Was heißt es, || : die Wahrheit eines Satzes sei gewiß?
 
     
     Mit dem Wort “gewiß” drücken wir die vollkommene || völlige Überzeugung, die Abwesenheit jedes Zweifels aus, & wir suchen damit den Andern zu überzeugen || überreden. Das ist subjektive Gewißheit.
     Wann aber ist etwas objektiv gewiß? – Wenn ein Irrtum nicht möglich ist. Aber was für eine Möglichkeit ist das.
     Muß der Irrtum
nicht logisch ausgeschlossen sein?
     Wenn ich glaube, in meinem Zimmer zu sitzen & es ist nicht so, dann wird man nicht sagen, ich habe mich geirrt: Aber was ist der wesentliche Unterschied eines Irrtums von diesem Fall?
 
     
     Sichere Evidenz ist die, die wir als unbedingt sicher annehmen, nach der wir mit Sicherheit ohne Zweifel handeln.

     Was wir “Irrtum” nennen, spielt eine ganz bestimmte || spezielle Rolle in unsern Sprachspielen, & was wir als sichere Evidenz betrachten, auch.
 
     
     Falsch || Unsinn aber wäre es, zu sagen, wir betrachten etwas als sichere Evidenz, weil es gewiß wahr ist.
 
     
     Wir müssen vielmehr die Rolle von der Entscheidung für & gegen einen
Satz erst bestimmen.
 
     
     Der Gebrauch von “wahr oder falsch” hat darum etwas Irreführendes, weil es ist, als sagte man “es stimmt mit den Tatsachen überein oder nicht”, & es sich doch gerade frägt, was “Übereinstimmung” hier ist.
 
     
     “Der Satz ist wahr oder falsch” heißt eigentlich nur, es müsse eine Entscheidung für oder || & gegen ihn möglich
sein. Aber das sagt nicht, aus welchem Grunde man sich für oder gegen ihn entscheidet. || wie der Grund zu so einer Entscheidung ausschaut.
 
     
     Denk, jemand fragte: “Ist es wirklich richtig daß wir uns auf die Evidenz unsres Gedächtnisses (oder unsrer Sinne) verlassen wie wir es tun?” || “Haben wir recht, uns auf unsre Sinne & unser Gedächtnis zu verlassen, wie wir's tun?”
 
     
     Moores gewisse Sätze sagen beinahe aus, wir hätten ein Recht, uns auf diese Evidenz zu verlassen.
 
     
     Was wir historische Evidenz nennen || Alles was wir als Evidenz betrachten, deutet drauf hin, die Erde habe schon lange vor meiner Geburt existiert. Die entgegengesetzte Hypothese hat keinerlei Bekräftigung || entbehrt jeder Grundlage. || hat nichts für sich.
 
     
     Eine Hypothese,
für welche alles, gegen welche nichts spricht, – || Wenn nun alles für eine Hypothese, nichts gegen sie spricht, –
◇ ist sie dann objektiv || gewiß wahr? Man kann sie so nennen.
     Aber stimmt sie unbedingt || gewiß mit den Tatsachen || dem Tatsächlichen || mit der ‘Welt der Tatsachen’ überein? Sie zeigt uns bestenfalls, was “übereinstimmen” heißt. Wir finden es schwierig, sie uns falsch vorzustellen aber auch schwierig, eine Anwendung von ihr zu machen.
      ‒ ‒ ‒ Mit dieser Frage bewegst Du Dich schon im Kreise.
 
     
Worin besteht denn diese Übereinstimmung, wenn nicht darin, daß, was in diesem Sprachspiel Evidenz ist, für unsern Satz spricht. (Log. Phil. Abh.)
 
     
     Die Begründung aber, die Rechtfertigung der Evidenz || des Sprachspiels kommt zu einem Ende; – das Ende aber ist nicht daß uns gewisse Sätze unmittelbar als wahr einleuchten, also eine Art Sehen unsrerseits, sondern unser Handeln, welches
am Grunde des Sprachspiels liegt.
 
     
     Wenn das Wahre das Begründete ist, dann ist der Grund nicht wahr, noch falsch.
 
     
     Wenn Einer uns fragte “Aber ist das wahr?”, könnten wir ihm sagen “Ja”; & wenn er Gründe verlangte, so könnten wir sagen “Ich kann Dir keine Gründe geben, aber wenn Du mehr lernst, wirst Du auch dieser
Meinung sein.
     Käme er nun nicht dahin, so hieße das, daß er, z.B., Geschichte nicht lernen kann.
 
     
     “Seltsamer Zufall, daß alle die Menschen in deren Kopf man geschaut || deren Schädel man geöffnet hat, ein Gehirn hatten!”
 
     
     Ich habe ein Telephongespräch mit New York. Mein Freund teilt mir mit daß seine Bäumchen die & die Knospen tragen. Ich bin nun überzeugt, das
Bäumchen sei … Bin ich auch überzeugt, die Erde existiere?
 
     
     Daß die Erde existiert, ist vielmehr ein Teil des ganzen Bildes, das die Basis || den Ausgangspunkt meines Glaubens bildet.
 
     
Bekräftigt mein Telephongespräch mit New York meine Überzeugung, daß die Erde existiert?
 
     
Manches scheint uns festzustehen & es scheidet aus dem Verkehr aus. Es wird sozusagen
auf ein totes Geleise geschoben || verschoben.
 
     
     Es ist nun die Form unsrer Betrachtungsweise & charakterisiert alle unsre Fragen & Forschungen. || Es gibt nun unsern Betrachtungen, unsern Forschungen ihre Form. Es war vielleicht einmal umstritten. Vielleicht aber hat es seit unvordenklichen Zeiten zum Gerüst aller unsrer Betrachtungen gehört. (Jeder
Mensch hat Eltern.)
 
     
     Wir betrachten z.B. eine Rechnung unter gewissen Umständen als genügend || hinlänglich kontrolliert. Was gibt uns dazu ein Recht? Die Erfahrung? Könnte sie uns nicht täuschen? Wir müssen irgendwo mit dem Rechtfertigen enden || Schluß machen & dann bleibt der Satz: daß wir so rechnen.
 
     
     Unsre ‘Erfahrungssätze’ bilden nicht
eine homogene Masse.
 
     
     Was spricht dagegen || Was hindert mich anzunehmen daß dieser Tisch, wenn ihn niemand betrachtet, entweder verschwindet, oder seine Form & Farbe verändert, & nur wieder jemand wenn ihn ansieht, in seinen alten Zustand zurückkehrt? – “Wer wird aber auch so etwas annehmen!” – möchte man sagen.
 
     
     Hier zeigt sich || sehen wir,
daß der Begriff || die Idee von der ‘Übereinstimmung mit der Wirklichkeit’ nicht recht klar ist. || keine klare Anwendung hat.
 
     
     Der Satz “Es ist geschrieben.
 
     
     Wer annähme, daß alle unsre Rechnungen unsicher seien, & daß wir uns auf keine verlassen können (mit der Rechtfertigung, daß Fehler überall möglich sind), würden wir
vielleicht für verrückt erklären. Aber können wir sagen, er sei im Irrtum? Reagiert er nicht einfach anders: wir verlassen uns darauf, er nicht; wir sind sicher, er nicht.
 
     
     Kann ich für einen Augenblick glauben, ich sei je || einmal in der Stratosphäre gewesen? Nein. So weiß ich das Gegenteil, – wie Moore?
 
     
     Es kann für mich, als vernünftigen
Menschen kein Zweifel darüber bestehen. – Das ist es eben. –
 
     
Der Vernünftige Mensch hat gewisse Zweifel nicht.
 
     
     Kann ich zweifeln, woran ich zweifeln will?
 
     
     Ich kann, daß ich nie in der Stratosphäre war, unmöglich bezweifeln. Weiß ich es darum, ist es darum wahr?
 
     
     Könnte ich nicht eben verrückt sein & das nicht bezweifeln, was ich unbedingt bezweifeln sollte.
 
     
     “Ich weiß, daß es nie geschehen ist, denn wäre es geschehen, so hätte ich es unmöglich vergessen können.”
     Aber angenommen, es wäre geschehen, so hättest Du's eben doch vergessen. Und wie weißt Du, daß Du's unmöglich hattest vergessen können? Nicht bloß aus früherer Erfahrung?
 
     
     Das, woran ich festhalte, ist nicht ein Satz, sondern ein Nest von Sätzen.
 
     
     Kann ich die Annahme, ich sei einmal auf dem Mond || Nordpol gewesen, überhaupt einer ernsten Betrachtung würdigen?
 
     
     “Ist denn das etwas, was man vergessen kann?!”
 
     
     “Unter solchen Umständen sagen die Menschen
nicht: ‘Vielleicht haben wir's alle vergessen’ & dergleichen, sondern sie nehmen an …”
 
     
     Unsre Rede erhält durch unsre übrigen Handlungen ihren Sinn.
 
     
     Wir fragen uns: Was machen wir mit einer Aussage “Ich weiß …”? Denn uns handelt sich's nicht um Vorgänge oder || & Zustände des Geistes || im Geiste.
     Und so muß man entscheiden, ob etwas
ein Wissen ist, oder keines.
 
