie eine Verkehrsordnung, damit kei-
ne Kollision geschieht // entsteht//?
(Aber was macht es uns // geht es
uns an//, wenn eine entsteht?) Die Kollision, die nicht geschehen // entstehen// darf, darf nicht entstehen können! D.h., ohne Grammatik ist es
nicht eine schlechte Sprache, sondern keine Sprache.






     

     Wie unterscheiden sich die Sprachregeln von denen des Anstandes?
Wenn man kein Ziel angeben kann, das nicht erreicht würde, wenn diese
Regeln anders wären.


     
Man kann also sagen, die Grammatik läßt sich nicht
mit der Wirklichkeit rechtfertigen. Aber es ist ein
andrer Satz, daß sie sich nicht als Teil eines
psychologischen Mechanismus rechtfertigen läßt.



     
Ja es wäre — wie ich oben gesagt habe — ˇeben ein der Fall denkbar
daß sie sich durch die psychologische Erfahrung
rechtfertigen ließe, wenn sich z.B. die deutsche Spra-
che als die einzige erwiese die ein Mensch lernen kann.
Aber diese Rechtfertigung interessiert uns nicht.








     

     Die Worte, die Einer bei gewisser Gelegenheit sagt, sind insofern nicht
willkürlich, als gerade    diese   in der Sprache, die er sprechen will
(oder muss) das meinen, was er sagen will; d.h., als gerade für sie diese
grammatischen Regeln gelten. Was er aber meint, d.h. das grammatische
Spiel, das er spielt, ist insofern nicht willkürlich, als er etwa seinen
Zweck nur so glaubt erreichen zu können.



     
     Man kann sagen, daß die gramm. R. den Bau der Spr. be-
schreiben, ihre Möglichkeiten beschreiben.


     
Könnte sich die Philosophie auch für
andere Mechanismen als den der Spra-
che interessieren? Denken wir es würde
uns beunruhigen, daß Handgriffe, deren
Verrichtungen ganz verschieden, sind
gleich geformt sind. Wäre es nicht auch
eine philosophische Tat die gleichen
Handgriffe durch verschiedene zu er-
setzen. Denken wir an die Handgriffe beim
Automobil: das Vollan, eine Pumpe,
einen Hahn, die Bremse, etc. Könnte es
nicht einen Menschen stutzig machen beunruhigen
daß man aus einem Rohr Flüssigkeit ˇstetig er-
halten kann indem man eine einzige
Bewegung macht (einen Hahn aufdreht)
& aus einem andern nur, indem man
einen Handgriff solange bewegt als man
Flüssigkeit erhalten will (Pumpe)?


196





     
     Uns interessiert die Sprache als Phänomen, nicht als
die Maschine, die einen bestimmten Zweck erfüllt.




     
Sprache ist für uns: die deutsche Sprache, die eng-
lische Sprache, etc., etc. & ähnliche Systeme.



     
     Warum interessiert uns aber das Phänomen der Sprache?
Gewisser Mißverständnisse halber. — Aber was sind Miß-
verständnisse?
     Worin besteht das Sich-nicht-auskennen? Es findet
scheinbar ja auch seinen Ausdruck in der Sprache.


     
45
Die Sprache funktioniert als Sprache nur durch die Regeln, nach denen
wir uns in ihrem Gebrauch richten, wie das Spiel nur durch seine Regeln
ein Spiel ist.









     
     Das ist insofern nicht richtig, als für die Sprache
keine Regeln niedergelegt sein müssen, sowenig wie
für's Spiel. Aber man kann die Sprache (& das Spiel)
vom Standpunkt eines Vorgangs nach Regeln
betrachten.




     
Und könnten philosophische Probleme, Beun-
ruhigungen, auch in gemalten gezeichneten Bildern entstehen?
So etwas ließe sich schon ausdenken.

     

     Wie, wenn eine Sprache aus lauter einfachen und unabhängigen Signalen
bestünde?! Denken wir uns diesen Fall: Es handle sich etwa um die Be-
schreibung einer Fläche, auf der in schwarz und weiss [i|s]ich allerlei Figu-
ren zeigen können. Wäre es nun möglich, alle möglichen Figuren durch un-
abhängige Symbole zu bezeichnen // kennzeichnen//? (Ich nehme dabei an,
dass ich nur über, sagen wir 10000 Figuren reden will.) Wenn ich Recht ha-
be, so muss die ganze Geometrie in den Regeln über die Verwendung dieser
10000 Signale wiederkehren. (Und zwar ebenso, wie die Arithmetik, wenn
wir statt 10 unabhängiger Zahlzeichen eine Billion verwendeten.)


     

     Um eine Abhängigkeit auszudrücken, bedarf es einer Abhängigkeit.


     
     Denken wir uns ein Tagebuch mit Signalen geführt. Etwa die Seite in Ab-
schnitte für jede Stunde eingeteilt und nun heisst ‘A’ ich schlafe, ‘B’
ich stehe auf, ‘C’ ich schreibe, etc..


197

     

     Muss denn nicht die Regel der Sprache — dass also dieses Zeichen    das  
bedeutet — irgendwo niedergelegt sein?
     Freilich auch:    Mehr   als die Regel niederlegen, kann ich nicht.
     Ist die Regel niedergelegt, so ist es eben eine andere Sprache, als wenn
sie nicht niedergelegt ist.



     

     Und warum soll ich, dass ‘A’ in dieser Zeile steht, nicht ein Bidl Bild
dessen nennen, dass ich dann schlafen gehe? Freilich, dass es die Multipli-
zität dessen wiedergeben soll die in jenen Worten liegt, kann ich nicht
verlangen.
     Der Akt des Schlafengehens war ja auch nicht dadurch bestimmt.
     Denken wir, ich zeichne einen Sitzplan
     
, ist ein Kreuzchen das Bild
eines Menschen oder nicht? —



     
     Wenn z.B. Einer fragte: wie weisst Du, dass Du jetzt dasselbe tust, wie
vor einer Stunde, und ich antwortete: ich habe mir's ja aufgeschrieben, hier
steht ja ein ‘A’!


     
     Wenn ich mich in    dieser   Sprache ausdrücke, so werde ich also mit
‘B’ immer dasselbe meinen. Es kann einen // keinen // Sinn haben, zu sagen,
dass ich beide Male dasselbe tue, wenn ich den Befehl ‘B’ befolge (oder
dasselbe getan habe, als ich tat, was <…> ich durch ‘B’ bezeichnete).

              B=B






     
Ich könnte auch sagen, daß, wenn die Zeichen ad hoc
erfunden sind, eben ein System eine Regel erfunden
werden muß.




     
Man kann sagen: die Grammatik erklärt die
Bedeutungen der Zeichen & dadurch macht sie
die Sprache bildhaft.
     Man würde nicht sagen, daß ich aus den
Signalen im Tagebuch die Ereignisse eines
Tages ableiten kann d.h. z.B. Bilder nach
den Aufzeichnungen entwerfen kann, wenn
zu den Signalen nicht noch eine Erklärung
tritt.
     Es handelt sich um den Begriff des
Ableitens. Man spricht vom Ableiten wo
eine allgemeine Regel, also ein Ausdruck
einer solchen Regel, gegeben ist.



     
Wir werden würden nämlich nicht sagen aus
     a b b c ließe sich die Figur .

ableiten wohl aber aus a b b c & der
Tabelle
a
b
c
d





     Die Erklärung der Bedeutung bestimme
wie ein Wort beim portraitieren eines Sach-
verhalts zu verwenden ist.
     Man kann sagen: die Grammatik bestimmt die
Bedeutung der Wörter & bestimmt ihnen damit den
Platz den sie beim Portraitieren eines Sachver-
haltes
einnehmen dürfen. Denn wonach
richte ich mich wenn ich hier ‘rot’ & nicht
“gelb” verwende, <…> hier “aber” & nicht “oder”? Doch
wohl nach der Bedeutg der Wörter nach
dem was ˇin Übereinkommen über sie in der Grammatik festgehalten ist,
denn warum sollte ich sonst das eine
Wort dem andern vorziehen.



     
     Etwa?, wie die Teilstriche auf einem Masstab nur solche sind, wenn sie ein
System bilden.




     

     Warum wir ein Wort — und nicht ein anderes — an dieser Stelle gebrauchen,
erfahren wir, wenn wir jemand fragen: warum gebrauchst Du hier das Wort A.
Die Antwort wird sein: das und das heisst A. Und das ist eine Regel der
Grammatik, die die Position des Wortes in der Sprache bestimmt. (Und Und
(zum Zeichen, dass es sich hier wi[l|r]klich um Grammatik handelt) wenn A das
Wort “und” gewesen wäre, so könnte man weiter nichts tun, als die Regeln für
“und” angeben.


     
Zusammenhang der Grammatik mit der
Bildhaftigkeit der einer Sprache.



     

     Sage ich jemandem “bringe eine rote Blume” und er bringt eine, und nun
frage ich “warum hast D[i|u] mir eine von dieser Farbe gebracht?” — und er:
“diese Farbe nenne ich // heisst doch// rot”: so ist dies Letzte ein
Satz der Grammatik. Er rechtfertigt eine Anwendung des Worts.


     
     Wir vergleichen den tatsachlichen Vorgang
mit dem in welchem die Rechtfertigung
ausgeführt ist.


     

     Fehlt dieser Satz // diese Regel//, so ist die Grammatik des Worts (sei-
ne Bedeutung) eine andere.


     
     Wir ergänzen das tatsächlich Ausgeführte
zu einem bestimmten Kalkül, um es dadurch
zu beleuchten. Ähnlich wie die Grammatik
einen eliptischen Satz zu einem vollstandigen
ergänzt, d.h. ein gewisses Gebilde als
eliptischen Satz auffaßt.



     
     Wenn man einen Satz braucht, so muss er schon irgendwie    funktio-
nieren
  . Das heisst, man gebraucht ihn nicht, um einer Tatsache einen
Lärm beizuordnen.


     
     Es wäre doch nicht, einen Tatbestand porträtieren, wenn ich etwa beliebi-
ge Striche auf das Papier kritzelte und sagte “es gibt gewiss eine Projek-
tionsmethode, die diesen Tatbestand in diese Zeichnung projiziert”.


200




     
Oder könnte man eine Gebärde für die es Sinn hat zu
sagen, ich trachtete sie nicht zu machen aber mein
Körper hat gegen meine Anstrengung sie gemacht, könnte man
diese Gebärde auch meinen wenn sie in diesem Sinne
gegen den Willen geschieht?



     
Die Zeichen will wollte ich sagen, haben ihre Bedeutung nicht durch
etwas was sie begleitet // … nicht durch das was sie begleitet, noch durch das, was
sie hervorruft,…//
; sondern durch ein System dem sie
zugehören wovon aber beim Aussprechen des Worts nichts andres
als dieses Wort vorhanden sein braucht





     
Wenn ich mich kratze, nenne ich das ein Zeichen
das es mich juckt? Gewiß, ich kann es als Zeichen
dafür gebrauchen, aber auch nicht.



     
Ich kann ˇin einem Gespräch ein trauriges Gesicht machen als Zeichen
der Trauer aber es kann auch nur ein Anzeichen sein.
Worin besteht es nun in diesem Falle das Gesicht als Zeichen
der Trauer zu verziehen? Ich würde sagen: “ich habe
es absichtlich getan & ihm auch

     
     Es ist zu bedenken Man könnte sagen, daß das Wort je nach der
Wortart in einem andern Sinne “bedeutet”.







     

     Kann man sagen der Unterschied zwischen dem Gähnen & dem
Achselzucken ist Unwillkürlichkeit & Willkürlichkeit?




     
Wir benützen das Wort “Sprache”, “meinen”, etc. nach
sehr verschiedenen Kriterien


     
Und das Achselzucken ist natürlich gar nicht
wesentlich verschieden von einem Wort, ja einem Satz, etwa:
“Ich weiß nicht!” oder “Weiß Gott!”.
Diese Worte können ge-
wiß so unwillkürlich ausgesprochen werden wie eine Geste
gemacht werden kann.


     
46
Funktionieren des Satzes an einem Sprachspiel erläutert.







     
[siehe Notizbuch]
⋎ S. 173/3

Lernen der Sprache
durch Abrichten.


     
     Ich halte meine Wange, und jemand fragt, warum ich es tue und ich ant-
worte: “Zahnschmerzen”. Das heisst offenbar dasselbe, wie “ich habe Zahn-
schmerzen”, aber weder stelle ich mir die fehlenden Worte im Geiste vor,
noch gehen sie mir im Sinn irgendwie ab. Daher ist es auch möglich, dass
ich die Worte den Satz “ich habe Zahnschmerzen” in    dem   Sinne aussprache, als
sagte ich nur das letzte Wort oder, als wären die drei nur wäre der ganze Satz nur…    ei[h|n]   Wort.
     (Eliptischer Satz. Was tut die Grammatik, wenn sie sagt: “ ‘Hut und
Stock!’ heisst eigentlich ‘gib mir meinen Hut und meinen Stock!’ ”)


     
     Ein einfaches Sprachspiel ist z.B. dieses: Man spricht zueinem Kind
(es kann aber auch ein Erwachsener sein), indem man das elektrische Licht
in einem Raum andreht: “Licht”, dann, indem man es abdreht: “Finster”; und
tut das etwa mehrere Male mit Betonung und variierenden Zeitlängen. Dann
geht man etwa in das Nebenzimmer, dreht von dort aus das Licht im ersten
an und bringt das Kind dazu, dass es mitteilt, ob es licht oder finster
ist. // dasse es mitteilt: “Licht”, oder “Finster”.
     Soll ich da nun “Licht” und “Finster” ‘Sätze’ nennen? Nun, wie ich will.
— Und wie ist es mit der ‘Uebereinstimmung mit der Wirklichkeit’?


202

     
     Wenn ich bestimmte einfache Spiele Sprachspiele beschreibe, so geschieht es nicht,
um mit ihnen nach und nach die wirklichen Vorgänge der ˇausgebildeten Sprache — oder des
Denkens — aufzubauen, ( Nicod Russell) was nur zu Ungeriechtigkeiten führt, — sondern ich
stelle die Spiele als solche hin, und lasse sie ihre aufklärende Wirkung
auf die besonderen Probleme ausstrahlen.


     
     Man könnte eben aber? sagen: “die Worte ‘Licht’, ‘Finster’ sind hiera als
Sätze gemeint und sind nicht einfach Wörter”. Das he[k|i]sst, sie sind hier
nicht so gebraucht, wie wir sie in der gewöhnlichen Sprache gebrauchen
(obwohl wir tatsächlich auch oft    so   sprechen). Aber ˇNeue Zeile [w|W]enn ich plötzlich
ohne sichtbaren Anlass das Wort “Licht” isoliert ausspreche, so wird man
allerdings sagen: “was heisst</>das? das ist doch kein Satz” oder: “Du sagst
‘Licht’, nun was soll's damit?” Das Aussprechen des Wortes “Licht” ist in
diesem Fall sozusagen noch ?—kein (kompletter) Zug des Spiels, das, wie wir
annehmen, der Andre spielt. , auf das wir gefaßt sind.—? Ebenso aber auch der Satz “er darf nicht kommen”.


     
     Wie unterscheidet sich nun aber “Licht”, wenn es den Wunsch nach Licht aus-
drüc[j|k]t, von “Licht”, wenn es konstatiert, dass es im Zimmer licht ist?
Dass wir es in jedem Fall anders    meinen  ? Und worin besteht das? In
bestimmten Vorgängen, die das Aussprechen begleicheten, oder in einem be-
stimmten Benehmen, das ihm vorangeht, eventuell es begleitet, und ihm
folgt? Wir können es einmal in anderm ¿Ton¿ aussprechen als das andere
mal, oder mit anderer Empfindung (¿Meinung¿ im andern Sinn) Oder
es kommt bloß in einem anderen Spielzusammenhang vor.

Denken wir uns die Frage: Wie unterscheidet sich ein Zug
im Damespiel von der gleichen Bewegung in Fuchs & Jäger?
(Vielleicht antwortet er das eine mal auf die Frage was meinst Du---



     
     Wenn ein Mann im Ertrinken “Hilfe!” schreit, — konstatiert er die Tat-
sache, dass er Hilfe bedarf? dass er ohne Hilfe ertrinken wird? — Dagegen
gibt es den Fall, in dem man, quasi, sich beobachtend, sagt “ich hätte
(oder: habe) jetzt den Wunsch nach…”.


     
     Ich sage das Wort “Licht!”, — der Andere fragt mich: “was meinst Du?” —


203
und ich sage // antworte //: “Ich meinte, Du sollst Licht machen”. — Wie
war das, als ich es    meinte  ? Sprach ich den “[j|k]ompletten Satz” in der
Vorstellung unhörbar aus, oder den entsprechenden in einer andern Sprache?
(Ja, das    kann   vorkommen oder auch nicht.) Die Fälle, die man alle mit
dem Ausdruck “ich meinte” zusammenfasst, sind    sehr mannigfach  .



     
Modepuppen


     

     Nun kann man ruhig annehmen: ‘ich meinte, Du solltest Licht machen’
heisst, dass mir dabei ein Phantasiebild von Dir in dieser Tätigkeit vorge-
schwebt hat, und ebensogut: der Satz heisst, dass mir dabei die Worte des
vollständigen Satzes in der <…> Phantasie gegenwärtig waren, oder, dass
eins von diesen beiden der Fall war; — <…> nur muss ich wissen, dass ich da-
mit eine Festsetzung über die Worte “ich meinte” getroffen habe und eine
engere als die ist, welche dem tatsächlichen allgemeinen Gebrauch des Aus-
druckse entspricht.


