Man sagt “Er scheint furchtbare Schmerzen zu haben”, auch wenn man keinerlei Zweifel hat, daß der Schein nicht trügt. Warum sagt man nicht man nun nicht “Ich scheine furchtbare Schmerzen zu haben”, denn dies müßte zum mindesten auch Sinn haben? // … auch wenn man nicht zweifelt, daß dieser Schein nicht trügt. // (Nun, bei einer Theaterprobe könnte ich das sagen.) ; & ebenso “Ich scheine die Absicht zu haben, ”, etc., etc.) Jeder wird sagen: “Natürlich sage ich das nicht; weil ich weiß ob ich Schmerzen (etc.) habe.” Es interessiert micht ˇfür gewöhnlich nicht, ob ich Schmerzen zu haben scheine; denn die Schlüsse, die ich
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aus diesem Eindruck beim Andern ziehe, ziehe ich für mich ˇselbst nicht. Ich sage nicht: “Ich stöhne furchtbar, ich muß ein zum Arzt gehen”; wohl aber “Er stöhnt furchtbar, er muß …”. Woher diese Diskrepanz? (Ich weiß, man wird sagen “Es kommt ja eben auf das Stöhnen, bei uns beiden, nicht an, sondern auf das Seelische, das sie ˇbloß andeuten) Aber warum glaube ich, sie deuteten beim Andern etwas an? Ich reagiere eben anders auf sein Stöhnen, als auf das meine.) Denke, ˇjemand habe Schmerzen & er stöhn[e|te] Es in ein Diktaphon; dann spielt er sich's vor & sagt “Das ist ja furchtbar; – ich muß wirklich zum Arzt gehen.”