     
     Wenn einer bezweifelte, ob die Erde vor 100 Jahren existiert hat, so verstünde ich das darum nicht, weil ich nicht wüßte, was dieser noch als Evidenz gelten ließe, & was nicht.
 
     
     “Jedes einzelne dieser Fakten könnten wir bezweifeln, aber alle können wir nicht bezweifeln.”
     Wäre es nicht richtiger
zu sagen: “alle bezweifeln wir nicht.”
     Daß wir sie nicht alle bezweifeln, ist eben die Art & Weise wie wir urteilen, also handeln.
 
     
     Wenn ein Kind mich fragte, ob es die Erde schon vor meiner Geburt gegeben hat, so würde ich ihm nicht antworten, die Erde existiere erst seit meiner Geburt, sondern sie habe schon lang, lang vorher existiert. Und dabei hätte ich
das Gefühl, etwas Komisches zu sagen. Etwa wie wenn das Kind gefragt hätte ob der & der Berg höher sei als ein sehr hohes Haus, das es gesehen hat. Ich könnte nur dem jene Frage beantworten, dem ich ein Weltbild erst beibrächte.
     Wenn ich nun die Frage mit Sicherheit so beantworte, was gibt mir diese Sicherheit?
 
     
     Ich glaube daß ich Ahnen habe & daß jeder
Mensch sie hat. Ich glaube daß es verschiedene Städte gibt & überhaupt an die Hauptdaten der Geographie & der Geschichte. Ich glaube, daß die Erde ein Körper ist auf dessen Oberfläche wir uns bewegen & daß er sowenig plötzlich verschwindet oder dergl. wie irgend ein andrer fester Körper: dieser Tisch, dieses Haus, dieser Baum etc. Wenn ich an der Existenz der Erde
lang vor meiner Geburt zweifeln wollte, müßte ich alles mögliche bezweifeln, was mir feststeht.
 
     
     Und daß mir etwas feststeht, hat seinen Grund nicht in meiner Dummheit, oder Leichtgläubigkeit.
 
     
     Wenn Einer sagte “Die Erde hat nicht schon lange …” – was würde er damit antasten? Weiß ich's?
 
     
     Müßte es ein sozusagen wissenschaftlicher Glaube sein? Könnte es kein mystischer sein? Muß er damit unbedingt geschichtlichen Tatsachen widersprechen? Ja selbst geographischen?
 
     
Wenn ich sage “Dieser Tisch hat vor einer Stunde noch nicht existiert”, so meine ich wahrscheinlich, er sei erst später hergestellt worden.
     Sage ich “Dieser
Berg hat damals noch nicht existiert, so meine ich wohl, er habe sich erst später – vielleicht vulkanisch – gebildet.
     Sage ich “Dieser Berg hat vor einer halben Stunde noch nicht existiert”, so ist das eine so seltsame Aussage, daß nicht klar ist, was ich meine. Ob ich z.B. etwas falsches aber wissenschaftliches meine. Vielleicht meint man, die Aussage der Berg habe damals
noch nicht existiert, sei ganz klar, wie immer man sich den Zusammenhang denke.
     Aber denke, jemand sagte “Dieser Berg hat vor einer Minute noch nicht existiert, sondern ein genau gleicher”. Nur die gewohnte Umgebung läßt es klar erscheinen, was gemeint ist.
 
     
Ich könnte also den der sagt die Erde habe vor seiner Geburt noch nicht existiert, weiter fragen um
herauszufinden mit welchen meiner Meinungen || Überzeugungen er im Widerspruch ist. Und da könnte es sein daß er meinen Grundanschauungen widerspricht. Und wäre es so, so müßte ich's dabei bewenden lassen.
     Ähnlich geht es wenn er sagt er sei einmal auf dem Mond gewesen.
 
     
Ja, ich glaube, daß jeder Mensch zwei menschliche Eltern
hat; aber die Katholiken glauben, daß Jesus nur eine menschliche Mutter hatte. Und Andre könnten glauben es gebe Menschen die keine Eltern haben, & die aller gegenteiligen Evidenz keinen Glauben schenken. Die Katholiken glauben auch daß eine Oblate unter gewissen Umständen ihr Wesen gänzlich ändert & zugleich, daß alle Evidenz das Gegenteil beweist. Wenn also M. sagte Ich weiß, daß dies Wein &
nicht Blut ist, so würden Katholiken ihm widersprechen.
 
     
     Worauf gründet sich der Glaube, daß alle Menschen Eltern haben? Auf Erfahrung. Und wie kann ich auf meine Erfahrung diesen sichern Glauben gründen? Nun ich gründe ihn nicht nur darauf daß ich die Eltern gewisser Menschen kannte, sondern auf alles was ich über das Geschlechtsleben von Menschen &
ihre Anatomie & Physiologie gelernt habe; auch darauf was ich von Tieren gehört & gesehen habe.
     Aber ist das denn wirklich ein Beweis?
 
     
     Ist hier nicht eine Hypothese, die, wie ich glaube, sich immer wieder vollkommen bestätigt?
 
     
     Müssen wir nicht auf Schritt & Tritt sagen:
“Ich glaube dies mit Bestimmtheit”?
 
     
     “Ich weiß …” sagt man, wenn man bereit ist, zwingende Gründe zu geben. “Ich weiß” bezieht sich auf eine Möglichkeit || Methode des Deutens der Wahrheit. Ob Einer etwas weiß, läßt sich zeigen, angenommen, daß er davon überzeugt ist.
     Ist aber was er glaubt von solcher Art, daß, die Gründe, die er geben kann, nicht sicherer sind, als seine Behauptung, so kann er nicht sagen, er wisse, was er glaubt.
 
     
     Wenn Einer sagt “Ich habe einen Körper”, so kann man ihn fragen “Wer spricht hier mit diesem Munde?”
 
     
     Zu wem sagt Einer, er wisse etwas? Zu sich selbst, oder zu einem Andern. Wenn er's zu sich selbst sagt, wie unterscheidet es sich von der Feststellung er sei gewiß || sicher, es verhalte sich so? Es gibt keine subjektive Sicherheit, daß ich etwas weiß. Subjektiv ist die Gewißheit, aber nicht das
Wissen. Wenn ich mir also sage “Ich weiß, daß ich zwei Hände habe” & das soll nicht nur meine subjektive Gewißheit zum Ausdruck bringen, so muß ich mir beweisen || mich davon überzeugen können, daß ich recht habe. Aber das kann ich nicht; denn daß ich zwei Hände habe ist nicht weniger gewiß, ehe ich sie angeschaut habe als nachher.
Ich könnte aber sagen: “Daß ich zwei Hände habe ist ein unumstößlicher Glaube.”
Das würde ausdrücken, ich sei nicht bereit, irgend etwas als Gegenbeweis dieses Satzes gelten zu lassen.
 
     
     “Hier bin ich auf einer Grundlage alles meines Wissens || Glaubens angelangt.” “Diese Stellung werde ich halten!” Aber ist das nicht eben nur, weil ich davon vollkommen überzeugt bin? – Wie ist das: ‘Vollkommen überzeugt sein’?
 
     
     Wie wäre es, jetzt daran
zu zweifeln, daß ich zwei Hände habe? Warum kann ich's mir gar nicht vorstellen?
Was würde ich glauben, wenn ich das nicht glaubte? Ich habe noch gar kein System, worin es diesen Zweifel geben könnte.
 
     
     Ich bin auf dem Boden meiner Überzeugungen angelangt.
 
     
     Und von dieser Grundmauer könnte man beinahe sagen, sie
werde vom ganzen Haus getragen.
 
     
     Man macht sich ein falsches Bild vom Zweifel.
 
     
     Daß ich zwei Hände habe, ist unter normalen Umständen so sicher, wie irgend etwas, was ich als Evidenz dafür anführen könnte.
     Ich bin darum außer Stande den Anblick meiner Hand als Evidenz dafür aufzufassen.
 
     
     Heißt das nicht:
ich werde unbedingt nach diesem Glauben handeln & mich durch nichts beirren lassen?
 
     
     Aber es ist doch nicht nur, daß ich in dieser Weise glaube, daß ich 2 Hände habe, sondern daß jeder Vernünftige das tut.
 
     
     Am Grunde des begründeten Glaubens liegt der unbegründete Glaube.
 
     
Jeder ‘vernünftige’ Mensch
handelt so.
 
     
     Das Zweifeln || Der Zweifel hat gewisse charakteristische Äußerungen, aber sie sind für ihn nur unter gewissen Umständen charakteristisch. Wenn Einer sagte, er zweifle an der Existenz seiner Hände, sie immer wieder von allen Seiten betrachtete, sich zu überzeugen suchte, daß keine Spiegelung oder dergleichen vorläge, so wären
wir nicht sicher, ob wir das ein Zweifeln nennen sollten. Wir könnten seine Handlungsweise als eine der zweifelnden ähnlichen beschreiben, aber sein Spiel wäre nicht das unsre.
 
     
     Anderseits ändert sich das Sprachspiel mit der Zeit.
 
     
     Wenn Einer mir sagte, er zweifle daran, ob er einen Körper habe, würde
ich ihn für einen Halbnarren halten. Ich wüßte aber nicht was es hieße ihn davon zu überzeugen, daß er einen habe. Und hätte ich etwas gesagt & das hätte nun den Zweifel behoben, so wüßte ich nicht wie & warum.
 