     
Aber reden wir doch nicht vom Meinen als
einem unbestimmten & uns unbekannten nicht genau bekannten
Vorgang sondern vom (tatsächlichen),
‘praktischen’, Gebrauch des Wortes von
den Handlungen, die wir mit ihnen aus
führen.
     Reden wir vom Meinen nur wenn es
ein teil des Sprachkalküls ist (etwa
der Teil der aus Bildern unserer Vorstellungs-
bildern besteht) & Und dann brauchen wir
eigentlich das Wort Meinen nicht denn
das suggests immer daß es sich um
Vorgänge handelt die der Sprache nicht
angehören sondern ihr gegenüberstehen
& daß es Vorgänge von wesentlich an
derer Natur als der sprachlichen sind.


     
     Wenn das Meinen für uns irgend eine Bedeutung, Wichtigkeit, haben soll,
so muss dem System der Sätze ein System der Meinungen zugeordnet sein,    was
immer
   für Vorgänge die Meinungen sein sollen mögen.


     
     Inwiefern stimmt nun das Wort “Licht” im obigen Symbolismus oder Zeichen-
spiel mit einer Wirklichkeit überein, — oder nicht überein?
     Wie gebrauchen wir überhaupt das Wort “übereinstimmen”? — Wir sagen “die
beiden Uhren stimmen überein”, wenn sie die gleiche Zeit zeigen, “die bei-
den Masstäbe stimmen überein”, wenn gewisse Teilstriche zusammenfallen, “die
beiden Farben stimmen überein”, wenn etwa ihre Zusammenstellung uns ange-
nehm ist. oder manchmal wenn wir sagen wollen die beiden Dinge haben dieselbe Farbe. Wir sagen “die beiden Längen stimmen überein”, wenn sie gleich
sind, aber auch, wenn sie in einem von uns gewünschten Verhältnis stehen.
Und, dass sie “übereinstimmen” heisst dann nichts andres, als dass sie in
diesem Verhältnis — etwa 1:2 — stehen. passen
Der Plan stimmt mit der Wirklichkeit
überein.
Was er spielt stimmt mit den Noten überein.

So muss also in jedem Fall erst

204
festgesetzt werden, was unter “Uebersti “Uebereinstimmung” zu verstehen
ist. — So ist es nun auch mit der Uebereinstimmung einer Längenangabe mit
einer der Länge eines Gegenstandes. Wenn ich sage: “dieser Stab ist 2m lang”, so kann ich z.B.
erklären // eine Erklärung geben//, wie man nach diesem Satz mit einem
Masstab die Länge des Stabes kontrolliert, wie man etwa nach diesem Satz
einen Messtreifen für den Stab 2m langen Stab erzeugt. Und ich sage nun, der Satz stimmt
mit der Wirklichkeit überein, wenn der auf diese Weise konstruierte Mess-
streifen mit dem Stab übereinstimmt. Diese Konstruktion eines Messtreifens
illustriert übrigens, was ich in der “Abhandlung” damit meinte, dass der
Satz bis an die Wirklichkeit herankommt. — Man könnte das auch so klar ma-
chen: Wenn ich die Wirklichkeit daraufhin prüfen will, ob sie mit einem
Satz übereinstimmt, so kann ich das auch so machen, dass ich sie nun be-
schreibe und sehe, ob der gleiche Satz herauskommt. Oder: ich kann die
Wirklichkeit nach grammatischen Regeln in die Sprache des Satzes überset-
zen und nun im Land der Sprache ?—den Vergleich durchführen—?.
     Als ich nun dem Andern erklärte: “Licht” (indem ich Licht machte), “Fin-
ster” (indem ich auslöschte), hätte ich auch sagen können und mit genau
derselben Bedeutung: “das ist // heisst// ‘Licht’” (wobei ich Licht ma-
che) und “das ist // heisst// ‘Finster’” etc., und auch ebensogut warum hätte ich nicht sagen sollen…: “das
stimmt mit ‘Licht’ überein”, “das stimmt mit ‘Finster’ überein”.


     
     Es kommt eben wieder auf die Grammatik des Wortes “Uebereinstimmung”
an, auf seinen Gebrauch. Und hier liegt die Verwechslung mit ‘Aehnlich-
keit’ nahe, in dem Sinn, in dem zwei Personen einander ähnlich sind, wenn
ich sie leicht miteinander verwechseln kann.
     Ich kann auch wirklich nach der Aussage über die Gestalt eines Körpers
eine Hohlform konstruieren, in die nun der Körper passt, oder nicht passt,
je nachdem die Beschreibung richtig oder falsch war, und die konstruierte
Hohlform gehört dann in dieser Auffassung noch zur Sprache (die bis an die
Wirklichkeit herankommt).


205

     Aber auch die Hohlform macht kein finsteres Gesicht, wenn der Körper
nicht in sie passt.


     
     Wenn das Wort “Uebereinstimmung mit der Wirklichkeit” gebraucht wird
// werden darf//, dann nicht als metalogischer Ausdruck, sondern als Teil
eines Kalküls, als Teil der gewöhnlichen Sprache. sondern nur als eine Münze im praktischen Geldverkehr

sondern nur als Redeteil im praktischen Gebrauch unserer
gewöhnlichen Sprache.
sondern als (einen) Teil der gewöhnlichen, prakti-
schen, Sprache.

Man kann etwas sagen: Im
Sprachspiel “Licht! — Finster!” kommt der Ausdruck “Uebereinstimmung mit
der Wirklichkeit” nicht vor.


     

     In dem Sprachspiel “Licht — Finster” kommt keine Frage vor. — Aber
wir könnten es auch mit Fragen spielen.


     
Das Sprachspiel eine Geschichte erfinden
anderseits ein wirkliches Erlebnis erzählen.
So lernt der Maler portraitieren, aber auch ein Bild
aus der Phantasie entwerfen, oder ein Ornament
erfinden, etc..

206




     
47

       Behauptung, Frage, Annahme, etc.








     
     Das Frege'sche Behauptungszeichen ist am Platze, wenn es nichts wei-
ter bezeichnen soll, als den Anfang des Satzes. Man könnte sagen “den
Anfang der Behauptung”, im Gegensatz zu den Sätzen, die in der Behaup-
tung vorkommen können. Das Behauptungszeichen dient dann demselben Zweck,
wie der Schlusspunkt des vorhergehenden Satzes.
     “Ich denke p” hat dann mit “!-p” eben    nur   das Zeichen “p” gemein // gemeinsam//.


     
     Was zum Wesen des Satzes gehört, kann die Sprache schon darum nicht
ausdrücken, weil es für jeden Satz das Gleiche wäre; und ein Zeichen, das
in jedem Satz vorkommen muss, logisch eine blosse Spielerei wäre. Die
Zeichen des Satzes sind ja nicht Talismane oder magische Zeichen, die
auf den Betrachter einen bestimmten Eindruck hervorrufen sollen.
     Gäbe es philosophische Zeichen im Satz, so müsste ihre Wirkung // Funk-
tion// eine solche unmittelbare sein.


     

     Man hat natürlich das Recht, ein Behauptungszeichen zu verwenden, wenn
man es im Gegensatz etwa zu einem Fragezeichen gebraucht.
Irreleitend


207
ist es nur, wenn man meint, dass die Behauptung nun aus zwei Akten beste-
he, dem Erwägen und dem Behaupten (Beilegen des Wahrheitswertes, oder
dergl.) und dass wir diese Akte nach dem geschriebenen Satz ausführen, un-
gefähr wie wir nach Noten Klavier spielen singen.
     Mit dem Klavierspielen nach Noten ist nun allerdings das laute oder
auch leise, Lesen nach dem geschriebenen oder gedruckten Satz zu verglei-
chen und ganz analog; aber n[k|i]chts, was wir ‘denken’ nennen aber nicht das Denken des Satzes. aber nicht etwas, was wir ein Denken oder Meinen des
Satzes nennen würden. aber nicht Akte des Denkens oder Meinens
aber nicht eine psychologische Tätigkeit Reihe seelischer Akte des
Denkens oder Meinens des Satzes
Ist also z.B.
ein Behauptungszeichen im geschriebenen Satz, so wird wieder ein Behaup-
tungs   zeichen   im gelesenen sein (etwa die Betonung, oder der
Stimmfall). A aber nicht Akte des Denkens oder Meinens
Aber nicht das Denken; insofern da wir nicht
aber nicht eine psychologische Tatigkeit Reihe seelischer Akte des
Denkens oder Meinens des Satzes

Aber die Zeichen des Satzes sind nicht
Signale nach welchen denen wir psychische
Operationen vornehmen ausführen — u.a. auch das Behaupten.

Aber die Zeichen des Satzes sind nicht Signale
zu psychischen Tätigkeiten des Meinens.

Daher ist auch das Zeichen <…> in der Fregeschen Schreibweise
ganz überflüssig.
Es wird (ja) vor alle Sätze gesetzt
kann
also in allen weggelassen werden. Dort wo er einmal
einen Satz ohne dieses Zeichen hinschreibt tut er
es mit einer gewissen Unsicherheit die zeigt daß er eigentlich nicht

darauf gefaßt war es je wegzulassen also wirklichen Gebrauch im Kalkül davon zu machen.



     
     Eine Sprache (ich meine eine Sprechart) ist denkbar, in der es keine
Behauptungssätze gibt, sondern nur Fragen und die Bejahung und Verneinung.


     
Freges ansicht daß in der Behauptung
eine Annahme steckt kommt läuft darauf läuft
hinaus zu sagen daß jede Behauptung
in der Form geschrieben werden könne
      Ich behaupte daß…


     

      Behauptung, Annahme, Frage. Man kann auf dem Schachbrett einen Zug in
einer Schachpartie machen, — aber auch während eines Gespräches über ein
Schachproblem zur Illustration, oder wenn man jemand das Spiel lehrt, —
etc.. Man sagt dann auch etwa: “angenommen, ich zöge    so  , …”. So
ein Zug hat Aehnlichkeit mit dem, was man in der Sprache ‘Annahme’ nennt.
Ich sage nun etwa “im Nebenzimmer ist ein Dieb”, — der Andre fragt mich
“woher weisst Du das?” und ich antworte: “ic “oh ich wollte nicht sagen,
dass wirklich ein Dieb im Nebenzimmer ist, ich habe es nur in Erwägung
gezogen”. — Möchte man da nicht fragen:    Was   hast Du erwogen? wie Du
Dich benehmen würdest, wenn ein Dieb da wäre, oder, was für ein Geräusch
es machen würde, oder, was er Dir wohl stehlen würde?
     Freges Anschauung könnte man so wiedergeben: dass die Annahme (so wie
er das Wort gebraucht) das ist, was die Behauptung, dass p der Fall
ist, mit der Frage, ob p der Fall ist, gemeinsam hat.
Oder auch, dass

208
die Annahme dasselbe ist wie die Frage. Man könnte auch eine Behauptung
immer als eine Frage mit einer Bejahung darstellen. Statt “Es regnet”:
“Regnet esˇ Annahme? Jaˇ Behauptungszeichen !” Ich behaupte daß es regnet



     

     Wenn es so etwas gäbe, wie eine Annahme im Sinne Freges, müsste dann
nicht die Annahme, dass p der Fall ist gleich der sein, dass non-p der
Fall ist?


     

     In dem Sinn, in welchem die Frage “ist p der Fall?” die gleiche ist
wie “ist p nicht der Fall?”.


     

     Es gibt wirkliche Annahmen, die wir eben durch Sätze von der Form “an-
genommen p wäre (oder: ist) der Fall” ausdrücken. Aber solche Sätze nen-
nen wir nicht vollständig und sie scheinen sehr ähnlich den Sätzen der
Form // erinnern uns an Sätze der Form// “wenn p der Fall ist, …”.


     

     Ist nun aber eine solche Annahme    ein Teil   einer Behauptung?
Ist das nicht, als sagte man, die Frage, ob p der Fall ist, sei ein Teil
der Behauptung, dass p der Fall ist?


     

     Ist es aber nicht auffällig, dass wir es in unsern gewöhnlich philoso-
phisch-grammatischen Problemen nie damit zu tun haben, ob sie sich auf
Behauptungen oder Fragen beziehen? (Etwa in dem Problem vom Idealismus
und Realismus.)


     
     Und welcher Art ist ein Satz, wenn sich Einer eine mögliche Situation,
etwa ihrer Seltsamkeit wegen, notiert? Oder: die Erzählung eines Witzes?


     
     Sprachspiel: eine Geschichte erfinden. Oder: eine Geschichte erfinden


209
und zeichnen. — Etc..


     
     Es ist uns, als könnten wir sagen[;|,] der fragende Ton-
fall sei dem Sinn der Frage angemessen.



     
Es hilft hier immer sich den Fall des Kindes
vorzustellen welches d sprechen lernt oder
auch den Fall eines Volkesstammes Volkes das ˇnur eine
primitive Sprache besitzt.
     Aber auch der Erwachsene lernt neue
Sprachspiele Formen der Sprache wenn er die Form des Beweises
kennen lernt oder lernt Tabellen oder anzulegen
oder abzulesen oder graphische Darstellun-
gen
zu machen & zu verwenden.



     
Wie gesagt, das Benennen ist etwas Ähnliches wie einem
Ding ¿Mineral¿ eine Etiquette Ding eine Namenstafel umhän-
gen. Man kann es eine Vorbereitung zum weiteren Ge-
brauch des eines Worts nennen. Aber worauf ist es eine Vor-
bereitung?!

     
     Wir könnten uns auch eine Sprache denken, die nur aus Befehlen be-
steht. So eine Sprache verhält sich zu der unseren, wie eine primitive
Arithmetik zu unserer. Und wie jene Arithmetik nicht wesentlich unvoll-
ständig ist, so ist es auch die primitivere Form der Sprache nicht.

S. 21/1
Bemerkung gehört nicht hierher.


     
“Wir benennen die Dinge & können nun über sie reden: uns
in der Rede auf sie beziehen”: als ob mit dem Akt des
Benennens schon das was wir weiter tun gegeben sei.
Als ob es nur Eines gabe was heißt: von Dingen reden.
Während wir das Verschiedenartigste mit unseren Sätzen tun.



     
     Denken wir an die ˇgroße Mannigfaltigkeit der Sprach-
spiele:


      Eine Mitteilung machen wie “Licht”, “Finster”,
. einen
      Einen Befehl geben “mach Licht!” “Licht aus”.
      Auf Fragen Licht? Finster? mit ja & nein antworten.
      Einen Befehl ausführen.
      Fragen & die Antwort kontrollieren auf ihre Richtigkeit prüfen.
      Negative & positive Befehle ausführen. Disjunktion.
      Eine Vermutung aussprechen (Aufschlagen von
Karten) & sie verifizieren.
      Die Form eines Satzes vereinfachen (~~~p = ~p). Schließen.
      Eine Rechnung machen Ein angewandtes Rechenexem-
pel lösen.
      Eine Zeichnung herstellen & sie beschreiben.
      Einen Hergang erzählen.
      Eine Erzählung erfinden
      Eine Hypothese aufstellen & prüfen
      Eine Tabelle anlegen
      Grüßen




     
Denken wir nur an die Verschiedene Ausrufe mit ihren
ganz verschiedenen Funktionen: Trinken! Wasser! (Ich will trinken)
Weg! (Geh weg) Au! — Hilfe! — Schön! — Nicht! —



     
     Geschicklichkeits- & Hasardspiele sie sind
viel fundamentaler verschieden als ihre Be-
zeichnung erkennen läßt.



     
Bist Du nun noch geneigt diese Wörter “Namen” zu
nennen?



     
     Richtig & falsch spielen
     Richtig & falsch vermuten wobei man
richtig spielt.



     
Es sagte mir einmal jemand: “Wie wäre es, wenn die Menschen
ihre Schmerzen nicht äußerten (nicht stöhnten, etc.), — dann
könnte man einem Kind nicht das Wort “Zahnschmerz”
beibringen!” — Denken wir uns nun, es würde Einer sagen: “Ich
nehme an, das Kind sei ein ¿Genie¿ & erfinde selbst einen Namen
für den Schmerz, obwohl ihm keiner gelehrt wurde. — Aber nun könnte
er sich freilich mit diesem Wort nicht verständlich machen!” Also
versteht es ihn, kann ˇaber seine Bedeutung niemandem erklären?
Aber was heißt es denn, daß er “seinen Schmerzen benannt
hat”? Was ist die Verbindung des Wortes daß er ausspricht
mit dem Schmerz? Und was für eine Funktion hat dieses Wort? Wie
hat er das gemacht den Schmerz zu benennen?? Und was
immer er getan hat, was hat es für einen Zweck? — Wenn man
sagt “er hat dem Schmerz einen Namen gegeben” so vergißt
man daß ˇsozusagen schon alles mögliche in der Sprache vorbereitet
sein muß damit das bloße benennen einen Sinn
hat. Und wenn wir davon reden daß er dem Schmerz einen
Namen gibt die Grammatik des Wortes “Schmerz” hier das Vor-
bereitete es zeigt den Posten an an dem das neue Wort ge-
stellt wird.


210





     

     Der Tonfall der Frage angelernt & instinktiv.
Und was macht es aus, ob er angelernt ist oder nicht;
da wir, wenn wir ihn einmal gebrauchen, doch nicht auf das
Lernen zurückgreifen. Später ist er jedenfalls instinktiv, was immer
sein Ursprung ist.

     
Man sagt: Die Affen sprechen nicht weil ihnen die geistigen
Fähigkeiten dazu fehlen. Das heißt: sie denken nicht, darum
sprechen sie nicht. Aber sie sprechen eben nicht & das
ist alles. Befehlen, fragen, beschreiben erzählen, plauschen, sind so
natürliche Handlungen wie gehen, trinken, spielen.


     
Das hängt damit zusammen daß man meint das Lernen der
Sprache bestehe darin daß man Gegenstände benennt &
zwar: Menschen, Gattungen, Farben, Schmerzen, Stimmungen, Zahlen,
etc..

     
   Gedanke  .

   Denken  .























211




     

      Die Idee ist: [d|D]enken, Glauben, etc. als
Tätigkeiten in denen der Satz vorkommt, ˇetwa wie
die Karten in den Operationen des Musterweb-
stuhls.

     Das Unverständnis der Grammatik des Wortes “Denken” & psychologisches Unverständnis
angesehen als nicht Verstehen eines kompli-
zierten mechanischen Vorgangs.



     
48
Wie denkt man den Satz ‘p’, wie erwartet, (glaubt, wünscht) man, dass p
der Fall sein wird? Mechanismus des Denkens.








     
     Man ist (durch die irreführende Grammatik) unsere Grammatik irregeführt) versucht, zu fragen: wie
denkt man den Satz p, wie erwartet man, dass das und das eintreffen wird
(wie macht man das). Und in dieser falschen Frage liegt wohl die ganze
Schwierigkeit in nuce enthalten.



     
     “Wie arbeitet der Gedanke, wie bedient er sich seines Ausdrucks?” —
das ist // klingt // analog der Frage … dies scheint analog der Frage… dies möchte man fragen analog: “wie arbeitet der Musterwebstuhl,
wie bedient er sich der Karten?”


     

      Das Gefühl ist, dass mit dem Satz “ich glaube, dass p der Fall ist”
der Vorgang des Glaubens nicht beschrieben sei (dass vom Webstuhl nur die
Karten gegeben seien und alles übrige bloss angedeutet ist). Dass man die
Beschreibung “ich glaube p” durch die Beschreibung eines Mechanismus er-
setzen könnte, worin dann p, d.h. jetzt die Wortfolge “p”, wie die Karten
im Webstuhl nur als    ein   Bestandteil vorkommen würde. Aber hier ist
der Irrtum: Was immer diese Beschreibung enthielte, wäre für uns wertlos,

212
ausser eben der Satz p    mit seiner Grammatik  . Sie ist
quasi der eigentliche Mechanismus, in welchem // dem // er eingebettet
liegt. Das Gefühl ist, daß mit in dem Satz “…” etwas Wesent-
liches, der ˇeigentliche Vorgang des Glaubens, nur angedeutet sei;
daß sich diese Andeutung durch eine ˇeigentliche Beschreibung
des dieses Mechanismus müsse ersetzen lassen. Eine
Beschreibung worin p wie die Karten in der Be-
schreibung des Musterwebstuhls vorkäme. Und
daß nun diese Beschreibung erst der komplette
Ausdruck des Glaubens wäre.
     Vergleichen wir nun das Glauben mit dem Aussprechen
eines Satzes. Es gehen da auch sehr komplizierte Vorgänge in
unseren Sprechmuskeln, Nerven etc., etc., vor sich. Diese begleiten den
ausgesprochenen Satz & er bleibt das Einzige was uns interessiert.
Und ist zwar als als Bestandteil eines Kalküls, nicht eines Mechanismus.



     

     Wenn man fragt “wie macht der Gedanke // Satz// das, dass er darstellt?”
So könnte die Antwort sein: “Weisst Du es denn (wirklich) nicht? Du siehst
es doch, wenn Du denkst // wenn Du ihn benützt//”. Es ist ja nichts ver-
borgen.
     Wie macht der Satz das? — Weisst Du es denn nicht? Es ist ja nichts ver-
steckt.


     
[Gehört nicht hierher, sondern zur Betrachtg. der Zeit oder zu Solipsismus.]

     Dass ‘alles fliesst’, scheint uns am Ausdruck der Wahrheit zu hindern,
denn es ist, als ob wir sie nicht auffassen könnten, da sie uns entgleitet.


     
Aber es hindert uns eben nicht am Ausdruck. — Was es heisst, etwas Ent-
fliehendes in der Beschreibung festhalten zu wollen, wissen wir. Das ge-
schieht etwa, wenn wir das Eine vergessen, während wir das Andere beschrei-
ben wollen. Aber darum handelt es sich doch hier nicht. Und so ist der Aus-
druck // das Wort// “entfliehen” anzuwenden.


     

     Aber auf die Antwort “Du weisst ja, wie es der Satz macht, es ist ja
nichts verborgen”, möchte man sagen: “ja, aber es fliesst alles so rasch
vorüber und ich möchte es gleichsam breiter auseinander gelegt sehen”.


     

      Aber auch hier irren wir uns. Denn es geschieht dabei auch nichts, was
uns durch die Geschwindigkeit entgeht.



     

      Warum können wir uns keine Maschine mit einem Gedächtnis denken? Es w[r|u]r-
de oft gesagt, dass das Gedächtnis darin besteht, dass Ereignisse Spuren



213
hinterlassen, in denen nun gewisse Vorgänge vor sich gehen müssten. Wie wenn
Wasser sich ein Bett macht und das folgende Wasser in diesem Bett fliessen
muss; der eine Vorgang fährt für den nächsten das Gleise aus. // der eine
Vorgang fährt das Gleise aus, das den andern führt. Geschieht dies nun
aber in einer Maschine, wie es wirklich geschieht, so sagt niemand, die Ma-
schine habe Gedächtnis, oder habe sich den einen Vorgang gemerkt.



     
     Nun ist das aber ganz so, wie wenn man sagt, eine Maschine kann nicht
denken, oder kann keine Schmerzen haben. Könnte eine Maschine denken? --- Könnte sie
Schmerzen haben? In dem Sinne in welchem
der tierische Körper Schmerzen hat. — ja
Wann Wenn ich diesen eine Maschine
nennen will.
Aber im Satz “ich habe
Schmerzen” bezeichnet ‘ich’ keinen
Körper also nicht auch keine Maschine.
Und hier kommt es darauf an, was
man darunter versteht “Schmerzen zu haben”. Hier kommt es drauf an, wie der Ausdruck
“Schmerzen haben” angewandt wird.

Es ist klar, dass ich mir eine
Maschine denken kann, die sich genau so benimmt (in allen Details), wie ein
Mensch der Schmerzen hat. Oder vielmehr: ich kann den Andern eine Maschine
nennen, die Schmerzen hat, d.h.: den andern    Körper  . Und ebenso, na-
türlich, meinen Körper. Dagegen hat das Phänomen der Schmerzen, wie es auf-
tritt
, wenn ‘ich Schmerzen habe’, mit meinem Körper, d.h. mit demn Erfahrun-
gen, die ich als Existenz meines Körpers zusammenfasse, gar nichts zu tun.
(Ich kann Zahnschmerzen haben ohne Zähne.) Und hier hat nun die Maschine gar
keinen Platz. — Es ist klar, die Maschine kann nur einen physikalischen Kör-
per ersetzen. Und in dem Sinne, wie man von einem solchen sagen kann, er
“habe” Schmerzen, kann man es auch von einer Maschine sagen. Oder wieder,
die    Körper  , von denen wir sagen, sie hätten Schmerzen, können wir
mit Maschinen vergleichen, und auch Maschinen nennen.


     

     Und ganz ebenso verhält es sich mit dem Denken und dem Gedächtnis.


     

     Es ist uns — wie gesagt — als ginge es uns mit dem Gedanken so, wie mit
einer Landschaft, die wir gesehen haben und beschreiben sollen, aber wir
erinnern uns ihrer nicht genau genug, um sie in? allen ihren Zusammenhängen
beschreiben zu können. So, glauben wir, können wir das Denken nachträglich

214
nicht beschreiben, weil uns alle die vielen feineren Vorgänge dann verloren
gegangen sind.
     Diese feinen Verhäkelungen möchten wir sozusagen unter der Lupe sehen.

215





     
49
“Was ist ein Gedanke, welcher Art muss er sein, um seine Funktion erfül-
len zu können?”
Hier will man sein Wesen aus seinem Zweck, seiner Funktion erklären.








     
     Wir fragen: Was ist ein Gedanke, welcher Art muss etwas sein, um die
Funktion des Gedankens verrichten zu können? Und diese Frage ist ganz ana-
log der: Was ist, oder, wie funktioniert, eine Nähmaschine. “Wie macht sie
das?” Aber die Antwort könnte sein: Schau den Stich an; alles, was der
Nähmaschine    wesentlich   [nicht sperren] ist, ist in ihm zu sehen; alles andre
kann so, oder anders sein.


     
     Wir fragen, wie muss der Gedanke beschaffen sein, um seine Bestimmung //Funktion // zu erfüllen; aber was ist denn seine Bestimmung // Funktion//?
Wenn sie nicht in ihm selbst liegt (d.h. wenn sie nicht ist, (das?) zu sein,
was er ist), liegt sie in seiner    Wirkung  ; aber die interessiert
uns nicht.


     
     Wir sind nicht im Bereiche der Erklärungen und jede Erklärung klingt
uns trivial.

216

     

     Aber dieser Verzicht auf die Erklärung macht es so schwer zu sagen,
was der Gedanke uns eigentlich bedeutet.


     
     Man kann etwa sagen: Er rechnet auf Grund von Gegebenem und endet in ei-
ner Handlung.


     
     Willst Du sehen wie der Gedanke verwendet wird: Die Berechnung der Wandstärke eines Kessels und,    der   entsprechenden,
Verfertigung ist ein sicheres Beispiel des Denkens. // …muss ein Beispiel
des Denkens sein.//
//die Berechnung der Wandstärke eines Kessels und die dieser entsprechenden
Verfer[i|t]igung…//


     

     Der Schritt, der von der Berechnung auf dem Papier zur Handlung führt,
ist noch ein Schritt der Rechnung.


     

     Wir sagen, wir werden das Denken untersuchen von dem Standpunkt aus, dass
es auch von einer Maschine ausgeführt werden könnte.
     Aber hier befinden wir uns in einer falschen Betrachtungsweise. Wir se-
hen das Denken für // als // einen Vorgang wie das Schreiben an, oder das
Weben das Erzeugen eines Stoffes, etc.. Und dann lässt sich natürlich sa-
gen, dass dieser Vorgang der Erzeugung sich im Wesentlichen auch maschinell
muss denken lassen.

217




     

      Aber ist nicht der Satz dieses
Wunderding ——? der sagt, was er
meint?
Denn so ein Wunderding, scheint es, brau-
chen wir.
     Und die Vorstellung scheint es dies zu sein,:
[d|D]enn wir können uns nicht fragen, ob, z.B.
unsere Vorstellung von diesem Menschen
wirklich die Vorstellung von diesem
Menschen sei oder von & nicht vielleicht von einem Andern der
ihm nur ähnlich sieht.



     
50
Ist die    Vorstellung   das Porträt par excellence, also grund-
verschieden, etwa, von einem gemalten Bild und durch ein solches oder
etwas Aehnliches nicht ersetzbar? Ist sie das, was eigentlich eine be-
stimmte Wirklichkeit darstellt, — zugleich Bild und Meinung Intention?








     
[Zu § 21]

     Sokrates zu Theaitetos: “Und wer vorstellt, sollte nicht etwas vor-
stellen?” Th.: “Notwendig”. Sok.: “Und wer etwas vorstellt, nichts Wirk-
liches?” Th.: “So scheint es”.


     
Und wer malt sollte nicht etwas malen —
& wer etwas malt, nichts wirkliches? — Ja, wasch
meinst Du: das Bild was er malt oder den Gegenstand
etwa den Menschen den es darstellt.



     

     “Ist die Vorstellung nur die Vorstellung, oder ist sie Vorstellung von
Etwas in der Wirklichkeit?”
     Und von dieser Frage aus könnte man // Und von dieser Frage aus könnte man…// auch die Beziehung der Vorstellung
zum gemalten Bild erfassen.
// denn ich kann nicht zweifeln wenn ich mir
Napoleon vorstelle, ob es wirklich Napoleon ist den
ich mir vorstelle oder nicht nur jemand der ihm

ähnlich sieht!



     

      Die Frage könnte aber nicht heissen: “Ist die Vorstellung immer Vor-
stellung von etwas, was inn der Wirklichkeit existiert” — denn das ist sie
offenbar nicht immer —; sondern, es müsste heissen: bezieht sich die
Vorstellung immer, wahr oder falsch, auf Wirklichkeit. — Denn das kann
man von einem gemalten Bild nicht sagen. — Aber worin besteht dieses
‘sich auf die Wirklichkeit beziehen?’
Es ist doch wohl die Beziehung des

218
Porträts zu seinem Gegenstand.


     

     Aber warum sollte man dann nicht sagen, dass eine Vorstellung Vor-
stellung eines Traumes sei?


     

     Wenn mit heute geträumt hat, dass N mich besuche und N besucht mich nun
wirklich, so war darum jene Traumphantasie? keine Erwartung, und die Tatsa-
che, dass N mich besuchte, keine Erfüllung der // einer // Erwartung.



     
51
Ist das Denken ein spezifisch organischer Vorgang? Ein spezifisch mensch-
lich-psychischer Vorgang? Kann man ihn in diesem Falle durch einen anor-
ganischen Vorgang ersetzen, der denselben Zweck erfüllt, aberlso sozusagen
durch eine Prothese?








     
Wenn man an den Gedanken als etwas spezi-
fisch menschliches organisches denkt, möchte
man fragen: kann man sich eine Gedankenpro
these denken? könnte es eine … geben?



     

     Der Gedanke’, das ist nichts organisches,
läßt sich mit nichts organischem vergleichen;
// sollte nicht mit etwas organischem ver-
glichen werden; das sich dann etwa
durch etwas [t|T]otes Anorganisches wie durch eine Prothese ersetzen läßt ließe.



     
     Eine Gedankenprothese ist darum nicht möglich, weil der Gedanke für uns
nichts spezifisch Menschliches ist.
     Wir könnten die Rechenmaschine als eine Prothese statt der 10 Finger
ansehen, aber die    Rechnung   ist nichts spezifisch Menschliches und
für sie gibt es keinen Ersatz // keine Prothese //.

220





     
52
Ort des Denkens.








     

     Das Denken: ein Vorgang im Gehirn
& Nervensystem; im Geist; auf dem im
Mund & Kehlkopf; auf dem Papier.



     

     Eine der gefährlichsten Ideen ist, merkwürdigerweise, dass wir mit dem
Kopf, oder im Kopf denken.


     

     Die Idee von einem <…> ein Die Idee vom Denken als einem… Vorgang im Kopf, in dem gänzlich abgeschlossenen Raum,
gibt dem Denken gibt ihm etwas Okultes.


     
     “Das Denken geht im Kopf vor sich” heisst eigentlich nichts anderes, als,
unser Kopf hat etwas mit dem Denken zu tun. Man sagt freilich auch: “ich
denke mit der Feder auf dem Papier” und diese Ortsangabe ist mindestens so
gut, wie die erste.


     

     Wenn wir fragen “wo geht das Denken vor sich”, so ist dahinter immer die
Vorstellung eines maschinellen Prozesses, der in einem abgeschlossenen Raum
vor sich geht, sehr ähnlich, wie der Vorgang die Vorgänge in der Rechenmaschine.


     

      Schon die Bezeichnung ‘Tätigkeit’ für's Denken ist in einer Weise irre-
führend. Wir sagen: das Reden ist eine Tätigkeit unseres Mundes.
Denn wir

221
sehen dabei unseren Mund sich bewegen und fühlen es, etc. In demselben diesem Sin-
ne kann man nicht sagen, das Denken sei eine Tätigkeit unseres Gehirns.
     Und kann man sagen, das Denken sei eine Tätigkeit des Mundes oder des
Kehlkopfs oder der Hände (etwa, wenn wir schreibend denken)?

     Zu sagen, Denken sei eben eine Tätigkeit des Geistes, wie Sprechen des
Mundes, ist eine Travestie (der Wahrheit).
     Wir gebrauchen eben ein Bild, wenn wir von der Tätigkeit des Geistes
reden.



     

     Das Denken ist nicht mit der Tätigkeit eines Mechanismus zu vergleichen,
die wir von aussen sehen // der wir von aussen zuschauen//, deren Inneres
aber wir sehen müssten // müssen// um sie zu verstehen.

     // Das Denken ist nicht die Tätigkeit eines Mechanismus, der wir von
aussen zusehen, deren Inneres aber erforscht werden muss.//

     // Das Denken ist nicht mit der Tätigkeit eines Mechanismus zu verglei-
chen, den wir von aussen sehen, in dessen Inneres wir aber erst dringen
müssen.//


     

     Die Wendung “dass etwas in unserem Geist vor sich geht”, soll, glaube
ich, andeuten, dass es im physikalischen Raum nicht lokalisierbar ist. Von
Magenschmerzen sagt man nicht, dass sie in unserem Geist vor sich gehen, ob-
wohl der physikalische Magen ja nicht der unmittelbare Ort der Schmerzen
ist, in dem Sinn, in welchem d er der Ort der Verdauung ist.


222





     

     Der Schrei als Ausdruck des Schmerzes,
der Satz als Ausdr. des Gedankens.




     

     Denken nennen wir einen bestimmten Gebrauch
von Symbolen.


     
53

        Gedanke und Ausdruck des Gedankens.