     
     Ich weiß nicht, wie der Satz “Ich habe einen Körper” zu gebrauchen ist.
     Das gilt nicht
unbedingt von dem Satz, daß ich immer auf oder nahe der Erde war.
 
     
     Wer dran zweifelte daß die Erde seit 100 Jahren existiert hat, könnte einen wissenschaftlichen, oder aber einen philosophischen Zweifel haben.
 
     
     Ich möchte den Ausdruck “Ich weiß” für die Fälle reservieren, in denen er im normalen Sprachverkehr gebraucht wird.
 
     
Einen vernünftigen Zweifel an der Existenz der Erde während der letzten 100 Jahre kann ich mir jetzt nicht vorstellen.
 
     
     Ich kann mir einen Menschen vorstellen, der unter ganz besondern Umständen aufgewachsen ist, & dem man beigebracht hat die Erde sei vor 50 Jahren entstanden, & der es deshalb auch glaubt. Diesen könnten wir belehren: die Erde
habe schon lange etc. – Wir würden trachten ihm unser Weltbild zu geben.
     Dies geschähe durch eine Art Überredung.
 
     
     Der Schüler glaubt seinen Lehrern & den Schulbüchern.
 
     
     Ich könnte mir den Fall denken daß M. von einem wilden Volksstamm gefangen wird & die den Verdacht aussprechen, er sei von irgendwo
zwischen Erde & Mond gekommen. M. sagt ihnen, er wisse, …, kann ihnen aber die Gründe für seine Sicherheit nicht geben, weil sie phantastische Ideen vom Flugvermögen eines Menschen haben & von Physik nichts wissen. Dies wäre eine Gelegenheit, jene Aussage zu machen.
 
     
     Aber was sagt sie mehr, als “Ich bin
nie dort & dort gewesen, & habe zwingende Gründe, das zu glauben”?
 
     
     Und hier müßte man noch sagen, was zwingende Gründe sind.
 
     
     “Ich habe nicht nur den visuellen Eindruck eines Baumes, sondern ich weiß, daß es es || das ein Baum ist.”
 
     
     “Ich weiß, daß das eine Hand ist.” – Und was ist eine Hand? – “Nun, das
z.B.”
 
     
     Bin ich || Ist es gewisser, daß ich nie auf dem Mond, als daß ich nie in Bulgarien war? Warum bin ich so sicher? Nun, ich weiß, daß ich auch nirgends in der Nähe, z.B. nie auf dem Balkan, war.
 
     
     “Ich habe für meine Sicherheit zwingende Gründe.” Diese Gründe machen die Sicherheit objektiv.
 
     
     Was ein triftiger Grund für etwas sei, entscheide nicht ich.
 
     
     Ich weiß = Es ist mir als gewiß bekannt.
 
     
     Wann aber sagt man von etwas, es sei gewiß?
     Denn darüber, ob etwas gewiß ist, läßt sich streiten; wenn nämlich etwas objektiv gewiß ist.
 
     
Es gibt eine Unzahl allgemeiner || unzählbare allgemeine Erfahrungssätze,
die uns als gewiß gelten.
 
     
     Daß Einem dem man den Arm abgehackt, er nicht wieder wächst, ist ein solcher. Daß Einer, dem man den Kopf abgehauen hat, tot ist & nie wieder lebendig wird, ein andrer.
     Man kann sagen, daß Erfahrung uns diese Sätze lehrt. Sie lehrt sie uns aber nicht isoliert, sondern sie lehrt uns eine Menge zusammenhängender
Sätze. Wären sie isoliert, so könnte ich etwa an ihnen zweifeln, denn ich habe keine sie betreffende Erfahrung.
 
     
     Ist die Erfahrung der Grund dieser unsrer Gewißheit, so ist es natürlich die vergangene Erfahrung.
     Und es ist nicht etwa bloß meine Erfahrung, sondern die der Andern, von der ich Kenntnis erhalte.
     Nun könnte man sagen, daß es wiederum
Erfahrung ist, was uns den Andern Glauben schenken läßt. Aber welche Erfahrung macht mich glauben, daß die Anatomie & Physiologiebücher nicht Falsches enthalten? Es ist wohl wahr, daß dieses Vertraun auch durch meine eigene Erfahrung gestützt wird.
 
     
     Wir glauben, so zu sagen, daß dieses große Gebäude da ist, & nun sehen
wir einmal da ein Eckchen, einmal dort ein Eckchen.
 
     
     “Ich kann nicht umhin zu glauben …”
 
     
     “Ich bin beruhigt, daß es so ist.”
 
     
     Es ist ganz sicher, daß Automobile nicht aus der Erde wachsen. – Wir fühlen, daß, wenn Einer das Gegenteil glauben könnte, er allem Glauben schenken könne, was wir
für unmöglich erklären & alles bestreiten könnte, was wir für sicher halten.
     Wie aber hängt dieser eine Glaube mit allen andern zusammen? Wir möchten sagen daß wer jenes glauben kann das ganze System unsrer Verifikation nicht annimmt.
     Dies System ist etwas, was der Mensch durch Beobachtung & Unterricht aufnimmt. Ich
sage absichtlich nicht “lernt”.
 
     
     Nachdem er das & das gesehen & das & das gehört hat, ist er außer Stande zu bezweifeln, daß …
 
     
Ich, L.W., glaube, bin sicher, daß mein Freund nicht Sägespäne im Leib oder Kopf hat, obwohl ich dafür keine direkte Evidenz der Sinne habe. Ich bin sicher, auf Grund
dessen, was mir gesagt wurde, was ich gelesen habe, & meiner Erfahrungen.
     Daran zu zweifeln erscheint mir als Wahnsinn, freilich wieder in Übereinstimmung mit Andern; aber ich stimme mit ihnen überein.
 
     
     Ich kann nicht sagen, daß ich gute Gründe habe zur Ansicht, daß Katzen nicht auf Bäumen wachsen,
oder daß ich einen Vater & eine Mutter gehabt habe.
     Wenn Einer daran zweifelt, – wie soll es geschehen sein?
Soll er von Anfang an nie geglaubt haben, er habe Eltern gehabt? Aber ist denn das denkbar, es sei denn, daß man ihn dies gelehrt hat.
 
     
Denn wie kann das Kind an dem gleich zweifeln, was man ihm beibringt? Das könnte nur bedeuten, daß es gewisse Sprachspiele
nicht erlernen könnte.
 
     
     Die Menschen haben seit den ältesten Zeiten Tiere getötet, ihr Fell, ihre Knochen etc. etc. zu gewissen Zwecken gebraucht; sie haben mit Bestimmtheit drauf gerechnet, in jedem ähnlichen Tier ähnliche Teile zu finden.
     Sie haben immer aus der Erfahrung gelernt, & aus ihren Handlungen kann man ersehen,
daß sie Gewisses mit Bestimmtheit glaubten, ob sie diesen Glauben aussprachen, oder nicht. Damit will ich natürlich nicht sagen, daß der Mensch so handeln solle, sondern nur, daß er so handelt.
 
     
     Wenn Einer etwas sucht & wühlt etwa an einem bestimmten Platz die Erde auf, so zeigt er damit, daß er glaubt, das, was er sucht, sei dort.
 
     
     Woran wir glauben, hängt von dem ab, was wir lernen. Wir alle glauben, es sei unmöglich auf den Mond zu kommen; aber es könnte Leute geben, die glauben, es sei möglich & geschehe manchmal. Wir sagen: diese wissen Vieles || Manches nicht, was wir wissen. Und sie mögen ihrer Sache noch so sicher sein, – sie sind im Irrtum, & wir wissen es.
     Wenn wir unser
System des Wissens mit ihrem vergleichen, so zeigt sich ihres als das weit ärmere.
 
     
23.9.50
Das Eichhörnchen schließt nicht durch Induktion, daß es auch im nächsten Winter Vorräte brauchen wird. Und ebensowenig brauchen || benutzen wir ein Gesetz der Induktion, um unsre Handlungen oder Vorhersagen zu rechtfertigen.
 
     
Ich weiß nicht nur, daß die Erde lange
vor meiner Geburt existiert hat, sondern auch, daß sie ein großer Körper ist, daß man das festgestellt hat, daß ich & die andern Menschen viele Ahnen haben, daß es Bücher über das alles gibt, daß solche Bücher nicht lügen, etc., etc., etc. Und das alles weiß ich? Ich glaube es. Dieser Wissenskörper wurde mir überliefert & ich habe keinen Grund, an ihm zu zweifeln, sondern vielerlei Bestätigungen.

     Und warum soll ich nicht sagen, ich wisse das alles?
Sagt man nicht eben dies?
     Aber nicht nur ich weiß, oder glaube alles das, sondern die Andern auch. Oder vielmehr, ich glaube, daß sie es glauben.
 
     
Ich bin fest überzeugt, daß die Andern glauben, zu wissen glauben, daß es sich alles so verhält.
 
     
Ich habe selbst
in meinem Buch geschrieben, das Kind lerne ein Wort so & so verstehen: Weiß ich das, oder glaube ich das? Warum schreibe ich in so einem Falle nicht “Ich glaube ….”, sondern einfach den Behauptungssatz?
 