     
Der Gedanke ist nicht eine Art von Stimmung
die die durch den seinen Ausdruck wie
durch eine Droge hervorgerufen wird.
Und die Verständigung ˇdie Vermittlung des Gedankens mittels durch die Sprache
ist nicht der Vorgang daß ich durch ein
Gift im Andern die gleichen Schmerzen
hervorrufe wie ich sie habe.
     Welchen Was für einen Vorgang könnte man
“Gedankenlesen” nennen.


     

     Das Denken ein Vorgang in einem
ätherischen Mechanismus.



     

     Der Gedanke ist wesentlich das, was durch den Satz ausgedrückt ist, wo-
bei ‘ausgedrückt’ nicht heisst ‘hervorgerufen’. Ein Schnupfen wird durch
ein kaltes Bad hervorgerufen, aber nicht durch ein kaltes Bad ausge-
drückt.


     
     Man hat nicht den Gedanken, und    daneben   die Sprache. — Es ist
also nicht so, dass man für den Andern die Zeichen, für sich selbst aber
einen stummen Gedanken hat. Gleichsam einen gasförmigen oder ätherischen
Gedanken, im Gegensatz zu sichtbaren, hörbaren Symbolen.


     

     Man könnte so sagen, am    Gedanken   ist nichts wesentlich privat.—
Es kann jeder in ihn Einsicht nehmen.


     

     Man hat nicht den Zeichenausdruck und daneben, für sich selbst, den
(gleichsam dunkeln) Gedanken. Dann wäre es doch auch zu merkwürdig, dass
man den Gedanken durch die Worte sollte wiedergeben können.

223

     

     D.h.: wenn der Gedanke nicht schon artikuliert wäre, wie könnte der
Ausdruck durch die Sprache ihn artikulieren. Der artikulierte Gedanke aber
ist in allem Wesentlichen ein Satz.


     

     Wie sich der Gedanke zur Rede verhält, Um einzusehen, wie Gedanke & Rede sich zueinander verhalten kann man am besten verstehen,
wenn man bedenkt, ob bedenke man, ob etwa das Verständnis (der Gedanke) einer Rechnung
(etwa z.B. einer Multiplikation ˇz.B.) als gesonderter Prozess neben dem Rechnungsvor-
gang einherläuft.


     

     Wenn man das Verstehen, Wissen, etc., als    Zustand   auffasst, dann
nur hypothetisch im Sinne einer psychischen Disposition, welche auf der-
selben Stufe steht, wie eine physiologische Disposition.

S. 154/5√ S. 158/1√

     
     “Dachtest Du denn, als Du den Satz sagtest, daran, dass Napoleon…” —
“ich dachte nur, was ich sagte”.


     

     Plato nennt die Hoffnung eine Rede. (Philebos)


     

     Der Gedanke ist kein geheimer — und verschwommener — Prozess von dem wir
nur Andeutungen in der Sprache sehen, als wäre die Negation ein Stoss und
der Gedanke darauf wie? ein unbestimmter Schmerz, von diesem Stoss hervorge-
rufen, aber gänzlich von ihm verschieden.


     
     Gedankenlesen kann nur darin bestehen, dass wir Zeichen interpretieren,
also einfach lesen (nur vielleicht    andere   Zeichen). Oder aber es
besteht darin, dass Einem, wenn man des Anderen Hand hält (oder in andrer
Art mit ihm in Kontakt steht) Gedanken kommen, die durch nachträgliche
Fragen als die Gedanken auch des Anderen erkannt werden. Aber da handelt
es sich überhaupt um kein Lesen, sondern es wäre nur die    Hypothese  

224
erlaubt, dass zwei Leute unter gewissen Umständen das Gleiche dächten.


     

     Ist das Denken ein augenblicklicher Vorgang oder etwa ein andauernder
Zustand, wovon die Worte, der Satz, nur eine ungeschickte Wiedergabe sind
(sodass man etwa sagen könnte, wie von dem Eindruck einer Landschaft: Wor-
te können das gar nicht wiedergeben)? Der Gedanke braucht solange wie sein
Ausdruck. Weil der Ausdruck der Gedanke ist.


     
     Ich habe einmal gelesen, dass ˇ(einmal) diesen Ausspruch eines französischer Politikers gesagt hat gelesen,
die französische Sprache sei dadurch ausgezeichnet, dass in ihr die Wörter
in der Ordnung folgen, wie man wirklich denkt.


     
     Niemand würde fragen, ob die Multiplikation zweier Zahlen (etwa nach der
gewöhnlichen Art durchgeführt) gleichläuft mit dem Gedanken Gedankenprozess Denkvorgang. Weil jeder die
Multiplikation als ein Man be-
trachtet eben die Mult. als ein …
Instrument ansieht betrachtet. Während man den Gedanken Satz nicht
als ein Instrument ansieht.


     
     Die Idee, dass eine Sprache eine Wortfolge haben kann, die der Reihenfol-
ge des Denkens entspricht, im Gegensatz zu einer anderen Sprache anderen Sprachen, rührt von
der Auffassung her, dass das Denken vom Ausdruck der Gedanken getrennt vor-
geht. Also ein wesentlich anderer Vorgang ist. Nach dieser Auffassung könn-
te man nun freilich sagen: Die wesentlichen Eigenschaften des Negationszei-
chens offenbaren sich freilich erst nach und nach im Gebrauch, aber ich
   denke   die Negation auf einmal. Das Zeichen “nicht” ist ja nur ein Hin-
weis auf den Gedanken “nicht”. Es stösst mich nur, dass ich das Rechte den-
ke. (Es ist nur Signal.)

⋎ S. 156/4,5√

     

     Willkürlichkeit des sprachlichen Ausdrucks: Könnte man sagen: das Kind
muss das    Sprechen   einer bestimmten Sprache zwar lernen, aber nicht


225
das Denken, d.h. es würde von selber denken, auch ohne irgend eine Spra-
che zu lernen? ((D.h. Willkürlichkeit, wie sie gewöhnlich aufgefasst wird.
Sozusagen: “auf den Gedanken kommt es an, nicht auf die Worte<>.))
     Ich meine aber, wenn es denkt, so macht es sich eben Bilder und diese
Ich sind in einem gewissen Sinne willkürlich, insofern nämlich, als an-
dere Bilder denselben Dienst geleistet hätten. Und andererseits ist ja die Sprache auch natürlich entstanden, d.h., es muss wohl einen ersten Men-
schen gegeben haben, der einen bestimmten Gedanken zum ersten Mal in ge-
sprochenen Worten ausgedrückt hat. Und übrigens ist das Ganze gleichgül-
tig, weil in gesprochenen Worten ausgedrückt jedes Kind, das die Sprache
lernt, sie nur in dieser Weise lernt, dass es anfängt in ihr zu denken.
Plötzlich anfängt; ich meine: Es gibt kein Vorstadium, in welchem das
Kind die Sprache zwar schon gebraucht, sozusagen zur zum Zweck der Verständigung ge-
braucht, aber noch nicht in ihr denkt.


     
Lernt das Kind nur sprechen, & nicht
auch denken? Lernt es den Sinn des Multiplizierens
vor, oder nach, dem Multiplizieren?
Oft müßte könnte man auf die Frage “was meinst Du,
wenn Du sagst…?” nur Antworten: ich meine nur
was ich sage.



     

      Ich weiß bin nicht ganz sicher, aber ziemlich sicher daß er kommen wird.” nicht ganz sicher Ich meine, was ich sage.



     

     Ist es quasi eine Verunreinigung des Sinnes, dass wir ihn in einer be-
stimmten Sprache, mit ihren Zufälligkeiten, ausdrücken und nicht gleichsam
körperlos und rein?? Nein, denn es ist wesentlich, dass ich die Idee der
Uebersetzung von einer Sprache in die andere verstehe.


     

     Spiele ich eigentlich doch nicht das Schachspiel selbst, da die Figuren
?—ja auch anders sein könnten?! andere Formen haben könnten?


     

      Beweise die das Dez. Syst. verwenden.


226




     
     Da der Sinn eines Satzes ganz in der Sprache fixiert ist, und es auf
den Sinn ankommt, so ist jede Sprache gleich gut. Der Sinn aber ist, was
Sätze, die in einander übersetzbar sind, gemein haben.



     
54
Was ist der Gedanke? Was ist sein Wesen?
“Der Gedanke, dieses seltsame Wesen”.








     
Sage Dir ˇ(beim Philosophieren): immer wieder: daß [d|D]enken etwas ˇganz hausbackenes
sein muß. Daß es sich nicht Es handelt sich nicht darum handelt,
ein geheimnisvolles Wesen
zu studieren. daß Daß Du verführt bist, — wenn Du meinst denkst, daß es hier da ein
seltsamer Vorgang vorliegt ist.
; daß es eine Verführung ist, zu meinen, , wenn wir denken,
daß hier etwas Geheimnisvolles vorliegt.
daß uns hier ein geheimnisvoller Vorgang vorliegt.
daß es eine Verführung ist, die was Dich das
Denken als einen geheimn. Vorg. sehen läßt.
--- daß Du verführt bist sowie wenn Du das Denken
als seltsamen Vorgang (an)sieht.
--- daß Du verführt bist, wenn Dir das Denken
als ein seltsamer Vorgang erscheint.




     

     Der Gedanke, soweit man überhaupt von ihm reden kann, muss etwas ganz
hausbackenes sein. (Man pflegt sich ihn als etwas Aetherisches, noch Uner-
forschtes, zu denken; als handle es sich um Etwas, dessen Aussenseite bloss
wir kennen, dessen Wesen aber noch unerforscht ist, etwa wie das unseres
Gehirns.) unser Gehirn.)


     

     Der Gedanke hat aber nur eine Aussenseite und kein Innen. Und ihn ana-
lysieren heisst nicht in ihn dringen.


     

     Man kann wieder nur die Grammatik des Wortes “erwarten” //“denken”//
explicit machen. (Und so des Wortes “erwarten” //“denken”//, etc..)

227




     
55
Zweck des Denkens.

Grund des Denkens.








     

     Wozu denkt der Mensch? Weil
Denken sich bewährt hat?
     Denkt man, weil man denkt, es
sei vorteilhaft zu denken?
     Erzieht er seine Kinder weil es sich sich das
bewährt hat?



     

     Wozu denkt der Mensch? wozu ist es nütze? Wozu    berechnet   er
Dampfkessel und überlässt ˇ[die| ihre] Dimensionen Wandstärke es nicht dem Zufall[,|?] wie stark er ihre Wand Wände
macht // wie stark die Wand des Kessels wird //?
Es ist doch nur Erfahrungs-
tatsache, dass Kessel, die so berechnet wurden, nicht so oft explodieren
// explodierten //. Aber so, wie er alle[r|s] eher täte, als die Hand ins Feuer
stecken, das ihn früher gebrannt hat, so wird er alles eher tun, als den
Kessel nicht berechnen. Da Wenn uns aber Ursachen nicht interessieren, so können werden
wir nur sagen: die Menschen denken tatsächlich: sie gehen (z.B.) auf diese
Weise vor, wenn sie einen Dampfkessel bauen. Und dieses Vorgehen hat sich bewahrt¿.¿ Kann nun ein so erzeugter Kes-
sel nicht explodieren? Oh ja. Doch! Oh freilich. — Warum sollte er denn nicht?



     
Denkt der Mensch also, weil [d|D]enken sich
bewährt hat? Weil er denkt, es sei vorteilhaft zu denken?
[i|I ]n gewissen speziellen Fällen wird man
das sagen können.

      In gewissen, speziellen, Fällen
aber wird man ˇaber sagen können:
Heute berechnet man dies, weil &
überläßt es nicht ˇmehr dem Gefühl (oder dem Zufall)
weil es sich das bewährt hat.
Man kann auch sagen
es hat sich bewährt diese
Berechnungen immer genau
¿k¿ontrollieren zu lassen.
Und doch kann man sagen,
das Denken habe sich bewährt.
Es seien jetzt weniger Kesselex-
plosionen als früher seit
man die Dimensionen etwa
nicht mehr nach dem Gefühl
bestimmt sondern auf die & die
Weise berechnet. Oder, seit man
jede Rechnung unabhängig von
zwei Leuten ausführen läßt.

Manchmal, also, denkt man
weil es sich bewährt hat.

     
     Sich etwas überlegen. Ich überlege, ob ich jetzt ins Kino gehen soll.
Ich mache mir ein Bild der Zeiteinteilung des Abends. Aber    wozu   tue
ich das?? Ich mache ja kein “Gedankenexperiment”!


     
Wie wäre herauszubringen: warum er denkt?



     

     Wir verstehen alle, was es heisst, in einem Kalender nachschlagen, an
welchem Tag der Woche wir frei sind. Das Bild, das wir sehen, ist etwa


228
und wir sagen nun, wir seien nur Freitag frei, und handeln
demgemäss. Mit welcher Berechtigung handeln wir nach dem Bild Fahrplan?


     

     Wir erwarten etwas und handeln der Erwartung gemäss. Muss die Erwartung
eintreffen? Nein. --- Warum aber handeln wir nach der Erwartung? Weil wir dazu
getrieben werden, wie dazu, einem Automobil auszuweichen, uns niederzuset-
zen, wenn wir müde sind und aufzuspringen, wenn wir uns auf de einen Dorn
gesetzt haben.


     
     Die Natur des Glaubens an die Gleichförmigkeit des Geschehens wird viel-
leicht am klarsten im Falle, in dem wir Furcht vor dem [e|E]rwarteten Ereignis
em[f|p]finden. Nichts könnte mich dazu bewegen, meine Hand in die Flamme zu
stecken, obwohl ich mich doch    nur in der Vergangenheit  
verbrannt habe.


     

     Dass mci mich das Feuer brennen wird, wenn ich die Hand hineinstecke:
das ist Sicherheit.
     D.h., da sehe ich sehen wir siehst Du was Sicherheit bedeutet. (Nicht nur was das Wort “Si-
cherheit” bedeutet, sondern auch, was es mit ihr auf sich hat.)


     

     Der Glaube, dass mich das Feuer brennen wird, ist von der Natur der
Furcht, dass es mich brennen wird.


     

     Wenn man mich ins Feuer zöge, so würde ich mich wehren und nicht gut-
willig gehn; und ebenso würde ich schreien: “das Feuer es wird mich brennen!”
und ich würde nicht schreien: “vielleicht wird es ganz angenehm sein!”


     

     Ich kalkuliere    so  , weil ich nicht anders kalkulieren kann. (Ich
glaube    das  , weil ich nicht anders glauben kann.)

229

     

     Es lässt sich kein // Man kann keinen // Grund angeben, Was sollte ich für einen Grund angeben, Was sollte ich als Grund angeben dafür, weswegen weswegen man
denken soll.       Es sei denn ein einen Grund von der Art dessen, weswegen man essen soll.


     

     Man kann einen Gedanken aus anderen begründen, aber nicht das Denken Es ist eines: einen Gedanken aus andern begründen, —
ein anderes: das Denken begründen
.
Das, glaube ich, ist es, was unsere Untersuchung rein beschreibend macht.


     
     Es lässt sich kein rationaler Grund angeben, weshalb wir denken sollten
// müssten //. Ich weiß nicht, warum ich denken sollte.
Aber ich denke.



     

      Fahrplan
     Ich nehme an, dass dieses Haus nicht in einer halben Stunde zusammen-
stürzen wird. Wann nehme ich das an? Die ganze Zeit? und was ist dieses An-
nehmen für eine Tätigkeit? Heisst, das annehmen, nicht (wieder) zweierlei?
Einmal bezeichnet es eine hypothetische psychologische Disposition; einmal
den Akt des Denkens, Ausdrückens, jenes Satzes // des Satzes “das Haus wird
nicht einstürzen”//. Im ersten Sinne ist das Kriterium dafür, dass ich
jene Annahme mache // das annehme// das, was ich sonst sage, fühle und
tue; im andern Sinn, dass ich einen Satz sage, der wieder ein Glied einer
Rechnung // Kalkulation// ist. Nun sagt man: Du musst aber doch einen
Grund haben, das anzunehmen, sonst ist die Annahme ungestützt und wertlos
(erinnere Dich daran, dass wir zwar auf der Erde stehen, die Erde aber
nicht wieder auf irgend etwas; und Kinder glauben, sie müsse fallen, wenn
sie nicht gestützt ist). Nun, ich habe auch Gründe zu meiner Annahme. Sie
lauten etwa: dass das Haus schon jahrelang gestanden hat, aber nicht so
lang, dass es schon baufällig sein könnte, etc.etc..    Was   ein Grund
   wofür   ist (Was als Grund wofür gilt), kann von vornherein angegeben
werden und beschreibt // bestimmt// einen Kalkül, in welchem // dem//
eben das eine ein Grund des andern ist. Soll aber nun ein Grund für diesen
ganzen Kalkül gegeben werden, so sehen wir, dass er fehlt. Fragt man aber,


230
ob der Kalkül also eine willkürliche Annahme ist, so ist die Antwort, dass
er so wenig ist, wie die Furcht vor dem Feuer oder einem wütenden Men-
schen, der sich uns nähert.
Ist es [w|W]illkürlich, daß wir das als Grund
von dem betrachten? Ist es [w|W]illkürlich, daß wir
auf die Erzählung des A dieser Hund habe ihn
gebissen, diesem Hund nicht in die Nähe gehen
wollen?

     Wenn man nun sagt: gewiss sind doch die Regeln der Grammatik, nach de-
nen wir vorgehen und operieren, nicht willkürlich; so müsste man zur Ant-
wort fragen: Gut also, warum denkt denn ein Mensch wie er denkt? warum
geht er denn durch diese Denkhandlungen? (gefragt ist hier natürlich nach
den Gründen    Gründen  , nicht Ursachen). Nun, da lassen sich Gründe in
dem Kalkül angeben; und ganz zum Schluss ist man dann versucht zu sagen:
“es ist eben sehr wahrscheinlich, dass sich das Ding jetzt so verhalten
wird, wie es sich immer verhalten hat” //…dass das Ding jetzt das glei-
che Verhalten zeigen wird, das es immer gezeigt hat”//, — oder dergleichen.
Eine Redensart, die den Anfang des Raisonnements verhüllt und hier // an
diesem Anfang
// eine ähnliche Rolle spielt, wie der Schöpfer am Beginn
// Anfang// der Welt, der // welcher// zwar in Wirklichkeit nichts er-
klärt, aber ein einen den Menschen acceptabler acceptablen Anfang ist. macht.
     Das, was so schwer einzusehen ist, ist, ˇeigentlich, Das was so schwer einzusehen ist, lautet eigentlich etwa: <…>
dass,    solange   wir ein
Wahr-Falsch-Spiel spielen // dass,    solange   wir im Bereich der Wahr-Falsch-Spiele bleiben //, eine Aenderung der Gramm. uns nur von einem
solchen Spiel zu einem andern führen kann, aber nicht Das, was so schwer einzusehen ist: Solange
wir im Bereich der W.F.Spiele bleiben, kann
uns eine Änderung der Grammatik nur von
einem solchen Spiel zu einem andern führen,
aber nicht…
von etwas Wahrem zu
etwas Falschem. Und wenn wir anderseits aus dem Bereich dieser Spiele
heraustreten, so nennen wir es eben nicht mehr Grammatik, und zu einem Wi-
derspruch mit der Wirklichkeit kommen wir wieder nicht.


     

     Denken wir uns die Tätigkeit in einem Haus, in einer Werkstätte. Da wird
gehobelt, gesägt, gestrichen, etc.etc.; und ausserdem gibt es da eine Tä-
tigkeit, die man ‘rRechnen’ nennt, und die sich scheinbar von allen den an-
dern unterscheidet // von allen diesen unterscheidet//, besonders, was
den // ihren// Grund anbelangt. Wir machen da etwa ein Bild, die Tätigkeit

231
des Rechnens (Zeichnens, etc.) verbindet Teile der andern Tätigkeit. Er
setzt aus, rechnet etwas, dann misst er und arbeitet mit dem Hobel weiter.
Er setzt auch manchmal aus, um das Hobelmesser zu schleifen; aber ist diese
Tätigkeit analog der andern des Kalkulierens? — “Aber Du glaubst doch auch,
dass mehr Kessel explodieren würden // mehr Kesselexplosionen wären //,
wenn die Kessel nicht berechnet würden”. Ja, ich glaube es bin überzeugt davon; — aber was will
das sagen? Folgt daraus, dass weniger    sein   werden? Und was ist denn
die Grundlage dieses Glaubens?
     Wenn man nun nach dem Grund einer einzelnen Denkhandlung (Kalkülhand-
lung) fragt, so erhält man als Antwort die Auseinandersetzung eines Systems
dem die Handlung angehört.


     
“Ist also also daß es sich in der
Vergangenheit bewährt hat kein
guter Grund zu anzunehmen daß
es in Zukunft so sein wird? —
Das ist was wir einen guten Grund
nennen.?

232





     
   Grammatik  .






















233




     
56
Die Grammatik ist keiner Wirklichkeit Rechenschaft schuldig.
Die grammatischen Regeln bestimmen erst die Bedeutung (konstituieren sie)
und sind darum keiner Bedeutung verantwortlich und insofern willkürlich.








     

     Angenommen, wir lassen die Uebersetzung in die Gebärdensprache fort;
zeigt es sich dann in der Anwendung (ich meine, in den grammatischen Regeln
der Anwendung), dass diese Uebersetzung möglich ist?


     

     Und kann es sich nur zeigen, dass dsie    möglich   ist, oder auch,
dass sie notwendig ist?
     Wenn sie    notwendig   ist, so heisst das, dass die Sprache ver-
mittels des roten Täfelchens in irgend einem Sinn notwendig ist; und nicht
gleichberechtigt der Wortsprache.


     

     Aber wie könnte das sein? denn dann wären ja die hinweisenden Erklärun-
gen überflüssig: das heisst aber schon, implicite in den andern enthalten.
Wie kann denn eine Regel eines Spiels überflüssig sein,    wenn   es eben
   das   Spiel sein soll, was auch durch    diese   Regel charakterisiert
wird.

234

     

     Der // Mein // Fehler besteht hier immer wieder darin, dass ich vergesse
dass erst    alle   Regeln das Spiel, die Sprache, charakterisieren, und
dass diese Regeln nicht einer Wirklichkeit verantwortlich sind, so dass sie
von ihr kontrolliert würden, und so dass man von einer Regel bezweifeln
könnte, dass sie notwendig, oder richtig, wäre. ([C|V]ergleiche das Problem der
Widerspruchsfreiheit der Nicht-euklidischen Geometrie.)


     
     Die Grammatik ist keiner Wirklichkeit verantwortlich.


     
     (Die Grammatik ist kei der Wirklichkeit nicht Rechenschaft schuldig.)


     

     Kann man diese hinweisende Erklärung mit den ˇübrigen Regeln der Verwendung ˇdes Worts kolli-
dieren?


     

      Denn eigentlich können ja Regeln nicht kollidieren, ausser sie widerspre-
chen einander. Denn im Uebrigen bestimmen sie ja eine Bedeutung, und sind
nicht einer verantwortlich, so dass sie ihr widersprechen könnten. ((Dazu
eine Bemerkung, dass die hinweisende Erklärung    eine   der Regeln ist,
die von einem Wort gelten.))



     

     Eine Sprache ist, was sie ist, und eine andere Sprache ist nicht    die-
se
   Sprache. Ich gebrauche also die Nummern des Musterkataloges anders,
als die Wörter “rot”, “[B|b]lau”, etc..



     

     Überlege: “Das einzige Korrelat, in der Sprache, zu einer Naturnotwendigkeit ist
eine willkürliche Regel. Sie ist das einzige, was man von dieser Notwendig-
keit in Sätze // einen Satz // abziehen kann.
Bezieht sich auf Sätze wie ~~p = p




     

In diesem Sinn würde man es eine willkür-
liche Regel nennen, die Ingredientien
beim Kochen nach Pfund zu wägen, aber
nicht Eier 3 Minuten lang kochen zu
lassen.

     “Die Maßeinheit ist willkürlich”
(wenn dies nicht heißen soll: “wähle
in diesem Falle die Einheit ganz wie
Du willst”) sagt nichts anderes,
als daß die Angabe der Maßeinheit
keine Längenangabe ist (obwohl sie
so klingt). Und zu sagen, die Regeln
der Grammatik sind willkürlich, sagt
bloß: Verwechsle eine Regel nicht mit
einem über den Gebrauch des Wortes A
nicht mit einem Satz, in dem vom Wort
A Gebrauch gemacht wird G Denke
nicht daß die Regel in über ”A” sei in
ähnliche[m|r] Sinne Weise einer Realität
verantwortlich ist , wie der Erfahrungs-
satz der “A” enthält. von A handelt.


     Die Regeln der Grammatik sind so (d.h. in demselben Sinne) willkürlich,
ˇ& in demselben Sinne nicht willkürlich wie die Wahl einer Masseinheit. Aber das kann doch nur heissen, dass sie
von der Länge des Zumessenden unabhängig ist. Und dass nicht die Wahl der
einen Einheit ‘wahr’, der andern ‘falsch’ ist, wie die Angabe der Länge
wahr oder falsch ist. Was natürlich nur eine Bemerkung über die Grammatik
des Wortes “Längeneinheit” ist.
Man drückt dies auch so aus: diese Regeln
seien ‘praktisch’ oder ‘unpraktisch’ ‘brauch-
bar’ oder ‘unbrauchbar’ aber nicht
‘wahr’ oder ‘falsch’



     Die grammatischen Regeln
sind zu vergleichen Regeln über
das Messen Vorgehn beim Messen der von Zeiträumen
der Zeit, von Zeiträumen
<…> von Entfernungen ˇTemperaturen, Kräften etc. etc.
Oder auch: diese methodologischen
Regeln sind ˇselbst Beispiele grammatischer
Regeln.

Grammatische Regeln wird man mit
Vorteil Übereinkommen vergleichen.

     Diese Regeln des Vorgehens sind willkür-
lich heißt kann nur heißen: Wenn Dein Zweck
nur der ist, so kannst Du ihn
auf alle diese Weisen erreichen.

“Wenn Du mit diesem Zeichen die Nega
tion ausdrücken willst, so mußt Du
davon von ihm die & die die Regeln gelten lassen.” —
Was für ein eine Art Satz ist das?

     Man ist versucht, die Regeln der Grammatik durch Sätze zu rechtfertigen
von der Art: “Aber es gibt doch wirklich 4 primäre Farben”; und gegen die
Möglichkeit die[w|s]er Rechtfertigung, die nach dem Modell der Rechtfertigung
eines Satzes durch (den?) Hinweis auf seine Verifikation gebaut ist, richtet
sich das Wort, dass die Regeln der Grammatik willkürlich sind.
     Kann man aber nicht doch in irgend einem Sinne sagen, dass die Gramma-
tik der Farbwörter die Welt, wie sie tatsächlich ist, charakterisiert? Man
möchte sagen: kann ich nicht wirklich vergebens nach einer fünften primä-
ren Farbe suchen? (Und wenn man suchen kann, denn ist ein Finden denkbar.)
Nimmt man nicht die primären Farben zusammen, weil sie eine Aehnlichkeit


237
haben, oder zum mindesten die Farben, im Gegensatz z.B. von // zu den//
Formen oder Tönen, weil sie eine Aehnlichkeit haben? Oder habe ich, wenn
ich diese Einteilung der Welt als die richtige hinstelle, schon eine vorge-
fasste Id[d|e]e als Paradigma der im Kopf? Von der ich dann etwa nur sagen kann:
“ja, das ist die Weise // Art//, wie wir die Dinge betrachten”, oder “wir
wollen eben ein solches Bild (von der Wirklichkeit) machen”. Wenn ich näm-
lich sage: “die primären Farben haben doch eine bestimmte Aehnlichkeit mit-
ch
einander” — woher nehme ich den Begriff dieser Aehnlichkeit? D.h.: habe ich
hier eine Funktion “x ähnlich mit y”, in die ich die Farben als Argumente
einsetzen kann?
Ist nicht so, wie der Begriff “primäre Farbe” nichts andres
ist, als “blau oder ro[r|t] oder grün oder gelb”, — auch der Begriff jener Aehn-
lichkeit nur durch die vier Farben gegeben? Ja, sind sie nicht die gleichen!
Ja, könnte man denn auch rot, grün und kreisförmig zusammenfassen?” — Warum
nicht?!
     Die Wichtigkeit in einem Spiel eines Spiels liegt darin, dass wir dieses Spiel spie-
len. Dass wir    diese   Handlungen ausführen. Es verliert seine Wichtig-
keit nicht dadurch, dass es selbst nicht wieder eine Handlung in einem an-
dern (übergeordneten) Spiel ist.      Warum nenne ich die Regeln des Kochens nicht willkürlich; und warum bin
ich versucht, die Regeln der Grammatik willkürlich zu nennen? Weil das Ko-
chen durch seinen Zweck definiert ist, dagegen der die Regeln des Gebrauchs der Sprache das Sprechen
nicht. Darum ist der Gebrauch der Sprache in einem gewissen Sinne autonom, in
dem das Kochen und Waschen es nicht ist. Denn, wer sich beim Kochen nach an-
dern als den richtigen Regeln richtet, kocht schlecht; aber wer sich nach
andern Regeln als denen des Schach richtet, spielt ein    ein anderes
Spiel
   und wer sich nach andern grammatischen Regeln richtet, als den
und den, spricht darum nichts Falsches, sondern von etwas Anderem.


     

     Könnte ich den Zweck der grammatischen Konventionen dadurch beschreiben,


238
dass ich sagte, ich müsste sie machen, weil etwa die Farben gewisse Eigen-
schaften haben, so wären damit diese Konventionen überflüssig, denn dann
könnte ich eben das sagen, was die Konvention gerade ausschliessen.
Umge-
kehrt, wenn die Konventionen nötig waren, also gewisse Kombinationen der
Wörter als unsinnig ausgeschlossen werden mussten, dann kann ich eben darum
nicht eine Eigenschaft der Farben angeben, die die Konventionen nötig mach-
te, denn dann wäre es denkbar, dass die Farben diese Eigenschaft nicht hät-
ten und das könnte nur entgegen den Konventionen ausgedrückt werden.



     

     Angenommen man wollte eine Grammatische Kon-
vention damit rechtfertigen, daß — z.B. — die Farben
die & die Eigenschaften haben & daher gewisse Regeln
für den Gebrauch der Farbwörter gelten // gelten müßten //
Dann wäre es nach dieser Grammatik auch denkbar,
ˇnämlich sagbar, daß die Farben diese jene Eigenschaften nicht hätten
& es müßte sich nach ihr alles sagen lassen, was
dann der Fall wäre., wenn



     
     ‘Die grammatischen Regeln sind
willkürlich’ heißt…

     
     Ich <…> nenne die Regel Vorschriften der Darstellung keine Konvention, die sich durch
Sätze rechtfertigen lässt, Sätze, welche das Dargestellte beschreiben und
zeigen, dass die Darstellung adäquat ist. Die Konventionen der Grammatik
lassen sich nicht durch eine Beschreibung des Dargestellten rechtfertigen.
Jede solche Beschreibung setzt schon die Regeln der Grammatik voraus. D.h.,
was in der zu rechtfertigenden Grammatik als Unsinn gilt, kann <…> in der
Grammatik der rechtfertigenden Sätze auch nicht als Sinn gelten, u.u.

ch

     
     Wer etwas dagegen hat, dass man sagt, die Regeln der Grammatik seien
Spielregeln, hat in dem Sinne Recht, dass das, was das Spiel zum Spiel macht
die Konkurrenz von Spielern, der Zweck der Unterhaltung und Erholung, in der
Grammatik abwesend ist, etc.. Aber niemand wird leugnen, dass das Studium
des Wesens der Spielregeln für das Studium der grammatischen Regeln nützlich
sein muss, da (irgend) eine Aehnlichkeit eine Analogie zweifellos offenbar besteht. Es ist
überhaupt besser, ohne ein gefasstes Urteil oder Vorurteil über die Analogie
zwischen Grammatik und Spiel, und nur getrieben von dem sicheren Instinkt,
dass hier eine Verwandtschaft vorliegt, die Spielregeln zu betrachten. Und
hier wieder soll man einfach berichten, was man sieht und nicht fürchten,
dass man ei damit eine wichtige Anschauung untergräbt, oder auch, seine Zeit

239
mit etwas Ueberflüssigem verliert.
     Man sieht dann vor allem, wie der Begriff des Spiels und damit der Spiel-
regel ein an den Rändern verschwimmender ist.
     Ferner sieht man etwa Folgendes, wenn man die Regeln z.B. des Schachspiels
betrachtet: Es gibt hier Sätze, die die Züge der einzelnen Figuren beschrei-
ben; allgemeiner ausgedrückt, Regeln über Spielhandlungen. Dann aber gibt es
doch die Sätze, die die Grundstellung beschreiben und solche, die das Schach-
brett beschreiben.


     

      Dieser Kalkül ˇdie Zahlentheorie etwa zeigt nicht, welche
ˇwunderbare Eigenschaften Gott den Zahlen gege-
ben hat; sondern, welche Eigen-
schaften er uns & den Dingen ge-
geben hat, daß dieser Kalkül
nützlich, interessant, &, mit
unsern Schreibmaterialien, ˇleicht aus-
führbar
ist.

240




     
     Die Regel ist eine Anwendung der
Satzform; sie grenzt sie geht nach verschie-
denen Seiten in Befehl, Rat, Vorschlag, Erklärung
eines Spiels, Erfahrungssatz u.a. über.



     
57
Regel und Erfahrungssatz.

Sagt eine Regel, dass Wörter tatsächlich so und so gebraucht werden?








     
     Eine Regel verglichen mit einem
Weg. Sagt ein Weg man solle auf
ihm (& nicht auf dem Rasen) gehen? Sagt
er ˇaus die Menschen gingen meistens so?


     
Regel und Erfahrungssatz. Ist eine Regel Was ist eine Regel? Ist sie ein Erfahrungssatz — etwa (z.B.)
über den Gebrauch der Sprache? Ist eine Regel des Schachspiels ein Satz
darüber, wie die Menschen seit dem Ereignis der Erfindung des Schach-
spiels es gespielt haben; d.h. etwa mit so geformten Figuren gezogen ha-
ben? Denn, wenn davon die Rede ist, dass die Menschen das Schachspiel
so gespielt haben, so muss das Schachspiel so definiert sein, dass es
Sinn hat, davon auszusagen, es sei anders gespielt worden. Sonst nämlich
gehören die Regeln zur Definition des Schachspiels. Dass jemand der Re-
gel … gemäss spielt, das ist eine Erfahrungstatsache; oder: “A spielt
der Regel … gemäss”, “die meisten Menschen spielen der Regel … ge-
mäss”, “niemand spielt der Regel … gemäss” sind Erfahrungssätze. Die
Regel ist kein Erfahrungssatz, sondern nur der Teil eines solchen Sat-
zes.
     Ist eine Regel ein Befehl? oder eine Bitte? Ist eine Bitte & was ist eine Bitte? Schau wie
der Satz wirklich im Verkehr gebraucht wird¿.¿

     Die Regel ist die Festsetzung der Masseinheit // Die Regel setzt die
Masseinheit fest //, und der Erfahrungssatz sagt, wie la[h|n]g ein Gegen

stand ist. (Und hier sieht man, wie logische Gleichnisse funktionieren,
denn die Festsetzung der Masseinheit ist wirklich eine grammatische Re-

241
gel und die Angabe einer Länge in dieser Masseinheit ein Satz, der von
der Regel Gebrauch macht.)