     
     Wir wissen, daß die Erde rund ist. Wir haben uns endgültig davon überzeugt, daß sie rund ist.
     Bei dieser Ansicht werden wir verharren;
es sei denn, daß sich unsere ganze Naturanschauung ändert. “Wie weißt Du das?” – Ich glaube es.
 
     
     Weitere Versuche können die früheren nicht Lügen strafen, höchstens unsere ganze Betrachtung ändern.
 
     
     Ähnlich, der Satz “Das Wasser siedet bei 100˚ C.”.
 
     
     So überzeugen wir uns, das nennt man
“mit Recht davon überzeugt sein”.
 
     
     Hat man also nicht, in diesem Sinne, einen Beweis des Satzes?
     Aber es ist kein Beweis dafür daß dasselbe wiedergeschehen ist; aber wir sagen es gibt uns ein Recht dies anzunehmen.
 
     
     Dies nennen wir “Erfahrungsmäßige Begründung unsrer Annahmen.”
 
     
     Wir lernen eben nicht nur, daß die & die Versuche so & so ausgegangen sind, sondern auch den Schlußsatz. Und daran ist natürlich nichts Falsches. Denn dieser Satz ist ein Instrument für bestimmten Gebrauch.
 
     
     Wir sind dessen ganz sicher, heißt nicht nur, daß jeder Einzelne dessen gewiß ist, sondern, daß wir zu einer Gemeinschaft gehören, die
durch die Wissenschaft & Erziehung verbunden ist. Damit ist der Diebstahl derer nicht entschuldigt die seit Jahren ihre Publikationen mit meinen unveröffentlichten Einfällen schmücken. durch die Wissenschaft & Erziehung verbunden ist.
 
     
     We are satisfied that the earth is round.
 
     
     Denke, ein Dichter sagte: “Wenn dieser Charakter in meiner Tragödie fromm & gut leben wird, so wird es ihm gut gehen, wird er sich aber versündigen, so wird er umkommen.”
 
     
10.3.51
… Damit ist der Diebstahl, der von manchem Universitätslehrer heute an meinen Einfällen || an meinen Einfällen heute von manchem Universitätslehrer begangen wird, durchaus nicht entschuldigt. || Das soll keineswegs die entschuldigen, die mit meinen unveröffentlichten Einfällen ihre Schriften schmücken. || Damit ist der Diebstahl derer nicht entschuldigt die seit Jahren ihre Publikationen mit meinen unveröffentlichten Einfällen schmücken. Denn, wenn (ich) auch, das was sie davontragen können, gering achte || auch, das was sie davontragen können, nicht wertvoll ist, so halten sie selbst es doch für wertvoll, & es ist auch besser, als was sie selbst erdenken können.
 
     
     Nicht alle Korrekturen unsrer Ansichten || Meinungen stehen auf gleicher Stufe.
 
     
     Angenommen, es sei nicht wahr, daß die Erde schon lange vor meiner Geburt
existiert hat, wie hat man sich die Entdeckung dieses Fehlers vorzustellen?
 
     
     Es ist nichts nutz zu sagen “Vielleicht irren wir uns”, wenn, wenn keiner Evidenz zu trauen ist, im Fall der gegenwärtigen Evidenz nicht zu trauen ist.
 
     
     Wenn wir uns z.B. immer verrechnet haben & 12 × 12 nicht 144 ist, warum sollten wir dann irgendeiner andern Rechnung trauen? Und das ist natürlich falsch ausgedrückt.
 
     
     Aber auch ich irre mich in dieser Formel des Einmaleins nicht. Ich mag später einmal sagen, ich sei jetzt verwirrt gewesen, aber nicht, ich hätte mich geirrt.
 
     
     Hier ist wieder ein Schritt nötig ähnlich dem der Relativitätstheorie.
 
     
     “Ich weiß nicht, ob das eine Hand ist …” Weißt Du aber was das Wort “Hand” bedeutet? Und sag nicht “Ich weiß, was es jetzt für mich bedeutet.”
 
     
     Und ist das nicht eine Erfahrungstatsache, daß dies Wort so gebraucht wird?
 
     
     Und hier ist es nun sonderbar, daß, wenn ich auch des Gebrauchs der Wörter ganz sicher bin, keinen Zweifel darüber habe, ich doch keine Gründe für meine Handlungsweise angeben kann. Versuchte ich's, so könnte ich 1000 geben, aber keinen der so sicher wäre, wie eben das, was sie begründen sollen.
 
     
     ‘Wissen’ & ‘Sicherheit’ gehören zu verschiedenen Kategorien. Es sind nicht zwei ‘Seelenzustände’ wie etwa ‘Vermuten’ & ‘Sichersein’. (Hier nehme ich an, daß es für mich sinnvoll sei zu sagen “Ich weiß, was das Wort ‘Zweifel’ (z.B.) bedeutet & daß dieser Satz dem Wort “Zweifel” eine logische Rolle anweist.) Was uns nun interessiert ist nicht das Sichersein sondern das Wissen. D.h., uns interessiert, daß es über gewisse Erfahrungssätze keinen
Zweifel geben kann, wenn ein Urteilen überhaupt möglich sein soll. Oder auch: Ich bin geneigt zu glauben, daß nicht alles, was die Form eines Erfahrungssatzes hat, ein Erfahrungssatz ist.
 
     
     Ist es, daß Regel & Erfahrungssatz in einander übergehen?
 
     
     Ein Schüler & ein Lehrer. Der Schüler läßt sich nichts erklären, denn er unterbricht (den Lehrer) fortwährend
mit Zweifeln, z.B. an der Existenz der Dinge, der Bedeutung der Wörter, etc. Der Lehrer sagt: “Unterbrich nicht mehr & tu' was ich Dir sage. Deine Zweifel haben jetzt noch gar keinen Sinn.”
 
     
     Oder denk Dir, der Schüler bezweifelte die Geschichte (& alles was mit ihr zusammenhängt), ja auch, ob die Erde vor 100 Jahren überhaupt existiert habe.
 
     
Da ist es mir, als wäre dieser Zweifel hohl.
Aber ist es dann nicht auch der Glaube an die Geschichte? Nein; dieser hängt mit so vielem zusammen.
 
     
     So ist das also, was uns einen Satz glauben macht? Nun, es hängt eben die Grammatik von “glauben” mit der des geglaubten Satzes zusammen.
 
     
     Denk Dir, der Schüler fragte wirklich: “Und ist ein Tisch auch da, wenn ich mich umdrehe; & auch wenn ihn
niemand sieht?” Soll da der Lehrer ihn beruhigen? & sagen “Freilich ist er da!” –
     Vielleicht wird der Lehrer ein bißchen ungeduldig werden, sich || sich aber denken der Schüler werde sich solche Fragen schon abgewöhnen.
 
     
     D.h., der Lehrer wird empfinden, dies sei eigentlich keine berechtigte Frage.
     Und gleichermaßen wenn der Schüler die Gesetzlichkeit der Natur
also die Berechtigung zur Induktion || zu Induktionsschlüssen anzweifelte. – Der Lehrer würde empfinden, daß das ihn & den Schüler nur aufhält, daß er dadurch im Lernen nur steckenbliebe & nicht weiterkäme. – Und er hätte recht. Es wäre, als sollte jemand nach einem Gegenstand im Zimmer suchen; er öffnet eine Lade & sieht ihn nicht darin; da schließt er sie wieder, wartet, & öffnet sie wieder um zu sehen, ob er jetzt nicht etwa
darin sei, & so fährt er fort. ƪ
     Er hat noch nicht suchen gelernt. Und so hat jener Schüler noch nicht fragen gelernt. Nicht das Spiel gelernt, das wir ihn lehren wollen.
 
     
     Und ist es nicht dasselbe, wie wenn der Schüler den Geschichtsunterricht aufhielte durch Zweifel darüber, ob die Erde wirklich …?
 
     
Dieser Zweifel gehört nicht zu den Zweifeln
unseres Spiels. (Nicht aber, als ob wir uns dieses Spiel aussuchen!) || aussuchten!)
 
     
12.3.51.
     ‘Die Frage kommt gar nicht auf.’ Ihre Antwort würde eine Methode charakterisieren. Es ist aber keine scharfe Grenze zwischen methodologischen Sätzen & Sätzen innerhalb einer Methode.
 
     
     Aber könnte || müßte man dann nicht sagen, daß es keine scharfe Grenze gibt zwischen Sätzen der Logik & Erfahrungssätzen? Die Unschärfe ist eben die
der Grenze zwischen Regel & Erfahrungssatz.
 
     
     Hier muß man, glaube ich, daran denken, daß der Begriff ‘Satz’ selbst nicht scharf ist.
 
     
     Ich sage doch: Jeder Erfahrungssatz kann umgewandelt werden in ein Postulat– & wird dann eine Norm der Darstellung. Aber auch dagegen habe ich ein Mißtraun. Der Satz ist zu allgemein.
Man mochte fast sagen “Jeder Erfahrungssatz
kann, theoretisch, umgewandelt werden …”, aber was heißt hier “theoretisch”? Es klingt eben zu sehr nach der Log. Phil. Abh.
 