     

     Wenn man die Regel dem Satz beifügt, so ändert sich der Sinn des Sat-
zes nicht. Wenn die Definition des Meters ˇist, es sei die Länge des Pariser Urmeters,
ist, so sagt der Satz “dieses Zimmer ist 4m lang” dasselbe wie, “dieses
Zimmer ist 4m lang; , und 1m = die Länge des Pariser Urmeters”.
     Die Legende zu einer Landkarte ist so eine Anweisung zum Gebrauch —
oder ˇzum Verständnis — einer Beschreibung. |[Ende]|

     Diese Legende sagt jedenfalls nichts über die Geographie des Landes
aus. So wenig, wie der Satz ” 1m ist die Länge des ˇPariser Urmeters in Paris
die Länge eines Gegenstandes beschreibt angibt.



     

     Ferner muss sich ˇFerner bezieht sich die Regel auf die ihre Anwendung in der Beschreibung (<…> der
Wirklichkeit
) beziehen. Denn, was hat es für einen Sinn von einem Stab zu
sagen “das ist das Urmeter”, wenn sich diese Aussage nicht auf Messungen
mit dem Metermass bezieht. Insofern könnten wir uns die Regel jedem Satz
beigefügt denken.
     Die Regel ist eine Art vorgezeichneter Route; ein vorgezeichneter Weg.


     

     Die Regel möchte ich ein Instrument nennen.


     

     Wenn eine Regel ein Satz ist, dann wohl einer, der von den Wörtern der
Sprache handelt. Aber was sagt so ein Satz von den Wörtern aus? Dass sie
in dem und dem Zusammenhang gebraucht werden? Aber von wem und wann?
Oder, dass jemand wünscht, dass sie so gebraucht werden? Und wer? — Viel-
mehr ist die Regel von allen diesen solchen Aussagen ein Teil.


     

      Die Regel “links gehen!” oder einfach ein Pfeil. Wie, wenn ich mir in
meinem Zimmer einen Pfeil an die Wand malte — wäre der auch der Ausdruck

242
eines Gesetzes, wie es der Pfeil auf einem Bahnhof wohl sein könnte? Um
ihn zu einem Gesetz zu machen, gehört doch // wohl// noch der übrige Ap-
parat, dessen ?—einer Teil der Pfeil nur ist—?.
     (Sraffa) Ein Ingenieur baut eine Brücke; er schlägt dazu in mehreren
Handbüchern nach; in technischen Handbüchern und in juridischen. Aus dem
einen erfährt er, dass die Brücke zusammenbrechen würde, wenn er diesen
Teil schwächer machen würde als etc.etc.; aus den andern, dass er einge-
sperrt würde, wenn er sie so und so bauen wollte // würde//. — Stehn nun
die beiden Bücher nicht auf gleicher Stufe? — Das kommt drauf an, was für
eine Rolle sie in seinem Leben spielen. Das juridische Handbuch kann ja
für ihn einfach ein Buch über die Naturgeschichte der ihn umgebenden Men-
schen sein. Vielleicht muss er auch ein Buch über das Leben der Biber nach
schlagen, um zu erfahren, wie er die Brücke streichen muss, dass die Biber
sie nicht annagen. — Gibt es aber nicht noch eine andere Weise, die Ge-
setze zu betrachten? Fühlen wir nicht sogar deutlich, dass wir sie nicht
so betrachten? — Ist dies nicht die gleiche Frage, wie: — Ist ein Vertrag
nur die Feststellung, dass es für die Parteien nützlich ist, so und so zu
handeln? Fühlen wir uns nicht in manchen Fällen (wenn auch nicht in</>allen)
auf andre Weise “durch den Vertrag gebunden”? Kann man nun sagen: “Wer
sich durch einen Vertrag oder ein Gesetz gebunden fühlt, stellt sich irr-
tümlicherweise das Gesetz als einen Menschen (oder Gott) vor, der ihn mit
physischer Gewalt zwingt”? — Nein; denn, wenn er handelt, als ob ihn je-
mand zwänge, so ist doch seine Handlung jedenfalls Wirklichkeit und auch
die Vorstellungsbilder, die er etwa dabei hat, sind nicht Irrtümer; und er
braucht sich in nichts irren und kann doch handeln wie er handelt und sich
auch vorstellen, was er sich etwa vorstellt.
Die Worte “der Vertrag bindet
mich” sind zwar eine bildliche Darstellung und daher mit der gewöhnlichen
Bedeutung des Wortes “binden” ein falscher Satz: aber, richtig aufgefasst,
sind sie wahr (oder können es sein) und unterscheiden einen Fall von dem,



243
in welchem der Vertrag mir bloss sagt, was zu tun mir nützlich ist. Und
wenn man etwas gegen die Worte einwendet “der Vertrag (oder das Gesetz)
bindet mich”, so kann man nichts sagen gegen die Worte: “ich    fühle  
mich durch den Vertrag gebunden”.



     

      Die Regel — wie ich sie verstehe — ist wie ein Weg in einem Garten.
Oder wie die vorgezeichneten Felder auf einem // dem// Schachbrett, oder
die Linien einer Tabelle. Von diesen Linien etc. wird man nicht sagen, dass
sie uns etwas mitteilen (obwohl sie ein Teil einer Mitteilung sein können,
ja auch selbst Mitteilungen). Ich lege in einer Abmachung mit jemandem ei-
ne Regel fest. In dieser Abmachung teile ich ihm etwa die Regel (einer
künftigen Darstellung) mit. Ich sage ihm etwa: “der Plan, den ich Dir von
meinem Haus zeichne, ist im Masstab 1:10”. Das ist eigentlich ein Teil der
Beschreibung des Hauses. Und wenn ich schreibe non-p & (non-non-p = p)
so ist das wirklich ähnlich, wie wenn ich dem Plan den Masstab beifüge.


      Kann man “ non” nicht in der gegenwärtigen
selben Bedeutung gebrauchen ob
man nun definiert ~~p = p oder
~~p = ~p? Denn warum sollen wir
nicht wie in vielen Wortsprachen eine doppel-
te Negation als Negation verwenden?
Man könnte dann etwa unterscheiden
zwischen ~(~p) = p & ~~p = ~p aber eine
Schreibweise ~(~p) braucht es gar nicht ˇin unserer Sprache zu geben
& die Schreibweise ~~p = ~p multipliziert zwar
unnötig Zeichen der Negation aber mehr
kann man ihr nicht zum Vorwurf machen.
Wie ist mir aber dann die Bedeutung des
Zeichens “nicht” der Verneinung // Verneinungszeichens //
gegeben? Durch das Kopfschütteln, die abwehrende
Bewegung? (Aber diese bestimmen keinen Kalkül.)
Oder durch eine Reihe besonderer Erklärungen
wie etwa der “der Fleck befindet sich nicht
innerhalb dieser Figur heißt…”?

     Ich könnte auch so sagen: Ich will nur das mitteilen, was der Satz der
Sprache mitteilt; und die Regel ist nichts als ein Hilfsmittel    dineser  
Mitteilung (so wie ich sie, die Regel, verstehe). Schon deshalb kann darf
// kann // die Regel nicht selbst eine Mitteilung sein; denn sonst würde
der Sinn des Satzes irgendwie zugleich den Sinn der Mitteilung über den
Sprachgebrauch beinhalten.

     Wir müssen uns vergegenwärtigen, wie wir in der Philosophie, d.h. beim
Klären grammatischer Fragen, wirklich von Regeln reden; — damit wir auf
der Erde bleiben und nicht nebelhafte Konstruktionen machen // bauen //.
Ich gebe z.B. Regeln wie: (∃ x). fx:⌵:fa:⌵:fb = (∃ x).fx oder
non-non-p = p, oder ich sage, dass es sinnlos ist von einem “rötlichen
Grün” zu reden, oder von “schwärzlichen Schwarz”, oder ich sage, dass “a=
“a = a” sinnlos ist, oder beschreibe eine Notation die dieses Gebilde und
“(∃ x).x=x” vermeidet, oder sage, es habe keinen Sinn zu sagen, etwas

244
“scheine rot zu scheinen”, oder es habe Sinn zu sagen, dass im Gesichts-
raum eine krumme Linie aus geraden Stücken zusammengesetzt sei, oder es
<…> habe den gleichen Sinn, zu sagen “der Stein falle, weil er von der
Erde angezogen werde” und “der Stein    müsse   fallen, weil er von der
Erde etc.”.
     Ich biete dem Verwirrten eine Regel an und er nimmt sie an. Ich könnte
auch sagen: ich biete ihm eine Notation an.
     Wie schaut nun so eine Notation aus? Nun, in</>den meisten Fällen werde
ich Sätze der alten Notation (etwa der Wortsprache) in die entsprechenden
Sätze der neuen Schreibweise übersetzen; etwa indem ich schreibe:
alt:
(∃ x,y). f(x,y) …
(∃ x,y). f(x,y).&.x ≠ …
neu:
(∃ x,y).f(x,y) :⌵: (∃ x).f(x,x)
(∃ x,y).f(x,y)
etc..



     
     Die Regel entspricht aber in gewissem Sinne dem, was man eine “Annahme”
genannt hat. Sie ist quasi ein Satzradikal (chemisch gesprochen). Und es
ist charakteristisch für die Art unserer Untersuchung, dass wir uns nicht
für die Sätze interessiereˇn, die mit diesem Radikal gebildet werden (kön-
nen
). Im Mittelpunkt der Betrachtung steht die Regel; nicht, dass ich sie jemandem anbiete, nicht, dass jemand sie benützt, etc.. Sie könnte, glau-
be ich, vergl[ei|ic]hen werden dem Plan eines Hauses, ich meine einer Zeich-
nung, die als Plan eines Hauses gebraucht werden kann, der aber kein exi-
stierendes Haus entspricht und von der auch nicht gesagt wird, dass ihr
einmal eines entsprechen soll, etc..


     
     Die Beschreibung einer neuen, etwa übersichtlicheren, Notation (denn
auf die Uebersichtlichkeit kommt es    uns   an) ist dann von der gleichen
Art, wie die Beschreibung einer jener Sprachen, die die Kinder erfinden

245
oder von einander lernen, worin z.B. jeder Vokal der gewöhnlichen Sprache
// Wörter// verdoppelt und zwischen die Teile der Verdoppelung ein b ge-
stellt wird. Hier sind wir ganz nah an's Spiel herangekommen. So eine Beschreibung oder ein Regelverzeichnis kann man als Definiens des Namens der
Sprache oder des Spiels auffassen. Denken wir auch an die Beschreibung des
Zeichnens, Konstruierens, irgend einer Figur, etwa eines Sternes (welches
auch in Spielen eine Rolle spielt). Sie lautet etwa so: “Man zieht eine Ge-
rade von einem Punkt A nach einem Punkt B, etc.etc.”. Diese Beschreibung
könnte ich offenbar auch // einfach// durch eine Vorlage, d.h. Zeichnung, ersetzen.
     Das, was hier irrezuführen scheint, ist ein Doppelsinn des Wortes “Be-
schreibung”, wenn man einmal von der Beschreibung eines wirklichen Hauses
oder Baumes etc. spricht, ein andermal // einmal// von der Beschreibung
einer Gestalt, Konstruktion, etc., einer Notation, eines Spiels. Worunter
aber eben nicht ein Satz gemeint ist der sagt, dass ein solches Spiel ir-
gendwo wirklich gespielt, oder eine solche Notation wirklich verwendet
wird; vielmehr steht die Beschreibung statt der hier gebrauchten Wörter
“ein solches Spiel” und “eine solche Notation”.
     Die Beschreibung einer Notation fängt (man?) charakteristisch(erweise)
oft mit den Worten an: “Wir    können   auch so schreiben: …”. Man
könnte fragen: “was ist das für eine Mitteilung ‘wir können …’?? etc..
Man schreibt auch etwa: “übersichtlicher wird unsere Darstellung, wennw
wir statt … schreiben: …; und die Regeln geben …”; und hier ste-
hen die Regeln in einem Satz.


     
     Denken wir uns etwa ein Bild, einen Boxer in bestimmter Kampfstellung
darstellend. Dieses Bild kann nun dazu gebraucht werden um jemandem mitzu-
teilen, wie er stehen, sich halten soll; oder, wie er sich nicht halten
soll; oder, wie ein bestimmter Mann dort und dort gestanden hat // ist//;


246
etc.etc.. Man könnte dieses Bild ein Satzradikal nennen.


     
Eine Regel, könnte man sagen, ist kein Befehl,
sondern ˇquasi ein Vorschlag.
Man könnte sich die Regeln eines
Spiels auch in der Form gegeben denken:
“Willst Du nicht folgendes Spiel spielen: …”


     

     ‘Regel’ ist in demselben Sinne ein Begriff mit verschwommenen Rändern,
wie ‘Blatt’ oder ‘Stiel’ oder ‘Tisch’, etc..


     

     Wenn man eine Notation beschreibt, sagt man etwa: “ich will // werde//
in diesem Buch statt ‘p oder q’ ‘p ⌵ q’ schreiben”, und das ist natür-
lich ein kompletter Satz. Das aber, was ich ‘Regel’ nennen will, und etwa
“p oder q . = . p ⌵ q” geschrieben wird, ist keiner. — Was ich ‘Regel’
nenne, soll nichts von einer bestimmten (oder auch unbestimmten) Zeit oder
einem Ort der Anwendung enthalten, sich auf keine bestimmten (oder unbe-
stimmten) Personen beziehen; sondern nur Instrument der Darstellung sein.
     Wir sagen nun: “wir gebrauchen die Wörter ‘rot’ und ‘grün’ in solcher
Weise, dass es als sinnlos gilt (kontradiktorisch ist) zu sagen, am sel-
ben Ort sei zu gleicher Zeit rot und grün”. Und dies ist natürlich ein
Satz. Erfahrungssatz über unsere tatsächliche Sprache.


     

      hat, warum wir ihre Autorität — sozusagen — nicht
in Frage ziehen, kommt daher,
Die Stellung der Spielregeln zu den Sätzen. Eine Regel verhält sich zu
einen Erfahrungssatz ähnlich, wie die Zeichnung, die die charakteristi-
schen Merkmale eines Wohnhausplanes hat, zu der Beschreibung, welche sich
einer solchen Zeichnung bedient, und welche sagt, dass so ein Haus dort
und dort existiere // stehe//.
     Der Respekt, den man vor den Regeln ˇ[|(]z.B. denen des Schachspiels)etwa ( z.B.) — hat, ich meine, daß man sie annimmt
ohne sich über sie zu wundern
sich nicht über sie …
, //, — des Schach z.B. // daß hat, — daß man wir sie annehmen, uns nicht über
sie wundern —
ent-
springt // kommt// daher, ˇhat, warum wir ihre Autorität — sozusagen — nicht in Frage ziehen, kommt daher, dass die Spiele, die diese von den… Regeln // ihnen // charakteri-
sieren beschreiben werden, uns in vielerlei Bezei Beziehung Weise Hinsicht gemäss sind. Denken wir uns aber,
ich erfände //beschriebe// ein Spiel, das ich es soll … heißen, ich will es etwa “Abracadabra” nenne nennen,
und gebe dafür die Regel indem ich dafür die Regel gebe: “Man lege einen Feldstein in eine viereckige
Kiste, nagle die Kiste zu und werfe mit einem andern Stein nach ihr” —
gewiss hat dieses Gebilde auch das Recht, eine Regel genannt zu werden.



247
Man wird nur fragen: “was soll das alles? wozu sollen wir das machen?”
Aber auf solche Fragen geben ja auch die Schachregeln keine Antwort. Aber
in dem Fall der eben gegeben jener Regel fällt das Wort “man lege … und
werfe” auf, // fällt das Wort auf “man lege … und werfe”,// nämlich die
imperative Form der Imperativ; man möchte fragen: warum soll ich … legen etc., oder
in welchem Fall? Was muss mein Zweck sein, damit ich das tun soll? Das
heisst, der Imperativ scheint uns hier unsinnig. Aber er ist es ebensowe-
nig, wie in einer gewöhnlichen Spielregel. Nur sieht man hier // in die-
sem Fall // klar, dass man es nicht mit einem kompletten Satz Befehl zu tun hat.
Höchstens mit der Definition von “Abracadabra; nämlich: “Abracadabra” spie
spielen” heisst, einen Feldstein in eine Kiste legen, etc..



     

      Kaufe Dir in einer Spilwarenhandlung
ein Spiel <…> Du erhalst eine
Schachtel darin die Implemente
des Spiels & ein Regelverzeichnis.
Was sind die Regeln ˇdieses Verzeichnisses für Sätze?
Wird Dir vom Erzeuger des Spiels
befohlen so ˇ& so zu handeln?, [O|o]der ˇwird es Dir
angeraten? Oder wird Dir mitge-
teilt daß die & die Menschen,
oder alle Menschen, so gehan-
del[t|n] haben? Nun, sieh doch
ˇnur n¿a¿ch wie das Regelverzeichnis
gebraucht wird!
Die meisten Leute
die das Spiel kaufen lesen

die Regeln & spielen
nach ihnen. —




     
“Wenn der Satz von den Spielfiguren
handelt so ist er also ein
Erfahrungssatz!” — So ist also
auch dies ein Erfahrungssatz:
“Alle Wohlgerüche Arabiens …”?