     
     Wie, wenn der Schüler nicht glauben wollte, daß dieser Berg seit Menschengedenken immer dagestanden ist || sei?
     Wir würden sagen, er habe ja gar keinen Grund zu diesem Mißtraun.
 
     
     Also muß vernünftiges Mißtraun einen Grund haben?

     Wir könnten auch sagen: “Der Vernünftige glaubt dies.”
 
     
     Wir würden also den nicht vernünftig nennen, der etwas, wissenschaftlicher Evidenz zum Trotz, glaubt.
 
     
     Wenn wir sagen, wir wissen, daß …, so meinen wir daß jeder Vernünftige in unsrer Lage es auch wüßte, daß es Unvernunft wäre, es zu bezweifeln. So will auch Moore nicht nur sagen, er wisse, daß er etc. etc.,
sondern auch, daß jeder Vernunftbegabte in seiner Lage es ebenso wüßte.
 
     
     Wer sagt uns aber, was in dieser Lage vernünftig ist zu glauben?
 
     
     Man könnte also sagen: “Der vernünftige Mensch glaubt: daß die Erde längst vor seiner Geburt existiert hat, daß sein Leben sich auf der Erdoberfläche oder nicht weit von ihr abgespielt hat, daß er z.B. nie auf dem Mond war,
daß er ein Nervensystem besitzt & verschiedene Innereien wie alle andern Menschen etc. etc.
 
     
     “Ich weiß es so, wie ich weiß, daß ich L.W. heiße.”
 
     
     ‘Wenn er das bezweifelt – was immer hier “bezweifeln” heißt – dann wird er dieses Spiel nie erlernen.’
 
     
     Der Satz “Ich weiß …” drückt also hier die Bereitschaft aus, gewisse
Dinge zu glauben.
 
     
13.3.
     Wenn wir überhaupt auf den Glauben hinauf mit Sicherheit handeln, sollen wir uns dann wundern, daß wir an Vielem nicht zweifeln können?
 
     
     Denke Dir, jemand würde, ohne philosophieren zu wollen, sagen: “Ich weiß nicht, ob ich je auf dem Mond gewesen bin; ich erinnere mich nicht, jemals dort gewesen zu sein.” (Warum wäre dieser Mensch von uns so
grundverschieden?)
     Vor allem: Wie wüßte er denn, daß er auf dem Mond ist? wie stellt er sich das vor. Vergleiche: “Ich weiß nicht, ob ich je im Dorfe X war.” Aber ich könnte auch das nicht sagen, wenn X in der Türkei läge, denn ich weiß daß ich nie in der Türkei war.
 
     
     Ich frage jemand: “Warst Du jemals in China?” Er antwortet: “Ich weiß nicht.” Da würde man doch sagen: “Du weißt es nicht? Hast Du irgend einen Grund
zu glauben, Du wärest vielleicht einmal dort gewesen? Warst Du z.B. einmal in der Nähe der chinesischen Grenze? oder waren Deine Eltern dort zur Zeit da Du geboren wurdest?” – Normalerweise wissen Europäer doch, ob sie in China waren oder nicht.
 
     
     D.h.: der Vernünftige zweifelt daran nur unter den & den Umständen.
 
     
     Das Verfahren in einem Gerichtssaal beruht darauf, daß Umstände Aussagen eine gewisse Wahrscheinlichkeit
|| einen gewissen Wahrscheinlichkeitswert
geben. Die Aussage z.B., jemand sei ohne Eltern auf die Welt gekommen, würde dort nie in Erwägung gezogen werden.
 
     
     Aber was Menschen vernünftig oder unvernünftig erscheint, ändert sich. Zu gewissen Zeiten scheint Menschen etwas vernünftig, was zu andern Zeiten unvernünftig schien. Und umgekehrt.
     Aber gibt es hier nicht ein objektives Merkmal?
     Sehr gescheite & gebildete Leute glauben an die Schöpfungsgeschichte der
Bibel & andere halten sie für erwiesenermaßen falsch, & diese Gründe sind jenen bekannt.
 
     
     Man kann nicht experimentieren wenn man nicht manches nicht bezweifelt. Das heißt aber nicht, daß man dann gewisse Voraussetzungen auf guten Glauben hinnimmt. Wenn ich einen Brief schreibe & aufgebe, so nehme ich an daß er ankommen wird, das erwarte ich.
     Wenn ich experimentiere so zweifle ich nicht an
der Existenz des Apparates den ich vor den Augen habe. Ich habe eine Menge Zweifel, aber nicht den. Wenn ich eine Rechnung mache, so glaube ich, ohne Zweifel, daß sich die Ziffern auf dem Papier nicht von selbst vertauschen, auch vertraue ich fortwährend meinem Gedächtnis & vertraue ihm unbedingt. Es ist hier dieselbe Sicherheit wie, daß ich nicht || nie auf dem Mond war.
 
     
Denken wir uns aber Leute die dieser Sachen nie
ganz sicher wären, aber wohl sagten, es sei sehr wahrscheinlich so & es lohne sich nicht daran zu zweifeln. So einer würde also, wenn er in meiner Lage wäre sagen: “Es ist höchst unwahrscheinlich, daß ich je auf dem Mond war”, etc., etc. Wie würde sich das Leben dieser Leute von unserem unterscheiden? Es gibt ja Leute, die sagen, es sei nur höchst unwahrscheinlich, daß das Wasser im Kessel, der über'm
Feuer steht, kochen & nicht gefrieren wird, es sei (also) strenggenommen was wir als unmöglich ansehen || unmöglich nennen nur unwahrscheinlich. Welchen Unterschied macht dies in ihrem Leben? Ist es nicht nur, daß sie über gewisse Dinge etwas mehr reden, als die Andern?
 
     
     Denk Dir einen Menschen der seinen Freund vom Bahnhof abholen soll, & nun nicht einfach im Fahrplan nachsieht & zur gewissen Zeit auf den Bahnhof geht, sondern
er sagt: “Ich glaube nicht daß der Zug wirklich ankommen wird, aber ich werde dennoch zur Bahn gehen.” Er tut alles was der gewöhnliche Mensch tut, begleitet es aber mit Zweifeln oder Unwillen über sich selbst, etc.
 
     
     Mit derselben Gewißheit mit der wir irgend einen mathematischen Satz glauben, wissen wir auch, wie die Buchstaben “A” & “B” auszusprechen sind, wie die Farbe
des menschlichen Bluts heißt, daß andre Menschen Blut haben & es “Blut” nennen.
 
     
     D.h., die Fragen, die wir stellen & unsre Zweifel beruhen auf der Zweifelsfreiheit derjenigen Annahmen, die gleichsam die Angeln sind, in denen jene sich drehen. || beruhen darauf, daß gewisse Sätze vom Zweifel ausgenommen sind, gleichsam die Angeln, in welchen jene sich bewegen.
 
     
     D.h., es gehört zur Logik unsrer Wissenschaftlichen Untersuchungen, daß Gewisses in der Tat nicht angezweifelt wird.
 
     
Es ist aber damit nicht so, daß wir eben nicht alles untersuchen können: und uns daher notgedrungen mit der Annahme zufriedenstellen müssen. Wenn ich will, daß die Türe sich drehe, müssen die Angeln feststehen.
 
     
     Mein Leben besteht darin, daß ich mich mit manchem zufriedengebe.
 
     
Wenn ich frage “Welche Farbe siehst Du jetzt”, um nämlich zu erfahren, welche Farbe jetzt dort ist, so kann ich nicht zu gleicher Zeit auch bezweifeln, ob der Angeredete Deutsch versteht, ob er mich hintergehen will, ob mein eigenes Gedächtnis die Bedeutung der Farbnamen betreffend mich nicht im Stich läßt, etc.
 
     
     Wenn ich Einen im Schach matt zu setzen suche, kann ich nicht zweifeln, ob die Figuren nicht vielleicht || etwa
von selbst ihre Stellungen wechseln & zugleich mein Gedächtnis mir einen Streich spielt, daß ich's nicht merke.
 
     
15.3.51
     “I know that that's a tree.” Warum kommt mir vor, ich verstünde den Satz nicht? obwohl || wo er || es doch ein höchst || so einfacher Satz, von der gewöhnlichsten Art ist?
     Es ist als könnte ich meinen Geist || ihn nicht auf irgend eine Bedeutung einstellen. Weil ich nämlich die Einstellung nicht in dem Bereiche suche, wo sie ist.
Sowie ich aus der philosophischen an eine alltägliche Anwendung des Satzes denke, wird sein Sinn klar & gewöhnlich.
 
     
     So wie die Worte “Ich bin hier” nur in gewissen Zusammenhängen ˓˒ || Situationen ˓˒ Sinn haben, nicht aber, wenn ich sie Einem sage, der mir gegenüber sitzt & mich klar sieht, – & zwar nicht darum, weil sie dann überflüssig sind, sondern, weil ihr Sinn durch
die Situation nicht bestimmt ist, aber so eine Bestimmung braucht.
 