     
Dieser Satz kann die Rolle
eines Erfahrungssatzes spielen
& die Sätze des Regelverzeichnisses
könnten die Rolle von Befehlen,
von Ratschlägen oder von Erfahrungs-
sätzen spielen, (sie) tun es aber
nicht.

248




     
Denken wir Eine Richtige Erklärung könnte in
so einem Falle durch ein gemaltes Bild gegeben
werden zusammen mit den Worten und den Worten “so ähnlich hat
der Boden ausgesehen”.
Denken wir uns aber nun wir
es wollte jemand wir wollten die Erklarung exakt machen indem

wir sagen: “der Boden hat genau so ausgesehen”. Nun
Also genau diese Gräser & Blätter in diesen Lagen waren
dort
? Das ist es offenbar nicht was ich meinte.
Welche exakte Erklärung immer mir Einer gäbe,
ich könnte keine anerkennen.


249

     
58
Die strikten grammatischen Spielregeln und der schwankende Sprachgebrauch.
Die Logik normativ.

Inwiefern reden wir von idealen Fällen, einer idealen Sprache. (“Logik
des luftleeren Raums”.)








     
     Was heisst es, zu wissen, was eine Pflanze ist?
     Was heisst es, es zu wissen und es nicht sagen zu können?
     “Du weisst es und kannst hellenisch reden, also musst Du es doch sagen
können.”
     Müssigkeit einer Definition, etwa der, des Begriffs ‘Pflanze’. Aber
ist die Definition kein Erfordernis der Exaktheit? “Der Boden war ganz mit
Pflanzen bedeckt”; : damit meinen wir nicht Bacillen. Ja, wir denken dabei
vielleicht an grüne Pflanzen einer bestimmten Grössenordnung. Wer uns sa-
gen würde, wir wissen nicht, was wir reden, ehe wir keine Definition der
Pflanze gegeben haben, würden wir mit Recht für verrückt halten. Ja, wir
könnten auch mit einer solchen Definition uns in den gewöhnlichen Fällen
nicht besser verständigen. Ja, es scheint sogar, in gewissem Sinne schle[f|c]h-
ter, weil gerade das Undefinierte in diesem Fall zu unserer Sprache zu
gehören scheint.



     
Ist eine scharfe Photographie immer & für alle Zwecke immer besser
als eine unscharfe verschwommene? Was,
wenn Einer man sagen würde: “eine unscharfes Bild
ist eigentlich gar kein Bild”?!



     
     Denken wir uns in dem Satz einer Erzählung “der Boden war ganz mit
Gräsern und Kräutern bedeckt” die Wörter “Gräser” und “Kräuter” durch De-
finitionen ersetzt. Es ist klar, dass diese Definitionen lange und kom-
plizierte Ausdrücke sein müssen // werden //; und nun ist die Frage, ob
wir denn wirklich mit dem Satz das gemeint haben, was jetzt in dem un-
gleich viel komplizierteren steht. Wir würden — glaube ich — sagen, dass
wirn an alles das gar nicht gedacht hätten.


     

     Kann man nun aber auf eine solche Sprache die Idee des Kalküls anwen-
den? Und ist das nicht so, als wollte man in einem Bild, worin alle Farb-
flecken ineinander verlaufen, von Farbgrenzen reden? Oder liegt die Sache
so: Denken wir uns ein Spiel, etwa das Tennis, in dessen Regeln nichts
über die Höhe gesagt ist, die ein Ball im Flug nicht übersteigen darf. Und
nun sagte Einer: Das Spiel ist ja gar nicht geregelt, denn, wenn Einer
den Ball so hoch wirft, dass er nicht wieder auf die Erde zurückfällt,
oder so weit, dass er um die Erde herumfliegt, so wissen wir nicht, ob
dieser Ball als ‘out’ oder ‘in’ gelten soll. Man würde ihm — glaube ich —
antworten, wenn ein solcher Fall einträte, so werde man Regeln für ihn
geben, jetzt sei es nicht nötig.


     

     So können doch grammatische Regeln über den Gebrauch des Wortes “Pflan-
ze” gegeben werden und wir können also auf Fragen von der Art “folgt aus
   diesem   Sachverhalt, dass dort eine Pflanze steht” Bescheid geben.
Auf andere solche Fragen aber sind wir nicht gerüstet und können antwor-
ten: Ein solcher Fall ist noch nie vorgekommen und es wäre für uns müs-
sig, für ihn vorzusorgen.
(Wenn es etwa gelänge, ein Lebewesen halb ma-
schinell und halb auf organischem Weg zu erzeugen, und nun gefragt würde:
ist das nun noch ein Tier (oder eine Pflanze).)



250

     

     Wenn etwa beim Preisschiessen für gewisse Grenzfälle keine Bestimmung
getroffen wäre, ob dieser Schuss noch als Treffer ins Schwarze gelten
soll (oder nicht). Nehmen wir nun aber an, ein solcher Schuss komme bei
unserem Preisschiessen gar nicht vor; könnte man dann dennoch sagen, die
ganze Preisverteilung gelte nichts, weil für diesen Fall nicht vorgesehen
// vorgesorgt// war?


     

     Ich mache mich nicht anheischig ein Regelver-
zeichnis aufzustellen das alle unsere
Sprachhandlungen regelt; sowenig
ein Jurist es versucht für sämtliche Hand-
lungen der Menschen Gesetze zu geben.





     

     Ich mache mich doch anheischig, das Regelverzeichnis unserer Sprache
aufzustellen: Was soll ich nun in einem Fall, wie dem des Begriffes
‘Pflanze’, tun?
     Soll ich sagen, dass für diesen und diesen Fall keine Regel aufgestellt
ist? Gewiss, wenn es sich so verhält. Soll ich aber solche sagen, es gibt
kein Regelverzeichnis unserer Sprache und das ganze Unternehmen, eines auf-
zustellen, ist Unsinn? — Aber es ist ja klar, dass es nicht unsinnig ist,
denn wir stellen ja mit Erfolg Regeln auf, und wir müssen uns nur enthal-
ten, Dogmen aufzustellen.
(Was ist das Wesen eines Dogmas? Besteht es nicht
darin, naturnotwendige Sätze über alle möglichen Regeln zu behaupten?)
// Ist es nicht die Behauptung eines naturnotwendigen Satzes über alle möglichen Regeln?//



     
Was ist eine exakte Definition im Gegensatz
zu einer unexakten? Nun etwa; eine Def.
in der nicht das Wort “ungefähr”, “beiläufig”
& <…> ähnliche vorkommen.


     

     “Ich weiss, was eine Pflanze ist, kann es aber nicht sagen”. Hat dieses
Wissen die Multiplizität eines Satzes, der nur nicht ausgesprochen wurde?
So dass, wenn der Satz ausgesprochen würde, ich ihn als den Ausdruck meines
Wissens anerkennen würde? — Ist es nicht vielmehr waˇhr, dass jede exakte De-
finition als Ausdruck unseres Verstehens abgelehnt werden müsste? D.h.,
würden wir nicht von so einer sagen müssen, sie bestimme zwar einen, dem
unseren verwandten, Begriff, aber nicht diesen selbst? Und die Verwandt-
schaft sei etwa die, zweier Bilder, deren eines aus unscharf begrenzten
Farbflecken, das andere aus ähnlich geformten und verteilten, aber scharf

251
begrenzten, bestünde. Die Verwandtschaft wäre dann ebenso unleugbar, wie
die Verschiedenheit.

     

     Die Frage ist nun: kannst Du bei dem ersten Bild auch von Flecken reden?
Gewiss, nur in einem anderen, aber verwandten, Sinn.


     

     Das heisst: die unscharfen Grenzen gehören zu meinem Begriff der Pflan-
ze, so wie er jetzt ist, d.h. so, wie ich dieses Wort jetzt gebrauche, und
es charakterisiert diesen Begriff, dass ich z.B. sage: ich habe darüber
keine Bestimmung getroffen, ob dieses Ding eine Pflanze heissen soll oder
nicht.


     
     Es verhält sich doch mit dem Begriff [/|]Pflanzex ‘Pflanze’ ähnlich, wie
mit dem der Eiförmigkeit, wie wir sie im gewöhnlichen Leben meinen. Die
Grenzen dieses Begriffs sind nicht schwarf bestimmt und wir würden z.B. ein
Osterei von dieser Form
nicht als solches gelten lassen und doch nicht
sagen können, bei welchem Verhältnis der Länge und Breite etwas anfängt,
ein Osterei zu sein. Ja, wenn Einer nun ein solches Verhältnis angäbe,
   was es auch sei  , so könnten wir es nicht als die richtige Be-
grenzung unseres Begriffs anerkennen. Sondern wir müssten entweder sagen:
nein, das nenne ich kein Osterei, es ist zu schlank, oder zu dick etc.,
oder: ja, das ist    auch   ein Osterei, aber der Grenzfall ist es nicht
gerade. Diesen gibt es eben nicht in unserm Kalkül und wer einen Grenzfall
einführt, führt einen andern Kalkül ein.


     
     Wenn man sagt “N. existiert nicht”, so kann das verschiedenerlei bedeu-
ten. Es kann heissen, dass ein Mann, der, als er lebte, diesen Namen trug,
nicht, oder nicht zun einer gewissen Zeit, in einem gewissen Land existiert
hat; aber auch, dass spätere Geschichtsschreiber den Charakter, den wir so


252
(etwa “Moses”) nennen, erfunden haben, dass die und die Ereignisse nie
stattgefunden haben und ihr Held also nie gelebt hat. D.h. also: kein
Mensch hat Moses geheissen und diese Taten vollbracht; oder: das Ding, das
Dir als Herr N vorgestellt wurde, war eine Puppe; etc.. Denken wir uns, es
sagte uns Einer, er habe Moses auf der Strasse gesehen. Wir würden ihn dann
fragen: “wie meinst Du das: Du hast ihn gesehen? Wie wusstest Du denn, dass
er es war?” und nun könnte der Andre sagen: “er hat es mir gesagt”, oder
“er sah so aus, wie ich mir Moses vorstelle”, oder “er hatte diese und die-
se Merkmale”, etc.. Ich will doch wohl das sagen, was Russell dadurch aus-

drückt, dass der Name Moses durch verschiedene Beschreibungen definiert
sein kann (“der Mann, welcher ‘Moses’ hiess und zu dieser Zeit an diesem
Ort lebte”, oder “der Mann — wie immer er damals genannt wurde — welcher
die Israeliten durch die Wüste führte”, oder “der Mann, der als kleines
Kind von der Königstochter aus dem Nil gefischt wurde”, etc.etc.). Und je

nachdem wir die eine oder andere Definition annehmen, bekommt “Moses hat nicht existiert”; — das kann heißen:
Es hat nicht einen Menschen gegeben der alle die
Taten die von Moses berichtet werden getan hat.
Es hat keinen Mann mit Namen ‘Moses’ gegeben der
die Israeliten aus Ägypten durch die Wüste geführt hat. Es hat
so einen Mann gegeben aber er hat nicht “Moses”
geheißen.
      Russell würde sagen daß wir den Namen
Moses durch verschiedene Beschreibungen
definieren können. [Beispiele] Jenachdem wir die
eine oder andere Def annehmen erhält…
der Satz “Mo-
ses hat existiert” einen andern Sinn und ebenso jeder andere Satz, der von
Moses handelt. Man würde // könnte // auch immer, wenn uns jemand sagte
“N existiert nicht” fragen: “was meinst Du? willst Du sagen, dass …, oder

dass … etc.?” — Wenn ich nun sage: “N ist gestorben” so hat kann es mit “N”
gewöhnlich    etwa   folgende Bewandtnis haben: Ich glaube, dass ein Mensch N ge-
lebt hat: den ich 1.) dort und dort gesehen habe, der 2.) so und so aus-
schaut, 3.) das und das getan hat und 4.) in der bürgerlichen Welt den Na-
men “N” führt.
Gefragt, was ich unter “N” verstehe, würde ich alle diese
Dinge, oder einige von ihnen, und bei verschiedenen Gelegenheiten verschie-
dene, aufzählen. Meine Definition von “N” wäre also: der Mann, von dem al-
les das stimmt. Wenn aber nun einiges davon sich als falsch erwiese, — wä-
re der Satz “N” “N ist gest[r|o]rben” nun als falsch anzusehen? auch, wenn nur et-
was vielleicht ganz Nebensächliches, was ich von dem Menschen glaubte, nicht
stimmen würde; — und wo wo aber fängt das Hauptsächliche Nebensachliche an?
Das kommt nun darauf


253
hinaus, dass wir den Namen “N” in gewissem Sinne ohne feste Bedeutung ge-
brauchen, oder: dass wir bereit sind, die Spielregeln nach Bedarf zu ver-
ändern (make the rules as we go along).
Das erinnert an das, was ich frü-
her einmal über die Benützung der Begriffswörter, z.B. des Wortes “Blatt”

oder “Pflanze”, geschrieben habe. — Und hier erinnere ich mich daran, dass
Ramsey einmal betont hat, die Logik sei eine “normative Wissenschaft”.
Wenn man damit meint, sie stelle ein Ideal auf, dem sich die Wirklichkeit
nur nähere, so muss gesagt werden, dass dann dieses “Ideal” uns nur als
ein Instrument der annähernden Beschreibung der Wirklichkeit interessiert.

“Die Logik ist eine normative Wissenschaft”
heißt eigentlich sollte doch wohl
heißen sie stelle Ideale auf nach
denen wir nachstreben sollen. Aber
so ist es ja nicht. Die Logik stellt
exakte Kalküle auf

Es ist allerdings möglich, einen Kalkül genau zu beschreiben und zwar zu
dem Zweck, um dadurch eine Gruppe anderer Kalküle beiläufig zu charakte-
risieren. Wollte z.B. jemand wissen, was ein Brettspiel ist, so könnte
ich ihm zur Erklärung das Damespiel genau beschreiben und dann sagen:
siehst Du, so ungefähr funktioniert jedes Brettspiel. — War es nun nicht
ein Fehler von mir (denn so scheint es mir jetzt) anzunehmen, dass der,
der die Sprache gebraucht, immer    ein bestimmtes Spiel  
spiele? Denn, war das nicht der Sinn meiner Bemerkung, dass alles an ei-
nem Satz — wie beiläufig immer er ausgedrückt sein mag — ‘in Ordnung ist’?
Aber wollte ich nicht sagen: alles müsse in Ordnung sein, wenn Einer ei-
nen Satz sage und ihn anwende? Aber daran ist doch weder etwas in Ordnung
noch in Unordnung, — in Ordnung wäre es, wenn man sagen könnte: auch die-
ser Mann spielt ein Spiel nach einem bestimmten, festen Regelverzeichnis.
Und setzt das nicht wieder voraus, dass dieses



     

     Denn ich habe zur Feststellung der Regel, nach der er handelt, zwei We-
ge angeben. Der eine, der hypothetische, bestand in der Beobachtung seiner
Handlungen und die Regel war dann von der Art eines naturwissenschaftlichen
Satzes. Der andere war, ihn zu fragen, nach w[w|e]lcher Regel er vorgehe. Wie


254
aber, wenn der erste Weg ?—kein klares Resultat er[i|g]ibt—? und die Frage keine
Regel zu Tage fördert, wie es im Fall “N ist gestorben” geschieht. Denn,
wenn wir den, der das sagte, fragen “was ist N?” so wird er zwar ‘N’ durch
eine Beschreibung erklären, wird aber bereit sein, diese Beschreibung zu
widerrufen und abzuändern, wenn wir ihm den einen oder andern Satz wider-
legen
// entziehen//. Wie soll ich also die Regel bestimmen // auffassen//,
nach der er spielt? er weiss sie selbst nicht. Ich könnte eine Regel nur
nach dem bestimmen, was er auf die Frage “wer ist N” in diesem Fall gerade
antwortet.


     
Unsre Untersuchung trachte nicht
die eigentliche exacte Bedeutung der Wörter zu
finden; so wohl aber geben wir den
Wörtern im Verlauf unsrer Untersuchung
oft exacte Bedeutungen.



     
     Steckt uns da nicht die Analogie der Sprache mit dem Spiel ein Licht
auf? Wir können uns doch sehr wohl denken, dass sich Menschen auf einer
Wiese damit unterhielten, mit einem Ball zu spielen; und zwar so, dass sie
verschiedene bestehende Spiele der Reihe nach anfingen, nicht zu Ende
spielten und etwa daz[i|w]ischen sogar planlos den Ball würfen, auffingen, fal-
len liessen etc.. Nun sagte Einer: die ganze Zeit hindurch spielen die Leu-
te ein Ballspiel und richten sich daher bei jedem Wurf nach gewissen // be-
stimmten// Regeln. — Aber — wird man einwenden — der den Satz “N ist ge-
storben” gesagt hat, hat doch nicht planlos Worte aneinander gereiht (und
darin besteht es ja, dass er ‘etwas mit seinen Worten gemeint hat’). — Aber
man kann wohl sagen: er sagt den Satz planlos, was sich eben in der be-
schriebenen Unsicherheit zeigt. Freilich ist der Satz von irgendwo herge-
nommen und wenn man will, so spielt er nun auch ein Spiel mit sehr primiti-
ven Regeln; denn es bleibt ja wahr, dass ich auf die Frage “wer ist N”    ei-
ne Antwort
   bekam, oder eine Reihe von Antworten, die nicht gänz-
lich regellos waren. — Wir können sagen: Untersuchen wir die Sprache auf
ihre Regeln hin. Hat sie dort und da keine Regeln, so ist    das   das Re-
sultat unsrer Untersuchung.