     
     “Ich weiß, daß das ein Baum ist” – dies kann alles mögliche bedeuten: Ich schaue auf eine Pflanze, die ich für eine junge Buche, der Andre für eine Ribiselpflanze halte. Er sagt “Das ist ein Strauch”, ich, es sei ein Baum. – Wir sehen im Nebel etwas, was einer von uns für einen Menschen hält, der Andre sagt “Ich weiß, daß das ein Baum ist”. Jemand will meine Augen prüfen etc. etc. – etc. etc.

     Jedesmal ist das “das”, was ich für einen Baum erkläre, von andrer Art.
     Wie aber wenn wir uns bestimmter ausdrückten? also z.B.: “Ich weiß, daß das dort ein Baum ist, ich sehe es klar genug.” – Nehmen wir sogar an, ich hätte im Zusammenhang eines Gesprächs diese Bemerkung gemacht (die also damals relevant war); & nun, außer allem Zusammenhang, wiederhole ich sie, indem ich den Baum ansehe, & ich setze hinzu “Ich meine diese Worte
so wie vor 5 Minuten. – Wenn ich z.B. dazu sagte, ich hätte wieder an meine schlechten Augen gedacht & es sei eine Art Seufzen gewesen, so wäre nichts Rätselhaftes an der Äußerung.
     Wie der Satz gemeint ist || war, kann ja durch eine Ergänzung des Satzes ausgedrückt werden & läßt sich also mit ihm vereinigen.
 
     
     “Ich weiß, daß das ein Baum ist” sagt ein Philosoph etwa, um sich selbst oder einem Andern vor Augen
zu führen, er wisse etwas, was keine mathematische oder logische Wahrheit sei. Ähnlich könnte jemand, der mit dem Gedanken umgeht, er sei zu nichts mehr zu brauchen, sich immer wieder sagen “Ich kann noch immer das & das tun”. Gingen solche Gedanken öfter in seinem Kopf herum, so würde man sich nicht darüber wundern, wenn er, scheinbar außer allem Zusammenhang, so einen Satz vor sich hinspräche. (Ich habe aber mir bereits
einen Hintergrund, eine Umgebung für diese Äußerungen eingezeichnet, ihnen also einen Zusammenhang gegeben.) Wenn Einer dagegen, unter ganz heterogenen Umständen, mit der überzeugendsten Mimik ausriefe “Nieder mit ihm!”, so könnte man von diesen Worten (& ihrem Tone) sagen, sie seien eine Figur, die allerdings wohlbekannte Anwendungen habe, hier aber sei es nicht einmal klar, welche Sprache der Betreffende rede. Ich könnte mit meiner
Hand die Bewegung machen die zu machen wäre wenn ich einen Fuchsschwanz in der Hand hätte & ein Brett durchsägte; aber hätte man ein Recht diese Bewegung außer allem Zusammenhang ein Sägen zu nennen. (Sie könnte ja auch etwas ganz anderes sein!)
 
     
Ist nicht die Frage “Haben diese Worte Sinn” ähnlich der: “Ist das ein Werkzeug”, indem man, sagen wir, einen Hammer herzeigt.
Ich sage “Ja, das ist ein Hammer”. Aber wie wenn das, was jeder von uns für einen Hammer hielte, wo anders z.B. ein Wurfgeschoß, oder Dirigentenstock wäre.
     Mache die Anwendung nun selbst!
 
     
     Sagt nun jemand “Ich weiß, daß das ein Baum ist”, so kann ich antworten: “Ja, das ist ein Satz. Ein deutscher Satz. Und was soll's damit.” Wenn || Wie, wenn er nun antwortet: “Ich wollte mich nur daran erinnern,
daß ich so etwas weiß”? ‒ ‒ ‒
 
     
Wie aber, wenn er sagte: “Ich will eine logische Bemerkung machen?
     ‒ ‒ ‒ Wenn der Förster mit seinen Arbeitern in den Wald geht & nun sagt “Dieser Baum ist umzuhauen, & dieser & dieser” ‒ ‒ ‒ wie, wenn er da die Bemerkung macht “Ich weiß, daß das ein Baum ist”? – Könnte aber nicht ich vom Förster sagen “Er weiß, daß das ein Baum ist; er untersucht es nicht, befiehlt seinen Leuten nicht es zu untersuchen.”?
 
     
     Zweifelndes & Nichtzweifelndes Benehmen. Es gibt das erste nur, wenn es das Zweite gibt.
 
     
     Der Irrenarzt etwa könnte mich fragen “Weißt Du, was das ist”, & ich antworten: “ich weiß, daß das ein Sessel ist; ich kenne ihn, er ist immer schon in meinem Zimmer gestanden.” Er prüft da vielleicht nicht meine Augen, sondern mein Vermögen, Dinge wiederzuerkennen, ihren Namen & ihre Funktion zu wissen || kennen. Es handelt sich da um
ein Sich-auskennen.
     Es wäre nun für mich falsch zu sagen “Ich glaube, daß das ein Sessel ist”, weil dadurch die Bereitschaft zur Prüfung der Aussage ausgesprochen || ausgedrückt wäre. Während “Ich weiß, daß das …” impliziert, daß Verblüffung einträte, wenn die Bestätigung nicht einträte.
 
     
Mein ‘Seelenzustand’, das “Wissen” steht mir nicht gut für das, was geschehen wird.

     Er besteht aber darin, daß ich nicht verstünde, wo ein Zweifel ansetzen könnte, wo eine Überprüfung möglich wäre.
 
     
     Man könnte sagen: “Ich weiß drückt die beruhigte Sicherheit aus, nicht die noch kämpfende.”
 
     
     Ich möchte nun diese Sicherheit nicht als etwas der Vorschnellheit oder Oberflächlichkeit Verwandtes ansehen, sondern als (eine) Lebensform. (Das ist sehr schlecht ausgedrückt & vielleicht || wohl auch schlecht gedacht.)
 
     
     Das heißt doch, ich will sie als etwas auffassen, was jenseits von berechtigt & unberechtigt liegt; also gleichsam als etwas Animalisches || Tierisches.
 
     
      ❘ Gott kann mir sagen: “Ich richte Dich aus Deinem eigenen Munde. Du hast Dich vor Ekel vor Deinen eigenen Handlungen geschüttelt, wenn Du sie an Andern gesehen hast.” ❘
 
     
     Ich weiß, daß dies mein Fuß ist. Ich könnte keine Erfahrung als
Beweis des Gegenteils anerkennen. – Das kann ein Ausruf sein; aber was folgt daraus?
     Jedenfalls, daß ich mit unbedingter Sicherheit dem Gewußten gemäß handeln werde || mit einer Sicherheit, die den Zweifel nicht kennt, meinem Glauben gemäß handeln werde.
 
     
     Ich könnte aber auch sagen, es || : Es ist mir von Gott geoffenbart, daß das so ist. Gott hat mich gelehrt, daß das mein Fuß ist. Und
geschähe also etwas, was dieser Erkenntnis zu widerstreiten scheint || schiene, so müßte ich das als Trug ansehen.
 
     
     Aber zeigt sich hier nicht, daß das Wissen mit einer Entscheidung verwandt ist?
 
     
     Und es ist hier schwer den Übergang von dem, was man ausrufen möchte, zu den praktischen Folgen zu finden. || zu den Folgen in der Handlungsweise zu finden.
 
     
     Man könnte auch so fragen: “Wenn Du weißt, daß das Dein Fuß ist, – weißt Du da auch, oder glaubst Du nur, daß keine zukünftige Erfahrung Deinem Wissen widersprechen zu scheinen wird?” (d.h., daß sie Dir selbst nicht so scheinen wird?)
 
     
     Wenn nun Einer antwortete: “Ich weiß auch, daß es mir nie so scheinen wird, als widerspräche etwas jener Erkenntnis”, – was können wir daraus entnehmen? als daß er
selbst nicht zweifelte es werde das nie geschehen. –
 
     
     Wie wenn es verboten wäre zu sagen “Ich weiß” & erlaubt nur zu sagen “Ich glaube zu wissen”?
 
     
     Ist nicht der Zweck, ein Wort wie “wissen” analog || parallel mit “glauben” zu konstruieren || führen, daß dann der Aussage “Ich weiß” ein Opprobrium anhaftet, wenn, wer es || der das sagt, sich geirrt hat.
     Ein Irrtum wird dadurch
zu etwas Unerlaubtem.
 
     
     Wenn Einer sagt, er werde keine Erfahrung als Beweis des Gegenteils anerkennen, so ist das doch eine Entscheidung. Es ist möglich daß er ihr zuwider handeln wird.
 
     
16.3.51.
     Wenn ich zweifeln wollte, daß dies meine Hand ist, wie könnte ich da nicht || wie könnte ich da umhin zu zweifeln, daß das Wort “Hand” irgend eine Bedeutung hat? Das scheine
ich also doch zu wissen.
 
     
     Richtiger aber: Daß ich ohne Skrupel das Wort “Hand” & alle übrigen Wörter meines Satzes gebrauche, ja daß ich vor dem Nichts stünde, sowie ich auch nur versuchen wollte zu zweifeln, – zeigt, daß die Zweifellosigkeit zum Wesen des Sprachspiels gehört, daß die Frage “Wie weiß ich …” das Sprachspiel hinauszieht, oder aufhebt.
 
     
     Heißt nicht “Ich weiß, daß das eine Hand ist” in Moores Sinn das Gleiche oder etwas ähnliches wie: ich könne Aussagen gebrauchen wie “Ich habe Schmerzen in dieser Hand”, oder “Diese Hand ist schwächer als die andre”, oder “Ich habe mir einmal diese Hand gebrochen”, etc., || , & unzählige andere, ‒ ‒ ‒
 
     
      ❘ Das entschuldigt die Unredlichkeit derer nicht, die ihren Veröffentlichungen durch meine von mir nicht veröffentlichten Einfälle (Beispiele, Methoden) ein Ansehen verschaffen.
Denn wenn auch, was sie davontragen können, … ❘
 
     
ich könne Aussagen wie: … in Sprachspielen gebrauchen, in welche ein Zweifel an der Existenz dieser Hand nicht eintritt.
 
     
     Nur in gewissen Fällen ist eine Untersuchung “Ist das wirklich eine Hand?” (oder “meine Hand”) möglich. Denn der Satz “Ich zweifle daran, ob das wirklich meine (oder eine) Hand ist” hat
ohne nähere Bestimmung noch keinen Sinn. Es ist aus diesen Worten allein noch nicht zu ersehen was für ein || ob überhaupt & was für ein Zweifel gemeint ist.
 
     
     Warum soll es möglich sein, einen Grund zum Glauben zu haben, wenn es nicht möglich ist sicher zu sein?
 
     
     Wir lehren das Kind “Das ist Deine Hand”, nicht “Das ist vielleicht [oder “wahrscheinlich”] Deine Hand”. So lernt das Kind die unzähligen Sprachspiele,
die sich mit seiner Hand beschäftigen. Eine Untersuchung oder Frage, ‘ob dies wirklich eine Hand ist || sei’ kommt ihm gar nicht unter. Anderseits lernt es auch nicht: es wisse, daß dies seine || eine Hand sei.
 
     
     Man muß hier einsehen, daß die vollkommene Zweifellosigkeit in einem Punkt, sogar dort wo, wie wir sagen würden, ‘berechtigte’ Zweifel bestehen können, ein Sprachspiel nicht
falsifizieren muß. Es gibt eben auch so etwas wie eine andere Arithmetik.
     Dieses Eingeständnis muß, glaube ich, am Grunde alles Verständnisses der Logik liegen.
 
     
17.3.
     Ich kann mich mit Leidenschaft dafür erklären, daß ich weiß, daß das(z.B.) mein Fuß ist.
 
     
     Aber diese Leidenschaft ist doch etwas (sehr) seltenes & es ist von ihr keine Spur, wenn ich
für gewöhnlich von diesem Fuß rede.
 
     
     Das Wissen gründet sich am Schluß auf der Anerkennung.
 
     
     Ich sage mit Leidenschaft “Ich weiß, daß das ein Fuß ist” – aber was bedeutet es?
 
     
     Ich könnte fortfahren: “Nichts auf der Welt wird mich vom Gegenteil überzeugen!” Das Faktum ist für mich am Grunde
aller Erkenntnis. Ich werde anderes aufgeben, aber nicht das.
 
     
Dieses “Nichts auf der Welt …” ist offenbar eine Einstellung, die man nicht gegenüber alledem hat, was man glaubt, oder dessen man ‘sicher ist’. || die man nicht alledem gegenüber hat, was man glaubt, oder dessen man sicher ist.
 
     
Es ist damit nicht gesagt, daß wirklich nichts auf der Welt im Stande sein wird, mich eines andern zu || anders zu
überzeugen. || wird, meine Einstellung zu ändern.
 
     
     Das Argument “Vielleicht träume ich” ist darum sinnlos, weil dann eben auch diese Äußerung geträumt ist, ja auch das, daß diese Worte eine Bedeutung haben.
 
     
Welcher Art ist nun der Satz “Nichts auf der Welt …”?
 
     
Er hat die Form einer Vorhersage,
ist aber (natürlich) nicht eine, die auf Erfahrung beruht || begründet ist. || ist aber natürlich nicht gegründet auf Erfahrung.
 
     
❘      Ist der Sinn des Glaubens an den Teufel der, daß nicht alles, was als eine Eingebung zu uns kommt, gut || von gutem ist? ❘
 
     
Wer, wie Moore, sagt, er wisse, daß … – gibt den Grad der Gewißheit an, den etwas für ihn hat. Und es ist wichtig, daß es für diesen Grad ein Maximum gibt. || für
ihn einen höchsten Wert gibt.
 
     
     Man könnte mich fragen: “Wie sicher bist Du: daß das dort ein Baum ist; daß Du Geld in der Tasche hast; daß das Dein Fuß ist?” Und die Antwort könnte in einem Fall sein “nicht sicher”, in einem andern “so gut wie sicher”, im dritten “Ich kann nicht zweifeln”. Und diese Antworten hätten Sinn auch ohne alle Gründe. Ich
brauchte z.B. nicht sagen: “Ich kann nicht sicher sein, ob das ein Baum ist, weil meine Augen nicht scharf genug sind.”
     Ich will sagen: es hatte Sinn für Moore zu sagen “Ich weiß, daß das ein Baum ist” wenn er damit etwas ganz bestimmtes sagen wollte.
 
     
❘      Ich glaube einen Philosophen, einen der selbst denken kann, könnte es interessieren meine Noten zu lesen. Denn wenn ich auch nur selten in's Schwarze
getroffen habe, so würde er doch erkennen, nach welchen Zielen ich unablässig geschossen habe. ❘
 
     
      Jeder von uns gebraucht oft einen solchen Satz & es ist nicht fraglich, ob er Sinn hat. Läßt sich damit aber auch ein philosophischer Aufschluß geben? Ist es mehr ein Beweis der Existenz der äußern Dinge, daß ich weiß, daß
das eine Hand ist, als daß ich nicht weiß, ob das Gold oder Messing ist?
 
     
18.3.
     M. wollte ein Beispiel dafür geben, daß man Sätze über physikalische Gegenstände wirklich wissen könne. – Wenn es streitig wäre ob man an der & der bestimmten Stelle des Körpers Schmerzen haben kann, dann könnte Einer, der gerade dort Schmerzen hat, sagen: “Ich versichere Dich, ich habe jetzt da Schmerzen”. Es klänge
aber seltsam, wenn M. gesagt hätte: “Ich versichere Dich, ich weiß, daß das ein Baum ist”. Es hat eben hier nicht ein persönliches Erlebnis für uns Interesse.
 
     
     Wichtig ist es nur, daß es Sinn hat zu sagen, man wisse so etwas; & dann kann die Versicherung, man wisse es, hier nichts ausrichten.
 
     
     Denk Dir ein Sprachspiel “Wenn ich Dich rufe, komm zur Tür
herein”. In allen gewöhnlichen Fällen wird ein Zweifel, ob wirklich eine Tür da ist, unmöglich sein.
 
     
Was ich zeigen muß, ist, daß ein Zweifel nicht notwendig ist, auch wenn er möglich ist. Daß die Möglichkeit des Sprachspiels nicht davon abhängt, daß alles bezweifelt werde, was bezweifelt werden kann. (Das hängt mit der Rolle des Widerspruchs in der Mathematik zusammen.)
 
     
     Der Satz “Ich weiß, daß das ein Baum ist” könnte, wenn er außerhalb seines Sprachspiels gesagt wird, auch ein Zitat (aus einer deutschen Sprachlehre etwa sein. – “Aber wenn ich ihn nun meine, während ich ihn spreche?” Das alte Mißverständnis das Wort || den Begriffmeinen” betreffend.
 
     
     “Dies gehört zu den Dingen, an denen ich
nicht zweifeln kann.”
 
     
     “Ich weiß das alles.” Und das wird sich darin zeigen, wie ich handle & über die Dinge spreche.
 
     
     Im Sprachspiel “2”, kann er sagen, er wisse, daß, das Bausteine sind? – “Nein, aber er weiß es.”
 
     
     Habe ich mich nicht geirrt & hat nicht Moore vollkommen recht? Habe ich nicht den elementaren Fehler gemacht, zu verwechseln was man denkt
mit dem, was man weiß? Freilich denke ich nicht “Die Erde hat einige Zeit vor meiner Geburt schon existiert”, aber weiß ich's drum nicht? Zeige ich nicht, daß ich's weiß, indem ich immer die Konsequenzen draus ziehe.
 
     
     Weiß ich nicht auch, daß von diesem Haus keine Stiege 6 Stock tief in die Erde führt, obgleich ich noch nie dran gedacht habe?
 
     
     Aber zeigt, daß ich die Konsequenzen draus
ziehe, nicht nur, daß ich diese Hypothese annehme?
 
     
19.3.
     Ich bin hier geneigt, gegen Windmühlen zu kämpfen, weil ich das noch nicht sagen kann, was ich eigentlich sagen will.
 
     
     Ich will sagen: Sätze von der Form der Erfahrungssätze & nicht nur Sätze der Logik gehören zum Fundament alles Operierens mit Gedanken (mit der Sprache). – Diese Feststellung ist nicht von der Form “Ich weiß, …”. “Ich weiß, …” sagt
aus, was ich weiß, & das ist nicht von logischem Interesse.
 