⋎ S. 250√


255

     

     Wenn aber der Träger dem Namen abhanden kommen, oder nie existiert ha-
ben kann, som musste man beim Gebrauch des Namens von vornherein damit
rechnen. Das musste in seiner Bedeutung liegen. ((Es sei denn, dass wir
diese Bedeutung geändert haben, oder, dass das Wort keine    bestimm-
te
   Bedeutung hatte; denn welches ist die Bedeutung, wenn er sie nicht
angeben kann? Nun, wir werden sein tatsächliches Verhalten durch ein
“Schwanken zwischen mehreren Bedeutungen” beschreiben können. Es ist wohl
wesentlich, dass ich ihn fragen kann: was hast Du eigentlich gemeint. Und
als Antwort wird er mir vieles sagen, und sich etwa vielleicht an mich wenden, dass
ich ihm das Regelverzeichnis einrichte, das seinem Zweck entspricht. Es
wird sich dann in unserem Gespräch oft die Redeweise finden “Du wolltest
also eigentlich sagen …” (und diese kann wieder ganz missverstanden
werden — sie ist keine Beschreibung des damaligen Geisteszustands des
Sprechenden; als ob das “was er sagen wollte” irgendwo in seinem Geist aus-
gedrückt gewesen wäre). ˇ Absatz
     [Siehe Notizbuch: was geschieht, wenn
man sagt ich kann nicht gut ausdrücken was ich denke]
Aber hier Hier ist eine Gefahr: Es scheint nämlich dann
(leicht) oft als landeten wir am Schlusse bei? etwas, erreichten wir endlich etwas, was wir mit unserer ge-
wöhnlichen Sprache gar nicht mehr ausdrücken können. Das ist aber das si-
cherste Zeichen (dafür), dass wir fehl gegangen sind; aus unserm Spiel
herausgetreten sind. — Was versteht man unter “allen Regeln des Tennis-
spiels”? Alle Regeln, die in einem bestimmten Buche stehen, oder alle die
der Spieler im Kopf hat, oder alle die je ausgesprochen wurden, oder gar:
alle die sich angeben lassen?! — Daher wollen wir lieber nicht so vague von
‘allen Regeln’ reden, sondern nur von bestimmten Regeln, oder allen Regeln eines Verzeichnisses, etc.. Und das gleiche gilt von den Regeln über die
Verwendung eines Wortes. Wenn Einer mich, z.B., etwas fragt, so will ich,
wenn ich ihm antworte, wissen, ob diese Antwort in seinem Spiel als Antwort
auf seine Frage gilt; ob in seinem Spiel dieser Satz aus jenem folgt // aus
dem, was er gesagt hat, folgt//.
     Für uns ist es genügend, dass es eine Frage gibt: “wie meinst Du das?”


256
und dass als Antwort auf diese Frage das zuerst gegebene Zeichen durch ein
neues ersetzt wird. — Der Einwand dagegen ist, dass mir    eine   Erklärung
ja nichts ˇzum Verständnis hilft, wenn sie nicht die letzte ist, und dass sie nicht nie die letz
te ist. Ich kann zwar erklären: unter ‘Moses’ verstehe ich den Mann, wenn
es einen solchen gegeben hat, der die Israeliten aus Aegypten geführt hat,
wie immer er damals genannt worden sein mag und was immer er sonst getan
oder nicht getan haben mag —, aber ähnliche Fragen ergeben sich nun in Be-
zug auf die Wörter    dieses   Satzes // dieser Erklärung// (was nennst
Du “Aegypten”? wen, “die Israeliten”? etc.). Ja, diese Fragen kommen auch
nicht zu einem Ende, wenn wir etwa bei Worten // Wörtern// wie ‘rot’, ‘dun-
kel’, ‘süss’, angelangt wären. Unrichtig war es nur, zu sagen, ¿fsdd¿ mit dass mir
deshalb eine dieser Erklärungen nichts hilft. Im Gegenteil, sie ist es ge-
rade, was ich brauche, ja alles, was ich brauchen, und auch geben kann. Als ich nach einer Erklärung fragte, war es gerade das was
ich brauchte
Und
wenn ich auf eine solche Erklärung hin sage “jetzt weiss // versteh'//
ich, was Du meinst”, so kann man nicht einwenden, das können ich ja doch
nie verstehen; sondern seine Erklärung hat mir eben das gegeben, was ich
[v|V]erständnis nenne; sie hat    die   Schwierigkeit beseitigt,    die ich
hattech
  . Was uns quälte, ist, glaube ich, ganz in dem Pseudoproblem
ausgedrückt: Das Schachspiel ist doch durch die Gesamtheit der Schachre-
geln konstituiert, — was macht dann das Rücken einer Figur im Spiel zu ei-
nem Schachzug, da doch dabei in keiner Weise alle Regeln des Schachspiels
beteiligt sind.))
ch


     
Unsere Aufgabe ist es nicht eine Sprache zu
konstruieren ¿der¿ sämtliche

Es ist nicht unsere Aufgabe unsere Sprache ˇwesentlich
zu verbessern, exakter zu machen, oder
etwa (gar) zu versuchen an ihre Stelle eine ‘ideal
exakte’ zu setzen. Ich habe Wir haben von einer solchen
gar keinen Begriff. Damit meine ich nicht, daß
wir für unsere Zwecke nicht auf preciseren exa Ausdruck
dringen.
      Wer die eine Verkehrsregelung an Stellen starken
Verkehrs verbessern oder strenger gestalten will



     
Wir können freilich von Zeitmessen reden
bei denen es eine andere & im gewissen
Sinne größere Genauigkeit gibt. Bei denen
die Worte die Uhr auf die genaue Stunde
stellen eine andere Bedeutung haben.
Wo die Uhr ablesen ein anderer Prozess
ist etc. Wenn ich nun jemandem sage
Du solltest pünktlicher zum Mittagessen
kommen Du weißt daß es genau um
2h anfängt ist die Genauigkeit von der <…>
hier die Rede ist eine unvollkommene im
Vergleich zu jener andern. Und gibt es <…>
ein Ideal der Genauigkeit.



     
     Die Verkehrsregelung in den Straßen erlaubt
& verbietet gewisse Handlungen Verkehrshandlungen.
Aber sie versucht nicht sämtliche Handlungen Bewegungen
der gehenden & fahrenden Fußgänger & Fahrzeuge
durch Regeln zu leiten Vorschriften zu regeln. Und es wäre unsinnig
von einer idealen Verkehrsordnung zu reden die das
täte wir wüßten nicht was wir unter diesem Ideal
vorstellen sollten wie wir uns dieses Ideal zu denken hätten. Wünscht einer die Verkehrsord-
nung in irgendwelchen Punkten strenger zu gestalten
so bedeutet das nicht daß er sich so einem Ideal
zu nähern wünscht.



     
     Was bedeutet “undefinierbar”? Dieses Wort ist offenbar irreführend, denn
es erweck[g|t] den Anschein, als könnten wir hier etwas versuchen, was sich
dann als unausführbar erwiese. Als wäre also das Undefinierbare etwas, was
sich nicht weiter definieren liesse, wie sich ein zu grosses Gewicht nicht
heben lässt. Wir könnten sagen: “Wie denn ‘undefinierbar’?! Könnten wir


257
denn    versuchen  , es zu definieren?”


     

     Was wir Regeln nennen bilden wir nach Ana-
logie von bestehenden Regeln.


     
     Wir wissen alle was es heißt daß der daß eine ˇTaschenUhr
auf die genaue Stunde zu stellen gestellt
wird, oder gerichtet wird da[ß|mi]t sie genau
geht. Wie aber wenn man fragte: ist
diese Genauigkeit eine ideale Genau-
igkeit & oder wie weit nähert sie sich ihr?


     

      Ist “rot” undefinierbar. Undefinierbar darunter stellt ¿man¿
sich etwas vor wie unanalysierbar, zwar so als wäre der
betreffende
Gegenstand unanalysierbar (wie ein chem. Element). Dann wäre die
Logik aber doch eine Art sehr allgemeiner Naturwissenschaft. Aber
die Unmöglichkeit der Analyse ist eine logische entspricht uns der von
uns
einer von uns festgesetzten Darstellungsform Form der Darstellung.



     
Gibt es ein komplettes Regelverzeichnis für die
Verwendung eines Wortes?
Gibt es ein komplettes Regelverzeichnis
für die Verwendung einer Figur im Schachspiel?


     
     Nun könnte man freilich sagen: die Definition ist ja etwas Willkürli-
ches, d.h., wie ich ein Wort definiere, so ist es definiert. Aber darauf
kann geantwortet werden: Es kommt darauf an, es so zu definieren, wie wir
das Wort meinen. Also so, dass wir zur Definition des Wortes “Tisch”, z.B.,
sagen: ja, das ist es, was ich mit dem Wort meine. — Ja hat Dich nun aber
die Definition dahin gebracht, das mit dem Wort zu meinen oder willst Du sa-
gen, dass Du das schon immer gemeint hast? Und wenn das Letztere, so hast
Du also immer    das   gemeint, was die Definition sagt (im Gegensatz zu et-
was Anderem, was sie auch sagen könnte). D.h.: die Definition ist auch eine
Beschreibung dessen, was Du schon früher gemeint hast. Du warst also auch
früher schon im Besitz einer Uebersetzung dieser Definition; sie hat sozu-
sagen nur laut gesagt, was Du schon im Stillen wusstest. Sie hat also auch
wesentlich nichts zergliedert. (Vergleiche: Begriff der 3 Teilung des Winkels
vor & nach der Betrachtung die die Unmöglichkeit der 3 Teilung zeigt.)



     
Man kann fragen: Wenn wir nicht nach eine
einer idealen Exactheit streben anstreben ˇim Gegensatz zu der alltäglichen, wozu
arbeiten hantieren wir mit an der Grammatik unserer
Sprache überhaupt herum. Und die
Antwort ist: <…> Unsere Aufgabe ist gewisse
Beunruhigungen zu beseitigen und wir suchen
nach dem erlösenden Wort
wir suchen uns von
philos. Beunruhigungen zu beseitigen be-
freien & das tun wir indem wir Unter-
scheidungen welche die Grammatik der
gewöhnlichen Sprache verschleiert, her-
vorheben. Sozusagen Regeln die mit ver-
blaßter Tinte geschrieben sind, stark
nachziehen und anderes mehr. Dadurch
kann es allerdings den Anschein haben
als reformierten wir die Sprache.


258

     

     Denken wir uns Jemand, der die // alle// Formen in diesem Zimmer be-
schreibt, indem er sie mit ebenflächigen geometrischen Formen vergleicht.
Gibt es in diesem Zimmer nur solche Formen? Nein. — Muss der, der die Formen
unter dem Gesichtspunkt der ebenflächigen Körper beschreibt, behaupten, es
gäbe nur solche Formen im Zimmer? Auch nicht. Kann man sagen, dass das ein-
seitig ist, weil er alle Formen durchgängig nach diesem Schema auffasst?
Und sollte es ihn in // an// dieser Auffassung irre machen, wenn er be-
merkt, dass auch runde Körper vorhanden sind? Nein. Es wäre auch irrefüh-
rend, den ebenflächigen Körper ein “Ideal” zu nennen, dem sich die Wirk-
lichkeit nur mehr oder weniger nähert. Aber die Geometrie der ebenflächigen
Körper könnte man mit Bezug auf diese Darstellungsweise // Darstellung//
eine normative Wissenschaft nennen. (Eine, die das Darstellungsmittel dar-
stellt; gleichsam eine, die die Messgläser eicht.)


     

     Ich habe ein Bild mit verschwommenen Farben und komplizierten Uebergän-
gen. Ich stelle ein einfaches mit klargeschiedenen Farben, aber mit dem er-
sten verwandtes, daneben. Ich sage nicht, dass das erste eigentlich das
zweite andere sei; aber ich lade den Andern ein, das einfache anzuse-
hen, und verspreche mir davon, dass gewisse Beunruhigungen für ihn ver-
schwinden
werden.



     
Wer etwa … einführte könnte im Interesse
der Chemie die Sprache verbessern …


     

     Behandle die deutlichen Fälle in der Philosophie, nicht die undeutlichen
Diese werden sich lösen, wenn jene gelöst sind.
     Die Tendenz mit der Untersuchung eines Satzes da anzufangen, wo seine
Anwendung ganz nebelhaft und unsicher ist (der Satz der Identität ist ein
gutes Beispiel), anstatt diese Fälle vorläufig beiseitge zu lassen und den
Satz dort anzugehen, wo wir mit gesundem Menschenverstand über ihn reden
können, diese Tendenz ist für die aussichtslose Methode der meisten Men-
schen, die philosop[j|h]ieren, bezeichnend.


     
So eine Reform für ˇgewisse praktische Zwecke ist wohl
denkbar die Verbesserung unserer Termino-
logie zur Vermeidung von Mißverständ-
nissen. (Wenn zwei Mitglieder einer Fami
lie ‘Paul’ heißen, so ist es manchmal
zweckmäßig den einen von ihnen bei einem
andern Namen zu nennen.) Aber das
sind nicht die Fälle mit denen wir es zu
tun haben. Die Konfusionen mit denen
wir es zu tun haben die uns beschäftigen entstehen, gleichsam,
wenn die Sprache [Ferien|feiert], nicht wenn sie ar-
beitet. (Man könnte sagen: wenn sie leer
läuft.)


     

     Ich betrachte die Sprache und Grammatik unter dem Gesichtspunkt des Kal-
küls // unter der Form des Kalküls //    als   Kalkül//, d.h. des Operie-
rens nach festgelegten Regeln. // d.h. als Vorgang nach festgesetzten Re-
geln.//


     
Wir wollen nicht das Regelsystem in unerhörter
Weise verfeinern oder komplettieren vervollständigen
     Wir wollen Verwirrungen & Beunruhigungen beseitigen
die aus der Unübersichtlichkeit des Regelsystems
herrühren. // die aus der Schwierigkeit herrühren, das Regel[s|S] zu übersehen.



     

     Untersuchen wir die // unsere// Sprache    auf ihre Regeln
hin
  .


     
Es ist als wäre dieses Regelsystem in einem Buch
niedergelegt; wir zögen aber dieses Buch in prakti-
schen Fällen
beinahe nie zu Rate. Hie & da aber
wären wir verleitet versucht darin zu lesen. Dann aber
verwirrt es uns gänzlich; denn vieles darin ist
so vergilbt daß wir es kaum lesen können an-
deres steht klarch da, ist aber ohne die nötige
Qualification falsch & irreführend.


     

     Gibt es so etwas, wie eine komplette Grammatik, z.B., des Wortes ‘nicht’?




     
     Es ist von der grössten Bedeutung, dass wir uns zu einem Kalkül der Lo-


259
gik immer ein Beispiel denken, auf welches der Kalkül wirklich angewandt
wird, und nicht Beispiele, von denen wir sagen, sie seien eigentlich nicht
die I idealen, diese aber hätten wir noch nicht. Das ist das Zeichen einer
ganz falschen Auffassung. Kann ich den Kalkül überhaupt verwenden, dann ist
das // dies // auch die ideale Verwendung und    die   Verwendung, um die es
sich handelt. Man geniert sich nämlich einerseits, das Beispiels als das
eigentliche anzuerkennen, weil man in ihm noch eine Komplikation erkennt,
auf die der Kalkül sich nicht bezieht … weil man in ihm eine Komplication
sieht für die der Kalkül nicht aufkommt
;
anderseits ist es doch das Urbild . [a|A]ber es ist das Urbild …
des Kalküls und er davon hergenommen, und auf eine geträumte Anwendung kann
man nicht warten. Man muss sich also eingestehen, welches das eigentliche
Urbild des Kalküls ist. & dies ist kein Fehler oder , keine Unvollkommen-
heit des Kalküls. Der Fehler liegt darin seine Anwendung in nebelhafter
Ferne zu versprechen.



     
     Das ist aber kein Eingeständnis — als habe man damit einen Fehler ge-
macht // begangen //, den Kalkül von    da  her genommen zu haben, sondern
der Fehler liegt darin, ihn jetzt in nebelhafter Weise anzuwenden, oder ei-
ne Anwendung zu versprechen. //… oder eine Anwendung in nebuloser Ferne
zu versprechen.//


     
     (So könnte Spengler besser verstanden werden, wenn er sagte: ich    ver-
gleiche
   verschiedene Kulturperioden dem Leben von Familien; inner-
halb der Familie gibt es eine Familienähnlichkeit, während es auch zwischen
den Mitgliedern verschiedener Familien eine Aehnlichkeit gibt; die Familien-
ähnlichkeit unterscheidet sich von der andern Aehnlichkeit so und so etc..
Ich meine: das Vergleichsobjekt, der Gegenstand, von welchem diese Betrach-
tungsweise abgezogen ist, muss uns angegeben werden, damit nicht in die
Diskussion immer Ungerechtigkeiten einfliessen. Denn da wird dann alles, was
für das Urbild der Betrachtung stimmt gilt, auch von dem Objekt, worauf wir die
Betrachtung anwenden, behauptet ausgesagt Denn nun wird alles was das vom Object der Betrach-
tung behauptet was für das Urbild stimmt
:
und behauptet “es    müsse immer   …” Schenkersche Betrachtungsweise der Musik
     Das kommt nun daher, dass man den Merkmalen des Urbil[s|