     
     In dieser Bemerkung ist schon der Ausdruck “Sätze von der Form der Erfahrungssätze” ganz schlecht; es handelt sich um Aussagen über physikalische || materielle Gegenstände. Und sie dienen nicht als Fundamente wie Hypothesen, die, wenn sie sich als falsch erweisen, durch andere ersetzt werden.
 
     
     … und schreib getrost “Im Anfang war die Tat.”
 
     
     Vom Menschen, in Moores Sinne zu sagen, er wisse etwas; was er sage, sei also unbedingt die Wahrheit, scheint mir falsch. – Es ist die Wahrheit nur insofern, als es eine unwankende Grundlage seiner Sprachspiele ist.
 
     
     Ich will sagen: Es ist nicht so, daß der Mensch in gewissen Punkten mit vollkommener
Sicherheit die Wahrheit weiß. Sondern die || Die vollkommene Sicherheit bezieht sich nur auf seine Einstellung.
 
     
     Aber auch hier ist natürlich noch ein Fehler.
 
     
     Das, worauf ich abziele, liegt auch in dem Unterschied zwischen der beiläufigen Feststellung “Ich weiß, daß das …”, wie sie im gewöhnlichen Leben gebraucht wird, & dieser Äußerung, wenn der Philosoph
sie macht.
 
     
     Denn wenn M. sagt “Ich weiß, daß das … ist”, möchte ich antworten: “Du weißt gar nichts!” – Und doch würde ich das nicht dem alltäglichen Gebrauch dieser Worte antworten. Ich fühle also (ob mit Recht?), daß diese zwei Verschiedenes sagen wollen. || Und doch würde ich das dem nicht antworten, der ohne philosophische Absicht so spricht.
 
     
     Denn sagt Einer, er wisse das & das, & das gehört zu seiner Philosophie, – so ist sie falsch, wenn er in jener Aussage fehl gegangen ist.
 
     
     Wenn ich sage “Ich weiß, daß das ein Fuß ist” – was sage ich eigentlich? Ist nicht der ganze Witz, daß ich der Konsequenzen sicher bin, daß, wenn ein Andrer gezweifelt hätte, ich ihm sagen könnte “Siehst Du, ich hab Dir's gesagt”?
Wäre mein Wissen noch etwas wert, wenn es als Richtschnur des Handelns versagte? Und kann es nicht versagen?
 
     
20.3.
     Unser Wissen bildet ein großes System. Und nur in diesem System hat das Einzelne den Wert, den wir ihm beilegen.
 
     
     Wenn ich sage “Wir nehmen an, daß die Erde schon viele Jahre existiert habe” (oder dergl.), so klingt es freilich sonderbar, daß wir
so etwas annehmen sollten. Aber im ganzen System unsrer Sprachspiele gehört es zum Fundament. Die Annahme, kann man sagen, bildet die Grundlage des Handelns, & also natürlich auch des Denkens.
 
     
     Wer nicht im Stande ist, sich einen Fall vorzustellen, in dem man sagen könnte “Ich weiß, daß das meine Hand ist” (& solche Fälle sind ja selten), der könnte sagen
diese Worte wären Unsinn. Er könnte freilich auch sagen: “Freilich weiß ich's, wie könnte ich's nicht wissen?” – aber da würde er vielleicht den Satz “Das ist meine Hand” als Erklärung der Worte “meine Hand” verstehen.
 
     
     Denn nimm an Du führtest einem Blinden die Hand & sagtest, indem Du sie Deiner Hand entlang führst “Das ist meine Hand”; wenn er Dich nun fragte “Bist
Du sicher?”, oder “Weißt Du das?”, so würde das nur unter sehr besondern Umständen Sinn haben.
 
     
     Aber anderseits: Woher weiß ich, daß das meine Hand ist? Ja, weiß ich auch nur genau was es bedeutet zu sagen, es sei meine Hand? – Wenn ich sage “Woher weiß ich's?” so meine ich nicht, daß ich im mindesten daran zweifle. Es ist hier eine Grundlage meines
ganzen Handelns. Aber mir scheint, sie ist falsch ausgedrückt durch die Worte “Ich weiß …”
 
     
     Ja, ist nicht der Gebrauch des Wortes Wissen, als eines ausgezeichneten philosophischen Worts, überhaupt ganz falsch? Wenn “wissen” dieses Interesse hat, warum nicht “sicher sein”? Offenbar, weil es zu subjektiv wäre. Aber ist wissen nicht ebenso subjektiv? Ist man nicht nur durch
die grammatische Eigentümlichkeit getäuscht daß aus “ich weiß p” “p” folgt?
     “Ich glaube es zu wissen” müßte keinen mindern Grad der Gewißheit ausdrücken. – Ja, aber man will nicht subjektive Sicherheit ausdrücken, auch nicht die größte, sondern dies, daß gewisse Sätze am Grunde aller Fragen & alles Denkens zu liegen scheinen.
 
     
     Ist nun so ein Satz
z.B., daß ich in diesem Zimmer wochenlang gelebt habe, daß mich mein Gedächtnis darin nicht täuscht?
– “certain beyond all reasonable doubt” –
 
     
21.3.
     “Ich weiß, daß ich im letzten Monat täglich gebadet habe.” Woran erinnere ich mich? An jeden Tag & das Bad an jedem Morgen? Nein. Ich weiß, daß ich jeden Tag gebadet habe & ich entnehme das nicht aus einem andern unmittelbaren Datum. Ähnlich
sage ich “Ich habe einen Stich im Arm empfunden, ohne daß diese Lokalität mir auf eine andre Weise (durch ein Bild etwa) zum Bewußtsein käme.
 
     
Ist mein Verständnis nur Blindheit gegen mein eigenes Unverständnis? Oft scheint es mir so.
 
     
     Wenn ich sage “Ich war nie in Kleinasien”, woher kommt mir dieses Wissen? Ich habe es nicht berechnet, niemand
hat es mir gesagt; mein Gedächtnis sagt es mir. – So kann ich mich also darin nicht irren? Ist hier eine Wahrheit, die ich weiß? – Ich kann von diesem Urteil nicht abgehen, ohne alle andern Urteile mitzureißen.
 
     
     Auch ein Satz wie der, daß ich jetzt in England lebe, hat diese zwei Seiten: Ein Irrtum ist er nicht – aber anderseits: was weiß ich von England? kann
ich nicht ganz in meinen Urteilen fehl gehen?
     Wäre es nicht möglich, daß Menschen zu mir in's Zimmer kämen die Alle das Gegenteil aussagten, ja, mir ‘Beweise’ dafür gäben, so daß ich plötzlich wie ein Wahnsinniger unter lauter Normalen, oder ein Normaler unter Verrückten allein dastünde. Könnten mir da nicht Zweifel an dem Einfachsten || Offenbarsten kommen.
|| Könnten mir da nicht Zweifel an dem kommen
was mir jetzt das Unzweifelhafteste ist?
 
     
     Ich bin in England – Alles um mich herum sagt es mir; sowie ich meine Gedanken schweifen lasse, & wohin immer, so bestätigen sie mir's. – Könnte ich aber nicht irre werden, wenn Dinge geschähen, die ich mir jetzt nicht träumen lasse?
 
     
     Ich will also etwas sagen, was wie Pragmatismus klingt.
     Mir kommt hier eine
Art Weltanschauung in die Quere.
 
     
     Warum sag ich also mit M. nicht einfach “Ich weiß, daß ich in England bin”? Dies zu sagen, hat unter bestimmten Umständen, die ich mir vorstellen kann, Sinn. Wenn ich aber, nicht in diesen Umständen, den Satz ausspreche um zu zeigen || als Beispiel dafür, daß Wahrheiten dieser Art von mir mit Gewißheit zu erkennen sind, dann wird er mir sofort verdächtig. – Ob
mit Recht??
 
     
     Ich sage “Ich weiß p” entweder um zu versichern, daß auch mir die Wahrheit p bekannt sei, oder einfach als eine Verstärkung von ⊢p. Man sagt auch “Ich glaube es nicht, ich weiß es”. Und das könnte man auch so ausdrücken (z.B.): “Das ist ein Baum. Und das ist keine bloße Vermutung.”
     Aber wie ist es damit: “Wenn ich jemand mitteilte, daß das ein
Baum ist, so wäre es keine bloße Vermutung.” Ist nicht dies, was Moore sagen wollte?
 
     
     Es wäre keine Vermutung & ich könnte es dem Andern mit absoluter Sicherheit mitteilen, als etwas woran nicht zu zweifeln ist. Heißt das aber, daß es unbedingt die Wahrheit ist? Kann sich das, was ich mit der vollsten Bestimmtheit als den Baum erkenne, den ich mein Leben lang hier gesehen habe, kann sich das nicht
als etwas andres entpuppen? Kann es mich nicht verblüffen?
     Und dennoch war es richtig unter den Umständen, die diesem Satz Sinn verleihen, zu sagen “Ich weiß (ich vermute nicht nur), daß das ein Baum ist.” Zu sagen, in Wahrheit, glaube ich es nur, wäre falsch. Es wäre gänzlich irreführend zu sagen: ich glaube, ich heiße L.W. Und es ist auch richtig: ich kann mich darin nicht irren. Aber das heißt nicht ich sei darin unfehlbar.